EU und Mercosur bilden größte Freihandelszone

Nach „20 Jahre Verhandlungen mit EU: Grünes Licht für Freihandel mit Südamerika“. Es gibt jetzt eine politische Einigung mit den Mercosur-Staaten, in denen gut 260 Millionen Menschen leben, zusammen mit der fast doppelten Zahl an EU-Bürgern die größte Freihandelszone der Welt zu bilden (wobei China und Indien jeweils allein mehr Einwohner haben), was bisher für das Abkommen zum ‚Freihandel mit Japan […]‘ galt. Bei den Detailverhandlungen sollte auf den Schutz des Regenwaldes geachtet werden, während ein Aufmischen des EU-Agrarmarktes zu begrüßen wäre.

24 Gedanken zu „EU und Mercosur bilden größte Freihandelszone

  1. Ihren Wunsch „Aufmischen des EU-Agrarmarktes“ teile ich natürlich- einer der ältesten Schlachten des klassischen Linksliberalismus ist ja der Kampf gegen Agrarzölle und Agrarsubventionen. In Dortmund im Hotel Drees, in dem seit Jahrzehnten Feiern meiner Familie abgehalten wurden, sprach sich übrigens vor Jahren (ich war anwesend) der ehemalige AfD-Spitzenfunktionär Pretzell für Agrarzölle aus… Seine jetzige Ehefrau Dr. Petry bezeichnete als AfD-Vorsitzende Infrastruktur und Bildung als Staatsaufgabe…

    • Herr Pretzell wollte sich als Liberaler stilisieren, obwohl er das Gegenteil war (siehe ‚Illiberale in der AfD‘) und zum Rechtsruck der AfD wesentlich beigetragen hat.

      Infrastruktur und Bildung halte ich ebenfalls für Staatsaufgaben, aber nicht ausschließlich. Es sollte Wettbewerb mit und vor allem zwischen privaten (sowohl kommerziellen als auch gemeinnützigen) Anbietern geben. Der Staat sollte vor allem gute Rahmenbedingungen setzen und Lücken in der Grundversorgung schließen.

      • Lieber Herr Prof. Dilger: Herr Pretzell äußerte sich in Dortmund mehrfach antiliberal, klang mehr nach linker Kritik am Kapitalismus. Fast alle sonstigen Aussagen von Ihnen gerade (mit Ausnahme für privaten Wettbewerb) lehne ich ab, schreibe aber dazu aus Zeitmangel nichts. Außerdem wäre ich dann immer in Versuchung, gleichgesinnte Autoren aus calvinistisch-bibelkonservativen-demokratisch-liberalen Kirchen zu erwähnen- und das will ich SEL 300 nicht antun, ihn in Versuchung bringen, obwohl er das ja erklärt, nicht zu wollen, dazu etwas zu schreiben…

      • Es gibt nicht nur links-sozialistische Kritik an der Marktwirtschaft, sondern auch national-sozialistische. Soziale Marktwirtschaft sieht durchaus wesentliche Funktionen für den Staat vor, der jedoch nicht alles selbst machen sollte. Planwirtschaftlicher Fußball wäre langweilig, doch echter Sport braucht trotzdem Schiedsrichter.

      • @ den „calvinistisch-bibelkonservativen-demokratisch-liberalen“ Herrn Motte

        Lange nicht mehr so gelacht, Herr Motte! 😂😂😂

        Von diesen vier Adjektiven passen jeweils nur zwei zusammen:

        calvinistisch-bibelkonservativ
        demokratisch-liberal

        Warum schreiben Sie nicht gleich
        „islamistisch-ultraorthodox-calvinistisch-fundamentalistisch-bibelkonservativen-demokratisch-liberalen“ ?

        Die Geschichte lehrt uns doch, dass weder Islamisten, noch Ultraorthodoxe, noch Bibelkonservative, noch Calvinisten demokratisch, geschweige denn liberal sind.

        Religiöse Eiferer haben weder mit Demokratie noch mit Liberalität irgendetwas am Hut.

        Schönen Sonntag noch und vielen Dank für das spätmorgendliche Amüsement.

  2. Der Regenwald Brasiliens ist längst gerodet und zu Farmland umfunktioniert. Die Politik hinkt wie immer den Ereignissen Jahrzehnte hinterher.

      • Das ist relativ. Es gibt noch ein paar Regenwälder, aber es werden immer weniger. NIcht nur in Brasilien. Denken Sie nur an die stark expandierende Palmölindustrie in Südostasien.

        Ich bin ja weiß Gott niemand, der irgendwelchen Pseudo-Umeltschutz Parteien oder Sekten nahe steht, aber entweder man verzichtet gleich völlig auf die Einmischung in die Angelegenheiten souveräner Staaten (Brasiliens Agrarindustrie betreibt zwar Raubbau am Regenwald, trägt aber immerhin erheblich zum zunehmenden Wohlstand seiner Bevölkerung bei) oder man hält sich selbst an das was man von anderen fordert und betreibt Umweltschutz nachhaltig und unter Beachtung der ganzen Kette.

        Welchen Irrtümern gerade deutsche Grüne (und mit dem von ihnen erzeugten Zeitgeist auch andere Parteien) so aufsitzen, wissen wir ja. Nehmen Sie als ein Beispiel von vielen nur den Elektroauto-Schwachfug oder die „Energiewende“.

        Wie war das mit der Weissagung der Cree?
        “Only after the last tree has been cut down / Only after the last river has been poisoned / Only after the last fish has been caught / Then will you find that money cannot be eaten.”
        (Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet Ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.)

        Man könnte zum Beispiel auch sagen:
        „Erst wenn die letzten konventionelen Kraftwerke abgeschaltet sind, werdet Ihr merken, dass man Strom nicht im Netz speichern kann.“

      • Es ist doch noch schlimmer. Die Grünen ruinieren nicht nur die heimische Energieversorgung (der Strom kommt ja aus französischen Atomkraftwerken), sondern zerstören auch die Umwelt hier (da das Waldsterben ausfiel, soll jetzt der letzte Baum für ein Windrad gerodet werden) und global (Regenwälder werden z. B. für Biokraftstoffe gerodet).

      • Ja, den Grünen geht es nicht wirklich um Naturschutz! In Deutschland gibt es viele nicht mehr landwirtschaftlich genutzte Flächen. Da könnte man viele Bäume pflanzen, die das überschüssige CO2 gut gebrauchen könnten. Aber solche Ideen hören wir von den Grünen nicht…!

  3. Prof. Dilger; Um Ihren Vergleich zu benutzen: Staatliche Schulen und Infrastruktur machen den Staat zum Mitspieler, nicht zum nichtmitspielenden Schiedsrichter…
    SEL300: Ich besitze schätzungsweise 300 Bücher, die beweisen, wie sehr Calvinistisch-Bibelkonservative Liberaldemokraten waren und sind (darunter viele von Gelehrten, die gerade nicht calvinistische Bibelkonservative waren oder sind, etwa Max Weber, Ernst Troeltsch, Seymour Lipset, John Vincent) …

    • Mag sein. Mich würden aber auch Ihre 300 Bücher nicht umdrehen. Ich habe in meinem Leben genügend eigene Erfahrungen mit Vertretern dieser Sekten gesammelt. Reale Begegnungen, keine Schriften Dritter. Für mich zählt, was ich selbst sehe und nicht, was irgendein Protagonist oder Anhänger solcher Sekten in einem Buch behauptet.

    • Sollte der Staat nicht zum gleichberechtigten Mitspieler werden statt alle dominierender Spieler mit Sonderrechten bleiben? Weiterhin bin ich für Gewaltenteilung und echten Föderalismus. Bildungspolitik ist z. B. reine Ländersache und der Bund sollte sich nicht immer stärker hineindrängen, indem er z. B. ansonsten Ländern und Kommunen den Geldhahn zudreht.

      • Der Staat ist, spielt er, etwa bei Bildung und Infrastruktur, mit, immer irgendwie dominierender Mitspieler, da er ja erstens zugleich Schiedsrichter ist, und zudem zweitens bessere Wettbewerbsbedingungen hat, etwa, da er sich Geld mit Gewalt beschaffen kann. Ansonsten volle Zustimmung.

  4. Rechtlich sichere Freihandelszonen reichen auch vollkommen aus! Für was brauchen wir eine EU, die nicht in der Lage ist (oder gar nicht in der Lage sein will) ihre Außengrenzen wirksam zu schützen. Es ist Teil der „One World“-Ideologie der Linksgrünen, dass man Grenzen nicht schützen muss und jeder hingehen kann, wo er will. Also gehen die Armen dort hin, wo es am meisten Geld gibt, nach GerMoney…!

    • Herr francomacorisano und auch einige andere Anwender des Begriffes „linksgrün“. Gemeint sind verschiedene Weltansichten unter linker, grüner und liberaler Ideen. Das muss nicht schädlich sein für die Menschheit, zeigt es doch die weite Grenze des Machbaren. Ansonsten hätten wir Stillstand und Gleichgültigkeit.

      • Kollektivistische Weltanschauungen sind immer verkehrt, denn sie gehen von einem falschen Menschenbild aus und können somit nicht zu guten (= wirklichkeitsbezogenen) Lösungen kommen, es sei denn zufällig…!

      • Der reale Sozialismus hat viel Leid über die Menschheit gebracht. Die Grünen kommen ideologisch aus derselben Ecke und huldigen jetzt außermenschlichen Zielen. Wir sollen Wohlstand, Freiheit und sogar unsere Kinder für den Klimagott Baal opfern.

      • Die meisten grünen Funktionäre sind doch selbst älter. Herr Habeck hat dagegen schon die Bayern und Thüringer (wo die Grünen mitregieren) als Undemokraten beschimpft. Da nach seinem Verständnis Demokraten nur die Grünen wählen können, bietet sich das Verbot aller anderen Parteien als undemokratisch an. Deren bisherigen Mitgliedern und Wählern werden alle Grundrechte entzogen.

      • Irgendeine pfiffige Lösung wird den die Grünen schon einfallen … erst mal um den Globus fliegen und schauen, wie andere „lupenreine Demokraten“ (zum Beispiel in Afrika, Nordkorea oder Teilen Südamerikas) das so machen.

        Am Entzug der Grundrechte für Andersdenkende arbeitet Low-Tech Robot Angela aus dem VEB Kombinat Robotron ja außerdem auch schon. Aber heute Nacht müssen erst einmal die neuen EU-Regenten gekürt werden. George Orwell („1984“) und Walter Ulbricht („Wenn ich durch die Straßen gehe // Und etwas Neues, Schönes sehe // Weis‘ ich stolz darauf: // Das hat mein Freund getan! // Mein Freund, der Plan!“ oder „Es muß demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben.“) lassen grüßen.

  5. Pingback: Österreich stimmt gegen Freihandel mit Mercosur | Alexander Dilger

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