Klumpenrisiko

Zum Klumpenrisiko wollte ich schon länger etwas schreiben (siehe hier). Es ist für das Überleben der Menschheit relevant, aber auch für unser Finanzsystem und die eigene Finanzplanung. Der Standardrat ist, dass man diversifizieren soll. Das bedeutet, nicht alle Eier in einen Korb zu legen, damit nicht alle zugleich kaputtgehen. Alternativ könnte man jedoch auch bewusst alle Eier in einen Korb legen, auf den man dann ganz besonders gut aufpasst.

Gerade wenn jeder einzelne Wirtschaftsakteur seine Risiken diversifizieren und außerdem effizient handeln will, steigen die systemischen Risiken an. Die verschiedenen Märkte der Welt sind sowohl geographisch als auch nach Anlageklassen immer stärker korreliert. Rein theoretisch sollten sogar alle dasselbe Marktportfolio halten, nur in verschiedenem Ausmaß. Dadurch wird das individuelle Risiko am kleinsten, doch wenn etwas passiert, trifft es alle gleichermaßen. Das gilt auch für die Risiken von realen Schreckensereignissen wie Hungersnöten, Seuchen oder Kriegen. Durch die Globalisierung sind sie seltener geworden und sie können bei lokalem Auftreten auch schneller eingedämmt oder ganz verhindert werden. Dafür steigt die Gefahr, dass sie die ganze Welt umspannen.

Monokulturen sind effizienter, aber auch riskanter. Ebenso bringt die Arbeitsteilung große Produktivitätsgewinne, aber auch Risiken mit sich. Interessanterweise hat die biologische Evolution deshalb mehr Diversität und Verfahren zu deren systematischer Erzeugung wie Sexualität hervorgebracht. Die Marktwirtschaft kommt dem näher als eine staatliche Planwirtschaft, aber die systemischen, alle gleichermaßen treffenden Risiken sind trotzdem gestiegen.

Um das Überleben der Menschheit und vor allem auch unserer Zivilisation zu sichern, sollten wir erstens auf unsere Klumpenrisiken besser achten. Der Staat soll sich nicht um alles kümmern, aber durchaus um Systemrisiken. Diese und ihre Auswirkungen im Schadensfall sind zu reduzieren und nicht noch durch schlechte Politik zu steigern (wie etwa durch den Euro im Finanzsystem). Zweitens wäre es durchaus sinnvoll, abgeschottete Bereiche zu erhalten oder sogar künstlich zu schaffen. In diesen ist dadurch das Risiko übrigens höher, wobei im Ernstfall die Abschottung aufgehoben werden könnte. Die Überlebenswahrscheinlichkeit der ganzen Menschheit steigt jedoch, wenn nicht jeder Ort und Mensch stets von jedem anderen aus erreichbar ist.

Die Abschottung wäre am größten und das Klumpenrisiko am kleinsten, wenn Menschen fremde Planetensysteme besiedeln würden. Andere Planeten in unserem Sonnensystem wären auch weit weg, wobei Kolonien dort wohl für Jahrhunderte oder sogar dauerhaft nicht autark wären. Deshalb ist es lohnenswert, viel billiger und auch sofort umsetzbar, auf der Erde einige abgeschottete Gemeinschaften zu haben, die vor allem den physischen Kontakt zu den übrigen Menschen meiden. Vielleicht gibt es sie schon als Geheimprojekte, da Geheimhaltung z. B. beim Dritten Weltkrieg die Überlebenschancen steigern dürfte. Nur mit Männern besetzte Militärstützpunkte oder U-Booten nützen da allerdings wenig, sondern es kommt auf autarke, für sich allein überlebensfähige Gemeinschaften an.

16 Gedanken zu „Klumpenrisiko

  1. Das individuelle wirtschaftliche Klumpenrisiko: Die Streuung von Rücklagen ist nicht für Jeden gleich. Bei mir waren früher meine Praxis und jetzt meine Facharztkenntnisse mein Hauptasset, aus denen ich immer noch nennenswerte Einnahmen generiere.
    Im Sinne der Risikostreuung ist es für mich daher zweckmäßig, nicht schwerpunktmäßig in Aktien des Gesundheitswesens zu investieren. Da meine Rente und meine Hauptwohnimmobilie in Deutschland liegen, muss ich die freien Mittel außerhalb Deutschlands und des Euroraums investieren, um Risiken zu minimieren. Je nach Branche und Vermögensgröße und -struktur (Familienunternehmen!) muss die Aufteilung unterschiedlich sein.

    Für die Menschheit als Ganzes ist das Hauptrisiko der nächsten hundert Jahre ein thermonuklearer Krieg. Die Menschheit hat aber selbst das Risiko gestreut. Die steinzeitlichen Stämme im indischen Ozean und im Amazonasurwald wären mit ihrer Lebensweise vom Zusammenbruch der Wertschöpfungsketten nicht betroffen, würden auch keinen Volltreffer abkriegen.
    Der Keim für eine neue technisch-naturwissenschaftliche Zivilisation wären wohl die erhaltenen Atom-U-boote. Ihre Reaktoren würden für70-80 Jahre noch elektrische Energie liefern. Die Radioaktivität wäre auch nicht so apokalyptisch wie oft dargestellt. In den 50er und 60er Jahren wurden etwa 1000 Atomwaffen zu Testzwecken in der Atmosphäre gezündet, ohne dass nachteilige Wirkungen auf breiter Front bekannt wären. Die Menschheit als Ganzes würde auf steinzeitlicher Stufe den Atomkrieg überstehen.

    Kosmisch gesehen sind die Risiken ein Asteoridenzusammenstoß oder ein Gammablitz. Für beides haben wir zur Zeit kein Gegenmittel. Die Etablierung autarker Basen im Sonnensystem ist noch science fiction. Technologien, z.B. für die Terraformung des Mars sind denkbar. Es fehlt aber an Willen und Mittel, dies voranzutreiben.

    • Tatsächlich haben die meisten Arbeitnehmer und auch Selbständigen das größte Klumpenrisiko in ihrer Beschäftigung. Als Ausgleich dagegen sollte man sein Kapital tatsächlich vor allem im Ausland und in anderen Branchen investieren, während Aktien des eigenen Unternehmens unter dem Gesichtspunkt der Risikodiversifikation besonders schlecht sind (als Anreiz allerdings nicht zuletzt deshalb besonders stark).

      Die Menschheit dürfte einen Atomkrieg überleben. Wenn Teile der Zivilisation bestehen bleiben, könnten sie sich auch schnell wieder über die ganze Welt verbreiten. Trotzdem ist es viel besser, den Weltfrieden zu bewahren. Der Trend geht leider auch da in die falsche Richtung. Wir brauchen keinen europäischen oder gar globalen Superstaat, aber durchaus internationale Zusammenarbeit und Staatenbünde. Es ist ein schwerer Fehler, dass US-Präsident Trump diese vernachlässigt oder sogar aktiv zerstört.

      • Ich denke, dass die USA ihre Rolle als Hegemon mittelfristig so oder so an China oder Indien verlieren werden. Das kann weder Donald Trump aufhalten, noch könnte es ein anderer US-Präsident. Das US-amerikanische Jahrhundert ist vorbei.

      • Nein, weder China noch Indien wollen Weltpolizist spielen, sondern in ihrem regionalen Umfeld die uneingeschränkte Großmacht sein (dummerweise überlappen sich diese Umfelder). Vielleicht ziehen sich die USA auch auf diese Rolle zurück, wodurch die Lage der Welt vergleichbar würde mit der Europas vor dem Ersten Weltkrieg (hoffentlich nicht kurz, sondern lange davor).

      • Heutzutage muss die Vormacht nicht mehr nur zwingend militärisch ausgespielt werden. Gerade China erschließt sich doch als neue wirtschaftliche Kolonialmacht ein Rohstoffland nach dem anderen. Das geschieht aber nicht mit militärischen Mitteln.

      • Mittelfristig müsste es jedoch militärisch abgesichert werden, da sonst die Länder China einfach wieder rauswerfen könnten.

      • So lange China die korrupten Despoten dieser Länder genügend bei Laune hält, wird das nicht passieren.

      • Das bezahlen die Rohstoffplünderer doch aus der Portokasse. So geht moderner Kolonialismus.

  2. Da biete ich die Bewohnbarkeit des Mars an. Man müsste einen Wasserkreislauf schaffen,wo das Wasser verdampft und wieder nutzbar wird. Dazu muss man eine Atmosphäre schaffen, für die man weniger als 100 Jahre brauchen würde, um das Kohlendioxyd in Sauerstoff umzuwandeln. Geklärt werden müsste das fehlende Magnetfeld,welches wir brauchen würden, um dort länger zu leben.

    • Zur Terraformung des Mars: Er hat nicht nur den höchsten Berg des Sonnensystems, (Olympus mons, 30.000 m), sondern auch die tiefsten Schluchten bis 6000 m, wesentlich mehr als der Grand Canyon. Auf dem Boden dieser Schluchten herrscht ein Luftdruck von 5-10% der Erdoberfläche. Dies entspricht etwa dem Gipfel des Everest. Natürlich fehlt hier noch jeder Sauerstoff.

      In den Anden gibt es Kakteen, die bei Marstemperaturen knapp überleben könnten. Man müsste evt. die Böden etwas anheizen und in der Tiefe der Schlucht Kunstlicht verwenden. Dazu wäre natürlich Kernenergie erforderlich, kein großes Problem auf dem unbewohnten Mars.
      So wäre es möglich, nach etwa 100 Jahren so viel Luft und Sauerrstoff freizusetzen, dass Menschen zumindest auf dem Grund der Schluchten ohne Raumanzüge mit Sauerstoffmasken sich im Freien bewegen könnten. Eine Terraformung des Gesamtplaneten würde 400 Jahre dauern. Man bedenke, dass auf der Erde 3/4 der Fläche wegen Ozeanen, Polkappen und Wüsten auf Dauer nicht besiedelbar sind und die besiedelbare Fläche des Mars wesentlich größer ist.

      Hinsichtlich der Bevölkerungszahl haben wir etwa 30.000 Berufsbilder. Wegen der Dreifachredundanz würde eine autarke Kolonie etwa 100.000 Menschen benötigen. Die wichtigste Falle und das größte Problem auf der Erde ist die Übervölkerung (Mutter der Migration!) Die wäre auf dem Mars auf Jahrhunderte hin kein Thema, im Gegenteil.

      • Also ab mit Merkels ungeladenen Gästen auf den Mars zum freiwilligen Assimilationsprogramm (als Alternative zur Ausweisung). Am besten fliegen die alternativlose Kanzlerin (immerhin soll sie ja promovierte Physikerin sein) und AKK gleich mit. Die schaffen das! 😂

      • Ich denke, dass Terraforming auf dem Mars oder auch der Venus grundsätzlich möglich sind, aber eher noch länger dauern und sehr teuer sind. Gegen die Überbevölkerung auf der Erde hilft das auch nicht. Rein energetisch isst ein Mensch in seinem ganzen Leben weniger, als ein solcher Weltraumflug verbraucht. Das Überlebensrisiko der ganzen Menschheit ließe sich dadurch jedoch langfristig senken.

  3. Im Gegensatz zum Mars gibt es für eine Terraformung der Venus keine off-the-shelf-Technologien. Man diskutiert wegen der extrem hohen Oberflächentemperaturen um 470° die Injektion von CO2-reduzierenden Bakterien in hochliegende Wolken, um den Greenhouseeffekt zu reduzieren.
    Beim Mars ist das Problem umgekehrt; hier will man durch eine Freisetzung von CO2 den Greenhouseeffekt auslösen und dann erst durch pflanzliche Organismen den Sauerstoffgehalt in den tiefen Schluchten erhöhen.
    Beide wären Versuchsfelder für ein Fach Planetary Engineering, das man für extrasolare erdähnliche Planeten brauchen wird. Natürlich ist die Anfangsinvestition exorbitant. Dafür kann man viel Sozialhilfe kaufen.

    Als Wirtschaftswissenschaftler bedenke man den Wert eines neuen jungfräulichen Planeten für die Menschheit sowie die Tatsache, dass unsere Vorfahren im Mittelalter mit Lebenserwartungen um die 30 Jahre Kathedralen geplant haben, die erst nach Jahrhunderten fertig wurden.
    Das Beispiel der USA zeigt, in welch vergleichbar kurzen Zeit eine Weltmacht entstehen kann. Die moderne Menschheit ist recht mut- und phantasielos im Vergleich zu ihren wissenschaftlich-technologischen Möglichkeiten.

    • Vor 50 Jahren war die Aufbruchstimmung noch größer und sind Menschen zum Mond geflogen. Rein technisch ginge das heute leichter und wäre inzwischen auch eine Marsexpedition möglich. Doch zumindest die westlichen Länder scheuen den großen Aufwand (vielleicht machen die Chinesen das demnächst und berichten erst hinterher, wenn ihre Raumfahrer überlebt haben). Ich bin unsicher, ob das jetzt vernünftiger ist oder nicht, denn rein wissenschaftlich und auch wirtschaftlich bringt unbemannte Raumfahrt mehr, weil wir Menschen so fragil sind und der Weltraum sehr lebensfeindlich ist.

  4. Pingback: Insekten sterben nicht aus | Alexander Dilger

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