Gerichte winken Totfahren von Kindern und Schreddern von Küken durch

Ein „Prozess um Tod eines Vierjährigen endet mit Geldstrafe“ in Berlin. Ein Autofahrer fuhr illegal auf der Busspur mit über 70 Stundenkilometern statt den erlaubten 30. Dadurch fuhr er ein Kind tot, welches nicht mit diesem Fehlverhalten rechnen konnte und bei ordnungsgemäßer Fahrweise noch leben würde. Während in Hamburg ein „Raser erstmals wegen Mordes verurteilt“ wurde, was ich für überzogen halte, wird hier die fahrlässige Tötung viel zu lasch bestraft mit einer Geldstrafe in Höhen von 200 Euro (40 Tagessätze zu 5 Euro). Allein für die Geschwindigkeitsübertretung hätte es das außerdem verhängte Fahrverbot von einem Monat ohnehin gegeben und ein Bußgeld von 160 Euro, so dass die Tötung eines Kindes hier faktisch nur 40 Euro kostet. Das Urteil ist lebens-, kinder- und familienfeindlich.

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat gestern entschieden, dass das „Töten männlicher Küken tierschutzrechtlich nur noch übergangsweise zulässig“ ist, ohne eine Übergangsfrist zu bestimmen. Erst stellt das Gericht richtig fest: „Das wirtschaftliche Interesse an speziell auf eine hohe Legeleistung gezüchteten Hennen ist für sich genommen kein vernünftiger Grund i.S.v. § 1 Satz 2 des Tierschutzgesetzes (TierschG) für das Töten der männlichen Küken aus diesen Zuchtlinien. […] Im Lichte des im Jahr 2002 in das Grundgesetz aufgenommenen Staatsziels Tierschutz beruht das Töten der männlichen Küken für sich betrachtet nach heutigen Wertvorstellungen nicht mehr auf einem vernünftigen Grund.“ Aber selbst 17 Jahre später „kann von den Brutbetrieben eine sofortige Umstellung ihrer Betriebsweise nicht verlangt werden.“ Dabei gibt es bereits Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei und auch andere Alternativen, die jedoch nicht kostenlos sind. Faktisch wird weiterhin erlaubt, Millionen männliche Küken kurz nach dem Schlüpfen zu töten, weil das ein wenig billiger ist. Die verantwortlichen Politiker sollten jetzt keine großen Reden halten, sondern die gesetzliche Grundlage für ein sofortiges Verbot schaffen.

36 Gedanken zu „Gerichte winken Totfahren von Kindern und Schreddern von Küken durch

  1. Danke für das Thema. Man kann das Geschlecht bestimmen,aber nicht in den ersten Tagen. Nach 5 Tagen im Ei verspürt die Brut Schmerzen,so die Wissenschaft. Wenn das Problem gelöst ist, wird es Änderungen geben.
    Wer sich darüber bewusst wird, fragt sich: Wie erkenne ich denn an der Eier-Packung, ob dafür Küken getötete wurden? Ein einheitliches Siegel – wie für Bio-Ware – gibt es hier nicht. Aber: Es gibt verschiedene Initiativen, die sich gegen das Kükentöten einsetzen. Darunter die Bruderhahn Initiative Deutschland (BID), hier wird für eine Aufzucht der Bruder-Küken gesorgt. Eier kosten pro Stück 4 Cent mehr, dafür werden die Bruder-Küken aber aufgezogen statt aussortiert und geschreddet. Die Initiative wird unterstützt von Bioland und Demeter. Auf den Verpackungen der Eier ist aufgedruckt, dass es sich um betreffende Eier handelt.

    • Wie Tiere Schmerzen empfinden, ist grundsätzlich nicht so klar. Jedenfalls dürfte es im Ei weniger sein als für geschlüpfte Küken.

      Eine Kennzeichnung wäre gut, doch ich kann mich nicht erinnern, diese schon einmal gesehen zu haben.

  2. Gerichte haben einfach zu viel Macht! Wie der Tierschutz auszusehen hat, müsste in einer echten Demokratie von den gewählten Volksvertretern und nicht von Richtern bestimmt werden. In jedem Fall wird es für uns Verbraucher teurer, wie immer, wenn linksgrüne Politik durchgedrückt wird…!

    • Herr francomacorisano, seit dem Jahr 2002 ist Tierschutz als Staatsziel im Grundgesetz verankert. Deshalb gibt es keine grünen Eier. Jede Deutsche Partei im Bundesparlament hat den Tierschutz in seinem Parteiprogramm. Immer alles auf die Grünen schieben im negativen Sinn hilft dem Tierschutz nicht sonders. Das gestrige Urteil hilft dem Tierschutz, keine Frage. Wie ist denn ihr persönliches Urteil?

      • Sie erinnern sich daß wir vor nicht allzu langer Zeit eine RotGrün Regierung hatten? Und das sogar mit grüner Landwirtschaftsministerin? Hat sich in dieser Zeit irgend etwas bemerkbares in der landwirtschaftlichen Tierhaltung ergeben?

      • Tun die Grünen real überhaupt etwas für die Umwelt oder gar Tiere? Der Tierschutz kam unter Rot-Grün ins Grundgesetz, allerdings nur mit Zustimmung der Merkel-Union, die auch sonst die treibende Kraft bei Umsetzung grüner Rhetorik ist, z. B . überhasteter Ausstieg aus der zivilen Nutzung der Atomkraft oder jetzt aus der Kohle.

      • Ein dem Zeitgeist ständig angepasstes Grundgesetz lehne ich ab. Menschen haben Menschenrechte und dafür gibt es ein Grundgesetz. Aber „Tierrechte“, von denen Grüne träumen, gibt es nicht! Das heißt nicht, dass Tiere unnötig gequält werden sollen. Das will ich auch nicht! Vielleicht kann man ja Küken weniger brutal töten, als schreddern.

        Wogegen ich mich massiv wehre, ist das grüne Veggie-Denken, wo Tiere auf die gleiche Stufe mit Menschen gestellt werden. Das nimmt diktatorische Züge an, die unsere Freiheit und unsere Art zu leben bedrohen. Der Zeitgeist ist nicht mein Maßstab!!!

    • Hintergrund des Urteils ist, dass die gewählte Regierung das Schreddern verboten hatte, wogegen einige Betriebe erfolgreich klagten. Die gewählten Volksvertreter haben den Tierschutz auch ins Grundgesetz aufgenommen, der jetzt weniger wert ist als ein paar Cent.

  3. So ist wenigstens die Zulieferung der Rohstoffe für „Chickenburger“ und „Chicken Nuggets“ sichergestellt. *Sarcasm off*

  4. „…..so dass die Tötung eines Kindes hier faktisch nur 40 Euro kostet. Das Urteil ist lebens-, kinder- und familienfeindlich. “

    Was ist in Berlin noch mit normalen Maßstäben gegeben, wo sind Werte, Tugenden, Gesetze und Vorschriften die angewandt und – was noch wichtiger ist – durchgesetzt werden ?

    Polizei / Polizisten/innen laufen psychisch Amok, bekannte innerliche Kündigung längst vollzogen.

    Justiz für den Berliner Bürger/in unverständlich geworden, zumal für Ältere die sich eh von Behörden ausgegrenzt fühlen , tatsächlich sind. Nach Einbruch Dunkelheit fährt kein Älterer mehr mit U – oder S – Bahn, ungern mit Bus. Großer Verlust an Lebensqualität, geliebter Besuch bei Freunden, Bekannten etc. oder gar Theater, Konzert – Abonnement war mal üblich – ade.

    O.g. Urteil wegen vorsätzlicher Kindestötung durch PKW Fahrer – eigentlich Mord – so infam, wider Kindes- Elternwohl , ist nicht akzeptabel oder hinnehmbar. Hoffend auf Revision. Was sind das unmenschliche Richter , kein Gewissen , kalte Umsetzung irgendwelcher Paragraphen ?

    • Ja, für Linksgrüne ist das Schreddern von Küken schlimm, Abtreibung von menschlichen Babys aber nicht…!

    • Richter sollten sich schon an die Gesetze halten. Das Gesetz lässt für fahrlässige Tötung jedoch auch Gefängnisstrafen bis zu fünf Jahren zu. Warum die Richter hier trotz mehrfacher Verstöße (zu schnell auf Busspur neben Stau in Straße mit kleinen Kindern) am untersten Ende geblieben sind, erschließt sich mir nicht. Vermutlich gibt es Präzidenzfälle, was die Sache jedoch nicht besser macht. Vielleicht sollte der Gesetzgeber hier nachbessern und eine Mindeststrafe im Gefängnis vorsehen. Das macht das tote Kind auch nicht wieder lebendig, hat aber eine eher abschreckende Wirkung. Das aktuelle Urteil ist hingegen ein Freibrief für lebensgefährdende Verkehrsregelverstöße.

      • Wir bekommen ja gerade in großer Zahl Fachkräfte mit gefälschten oder erschlichenen Führerscheinen geschenkt und die Speditions- und Logistikbrance sucht (v.a. dank unseres modernen Konsum- und Bestellverhaltens) händeringend nach Fahrern. Vielleicht besteht da ja ein Zusammenhang mit milderen Urteilen für totgefahrene Fußgänger und Kinder?

      • …weil „die Gäste von Frau Merkel“ Strafrabatt bekommen! „Kultursensibel“ oder „haftempfindlich“ nennt sich das dann im Amtsdeutsch. Die Gleichheit vor dem Gesetz im Sinne von Justicia ist längst Vergangenheit….! 😦

  5. Zum Thema Kind überfahren vielleicht noch ein kleiner Denkanstoß. Seit dem Aufkommen von Smartphones ist die Zahl tödlich endender Verkehrsunfälle wieder vernehmbar angestiegen.
    https://www.focus.de/auto/experten/haberland/ablenkung-am-steuer-smartphone-am-steuer-ist-unfall-ursache-nummer-eins_id_7598701.html
    https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/smartphones-im-auto-handy-nutzung-hauptgrund-fuer-500-tote-im-verkehr/13941412.html
    https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20180410_OTS0072/smartphone-am-steuer-ist-unfallursache-nummer-eins

    Gegen die Benutzung von Smartphones und ähnlichen Geräten am Steuer muss endlich konsequent vorgegangen werden. Schon das Telefonieren mit einer Freisprechanlage lenkt beim Autofahren spürbar ab. Auch die Bedienung eines Navigationsgerätes während der Fahrt sollte m.E. verboten oder noch besser technisch verunmöglicht werden. Das empfehle ich als echter Vielfahrer mit durchschnittlich um die 100.000 km Jahresfahrleistung, denn jeder Unfall, der durch unnötige Unachtsamkeit verursacht wird, ist vermeidbar und ein Unfall zu viel.

      • 300sel, ganz lieb und vernünftig gedacht, dann bitte schaffen, verbieten Sie auch den Weihnachtsmann .

        Der bringt immer die süßen Sachen – u.a. mit viel Zuckerinhalt – und die sind bekanntlich sehr, sehr ungesund, nicht nur für Kinder, auch für die Alten !

      • Der Weihnachtsmann könnte ja auch vernünftigere Sachen bringen. Ein Smartphone im öffentlichen Raum lenkt hingegen immer ab.

      • Nein, das wäre in der Tat illiberal. Aber möchten Sie zu einer hohen Geld- oder gar Gefängnisstrafe verurteilt werden, weil ihnen ein Smombie ins Auto läuft?

      • Das aktuelle Urteil spricht doch nicht dafür, dass noch hohe Strafen zu erwarten sind. Totfahren ist auch viel billiger, als wenn jemand nur verletzt wird. Wir leben schon in einer seltsamen Gesellschaft.

      • Ja, das ist in der Tat seltsam. Aber draufhalten und Fußgänger richtig tot fahren, statt „nur“ zum Krüppel zu fahren ist auch keine liberale Lösung.

      • Natürlich nicht, aber leben wir noch in einem liberalen Rechtsstaat? Wir können noch auf Vernunft und Güte unserer Mitmenschen hoffen, doch der deutsche Staat und die EU schützen uns und vor allem unsere Kinder nicht mehr, was eigentlich ihre Kernaufgabe wäre.

      • Da sind wir uns wohl einig. Dieser Staat arbeitet gegen seine Bürger. Dabei sollten doch eigentlich die Bürger der Staat sein und seine Bediensteten und Regenten den Bürgern dienen. Leider ist es heute aber so, dass sowohl Arbeitnehmer (nicht nur im öffentlichen Dienst) als auch Politiker zwar ihre Rechte Privilegien bestens kennen und zu nutzen verstehen, aber nur die wenigsten auch nur einen Gedanken an ihre Pflichten verschwenden. Verpflichtet ist alleine der Steuern und Abgaben zahlende Bürger oder Unternehmer. Modernes Kastenwesen eben.

      • Im Gegensatz zu Ihnen denke ich schon, dass die meisten Beamten und Angestellten im öffentlichen Dienst ihren Beruf durchaus ernst nehmen. Es ist aber nicht jeder für alles zuständig, sondern es gibt abgegrenzte Aufgabenbereiche. Vor allem macht die politische Führung viele unsinnige Vorgaben, die nicht einfach ignoriert werden dürfen. Trotz allem sind unsere Politiker demokratisch legitimiert und muss die Auseinandersetzung politisch sowie demokratisch geführt werden, nicht rein individuell.

      • Ernst nehmen vielleicht. Aber nicht im Interesse ihrer Kunden (Bürger), sondern im Interesse ihres Arbeitgebers (Krake Staatsapparat). Und genau da liegt das Problem. Der Verwaltungsapparat und die Regierung eines Staates müssen seinen Bürgern dienen und nicht sich selbst bedienen.

    • Ìch sehe täglich Auto- und Lasterfahrer mit Smartphone am Steuer. Offensichtlich wird das kaum kontrolliert. Wenn dann andere Leute deswegen umkommen, kommt man wohl ebenfalls mit lächerlichen Geldstrafen davon.

      Freisprechanlagen sehe ich nicht so kritisch. Die Ablenkung hält sich in Grenzen und die Benutzung führt zu einem weniger riskanten Fahren (zumindest bei mir, z. B. weil höheres Tempo lauter ist). Notfalls hat der Verkehr vorrang und muss der Gesprächspartner kurz warten.

      Zumindest mein eingebautes Navigationsgerät hat den Nachteil, dass es erst eine Weile nach dem Anlassen des Motors bedient werden kann.

      • Genau deshalb ist das Telefonieren mit Freisprechanlagen während der Fahrt ja erlaubt und ohne – zumindest am Steuer – nicht. Das hat schon seinen Sinn.

        Zu fest eingebauten Navis:

        Vorteile:
        – Mehr Gewinn für die Automobilhersteller
        – Regelmäßige Werkstattbindung (wegen Updates)
        – Weniger Ablenkung (auch weil das Ziel i.d.R. zu Beginn der Fahrt eingegeben wird)

        Nachteile:
        – Extrem hohe Anschaffungskosten
        – Updating meist sehr kostenintensiv
        – Hohe Folgekosten bei Defekten
        – Unflexible Nutzung, da auf ein Fahrzeug beschränkt

        Ich bestelle mir jedenfalls keines mehr mit.

      • Bei mir war es dabei und ich verzichte auf Updates. Hinsichtlich Staus und des allgemeinen Verkehrsflusses ist Google ohnehin viel besser.

      • Die fest eingebauten Navis sind in der Tat ziemlich dumm. Je länger sie auf ein Update verzichten, desto öfter wird es sich aber nicht mehr auskennen, da ja ständig neue Straßen gebaut werden und manchmal auch die Verkehrsführung von Einbahnstraßen usw. geändert wird. Das Navi wird so mit zunehmender Zeit immer nutzloser. Jedenfalls ohne Update. Ein Garmin oder Tomtom hingegen lässt sich bequem zuhause updaten und das zumeist kostenlos oder für vergleichsweise sehr kleines Geld und erweist einem auch dann gute Dienste, wenn man mehrere Autos hat oder mal mit dem Fahrrad eine Strecke fährt, die man noch nicht kennt.

  6. Lieber Herr Dilger,
    mir spricht Ihr Kommentar zu dem Tierschutzurteil aus dem Herzen. Bei der Petition „Retten Sie den Rotmilan und andere von der Ausrottung bedrohte Arten!“ geht es um die Durchsetzung der Europäischen Vogelschutzrichtlinie. Es geht also ncht nur um den Tierschutz, sondern auch um einen rechtlichen Aspekt, wenn auch nicht um Rechtsprechung, so doch um Anwendung von Recht. Ich bitte Sie sehr, diese Petition zu unterschreiben und mir bei der Verbreitung dieser Petiton zu helfen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. René Sternke
    https://www.change.org/p/f%C3%BCr-landwirtschaft-und-umwelt-mecklenburg-vorpommern-retten-sie-den-rotmilan-und-andere-von-der-ausrottung-bedrohte-arten-0dab0be9-2465-4cbe-93f0-84b5430b0d8f

  7. Pingback: Frankfurt erlässt alle Strafen für falsches Parken | Alexander Dilger

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