Negative Zinsen durch Bargeld als abzuwertende Parallelwährung

Den Euro halte ich bekanntermaßen für einen Fehler. Eine ungeordnete Auflösung, die ohne jede Planung ebenso droht wie ein harter Brexit, wäre aber wohl schlechter als das Beibehalten des Euro als Parallelwährung zu nationalen Währungen. Er könnte dann die politisch gewünschte Symbolfunktion behalten und für Touristen zumindest scheinbar das Leben erleichtern (wenn sie sich weniger für Kursverluste als direkte Wechselkosten interessieren).

Doch nicht jede Parallelwährung ist sinnvoll, wie der Beitrag „Cashing In: How to Make Negative Interest Rates Work“ von Ruchir Agarwal und Signe Krogstrup im Blog des Internationalen Währungsfonds (IMF) mit Bezug auf die IMF-Studie „Monetary Policy with Negative Interest Rates: Decoupling Cash from Electronic Money“ von Katrin Assenmacher und wiederum Signe Krogstrup beweist. Normalerweise setzt Bargeld negativen nominalen Zinsen eine harte Grenze, weil man es einfach zinslos halten kann (bei hohen positiven Zinsen ist deshalb Bargeld unattraktiv, bei negativen Zinsen hingegen sehr beliebt). Die perfide Idee ist nun, dass eine elektronische Währung beliebig mit Negativzinsen überzogen werden kann (diese werden einfach vom Konto abgebucht), während das Bargeld als Parallelwährung mit entsprechend staatlich zwangsweise abgewertetem Kurs zirkuliert:

The proposal is for a central bank to divide the monetary base into two separate local currencies—cash and electronic money (e-money). E-money would be issued only electronically and would pay the policy rate of interest, and cash would have an exchange rate—the conversion rate—against e-money. This conversion rate is key to the proposal. When setting a negative interest rate on e-money, the central bank would let the conversion rate of cash in terms of e-money depreciate at the same rate as the negative interest rate on e-money. The value of cash would thereby fall in terms of e-money.

To illustrate, suppose your bank announced a negative 3 percent interest rate on your bank deposit of 100 dollars today. Suppose also that the central bank announced that cash-dollars would now become a separate currency that would depreciate against e-dollars by 3 percent per year. The conversion rate of cash-dollars into e-dollars would hence change from 1 to 0.97 over the year. After a year, there would be 97 e-dollars left in your bank account. If you instead took out 100 cash-dollars today and kept it safe at home for a year, exchanging it into e-money after that year would also yield 97 e-dollars.

Politisch ist das hoffentlich schwer durchzusetzen und ökonomisch droht der Zusammenbruch beider Währung, wenn die Zinsen zu negativ werden. Die Verfechter solcher und vergleichbarer Vorschläge übersehen, dass Geld zuerst ein Transaktionsmittel ist und die Wertaufbewahrungsfunktion nur aus Bequemlichkeit sowie zur Begrenzung von Risiken zusätzlich bekommt. Wenn das zu teuer wird und die Risiken zu groß erscheinen, sucht sich jeder vernünftige Mensch Alternativen zur Wertaufbewahrung oder sogar für Transaktionen.

10 Gedanken zu „Negative Zinsen durch Bargeld als abzuwertende Parallelwährung

  1. Wieder ein Beweis für die faulen Spielchen von angeblichen „Eliten“, die das doofe Volk beherrschen wollen, ohne dafür demokratisch legitimiert zu sein.

    Wenn ich AfD-Bundestagsabgeordneter wäre, würde ich zu diesem Thema eine Fragestunde im Deutschen Bundestag beantragen. Meine Fragen an die Bundesregierung:
    1. Ist der Bundesregierung die „Negativ-Interest“-Studie des IMF bekannt?
    2. Hat die Bundesregierung diese Studie beauftragt, ggf. zusammen mit anderen Staaten?
    3. Hat die Bundesregierung an dieser Studie mitgearbeitet oder ihr zugearbeitet?
    4. Wie ist die Meinung der Bundesregierung zu dieser Studie?
    5. Was tut die Bundesregierung, dass die Vorschläge der Studie in der Eurozone nicht zur Anwendung kommen?

    Eine wunderbare Chance für die AfD, die inhaltliche Vielfalt zu verbreitern!

  2. Vieles von dem, was wir uns bis vor einigen Jahren kaum vorstellen konnten, ist eingetreten, also muss man mit allem rechnen.
    Mehr denn je stellt sich die Frage, was noch sicher ist, Immobilien, Aktien, Fonds, oder kommt es dann dort vermehrt zu spekulativen Übertreibungen?
    Bei Währungen: Warum sich nicht verstärkt in USD, GBP, CHF … engagieren?

    • Ich halte nichts von Angstmache und Panikgerede! Vermögen splitten, von allem etwas halten, ggf. hin und her schieben. Ein bisschen Bares im Tresor kann auch nicht schaden, wenn man sicher wohnt. Immer schauen, dass der Staat möglichst wenig bekommt! Und AfD wählen, denn mehr kann man die Blockparteien nicht ärgern!!!

  3. Die Stimmungen gegen den Euro werden mittlerweile leiser. War es zuerst Lucke mit einer 180 Grad Drehung, schwächeln Sie (Herr Dilger) mittlerweile auch schon etwas ab, was den Widerstand gegen den Euro angeht. Jedenfalls lese ich es so in ihrem Einleitungstext. Für mich bleibt der Euro dysfunktional, weil viele EU Länder wirtschaftlich nicht zu uns passen.
    Was nun den Brexit angeht, egal ob hart oder weich, Britische Aktien werden ein Kauf, der sich langfristig auszahlt. Es zählt der Preis, den man am Anfang zahlt.
    Großbritanien wird immer eine Ansammlung der Sicherung von Eigentum bleiben, im Gegensatz zu Deutschland, wo man mittlerweile schon von Enteignung von privatem Immobilienbesitz aus sozialen Gründen nachdenkt.
    Selbstverständlich kommt in Großbritanien eine tiefe Rezession, aber die britische Börse gehört zur Zeit zu den billigsten Märkten der Welt.

      • Könnten britische Aktien noch günstiger beim (harten) Brexit, beim verschobenen Brexit oder beim Verbleib in der EU nach einem 2. Volksentscheid werden? Es wäre sehr interessant, dieser Frage hier im Blog nachzugehen.

      • Aktuelle Aktienkurse spiegeln die Bewertungen zukünftiger Ereignisse gewichtet mit ihren vermuteten Wahrscheinlichkeiten. Wenn der Brexit ausfällt, steigen die britschen Aktien (zumindest kurzfristig), wenn er sehr hart wird, sinken sie (zumindest kurzfristig und in Euro bewertet). Die langfristige Entwicklung ist schwer zu prognostizieren. Der Binnenmarkt ist ein wirtschaftlicher Vorteil, die zusätzliche EU-Politik eher ein Hemmschuh. Am besten wäre es wohl, wenn UK in der EU bliebe, aber nicht alles mitmachen würde und auch nicht nur Extrawürste fordert, sondern die schlimmsten Maßnahmen für alle blockiert.

  4. Herr francomacorisano, diese Frage wird Ihnen heute niemand richtig beantworten können. Es gibt Stimmen die meinen, dass bei einem Brexit das BIP um 2% einbrechen wird. Das ist unangenehm, aber zu bewältigen. Wenn es aber dabei bleiben sollte, hat GB langfristig kein wirtschaftliches Problem mehr. Ich hoffe,dass GB gestärkt aus dem Brexit rauskommt. Ein Freihandelsabkommen mit der Schweiz ist schon unterzeichnet, welches ohne Brexit nicht möglich wäre. Die Amerikaner werden es den Briten danken.

    • UK braucht bislang kein Freihandelsabkommen mit der Schweiz, weil es Freihandel zwischen der EU und Schweiz gibt. Wie stark der Brexit UK und auch der EU kurz- sowie langfristig schadet, wissen wir nicht und werden es vielleicht auch nicht erfahren.

      • Ich wollte anmerken, dass Grossbritanien mit der Schweiz letzte Woche ein Handelsabkommen unterzeichnet hat, welches für den Brexit vorsorgen soll. Der gleiche Vertrag gilt auch für das Fürstentum Liechtenstein.

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