Keine Eurokrise ohne Euro

Bei der ‚Ringvorlesung zu Europas Zukunft in Münster‘ hielt Martin Hellwig heute seinen interessanten Vortrag zum Thema „Europa in der Krise – Währungsunion, Bankenunion, Fiskalunion“. Er benannte einen Haufen Probleme wie fehlende Möglichkeiten zur Ab- und Aufwertung, unterschiedliche Wirtschaftsentwicklungen, erzwungene Austeritätspolitik, drohende Staats- und Bankenpleiten, verdeckte Umverteilung, unterschiedliche Sichtweisen in den verschiedenen Ländern, Demokratiedefizite und Wahlerfolge von Populisten. Er stellte selbst einen Haufen Fragen dazu und ich fragte ihn in der nachfolgenden Diskussion, ob er nicht der Ansicht sei, dass es diese Probleme ohne Einführung des Euro so gar nicht gäbe. Das verneinte er und verwies u. a. auf die Pfundkrise von 1992 (siehe „Schwarzer Mittwoch“), wegen der Nigel Farage die Tories verlassen und UKIP gegründet hätte. Tatsächlich trat jener jedoch schon vorher aus, als die Regierung von John Major den Vertrag von Maastricht unterzeichnete, der die EU und Eurozone begründete. So ist selbst der Brexit von Anfang an mit dem Euro verknüpft und ich bleibe dabei, dass wesentliche Probleme in der EU und Eurozone sowieso ohne den Euro gar nicht existieren würden.

Herr Hellwig applaudierte hingegen auf eine nachfolgende studentische Frage, warum überhaupt solche rückwärtsgewandten Fragen wie meine diskutiert würden, statt sich der europäischen Zukunft zuzuwenden. Doch wenn man die wesentliche Problemursache ignoriert und Fehler nicht zugeben und korrigieren kann, wird man die Probleme auch nicht lösen und die Zukunft besser gestalten können.

Am Ende seines Vortrags hatte Herr Hellwig für „Inventing the People“ plädiert, womit er die Schaffung eines europäischen Volkes meinte, so wie das amerikanische Volk aus den verschiedenen Kolonien konstruiert worden sei (während Edmund S. Morgan eigentlich die Idee der Volkssouveränität als Gegenentwurf zum Gottesgnadentum meint). Dabei lässt sich ein neues Volk bzw. eine neue primäre Identität (siehe ‚Nationale und europäische Identität‘) nicht einfach so verordnen, schon gar nicht zur Rettung einer fehlkonstruierten Gemeinschaftswährung (siehe ‚Hellwig schafft Nationen ab, damit Target-Salden kein Problem mehr sind‘).

51 Gedanken zu „Keine Eurokrise ohne Euro

  1. …solche rückwärtsgewandten Fragen…

    Alles was LinksGrünen nicht gefällt, wird einfach als „rückwärtsgewandt“, also aus einer Zeit stammend, als LinksGrüne noch nicht die Deutungshoheit beanspruchen konnten, tituliert, ist also „altmodisch“, „revisionistisch“, „rechts“, „rechtspopulistisch“, „rechtsradikal“, „rechtsextremistisch“, „rassistisch“, „menschenverachtend“, „nationalistisch“, „sexistisch“, „homophob“ oder alles zusammen.

    Ich nehme solche Realitätsverweigerer nicht mehr ernst.
    Mögen sie in die ewigen Jagdgründe eingehen…!

    • Vielleicht sind wir hier alle ja von vorgestern und haben es nur noch nicht bemerkt … 😅

      Lesen Sie mal hier:
      „In London verbeißen sich die Politiker in Nationalstaatskonzepte von gestern, in Zürich debattieren Vordenker über die Welt von morgen. Also bin ich lieber nach Zürich geflogen. Auf dem World Web Forum, einer der interessantesten Digitalkonferenzen dieses Jahres, erklären Wissenschaftler, Analysten, Künstler und Software-Tüftler, wohin die technologischen Innovationen uns führen werden.“
      Quelle: https://www.t-online.de/nachrichten/id_85105798/tagesanbruch-klimawandel-unsere-kinder-werden-uns-verfluchen.html

      • Wenn man sich mit der Vergangenheit nicht beschäftigen mag, wiederholt man die alten Fehler. Der Nationalstaat ist noch lange nicht tot und wer vor ihm in Vereinigte Staaten von Europa flüchten will, provoziert gleich doppelt gefährlichen Nationalismus, nämlich sowohl bei den Gegner einer solchen Entwicklung als auch bei den dann entstehenden Euro-Nationalisten.

      • Es war mir wichtig, das zu verlinken, da es zeigt, wie naiv selbst halbwegs prominente meinungsbildende Journalisten (in diesem Fall nicht von ARD und ZDF) diesbezüglich so drauf sind.

      • „Klimawandel“???
        So ein typisches linksgrünes Märchen, um uns umzuerziehen und uns noch mehr Geld aus der Tasche zu ziehen, damit eine „alternativlose“ Deindustrialisierung durchgedrückt werden kann, mit der wir im sozialistischen Sinne gleich arm wie andere Regionen der Welt gemacht werden sollen. Dieses Lügen-Theater wird uns von gekauften Wissenschaftlern, linken Journalisten, mit Staatsgeld gepäppelte NGO-Vertretern und Kokain süchtigen Künstlern präsentiert…! 😦

      • Sag ich doch. Gleich arm gemacht ist auch gleich gemacht. Wir schaffen das! *Sarcasm off*

  2. Dieser „progressive“ Fragesteller scheint mir ein typisches Produkt erfolgreicher grünlinker Schülerindoktrination zu sein.

  3. So etwas wie „Ineventing the People“ liegt natürlich ganza auf der NWO-Linie und wird diesem Land schwersten Schaden zuführen (tut es bereits). Von daher war der Vortrag von Hellwig wohl auch ein Propagandavortrag, so wie wir das heute leider kaum noch anders kennen.

    Erschütternd finde ich die Frage des Studenten. Ihre „rückwärtsgewandten Fragen“ waren mit Sicherheit die, die gestellt werden müssen, um das künstliche und wankende Konstrukt EU (nicht zu verwechseln mit Europa!) zu reformieren, falls das überhaupt noch möglich ist. Die Frage zeigt letztlich die erbärmliche Gedankenwelt des Studenten – er ist ganz weit weg von dem, was das dem Wort „Student“ zugrundeliegende lateinische Verb bedeutet.

    • Eigentlich bin ich der Auffassung, dass es keine dummen Fragen gibt, nur dumme Antworten (wie ich zuletzt bei Twitter bemerkte, als Frau Nicole Diekmann alle als „Nazis“ beschimpfte, die nicht die Grünen wählen). Allerdings scheint es mir hier keine echte, sondern eine rein rhetorische Frage gewesen zu sein, um eine sachliche Debatte abzuwürgen. Sollte die Frage doch erst gemeint gewesen sein, ist die Antwort ganz einfach und steht bereits in meinem Beitrag: „[W]enn man die wesentliche Problemursache ignoriert und Fehler nicht zugeben und korrigieren kann, wird man die Probleme auch nicht lösen und die Zukunft besser gestalten können.“

  4. Das Wohlstandsgefälle innerhalb der Volkswirtschaften der südeuropäischen Mitglieder der EU und darüber hinaus zwischen den Mitgliedern der EU hat schon vor Maastricht bestanden, hat auch vorher schon zu binnennationalen Konflikten geführt, ist in der Währungsunion noch gewachsen und ist nun noch schwieriger als früher zu beseitigen. Wenn eine Nation ihre Binnen-Konflikte weder vor Maastricht lösen konnte, noch heute bereinigen kann, spricht nichts dafür, dass dies im Rahmen einer „Europäischen Nation“ gelingen könnte.
    In einer Partei würde ich folgende Schwerpunkte setzen:
    1. Währungspolitisch – ausgehend von den Fakten – entlang der von Bernd Lucke unter https://lkr.de/a-allgemein/euro-austritt/ geäußerten Vorstellungen.
    2. Innenpolitisch:
    In der Bildungspolitik die Lernzielvorgabe: „Wirtschaft – sind wir alle“,
    in der Wirtschafts- und Sozialpolitik- Mehrheiten suchen im Kampf gegen den derzeitigen Vernichtungsfeldzug seitens der GROKO-Bonzen in deren Komplizenschaft mit den Eurokraten anderer Nationen gegen die deutsche Wirtschaft. Am Beispiel von Merkel sehen wir (leider unter negativen Aspekten), welche informellen Möglichkeiten Deutschland zur Beeinflussung der EU-Politik in konstruktiver Richtung haben könnte.

    • Ein Wohlstandsgefälle zwischen souveränen Staaten ist nicht so schlimm. Erst wenn man sie zusammenzwingt, sei es mittels Gemeinschaftswährung, Transferunion oder Superstaat, brechen große Konflikte aus. In der Eurozone kam es auch gar nicht zur Konvergenz, sondern Divergenz. Ein negatives Beispiel ist übrigens Italien, wo Norden und Süden auch nicht konvergiert sind, obwohl es schon lange ein Staat ist (der übrigens auch kriegerisch entstand).

      Die Ausführungen von Herrn Lucke finde ich leider nicht überzeugend (siehe ‚Lucke gegen Dexit, Henkel und Starbatty dafür‘). In der EU ist Deutschland die stärkste Macht. Nur leider haben die normalen Deutschen nichts davon und die anderen normalen EU-Bürger auch nicht, sondern wir alle leiden unter unseren Politikern.

      • „Ein negatives Beispiel ist übrigens Italien, wo Norden und Süden auch nicht konvergiert sind, obwohl es schon lange ein Staat ist.“

        Ein weiteres negatives Beispiel ist übrigens Deutschland, wo Norden und Süden, respektive Osten und Westen, auch nicht konvergiert sind, obwohl es schon länger ein Staat ist (der übrigens durch Zwangsbeglückung seiner wohlhabenderen Regionen entstand). Aber vielleicht lösen die, die noch nicht so lange hier leben, das Problem ja, indem sie den überbordenden „Sozialstaat“ bald final in den Abgrund stürzen und damit beweisen, dass man mit Hilfe von Umverteilungssozialismus eben doch irgendwie früher oder später alles so platt machen kann, dass es gleich abgewirtschaftet und somit wenigstens wirtschaftlich und sozial konvergiert ist.
        Hakuna Matata.

      • Deutschland ist kein geeignetes Beispiel, da der Osten stark aufgeholt hat und der erst ärmere Süden den Norden sogar überholte.

      • Der Osten wurde vom Westen mit unserem sauer verdienten Steuergeld vollgepumpt. Aus eigener Kraft „aufgeholt“ hat er nicht. Und dass der Süden heute reicher ist als das ehemals wohlhabende NRW oder die Hansestädte, liegt am Strukturwandel. Zumindest Letzteres hat nichts mit irgendwelchen vermeintlichen „Vorteilen“ eines Großstaats bzw. Zentralstaats zu tun.

      • Es geht hier erst einmal um die reinen Fakten, noch nicht die Ursachen. Da war die Entwicklung in Deutschland nicht so schlecht, jedenfalls besser als in Italien oder der Eurozone.

      • Zumindest die Nord-Süd-Konvergenz war nicht von Dauer, da ihr ja eine Divergenz folgte und der Norden nun ärmer ist als der Süden. Wie nachhaltig unsere aufgezwungene „Investition“ in die Neuen Bundesländer ist, wissen wir noch nicht.

        Aber wie es aussieht, müssen wir sozialisisch engagierten Steuerbürger ja demnächst wieder einmal die „systemrelevanten“ Banken retten und werden weiter enteignet. Danach sind wir wieder etwas konvergenter, nämlich ganz sozialistisch-„solidarisch“ in Richtung gleich arm geglättet … (siehe hierzu https://www.youtube.com/watch?v=y9_9HC63Jd4&app=desktop)

      • Auch Deutschland ist nicht konvergiert!
        Der sozialdemokratisierte Norden ist deutlich ärmer, als der konservative Süden!!!

      • So schlecht (außer im Vergleich zu Bayern) steht Baden-Württemberg (noch) nicht da. Im bundesweiten Vergleich ist BW immer noch sehr gut dran. Aber das hat weniger mit der Politik als mit der starken Wirtschaft, nicht zuletzt mit dem immer noch relativ gesunden Mittelstand im Südwesten zu tun.

      • Baden-Württemberg steigt in den wichtigen Indikatoren ab, aber es dauert natürlich, ein Land herunterzuwirtschaften. Das hat Frau Merkel mit ganz Deutschland auch noch nicht geschafft.

      • Da ist schon etwas dran. Wenn ich mir alleine nur die Abschaffung der Übertrittskriterien auf Gymnasien ansehe (da war Baden-Württemberg der „Vorreiter“), graut mir vor der Zukunft Deutschlands. Aber wenn das Pendel nicht ausschlüge und wieder zurück käme (wie unsere vorgenannten Beispiele ja alle zeigen), hätten wir absoluten Stillstand. Ein Zustand, von dem Sozialisten und andere unterbelichtete Politiker träumen, nicht jedoch Realisten.

      • Noch eine Nachbemerkung zu Frau Merkel. Ihre Regierungszeit wird selbstverständlich auch noch ein paar Jahre nachwirken. Egal, ob sie 2021 noch einmal antritt oder nicht. Das Ergebnis ist so oder so eine nachhaltige Schädigung Deutschlands und Europas. Einen gewissen Nachhall hinterlässt schließlich jede Regierung.

      • Das ist nicht die einzige Gemeinsamkeit, die Deutschland dank Frau Merkel inzwischen mit der DDR hat …

      • Zu dem Wohlstandsgefälle vor und nach Maastricht habe ich an sich nichts Gegenteiliges behauptet.
        Die Gegenposition zu den Ausführungen Luckes müsste man zur Verbesserung des Erkenntniswerts aber mal präzisieren. Lucke beschreibt u.a. die Wirkungen des EURO-Zuflusses bei Währungsumstellungen einschließlich Parallel-Währungen auf die grenzüberschreitenden Forderungen und Verbindlichkeiten in starken und schwachen Volkswirtschaften.

      • Das wären Übergangsprobleme, während der Euro ein Dauerproblem ist und allen beteiligten Volkswirtschaften schadet. Das ist in diesem Blog präziser dargelegt als die ständig wechselnden Positionen von Herrn Lucke.

      • Da Herr Lucke seit Jahr und Tag nur hin und her rudert, lohnt es sich nicht, seine „Positionen“ (die ja nur Momentaufnahmen sind) zu analysieren. Bernd Lucke ist als Politiker ein erfolgloser Kasper, der kostbare Lebenszeit seiner Mitstreiter großzügig verplempert, mehr nicht.

      • Alexander Dilger sagte am 19/01/2019 um 11:37 : „Das wären Übergangsprobleme, während der Euro ein Dauerproblem ist und allen beteiligten Volkswirtschaften schadet. Das ist in diesem Blog präziser dargelegt als die ständig wechselnden Positionen von Herrn Lucke.“

        Frank und frei: Diese abstrahierende Betrachtungsweise nimmt Ihnen niemand ab. Mit der „reinen Lehre“ kann man keine Politik betreiben.

      • Natürlich kann man auch in der Politik das Richtige fordern, vor allem als winzige Oppositionspartei. Kompromisse kann man später immer noch eingehen. Stets wechselnde Aussagen verschrecken in jedem Fall Wähler. LKR erzielte zuletzt 0,0 Prozent.

      • „Mit der „reinen Lehre“ kann man keine Politik betreiben.“
        Mit den wechselnden Positionen des glücklosen Opportunisten Lucke aber auch nicht … 😂

      • 300sel sagte am 19/01/2019 um 13:00 : „Da Herr Lucke seit Jahr und Tag nur hin und her rudert, lohnt es sich nicht, seine „Positionen“ (die ja nur Momentaufnahmen sind) zu analysieren“
        Wenn Sie – Herr Meister – zu bequem sind, sich mit den verlinkten Aussagen von Lucke auseinanderzusetzen, sollten Sie hier wenigstens nicht herumschimpfen. Auch mit politischen Gegnern sollte man sich – wiederum zum Zwecke des Erkenntnisgewinns – sachlich auseinandersetzen.

      • Herr Meister kann sehr anstrengend sein. Doch wo ist Ihre sachliche Auseinandersetzung mit meinen (Gegen-)Argumenten? Sie haben mir doch gerade erst ohne jedes inhaltliche Argument entgegnet: „Mit der ‚reinen Lehre‘ kann man keine Politik betreiben.“

      • Wer soll denn Herrn Lucke als „politischen Gegner“ ernst nehmen?
        Herr Lucke war AfD-Mitstreiter der ersten Stunde, kein politischer Gegner. In der AfD hat er viele Fehler gemacht, die seiner Selbstüberschätzung und Überheblichkeit geschuldet waren. Danach stellte sich zunehmend heraus, dass er wohl bis heute sein Ich nicht gefunden hat. Im Grunde kann einem Bernd Lucke leid tun. Aber auf Mitleid kann man eben auch nicht bauen.

      • Alexander Dilger sagte am 19/01/2019 um 21:05 :“ . . .Doch wo ist Ihre sachliche Auseinandersetzung mit meinen (Gegen-)Argumenten? . . .“
        Ihre „reine Lehre“ besagt, dass eine gemeinschaftliche Währung für unterschiedlich entwickelte Volkswirtschaften (u.U. noch mit einer unterschiedlichen politischen Kultur) untauglich ist und Deutschland -sofern sich supranational- kein Einvernehmen erzielen lässt, den EURO verlassen sollte. Lucke geht von der wirtschaftlichen und juristischen Faktenlage aus und weist an den Beispielen Griechenlands und Deutschlands auf die wirtschaftlichen und rechtlichen Konsequenzen hin, die ein solcher Schritt jeweils für den EURO-Raum haben würde. Es handle sich im Falle Deutschlands keineswegs um überschaubare Übergangsprobleme. Seine Vorstellungen gehen dahin, dass für die wirtschaftsschwächeren südeuropäischen Mitglieder der Währungsunion, die auf Dauer mit der Gemeinschaftswährung in einer immer arbeitsteiliger werdenden Weltwirtschaft am wenigsten zurecht kommen, auf freiwilliger Basis eine Lösung getroffen werden kann. Bei diesen Ländern würden sich auch die – in jedem Fall – zu erwartenden Währungsspekulationen im Rahmen halten.
        Das ist immerhin eine Diskussionsgrundlage, wohingegen Ihre „reine Lehre“ der Kopf- Sprung vom 10-Meter-Brett in unbekannte Gewässer ist. Damit wird aus Ihrer kleinen Partei mit Sicherheit keine große.

      • Die pseudojuristische Argumentation von Herrn Lucke ist auf jeden Fall falsch. Der Austritt aus der Eurozone ist nicht verboten, sondern ungeregelt, woraus aus allgemeinen Rechtsgrundsätzen folgt, dass er durchaus erlaubt ist und nur die Details geklärt werden müssten (wie auch beim Brexit, der explizit erlaubt ist). Abgesehen davon könnte Deutschland die anderen Länder zur Zustimmung nötigen bzw. den Euro einfach faktisch scheitern lassen, wenn es ihn nicht mehr finanziert. Es fehlt „nur“ der politische Wille.

        Auch bei den Auswirkungen eines Austritts irrt Herr Lucke. Es wäre viel leichter, wenn Deutschland geht, sei es ganz oder mit der D-Mark als zusätzlicher Parallelwährung. Denn dann wäre der Euro für die Südländer wieder passend. Treten hingegen Griechenland oder gar Italien und Frankreich aus, sind sie sofort zahlungsunfähig in Euro mit entsprechenden Auswirkungen auf den Bankensektor. Deutschland wird sich zwischen Abwertung und Ausfall seiner Forderungen in Euro entscheiden müssen. Erstere ist besser, auch besser als eine weitere Konkursverschleppung.

      • Klaus Wolfgang Berger sagte am 19/01/2019 um 22:48 :
        Um entsprechendem Einwand vorzubeugen:
        Für die von Lucke beschriebenen Auswirkungen eines Austritts Deutschlands aus der Währungsunion spielt es m. E. auch keine Rolle, ob der EURO noch als Parallel-Währung geführt würde.

      • Alexander Dilger sagte am 20/01/2019 um 15:16 :“Die pseudojuristische Argumentation von Herrn Lucke ist auf jeden Fall falsch. Der Austritt aus der Eurozone ist nicht verboten, sondern ungeregelt, woraus aus allgemeinen Rechtsgrundsätzen folgt, dass er durchaus erlaubt ist und nur die Details geklärt werden müssten (wie auch beim Brexit, der explizit erlaubt ist). “
        Es sind die bekannten Positionen, wobei die Ausführungen Luckes den Vorzug einer detaiillierten Darstellung der erwartbaren Situationen haben, auf die man nicht abstrahierend antwortet kann, wenn man glaubwürdig sein will. Ich habe Ihre verschiedenen Publikationen zu diesem Thema und zu gleichgestimmten Wissenschaftlern (ganz wenige) gegoogelt – ich bin nicht überzeugter. Die Währungsunion ist im Maastricht-Vertrag angelegt. Wie verhält es sich mit dem Vertragsverhältnis zur EU insgesamt ? Für den Schritt ins Chaos sind doch die derzeitigen Verhältnisse zu stabil und die Instrumente noch nicht verschlissen.

      • Der Maastricht-Vertrag führte überhaupt erst zur EU wie auch zum Euro. Viele Regeln wurden schon gebrochen, dagegen wäre ein Austritt kein Regelbruch, sondern einfach ungeregelt.

        Wenn Sie den Euro toll finden, können Sie doch einfach die CDU oder sogar die Grünen wählen. Wer ihn wie ich ablehnt, kann nicht LKR wählen. Deren unklare Zwischenposition ist einfach für jeden unattraktiv, was auch die 0,0 Prozent erklärt.

      • Dieser Tage ist offenbar eine subtile Webekampagne angelaufen, die den Normalverbraucher von den großartigen Vorzügen des Euro überzeugen soll. Die Argumentation ist erwartungsgemäß natürlich auf dem Niveau von „nie mehr im Urlaub Geld wechseln müssen“.

      • Das habe ich noch nicht mitbekommen. Die Wechselkosten fallen nicht ins Gewicht gegenüber den Verzerrungen des Wechselkurses (wir Deutschen könnten uns viel mehr im Urlaub leisten und andere viel mehr umsetzen), geschweige denn den finanziellen und sozialen Kosten der Euroretterei.

      • Alexander Dilger sagte am 20/01/2019 um 20:53 :“. . .Wenn Sie den Euro toll finden, können Sie doch einfach die CDU oder sogar die Grünen wählen. Wer ihn wie ich ablehnt, kann nicht LKR wählen . . .“

        In der Einschätzung der Wirkungen der Einheitswährung besteht in weiten Kreisen Konsens; es geht um die Frage, wie man aus der Chose herauskommt – oder das Beste aus den Gegebenheiten macht. Im Augenblick spielt die Währungsfrage in der Öffentlichkeit keine Rolle. Dieser Punkt wird aber irgendwann wieder aktuell werden (z.B. wenn Griechenland „nachtankt“). Da sollte man – z.B. als Wahlkämpfer vor den Europa-Wahlen- nachvollziehbare, realistische Konzepte haben. Mit „Dexit“ wird man da nur bei AfD-Stammwählern punkten können.
        Die fehlenden Wahlerfolge von LKR und das Verschulden von Lucke daran helfen bei diesem Thema auch nicht weiter, zumal an dem Niedergang der ehemals mitgliedsstarken LKR-Landespartei NRW Ihr Flurnachbar nicht unerheblichen Anteil hatte. Professoren haben mit Menschenführung manchmal ihre Probleme.

      • Es ist einfach ein Widerspruch, dass Sie sich nicht mit meinen inhaltlichen Argumenten auseinandersetzen wollen, weil diese angeblich nicht wählerwirksam wären, zugleich aber eine 0,0 Prozent-Partei anpreisen. Inhalte interessieren mich mehr, doch rein wahltaktisch liegt immer noch Frau Merkel vorn und als Gegenpol die AfD.

      • Alexander Dilger sagte am 21/01/2019 um 23:06 :“Es ist einfach ein Widerspruch, dass Sie sich nicht mit meinen inhaltlichen Argumenten auseinandersetzen wollen, weil diese angeblich nicht wählerwirksam wären . . .“
        Ich bin schon ganz verzweifelt, dass wir uns hier so missverstehen. Mein erster Beitrag in diesem Blog beinhaltet einen Link auf eine m.E. systematische Darstellung seitens Lucke zu den derzeitigen Handlungsmöglichkeiten Deutschlands in der Währungspolitik. Diese Ausführungen sind für mich als einfacher Diplom-Volkswirt nachvollziehbar, widersprechen aber Ihren – m.E. die Probleme eher abstrahierenden – Positionen. Es würde doch im allseitigen Interesse liegen, jetzt mal den Stier bei den Hörnern zu packen und den Generalvorwurf wechselnder Positionen gegenüber dem Lucke durch an der Vorlage orientierte Fachkritik zu ersetzen. Mir geht es um Handwerkszeug, das von allen bürgerlichen Parteien, die nicht unmittelbar in den gegenwärtigen Filz der wechselseitigen Begünstigungen der Merkelschen CDU eingebunden sind, genutzt werden kann (dazu zähle ich AfD, FDP, LKR, FW u.a.).
        In der Energiepolitik sehe ich das durch EIKE Klima gegeben.

      • Sie werfen mir doch völlig abstrakt vor, dass meine Positionen zu „abstrahierend“ seien (und nicht wählerwirksam). Eine konkrete inhaltliche Kritik habe ich noch nicht vernommen. Dagegen habe ich mich schon oft mit den Positionen von Herrn Lucke inhaltlich auseinandergesetzt. Dabei ist zu bedenken, dass dies ein Blog ist und kein rein wissenschaftliches Medium, wie auch Herr Lucke sich politisch und nicht wissenschaftlich geäußert hat.

      • @Klaus Wolfgang Berger
        „… die nicht unmittelbar in den gegenwärtigen Filz der wechselseitigen Begünstigungen der Merkelschen CDU eingebunden sind, genutzt werden kann (dazu zähle ich AfD, FDP, LKR, FW u.a.).“

        Einspruch, Herr Berger:
        Die Freien Wähler vollführen in Bayern gerade den vollendeten Bückling und würden sich auf der Bundesebene genauso von der Merkelschen CDU vereinnahmen lassen, wie sie sich in Bayern zum Klon der CSU machen.

      • Das sehe ich auch so. Aber Herr Berger hat die Freien Wähler (und nur um die ging es mir hier) als nicht unmittelbar mit der Merkelschen CDU verfilzt aufgezählt. Die FW biedern sich der CSU derart an, dass ich nicht den geringsten Zweifel hege, dass sie sich auf Bundesebene der Merkelschen CDU genauso anbiedern würden, nur um ein ein paar Ministerpöstchen zu erheischen. Dass Markus Söder das ausnutzt, kann man ihm nicht verdenken. Der Gummirücken ist dabei ja nicht Markus Söder, sondern Hubert Aiwanger.

  5. Diese UKIP hat sich aber selber ganz schön fertig gemacht mit internen Raufereien ( so was würde man eher von der NPD erwarten) und anderen unschönen Aktionen.
    Was halt extrem unfair ist, ist das Mehrheitswahlrecht in GB. Ich bin durchaus für eine Prozenthürde bei Parlamentswahl, als ideal finde ich wie in Dänemark eine 2% Hürde.

  6. Pingback: Marktdisziplin und Demokratie ohne Euro | Alexander Dilger

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