Draghi erhöht nie die Zinsen

Die „EZB verschiebt Zinserhöhung und hilft Banken mit neuen Krediten“. Eigentlich sollten die Nullzinsen (und Negativzinsen von 0,4 Prozent bei Einladen) im Sommer angehoben oder zumindest überprüft werden. Heute beschloss der EZB-Rat, damit frühestens 2020 anzufangen. Damit ist Mario Draghi „Der Nullzins-Meister“, der in seiner achtjährigen Amtszeit als EZB-Präsident die Zinsen nur gesenkt und nie erhöht haben wird. Dabei wurde der beste Zeitpunkt für eine Zinswende wohl bereits verpasst. Die Inflation soll dieses Jahr in der Eurozone auf 1,2 Prozent sinken (aktuell 1,5 Prozent bei einer Zielmarke von knapp 2,0 Prozent) und das (reale) Wirtschaftswachstum auf 1,1 Prozent. Zahlreiche Risiken könnten sogar zu einer Rezession führen, zumindest in einzelnen Ländern wie Deutschland. Dann wären eigentlich Zinssenkungen angebracht, für die jedoch (fast) kein Spielraum mehr besteht. So greift die EZB zu immer drastischeren Maßnahmen, weil Herr Draghi versprochen hat, alles zu tun, um lieber den Euro statt den Wohlstand zu retten. So wurde heute auch ein neues umfangreiches Programm von Billigkrediten für Banken beschlossen, von dem insbesondere marode italienische Geldhäuser profitieren werden.

12 Gedanken zu „Draghi erhöht nie die Zinsen

  1. Wo ist, bleibt, wer ist Bundesbank – Präsident Weidmann ?

    Deutschlands – Bürger/innen mit Anteil von ca. 30 % an EZB und gleichwohl mit Stimmrecht wie Zwergstaaten.

    Deutschland haftet als Gläubiger mit 100 % für die 2,2 Billionen € wertlosen Anleihe – Papiere – manche nennen diese Papiere fürs Klo – von Insolvenz bedrohter , überschuldeter europ. Nationen, denn wenn z.B. Italien, Frankreich nicht mehr zahlen kann und will, wer soll Rettung richten , wer Griechenland – Kredite mit ca. 320 Milliarden € abstottern wenn nicht Deutschlands Bürger/innen ?

    Jens Weidmann ohne Einfluss vs. Mario Draghi, ein bequemer Mahner. Passt zum Team Merkel, Claude Juncker.

    Konzept Null oder Negativ – Zinsen ist für die Tonne, widersinnig und kontraproduktiv für auf Leistung basierende Volkswirtschaften / Nationen.

    Wir im Unternehmen – Produktion – jedenfalls kaufen keine neue Maschinenstraße, Bohrautomaten etc. wenn wir daraus resultierenden Mehrabsatz / Umsatz nicht mit Erfolg / Gewinn umsetzen können. Da kann Kredit der Bank / Sparkasse noch so günstig sein.

    • Wenn man einen ex-Manager der Verbrecher-Bank Goldman Sachs (Goldman SUCKS!) zum EZB-Präsidenten macht, darf man sich nicht wundern…! 😦

  2. Hunderte Milliarden werden nun über die Banken zu Null % an notleidende Unternehmen – vor Allem in Südeuropa – verschenkt. Solange es den Euro, zumindest ohne Parallelwährungen, gibt, werden wir keine normalen Zinsen mehr erleben.
    Das Szenario wird von einer keinesfalls überraschenden Übereinstimmung zwischen den EU-Großbürokraten Altmaier und Sahra Wagenknecht begleitet, die sich in Phantasien von staatsdirigierten Großkonzernen ergehen.
    Zu den bisherigen Problemfällen Deutsche Bank et al. gesellt sich nun der französisch-deutsche Bürokratiemoloch Airbus, dem nach der A380-Katastrophe das A400-Militärtransporter-Desaster droht. Das Problem Turboprop-Triebwerk ist eigentlich seit 1952 (Kuznetzov) gelöst. Die Airbus- und die EU-Bürokratie versagt 70 Jahre später vollkommen.

    • Staatsversagen und Bürokratenversagen auf der ganzen Linie eben.

      Kranken Großkonzernen und Banken vom Steuerzahler verbürgte Billigkredite hinterherzuwerfen löst die Probleme nicht. Nur eine mittelstandsfreundliche Politik (Entbürokratisierung!) und das Ende jeglicher Subventionen können die taumelnden europäischen Wirtschaftsnationen wieder in gesunde Fahrwasser zurückbringen. Leider verstehen unsere Politiker davon aber absolut nichts.

  3. Ich sehe in der Niedrigzinspolitik unterm Strich mehr Vorteile als Nachteile. Über so viel Bares verfügen die meisten Mitbürger nämlich überhaupt nicht, dass sie von höheren Zinsen nennenswert profitieren könnten. Viele Häuslebauer und Existenzgründer hingegen würden durch höhere Zinsen in den Ruin getrieben. Auch das vernichtet Arbeitsplätze und führt somit zu noch höheren Sozialausgaben als wir sie ohnehin schon haben.

    Viel problematischer als die niedrigen Zinsen ist m.E. die Tatsache, dass die Vergabekriterien für Kredite für kleine und mittelständische Unternehmen, aber auch für private Immobilienkäufer und Häuslebauer inzwischen so streng sind, dass trotz der niedrigen Zinsen weder die Konjunktur anspringt, noch die Wohneigentumsquote steigt. Wobei natürlich bei beidem auch weitere Faktoren hineinspielen, wie die – dank Umverteilungsmonster „Sozialstaat“ – immer teurer werdenden Lohn- und mithin Baukosten und der für kleinere Unternehmen kaum noch handelbare und völlig kontraproduktive „Schutz“ der Arbeitnehmer, die man einmal eingestellt, schwer oder nur für teures Geld wieder losbringt, auch wenn man sie nicht mehr weiterbeschäftigen kann.

    Die nur vermeintlich „arbeitnehmerfreundliche“ Politik ist es, die dazu führt, dass in den nächsten Jahren sehr viele inhabergeführte Unternehmen geschlossen werden müssen, weil sich kein Masochist mehr findet, der bereit ist, den Wahnsinn der Selbständigkeit einzugehen und Nachfolger des Unternehmers zu werden. Dass durch diese Entwicklung sehr viele Arbeitsplätze vernichtet werden und die vermeintliche „Sozialpolitik“ auch den Arbeitnehmern einen Bärendienst erweist, sehen die Sozialstaatsfanatiker natürlich nicht. Dagegen hilft aber keine Hochzinspolitik. Ganz im Gegenteil.

    • 1. Die Vermögen privater Haushalte an Bargeld und Einlagen privater Haushalte betrugen laut Bundesbank 2017 2326 Mrd €, an Ansprüchen aus Versicherungs- und Altersversorgungsansprüchen 2199 Mrd €. Diese Vermögen unterliegen mit Zeitfortschritt immer mehr dem Niedrigzins. Die privaten Gläubiger werden damit zu Gunsten der Schuldner enteignet (wäre doch auch mal ein Thema für Martin Schulz gewesen).
      2. Die Kreditvergabe an private Schuldner wie Unternehmen unterliegt den Regeln der Basel-Abkommen- u.a. der Eigenkapitalunterlegung der Banken entsprechend Kreditrisiko. Von der KfW kenne ich dazu 6 Risiko-Stufen für Unternehmen. Im Unternehmensbereich führt das dazu, dass der niedrige Marktzins nur an Unternehmen durchgereicht wird, die das Geld eigentlich nicht brauchen. Für alle Anderen wird es z.T. erheblich teurer.
      „Häuslebauer“ mit gutem Einkommen erhalten zwar gute Konditionen; die Banken sichern sich aber gegen Individual- wie Marktrisiken (gerade bei Niedrigzins) gern mit Zusatzverträgen wie Lebensversicherungen, BU, Kreditversicherungen ab.
      Die Skandale um geschlossene Fonds in den letzten Jahren waren das Ergebnis privaten Anleger-Notstands. Der Niedrigzins treibt die Preise von Immobilien (und damit der Mieten) nun auch in B- und C-Lagen. Deren Einstandspreis bleibt Kalkulationsgrundlage auch nach Tilgung der Fremdfinanzierung.
      3. Der Mangel an Unternehmensnachfolgern im Mittelstand hängt sowohl mit der demografischen Entwicklung wie mit den zunehmenden Regularien in allen wirtschaftsrelevanten Rechtsgebieten zusammen. Ich hatte an anderer Stelle schon ein Beispiel benannt, dass die Migration Lücken füllen kann.

      • zu 1.)
        Da die Vermögen sehr ungleich verteilt sind, haben die allermeisten Deutschen Michel überhaupt nichts davon, wenn die Zinssätze steigen. Entscheidend ist hier der Median der privaten Vermögen und nicht der Durchschnittswert. Außerdem hat zumindest die Deutsche Rentenversicherung DRV praktisch keine Rücklagen. Sie hängt am Tropf des Steuerzahlers. Und einige Lebensversicherer straucheln auch, wenn auch vielleicht tatsächlich wegen niedriger ZInsen. Für sie müssten m.E. die Kriterien, wie die Guthaben anzulegen sind, gelockert werden, aber nicht zwingend die Zinsen erhöht.

        zu 2.)
        Die Kreditvergabekriterien würden sich für Normalbürger und für kleine und mittelständische Unternehmen durch steigende Zinsen gewiss nicht lockern. Ganz im Gegenteil: Viele könnten die Last hoher Zinsen gar nicht tragen und eine Pleitewelle bislang nicht gekannten Ausmaßes wäre die Folge. Das kann man natürlich als Bereinigungsprozess sehen, würde aber zwangsläufig zu noch mehr Konzentration der Eigentümerverhältnisse in der Wirtschaft und wohl auch zu noch weniger selbst genutztem Wohneigentum führen. Begrüßen Sie das?

        zu 3.)
        Die Art der Migration, die wir derzeit erleben, wird diese Lücken nicht schließen. Da müssten schon weit qualifiziertere und vor allem interessiertere Menschen einwandern.

      • Niedrige Preise, wozu die Zinsen auch zählen, sind normalerweise besser. Aber langfristige Null- oder gar Negativzinsen sind ein großes Problem für gute Kapitalallokation, die dann über andere, weniger marktwirtschaftliche Mechanismen erfolgt. Im Grunde erleben wir schon eine gigantische Fehlallokation, die ihrerseits eine Zinserhöhung erschwert bzw. dann zu vielen und großen Insolvenzen führen wird.

    • 300sel
      sagte am 09/03/2019 um 09:38 :
      „Da die Vermögen sehr ungleich verteilt sind, haben die allermeisten Deutschen Michel überhaupt nichts davon, wenn die Zinssätze steigen.“
      Dieses Argument ist nicht zwingend (beim Team Kipping/Riexinger abgesehen ?) und deckt die geringe Rentabilität von Lebensversicherungen und Betriebsrenten ebenfalls nicht ab. Ergänzend dazu noch: Die weniger vermögenden Leute und viele Ältere legen Ersparnisse eher klassisch in festverzinslichen Formen an (oder sie lassen sich zu zweifelhaften Anlagen am Grauen Markt verleiten). Bei einfacher strukturierten Menschen lässt die Sparneigung mangels Erfolgserlebnis nach. Aus diesem Grunde führt der Niedrigzins zu einer noch größeren Vermögensumverteilung.
      Sie stellen ganz richtig fest, dass die Modalitäten der Kreditvergabe den erwarteten förderlichen Wirkungen des Niedrigzinses entgegenstehen und ich hatte beschrieben, weshalb das wegen der veränderten Eigenkapitalanforderungen an die Banken so ist (und so bleibt).
      Umso mehr müssen Sie sich doch den Nachteilen widmen, die der Niedrigzins mit sich bringt. Unternehmen mit guter Bewertung werden zu Unternehmens- und Immobilienerwerben und zum Kauf eigener Aktien verleitet, was zu ungünstigen Einflüssen auf Wirtschaftsstruktur und Vermögensverteilung kann, Enteignung der Sparer- wie beschrieben.
      Und schließlich: Mein Hinweis auf Migranten als Mittelstands-Nachwuchs ist nicht aus der Luft gegriffen; bei entsprechenden Kontakten kann man entdecken, welch fachliches Potenzial und welche finanziellen Ressourcen sich in der grauen Masse der Zugewanderten bzw. Einwanderungswilligen verbergen.

      • @Klaus Wolfgang Berger
        „Mein Hinweis auf Migranten als Mittelstands-Nachwuchs ist nicht aus der Luft gegriffen; bei entsprechenden Kontakten kann man entdecken, welch fachliches Potenzial und welche finanziellen Ressourcen sich in der grauen Masse der Zugewanderten bzw. Einwanderungswilligen verbergen.“

        Diese High Potentials unter den derzeitigen Migranten müssen Sie aber schon mit der Lupe suchen!

        Ich habe nichts dagegen, wenn sich ein Migrant hierzulande erfolgreich selbständig macht oder ein bestehendes Unternehmen fortführt. Ganz im Gegenteil. Aber Merkels afrikanische Drogendealer, Glücksritter und Messermänner eignen sich mit Sicherheit zu mehr als 99% nicht einmal, um eine gut eingeführte Dönerbude fortzuführen. Die Qualität der Migration ist das Problem und nicht die geographische oder ethnische Herkunft der Zuwanderer an sich.

  4. Pingback: EZB will lange Null- und Negativzinsen | Alexander Dilger

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