Mütter verdienen wegen ihrer Kinder weniger, nicht Frauen wegen ihres Geschlechts

„Deutschlands erbärmlicher Rückstand bei der Gleichstellung“ wird von Marcel Fratzscher beklagt, doch auch hierbei überzeugt der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) nicht (siehe ‚Gabriel schustert Fratzscher Auftrag zu‘). Er meint beispielsweise: „Bei den Löhnen ist der Gender Pay Gap in Deutschland mit am höchsten in Europa. […] So erhalten verheiratete Frauen ein monatliches Einkommen, das bis zu 40 Prozent unter dem der Männer liegt.“ Selbst unbereinigt liegt der Gender Pay Gap in Deutschland „nur“ bei 21 Prozent, bereinigt um Effekte wie Qualifikation, Berufserfahrung und Tätigkeit sinkt er auf 2 bis 7 Prozent, wobei es auch noch weitere sachliche Differenzierungsgründe geben dürfte, die bei solchen allgemeinen statistischen Berechnungen nicht berücksichtigt werden.

Noch wichtiger ist die Tatsache, dass es überhaupt keine Lohneffekte allein wegen des Geschlechts gibt, sondern Mütter einen Preis für ihre Kinder zahlen müssen (siehe „The roots of the gender pay gap lie in childhood“):

From 1980 to 2013, the long-run child penalty was about 20%. Because the overall pay gap between men and women shrank during that period, by 2013 the child penalty accounted for almost the entire remaining difference in the sexes’ incomes. Before becoming mothers, women’s compensation more or less keeps pace with men’s. Only once they have children do their economic trajectories begin to lag.

Wenn überhaupt, würde das eine Mütter- und keine Frauenquote rechtfertigen. Besser wäre es, Mütter und Familien staatlich stärker zu entlasten sowie zu unterstützen (siehe ‚Müttern helfen statt Frauenquote‘). Doch Herr Fatzscher möchte lieber in die Familien hineinregieren, statt deren private Entscheidungen zu respektieren:

Die meisten Leserinnen und Leser denken jetzt vermutlich, diese fehlende Gleichstellung sei ein gesellschaftliches und wirtschaftliches Phänomen, beträfe aber auf keinen Fall die eigene Familie.
Und hier liegt vielleicht die schockierendste Botschaft: In mancher Hinsicht hat sich in puncto Gleichstellung innerhalb der Familien am wenigsten getan. Denn bei der Dimension Zeit – wer betreut die Kinder und andere Familienmitglieder, wer erledigt die Hausarbeit – ist die Gleichstellung nicht nur gering, sie ist seit 2005 sogar rückläufig! Das Kümmern besteht aus meist unentgeltlichen Tätigkeiten, die zwar eine hohe soziale Bedeutung haben, aber den Frauen kein Einkommen und damit verbunden keine Sicherheit geben. Nur jeder dritte Mann verbringt mehr als eine Stunde täglich mit Arbeit im Haushalt und in der Familie, dafür verbringen aber deutlich mehr Männer als Frauen Zeit beim Sport und mit Hobbys.

12 Gedanken zu „Mütter verdienen wegen ihrer Kinder weniger, nicht Frauen wegen ihres Geschlechts

  1. Als ich Kind war, haben nur sehr wenige Frauen gearbeitet. Mein Vater und viele andere Männer haben damals gesagt, dass ihre Frauen es nicht nötig haben, arbeiten zu gehen. Trotzdem haben wir in den 6oern und 70ern nicht schlecht gelebt, konnten jedes Jahr in Urlaub fahren und oft Sonntags auswärts essen gehen.

    Heute müssen viele Frauen zusätzlich zu ihren Männern arbeiten gehen, denn sonst würde es einfach nicht reichen. Hohe Mieten, teure Lebensmittel und gigantische Energiepreise zwingen viele Familien dazu, dass beide Partner arbeiten müssen und die Kinder in die Ganztagsbetreuung gezwungen oder zu „Schlüsselkinder“ werden. Ist das vielleicht sogar gewollt, dass man von Seiten des Staates immer mehr in die (Um-)Erziehung der Kinder eingreifen will, um in Merkels „DDR“-Sinne, den neuen sozialistischen Menschen zu schaffen…?!? 😦

    • In der DDR mussten die meisten Frauen arbeiten und wurden die Kinder mehr schlecht als recht vom Staat betreut, was heute oft verklärt wird. Es ist besser, wenn Frauen darüber selbst entscheiden dürfen und können.

  2. Der links-grün-sozialistische Einfluss in diesem Land ist unerträglich. Nicht wenige Männer würden der Familie zuliebe nur zu gerne weniger arbeiten. Anders als Frauen (Mütter) haben sie aber als Teilzeitkraft keinerlei Chance auf eine Beförderung.

    Nicht wenige Frauen wählen auch gerade aus Gründen der Vereinbarkeit der Familie den entgegen seines Rufes durchaus ordentlich bezahlten Öffentlichen Dienst und falls möglich noch das deutlich besser bezahlte (höhere) Beamtentum. Dass die Friseuse dem Maschinenführer beim Gehalt nicht folgen kann, ist hingegen keine Neuigkeit.

    Mal ganz davon abgesehen: Ist es nicht schön, dass sich die Frauen in diesem Land einen Restverstand bewahrt haben und trotz aller sozialen Zwänge der eigenen Familie, dem eigenen Nachwuchs, offensichtlich einen höheren Stellenwert einräumen als eine in Wahrheit hauptsächlich fremdbestimmte berufliche Karriere?

    Unsere Kinder, unsere Zukunft, werden/wird es uns danken.

    Mich ärgert bei diesem feministischen Quatsch, dem sich mittlerweile leider auch einige käufliche Ökonomen anschließen, vor allem eines: Dass die Bedürfnisse der Frauen nicht gehört werden und ihnen Dinge angedichtet werden, die sie in Wahrheit nicht selten unglücklich machen würden. Die Familie steht als Wert über allem und wenn ich im Handelsblatt lese, dass auch Manager (vermutlich primär nämlich) nicht nur mehr blind der Karriere folgen, sondern familiäre Wünsche mit in die Entscheidung einbeziehen, dann ist das ein Grund zur Freude.

    Wir haben heute längst keine Benachteiligung von Frauen mehr. Frauen können längst, zumindest in meiner Generation, aus dem Vollen schöpfen und haben dank Frauenquoten, die sich aufgrund von Boni auch positiv auf die Gehälter des höheren Managements auswirken, sogar deutlich bessere Karrierechancen. Nur ist Karriere eben nicht alles und viele Frauen wählen diesen Weg ganz bewusst. Ich wage zu behaupten, dass sie im Durchschnitt l nicht unglücklicher sind.

    In einem liberalen Staat hat jeder Mensch die Freiheit sein Leben in Eigenregie mit den eigenen Werten zu leben. Die Forderung nach „Gleichheit“ ist eine Forderung nach Diktatur. Gleichberechtigung hingegen kann durchaus ungleiche Ergebnisse hervorrufen. Freie Entscheidungen sind schließlich eher selten gleich verteilt.

    • @Peter Burger
      „Die Forderung nach „Gleichheit“ ist eine Forderung nach Diktatur.“

      Sehr treffend formuliert!

      • Ja, Gleichheit gibt es nur vor Gott! Vor Gericht sollte es sie auch im Sinne von Justicia geben, aber inzwischen gibt es ja in Deutschland schon Strafrabatt für Typen aus rückständigen Kulturen, wegen sozialem Blablabla und sogar wegen angeblicher „Haftempfindlichkeit.

        Ansonsten ist Gleichheit sozialistischer bullshit! Menschen sind nicht gleich und werden es auch niemals werden! Gerechtigkeit heißt „Jedem das Seine“ („suum cuique“ nach Thomas von Aquin) und eben nicht „Jedem das Gleiche“! Wer Ungleiche gleich behandelt, handelt also ungerecht! Aber das werden Sozialisten, und die gibt es heute leider sogar bis in die CDU, niemals verstehen…. 😦

      • „Jedem das Seine“ ist in jedem Fall richtig, auch wenn im Einzelfall umstritten ist, was das jeweils ist. Entsprechend ist Gleiches gleich und (in entscheidender Hinsicht) Ungleiches ungleich zu behandeln. Diese letzte Einsicht fehlt den meisten Linken.

  3. Ich legte einmal dar, daß es Fälle gibt, in denen ungleicher Lohn (allein wegen des Geschlechtes) bei gleicher Arbeit der feministischen Sache nützlich ist…

  4. Ich legte einmal dar, warum ungleiche Bezahlung bei absolut gleicher Leistung profeministisch sein kann… Generell gilt: Gleiche Bezahlung für gleiche Leistung zu fordern, ist oft höchst unsozial…
    Desweiteren gilt: Selbst eine berechtigte Forderung nach gleicher Bezahlung bei gleicher Leistung (Peter Burger und Sel 300 haben da recht) kann gegen freiheitlich-demokratische Grundsätze verstoßen….

    • Wenn wirklich alles gleich ist, spricht nichts gegen gleiche Bezahlung, die dann auch freiwillig gewährt würde. Tatsächlich sind meist relevante Faktoren ungleich, z. B. der Ort, die Qualifikation, die tatsächliche Leistung etc.

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