Bundesbanker beschimpft Wissenschaftler als Populisten

Joachim Wuermeling, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank und vorher CSU-Politiker sowie Funktionär der Finanzbranche, redete diese Woche ganz offiziell über „Die Rolle der Zentralbanken in Zeiten von Populismus und Fake News“. Dabei produzierte er selbst Fake News, denn die „Bundesbank wirft Target-Kritikern Populismus vor“. Statt sich sachlich mit inhaltlicher Kritik auseinanderzusetzen, meint jetzt also ein Bundesbanker, öffentlich Hans-Werner Sinn und das ifo Institut, wenn auch ohne Namensnennung, als Populisten beschimpfen zu müssen. Dabei hat Herr Sinn wissenschaftliche Aufsätze und ein ganzes Buch zu der von der Bundesbank und EZB verschwiegenen Target-Problematik verfasst. Über die Details kann man streiten (siehe ‚Euro und EZB sind die Probleme, nicht allein die Target-Salden‘), doch bislang hielt ich die Bundesbank für zu seriös für solche substanzlosen Angriffe ad hominem. Sind entsprechende Euro-Fans eigentlich selbst Populisten oder umgekehrt abgehobene Elitisten, die meinen, sich wegen ihres größeren Glaubens nicht mit Fakten und Argumenten abgeben zu müssen?

20 Gedanken zu „Bundesbanker beschimpft Wissenschaftler als Populisten

  1. Ein Trauerspiel. Jede noch so seriöse Kritik wird als Populismus diffamiert, und gemeint ist natürlich populistisch gleich rechts gleich böse und wenn man gar nicht mehr weiter weiß, dann auch ‚Nazi‘. Welch eine primitive Anbiederung an Weber.
    Und wohin man schaut, keine Chance für Vernunft und Kompetenz. Stattdessen der Glaube an den Euro und an die EU, an das „eine Europa“ anstelle der Nationalstaaten, der Glauben an die Klimakatastrophe bzw. die Klimarettung usw. Es ist wirklich ein Trend hin zu Paradigmen, die den Charakter von Ersatzreligionen haben.

  2. Wer nimmt die Mühe auf sich, wer kann die Mühe auf sich nehmen, die ja auch in der FAZ berichteten Vorwürfe von Herrn Wuermeling einzeln zu diskutieren? Vielleicht Herr Prof. Sinn- der ist ja im Ruhestand.

    • Wuermeling argumentiert aus der Sicht des EZB-Bankers bilanztechnisch und wägt die Risiken eines Schuldner-Ausfalls. Für die Kritiker des ausgeuferten Target-Systems ist das aber nur ein Teil- Aspekt. Sie betrachten diese Ausuferung völlig zu Recht als ein Symptom für “ . . . die Aushebelung des Kapitalmarktes durch den Verzicht auf adäquate, länderspezifische Risikoprämien, die eine fundamentale Verzerrung der Kapitallokation im Raum darstellt, die Europa nachhaltig schwächt. Das ist kein Übergangsproblem und kein Thema von Altlasten, sondern ein strukturelles Dauerproblem, an dem die Eurozone zugrunde gehen kann, wenn man es nicht behebt. . . .“ (zitiert nach Hans-Werner Sinn in FAZ Online vom 5.8.2018- „TARGET-SALDEN:Irreführende Verharmlosung“ – als Replik auf Martin Hellwig, ebenfalls mit EZB- Vergangenheit)“.
      Es versteht sich leider von selbst, dass die EZB-Banker an diese symptomatische Betrachtung nicht heranwollen.

      • Herr Wuermeling argumentiert rein formal, wie die offiziellen Regeln zu den Target-Salden sind. Dass auch diese Regeln bei ernsthaften Problemen sofort gebrochen würden, ignoriert er ebenso wie die größeren ökonomischen Zusammenhänge. Aus meiner Sicht sind die Target-Salden ein ernsthaftes Problem, weil sie völlig unbegrenzt und unbesichert sind. Zugleich sind sie nur Teil der noch viel größeren Euro-Probleme.

    • So groß ist die Mühe nicht, wobei ich mich vorerst auf den FAZ-Artikel beschränke (falls gewünscht, lässt sich das auch für die Rede selbst machen):

      Es sei zwar nicht immer leicht, zwischen sachlicher Kritik und Populismus und Fake News zu unterscheiden.

      Doch, das ist eigentlich leicht, doch Herrn Wuermeling versucht gerade, den Unterschied zu verwischen.

      Auf Nachfrage geht Wuermeling weiter ins Detail und zählt Beispiele für die aus Sicht der Bundesbank falschen Behauptungen auf. Eine sei, „dass in der Diskussion um Target-2-Salden bisweilen der Eindruck erweckt wird, die Bundesbank habe über Target-2-Salden einzelnen Eurostaaten Kredit gegeben“.

      Das ist natürlich nicht der Fall, aber meines Wissens nach hat Herr Sinn auch nicht versucht, diesen Eindruck zu erwecken (mir fällt auch sonst niemand ein).

      Ebenso falsch sei in diesem Zusammenhang „auch der bisweilen erweckte Eindruck, der deutsche Steuerzahler trage aufgrund der hohen Target-2-Forderungen fast das alleinige Ausfallrisiko, wenn Risiken aus der Liquiditätsbereitstellung schlagend werden“.

      Formal tragen alle Notenbanken bzw. Länder das Risiko zusammen. Faktisch ist jedoch Deutschland der Sponsor der ganzen Eurozone. Wenn z. B. Griechenland ausfällt, trägt Italien einen Anteil davon, obwohl es in Wirklichkeit selbst quersubventioniert wird. Wenn Italien ausfällt, gerät auch Frankreich ins Straucheln oder verliert einfach die Lust.

      Weiterhin falsch sei die häufig geteilte Ansicht, „die Risiken der Bundesbank aus den Target-2-Salden hingen mit der Höhe der Target-2-Forderungen der Bundesbank zusammen“.

      Formal gibt es wieder keinen Zusammenhang, weil die EZB dafür einsteht bzw. alle Euro-Länder zusammen. Faktisch trägt aber Deutschland das gesamte Risiko, also auch für die übrigen Target-Salden.

      Dies wäre „de facto nur im Falle eines irrealen Austrittes Deutschlands aus der Währungsunion korrekt“.

      Der Fall ist nicht geregelt. Rein formal dürfte Deutschland eine entsprechende Forderung behalten, die jedoch uneinbringlich wäre wie auch im umgekehrten Fall, wenn einige oder sogar alle anderen Länder austreten.

      In dem üblicherweise unterstellten fiktiven Szenario eines Austrittes eines Landes mit hohen Target-2-Verbindlichkeiten sei die Höhe des Verlustrisikos unabhängig von der Target-2-Position der Bundesbank. Etwaige Verluste schlügen sich im schlimmsten Fall in Höhe des jeweiligen „Kapitalschlüssels an der EZB nieder, unabhängig von der Höhe der individuellen Target-2-Salden“.

      Formal ist das wieder richtig und dürfte im Falle eines kleineren Austritts (z. B. Griechenland oder Zypern) rechnerisch so kommen. Im in dieser Hinsicht tatsächlich schlimmsten Fall bricht aber die ganze Eurozone ungeordnet auseinander und bleibt Deutschland auf allen offenen Target-Salden sitzen, nicht nur den eigenen.

  3. Was mich betrifft, so beschimpfe ich den IWF als Populisten, weil. der Internationale Währungsfonds sich für „Klimaschutz“ durch eine bestimmte Geldabgabe (sprich CO2 Steuer) ausspricht. Welche Zuständigkeit hat der Währungsfond bei einem umweltpolitischen Thema? Die These, dass CO2 unseren Globus erwärmt, ist zudem l wissenschfatlich nicht bewiesen und physikalisch eigentlich unmöglich. Und welcher „Klimaschützer“ spricht in dem Zusammenhang von Methan, dass doch viel gefährlicher als CO2 sein soll und angeblich die schnellste Möglichkeit ist, den Klimawandel zu bremsen? Also mein Verdacht erhärtet sich. Mit der sogenannten Klimakrise treibt man eine weitere Sau durchs Dorf, um die Menschen mit einer neuen CO2 Steuer abzuzocken.

    • Doch, es ist physikalisch zweifelsfrei erwiesen, dass CO2 ein sogenanntes Treibhausgas ist, ohne das die Erde deutlich kälter wäre. Methan (CH4) ist ebenfalls ein Treibhausgas und bei gleicher Konzentration sogar deutlich (rund 30x) wirksamer als CO2. Allerdings sind Konzentration und Emissionen geringer als bei CO2, außerdem zerfällt es in Reaktion mit Sauerstoff nach einiger Zeit (Halbwertszeit ca. 14 Jahre) in CO2 und Wasser.

      Eine CO2-Steuer ist aus ökonomischer Sicht nicht so schlecht, wenn man die Emissionen begrenzen will. Sie sollte allerdings möglichst global sein. Eine rein deutsche Steuer auch noch zusätzlich zu allen anderen Regulierungen einschließlich CO2-Zertifikaten auf europäischer Ebene macht überhaupt keinen Sinn.

      • Lieber Herr Prof. Dilger, mir ist seit 2013, als sie Herrn Dieter Ber als AfD Direktkandidaten verhinderten (laut Dieter Ber wegen seines Buches: „Der teufliche Staat“ )bekannt, dass Sie an das CO2 Märchen glauben. Wenn Sie z.B.“CO2 Märchen“ googeln finden Sie viele seriöse Quellen ( ich meine nicht Compact und auch nicht die AfD, die schreibt; „. Es sei eine Erfindung, dass der durch die Industrialisierung erhöhte CO2-Gehalt in der Luft für den Temperaturanstieg auf der Erde verantwortlich ist“ sondern nicht gekaufte Wissenschaftler (z.B. das Eike Institut). Selbst der öffentliche MDR spricht offen über die Klimalüge: ( https://www.youtube.com/watch?v=GcbtzwLr7wo) . Ich persönlich bin überzeugt: das Klima ist ein chaotisches System, welches kein Wissenschaftler vorhersehen kann. Der FDP Politikrt Dr Rainer Six schrieb bereits 2006 im o.a. Buch von D.Ber u.a. folgendes: “ Die Behauptung, dass mit zunehmender CO2 Konzentration zwangsläufig eine Temperaturerhöhung verbunden ist, kann beim Vergleich der Proxidaten nicht bestätigt werden.“ Und seit 2006 hat Dr Six seine Meinung dazu nicht geändert, sondern bekräftigte in weiteren Publikationen seine Erkenntnisse.
        Die polnische Physikerin und Astrophysikerin Grazyna Fosar und der deutsche Physiker und Mathematiker Franz Bludorf haben in ihrem Buch „Der Geist hat keine Firewall“ nachgewiesen, dass die weit verbreitete Behauptung einiger (Pseudo-) „Wissenschaftler“ und anscheinend korrupter Politiker, die Erwärmung des Klimas der Erde wäre „vom Menschen verursacht“, nämlich durch den künstlichen CO2-Ausstoß bewirkt, falsch ist. Sie meinen:Dabei handelt es sich aber nicht einmal um einen dummen, peinlichen Irrtum, sondern um eine bewußte Lüge. Diese These wird z.B. auch von Detlef Scholz, er, studierte Physik in Münster., und vielen anderen seriösen Physikern und Wissenschaftlern vertreten. Die Liste der nicht CO2 Gläubigen ist sehr lang und würde den Rahmen dieses Blogs sprengen.

      • Sie bringen da etwas durcheinander. Sie hatten anfangs behauptet: „Die These, dass CO2 unseren Globus erwärmt, ist zudem [] wissensch[af]tlich nicht bewiesen und physikalisch eigentlich unmöglich.“ Das ist nicht so und kein Physiker behauptet das. Gegenüber solchen Aussagen scheinen die Grünen plötzlich auf der Seite der Naturwissenschaften zu stehen. Was tatsächlich nicht zweifelsfrei geklärt ist, ist die Frage, welchen Einfluss das von uns Menschen freigesetzte CO2 auf das Weltklima hat. Für sich genommen müsste es einen temperatursteigernden Effekt haben (im Aggregat über viele Jahrzehnte hinweg), der aber von vielen weiteren Effekten überlagert wird. Ich persönlich würde erst beim nächsten Argumentationsschritt ansetzen, nämlich dass gar nicht klar ist, ob eine menschenverursachte Temperaturerhöhung insgesamt schlecht ist (insbesondere wenn die Temperatur ansonsten sinken würde). Noch fraglicher wird das, wenn man die Kosten eines schnellen CO2-Verzichts berücksichtigt. Schließlich ist völlig klar, dass Deutschland alleine keinen relevanten Einfluss auf das Weltklima hat.

        Was Herrn Ber angeht, so ging es 2013 um etwas anderes. Nachdem wir ihn angehört hatten, war der ganze Vorstand der Ansicht, dass wir seine Kandidatur nicht unterstützen können. Entsprechendes galt für die Frau des selbsterklärten Reichskanzlers, die natürlich ebenfalls angehört wurde und nicht wegen Fehlern einer anderen Person von der Liste gestrichen wurde, sondern weil sie dazu keine klare Stellung beziehen wollte. Herr Lucke wollte ihretwegen sogar die ganze Liste platzen lassen. Auch Ihr Bestreben in diese Richtung musste ich qua Amtes abwehren. Das war nichts Persönliches.

      • Da wir auf diesem Gebiet alle keine Fachleute sind, mehrheitlich der Eine vom Anderen abschreibt und die Lautstärke des Klimaprotests in einem Zusammenhang mit dem Empfang von Staatsknete (oder Schulstunden-Urlaub) besteht, ziehe ich zur Meinungsbildung (wie auch die AfD, Dr. Blex) u.a. die Beiträge unter http://www.eike-klima-energie.eu/ heran. Ich habe unter http://tinyurl.com/yxg7fjnp einen aktuellen Beitrag zum Thema Klima-Politik und CO2-Steuer gefunden.

      • EIKE ist kein neutrales wissenschaftliches Institut, sondern ein politischer Verein. Trotzdem kann ich dem verlinkten Text größtenteils zustimmen, obgleich es darin nicht um eine CO2-Steuer geht.

    • Ohne CO2 wäre Leben auf unserer Erde gar nicht möglich. Warum fallen so viele Menschen auf diese pseudowissenschaftliche Greta-Angstmacherei rein??? Linksgüne arbeiten wie Versicherungsbertreter: Den Menschen wird Angst gemacht, damit sie die Lügen Glauben. Ich hoffe so sehr, dass wir endlich eine Klimaetwährmung bekommen!!!!

      • Es ist alles eine Frage der Dosierung. Etwas mehr CO2 ist vor allem für die Pflanzen gut. Eine etwas wärmere Erde könnte auch besser sein. Größere Kälte war jedenfalls schädlich.

  4. Bestehen eigentlich Target Forderungen gegenüber Grossbritanien? Wieviele geschätzte Milliarden unterliegen hier dem deutschen Haftrisiko? In Verantwortung kommt hier die deutsche Notenbank und damit auch Herr Wuermeling, sollte man meinen, gäbe es den deutschen Steuerzahler nicht,der sich zu recht wehrt auch mit den Werkzeugen des Populismus. Populismus kann auch gut sein,um Wahrsheiten kritisch erscheinen zu lassen.

  5. Der Euro und auch das Klimamärchen mutieren zu Ersatz-Religionen. Wer sie in Frage stellt, ist ein Ketzer. Noch sind die Scheiterhaufen nur medial…

  6. Populistisch müssen Wahlspots sein.
    Ich mag ja normalerweise FPÖ Wahl-Spots , weil die geschickt gemacht und lustig sind. Aber der für die EU-Wahlen der im Privat- TV rauf und runter gespielt wird, finde sogar ich für zu kindisch. Klar es geht um die Wahlbeteiligung aber der ist nur halblustig:

  7. Wer traut sich wetten um 1000 Euro ? ( im Dilger Blog)

    Ich wette um 1000 Euro, dass der “ Der III.Weg “ mehr Stimmen holt bei den EU-Wahlen in der BRD als LKR.
    Aber das Lied ist nicht schlecht:

  8. Wem natürlich die zwei Rechtsabspaltungen von der NPD bei den EU-Wahlen schaden, ist klar der NPD.
    War ein Klassiker bei EU-Fraktionen, ITS haben die geheißen, die relativ schnell zerbrochen ist.
    FPÖ-Delegationsleiter Andreas Mölzer wollte auch eine polnische Partei ins Boot holen und sagt die FPÖ anerkennt die Oder-Neiße Grenze . Der damalige NPD-Vorsitzender Udo Voigt hat sich aufgeregt , die von der Ostmark können sagen was sie wollen, die sind Kamerad Schnürschuh.

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