Ökonomenpanel zum Kohleausstieg

Die „Ergebnisse Ökonomenpanel Februar 2019: Der Kohleausstieg bis 2038 – Wie bewerten Ökonomen die Empfehlungen der Kohlekommission?“ sind wieder einmal recht uneinheitlich, wobei ich meist mit der relativen Mehrheit übereinstimme. Dies sind die Fragen und meine Antworten (siehe auch ‚Kohleausstieg verursacht Kosten ohne Nutzen‘):

Im Rahmen des Pariser Klimaabkommens von 2015 hat sich die EU verpflichtet, ihre Treibhausgasemission bis 2030 um 40% gegenüber 1990 zu reduzieren. Die deutschen Klimaschutzziele sind sogar noch ambitionierter und sehen eine Reduktion um 40% bereits bis 2020 sowie eine Reduktion um 55% bis 2030 vor.

Der Bericht der Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ – besser bekannt als „Kohlekommission“ – zeigt einen Weg auf, mit welchem Deutschland seine Klimaziele erreichen kann: Nach Vorschlägen der Kohlekommission soll Deutschland bis 2038 aus der Stromerzeugung mit Kohle ausgestiegen sein.

In den kommenden 20 Jahren soll Deutschland somit alle Kohlekraftwerke zur Stromerzeugung abschalten. Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte jüngst, diesem Vorschlag der Kohlekommission folgen zu wollen. Deutschland wäre damit das erste große Industrieland, welches für den Kohleausstieg ein konkretes Datum avisiert.

Sind Sie der Meinung, dass durch den nationalen Kohleausstieg Deutschlands die Emission von Kohlendioxid (CO2) in der EU reduziert wird?

Nein, weil die Menge durch den EU-Emissionshandel bestimmt wird.

Sind Sie der Meinung, dass Deutschland mit einem festen Datum zum Kohleausstieg eine Vorreiterrolle in der globalen Klimaschutzpolitik einnehmen könnte, welcher andere Industrienationen folgen?

Nein.

Wie schätzen Sie die wirtschaftlichen Auswirkungen eines Kohleaussteigs bis 2038 für die Energieerzeuger – allen voran die großen Energiekonzerne E.ON, RWE und EnBW – sowie für die vorgelagerte Industrie ein?

Negativ. Deutschland wird Atom- und Kohlestrom aus den Nachbarländern importieren.

Befürworten Sie, dass Energieerzeuger und weitere mit der Braun- und Steinkohle verbundene Industrien für finanzielle Nachteile, die durch den Kohleausstieg bis 2038 entstehen, entschädigt werden?

Teils-teils.

Sind Sie der Meinung, dass die Strompreise durch den Kohleausstieg langfristig steigen werden und – wenn ja – wie hoch schätzen Sie den etwaigen Anstieg des Strompreises durch den Kohleausstieg? 

Ja, um bis zu 50%.

Sind Sie der Meinung, dass durch den Kohleaussteig der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung signifikant ansteigen wird oder werden etwaige Versorgungslücken hauptsächlich durch Gaskraftwerke im Inland und Stromimporte aus dem europäischen Ausland kompensiert?

Teils-teils.

Was halten Sie von der Höhe der vorgesehenen Mittel von über 40 Mrd. Euro zur Sicherung der wirtschaftlichen Zukunft der Braunkohlereviere?

Die vorgesehenen Mittel sind zu hoch.

Sind Sie der Meinung, dass die Empfehlungen der Kohlekommission tatsächlich durch den Gesetzgeber umgesetzt werden?

Ja, teilweise.

Ihr öffentlicher Kommentar zum Kohleausstieg (optional):

Beim Strom kommt es weniger auf die reine Menge an, die im Extremfall zu negativen Preisen führen kann, sondern vor allem auf die Versorgungssicherheit, die zu hohen Kosten reduziert statt gesteigert wird.

8 Gedanken zu „Ökonomenpanel zum Kohleausstieg

  1. Seit es Menschen auf der Erde gibt, heizen und kochen die mit fossilen Brennstoffen. Nur weil Linksgrüne jetzt ein Klimamärchen erfinden, sollen wir auf unsere reichlich vorhandene Braunkohle verzichten? Und Atom-Strom ist genau so schlimm wie Hitler, es sei denn, er kommt aus Frankreich oder Tschechien!?!

    Den Energiebedarf einer großen Industrie- und Exportnation kann man nicht alleine mit Windkraft (die nur an der Küste permanent vorhanden ist!), Solarenergie (leider scheint bei uns die Sonne trotz angeblicher „Klimaerwärmung“ wenig!) decken. Und die Abhängigkeit von arabischem Öl und russischem Gas ist auch riskant.

    • Durch den Treibhauseffekt verändert sich nicht die Sonneneinstrahlung, sondern die Rückstrahlung. Ansonsten ist die Energiepolitik unter Frau Merkel wirklich absurd und für ein Industrieland völlig verfehlt.

  2. Die tieferliegende Frage ist für mich, ob eine Bundesregierung machen sollte, was die (unwissende) Bevölkerungsmehrheit aktuell will oder was sinnvoll ist. Frau Merkel entscheidet sich konsequenz für die Bevölkerungsmehrheit, was zu so verhängnisvollen Entscheidungen wie der Energiewende, Flüchtlingspolitik, diversen sozialpolitischen Wenden, Homoehe oder jetzt dem Kohleausstieg beiträgt. Mit der Zeit fallen ihr diese zT kurzfristig opportunistischen Entscheidungen vor die Füße (Atomausstieg, Flüchtlingspolitik) und werden im Nachhinein verklärt. Sie ist halt eher ein kurzfristig orientierter Politikmanager als ein langfristig orientierter Stratege. Bei der langen Amtszeit kommt der Bumerang nun zurück. Aber kann man ihr für die unmittelbare Auslegung ihres Mandats einen Vorwurf machen oder muss man nicht eher die Dummheit der Bevölkerung bemängeln?

    • Echte Staatsmänner und -frauen sind eben keine reinen Parteitaktiker wie Frau Merkel, sondern wollen gewählt werden für inhaltliche Ziele, statt umgekehrt alle Inhalte dem kurzfristigen Machterhalt unterzuordnen. Weniger naive Wähler würden helfen, aber auch klügere Oppositionspolitiker und mutigere Politiker in den Regierungsparteien, die nicht jeden Mist mitmachen und auch noch bejubeln.

      • Für mich ist es schon ein Unding, dass ein Regierungschef zugleich Parteivorsitzender ist. Niemand ist so ein Supertyp, dass er zwei so zeitraubende Ämter gleichzeitig bedienen kann. In den USA hat es noch nie einen Präsidenten gegeben, der Vorsitzender seiner Partei war.

      • Das US-amerikanische System ist anders. Der Präsident wird dort direkt gewählt und hat eigenständige Macht. Hierzulande muss der Kanzler seine Macht vielfältig absichern, wozu der gleichzeitige Parteivorsitz hilfreich ist. Frau Merkel hat ihn rein taktisch abgegeben, könnte jedoch genau daran noch scheitern. Aber dass sie spätestens 2021 als Kanzlerin aufhört, sehe ich noch nicht. Es ist ebenso möglich, dass sie den CDU-Vorsitz zurückerobert.

  3. Pingback: Kohleausstieg ist teuer und nutzlos | Alexander Dilger

  4. Pingback: Kohleausstieg ist teuer und nutzlos - Leserbriefe

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