Italien beschließt Mini-Bots als mögliche Parallelwährung

„Sorgt Italien für die nächste Euro-Krise?“ ‚Italien streitet mit EU und EZB, aber demokratisch‘. Die italienischen Pläne zur Schuldenerhöhung habe ich schon behandelt, doch das Parlament hat noch eine wirkungsvolle Maßnahme beschlossen, nämlich „Salvinis neue Waffe: Mit den Mini-Bots könnte Italien den Euro sprengen“. Mini-Bots sind kleinteilige Schatzanweisungen in Stückelungen von 5 bis 500 Euro. Diese könnte nun die italienische Regierung ausgeben und dann zum Begleichen von Steuerschulden akzeptieren.

Ob es sich dabei juristisch um eine Parallelwährung oder einfach Staatsanleihen handelt, für die kein Annahmezwang besteht wie für Euro-Scheine, ist strittig, doch faktisch und ökonomisch wäre es tatsächlich eine Parallelwährung. Ob eine solche formal verboten ist, ist ebenfalls strittig, doch politisch könnte sich die EZB das kaum gefallen lassen. Damit ist die nun geschaffene Möglichkeit von Mini-Bots ein gutes Druckmittel für die italienische Regierung. Zugleich eröffnen Mini-Bots eine elegante Austrittsoption aus dem Euro. Die italienischen Staatsschulden könnten dabei gleich mit abgewertet werden, in Form der Mini-Bots ohnehin, aber auch die übrigen.

Es ist Augenwischerei, dass Italien vor allem im Inland verschuldet sei (siehe den zuerst verlinkten Artikel, insbesondere dieses Bild). Italienische Privatanleger und normale Unternehmen halten nur noch fünf Prozent der italienischen Staatsanleihen. Ausländische Anleger halten zwar direkt auch nur noch knapp unter 30 Prozent, aber der Rest liegt bei der italienischen Zentralbank, italienischen Geschäftsbanken und anderen italienischen Finanzinstituten, also letztlich bei der EZB, insbesondere wenn Italien einseitig aus dem Euro aussteigen sollte. Dann ist der negative italienische Target-Saldo von knapp einer halben Billionen Euro das geringste Problem, sondern Italien könnte einfach alle Aktiva behalten und seinen Finanzsektor mit neuen Lira (oder erst einmal Mini-Bots) ausstatten. Folglich ist das Erpressungspotential Italiens sehr groß, so dass es vermutlich einfach im Euro bleibt und diesen in seinem Sinne zur europäischen Lira umgestaltet.

29 Gedanken zu „Italien beschließt Mini-Bots als mögliche Parallelwährung

  1. Italien braucht eine andere Geld- und Finanzpolitik als Deutschland!
    Vielleicht ist DAS der Anfang vom scheibchenweisen Ende des Euro?
    Welche Aktien könnten davon profitieren…

    • Bankaktien sollte man momentan besser meiden, nicht nur die der kürzlich angesprochenen Deutschen Bank. Wenn der Euro zerbricht, würde eine neue DM stark aufwerten, wovon man als Anleger in Deutschland jedoch erst einmal nicht so viel hat (danach kann man anderswo günstiger einkaufen).

      • …und wie wäre das Verhältnis zum US-$ dann? Besser oder schlechter, als heute mit dem Euro? (Ich will US-$ günstig kaufen, in Bar!).

    • Als Privatanleger würde ich in Eni, Fiat Chrysler und Pirelli investieren, falls Italien tatsächlich aus dem Euro ausschert. Aber erst dann.

      • Richtig, wenn der Euro Geschichte ist, wird es ganz viele Investitionsmöglichkeiten geben. Bis dahin parken viele ihr Geld insbesondere in Deutschland, was auch die negative Rendite für Bundesanleihen erklärt.

      • Geparkt wird von ausländischen Investoren zur Zeit vor allem gerne in deutschen Metropolregionimmobilien. Da kommen sie dann aber kurzfristig nicht so einfach und vor allem nicht ungeschoren wieder heraus, wenn die Blase erst einmal platzt …

      • Im internationalen Vergleich sind deutsche Immobilien immer noch billig. Interessant ist, dass der DAX größtenteils Ausländern gehört.

      • Deshalb werden die deutschen Immobilien zur Zeit ja so gerne blind gekauft. Aber welche Zukunftsperspektiven haben die Immobilien in einem zunehmend verarmenden Deutschland denn tatsächlich? Die Renditen um ein bis zwei Prozent p.a. können es bei weitestgehend ausgereizten Mieten ja wohl nicht sein.

        Die strategischen ausländischen DAX-Investoren gehen nach anderen Kriterien vor und sich auch nicht dieselben wie die Immobilienkäufer.

      • Sie glauben an eine DDR 2.0. Dann würde tatsächlich ganz Deutschland verarmen. Deutsche Immobilien würden überall an Wert verlieren oder sogar ganz enteignet (im Land Berlin arbeitet man bereits an einer Vorstufe).

        Ich glaube allerdings eher an amerikanische Verhältnisse, denen wir doch auch sonst hinterherhinken. In Deutschland wird viel von sozialem Zusammenhalt geredet, doch tatsächlich wird er gerade aufgesprengt. Schauen Sie sich doch die großen politischen Fehler von Frau Merkel an. Euro-, Flüchtlings- und vermeintliche Klimakrise führen doch nicht zu mehr, sondern weniger sozialem und sonstigem Zusammenhalt. Es wird dann Spitzenlagen mit weiter steigenden Preisen geben, während andere Gegenden und vor allem Menschen absteigen. Sollte die gesetzliche Rente wie von Ihnen zugleich erhofft und befürchtet wegfallen, verarmen nicht plötzlich alle, sondern große Teile der Bevölkerung, während andere davon profitieren. Faktische Fahrverbote für die einen bedeuten freiere Straßen für die anderen etc.

      • Das eine schließt doch das andere – so paradox es klingen mag – nicht einmal wirklich aus. Die wenigen echten Spitzenlagen bleiben noch eine zeitlang teuer, aber eine zunehmende Zahl von Immobilien wird der asozialen Verhältnisse wegen an Wert verlieren. Vor allem, wenn die erwarteten Mieten ausbleiben, da sie schlicht und ergreifend nicht mehr aufgebracht werden können. Das gilt sowohl für Wohnimmobilien als auch für Gewerbeimmobilien.

      • Der DAX ist tot. Industriewerte sind generell hochriskant, aber im heutigen Deutschland ist es generell wahnsinnig in Industriewerte zu investieren. Von der strukturellen China-Abhängigkeit ganz zu schweigen. VW, Daimler und BMW sind nicht unterbewertet, sie sind so billig, weil sie vor einer völlig ungewissen Zukunft stehen. Die goldenen Zeiten sollten tendenziell eher vorbei sein. Immobilien waren in guten Lagen lange Zeit eine sichere Bank, kann man aufgrund der linksradikalen Verschiebung der politischen Landschaft aber auch nicht mehr machen. In Deutschland bieten sich dann vielleicht noch die wenigen IT-Werte wie SAP an, die ihr Geschäft relativ leicht und schnell verlagern könnten und aktuell nicht so sehr im Fokus der Politik stehen.

        Ich würde mein Geld tendenziell im Ausland anlegen. Generell ist die Schweiz ein guter Tipp mit vielen diversifizierten defensiven Werten sowie einer stabilen Politik. Die USA ist natürlich auch attraktiv. Die Zinsen werden demnächst wieder sinken, sodass die Unternehmensverschuldung zumindest zinsbedingt nicht zum Boomerang werden dürfte. Dennoch basiert ein großer Teil der Kurssteigerungen auf der Steuerreform sowie einem gezielten Leveraging (Aktienrückkäufe etc.) und hier besteht zukünftig eigentlich kein Spielraum mehr. Trump wird zwar alles für stabile Aktienmärkte tun und auf die Fed auch entsprechenden Druck ausüben, sollte sich das konjunkturelle Bild aber eintrüben, sind Rückschläge dennoch nicht auszuschließen.

      • Mein Hinweis war eigentlich explizit auf Italien bezogen. Die genannten Unternehmen sind gut aufgestellt, haben eine lange Unternehmensgeschichte und solide Basis. Auch CNH Industrial und die Autobahngesellschaft Atlantia sind interessante italienische Aktien. Von einer Abwertung gegeünber dem Euro würden die exportorientierten italienischen Industriewerte sehr profitieren und viel auf den Autobahnen gefahren wird in Italien schon auf Grund seiner Topographie immer.

      • 300sel, am Wochenende ist die Fusion FCA mit Renault geplatzt. Der Traum vom Marktführer ist deshalb vorläufig mal vorbei. FCA hatte ich auch auf dem Schirm. Bei 10 Euro überlege ich mir ein Investment.

      • @Horst Krebs
        Schauen Sie sich am besten auch einmal CNH Industrial an (Iveco, Steyr, Magirus usw.).

      • Das CNH Buy Back Programm kann für den Anleger interessant sein,der innere Wert der Aktie liegt aber nicht deutlich über dem derzeitigen Aktienkurs. Ich investiere nur in unterbewertete Aktien

      • M.E. eine Aktie mit sehr geringen Risiken aber im Verhältnis zu den Risiken sehr guten Chancen. Allerdings kenne ich natürlich Ihre Anlageziele und -strategie nicht.

      • Man sollte sich nicht so viele Gedanken über einzelne Aktien machen. Diversifikation lautet das Zauberwort, womit sich das Risiko senken lässt, ohne im Erwartungswert an Rendite zu verlieren.

      • Das ist grundsätzlich richtig, wobei es natürlich auch die Ausreisser nach oben bei den möglichen Chancen glättet.

  2. Sollte die Verschuldung Italiens weiter zunehmen, werden die Kosten der Re- und Neufinanzierung von Staatsanleihen weiter zunehmen, wozu der Vertrauensverlust durch Mini-Bots noch beitragen dürfte. Diese Kosten werden auch die durch die Mini-Bots entstehenden Zinsvorteile weit überwiegen. Für Italien besteht weiter die Gefahr, dass die EZB dann ihre Refinanzierung auslaufender Anleihen zurückfahren muss.
    Auch würde die anstehende Reform des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) zumindest verschoben werden müssen.
    Beim Thema der Mini-Bots handelt es sich m.W. zunächst um einen Antrag der Abgeordneten-Kammer, von dem ein Teil der Antragsteller schon wieder abrückt. Italien wird zunehmend seit 2012 Teil der Wertschöpfungskette in der EU; die u.a. mit Hilfe der von China teilfinanzierten Infrastruktur-Investitionen sind darauf angepasst. Wenn Draghi von einer gefährlichen Absicht spricht, meint er den drohenden Vertrauensverlust der Kapitalmärkte gegenüber Italien, hervorgerufen durch politisch motiviertes Gerede.

    • Sofern Italien nicht daran interessiert ist, Teil der Vereinigten Staaten von Europa zu werden, täte es gut daran, die Eurozone zeitnah zu verlassen und wird dies wohl auch in die Tat umsetzen.

      • Dem messe ich keine große Bedeutung bei. Irgendwie müssen Conte und Salvini die EU ja erst einmal beschwichtigen. Aber ohne den Euro zu verlassen, wird Italien aus der zunehmenden Staatsverschuldung nicht mehr heraus kommen. Außer vielleicht durch einen Ausverkauf seiner Infrastruktur an China. Also warten wir ab, was passiert.

      • Ein so hoher Schuldenstand lässt sich ohne kräftiges Wachstum, welches Italien nicht zuletzt wegen des Euro nicht hat, nicht insolvenzfrei abbauen. Italien braucht einen Schuldenschnitt, der sich elegant mit einem auch sonst vorteilhaften Euroaustritt verbinden ließe.

      • im Falle Italiens lässt sich die Insolvenz des Staates durch den Ausverkauf der Infrastruktur noch etwas hinauszögern. China ante portas.

      • Das bedeutet wenig. Es kann sein, dass vorher nur viel geredet wurde, aber auch die Abwiegelungsversuche könnten reines Gerede sein. Tatsächlich ist es nicht sehr klug, wenn Regierungsmitglieder öffentlich über einen Euroaustritt debattieren und ihn dann noch nicht einmal vollziehen. Umgekehrt wäre es am besten, gar nicht groß darüber zu reden, sondern das einfach zu machen.

    • Bei den Mini-Bots geht es nicht um Zinsvorteile, sondern erstens zusätzliche Schulden, die man nicht zählen will (wie die Lieferantenkredite, die dadurch teilweise beglichen werden sollen), und zweitens die Option zum Euroausstieg. Beides könnte aber auch nur dazu dienen, die eigene Verhandlungsposition zu stärken.

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