„Systemausfall“ von Bernd Lucke

Inzwischen habe ich das Buch „Systemausfall“ von Bernd Lucke durchgelesen. Ein großer Vorteil ist, dass sich das Buch tatsächlich leicht liest. Es ist allerdings nicht klar, um was für eine Art Buch es sich handeln soll. Für ein populärwissenschaftliches Werk ist es wohl weder populär noch wissenschaftlich genug. Es ist aber auch kein politischer Essay, sondern vielleicht am ehesten ein Mittel im Wahlkampf, wofür auch dieses witzig gemeinte Ende spricht:

Heute will ich dieses Buch natürlich nicht zu plumper Wahlwerbung nutzen. Man empfiehlt sich nicht selbst. Und die CDU dauert mich, sie ist ja doch seit 1979 sehr unter die Räder gekommen. Deshalb empfehle ich Ihnen voll Großmut: Wählen Sie die CDU!
Aber bitte nur, wenn die CDU sich revanchiert und voll Großmut empfiehlt: »Wählen Sie Lucke!«

Das würde die CDU natürlich nie tun, weshalb Herr Lucke sich wohl doch selbst empfiehlt. Dafür ist das Buch jedoch recht ungeordnet trotz der durchgehenden These, dass es jeweils erst einen Systemausfall gibt, dem dann ein Kontrollverlust folgt. In sechs Kapitel werden in diesem Sinne immer wieder drei Problemkreise angesprochen, nämlich die Flüchtlingskrise, die Eurokrise und weitere Mängel der EU.

Nebenher wird außerdem die AfD kritisiert. Doch Herr Lucke setzt sich nicht ernsthaft mit deren Geschichte und seiner Rolle dabei auseinander, sondern sieht sich wie Laokoon als Opfer einer Schlange, namentlich Frauke Petry (S. 14). Götz Kubitschek hält er für den „Führer der Völkischen“ (S. 153) oder gar den „Voldemort der AfD“ (S. 159).

Dabei ist sein Begriff von „völkisch“ viel zu weit. So bezeichnet er beispielsweise Osteuropäer, weil sie nicht alle Flüchtlinge der Welt aufnehmen wollen (S. 85). Zugleich weist er selbst auf die absurde Begründung eines EuGH-Urteils hin, welches alle EU-Staaten auch gegen deren demokratisch gebildeten Willen und vor allem gegen den expliziten Wortlaut des AEU-Vertrages (der dem Europäischen Rat „vorläufige Maßnahmen“ erlaubt) zur Aufnahme von Flüchtlingen zwingen soll (S. 83):

Wäre bei der Beurteilung des vorläufigen Charakters im Sinne von Art. 78 Abs. 3 AEUV die Dauer der Auswirkungen einer Umsiedlungsmaßnahme auf die umgesiedelten Personen zu berücksichtigen, könnte nämlich keine Maßnahme zur Umsiedlung von Personen, die unzweifelhaft internationalen Schutz benötigen, auf diese Bestimmung gestützt werden, da einer Umsiedlung solche mehr oder weniger langfristigen Auswirkungen inhärent sind.

Bei der (internationalen) Einkommensverteilung argumentiert Bernd Lucke dann wie ein Linker, der Ungleichheit mit Ungerechtigkeit gleichsetzt (S. 198):

Kaum etwas ist in der Welt so ungerecht verteilt wie das Geld. Oder besser: Einkommen. Es gibt sehr reiche Länder und es gibt sehr arme Länder […]. Die große, himmelschreiende Ungerechtigkeit besteht darin, dass manche Menschen völlig unverdient in reichen Ländern geboren werden und fast alle Chancen der Welt ihnen offenstehen, während andere Menschen ohne jedes Verschulden in einem armen Land und in persönlicher Armut aufwachsen und nur geringe Möglichkeiten haben, sich daraus zu befreien.

Er plädiert nun nicht für unbegrenzte Zuwanderung (obwohl deren Verhinderung doch angeblich „völkisch“ sei), sondern für Wirtschaftswachstum, welches in armen Ländern stärker sei als in reicheren, nur in der Eurozone nicht mehr. Dabei arbeitet er zwar deutlich die Schäden durch den Euro heraus (insbesondere S. 206-211), der Europa spaltet. Aber sein Lösungsvorschlag ist zu einfach, dass sich nur alle an die vereinbarten Regeln halten müssten und es ansonsten reichen würde, den schwächsten Mitgliedern der Eurozone ein Austrittsrecht zu eröffnen (S. 211-214). Er versteht auch nicht, warum eine Gemeinschaftswährung Rettungsmaßnahmen benötigen kann, die nationale Währungen nicht brauchen (S. 116).

Für einen Volkswirt problematisch ist außerdem, dass er das Bruttoinlandsprodukt (BIP) falsch definiert (S. 199, ähnlich S. 204). Es sei „nichts anderes als die Gesamtheit aller Einkommen, die in einem Land verdient werden“. Das wäre jedoch das Nettonationaleinkommen, während mit dem BIP die Summe aller erstellten Güter und Dienstleistungen abzüglich Vorleistungen gemessen wird. So kann das BIP steigen, wenn ein Land seine Güter und Dienstleistungen faktisch verschenkt oder nach großen Schäden viele Ersatzinvestitionen tätigt.

Herr Lucke suggeriert erst (S. 218), dass ein Binnenmarkt ohne Zollunion möglich sei, um dann (S. 219) wohl doch den Zusammenhang zu erkennen. Daraufhin meint er (S. 220), dass ein Binnenmarkt wie ein Staat Legislative, Exekutive und Judikative benötigen würde, was nicht der Fall ist, sondern ein ganz großes Problem der EU, die damit ohne hinreichende demokratische Legitimation die nationalen Verfassungen aushebelt. Es müssen nicht entgegen seiner Ansicht „Freihandelsabkommen ständig nachverhandelt werden“ (S. 222), sondern sie ließen sich auch dynamisch ausgestalten, am einfachsten durch wechselseitige Anerkennung der jeweiligen Standards.

Schließlich sind Nicht-EU-Mitglieder nicht „rechtlos“ im Binnenmarkt (S. 242), sondern sie haben alle Rechte bei der Teilnahme, wenn sie sich an die Regeln halten, die in der Tat nur von den Mitgliedern gemacht werden. Die verschiedenen europäischen Projekte aufzuspalten und jeweils eine eigenständige Teilnahmeentscheidung zuzulassen, ist allerdings der richtige Ansatz (siehe ‚Europa à la carte‘). Von daher gibt es durchaus Licht in dem Buch, aber eben leider auch Schatten.

48 Gedanken zu „„Systemausfall“ von Bernd Lucke

  1. Das BIP wird leider häufig falsch definiert, manchmal wohl nicht aus reiner Unwissenheit (denn man kann ja heute im Internet recherchieren, was früher nicht möglich war) sondern gelegentlich um Andere in die Irre zu leiten.

    • Ja, aber mir ist nicht klar, welchen Zweck Herr Lucke damit verfolgen sollte. Mir scheint es eher, dass er sich hier selbst in die Irre leitet, obwohl er Professor für Volkswirtschaftslehre ist.

      • Mäßigen Sie sich, meine sehr geehrten Damen und Herren! Herr Professor Lucke kann nicht irren, daher ist das BIP ab nun und rückwirkend so definiert, wie es aus seinem Munde ex cathedra verkündet wurde.

      • Nun, vielleicht ist Bernd Lucke ja doch ein Agent von Angela Merkel und soll die Wähler nur in die Irre führen, damit sie kräftig Jubeln, wenn der große Augenblick gekommen ist und Merkel endgültig als GröSaZ (Größte Sozialistin aller Zeiten) in die Geschichte eingeht: https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/innenpolitik/id_85760778/angela-merkel-vor-der-europawahl-auch-ich-mache-mir-sorgen-um-europa-.html
        Wundern würde mich inzwischen auch das nicht mehr.

      • Er ist kein Agent von ihr, wäre aber lieber Spitzenkandidat der CDU als von LKR, wie sein zitierter Schluss des Buches zeigt. Größere Wiederwahlchancen hätte er aber auch in der AfD haben können.

      • Nicht einmal die liberalsten Kräfte in der AfD würden ihn zurück haben wollen. Bernd Lucke wird – wie bereits vor Jahren von mir prophezeit – in den Schoß der CDU zurückkehren, den er im Grunde nie verlassen hat.

      • Bernd Lucke war nie liberal. Inzwischen zweifle ich auch, ob er konservativ ist. Er passt vielleicht wirklich am besten in die heutige CDU.

      • Sag ich doch. Lucke ist ein Adlatus des Systems Merkel, mehr nicht.

  2. Es gab mal eine Zeit, da dachte ich,der Papst und Lucke seien unfehlbar. Dann lernte ich, dass der Papst nicht unfehlbar ist. Dass nun der Euro doch nicht so schlecht sei, nahm dem einen die Krone. Der Papst wird bleiben, der andere nicht.

    • Ja, dieser Rattenfänger aus Winsen an der Luhe hat zunächst viele Menschen in seinen Bann gezogen. Da der größte Teil politisch interessierter Menschen aber doch dazu neigt, selbst zu denken, schwand sein Erfolg schnell dahin.

  3. Viel Kritik an Prof. Lucke scheint mir zu stimmen. Er selbst meinte übrigens in seiner Zeit als AfD-Vorsitzender, er sei eigentlich kein Liberaler. Ich hielt ihn schon damals auch nicht für liberal. Aber was soll ein Liberaler wählen und anderen empfehlen zu wählen bei der EU-Wahl?
    Ich bin- wie auch hier dargelegt- kein Fan von christlicher Politik und ernsthaft christlichen Parteien. Es geht aber zur Zeit in der BRD sowieso nur um geringere (und doch arge) Übel. Bündnis C schnitt bei manchen hier im Wahlomat eher gut ab. Es ist die einzige antretende ernsthaft christliche Partei, was Chancen auf 1 Sitz etwas erhöht. Freie Wähler sind mir zu angepasst und sonstige bürgerliche Parteien (außer Rechten) wohl noch chancenärmer. Ich bitte um Rat, da ich ja auch nicht wenige Mängel bei Bündnis C sehe.

    • Es ist schwierig. Da treten über 40 Parteien an und es ist trotzdem keine dabei, die man ohne (größere) Einschränkung guten Gewissens empfehlen kann. Ich werde auf jeden Fall eine der kleineren Parteien wählen, aber für diese gibt es überhaupt keine verlässlichen Umfragen, sondern nur Vermutungen. Bündnis C hat zumindest realistische Chancen und ist programmatisch nicht so schlecht (immerhin auf dem dritten Platz beim ‚Wahl-O-Mat zur EU-Wahl 2019‘ bei mir). Es würde auch Herrn Geuking besonders ärgern, wenn es Herr Gericke so wieder ins EU-Parlament schaffen sollte und er selbst nicht. Aber das ist natürlich kein hinreichender Grund für eine Wahlentscheidung. (Wenn ich sicher wüsste, dass es Herr Geuking nicht ins EU-Parlament schafft, würde ich sogar die Familien-Partei wählen.) Die Bayern-Partei ist natürlich sehr speziell, insbesondere für einen Nicht-Bayern, und deren Chancen sind nicht sonderlich hoch, aber vielleicht gerade deshalb kann sie etwas Unterstützung vertragen. Wenn es die gewählte Partei nicht schafft, muss man sich wenigstens hinterher auch nicht über deren Abstimmungsverhalten im EU-Parlament ärgern.

    • Wenn Sie der AfD nicht über den Weg trauen, wählen Sie am besten die Bayernpartei.
      Das ist übrigens offenbar auch Herrn Dilgers Favorit (kein Scherz).

      • Bayernpartei ist auch mein Favorit. Vor allem mögen sie den Euro nicht, sie mögen die Europäische Union nicht und sie kämpfen für den regionalen Sprachgebrauch. Sie hatten bei der letzten Europawahl 62.000 Stimmen, für einen Sitz brauchen sie um die 150.000. Was ich im Besonderen gut finde ist, dass wir,die anderen Bundesländer, sie bei der Europawahl wählen dürfen. Ein bundesweites Zeichen der Solidarität,auch wenn diese Partei für ein eigenständiges Bayern kämpft.

      • Die Bayernpartei steht als einzige deutsche Partei ernsthaft für Föderalismus und Subsidiarität.

  4. Irrungen und Wirrungen am Ende einer kurzen Politikerlaufbahn. Zum Abschluss ein Misserfolg mit LKR, womit er noch hinter sein kurzes Intermezzo bei den FW vor seiner AfD Zeit zurückfällt. Und ein Buch, das offenbar nicht gerade ein Volltreffer ist und selbst aus VWL-Sicht bestenfalls von sehr mäßiger Qualität ist.

    • Die Freien Wähler holten 2013 in Niedersachsen, als Herr Lucke für sie antrat, immerhin 1,1 Prozent. Damit wäre LKR jetzt mehr als zufrieden und Herr Lucke wieder sicher im EU-Parlament.

      Manchmal frage ich mich, ob wir und insbesondere ich selbst nicht zu streng mit ihm sind. Aber dann lohnt wieder ein Blick auf die wirren Positionen. Nur 43,4 Prozent Übereinstimmung beim ‚Wahl-O-Mat zur EU-Wahl 2019‘, also weit weniger als die Häfte, kommen nicht zufällig zustande. Es werden viele grüne und die EU noch ausbauende Forderungen vertreten, sogar gleichzeitig die folgenden: „Die EU soll sich höhere Ziele zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes setzen.“ „Die Europäische Union soll vorrangig Bio-Landwirtschaft fördern.“ „In allen Mitgliedsstaaten soll eine Lkw-Maut auf Fernstraßen eingeführt werden.“ „In allen EU-Mitgliedsstaaten sollen Plastikverpackungen besteuert werden.“ „Die Fangmengen für die europäische Fischerei sollen stärker begrenzt werden.“ Dagegen Ablehnung von: „Der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen soll in der EU erlaubt sein.“

      • Eben. Das lässt sich wohl nur ein wenig psychologisch erklären. Noch etwas Aufmerksamkeit und Zuneigung vor dem Ausscheiden aus der Politik erheischen, indem er ein paar eher linke Positionen einnimmt und richtig auf die AfD eindrischt, die AfD quasi als absolutes No Go.

      • Ich verstehe das trotzdem nicht. Denkt Herr Lucke nicht über den Augenblick hinaus? Sein bleibendes Lebenswerk ist die Gründung der AfD.

      • Bernd Lucke ist nicht das Genie, für das ihn manche halten. Ganz im Gegenteil.

      • Ich gehörte als Mitglied zu den Anfängen der AfD. Es war die erste Partei in meinem Leben, bei der ich Mitglied wurde. Es gab nur einen Grund für meine Mitgliedschaft. Raus aus dem Euro und Schluss mit der EU. Ausschlaggebend für mich gegen Lucke. war, dass er seine Meinung gegen den Euro änderte. Aus einem Pionier wurde ein Mitläufer

  5. „… Götz Kubitschek hält er für den „Führer der Völkischen“…“

    Den habe ich vor ein paar Wochen in einer Fernsehdiskussion im Ö Sender Servus-TV gesehen, der soll Führer sein, ein Charisma wie eine Schinkensemmel und dessen Aussagen waren auch nicht so extrem ultraradikal.
    Sich über Nachnamen lustig zu machen, ist eine negative Eigenschaft, aber Kubitschek ist jetzt auch nicht unbedingt ein besonders germanischer Nachname, der soll erst mal seinen Ahnenpass herzeigen.

  6. Ich habe Lucke gestern in der Bibliothek des Konservatismus in Berlin erlebt. Der Mann ist ein Professor im wahrsten Sinn des Wortes und kein Politiker. So stört ihn an der heutigen AfD, dass sie so ein schlechtes Image (von wem eigentlich wesentlich gemacht?) habe, dass eine bürgerliche Koalition mit ihr ausgeschlossen sei. Koalitionen sollten auf keinen Fall das primäre Ziel sein, denn so kann man ganz schnell von der CDU verschluckt werden, siehe Deutsche Partei, BHE und in gewisser Weise auch Schillpartei. Da hat Gauland völlig recht, wenn er sagt, die AfD müsse erst einmal ausreichend Wähler an sich binden, und das geht wahrscheinlich nur durch einen „populistischen“ Kurs und nicht einen des Anbiederns z.b. an die Union.
    Dann bedauerte Lucke den AfD-Schwerpunktthemenwechsel von der Euro-Rettungs- zur Flüchtlingspolitik nach seinem Abgang. In welcher Scheinwelt legt dieser Mann? Das war die große Chance der AfD, da hat sie ein Alleinstellungsmerkmal und es zudem dringend nötig, dass eine vernünftige Parlamentspartei sich dem Irrsinn der schieflaufenden Migration nach Deutschland in aller Schärfe widmet. Würde die AfD heute noch vor allem auf der Klaviatur Euro-Rettung spielen, hätte sie Mühe die 5 Prozent zu erreichen. Und last not least: Lucke verteidigte den schärferen Kurs des Verfassungsschutzes gegen die AfD, trotz Antifa-„Quellen“ und dessen Denunzierung jeder Kritik an der schiefliegenden Einwanderungspolitik als „völkisch“, wie in dem ominösen Gutachten zu sehen ist. Dieser Mann ist politisch restlos gescheitert und er sollte nach der EU-Wahl wieder an die Arbeit gehen, die er kann: als Hochschul-Professor!

    • Richtig. Im Herbst 2015 kamen über Wochen bis zu 10.000 Menschen pro Tag (!) unkontrolliert nach Deutschland, also rd. 200 Busse pro Tag an Migranten, um sich das noch mal anschaulich klar zu machen. Es ist ein absolutes Politikversagen, dass das zugelassen und begrüßt wurde und gut, dass wenigstens die AfD klar Stellung gegen diesen Wahnsinn bezog.

    • Die Migration reicht auf Dauer eben nicht für USP bzw für Mitgestaltungsoptionen.
      Es liegt doch auf der Hand, dass man damit auch Parteigänger gewinnt, deren Ansichten mit herrschendem Rechtsverständnis nicht vereinbar sind.
      Die meisten Euro- und EU-kritischen Publikationen in den Medien stammen auch heute noch von den Epigonen aus der AfD-Gründerzeit bis 2015, wohingegen die AfD in diesem Zusammenhang mehr und mehr in Misskredit gebracht wird.
      An sich fand 2015 auch kein Strategie-Wechsel statt; nach dem Essener Parteitag
      fehlten der AfD einfach die Fachleute zur Besetzung der neben der Migration wichtigen Bereiche. Ich sehe die Funktion der AfD heute – lediglich – darin, möglichst vielen CDU- und SPD- Mitgliedern überbezahlte Mandate wegzunehmen und durch das Verbreiten von Existenzangst Druck auf innerparteiliche Meinungsbildung zu machen.
      In dem Wahl-O-Mat spiegelt sich das Dilemma vieler Parteineugründungen wider, zwischen den Traditionsparteien USP zu definieren. Dieses Dilemma hat man z.B. in dem Forum „Weckruf“ der LKR (mit zuletzt über 450 Foristen) sehr deutlich gesehen: Diametrale Ansichten bei TTIP, bei der Regelung der Sozialversicherung, in der Außenpolitik, verbunden mit erbitterten Auseinandersetzungen ( der Bundesvorstand hat sich diesen Diskussionen entzogen). Prof. Dilger wollte die „Familienpartei“ neu erfinden. Dem gleichen Dilemma wird sich die AfD ausgesetzt sehen, sobald das Migrationsthema in den Hintergrund gerät, denn die Mitgliederschaft ist genau so inhomogen wie die der LKR es war.

      • @Klaus Wolfgang Berger
        „Dem gleichen Dilemma wird sich die AfD ausgesetzt sehen, sobald das Migrationsthema in den Hintergrund gerät“

        Bezüglich der Alleinstellungsmerkmale (USPs) gebe ich Ihnen völlig Recht. Eierlegende Wollmilchsau sein zu wollen, ist kein Alleinstellungsmerkmal. Insbesondere maximaler Etatismus bzw. Vollkaskosozialismus (wenn auch „nur für Staatsbürger“ gefordert) und schlanker Staat sind schon mal überhaupt nicht unter einen Hut zu bringen. Daher halte ich persönlich mich zur Zeit eher zurück und warte ab, ob die AfD auf dem Bundesparteitag im September ihre Richtung findet oder nicht.

      • Merkels Katastrophe von 2015 war schlecht für Deutschland, aber gut für die AfD. Es fehlt jedoch eine Partei, die das Thema sachlich behandelt ohne Schaum vor dem Mund. Dazu ist eine Einbettung in größere Zusammenhänge gut. Trotz aller EU-Rhetorik handelte es sich mal wieder um einen deutschen Sonderweg, der in die Irre führte.

        P. S.: Die Familien-Partei war schon vom Namen her bürgerlich. Ihr EU-Abgeordneter ist jetzt bei Bündnis C. Mit den langjährigen Mitgliedern haben wir uns gut verstanden. Herr Geuking hat genau das getan, was er uns vorwirft, nämlich die Partei gekapert.

      • Die FDP tut zwar immer wieder mal so, als ob ihr die unqualifizierte Einwanderung ein Dorn im Auge sei, weil ihre Strategen wohl glauben, damit ein paar AfD-Wähler abfischen zu können. Letztlich geht sie aber jeden noch so unsinnigen Irrweg mit, wenn es darum geht, wieder in die Regierung aufgenommen zu werden.

    • Bernd Blau: Lucke ist nicht Hochschulprofessor, sondern Universitätsprofessor. Meuthen kommt dem hi gegen von der FH.

      • Jeder Universitätsprofessor ist auch Hochschulprofessor, aber nicht umgekehrt. Früher wurde außerdem (sinnvoll) zwischen Hochschulen und Fachhochschulen unterschieden. Es geht nicht nur um Bezeichnungen, sondern die Aufgaben sind verschieden.

      • Das wertet ganz nüchtern betrachtet Herrn Prof. Lucke politisch auch nicht mehr auf.

      • Zur Universität Hamburg könnte ich auch eine Posse liefern. Aber das verkneife ich mir heute.

  7. Bernd Lucke ist leider zunehmend eine tragische Figur und zumindest politisch (privat natürlich nicht) maximal gescheitert. Mittlerweile stellt sich bei einem sogar fremdschämen ein, wenn man Luckes verzweifelte und nicht selten widersprüchliche Rufe nach Aufmerksamkeit sieht.

    Hatte er sich noch in der Anfangsphase der AfD ohne Zweifel seine Verdienste erworben, so ist aus ihm zunehmend eine gekränkte, beratungsresistente, verzweifelt nach Aufmerksamkeit suchende und völlig teamunfähige Person geworden, die immer öfters politisch irrlichternd erscheint.

    Mal ist er gegen den Euro, dann dafür. Noch 2014/ 2015 hatte er sich zumindest etwas einwanderungskritisch gegeben und fiel zumindest nicht durch offenes Appeasement des radikalen Islams auf (auch wenn er hier immer schon naiv war). Nun protegiert er mehrfach die radikale Ahmadiyya-Sekte, resit sogar extra für deren Guru nach London. Soweit sind glaube ich selbst Vertreter der hiesigen Altparteien nicht gegangen. Dann äußert er sich mit der Ahmadiyya zusammen abfällig gegenüber Sarrazin, der früher noch Parteimitglied werden sollte.

    Auch extrem peinlich muss er seine Partei mehrmals umbenennen, die nun sogar seinen Namen als Parteinamen hat. Eine bedeutungslose Splitterpartei bald ohne Abgeordnete mit einer Handvoll Mitglieder und seinem Namen. Seine engen ehemaligen Mitstreiter hat er auch vergrault, bei der kommenden Wahl wird er wohl 0%, maximal 0,2% holen.

    Immer wieder – und von den Altmedien dankend angenommen – arbeitet er sich an seiner alten partei ab, die anders als er den Erfolg nach ihm sogar ausbauen konnte. Was muss das für ein quälendes und schwer erträgliches Gefühl für ihn sein, zu realisieren, dass man auch ohne ihn (sogar mehr) Erfolg haben kann. Und das an den Wahlabenden kein Hahn mehr nach ihm kräht, wohingegen andere im Rampenlicht stehen und auf Grund der Relevanz politisch bekämpft werden.

    In wenigen Tagen ist es politisch ganz vorbei, wie Sie richtig sagen, wird dies im Buch bereits vorweggenommen. Das was er einmal an politischem Erfolg hatte, wird für immer mit der AfD verbunden sein. Und überall, ob in TV, Internet, oder im Starßenwahlkampf, wird er noch in der Zukunft daran erinnert werden. Er wünschte sich, dass die Partei verschindet, damit er nicht mehr an seinen Misserfolg und den Erolg anderer erinnert werden muss. So ähnlich hat er dies sogar mal angedeutet. Nun das wird nicht passieren – und dies macht ihn rasend, zermürbt ihn innerlich und lässt ihn politisch immer stärker von seiner alten Partei abrücken. Wenn es ihm rein noch um politische Veränderungen ginge, könnt er die Existenz der Partei differenziert sehen. Aber das kann er nicht mehr. Vor einiger Zeit antwortete er auf Nachfrage, ob er die Gründung der Partei bereut, noch mit einem Nein. Nun mit einem Ja. Gestern so, morgen anders.

    Er radikalisiert sich, was die Ahmadiyya-Treffen zeigen. Würde mich nicht wundern, wenn er irgendwann auf Einladung von der Bühne einer Anti-AfD-Demo spricht. Hinter ihm die Antifafahne der Veranstalter….

  8. Man kann Lucke mögen oder nicht: an einem Kreuz für die LKR bei der EU Wahl kommt man nicht herum, wenn man die Transferunion ablehnt. Grund: die FDP geht mit Macron zusammen und fordert die EUdssR. AfD ist europapolitisch tot, nachdem sie mit der auf dt. Transfereinkommen angewiesenen Lega ein Bündnis bildet. Meuthen, der auch seine Großmutter für ein wenig Einfluß verkauft, wird um dieser Allianz willen ganz unkritisch werden.

    Die anstehende EU Legislaturperiode wird der Horror: gemeinsamer Bankensicherungsfonds, Europaarmee, Arbeitslosenversicherung. Niemand unternimmt auch nur einen Versuch, sich dagegen zu stellen. Außer der LKR.

    • Was schon die AfD nicht aufhalten kann, wird der kleine Bernd von der Zuschauertribüne aus erst recht nicht aufhalten. Ihre Wahlempfehlung ist daher ungefähr so wertvoll, wie eine Sportwette darauf, dass der 1. FC Nürnberg heute Deutscher Meister wird.

      • Ich mag solche Wetten, bei denen man (fast) sicher gewinnt. Ich wette, dass Bernd Lucke nicht wieder ins EU-Parlament gewählt wird. Hält jemand dagegen?

      • Sie nicht, aber vielleicht einer der notorischen LKR-Fans. Wenn nicht, zeigt das nur, dass sie selbst nicht an den Erfolg glauben, den sie uns verkünden. Herr Geuking hat schon seine zukünftigen Mitarbeiter vorgestellt…

      • Plant Herr Geuking etwa, die Mitarbeiter von Herrn Lucke zu übernehmen? 😂

      • Nein. Am liebsten würde er wohl seinen Sohn anstellen, was jedoch seit 2009 verboten ist. Indirekt könnte es aber gehen, z. B. über eine Fraktion oder im Austausch mit einem ebenso gestrickten anderen Abgeordneten (Herr Pretzell tritt jedoch entgegen seiner Ankündigung nicht an).

      • Ich wette, dass der FC Bayern München heute Deutscher Fußballmeister wird. Wetten Sie dagegen? 😂😂😂

      • Eben darum. Wir hätten auch wetten können, ob der 1. FC Nürnberg in der nächsten Saison wieder in der ersten Liga spielt. 😉

  9. Ich konstatiere,dass Luckes Buch überwiegend positiv zu werten ist,dass es aufklärt,wo zuvor Nebelkerzen den Blick trübten oder gar versperrten.Mit Ihrer Kritik,die durchaus Berechtigung haben mag,fördern Sie die Verbreitung von Luckes Ansichten und Überzeugung,die er auf 260 Seiten darlegt,sehr.Bei diesem Umfang(auch ,wenn durch Vermeidung von Wiederholungen eine beachtliche Straffung möglich gewesen wäre),ist die Kritik vernachlässigbar.
    Dafür danke ich aufrichtig.

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