Massaker am Tian’anmen-Platz vor 30 Jahren

Vor 30 Jahren, am 4. Juni 1989, wurden durch die chinesische Regierung rund um den Platz des Himmlischen Friedens wochenlange Dauerproteste für Demokratie blutig niedergeschlagen. Es gab wahrscheinlich eine vierstellige Zahl an Toten und noch viel mehr Verletzte sowie Gefangene. Bis heute darf in China dieses Ereignisses nicht gedacht werden (in Hongkong allerdings schon) und ist keine vergleichbare Demokratiebewegung mehr entstanden.

Die Ermordung von so vielen friedlichen Demonstranten ist in jedem Fall zu verurteilen. Das sich ein Regime selbst erhalten und verteidigen will, ist verständlich, doch das Massaker war in jedem Fall unverhältnismäßig. Die große Brutalität ist dabei kein Zeichen von Stärke, sondern Schwäche. Die Proteste hätten grundsätzlich auch mit weniger Gewalt und vor allem ohne Tote beendet werden können. Doch die Hardliner in der Regierung wollten vermutlich schnell Tatsachen schaffen, um nicht von anderen Mitgliedern der chinesischen Führung daran gehindert zu werden. Außerdem trauten sie vielleicht den eigenen Polizisten und Soldaten nicht, ob diese nicht bei einer langsamen Räumung zu den Demonstranten übergelaufen wären.

Niemand weiß, was ohne dieses Massaker vom Tian’anmen-Platz passiert wäre. Vielleicht hätte sich die Demokratiebewegung von selbst erledigt, vielleicht hätte sie jedoch auch zum Sturz der Staats- und Parteiführung beigetragen. Ausgearbeitete Pläne für ein demokratisches China gab es nicht und an demokratischen Traditionen fehlt es bis heute in China.

Der anhaltende wirtschaftliche Erfolg Chinas zeigt, dass die undemokratische Regierung nicht alles falsch gemacht hat. Wirtschaftliche Entwicklung ist offensichtlich auch ohne politische Freiheit möglich. Allerdings haben neben dem Wohlstand auch die faktischen Freiheiten der Chinesen seit dem Tod Mao Zedongs (siehe ‚Mao starb vor 40 Jahren‘) enorm zugenommen. Während seiner langen Schreckensherrschaft wurden im Schnitt jeden Tag mehr Menschen ermordet als einmalig vor dreißig Jahren bei diesem blutigsten Ereignis seit seinem Tod.

Diktatur ist eben nicht gleich Diktatur, wie es auch große Unterschiede zwischen Demokratien gibt. Neben den zunehmenden Konflikten mit den USA ist die größte Gefahr für China heute, dass Xi Jinping die Gruppenherrschaft durch ein sich regelmäßig erneuerndes Politbüro wieder durch eine einzige Person ersetzt, nämlich sich selbst nach dem schlechten Vorbild Maos (siehe ‚Xi lässt sich auf Stufe mit Mao stellen‘).

15 Gedanken zu „Massaker am Tian’anmen-Platz vor 30 Jahren

  1. „Dass sich ein Regime selbst erhalten und verteidigen will, ist verständlich …“
    Man wird es die nächsten Wochen auch in Deutschland wieder einmal beobachten können. Wenn auch hoffentlich nicht mit einem Massaker wie am Tian’anmen-Platz vor 30 Jahren. Das hiesige Regime, ähm pardon, die sehr gute hiesige „Regierung“, bedient sich eben subtilerer Methoden, wird aber ganz sicher nicht abdanken, nur weil die kleinere der beiden umverteilungssozialistischen Regierungsblockparteien gerade völlig auseinanderbricht.

    „Der anhaltende wirtschaftliche Erfolg Chinas zeigt, dass die undemokratische Regierung nicht alles falsch gemacht hat. Wirtschaftliche Entwicklung ist offensichtlich auch ohne politische Freiheit möglich.“
    Das deutsche Beispiel nach der Bundestagswahl 2017 hat gezeigt, dass wirtschaftlicher Erfolg ganz ohne Regierung sogar noch besser möglich ist. Erst nach sechs Monate dauernden Verhandlungen zur Regierungsbildung konnte die Demontage der Wirtschaft fortgesetzt und endlich ein blitzgescheiter Minister für Planwirtschaft erkoren werden (der sich zuvor allerdings schon als „Bundesminister für besondere Aufgaben“ sehr verdient gemacht hat), um der Deutschen Wirtschaft künftig zu zeigen, wo entlang es in den Abgrund geht.

    *Sarcasm off*

    • Meine These lautet, dass Freiheit zu Wohlstand führt (nicht automatisch, sondern weil die meisten Menschen ihre Freiheit entsprechend nutzen). China widerlegt das nicht, sondern bestätigt das. Unter Mao gab es gar keine Freiheit, seit seinem Tod geht es aufwärts, was Präsident Xi wieder abwürgen könnte, wenn er zu autoritär oder gar totalitär wird. In Deutschland haben wir ein viel höheres Niveau an Freiheit und Wohlstand. Wenn hier die Freiheit beschnitten wird, leidet allerdings auch der Wohlstand, wie ein Vergleich über die Zeit und zwischen Bundesländern zeigt.

    • Generell gilt in der deutschen Wirtschafts- und Finanzpolitik:
      – Wenn sich etwas bewegt: Besteuern.
      – Wenn es sich dann immer noch bewegt: Regulieren.
      – Wenn es aufhört, sich zu bewegen: Subventionieren.

  2. In der Nacht von Tian’anmen wurde der sehr erfahrene Botschafter eines nahegelegenen westlichen Landes zu Deng Xiao Ping bestellt, der ihn dringend um Rat bat. Ähnlich Ihrer Argumentation wies Deng darauf hin, dass auf dem Tian’anmenplatz Vertreter von etwa 200 ideologisch völlig uneinigen Gruppen versammelt waren. Der Sturz der chinesischen Regierung durch diese Gruppen würde in einem nuklear bewaffneten Land zu einem Bürgerkrieg führen mit katastrophalen Folgen für China und evt. für die Welt. Der Rat des Botschafters lautete dann „Exzellenz, schießen Sie“.
    Namen und Land kann ich aus Schweigepflichtsgründen nicht angeben.
    Zu unserer Lage mit Klimanotstand: Auf Notstand folgt Ermächtigung. Man sollte empfehlen, dass jeder liberale Klimaleugner im Hause ein Notfallbesteck für den KZ-Aufenthalt bereithält; für den Extremfall – sollte eine Zyankalikapsel nicht fehlen? Magda Göbbels Besteck?

    • Die letzten vier Zeilen sind hoffentlich nicht Ihr ernst, Herr Dr. Konorza …
      Glauben Sie wirklich, dass es so krass enden wird oder war das jetzt auch nur nicht gekennzeichneter Galgenhumor?

      • Natürlich hoffe ich, dass dieses Szenario nicht wahr wird. Wie man aber am einstimmigen Klimanotstand in Konstanz sieht, dem nun das Seefest mit Hochfeuerwerk zum Opfer fällt, haben die Schafsköpfe die Folgen ihrer Wahl nicht bedacht.
        Notstand bedeutet Relativierung bzw. Aufhebung von Grundrechten. Ein neuer Tatbestand wie „Klimakatastrophen-Leugnung“ wäre von Grünschwarz schnell zu erschaffen. Im Notstand ist eben Verhaftung auch ohne richterlichen Befehl möglich. Keiner soll sagen, er hätte es nicht kommen sehen

      • Es sind wirklich schlimme Zeiten. Wir erleben mit, wie ein neuer kollektiver Wahn die Politik, Massenmedien und auch viele Menschen befällt. Gerade die Jugend ist anfällig für solche Verführungen, gewinnt damit aber nicht die Zukunft, sondern verspielt sie.

      • Ich werte das alles als Erscheinung von Dekandenz. Der Blick auf die wahren Probleme ist offenbar völlig verstellt. Die Wahrnehmung gestört. Da aber auch der grüne Gutmensch auf Sensationen konditioniert ist, müssen eben welche geschaffen werden.

      • @Günther Konorza
        Ihr Hinweis auf den alarmierenden lokalen „Klimanotstand“ in Konstanz ist berechtigt.

        Auch Erlangen (https://www.br.de/nachrichten/bayern/erlangen-ruft-als-erste-stadt-bayerns-den-klimanotstand-aus,RRxrq2p) und Bochum (https://www1.wdr.de/nachrichten/ruhrgebiet/klimanotstand-bochum-100.html) haben diesen bereits ausgerufen und ich gehe davon aus, dass das Beispiel sehr schnell zumindest in weiteren Universitätsstädten Schule machen wird.

        Warten wir ab, wie sich Tübingen mit seinem bei den GRÜNEN selbst so umstrittenen Grünen-OB Boris Palmer verhält …

      • Münster war die erste Stadt in NRW, die diesen Unsinn gemacht hat, als wenn eine Stadt das Weltklima irgendwie beeinflussen könnte und Münster sonst durch einen steigenden Meeresspiegel bald versinken würde.

      • Was sich die Klimapaniker dabei denken, ist mir auch ein Rätsel.
        Aber Rechnen im Bereich von Nachkommastellen scheint nicht deren große Stärke zu sein.

        Habe ich diesen Beitrag von Roger Köppel zum Thema Klimahysterie https://youtu.be/HPGY-DvIz_g schon gepostet?

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