Nur die Familien-Partei hat keine Kandidatin

Die Familien-Partei Deutschlands dürfte nicht nur die erste Partei in Deutschland sein, die auf den Spitzenplätzen Vater und Sohn aufstellt, was immerhin etwas mit Familie zu tun hat, wenn auch nicht im politisch positiven Sinne, sondern sie ist bei der anstehenden EU-Wahl auch die einzige Partei in Deutschland, die keine einzige Frau auf der Liste stehen hat (bei der CDU ist das in Brandenburg der Fall, siehe die „Niederschrift über die Sitzung des Bundeswahlausschusses zur Entscheidung über die Zulassung der eingereichten Wahlvorschläge“). Es kandidieren nur zehn Männer (während die Feministische Partei DIE FRAUEN nur zwölf Frauen auf der Liste hat), und zwar:

1 Geuking, Helmut Julius
2 Geuking, Niels
3 Prutz, Oliver
4 Weil, Klaus
5 Henning, Sebastian
6 Gerszewski, Michael
7 Vollbracht, Thomas
8 Friedrich, Andres
9 Winkler, Jochen Thomas
10 Köth, Frank

Dabei wurde auf Platz 2 durchaus eine Frau gewählt, der jedoch der satzungsmäßig gewonnene Listenplatz nicht zugesprochen wurde (siehe ‚Nichtige Beschlüsse und Wahlen sowie falscher Vorsitzender‘, worauf ich in einem weiteren Beitrag zurückkommen werde), um dort den Sohn des Vorsitzenden und Erstplatzierten unterbringen zu können. Eine schöne Familie(n-Partei) ist das…

74 Gedanken zu „Nur die Familien-Partei hat keine Kandidatin

  1. Es ist nicht zu begreifen, wie ein gescheiter Mann wie Prof. Dilger, in dieser Familien-Partei seine wertvolle Zeit verplempern konnte.

    Ich kenne niemanden, der nach seinem Ausscheiden bei der AfD in einer anderen Partei erfolgreicher gewesen wäre. Aber Reisende soll man bekanntlich ziehen lassen…!

    • Vielleicht hätte er es ja bei den Grauen Panthern versuchen sollen :-). Spitzenkandidat dort ist jedenfalls Dr. Ulrich Wlecke, der Name kommt mir bekannt vor (Ex Nr. 4 auf der AfD-Landesliste zur Bundestagswahl 2013).

      • Mehr Informationsquellen als das Protokoll habe ich auch nicht. Die Webseite der Grauen Panther hat keine Infos zu ihren Kandidaten, und im Düsseldorfer Stadtrat scheint er nach wie vor unter Tierschutz – Freie Wähler zu firmieren (insofern kann ich nicht völlig ausschließen, dass es sich um einen Namensvetter handelt).

      • Ulrich Wleckes Parteien-„Karriere“ seit Ende der 1980er Jahre: FDP, Republikaner (Landesschatzmeister NRW, davon will er nichts mehr wissen), CDU, Freie Wähler, AfD (Ratsmandat in Düsseldorf, übergelaufen zu Tierschutzpartei/Freie Wähler und ihnen damit den Fraktionsstatus geschenkt), Graue Panther … Es gibt noch viele Parteien …

      • Es könnte aber sein, dass er jetzt zum erfolgreichsten AfD-Aussteiger wird, der ohne AfD-Ticket ins EU-Parlament gewählt wird.

    • Das wurde doch hier im Blog ausführlich erläutert und diskutiert. Rückblickend würde ich zwei Phasen unterscheiden. Anfangs hatte ich die Hoffnung, ein Bündnis bürgerlicher Kleinparteien schmieden zu können, und zwar über den Einzug ins Europaparlament, der mit der Familien-Partei möglich gewesen wäre (selbst Herr Geuking träumt mit Gurkentruppe und mit absurdem Programm noch davon). Dann ging es um Schadensbegrenzung, da man Parteien nicht ständig wechseln sollte. Herr Geuking hätte jetzt als Spitzenkandidat von mir unterstützt werden können, wenn er sich fairer und demokratischer verhalten hätte. Doch er wollte lieber seinen Sohn auf Platz 2 und uns rechtswidrig aus der Partei entfernen, was seinen eigenen Wahlerfolg gefährdet und die Familien-Partei aller Voraussicht nach dauerhaft uninteressant macht (entweder zieht er selbstherrlich, aber ohne politische Ideen ins Europaparlament ein oder die Partei liegt ganz am Boden). Am besten wäre wohl ein Ergebnis von genau 5 Promille, bei dem er nicht ins Parlament einzieht, aber es ohne seine Mätzchen offensichtlich gereicht hätte und auch Gelder aus der Parteienfinanzierung fließen.

      • francomorisano: Seit Jahrzehnten sagen mir Deutsche wie Ausländer immer wieder, daß ich so wenig deutsch sei… Meine Ablehnung libertärer Gedanken kommt zudem vor allem aus jahrzehntelanger täglicher Lektüre eines amerikanischen libertären Internetdienstes und sonstiger Us-Medien… Wir Liberalen wollen die Freiheit schützen lassen, Libertäre überlassen sie der Willkür Stärkerer.

      • @Ulrich Motte
        Das ist jetzt aber eine sehr platte Verallgemeinerung.

      • „sie“ war klein geschrieben! Es bezieht sich als nicht auf Sie, sondern die Libertären. Mit „undeutsch“ war gemeint, dass leider die meisten Deutschen das preußische Märchen vom Vater Staat glauben. Auch ich bin kein echter Libertärer, kann aber einigen libertären Ansichten zustimmen, denn ich traue unseren Staatslenkern nicht über den Weg, gerade nachdem die Nachfahren der 68er mit ihrem „Marsch durch die Institutionen“ als „Eliten“ an den Schaltstellen der Macht sitzen. Die beseitigen wir nur mit einer Kulturrevolution!

      • Die Kulturrevolution in China war eine Katastrophe. Liberale trauen auch nicht den Staatslenkern, wollen deshalb aber nicht den Staat abschaffen, weil sie auch nicht anarchistischen Gewalttätern vertrauen, sondern setzen auf „checks and balances“.

      • Meinen sie mit „libertärer Internetdienst“ reason.com?

    • 2013 hätte die AfD die FDP verdrängen können (nicht als rein liberale Partei, aber mit liberalen Inhalten und Personen). Die Chance wurde vertan. Für zwei liberale Parteien ist kein Platz in Deutschland und das Ablösen der FDP erscheint sehr schwer, auch wenn sie nicht richtig liberal ist.

      • Was ist an der heutigen FDP denn „liberal“?
        Die FDP ist zu einem Wahlverein opportunistischer Karrieristen und Glücksritter verkommen.
        Für eine echte liberale Partei scheint es im umverteilungsbesoffenen Wohlfahrtsdeutschland tatsächlich nicht mehr genügend Wählerpotential zu geben.

  2. Herr Francomacorisano, es ist eine traurige Geschichte, die mir zu teil wurde. Mein Entschluss stand eigentlich schon fest, als Wähler nicht bei der Europawahl teilzunehmen. Es gab keine Partei, der ich hätte meine Stimme geben wollen. Hätte es das Familiendesaster mit der Familienpartei nicht gegeben,hätte ich denen meine Stimme. gegeben. Nach Durchgehen der Parteienliste war meine Entscheidung dann klar. Ich gehe zur Europawahl und wähle die „Deutsche Hundepartei“. Meine Hanni habe ich vor einigen Jahren aus einem Tierheim in Kroatien abgeholt, und wir sind mit unseren Kindern eine große Familie. So hatte ich dann auch viele FB Freunde und war überrascht, wie viele dann auch die „Deutsche Hundepartei“ wählen wollten.
    Vor 10 Tagen gab es dann die Enttäuschung, die Partei wurde zur Wahl nicht zugelassen.
    Nun hoffe ich, dass am 26.Mai schönes Wetter wird und ich an dem Tag etwas eigene Freude verbreiten kann.

  3. Wie ist eigentlich der aktuelle Stand hinsichtlich Ihrer Parteizugehörigkeit?
    Geuking behauptete doch, Sie wären nie Mitglied gewesen.

    francomacorisano hat vollkommen recht. Ihr Engagement in solch einer lächerlichen Privatpartei, die noch älter ist, als ich (Jahrgang 1984), ist im wahrsten Sinne des Wortes „Perlen vor die Säue“. Wenn es eine Partei in 37 Jahren nicht geschafft hat mal zumindest in ein Landesparlament einzuziehen und sich nur um das eine eventuell erreichbare EU-Mandat mit peinlichen Mitteln von Family & Friends gekloppt wird, dann ist jegliche Energie dort verplemperte Zeit. Ich bezweifel auch, dass die Mehrheit der dort handelnden Akteure überhaupt in der Lage ist, die politische Situation aus der Vogelperspektive zu betrachten.

    Auch wenn Sie persönlich liberaler und stärker als ich von dem transatlantischen westdeutschen post-68er Weltbild der 80er und 90er Jahre geprägt sind, so ist es wirklich schade, dass Sie ihre ökonomischen Expertise und ihre sonstigen rational vernünftigen politischen Ansichten nirgendwo zielführend einspeisen können.

    Wenn Ihnen die AfD zu nationalkonservativ/ rechts/ grundsätzlich ist, vielleicht zerfällt ja irgendwann die jetzige FDP, die doch vollkommen überflüssig ist. Und Sie könnten dann eine im eigentlichen Sinne liberale Partei ohne Etikettenschwindel hochziehen. Denn die jetzigen Altparteien haben ja alle eine Agenda: Vereinigte Staaten von Europa inklusive aller sich daraus ergebenden Verwerfungen. Hier wäre ein breiter Widerstand aus allen politischen Lagern notwendig und noch wirksamer.

    Insgesamt zeigt natürlich gerade das Beispiel Geuking/ Familienpartei auch, dass es auch unter den kleinen und fast aussichtlosen Pateien längst nicht nur um Idealismus, sondern auch oft um ganz persönliche Versorgungsinteressen geht. Trotzdem lehne ich natürlich, wie ich hier ja oft genug schon erwähnt habe, die machtkonzentrierenden und wettbewerbsverzerrenden Mechanismen, wie z.B. die 5 % Hürde, ab.

      • Ich habe ja schon einmal geschrieben, dass ich von dem Mehrheitswahlrecht nicht das Geringste halte. Es ist für mich ein Relikt aus längst vergangener Zeit (mehrere Jahrhunderte zurückliegend) und führt mit seinem quasi-zwei-Parteiensystem zum erstarren und korrumpieren des politischen Systems. Eine junge unverbrauchte Opposition hat es sehr schwer gegen den alles durchdringenden kartellartigen Machtblock. Eine politische, finanzielle und strukturelle Teilhabe am politischen Geschehen wird fast verunmöglicht. Durch die fehlende anteilige Parteienfinanzierung und die Angst auf Grund des brutalen „The winner takes it all“ Prinzips Stimmen zu verschenken ergibt sich eine gigantische Wettbewerbsverzerrung, die Missstände, Filz und Unwahrheiten bis zum brutalen Scheitern zementiert.

        Bis es zu wirklichen Veränderungen und Kurskorrekturen kommen kann, ist der „point of no return“ bereits stets überschritten. Bevor friedliche, maßvolle und vernünftige Kurskorrekturen greifen können, sind bereits unumkehrbare Fakten von dem Blockflötenkartell geschaffen worden.

        in den ehemals stolzen Nationen Frankreich und England sind die Folgen fatal. Die dortige Politik hat dort noch schlimmer gewütet, als in Deutschland oder Österreich. Sogar schwere Straftaten gegen die eigene bevölkerung, wie in Rotherham und Telford, wurden gedeckelt. Als ich London im Jahre 2002 besuchte, war dies schon sehr multikulturell. Heute sind ja viele englische Städte voler Burkas und muslimischer Bürgermeister.

        Und ja, auch hier ist die politische Machtkorrumpierung sehr bedenklich und wenig demokratisch (5%-Hürde, instrumentalisierter von Altparteien-Innenministern gesteuerter VS, öffentlich-rechtlicher Rundfunk für SPD, CDU und Grüne, Stiftungsgoldregen und Antifafinazierung..), dennoch gibt es hier zumindest noch die Chance einer politischen Teilhabe und friedlicher Kurskorrektur vor dem vollständigen Kollaps.

        Eine wirkliche Demokratie hätte natürlich Volksentscheide bei relevanten Themen.

      • Ich bin ebenfalls für das Verhältniswahlrecht ohne Prozenthürde, doch ein Mehrheitswahlrecht hat durchaus Vorzüge, die Sie unterschlagen. Wenn jeder Abgeordnete seinen Wahlkreis gewinnen muss, verlieren die Parteien und vor allem die zentrale Parteiführung an Gewicht. Frankreich hat hingegen das Verhältniswahlrecht plus Direktwahl des Präsidenten, wofür es auch gute Gründe gibt.

      • Eine Partei kann diese von sich aus organisieren, die Wahlversammlung ist dann allerdings nicht an deren Ergebnisse gebunden.

    • Ich hatte unterschätzt, wie schmutzig das Geschäft der Politik ist und dass es nicht nur in der AfD das Pleitepärchen gab, sondern überall eigentlich unpolitische, aber skrupellose Glücksritter unterwegs sind.

      Herr Geuking meint gleichzeitig, dass er unsere Aufnahme nachträglich widerrufen konnte, er aber trotzdem rechtmäßig von uns nominiert wurde. Das ist ein Widerspruch, der aber in diesem Land keinen zu jucken scheint. Immerhin klagt ein Mitglied (mit meiner Unterstützung) gegen den Rauswurf und ist deshalb endlich ein Gerichtstermin in Berlin angesetzt (nachdem Herr Geuking noch behauptet hatte, der relevante Ort sei sein Familienwohnsitz und nicht der satzungsmäßig festgelegte Sitz der Partei).

      Die FDP blockiert den Platz für eine bessere liberale Partei. Ebenso blockiert die AfD den Platz für eine konservative Oppositionspartei. Deshalb hoffe ich darauf, dass die Kleinparteien ingesamt mehr Stimmen bekommen, um die Unzufriedenheit mit allen Parteien im Bundestag zum Ausdruck zu bringen.

      • „Frankreich hat hingegen das Verhältniswahlrecht“

        Also nach meiner Recherche hat auch Frankreich das Mehrheitswahlrecht.

        https://de.wikipedia.org/wiki/Politisches_System_Frankreichs

        „Allerdings gehen die Parteien häufig Bündnisse ein, um bei der Mehrheitswahl bessere Chancen zu haben.“

        Die parlamentarische Zusammensetzung ist zumindest seit der letzten Wahl allerdings etwas heterogener als in England. Wahrscheinlich, weil die Franzosen etwas rebellischer sind als die Briten und so ein paar Wahlkreise nicht an die beiden politischen Hauptblöcke gingen.

        So hat der Front National z.B.. 13,2% bekommen, dies entsprachen jedoch nur 8 Sitzen. Für eine Fraktion zuwenig. Entsprechend sind finanzielle Mittel und politische Gestaltungsmöglichkeiten.

        In England sind die politischen Verhältnisse auf Grund der Kombination Mehrheitswahlrecht und zaghafter Bevölkerung sogar noch festgefahrener. Kein Wunder, dass die Menschen zumindest beim Brexit mal einmal die Chance sahen in die Speichen des Establishments zu greifen.

        Dieses Gefühl der Ohnmacht (es ändert sich doch sowieso nichts) und Bevormundung vergrault die Menschen doch völlig von der Demokratie.

        Gerade wenn man sich in der Wirtschaft für freien Wettbewerb ausspricht, so muss man diesen Grundsatz in der Politik ja erst recht verfolgen. Gerade vor diesem Hintergrund verstehe ich auch nicht, warum sich die Liberalität in UK, USA und Frankreich nicht schon lange für Fortschritte des freien politischen Wettbewerbes der Demokratie ausspricht.

      • Das französische Wahlsystem ist kompliziert. Rein formal gilt für die Nationalversammlung tatsächlich eine Form des Mehrheitswahlrechts (im Senat z. T. das Verhältniswahlrecht), allerdings mit wichtigen Abweichungen zum angelsächsischen Modell, weshalb es schon lange viele Parteien gibt. Im ersten Wahlgang ist die absolute Mehrheit (und ein Viertel der Wahlberechtigten) nötig, sonst gibt es eine Stichwahl für Kandidaten mit mindestens 12,5 Prozent der Stimmen (oder zumindest die beiden Erstplatzierten), wobei dann meist Absprachen greifen, so dass es nur zwei oder drei Kandidaten gibt (einen linken und rechten sowie gegebenenfalls extremistischen). Das Mehrheitswahlrecht muss nicht weniger Wettbewerb bedeuten. So gibt es klarere Mehrheiten, aber auch einen eindeutigeren Wechsel. Frau Merkel regiert doch vor allem deshalb so lange, weil die Verhältnisse in Deutschland so festgefahren sind, dass es keine Mehrheit ohne sie gibt, was die AfD sogar noch verstärkt hat.

      • Die von Ihnen veröffentlichte Liste der Familienpartei ist doch in der Form in der Aufstellungsversammlung in Coesfeld nicht gewählt worden. Auf Platz zwei der Liste ist in Coesfeld Frau König gewählt worden. Durch eine Manipulation der Wahl ist dann in einer irregulären Stichwahl Herr Geuking jun. an Stelle von Frau König nominiert worden.
        1. Die Liste ist falsch
        2. Wenn die Liste Ergebnis des Protokolls ist, dann ist das Protokoll falsch.
        Wer hat das Protokoll gefertigt? Die gewählten Protokollanten auf jeden Fall nicht.
        3 Wer hat denn die EV für den ordnungsgemäßen Ablauf der Wahlversammlung unterschrieben? Ist das Strafrechtlich relevant?
        Bis wann kann das Ergebnis der Bundeswahlversammlung angefochten werden?

        Langsam habe ich tatsächlich das Gefühl, in einer Bananenrepublik zu leben.

        Ein weiteres Thema ist die Rentendiskussion. Mit keinem Wort wird erwähnt, dass Politiker für ihre Mandate z. B. 4 Jahre Bundestag rund 900,00 € Rente im Monat bekommen. Die erworbenen Rentenansprüche von Politikern sollten näher unter die Lupe genommen werden. Vielleicht ist das ja ein separates Blog Thema?

      • Das Protokoll enthält Fehler, allerdings nicht an dieser Stelle. Die Stimmergebnisse sind richtig dokumentiert. Es wurden auf der Versammlung die falschen Schlüsse daraus gezogen, da wohl selbst der Vorsitzende seine eigenen Satzungen und Ordnungen nicht kannte (oder in dem Moment nicht kennen wollte). Innerparteilich wurde uns der Rechtsweg verweigert. Die ordentlichen Gerichte sind zu langsam und der Bundeswahlleiter hat mir eine kuriose Begründung geschickt, warum die Liste so durchgewunken wurde (darüber schreibe ich demnächst einen Beitrag).

      • Auch für Politiker sollte es einen Tarifvertrag geben, am besten im Verbund mit dem Einzelhandel… 🙂

  4. Vermute, Herr Dilger hat da schon lange nicht mehr viel Zeit verplempert. Evtl dient es einem gewissen akademischem Interesse, wie schon kleine Organisationen/Parteien (nicht demokratisch) funktionieren, wie Opportunisten jedes erdenkliche Spielfeld zu entern versuchen oder was auch immer. Das sage ich ohne Häme.

  5. Sel300: Eine zutreffende Verallgemeinerung, daß Libertäre (verschiedener Art) den Schutz vor Not nicht als Recht verankert sehen wollen, sondern solche in existenzieller Not ( verschiedener Art, etwa Vergewaltigung oder Hunger) der Willkür anderer überlassen…

    • Das ist doch Schwarzweißmalerei ohne jede Differenzierung. Zumnidest zwischen klassischem Liberalismus (den Sie womöglich aber gar nicht vertreten) und Libertarismus sind die Grenzen hingegen ziemlich fließend. Die Welt besteht eben nicht nur ais Schwarz und Weiß. Es gibt auch Grautöne und Farben.

  6. Früher sprach man vom „vorpolitischen Raum“, also der nicht direkt politischen gesellschaftlichen Prägung, die dann aber auch die politische Wahl prägt. Im calvinistischen (das wird Sel 300 interessieren) Zentrum der Niederlande erlitten bei den Provinzwahlen vor 2 Tagen die Schwesterparteien der deutschen SPD, Grünen, Linken einen Rückschlag: Ihr Wähleranteil sank um ein Viertel von 0,8 % auf 0,6 % (für alle 3 Parteien zusammen…)

    • Ein unmittelbarer Zusammenhang zum Calvinismus erschließt sich mir da nicht. Wie würden Sie diesen denn begründen?

      Ich denke vielmehr, dass es sich für eine ehemalige Kolonialmacht, Seefahrer- und heute noch Handelsnation wie die Niederlande ganz von selbst versteht, dem Sozialismus nicht zu viel Einfluss einzuräumen. Mit religiöser Weltanschauung hat das aber nichts zu tun. Diese wurde allenfalls für politische Bündnisse instrumentalisiert, wie man auch an anderen (auch nicht calvinistischen, wie z.B. Genua, Venedig, Portugal oder den Reyes Catolicos de España) Seemächten und Kolonialmächten unschwer studieren kann.

  7. SEL 300: Der Zusammenhang zwischen bibelkonservativem (eigentlichem) Calvinismus und Ablehnung von Linksparteien ist weltweit bestens belegt, etwa auch für die USA. Selbstverantwortung und Einsatz für konservative Werte sind eben calvinistisch-freikirchliche
    Werte. Manche „Seefahrernationen“, auch die Niederlande, hatten oder haben starke sozialistische Parteien. Libertäre nenne ich Anarcho-Kapitalisten, die den Staat abschaffen wollen, oder zumindest die staatliche Pflicht ablehnen, Armen ein Recht auf staatliche Hilfe zu organisieren. Manche lehnen anders als ich auch staatliche Monopolkontrollen und Kartellverbote ab oder die Demokratie oder auch mäßige Suchtkontrollen- alles das sichert Freiheit wie auch Schulpflicht und Sorgerechtsentzug. Umfangreiche Übereinstimmungen mit solchen ändern rein gar nichts daran, daß ich die Unterschiede als entscheidenden Grund ansehe, mit solchen nicht in einer Partei sein zu wollen. Klassischer Liberaler nenne ich mich nicht. Insofern ist es mir egal, ob ich nicht so eingestuft werde. Ich nenne mich regelmäßig klassischen Linksliberalen, definiert durch weitestgehende Privatisierung (in den oben genannten Grenzen), Förderalisierung, und Demokratisierung, was aber in der Tat in Deutschland immer nur eingeschränkt vorkam.

    • @Ulrich Motte
      „Selbstverantwortung und Einsatz für konservative Werte sind eben calvinistisch-freikirchliche Werte.“

      Das liest sich, als ob Sie meinen, Calvinisten könnten die Ablehnung des Sozialismus und den Einsatz für Selbstverantwortung und konservative Werte exklusiv für sich beanspruchen. Weit gefehlt!

      Dass Calvinisten den Sozialismus nicht wirklich verehren, davon gehe auch ich aus. Allerdings sind sie damit keineswegs allein.

      Was Ihre Pauschalisierung „libertär = anarchokapitalistisch“ angeht, kann ich allerdings nur sehr verwundert den Kopf schütteln. Offenbar ist Ihnen nicht bekannt, dass es verschiedene libertäre Strömungen gibt, nämlich auch Linkslibertarismus und Rechtslibertarismus. Im Übrigen werden auch Klassische Liberale (zu denen Sie ganz offensichtlich nicht gehören) sich immer für so wenig Staat wie möglich aussprechen, wobei auch hier die Anforderungen an den Staat sehr unterschiedlich sein können. Herr Dilger zum Beispiel versteht unter einem schlanken Staat sicher etwas anderes als ich, aber selbst ich würde nicht so weit gehen wollen, den Staat ganz abzuschaffen.

      • Es ist ein häufiger Fehlschluss, dass aus „Wenn A, dann B“ (Calvinismus -> Liberalismus gemäß Herrn Motte) die Umkehrung „Wenn B, dann A“ (Liberalismus -> Calvinismus nach Ihrem Vorwurf) folgen würde (statt richtigerweise „Wenn Nicht-B, dann Nicht-A“).

      • Stimmt. Aber lesen Sie noch einmal genau, was Herr Motte eingangs geschrieben hat und überlegen Sie, wie Sie das interpretieren würden. Herr Motte rudert eben gerne zurück.

  8. sel300: Wo bitte habe ich auch nur im Geringsten angedeutet, daß ich Selbstverantwortung und konservative Werte exclusiv auf (bibelkonservative) Calvinisten beziehe? Ich sprach aber über die Niederlande, wo das für größere Konfessionen weitestgehend nur für solche calvinistischen Konfessionen gilt…Ich habe im übrigen – anders als Sie sagen- unter Libertären keinesfalls pauschal Anarcho-Kapitalisten verstanden, sondern- anders als Sie sagen- ja gerade verschiedene Tendenzen dieser Art aufgezählt.. Wie Sie oder Herr Prof. Dilger sich politisch definieren oder von mir distanzieren, ist nicht meine Sache. Den Begriff „Klassischer Liberaler“ definiere ich anders als Sie- aber ich benutze ihn ja für mich sowieso nicht.

    • Selbstverantwortung und Selbstsbestimmung passen doch überhaupt nicht zum Calvinismus, der sich selbstredend durch Calvins Prinzip der doppelten Prädestination / bedingungslosen Erwählung, strenge Zucht und andere Unterwürfigkeiten als genau das Gegenteil von liberal auszeichnet. Calvinismus und Liberalismus stehen sich diametral entgegen, sie schließen einander aus. Daher sind auch janusköpfige Parteienbezeichnungen wie „Liberal-konservative REFORMER“ bestenfalls ein Treppenwitz. Die selbst ernannten Weltverbesserer der „reformierten“ Freikirchen erkennen den Widerspruch ihres vermeintlichen Anspruchs zu ihrer gelebten Realität nur selbst nicht. Da sind selbst die konservativsten Katholiken weit liberaler.

      • Religionen folgen nicht immer der normalen Logik. Als Liberaler freue ich mich über jeden anderen Liberalen, was auch immer diesen motivieren mag.

      • Ein „Reformer“ der seinen Luther und seinen Calvin ernst nimmt, kann überhaupt nicht liberal sein. Das wäre ein Widerspruch in sich.

      • Dann wäre er eine gespaltene Persönlichkeit. Da ich Herrn Motte leider nicht persönlich kenne, möchte ich ihm das aber nicht unterstellen.

      • Ich kenne Herrn Motte persönlich. Er ist sehr liberal und zugleich gläubig. Das sind doch überhaupt keine Gegensätze. Sie sollten anderen nicht vorschreiben, was sie zu glauben haben.

      • Ich schreibe weder Herrn Motte noch Herrn Lucke oder sonst wem vor, was er zu glauben hat oder nicht. Aber wenn sich religiöse Eiferer und Fanatiker als liberal bezeichnen, dann ist das in meinen Augen in etwa so glaubwürdig, wie wenn Frau Merkel sich als Verfechterin der Basisdemokratie und Retterin des Planeten feiern ließe oder über ihre Erfahrungen als Mutter spräche.

      • Nicht jeder Gläubige ist ein Fanatiker, weder im Islam noch Christentum. Umgekehrt ist es nicht liberal, alle Gläubigen (sei es einer oder aller Religionen) pauschal zu verteufeln.

      • Wo habe ich behauptet, dass JEDER Gläubige ein Fanatiker sei?
        Bitte bleiben Sie bei der Wahrheit, die Sie doch sonst auch so gerne für sich in Anspruch nehmen.

      • Genau das habe ich nicht getan. Ihre Deutung ist eine Unterstellung, wie so Vieles, was Sie anderen einfach mal eben so zuordnen.

      • Genau das haben Sie getan, aber merken wohl selbst nicht mehr, was Sie ständig für dummes Zeug schreiben. Man kann Sie einfach nicht ernst nehmen.

      • Jetzt fangen Sie schon wieder damit an, statt sich zu schämen. Sie haben sich auch noch nicht entschuldigt, was ich mit einer einwöchigen Kommentarsperre beantworte. Die wird leider auch nicht viel nützen, führt aber zu etwas Ruhe.

      • 300 sel: Erstens habe ich nicht behauptet, daß in Urk liberal gewählt wurde, sondern behauptet, daß dort fast nicht links gewählt wurde. Zweitens habe ich auch sonst nicht Calvinismus mit Liberalismus gleich gesetzt. Dritten verwechseln Sie doppelte Prädestination mit Ablehnung von Selbstverantwortung. Sowenig Ihre Vorherbestimmung in einer Frage, nämlich Ihrer Geburt, sonstige Selbstverantwortung ausschließt, schließt Fremdverantwortung für Ihre Wiedergeburt (biblische Bezeichnung für Christwerdung) , und nur darum geht es bei der Prädestination, sonstige Selbstverantwortung aus. Viertens verwechseln Sie – ganz antiliberal- Staat und Kirche: Strenge Zucht und Unterwürfigkeit innerhalb einer Kirche sind nämlich solange mit Liberalismus vereinbar, wie das niemandem mit Gewalt (Privater oder staatlicher) aufgezwungen wird. Fünftens ist es Ihnen offenkundig unbekannt, daß man nicht von Calvins Thesen auf die des Calvinismus schließen kann. Haben Sie das nicht bei Troeltsch, dem wohl größten Autor zum Thema Soziallehren christlicher Konfessionen, gelernbet? Der spätere Calvinismus ist in vielem das Gegenteil von Calvin, insbesondere oft im Staatsverständnis. Sechstens ziehen Sie einen Zusammenhang zwischen Prof. Lucke und reformierten Freikirchen. Erstens gehört Prof. Lucke einer solchen ja gerade nicht an, allenfalls einer etwas anderen Art von Landeskirche. Und offenkundig kennen Sie Hern Prof. Lucke sowenig, daß Sie noch nicht einmal wissen, daß dieser ja liberale Kritiker der Sozialisierungsmaßnahmen im Gesundheitswesen der USA wortwörtlich als „verrückte FREIKIRCHLER “ bezeichnete. Siebtens wissen Sie wohl nicht, daß ich weder den calvinistischen politischen Parteien nahestehe, die im Zentrum des niederländischen Calvinismus die Linken so klein hielten, sogar eher wenig, noch besonders Herrn Prof. Lucke, den ich allenfalls für eine Notlösung halte. Im Gegensatz zu mir bezeichnet sich Lucke ja selbst auch als eigentlich nicht liberal. Achtens ist es Kennzeichnen mangelnden Wissens auf Zugehörigkeit zum Calvinismus auf ähnliche Politik zu schließen, die Katholiken Nahles und Lafontaine und Kretschmann unterscheiden sich ja auch von den Katholiken Merz und Meuthen und (Kardinal) Meisner… Ich sehe aber gern Ihren Darlegungen zum konservativen niederländischen Calvinismus, die Sie sich ja erkennbar zutrauen, zu den Unterschieden zwischen ARP, SRG und CHU zu. Fangen Sie am besten an mit der Aussage von Troeltsch über Liberalismus bei Kuyper (Sie kennen sich ja aus bei Calvinismus und Liberalismus). Ihr Expertenwissen und Ihre so genaue Argumentation sind dringend erwünscht!

      • Da können sich Protestanten und „Reformierte“ aller Art noch so sehr herauszureden versuchen. Ihre „reine Lehre“ steht für abgrundtiefe Intoleranz und ist somit illiberal bis ins Mark. Da hilft auch das nachträgliche Leugnen der von Luther und Calvin so exzessiv wie von sonst niemandem betriebenen Hexenverfolgungen nichts.

      • Calvinisten trinken keinen Alkohol, obwohl die Bibel den maßvollen Genuss ausdrücklich befürwortet. Beim letzten Abendmahl von Jesus mit seinen Jüngern hat er nicht nur Wasser getrunken…!

  9. Ganz theoretisch müssten alle Kleinparteien zusammen Werbung machen mit dem Tenor: Letztmals keine Sperrklausel, ab 0,5% sind sie im Parlament vertreten, …, am besten unterstützt von Demokratiebewegungen, wenn es denn so etwas in Deutschland geben sollte. Wäre doch mal interessant, alle Kleinparteien zusammen nicht bei 6-9%, sondern bei 15 oder 20%. Aber wenn man sich die über 30 Miniparteien anschaut, sind doch kaum Perlen dabei; im Gegenteil, die allermeisten sind geradezu abwegig.

  10. Sel300: Wer leugnet Hexenverfolgungen, die in allen 3 großen kontinentaleuropäischen Konfessionen (katholisch. lutherisch, calvinistisch) vorkamen? Belegen Sie bitte Ihre Aussage, auch in Bezug auf persönliche Beteiligung Luthers und Calvins daran. Ich traue denen manches (Schlimme) zu, weiß davon (dazu) aber nichts. Meine Konfession (Reformatorische Baptisten) ließ sie nicht durchführen und setzte sich seit Anfang der Konfession für das Menschenrecht auf Religionsfreiheit ein. Luther und Calvin ernst zu nehmen (ein sehr ungenauer Begriff- ich nehme Marx ernst, muß das leider) heißt, deren Wunsch zu folgen, sie gerade nicht für verbindliche Lehrer der Kirche zu halten. Und in der Tat ist es so in lutherischen wie calvinistischen Kirchenordnungen: „Nur“ die Bibel und deren Auslegungen in den Bekenntnisschriften (dort was zu Hexenverfolgungen?) sind verbindlich, nicht Worte von Reformatoren. In den lutherischen Bekenntnisschriften (zusammengefasst im Konkordienbuch) gibt es meines Wissens eine Stelle, die in die Religionsfreiheit eingreifen könnte, die Lutheraner aber anders auslegen. Schon im 19. Jahrhundert (also lange vor den Großkirchen) forderte aber der sogenannte „Zweite Luther“ C.F.W. Walther Religionsfreiheit. Die wichtigste strikt lutherisch-konservative Kirche (WELS) lehnt wegen des liberalen Grundsatzes der Trennung von Kirche und Staat – anders als fast alle anderen Kirchen in den USA- die staatliche Anstellung und Bezahlung ihrer Militärgeistlichen ab. Ihre deutsche Schwesterkirche forderte vom Staat 1933 aus demselben Grund das Gegenteil dessen, was die Großkirchen vehement forderten, nämlich den Verzicht auf staatliche Bekenntnisschulen. Im Gegensatz zu den Lutheranern gibt es im Calvinismus Dutzende von sehr unterschiedlichen, teils widersprüchlichen Bekenntnisschriften, die zudem zum Teil mehrfach geändert wurden. Es gibt heute kein Problem, Calvinismus und Liberalismus zu vereinbaren. Das zeigt ja schon meine Konfession seit 1611/12, ihrer Gründung. (1638 gründete der calvinistische Baptist Roger Williams den ersten modernen Staat mit bleibender Religionsfreiheit für alle: Rhode Island. Er war verfolgt worden wegen des Einsatzes für andre, nichtbaptistische Verfolgte sowie Indianer). Liberalismus zeigt auch Gresham Machen, der Calvins Theologie näher steht, und der wichtigste calvinistisch-konservative Theologe und Kirchengründer des 20. Jahrhunderts sein könnte. Ich zitiere aus der deutschen Wikipedia über ihn, Abschnitt „Religion und Politik“. [Langes Zitat mit Kommentaren und ein weiterer Absatz gelöscht, AD.]
    Unzählige Hinweise unter „Christian Libertarians“, „Libertarian Christians“ Reformed Libertarian“ (Reformed = Calvinist) ergänzen noch die Belege, daß Ihr pauschaler Vorwurf des Zwiespalts bei calvinistischen Liberalen eben reiner Unsinn ist. Ganz nebenbei: Daß das bei katholischen Liberalen [Nebenbemerkung gelöscht, um insgesamt von 939 auf 500 Wörter zu kommen, AD] anders ist, lege ich in einem geplanten Buch dar.
    Ohne mich zu kennen (wie Sie zugeben), nennen Sie mich „Eiferer“ und „Fanatiker“. Was immer das (für mich Unzutreffende) sein soll: Wäre Sie Liberaler, würden Sie das gelten lassen, solange ich nicht in die Freiheit anderer eingreife, was ich ja ausdrücklich ablehne. Wie unsinnig Sie argumentieren zeigt auch Ihre Gleichsetzung mit Angela Merkel: Ich fordere ja ausdrücklich mehr liberale und demokratische Rechte für andere, die Merkel aber verhindert! Auch dadurch habe ich bewiesen, daß es Ihnen nicht nur an Bildung bei Themen mangelt, zu denen Sie sich aber zu äußern wagen, sondern auch an präziser Logik. Ich werde aus Zeitmangel auf Ihren Unsinn allenfalls selten eingehen und bitte Sie „nur“ dringend um Überprüfung ihrer Diskusmoral (und sonstiger, ehrlich und mit Verlaub gesagt).

    • Lieber Herr Motte,

      genau hinzusehen scheint leider nicht Ihre große Stärke zu sein. An welcher Stelle habe ich Sie (persönlich) denn als Eiferer und Fanatiker bezeichnet? Wenn Sie sich davon persönlich angesprochen fühlen, ist das vielleicht ein Hinweis darauf, dass Sie die Dinge zu schnell persönlich nehmen und auf sich beziehen, aber nicht, dass es tatsächlich auf Sie bezogen ist. So eine ähnliche Situation hatten wir ja vor einiger Zeit schon einmal.

      Als Liberaler (der ich zweifellos bin) lasse ich Ihnen selbstverständlich gerne jede Freiheit, so lange sie nicht in die Freiheit anderer eingreift. Sie sollten aber auch mir die Freiheit zugestehen, über Kirchen und Sekten anders zu denken als Sie. Ihre wiederholten Versuche, mich vom Gegenteil zu überzeugen und mit abenteuerlichsten Konstrukten zu beweisen zu versuchen, dass die heutigen Anhänger Luther und Calvins nichts mehr mit deren Gedankengut gemein hätten, sind Zeitverschwendung. Wenn eine weltanschauliche Gruppierung (egal ob sie sich als „Kirche“, „Freikirche“, „Freie Gemeinde“ oder als was auch immer bezeichnet) solch finstere Vordenker schon im Namen mit sich führt, kann es mit der geistigen Distanz ja nicht wirklich weit her sein.

      Martin Luther hat unter anderem im Jahr 1526 unter Berufung auf das Bibelzitat „Zauberinnen sollst du nicht am Leben lassen“ in einer Predigt seine Einstellung zu angeblichen Hexen zum Ausdruck gebracht und es gibt unzählige Nachweise dafür, dass er und Calvin die eifrigsten Hexenverfolger der Geschichte des Christentums waren. Im Vergleich dazu war die Spanische Inquisition ein Kinderfasching:

      Rechnet man die Opfer im Verhältnis zur Bevölkerung, dann fanden die meisten Hinrichtungen in der Schweiz statt (4.000 Verbrennungen bei einer Million Menschen); in Polen-Litauen (an die 10.000 bei 4,4 Millionen Einwohnern), in Deutschland (25.000 bei 16 Millionen Einwohnern), und in Dänemark-Norwegen (1.350 bei 970.000 Menschen).

      Zahlreiche Hinrichtungen gab es also vor allem in Ländern, die sich im Zuge der Reformation von der katholischen Kirche entfremdet hatten.

      In rein katholischen Ländern dagegen (d.h. Regionen, die nicht von der Reformation betroffen waren) liegen im Vergleich sehr niedrige Zahlen vor: Von den 125.000 Hexenprozessen der Spanischen Inquisition gab es nur 58 Todesurteile. In Italien waren es 36 und in Portugal 4. Zählt man in diesen Ländern alles zusammen, kommt man auf weniger als 100 Hinrichtungen.

      Die Hexenverfolgung am Beginn der Neuzeit war ein finsteres Kapitel in der Geschichte Europas. Vielleicht haben das geistige Klima dieser Zeit und auch das Klima selbst (Hungersnöte durch Misserneten) oder auch Pestepedemien usw. dazu beigetragen, dass die Menschen zu dieser Zeit nach Schuldigen für Ihr Leid suchten und die Vertreter der Kirchen natürlich nicht ihren Hergott als Buhmann dastehen lassen wollten, aber all das exkulpiert weder Martin Luther noch Johannes Calvin.

      Quellen:

      Klicke, um auf hexenverfolgung.pdf zuzugreifen


      Klicke, um auf Luthers%20Hexenreden.pdf zuzugreifen


      https://www.welt.de/kultur/article126395361/Neuneinhalb-Thesen-gegen-Martin-Luther.html
      https://de.wikipedia.org/wiki/Hexenverfolgung#Luthers_Haltung_zur_Hexenverfolgung
      https://de.wikipedia.org/wiki/Hexenverfolgung#Calvin_und_die_Hexenprozesse
      http://www.k-l-j.de/hexenverfolgung_irrtuemer.htm
      https://www.historicum.net/themen/hexenforschung/lexikon/personen/artikel/Martin_Luther/
      http://www.tourismus.rothenburg.de/blog/?p=2014

      • Hier haben Sie Herrn Motte als „religiöse[n] Eiferer und Fanatiker“ hingestellt, aber vielleicht merken Sie es selbst nicht mehr, dass Sie dauernd andere beleidigen und diffamieren.

      • Wo bitteschön steht im zweiten Satz dieses Beitrags, dass damit Herr Motte gemeint ist? Der Satz ist eine allgemeine Aussage über religiöse Eiferer und Fanatiker, die sich als liberal bezeichnen. Nicht mehr und nicht weniger. Nichts daran ist ad personam. Wenn sich Herr Motte dadurch angesprochen fühlt, wird er seine Gründe dafür haben. Meine Formulierung ist jedenfalls nicht geeignet, derartige Rückschlüsse zu ziehen.

      • Der zweite Satz steht direkt hinter dem ersten, in dem Herr Lucke, der sich explizit als nicht liberal bezeichnete, und Herr Motte genannt werden. Wen wollen Sie also gemeint haben, wenn nicht Herrn Motte?

      • Das ist dieselbe triviale Schwarzweiss-Logik, die Sie auch an anderer Stelle an den Tag legen. Eine Logik, die auch George W. Bush gerne anwandte, um seine Verbündeten in den Krieg zu zwingen („wer nicht für uns ist, ist gegen uns“).

        Sprache ist offenbar nicht Ihre Stärke.

  11. Francomorisano: Keinesfalls gibt es ein generelles Alkoholverbot bei Calvinisten. Das gilt nur für eine ganz minimale Minderheit.
    Sel300: Daß es bei einigen Calvinisten und Lutheranern Hexenverfolgungen gab, sagte auch ich. Für persönliche Beteiligungen Calvins legen Sie keine Beweise vor, für Luther nur bedingt. Ich sagte, daß ich Luther und Calvin viel Schlimmes zutraue. Alle großen Kirchen beteiligten sich daran: Die katholische nennt sich heute trotzdem noch katholische, verehrt trotz des Schandtaten des Amtes das Papsttum, Lutheraner nennen sich Lutheraner, obwohl Luther das vehement ablehnte: Nach mir altem Mehlsack eine Kirche nennen? So sagte er wohl. Aber welche Kirche nennt sich calvinistisch statt reformiert? Im übrigen gibt es unzählige Institutionen, die sich nach jemanden nennen, der Schandtaten beging- die Stiftung der AfD nach einem wilden Antisemiten zur Zeit Luthers und Calvins. Der Heilige der katholischen Kirche für Juristen Thomas More ließ Andersdenkende ermorden, etwa Evangelische. Unzählige Päpste, nach denen viel benannt ist, und Heilige organisierten Verbrechen. Goethe war Gegner der Demokratie. Marx und Hegel machte antisemitische Äußerungen. Und was ist nicht alles im Namen des Atheismus geschehen? Nichts sagte ich gegen Ihre Weltanschauung, verteidigte nur Konfessionen gegen Ihre pauschalem Verleumdungen. Gegen diese Widerlegungen fällt Ihnen praktisch nichts ein. Sie schrieben nach einem Satz über Prof. Lucke und mich, daß Sie sich aber gegen Eiferer und Fanatiker wehren müßten. Wer könnte denn sonst gemeint sein außer Lucke und mir bzw. unsere Konfessionen? Zudem unterstellen Sie uns oder eben den Konfessionen pauschal Intoleranz, die- wie ich nachwies- eben nicht vorliegt.

  12. Ps. Als vor Jahren im Us-Bundesstaat Arkansas ein überkonfessionelles Gebet für Staatsschulen eingeführt wurde, klagte dagegen ein Mitglied der größten, strikt -lutherisch konservativen Kirche wegen des Grundsatzes der Trennung von Kirche und Staat. Auch das zeigt, wie abwegig pauschale Vorwürfe gegen die heutige große Mehrheit konservativer lutherischer Kirchen ist wegen der Verbindung zu Luther, dessen politische „Schlimmheiten“ niemand leugnet.

  13. Die deutsche Schwesterkirche der oben genannten amerikanischen lutherisch-konservativen Kirche ist die Evangelisch-Lutherische Freikirche (ELFK): Sie lehrt:
    Die Religionsfreiheit für alle
    Die Trennung von Kirche und Staat
    Die rechtliche Unabhängigkeit der örtlichen Gemeinde
    Die letztliche Oberhoheit der stimmberechtigten Gemeindemitglieder über die Pastoren.
    (1523 forderte das übrigens schon Martin Luther in seinem Wort zur freien Pfarrerwahl)
    Die ELFK lehnt auch die Kirchensteuer ab

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