Kommentierte Stellenausschreibung

Es gibt eine aktuelle „Stellenausschreibung“ an meinem Institut für Organisationsökonomik an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Ich zitiere den größtenteils vorgebenen Text mit Kommentaren:

Am Institut für Organisationsökonomik der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät wird ab dem 01.04.2019 ein(e)
wissenschaftliche Mitarbeiterin/wissenschaftlicher Mitarbeiter (w/m/d)
auf der Basis einer halben Stelle (zurzeit 19 Stunden 55 Minuten wöchentlich) der Entgelt­gruppe 13 TV-L ge­sucht.

Gibt es eigentlich noch keine eigene Bezeichnung für Personal des vom Bundesverfassungsgericht erfundenen dritten Geschlechts (siehe ‚Bundesverfassungsgericht erfindet drittes Geschlecht‘)? Ging es nicht gerade darum, dass Betreffende sich nicht als weibliche Mitarbeiterinnen oder männliche Mitarbeiter einordnen müssen?

Die halbe Stelle soll übrigens später aufgestockt werden. Allerdings habe ich schon mehr Mitarbeiter (beiderlei Geschlechts) als Stellen und ist eine spätere Aufstockung sowohl rechtlich als auch motivationsmäßig einfacher als eine Reduzierung.

Die Stelle ist zunächst auf 3 Jahre befristet.

Der Satz verzögerte die Ausschreibung um über einen Monat, da ich eigentlich eine durchaus zulässige kürzere Frist wollte, was aber die Personalabteilung ablehnte, weil es der Personalrat ablehnen würde. Mir wurden sukzessive drei andere Modelle vorgeschlagen und dann alle widerrufen. Ich hätte es nur mit einer Verzögerung um viele weitere Monate probieren können. Es ist erschreckend, wie im öffentlichen Dienst das geltende Recht nicht mehr zur Anwendung kommt.

Es wird die Mitar­beit bei der Vorbereitung und Durch­führung von For­schung und Lehre (2 SWS) sowie der Be­tei­ligung an der Selbst­verwaltung erwartet. Darüber hinaus besteht die Mög­lichkeit zur Promo­tion im Rahmen eines Themengebietes des Instituts.

Die zwei Semesterwochenstunden ergeben sich aus der halben Stelle. Bei mir bleibt jedoch auch innerhalb der bezahlten Arbeitszeit noch Freiraum zur Promotion, wobei gerade bei einer halben Stelle jedoch auch zusätzliche Zeit darauf verwendet werden sollte, um innerhalb von maximal sechs Jahren, der Höchstdauer solcher Stellen, promoviert zu werden.

Voraussetzung für eine Bewerbung ist ein mit Prädikat abgeschlossenes wirt­schafts­wissen­schaftliches oder vergleichbares Hochschulstudium (Master).

Es muss kein Master-, aber ein vergleichbarer Abschluss sein (z. B. noch Diplom oder Staatsexamen). Nur ein Bachelorabschluss erlaubt nicht die Einstellung in den höheren Dienst. Ohne Prädikatsexamen (mindestens „gut“) ist eine Promotion nur schwer möglich.

Kenntnisse in angewandter Ökono­metrie und/oder der Neuen Institutionenökonomik sind vo[n] Vorteil.

Die Anforderung ist von mir und nicht zwingend. Doch man sollte etwas können, was sich in Forschung und Lehre einsetzen lässt.

Die WWU Münster tritt für die Geschlechtergerechtigkeit ein und strebt eine Erhöhung des Anteils von Frauen in Forschung und Lehre an. Bewerbungen von Frauen sind ausdrücklich erwünscht; Frauen werden bei gleicher Eignung, Befähigung und fachli­cher Leistung bevorzugt berücksichtigt, sofern nicht in der Person eines Mitbewerbers liegende Gründe überwiegen.

Warum fehlt hier eigentlich das dritte Geschlecht und müssen dessen Angehörige auch gegenüber Frauen diskriminiert werden?

Schwerbehinderte werden bei gleicher Qualifika­tion bevorzugt eingestellt.

Das ist übrigens eine rechtlich weitaus stärkere Formulierung. Wenn sich ein formal qualifizierter Schwerbehinderter bewirbt, kann ich faktisch keinen anderen Bewerber mehr einstellen.

Bewerbungen mit den üblichen Unterlagen richten Sie bitte bis zum 20.02.2019 an [mich.]

Es gibt übrigens einen internen Bewerber, den ich gerne einstellen möchte, was ohne Ausschreibung nicht zulässig ist (oder vielleicht doch, denn eines der drei dann widerrufenen Modelle sah einen Ausschreibungsverzicht vor). Das bedeutet aber nicht, dass sonst niemand eine Chance hätte. Einen noch besseren externen Bewerber würde ich einstellen und gegebenenfalls noch einmal ausschreiben (siehe ‚Weitere Ausschreibung wegen guter Bewerber‘).

6 Gedanken zu „Kommentierte Stellenausschreibung

  1. „wissenschaftliche Mitarbeiterin/wissenschaftlicher Mitarbeiter“ ist verschwurbeltes Deutsch. Mit „(w/m/d)“ wäre alles gesagt gewesen, wobei „d“ lächerlich ist. Hat der Bewerber nun einen Pippimann oder eine Muschi…?

    Sie wollten eine kürzere Frist als drei Jahre?!? Warum haben Sie sich dann nicht durchgesetzt, wenn Sie selbst sagen „Es ist erschreckend, wie im öffentlichen Dienst das geltende Recht nicht mehr zur Anwendung kommt„. Ich war ja fast 20 Jahre Abteilungsleiter für Messen und Ausstellungen in einem großen Handelsunternehmen. Als meine Sekretärin in Mutterschutz ging, hat mir die Personalleitung eine Frau aus einer anderen Abteilung ins Büro gesetzt, mit der ich nicht glücklich war. Letztlich habe ich mich aber durchgesetzt und Ersatz nach meinen Wünschen bekommen. Als Führungskraft ist man verantwortlich für den Erfolg und muss sich durchsetzen können. Wer damit ein Problem hat, ist keine Führungskraft.

    Frauen werden bei gleicher Eignung, Befähigung und fachli¬cher Leistung bevorzugt berücksichtigt, …„. DAS ist eine eindeutige Diskriminierung von Männern (und Zwittern).

    Schwerbehinderte werden bei gleicher Qualifika¬tion bevorzugt…„. Noch eine Diskriminierung, hier von Nicht-Behinderten.

    Sie hatten an anderer Stelle einmal geschrieben, dass die Uni Münster „nicht links“ sein. Wer aber so gender-mainstreaming-verliebt ist, kann nur linksgrün ticken. Die haben richtig Glück, dass ich dort kein Prof. bin, sonst hätte das Wort Klassenkampf eine völlig neue Bedeutung…!

    P.S.: War Kaiser Wilhelm („Aristokrat“, „Militarist“, „Rassist“, „Kriegstreiber“, …) etwa Namensgeber der „Westfälischen Wilhelms-Universität“? Haben Linksgrüne noch keine Umbenennung zum Beispiel nach einem afrikanischen Negerhäuptling gefordert…???

    • Man merkt, dass Sie nie im öffentlichen Dienst gearbeitet haben. Manche Vorgaben gelten doch inzwischen auch für die Privatwirtschaft. Wer jetzt z. B. nicht „(w/m/d)“ schreibt, riskiert Klagen. Davor hätte aber wohl „wissenschaftlicher Mitarbeiter“ oder auch „wissenschaftliche Mitarbeiterin“ genügt, während sich jetzt alle Diversen diskriminiert fühlen könnten.

      Gegen die eigene Personalabteilung kommt man schlecht an, jedenfalls nicht ohne massiven Zeitverlust, der zu Lasten des Bewerbers geht. Vielleicht starte ich demnächst die nächste Ausschreibung ganz ohne konkreten Bedarf und dadurch mit aller Zeit der Welt.

      Die Westfälische Wilhelms-Universität Münster heißt tatsächlich nach Kaiser Wilhelm II. als König von Preußen, was vielen heutigen Linken nicht passt.

      • Es war in der Tat gut, dass ich nicht in den öffentlichen Dienst gegangen bin. Aber ich würde mich heute auch in Großunternehmen nicht mehr wohlfühlen, wo das ganze Gender-Gaga, Anti-Diskriminierungs-, Anti-Rassismus- und Anti-Sexismus-Käse an jeder Ecke lauert.

        Wenn ich keinen Türken in meiner Abteilung haben will, werde ich mir auch keinen vor die Nase setzen lassen! Das darf ich natürlich so nicht sagen, sondern muss eine andere Begründung vorschieben. Ich bin kein Rassist, denn ich lehne Türken nicht ab, nur weil sie Türken sind. Aber ich hätte keine Lust auf „kultursensible“ Sonderwünsche: Vermeidung von Belastungen im Ramadan, Weigerung Frauen die Hand zu geben, Problem mit Schweinefleisch in deren Nähe, u.s.w. Und man weiß ja vorher nicht, wie sich jemand entwickelt. Die Türkin, die zum Vorstellungsgespräch im Minirock und Pumps erschien ist, trägt vielleicht morgen Kopftuch.

        Das gilt für mich auch für Deutsche! Ich hatte einmal einen Lehrling (das Kunstwort Azubi lehne ich ab!), der kam an einem Sommertag ins Büro mit Bekleidung, als würde er ins Schwimmbad gehen (kurze Hose, Flatterhemd, Flip Flops). In einem höflichen Gespräch habe ich ihm erklärt, dass Berufsleben und Freizeit von einander zu trennen sind. Genau so habe ich auch nicht akzeptiert, dass während der Arbeit mit dem Handy gespielt oder die Fingernägel lackiert wurden. Trotzdem wurde in meiner Abteilung viel gelacht, sogar gefeiert und wenn jemand einen Fehler gemacht hat, ging es nur darum, wie die Sache wieder behoben wird und gut war’s.

  2. In der Regel sollten Doktoranden 3/4-Stellen bekommen. Je nach Professor (bei Ihnen natürlich nicht) kann eine halbe Stelle in Richtung Ausbeutung gehen. Die Doktoranden sind immerhin hochqualifiziert.

    • Ausbeutung hängt aus meiner Sicht nicht mit dem Stellenumfang zusammen, sondern mit den Anforderungen an unbezahlte Arbeit für andere. Es gibt auch externe Doktoranden ganz ohne Bezahlung, die nicht unbedingt schlechter fahren.

  3. Passt zwar überhaupt nicht zum Thema, aber die Wahlplakate der AfD zur EU- Wahl( habe es ja erst jetzt mittbekommen ich als Ösi brauch halt länger) sind ja wirklich köstlich, ist immer die Frage was ist peinlich und was ist cool

    Will die AfD da jetzt mit den Kinder in der Sandkiste gewinnen.

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