Selensky wird neuer Präsident der Ukraine

Gestern wurde in der Ukraine in einer Stichwahl Wolodymyr Selensky zum Präsidenten gewählt (siehe „Sensation Selensky“) bzw. der Amtsinhaber Petro Poroschenko abgewählt. Das Wahlergebnis war nicht so richtig überraschend, lag der Herausforderer doch schon im ersten Wahlgang deutlich vorne und wurde in der Ukraine seit der Orangenen Revolution anlässlich der Präsidentenwahl 2004 kein Amtsinhaber wiedergewählt. Überraschender war eher das überaus deutliche Ergebnis, da der bisherige Präsidentendarsteller Selensky über 73 Prozent der Stimmen bekam und der bisherige Präsident Poroschenko nur gut 24 Prozent (der Rest war ungültig).

Die Ukrainer sind vor allem der Korruption überdrüssig, die der Oligarch Poroschenko nicht ernsthaft bekämpfte. Ob ein bislang politisch nicht aktiver Komiker, der selbst von einem Oligarchen stark unterstützt wird, das zu ändern vermag, bleibt abzuwarten. Doch nach Karl Popper ist die Hauptfunktion der Demokratie ohnehin nicht die Wahl idealer Herrscher, sondern die Möglichkeit, besonders schlechte Regierungen unblutig wieder loszuwerden. Zumindest in dieser Hinsicht ist die Ukraine demokratischer als z. B. Deutschland.

17 Gedanken zu „Selensky wird neuer Präsident der Ukraine

  1. „… nach Karl Popper ist die Hauptfunktion der Demokratie ohnehin nicht die Wahl idealer Herrscher, sondern die Möglichkeit, besonders schlechte Regierungen unblutig wieder loszuwerden. Zumindest in dieser Hinsicht ist die Ukraine demokratischer als z. B. Deutschland.“

    Oh je, oh je, Herr Dilger.
    Malen Sie den Teufel doch nicht an die Wand …

    Eine blutige Revolution oder einen sonstigen Aufstand gegen die Regierung Merkel IV (und wer weiß heute schon, ob auf IV nicht doch noch weitere Fortsetzungen folgen?) wird es im vor sich hin dämmernden ehemaligen ‚Land der Dichter und Denker‘ ohnehin nicht geben. Also wird auch Deutschland geduldig warten, bis die Regierungszeit von IM Erika irgendwann unblutig endet und der Stab an AKK oder wen auch immer weitergereicht wird. Viel Blut wird bis dahin zwar trotzdem fließen, aber nicht, um die Regierung der „alternativlosen“ Kanzlerin loszuwerden.

    • Sie haben das falsch verstanden. Es wird in Deutschland keine Revolution geben, sondern noch so schlechte Regierungen bleiben einfach an der Macht und fallen höchstens durch Druck von außen (wie verlorene Weltkriege oder Zerfall der Sowjetunion).

      • Also warten wir einfach ab, bis der „Wohlfahrtsstaat“ in Frieden untergegangen ist.

    • Ohne Mehrheit gibt es zumindest keine demokratische Möglichkeit. Dabei ist die CDU das größte Problem, da sie noch immer viele bürgerliche Wähler bindet, obwohl sie inzwischen unter einer FDJ-Funktionärin links-grüne Politik macht.

      • Das Problem ist gar nicht die CDU selbst. Das Problem sind die Lemminge, die diese Partei immer noch wählen.

  2. Selensky ist nicht nur Clown, sondern auch Volljurist und Geschäftsführer mehrerer Unternehmen. Gerade von Wirtschaft müsste er mehr verstehen als der gesamte Bundestag.
    Wie bei Ronald Reagan 1980, der von unseren Prawda-Medien mit ständigen Präsentationen seiner Rolle in ‚Toto the Chimpanzee‘ als Affenschauspieler diffamiert wurde, so wird Selensky hingestellt.

    Ich würde ihm raten, auf der Reaktivierung des Budapester Abkommens zu insistieren, das auch die Russen unterzeichnet haben.
    Gerade wir Deutschen sollten bedenken, dass Donezk/Luhansk nach dem Frieden von Brest/Litowsk die Ostgrenze des Habsburger Reiches darstellen sollte und uns entsprechend zurückhalten. Diese ist geschichtlich die Grenze zwischen katholischer und orthodoxer Christianisierung.

    • Es ist leider tatsächlich so, dass vor allem unsere „Qualitätsmedien“ ARD und ZDF inzwischen das Niveau der „aktuellen Kamera“ erreicht haben und sich das ZDF mit seiner „Starmoderatorin“ Maybritt Illner sogar sein weibliches Vorzeigepersonal vom „Deutschen Fernsehfunk“ geholt hat.

      Wir erleben also auch medial spätestens seit Merkels Amtsantritt die ultimative DDRisierung. Der Deutsche Durchschnittsmichel bemerkt das aber offenbar gar nicht weiter oder es ist ihm schlichtweg egal, da sich Sozialismus ja so schön kuschelig anfühlt (jedenfalls bis kurz vor der endgültigen Staatspleite).

      Wer ein Schaufenster in die Freie Welt und ausgewogene Berichterstattung sucht, der sollte sich daher tunlichst an ausländischen Medien (egal ob aus West oder Ost) orientieren. Selbst RT (vormals „Russia Today“), CNN und Al Jazeera berichten objektiver als die auf Hofberichterstattung dressierten Äffchen bei den Öffentlich-Rechtlichen hierzulande.

      Diese bittere Erkenntnis schreibe ich Ihnen nicht als „Wutbürger“, der geneigt wäre, Medien pauschal als „Lügenpresse“ abzutun, sondern als einer, der beruflich schon seit den frühen 1980er Jahren in der Medienbranche zuhause ist (seit 1985 als Unternehmer) und als Prüfungsthema an der Uni für das Vordiplom im Fach Kommunikationswissenschaft seinerzeit einen Systemvergleich der (damaligen) DDR-Medien mit unseren damals noch vergleichsweise vielfältigen Bundesrepublikanischen Medien zum Thema hatte.

      Analysiert man die Inhalte der Medien im heutigen Deutschland und vergleicht sie mit denen im zehmal kleineren Österreich oder der ebenso kleinen Schweiz (von der angelsächsischen Welt ganz zu schweigen), drängen sich mir gewisse Ähnlichkeiten mit meinem Prüfungsthema vor knapp 35 Jahren auf. Der Unterschied: Heute ist ganz Deutschland in der Rolle der DDR.
      *Leider keine Ironie*

      • 300sel
        sagte am 23/04/2019 um 18:20 :“ . . .als einer, der beruflich schon seit den frühen 1980er Jahren in der Medienbranche zuhause ist (seit 1985 als Unternehmer) und als Prüfungsthema an der Uni für das Vordiplom im Fach Kommunikationswissenschaft . . .“
        Bei diesem beruflichen Werdegang, den ich auch bei „Abgeordnetenwatch“ mal nachgeschlagen habe, müssten Sie doch eigentlich der passende Leiter der von mir vorgeschlagenen AGIT-PROP-Abteilung sein ? Oder werden Ihre Begabungen in Bayern eher verkannt ?

      • Vielen Dank, dass Sie mir das zutrauen. Es mag schon sein, dass ich eine derartige Herausforderung auf Grund meiner Erfahrung sehr viel besser lösen könnte als die meisten Personen, die sich für solche Aufgaben anbieten. Aber zum einen wird der Bedarf an sich von zu wenigen erkannt und zum anderen weiß ich gar nicht, ob ich mir so etwas überhaupt antun wollen würde. Für einen gärigen Haufen, der seinen Kurs immer noch finden muss und glaubt, die ganze Klaviatur von national sozialistisch über liberal konservativ und libertär bis zu marktradikal in einem Angebot bedienen zu können jedenfalls nicht. Dazu bin ich viel zu sehr Realist.

  3. Was interessiert uns die bettelarme Ukraine mit ihren komplizierten ethnischen Konflikten? Ich bin bestimmt kein Russland-Fan, aber wir müssen sie nicht gerade vor ihrer eigenen Haustüre provozieren. Davon haben wir keinen Nutzen! Deutschland ist eine Exportnation und Russland ein wichtiger Kunde.

    Die EU verteilt in der Ukraine wieder Geld und wir Steuerzahler dürfen dann für dieses Fass ohne Boden bluten. Wir sollten uns besser um unsere Problemfälle kümmern, statt die Ukraine vor dem Staatsbankrott zu retten. Aber vielleicht ist ja der linksgrüne Global Player Soros, übrigens großer Karl Popper Fan, dort groß investiert und wir dürfen für sein Kapital haften….

  4. Pingback: Neue Partei vom neuen Präsidenten gewinnt ukrainische Parlamentswahlen | Alexander Dilger

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