Genozid in Ruanda vor 25 Jahren

Heute vor 25 Jahren, am 6. April 1994, wurde Juvénal Habyarimana, der Präsident von Ruanda, durch Abschuss seines Flugzeugs zusammen mit Cyprien Ntaryamira, dem Präsidenten von Burundi, von bis heute unbekannten Tätern ermordet. Das war der Auslöser eines grausamen Völkermordes, bei dem mindestens 500.000 und wahrscheinlich eher 800.000 bis eine Millionen Menschen ermordet wurden, und zwar vor allem Angehörige der Tutsi, der vormals privilegierten Minderheit im Land, von denen ca. 75 Prozent grausam umgebracht wurden, und daneben gemäßigte Hutu, die die damals herrschende Mehrheit bildeten. Die Massenmorde wurden nicht nur von Armee, Polizei und Milizen verübt, sondern auch von vielen Zivilisten, die ihre eigenen Nachbarn, Kollegen, christlichen Glaubensbrüder und sogar Ehepartner umbrachten. Das zeigte einmal mehr, wozu Menschen fähig sind und wie dünn die schützende Decke der Zivilisation ist (die nationalsozialistischen Verbrechen hatten das im sehr weit entwickelten Deutschland gezeigt, wobei die Zivilbevölkerung weniger aktiv war).

UNO wie westliche Mächte hätten das Blutvergießen verringern können, hielten sich jedoch fast vollständig zurück. Beendet wurde das Morden durch die Ruandische Patriotische Front (RPF), eine Rebellenarmee vor allem von Tutsi unter Leitung des heutigen Präsidenten Paul Kagame, die schon vorher gegen die Hutu-Regierung gekämpft hatte. Präsident Habyarimana kam gerade von Friedensverhandlungen zurück, als er ermordet wurde (weil entweder radikale Hutu oder auch Tutsi diese Verhandlungen torpedieren wollten). Seither wird Ruanda mit harter Hand und wenig demokratisch regiert, dafür ist es weitestgehend friedlich und wirtschaftlich im Aufschwung (von einem sehr niedrigen Ausgangsniveau aus). Allerdings wurde der Krieg nach Zaire bzw. in die Demokratische Republik Kongo getragen, in die viele Täter der Hutu geflohen waren und wo es mittlerweile noch mehr Opfer gab.

4 Gedanken zu „Genozid in Ruanda vor 25 Jahren

  1. Afrika ist ein riesiger Kontinent und reich an Bodenschätzen. Afrika kann und muss sich alleine helfen. 60 Jahre nach dem Ende der Kolonialzeit ist das nicht mehr Sache der Europäer.
    Alexander Gauland am 06.04.2019 auf der AfD-Wahlkampferöffnung zur EU-Wahl

  2. Ich hatte zu dieser Zeit überwiegend in Belgien zu tun und habe sowohl die zunächst sehr zaghafte mediale Berichterstattung über die grausamen Ereignisse als auch das völlige Desinteresse der Belgier an dem Genozid in ihrer ehemaligen Kolonie noch gut vor Augen.

    Auch die Vereinten Nationen, und insbesondere ihr späterer Generalsekretär Kofi Annan, der für den völlig misslungenen Blauhelmeinsatz zuständig war, haben sich 1994 nicht gerade mit Ruhm bekleckert.

    Ebenfalls interessant: https://www.deutschlandfunk.de/25-jahre-nach-dem-voelkermord-in-ruanda-ein-genozid-durch.871.de.html?dram:article_id=445677

  3. Pingback: Parteien sind bei Wahlen nicht an ihre Satzungen gebunden | Alexander Dilger

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