Inflation fällt und Zinsen werden nicht positiv

Die „Inflationsrate im Euro-Raum fällt deutlich unter EZB-Zielwert“ von knapp unter zwei Prozent, nämlich auf 1,6 Prozent im Dezember (im Vergleich zum Vorjahresmonat) nach 2,0 Prozent im November. Dadurch wird es unwahrscheinlicher, dass die EZB 2019 ihre Null- und Negativzinsen erhöht. Hauptgrund für den Inflationsrückgang sind die sinkenden Ölpreise, was für sich genommen wirtschaftlich gut ist für ölimportierende Staaten. Die Kerninflation ohne Energie und unverarbeitete Lebensmittel, die preislich stärker schwanken, liegt unverändert bei 1,1 Prozent. Das ist noch weiter vom selbstformulierten Inflationsziel der EZB entfernt, aber keineswegs deflationär. Außerdem könnten die jüngsten Lohnerhöhungen noch preiswirksam werden.

Auch in den USA wird es wohl vorerst keine weiteren Zinserhöhungen geben (siehe „Amerikanischer Notenbankchef lässt Märkte aufatmen“), allerdings sind die Leitzinsen mit 2,25 bis 2,5 Prozent bereits deutlich höher als in der Eurozone (die Inflationsrate lag im November bei 2,2 Prozent), was wiederum Spielräume beim nächsten konjunkturellen Abschwung ermöglicht. Das zeigt, dass die Probleme in der Eurozone einmal mehr größer, aber nicht exklusiv sind. Schließlich ist zu fragen, wie schlimm niedrige Zinsen wirklich sind, zumindest solange es durch sie zu keiner höheren Inflation kommt. Hohe Inflation würde ein Überhitzen der Wirtschaft anzeigen, doch offensichtlich gibt es in der ganzen Weltwirtschaft noch viel ungenutztes Potential. Die Politik sollte mehr tun, um es zu nutzen, z. B. durch mehr staatliche Investitionen, aber vor allem durch weniger Investitions- und sogar Konsumhemmnisse für private Unternehmen und Haushalte. Willkürliche Dieselfahrverbote kurbeln beispielsweise nicht den Neuwagenkauf an, sondern schrecken davon ab, wie auch Mietpreisbremsen nicht zum Bau zusätzlicher Mietwohnungen anreizen.

20 Gedanken zu „Inflation fällt und Zinsen werden nicht positiv

  1. Eine Abkehr von der Niedrigzinspolitik ist nicht nur wegen der weltweiten Verschuldung wenig wahrscheinlich. Hinter dem Crash der Apple Aktie (39,1% seit dem 3.Oktober 18) steckt mehr als nur der mögliche Untergang eines Dinosauriers. Die Chinesen werden im Handelskrieg zurück. schlagen Der Dollar wird wackeln und die Wall Street ebenso. Eine Rezession ist in Sichtweite. Dann wird die FED die Geldschleusen ganz weit öffnen. Venezuela lässt grüßen. Der Goldkurs wird vom Wert des US Dollars gesteuert. Der Goldbulle wird also bald losrennen. Das kann natürlich noch 1 oder auch 2 Jahre dauern und ist abhängig vom Verlauf des Handelkrieges. Sollte der abgesagt werden, kann es auch ganz anders kommen, was aber für mich persönlich unwahrscheinlich ist. Meine Prognose für 2019 :DAX und DOW short ; HUI und XAU (Goldminen) long.

    • Sein Absatzpeak fing bei Apple schon vor 3 Jahren an. Sie haben aber recht, China erwächst Apple zum Problem. Außer den I phones wachsen aber alle Geschäftsbereiche bei Apple durchschnittlich um 20%. Vergessen sie 5G nicht, mit der höheren Geschwindigkeit werden die 4G Geräte in den Schrott kommen. Es sind ja noch über 100 Mrd USD im Appelkorb.

      • Durch 5G ändert sich für Consumer überhaupt nichts. 5G bringt nur der Industrie höhere Übertragungsgeschwindigkeiten.

      • Herr Meister, es wird eine riesige upgrade Welle auf 5G kommen, von der Apple profitieren wird. Wer dann noch mit 4G rumläuft, wird sich schämen müssen. Mittlerweile hat auch mein handy keine ausziehbare Antenne mehr. Auch wird Apple pay bald dominant werden. Wer von den jungen Leuten läuft heute noch mit einer Kreditkarte rum?

      • Wer sich gezwungen sieht, auf Grund vermeintlichen sozialen Drucks immer mit dem neuesten iPhone durch die Gegend laufen zu müssen, ist sehr zu bedauern. Meine Tochter (18) ist davon zum Beispiel nicht infiziert.

        Ich glaube eher, dass Zeiten kommen werden, in denen es zumindest in einigermaßen gebildeten Kreisen als total asozial gelten wird, ständig in sein Tablet oder Smartphone zu glotzen.

  2. Mir wäre lieber gewesen, Herr Dilger hätte eine Rezession prognostiziert. Die Frage steht ja im Raum, ob 2019 noch schlechter wird und eine Rezession kommt. Unsere Ökonomen beantworten diese Frage mit einem NEIN. Hier gibt es aber ein Problem, Ökonomen haben Rezessionen praktisch noch nie korrekt vorausgesagt. Die Börse spricht aber eine andere Sprache. Der Absturz der vergangenen Wochen deutet darauf hin, dass der Anleger von einer Rezession ausgeht. Hier ist das Problem umgekehrt. Die Börsen sagen oft Rezessionen voraus,die dann aber doch nicht eintreten. Der Anleger hat es mehr als schwer, zu entscheiden. Möchte ich hoffen, dass Herr Dilger mit seinen Indexfonds alles richtig gemacht hat, das Argument der Langfristigkeit ist aber immer unschlagbar.
    Trump muss weg, dass ist erst mal der Schlüssel. Sein Strohfeuer erlischt,die Wachstumsraten dort sind schon auf dem Rückzug. Ob wir in einer Rezession angekommen sind werden wir in einigen Wochen wissen.

    • Der vergangene Freitag war allerdings wieder ein sehr guter Tag für die Bullen an der Börse. Und ja, ich kann auch gut und gerne auf einen weltweiten Handelskrieg verzichten. Vor allem fürchte ich, dass Europa bei dem Wettkampf USA/China auf der Strecke bleibt.

    • Es ist schwierig, eine Rezession genau vorherzusagen, beim einem Börsencrash ist es unmöglich (wenn es jemand könnte, käme der Crash sofort), wobei der Zusammenhang zwischen realwirtschaftlicher Entwicklung und Börsenkursen schwach ist.

  3. Nur dumm, dass der HVPI die wahre Inflation systematisch unterschätzt. Um diesen Effekt (fragwürdiger Warenkorb, hedonische Inflation etc.) bereinigt, ist die wahre Inflation höher und das reale Wachstum entsprechend kleiner. Der BIP-Deflator bietet im Vergleich zum HVPI ein realistischeres Bild der Inflation (stets etwas höher).

    Ich sehe an den weltweiten Börsen momentan allenfalls kurzfristige Erholungsmöglichkeiten. Mittel- und langfristig dürften die Kurse eher sinken, da sich die wirtschaftliche Situation spürbar verschlechtert. In Europa ist sie ohnehin stets schlecht gewesen, in Amerika läuft der Steuereffekt aus und in China sind die offiziellen Wachstumsraten (die sich seit Jahren angeblich nur im Nachkommabereich unterscheiden) ohnehin schwachsinnig. Die schwachen Verkaufszahlen von Apple, Daimler und Co. in China sind kein ausschließlich individuelles Phänomen.

    Chancen sehe ich hingegen weiterhin in Brasilien. Die Erholung der Märkte ist noch nicht sehr weit fortgeschritten und mit Bolsonaro hat Brasilien die Chance Korruption und Gewalt einzudämmen und endlich eine Abkehr vom Sozialismus einzuleiten.

  4. Die gegenwärtige Zinsproblematik wird immer wieder als Raub am Sparer dargestellt. Dies halte ich für falsch.
    Als es normale Sparzinsen um 3% und Anleihezinsen um 5-6% gab, war die Inflationsrate mit 5-8% wesentlich höher. Sofern der damalige (allerdings höhere) Steuerfreibetrag überschritten wurde, musste die Hälfte des Nominalzinses an das Finanzamt abgeführt werden. So dass die reale Nettorendite auch früher deutlich negativ war. Das Gerede vom Zinsraub ist daher Unsinn.

    Die Dummheit von Trump war die Ablösung von Janet Yellen, die gerne FED-Cefin geblieben wäre. Die Erklärungen von Powell hinsichtlich aggressiver Zinserhöhungen waren in der konsumempfindlichen amerikanischen Wirtschaft allerdings töricht. Die Erklärung Trumps, sich in die Geldpolitik einmischen zu wollen, hat wiederum die Börse verängstigt.
    Was im kommenden Jahr an den Börsen auf uns zukommt, wer weiß? Ich empfehle allenfalls Stillhalten, ggf. Bevorzugung amerikanischer Werte.

    • Es ist richtig, dass negative Realzinsen nicht neu sind. Die Stabilität leicht negativer Realzinsen über Jahre hinweg ist hingegen sehr wohl bemerkenswert. Es gab aber auch andere Zeiten. Die 90er-Jahre waren etwa ein Paradies für Sparer. Für mich ist das immer noch ein recht unerforschtes Gebiet und bei Gelegenheit werde ich mich in meiner freien Zeit mal den Ursachen genauer annehmen.

      Auch wenn ich ein Fan von Trump bin: Der Zinsanstieg ist richtig. Die Zeiten, in denen die Notenbanken den Markt abgeschafft und stattdessen den Sozialismus eingefügt eingeführt haben, müssen endlich vorbei sein. Nur ein marktgetriebener Preismechanismus wird auch langfristig Wohlstand garantieren.

      • Neu ist vor allem, dass die Nominalzinsen null oder sogar negativ sind. Das wirft zusätzliche Problem auf und kann eigentlich dauerhaft gar nicht gutgehen.

  5. Das große Problem sind doch primär nicht die niedrigen Leitzinsen, sondern die nach wie vor immensen Anleihenkäufe der EZB, die jegliches Risikobewusstsein am Markt ausschalten. Es gibt überhaupt keine adäquate Bepreisung von Risiko mehr, Investoren nehmen alles, was auch nur den Hauch einer Rendite verspricht. Die sich daraus ergebende massive Fehlallokation von Kapital werden wir noch bitter bereuen. Es sind die niedrigen langfristigen Zinsen, die massive Schäden verursachen. Der Run in illiquide und intransparente Anlagen ist eine Katastrophe für die Finanzstabilität. Die Investoren wissen längst nicht mehr, was sie da in ihren Büchern haben.

    • Wenn dumme Anleger selbst für ihre Fehler einstehen müssen, finde ich das nicht so schlimm. Allerdings beginnt bereits die nächste Welle der Bankenrettungen etc. auf Kosten der Steuerzahler und vernünftigeren Sparer.

  6. „….z. B. durch mehr staatliche Investitionen….“
    Wie kann ein Wirtschaftswissenschaftler, der sich selbst als „liberal“ bezeichnet, in Zeiten guter Konjunktur und theoretischer Vollbeschäftigung, nach mehr staatlichen Investitionen rufen…???

    • Die Merkel-Regierung desinvestiert und die öffentliche Infrastruktur wird immer maroder. Da wären bei Null- und Negativzinsen zumindest Ersatzinvestitionen durchaus angebracht.

      P. S.: Man könnte die Aufträge z. B. nach Südeuropa vergeben, so dort die Wirtschaft ankurbeln und den exorbitanten deutschen Leistungsbilanzüberschuss etwas reduzieren.

      • Der deutsche Staat investiert schon genug. ABER an der falschen Stelle! Alles Geld, das für die angeblichen „Flüchtlinge“ ausgegeben wird, ist zum Fenster hinaus geschmissen! Dieses Geld würde in der Tat in der Infrastruktur und auch in der Bildung dringend gebraucht. Und über die EU geben wir schon viel zu viel Geld für den Club Med! „Leistungsbilanzüberschuss“ heißt doch einfach übersetzt, dass wir fleißiger sind, zumindest effizienter und damit produktiver. Aber so etwas „nationalistisches“ darf man ja in Merkel-Deutschland nicht mehr sagen… 😦

      • Unser Staat investiert kaum noch, sondern steckt das meiste Geld in den Konsum. Dazu gehört auch die nicht nachhaltige Alimentierung von Ausländern.

        Der Leistungsbilanzüberschuss hat wenig mit Effizienz und Produktivität zu tun. Die Exporte liegen weit über den Importen, was dauerhaft nicht sinnvoll ist, insbesondere wenn der Überschuss nicht seinerseits gut investiert wird.

    • Da wo der Staat bzw. die Länder zuständig sind, müssen sie selbstverständlich investieren. Ich denke dabei in erster Linie an Straßen und Schulen. Aber gerade auf diesen Gebieten hapert es gewaltig.

      Nicht zuständig ist der Staat hingegen für die Versorgung afrikanischer Touristen ohne Visum und Papiere sowie für die Rettung von Banken und Grioßkonzernen.

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