Neue Brexit Party laut Umfrage vorn

Die Brexit Party ist erst dieses Jahr als Abspaltung von der UK Independence Party (UKIP) gegründet worden. Diese neue „Brexit Party schießt in Umfrage auf Platz 1“. Sie käme aktuell auf 27 Prozent der Stimmen (siehe „Brexit Party leading in EU Parliament polls“) gefolgt von der Labour Party mit 22 Prozent. Die Tories (Conservative and Unionist Party) kommen nur noch auf 15 Prozent. Die Grünen und die Liberaldemokraten, die sich beide klar für einen Verbleib in der EU aussprechen, kommen auf 10 Prozent bzw. 9 Prozent. UKIP ist der größte Verlierer des Aufstiegs der Brexit Party mit nur noch 7 Prozent (halbiert von 14 Prozent kaum eine Woche vorher). Change UK, eine ebenfalls neue Partei von abtrünnigen Abgeordneten von Labour und den Tories, die in der EU bleiben wollen, kommt auf 6 Prozent. Die schottischen und walisischen Regionalparteien SNP und Plaid Cymru kommen gemeinsam UK-weit auf 4 Prozent. Alle übrigen Parteien erreichen gemeinsam ein Prozent, wobei EU-weit das Verhältniswahlrecht gilt.

Der Aufstieg der Brexit Party ist in mehrfacher Hinsicht lehrreich, vielleicht auch für Deutschland, wenngleich es hier weniger demokratisch zugeht als im Vereinigten Königreich. So handelt es sich um eine reine Ein-Themen-Partei, aber das Thema ist eben das wichtigste im Land, bei der EU-Wahl ohnehin, aber auch sonst. UKIP ist zu rechtsradikal und islamfeindlich geworden und eine gemäßigte Alternative hat bessere Chancen. Nigel Farage war Vorsitzender von UKIP und ist jetzt Vorsitzender der Brexit Party (war aber nicht ihr Gründungsvorsitzender, sondern Catherine Blaiklock war die erste Vorsitzende, die wegen früheren islamfeindlichen und rassistischen Äußerungen zurücktrat). Er hat die größte Bekanntheit und Glaubwürdigkeit im Land hinsichtlich Brexit.

Leider ist Bernd Lucke in Deutschland nicht so konsequent in seiner Euro-Kritik und kann seine LKR die AfD nicht überflügeln. Ansonsten ist die Situation jedoch vergleichbar. Die ehemaligen Volksparteien haben auch in Deutschland ihre Glaubwürdigkeit verloren. Es fehlt allein an einer attraktiven Alternative, die es jetzt in UK gibt. Wer dort für den Verbleib in der EU ist, wird auch eher die Grünen, Liberaldemokraten oder Change UK wählen als die zerstrittenen Tories oder Labour ohne klare Linie. Die EU-Wahl könnte quasi zu einer zweiten Brexit-Abstimmung werden.

13 Gedanken zu „Neue Brexit Party laut Umfrage vorn

  1. Der Drang nach Unabhängigkeit ist in Deutschland (leider) nicht sehr ausgeprägt. Auch der sukzessive Abbau des Föderalismus innerhalb der Bundesrepublik und die zunehmende Einschränkung seiner Bürgerlichen Freiheit sind dem Deutschen Michel offenkundig schlichtweg egal. Die meisten Deutschen ziehen es vor, sich bevormunden zu lassen und ihren gesunden Menschenverstand an der Staatsgarderobe abzugeben. Daher gebe ich einer vergleichbaren Parteienabspaltung hierzulande nicht die geringsten Erfolgschancen.

  2. Die Brexit-Befürworter legen die Axt an den Frieden in Europa, wie sich in Nordirland jetzt schon andeutet. Bei aller Kritik am Euro ist es das nicht wert, dass der Friede in Europa gefährdet wird. Zumal die Brexiteers entweder Milliardäre sind, die Steuern sparen wollen und denen ihre Heimat GB in Wahrheit ziemlich egal ist oder einfache Leute, die die Zusammenhänge nicht verstehen und dumpfen Parolen folgen. Putin, der das Chaos in GB und Europa orchestriert, wird sich ins Fäustchen lachen.

    • Wobei die Irland-Frage überbewertet wird. Tatsächlich gibt es keinen Zwang zur Personenkontrolle, lediglich der Warenverkehr muss (sowohl nach EU- als auch WTO-Regeln) kontrolliert werden, aber auch hier gibt es Toleranzgrenzen und Möglichkeiten des subtilen Vorgehens. Und es wird sicher Gewinner geben (auch oder gerade unter katholischen Geschäftsleuten; nämlich dann, wenn sie dann bestimmte Waren billiger als im Nachbarland anbieten kõnnnen). Trotzdem ist.es nicht auszuschließen, dass manche Nationalisten einen Anlass zum Krawallmachen sehen, das gilt aber umgekehrt auch für radikale Unionisten, falls wegen Irland der ersehnte No Deal Brexit doch nicht kommt.

  3. Die Frage ist, welche Aussagekraft die Zahlen hinsichtlich der Brexit-Neigung im britischen Volk haben. 34 % wählen Parteien, die klar für den Brexit sind, 25 % wählen Parteien, die klar gegen den Brexit sind. Bedeutet das, dass die anderen Wähler in der Frage eher indifferent sind? Da Torys und Labour im Parlament bisher keinen Brexit hinbekommen haben, könnte es auch bedeuten, dass es nur einen „harten Kern“ von etwa 1/3 der Briten gibt, die wirklich den Brexit wollen. Dies wirft Fragen hinsichtlich der Legitimität des EU-Austritts auf.

    • So ein Schwachsinn.
      Wenn es einem Teil der Bevölkerung wurscht ist, ob in der EU oder nicht, dann kommts eben drauf an, was die Mehrheit der Bevölkerung will, denen das nicht wurscht ist.
      Und – oh, Wunder – die Anzahl der Briten, die jedenfalls raus wollen, auch mit no-deal, ist im Unterschied zu den ständigen Fake-News in der Soros-Rothschild-Presse nicht etwa rückläufig, sondern nimmt zu. Da hilft es auch nichts, dass die gleichgeschalteten deutschen Zeitungen vor wenigen Wochen berichtet haben, dass angeblich eine Million Menschen für Remain demonstriert hätten (tatsächlich waren es 300.000 bis 400.000) und es hilft auch nichts, wenn angeblich sechs Milionen Personen eine Petition zu diesem Zweck unterschreiben, wenn die Unterschriften aus dem Vatikan oder Nordkorea kommen und ein einfacher Selbsttest zeigt, dass Hinz und Kunz mit Mehrfach-Mailadressen beliebig oft unterschreiben kann
      Lächerlich
      Aber es ist schon klar, dass Soros-Rothschild-Juncker und ihre Marionetten den Brexit verhindern wollen
      Farage for President !!!

      • Eine sehr weitreichende Maßnahme wie der Brexit sollte von der Mehrheit der Bürger aktiv (!) getragen werden. Die Volksabstimmung hätte nur bei einer 60 % oder sogar Zweidrittel-Mehrheit Gültigkeit erlangen sollen.

      • Die Art der Berichterstattung über den Brexit oder auch über den amtierenden US-Präsidenten in den als „meinungsbildend“ geltenden deutschen Printmedien und insbesondere in den eigentlich zu Neutralität und Objektivität verpflichteten öffentlich-rechtlichen Sendern ist in der Tat an Lächerlichkeit kaum noch zu überbieten. Aber nicht nur diesbezüglich jagen sich „alternative Fakten“ und tendenziöse Berichterstattung in deutschen ‚Leitmedien‘, dass die Schwarte nur so kracht.

        Interessant ist vor allem, dass führende Medien außerhalb Deutschlands Brexit und Donald Trump völlig anders wahrnehmen. Man braucht dafür nicht einmal über großartige Fremdsprachenkenntnisse zu verfügen. Es genügt dafür, einfach einen Blick nach Österreich oder in die Schweiz zu werfen.

        Spannend auch, wie Petro Poroschenkos für heute bevorstehende Niederlage in den reichweitenstarken deutschen Medien seit Wochen dargestellt wird.

  4. Gute Nachrichten aus UK, die einmal mehr zeigen, dass es inzwischen keinen klaren Schwenk zu ‚Remain‘ gegeben hat, wie es vor allem deutsche Medien suggerieren.
    Und in der Tat ein sehr gutes Zeichen, dass sich mit Farage und seiner neuen Partei eine sehr starke, auch liberale Alternative entwickeln kann, die sich von den Extremen fernhält.

  5. Wir sollten nicht glauben, dass der Brexit einzigartig in Europa bleibt. Europa ist ein Erdteil auf unserer Erde,es gibt noch 5 andere. Die Nationalstaaten dürfen ihre Prioritäten nicht verlieren. Aus diesem Wurzelwerk ist der Brexit ein guter Anfang.

  6. Also etwa ja ein Drittel für No Deal, nicht näher definierten Deal und Rewoke. Schön, dass wir endlich klare Verhältnisse haben 😉 Aber warten wir die Ergebnisse ab, und auch die bis zum Wahltag noch kommenden (oder auch nicht) Richtungsentscheidungen bei Tories und Labour.

  7. „Zuerst ignorieren sie Dich,
    dann lachen sie über Dich,
    dann bekämpfen sie Dich,
    und dann gewinnst Du“.

    Mahatma Gandhi

  8. Der Erfolg von Farages neuer Partei ist ein zweischneidiges Schwert: Wenn sich die obig erwähnte Umfrage bewahrheitet und die Partei Platz 1 einnimmt, sendet es sicher ein Signal an die Regierung mit dem Austrittsprozess voranzukommen.

    Andererseits, und das ist bei der schwachen May nicht unwahrscheinlich, würde bei einer Neuwahl aufgrund des Wahlsystems vielleicht eine Remain-Mehrheit rauskommen, da die Brexit-Partei den Tories Stimmen wegschnappt und so der Labour oder LibDem Kandidat zum Zuge kommt.
    Absprachen und Wahlbündnisse zwischen Tories und Brexit-Partei, die dem vorbeugen könnte, sehe ich als sehr unwahrscheinlich an. Die Tories würden sich damit als altehrwürdige Partei einen Reputationsschaden verpassen, den die anderen Parteien liebend gerne ausnutzen werden.

    • Die Brexit Party könnte einseitig darauf verzichten, Gegenkandidaten in Wahlkreisen aufzustellen, wo klare Brexit-Befürworter aussichtsreich kandidieren. Für Remain ist ohnehin überhaupt keine Mehrheit mehr zu sein, höchstens für einen soften Brexit.

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