Rechtsstreit wegen Wucherzinsen entgangen

Da bin ich glücklich einem weiteren Rechtsstreit entgangen. Darauf hatte ich spekuliert, ihn aber trotzdem riskiert, und zwar mit der Advanzia Bank. Dort hatte ich eine gebührenfreie Mastercard Gold Kreditkarte. Hauptvorteil war für mich, dass für den Auslandseinsatz auch außerhalb der Eurozone keine Gebühren berechnet wurden. Hauptnachteil war, dass man die Rechnung jeden Monat händisch überweisen musste.

Anfang des Jahres habe ich das dann einmal verpasst, weil die Rechnung in meinem Spam-Ordner gelandet war. Grund dafür war eine erstmals eingefügte umfangreiche Eigenwerbung. Auf die erste Mahnung hin habe ich das Problem bemerkt und den ausstehenden Betrag sofort überwiesen, der jedoch wertmäßig neun Tage zu spät einging. Auf diesen Zeitraum bezogen wurde mir ein effektiver Jahreszins von 189 Prozent in Rechnung gestellt.

Unter Verweis auf die AGB wurde behauptet, dass bei Zahlungsverzug die Zinsen rückwirkend ab dem Tag der ursprünglichen Zahlung mit der Kreditkarte fällig würden. Dabei ist auf der Rechnung der Fälligkeitstermin ohne Einschränkung vermerkt. Doch selbst nach Berechnung der Bank ergibt sich ein effektiver Jahreszins von 19,94 Prozent, was in Zeiten von Null- und Negativzinsen und vor allem deutlich günstigeren Kreditkarten ebenfalls Wucher sein dürfte. Wucherzinsen sind nicht nur strafbar, sondern auch in kompletter Höhe nichtig.

Entsprechend habe ich gegenüber der Bank argumentiert und wollte dann die BaFin einschalten, die sich aber für unzuständig erklärte, weil Advanzia ihren Hauptsitz in Luxemburg hat. Die Behörden dort werden erst tätig, wenn man sich mindestens einen Monat vorher erfolglos direkt bei den Geschäftsführern beschwert hat. Also habe ich mich auch dort beschwert, woraufhin mir die Zinsen und zwischenzeitlich geforderten Mahngebühren „aus Kulanz“ erlassen wurden. Rechnungen über nun null Euro bekomme ich allerdings immer noch, obgleich ich die Karte gleich schriftlich gekündigt und zerschnitten zurückgeschickt hatte.

13 Gedanken zu „Rechtsstreit wegen Wucherzinsen entgangen

  1. Meine Kreditkarte benutze ich nur in Ausnahmefällen! Den Kreditinstituten (damit meine ich NICHT die Volks/Raiffeisenbank wo ich Kunde und Genosse bin, traue ich überhaupt NICHT! Nur Bares ist Wahres!!!

    • Ja „Nur Bares ist Wahres“. Kauf auf Rechnung ist nicht immer möglich. Deshalb ist eine Kreditkarte als Ergänzung zur Überweisung bei größeren Beträgen sinnvoll. Mitlerweile versucht man uns allerdings daraufhin zu erziehen auch Kleinbeträge mit Karte zu bezahlen. Schöne Bescherung wenn dann mal Stromausfall ist oder die Karte eine Beschädigung hat.

      • „…..wenn dann mal Stromausfall ist…“ und der flächendeckend und länger als ein paar Stunden dauert, dann nützt Bargeld auch nicht mehr viel, denn dann haben Supermärkte, Tankstellen und andere Geschäfte geschlossen. Das Internet und der Ferseher sind auch tot und aus der Wasserleitung kommt genau so wenig wie aus dem Bargeldautomaten der Bank. Für diesen „worst case“ Fall helfen nur Lebensmittelvorräte, ein gefüllter Autotank, Holz für den Kamin und Kerzen für die Beleuchtung. Dieses Szenario haben nur wenige auf dem Schirm, aber wenn es eintritt, aus welchen Gründen auch immer, dann wird uns der Boden unter den Füssen weggerissen werden.

      • Sehr lange Stromausfälle in größeren Gebieten sind nicht unmöglich, aber doch sehr unwahrscheinlich. Worauf wir uns aber wohl angesichts der grandiosen Energiewende einstellen müssen, sind häufigere kürzere Stromausfälle. Schon jetzt sind wir wegen der starken Schwankungen der Wind- und Sonnenenergie auf Stromanbieter wie auch -abnehmer im Ausland angewiesen. Deutschland ist in dieser Hinsicht gerade kein Vorbild für andere, sondern beschreitet mal wieder einen absurden Sonderweg.

      • Das Büro für Technikfolgenabschätzung bein Bundestag (TAB) geht davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit eines solchen Ereignisses wächst. „Als Ursache für einen langandauernden und regional übergreifenden Stromausfall kommen unter anderem technisches und menschliches Versagen, kriminelle oder terroristische Aktionen, Epidemien, Pandemien oder Extremwetterereignisse infrage.“ Die Gefahr solcher Vorkommnisse wachse, „weil die Gefahr terroristischer Angriffe und klimabedingter Extremwetterereignisse als Ursachen eines Netzzusammenbruches zunehmen werden“, heißt es ausdrücklich. (Quelle: https://www.focus.de/politik/deutschland/zivilverteidigungskonzept-experten-flaechendeckender-stromausfall-waere-nationale-katastrophe-mit-vielen-toten_id_5856252.html)

      • So häufig sind Terroranschläge zum Glück nicht und auch das Wetter ist nicht wirklich schlechter geworden. Mit dem Klimawandel hat das nur insofern zu tun, als dass dieser als angebliche Rechtfertigung dafür genommen wird, zuverlässige Energieversorgung durch unzuverlässige zu ersetzen.

      • Ja, wir schalten, dank der früheren FdJ-Sekretärin, in Deutschland die sichersten Kernkraftwerke der Welt ab und kaufen dann den Atomstrom aus Frankreich und Tschechien… 😦

    • Seit Anfang der 1990er habe ich Kreditkarten, da sonst Zahlungen im Ausland, insbesondere den USA, nur schwer bis gar nicht möglich sind. Für Alltagsgeschäfte hierzulande benutze ich sie fast gar nicht, höchstens beim Tanken.

      • In den USA habe ich 1988 einmal mit meiner „Eurocard“ (heute „Mastercard“) die Erfahrung gemacht, dass eine Bargeldabhebung (600 USD) und die seinerzeit 5%ige Gebühr doppelt abgebucht wurden. Den Fehler habe ich natürlich erst daheim auf der nächsten Abrechnung bemerkt und umgehend reklamiert. Mastercard hat die zu viel berechneten 600 $ bei der nächsten Abrechnung gutgeschrieben (natürlich ohne Zinsen für die Wartezeit), die zu viel berechnete doppelte Gebühr aber nicht. Ich wieder reklamiert und zur Antwort bekommen, dass doppelt berechnete Gebühren nicht gutgeschrieben werden könnten, da müsse ich mich mit der Bank, über die die Auszahlung erfolgte ins Benehmen setzen. Nach drei weiteren Briefen und einer Klageandrohung wurden dann etwa vier Monate später endlich auch die 30 $ zu viel berechnete Gebühren gutgeschrieben. Ich habe daraufhin meine Mastercard auch zerschnitten und zurückgeschickt. Ein paar Wochen später bringt mir mein Banker (Raiffeisenbank) am Schalter einen Umschlag und meint „hier ist Ihre neue Eurocard“. Ich habe sie natürlich nicht angenommen und seither auch nie mehr eine Euro-/Mastercard angeschafft.

      • Sie lassen auch nicht locker, wenn etwas grob unfair ist, selbst wenn der Aufwand schnell viel höher ist als der Streitwert.

      • Stimmt. Bei so etwas geht es ums Prinzip und vor allem darum, dass es nicht zur Gewohnheit wird.

    • Das ist leider so. Aber in Europa inzwischen nicht viel besser. Versuchen Sie doch hierzulande einmal, ohne Kreditkarte ein Auto zu mieten.

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