Deutsche Illusionen zum Klimaschutz

„Bereit, sich zu ändern“. „Eine aktuelle Umfrage zeigt, wie die Deutschen zu Klimawandel und Klimaschutz stehen.“ Aus meiner Sicht zeigen die Umfrageergebnisse vor allem, wie stark die Massenmedien, über Zwangsbeiträge finanziert oder auch nicht, vielen Menschen falsche Vorstellungen einpflanzen. Man kann verschiedene Ziele und Präferenzen haben, aber es gibt auch simple Fakten, die durch moralische Fehlschlüsse verdrängt werden.

„‚Mehr als zwei Drittel der Menschen betrachten den Klimawandel für sich persönlich als wichtiges oder sehr wichtiges Problem'“. Wenn mit persönlich wichtigem Problem gemeint ist, dass die Antwortenden tatsächlich direkt stark betroffen sein werden, dann irren sich die meisten. Dafür ist der Klimawandel dann doch zu langsam und zumindest für Deutschland nicht hinreichend bedrohlich.

„Sahen im Jahr 2015 noch 15 Prozent der Befragten im Klimawandel eines der zwei ‚wichtigsten Probleme für Deutschland‘, hat sich dieser Wert 2018 auf 30 Prozent verdoppelt.“ Das geht auch völlig an der Realität vorbei bzw. zeigt, wie gut es vielen Deutschen geht, wenn sie keine anderen Probleme haben.

„Etwa 40 Prozent der Menschen sehen im Klimaschutz einen wichtigen Faktor für ihre Wahlentscheidung“. Das könnte den Höhenflug der Grünen erklären und auch Annäherungen von Frau Merkel an deren absurde Positionen. Denn selbst wenn viele Wähler irrational entscheiden, ist das machtpolitisch relevant.

„So wünsche sich jeder zweite Befragte, dass Deutschland eine Vorreiterrolle beim Klimaschutz einnehme. ‚Wir sehen aber, dass die Bundesregierung das nicht tut.'“ Das Zitat vom Studienleiter Michael Brüggemann ist faktisch falsch. Vielleicht erhofft er sich von der Bundesregierung noch mehr grüne Politik, doch im internationalen Vergleich ist Deutschland da objektiv weit vorgeprescht. Leider dient es damit eher als abschreckendes Beispiel.

„Gleichzeitig sinkt das Zutrauen in den Erfolg eines internationalen Klimaabkommens. 2015 glaubte jeder vierte Befragte daran, heute nur noch jeder fünfte.“ Das hängt davon ab, was man unter Erfolg eines solchen Abkommens versteht. Nennenswerten Einfluss auf das Weltklima wird es jedenfalls nicht haben, Deutschland aber erst recht nicht.

„Gleichzeitig sinkt das Zutrauen in den Erfolg eines internationalen Klimaabkommens. 2015 glaubte jeder vierte Befragte daran, heute nur noch jeder fünfte. Und die Zuversicht, das Zwei-Grad-Ziel sei noch erreichbar, nahm sogar stärker ab: 2015 stimmten dem 45 Prozent eher oder voll zu, heute sind es fast zehn Prozentpunkte weniger.“ Wie stark sich die globale Durchschnittstemperatur verändern wird, wissen wir nicht. Aber dass ein solches Abkommen daran wenig ändert, ist offensichtlich.

„Nun gehört zu dem Bild, das ‚Down to Earth‘ zeichnet, aber auch der Befund, dass viele Menschen durchaus etwas tun möchten. Beinahe jeder Zweite äußerte nämlich die Absicht, in Zukunft beim Kauf von Lebensmitteln und in seiner persönlichen Mobilität das Klima schonen zu wollen. Mehr als ein Drittel gab an, bereits heute entsprechend zu handeln (37 Prozent beim Einkauf, 45 Prozent im Verkehr).“ Das ist moralische Symbolpolitik, die auf das Weltklima objektiv gar keinen Einfluss hat. Individuell sind unsere Emissionen ohnehin zu gering, aber auch alle Deutschen zusammen sind nicht bedeutend genug, zumal jede Ersparnis hier dann anderswo in der EU ausgeglichen wird.

„Jenseits des Kaufverhaltens will sich jeder Dritte künftig niedrigschwellig engagieren, etwa durch die Teilnahme an Online-Petitionen. Immerhin jeder Fünfte erwägt auch ein aktives Engagement, zum Beispiel in einer Partei oder einer Nichtregierungsorganisation. ‚Die Leute‘, so interpretiert dies Michael Brüggemann, ‚glauben viel stärker daran, dass sie selbst etwas bewirken können, als dass die internationale Klimapolitik etwas ausrichten kann.'“ Das ist eine reine Illusion, die von unseren Massenmedien und Politikern geschürt wird, aber letztlich völlig unpolitisch ist und zur Problemlösung nichts beiträgt. Individuelles Verhalten ist oft wichtig, aber ausgerechnet bei einem globalen Kollektivgut wie „Klimaschutz“ völlig irrelevant.

11 Gedanken zu „Deutsche Illusionen zum Klimaschutz

  1. Viel wichtiger wäre es, etwas gegen die Hotspots der Umweltverschmutzung zu unternehmnen. Insbesondere gegen den vielen Plastikmüll. Aber so weit denken die selbst ernannten Klimaschützer nicht, was nur zeigt, dass wir es hier durch und durch mit Blendern und Vollpfosten zu tun haben.

      • Ich bin nicht der Ansicht, das es so wahnsinnig viel „nützliches“ Plastik gibt. Sicher wären viele technische oder auch Konsumartikel auf Grund der gestiegenen Lohnkosten heute ohne Plastik nicht mehr zu ihrem Billigpreis erhältlich. Aber brauchen wir diese Sachen überhaupt in so großer Zahl? Verbessern sie wirklich unser Leben?

      • Wir brauchen sie nicht unbedingt, aber sie richten hierzulande auch keinen großen Schaden an. Richtig wäre eine angemessene Besteuerung und ggf. Regulierung, kein Totalverbot.

      • Das würde sich durch Einfuhrzölle und SINNVOLLE Umweltsteuern (damit meine ich nicht die Enteignung von beispielsweise Dieselfahrern) durchaus regeln lassen. Allerdings ist das im Gagaland Deutschland, wo jeder Schwachmat ein ihm völlig fachfremdes Ministerium leiten darf, nicht zu erwarten.

  2. Kurz gesagt: Einer der vielen Flops von Merkel & Co. Erschreckend daran ist, daß selbst einfachste Tatsachen überhaupt nicht zur Kenntnis genommen werden. Das mediale Klima-Trommelfeuer (und entsprechend bei anderen Themen) zeigt Wirkung. Die Denkbereitschaft einer erschreckend großen Zahl von Bürgern dieses Landes und deren Fähigkeit, einfachste Fakten zu verknüpfen, vermindert sich offensichtlich permanent. Das ist mehr als erschreckend, aber gewünscht – noch erschreckender.

    Merkel & Co. stellen sich immer mehr als die denkbar größte und in dieser Form noch nie dagewesene Katastrophe für Deutschland dar. Eine schleichende Katastrophe, aber nachhaltig – bis hin zur realistischen Befürchtung, daß dieses Land komplett verschwinden wird.

  3. Aufgrund der tatsächlich schrecklichen und einmaligen Geschehnisse im Dritten Reich leiden viele Deutsche an einem kollektiven Versündigungswahn. Der Verlust des Jenseitsglaubens führt zu einer Säkularisierung dieser Schuldgefühle, die besonders stark werden, wenn es uns scheinbar oder tatsächlich wirtschaftlich gut geht.
    Es folgt eine Flucht in objektiv sinnlose, irrationale Umweltschutzmaßnahmen. Ihr Kollege Prof. Sinn hat dies beispielhaft nachgewiesen.
    Da es sich hier um einen quasi-religiösen Wahn handelt mit objektivem Kern, ist eine rationale Auseinandersetzung längst nicht ausreichend. Hier muss auf den irrationalen glaubensmäßigen Kern eingegangen werden. Dies ähnelt der Bekämpfung des IS oder der Taliban.

    Fernpsychiatrisierung ist im Prinzip falsch und eher ein Mittel der radikalen Linken. Das Führungspersonal der Grünen ist aber mehr als auffällig. So hat Herr Kretschmann als 27-Jähriger Pol Pot und Idi Amin als „vorbildliche Herrscher“ bezeichnet, ein Befund, der eine Vorstellung beim Psychiater begründet. Desgleichen Ska Keller, die ihren Vornamen von Franziska auf Ska änderte, weil ihr Franziska von Almsick als Vertreterin des Kapitalismus missfiel.
    Die fehlende Mimik des Herr Giegold oberhalb der Oberlippe, kann man auch als Symptom werten; es tritt beispielsweise bei Einnahme von Antipsychotika auf.
    Wir müssen die Gegenstrategie für Grün-Links noch sehr genau bedenken: Reine rationale Diskussion wird hier mit Sicherheit nicht ausreichen.

  4. Ein paar Fakten zur kürzlich in Kattowitz (heute Polen) veranstalteten UNO-Klimakonferenz:

    Bei den ärmeren Ländern zahlt die UNO die Kosten für die Teilnahme. Der Mindestaufenthalt in Kattowitz beträgt 12 Tage. Wie hoch ist das übliche UNO-Tagegeld? Laut ICSC-Webseite erhält man in Polen pro Tag außerhalb Warschaus 194 US$. Bei einem Aufenthalt von 12 Tagen sind das 2.328 US$ pro Person. Da kann man kostenlos Urlaub machen. Oder vielleicht noch ein par Dollar übrigbehalten.

    Eine riesige Sorge um das Weltklima hat Guinea, das mit der größten Delegation von 406 Personen angereist ist, gefolgt von den Klimabesorgten aus der Demokratischen Republik Kongo mit 237 Personen. Deutschland – das die Reisekosten sicher selbst tragen muß – kommt „nur“ mit 153 Personen, alle sicher super wichtig und unverzichtbar.

    Insgesamt haben wohl um die 22.000 Teilnehmer bei der Konferenz die Luft beim An- und Abflug verpestet. Die nächste Klimakonferenz ist schon geplant und findet in Chile statt…

  5. Wenn wir die Grenzwerte des Klimas nicht dramatisieren würden, müssten wir neue erfinden, immer wieder. Heute wird jeder Staubpartikel messbar und man kann ihn bis zum Kern analysieren und Schlüsse ziehen. Das ging früher nicht. Ist in den letzten Millionen Jahren nichts geschehen oder haben wir noch Millionen Jahre Zeit? Klimawandel hat es immer schon gegeben, und viele haben damit monetär gut verdient. Ich persönlich finde die Klimaszenarien richtig, sie halten uns irgendwie am Leben und damit auch unsere Wichtigkeit.

  6. Prof. Dilger unterstellt offenbar kollegialiter die Wissenschaftlichkeit der Umfrage. Dabei wäre zunächst zu prüfen,ob die Umfrage tatsächlich einen quotengerechten Querschnitt der deutschen bzw. fiktiv deutschen Bevölkerung repräsentiert. Oder sollte hier der saturierte Mittelstand des öffentlichen Dienstes in Verbindung mit vielleicht derm geisteswissenschaftlichen akademischen Nachwuchs tonangebend gewesen sein? Und welcher Grad der objektiven Fragestellung ist hier gegeben? Wenn ich nichts Besseres zu tun hätte, würde ich mir die Umfrage mal „zur Brust nehmen“, aber es gibt für mich wirklich Lohnenderes.

    • Es handelte sich erklärtermaßen um eine repräsentative Umfrage. Wie repräsentativ sie tatsächlich war, entzieht sich meiner Kenntnis. Hinzu kann Framing kommen, also dass die Formulierung der Frage bereits bestimmte Antworten impliziert, die bei etwas anderer Formulierung ganz anders ausgefallen wären.

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