Steuerbescheid auch ohne Einnahmenüberschussrechnung

Gestern kam unser Steuerbescheid für 2017. Wir bekommen einen höheren vierstelligen Betrag vom Finanzamt zurück. Der ‚Zwang zur elektronischen Einnahmenüberschussrechnung‘ wurde nicht durchgesetzt. Dazu findet sich nur Folgendes in den „Erläuterungen“:

Nach § 60 Absatz 4 der Einkommensteuer-Durchführungsverordnung (EDSTDV) ist in den Fällen der Gewinnermittlung durch Einnahm[en]überschussrechnung nach § 4 Absatz 3 des Einkommensteuergesetzes (ESTG) ab dem Veranlagungszeitraum 2005 eine Gewinnermittlung nach amtlichem Vordruck (Anlage EÜR) abzugeben. Ihrer Verpflichtung zur Abgabe der Anlage EÜR sind Sie bisher nicht nachgekommen. Bitte reichen Sie ab 2018 eine Gewinnermittlung nach dem amtlich vorgeschriebenen Vordruck elektronisch ein.

Die Verpflichtung bestand bis zum letzten Jahr nicht, weil meine sonstigen Einkünfte dafür zu niedrig waren, weshalb das auch noch nie angemahnt wurde. Verwaltungsintern wurden die Vorschriften nun verschärft, doch fernmündlich war mir die Pflicht diesmal erlassen worden. Nächstes Jahr werde ich wohl nicht drum herumkommen, für vielleicht nur noch eine einzige ohnehin angegebene Position den zusätzlichen Bürokratieaufwand zu treiben. Immerhin habe ich inzwischen das Passwort bzw. die Passwörter zur elektronischen Einreichung erhalten.

15 Gedanken zu „Steuerbescheid auch ohne Einnahmenüberschussrechnung

  1. Haben Sie einmal überlegt, eine GmbH zu gründen, ggf. eine „Ein-Euro-GmbH“ und damit das Finanzamt ganz legal auszutricksen? Wenn Sie das als Beamter nicht dürfen, könnte auch Ihre Frau oder ein guter Bekannter das übernehmen. Dem Finanzamt sollte man nichts schenken!

    • Dafür habe ich nicht genug Nebeneinkünfte, da mir Zeit oder auch Hobbys wie Politik und dieser Blog wichtiger sind. Dementsprechend geht es mir um weniger bürokratische Gängelung, nicht die Reduzierung meiner finanziellen Steuerlast. Wahrscheinlich könnte ich schon jetzt mehr absetzen und versuche das beim nächsten Mal, wenn ich zu der Einnahmenüberschussrechnung gezwungen werde.

    • Die jährlichen Kosten für den bloßen Betrieb einer noch so kleinen GmbH (z.B. Steuerberaterkosten wegen Bilanzierungspflicht, noch mehr abzugebende Steuererklärungen, IHK-Zwangsbeitrag usw.) liegen auf jeden Fall mindestens im unteren vierstelligen Bereich. Das lohnt sich also wegen ein paar Euro Nebeneinkünften nicht.

      • Richtig, zumal ich Ausgaben auch so absetzen könnte und das vermutlich zukünftig auch tun werde. Die Finanzverwaltung will offensichtlich lieber mehr Bürokratie als Geld.

      • Alle Behörden wollen mehr Bürokratie. Das liegt in der Natur der Sache und gehört zu ihrem Selbsterhaltungstrieb. Außerdem wollen sich auch Behördenhäuptlinge mit möglichst vielen Indianern schmücken. Ein gravierender Systemfehler des Monsters „Staat“.

  2. Man wird also gezwungen einen Computer mit Internetanschluß zu haben, oder einen Steuerberater zu konsultieren.

    • So ist es. Allerdings ist nicht gewährleistet, dass Sie Ihren Computer und Ihren Internetanschluss deshalb auch steuerlich geltend machen dürfen. Selbst dann nicht, wenn Sie sich beides nur wegen Ihrer Steuererklärung angeschafft haben. Absurdistan lässt grüßen!

    • Ich verstehe Ihre Problemlage nicht.
      Die elektronische und papierlose Abwicklung von Verwaltungsvorgängen dürfte in allgemeinem Interesse sein.
      Dazu gehören rechtsverbindliche Unterschriften. Bei Privatpersonen ist noch die papiergebundene, mit händischer Unterschrift versehene ESt- Erklärung statthaft. Diese Regelung wurde für Personen mit Nebeneinkünften aufgehoben; ein Formular EÜ ist auch für Nebeneinkünfte vorgeschrieben. Man geht davon aus, dass Nebeneinkünfte in der Regel mit Kosten verbunden sind, die diesen Einkünften nachprüfbar zuzuordnen sind. Nur weil ein Teil der Steuerpflichtigen solche Kosten nicht geltend macht (oder aber fälschlich bei Werbungskosten oder a.o. Belastungen unterbringt), muss man keinen gesonderten Ablauf schaffen. Hat man einmal mit Elster-Formular dieses EÜ-Formular ausgefüllt, wird es im nächsten Jahr automatisch geladen; man setzt dann eben – sofern Kosten nicht geltend gemacht werden- dort einen einzigen Wert ein. Wie ich an anderer Stelle schon dargelegt habe, kann die Finanzverwaltung in begründeten Fällen auch von der zertifizierten elektronischen Einreichung der ESt+EÜ-Erklärung absehen. Das muss man beantragen und begründen. Ich hatte als bilanzierender Freiberufler schon vor etlichen Jahren eine Befreiung von der elektronischen Einreichung der Bilanz erwirkt (wobei ich die ESt-Erklärung aber zertifiziert elektronisch einreiche).

      • Es ist einfach unangemessen, für ein oder zwei Positionen mehrere zusätzliche Formulare, separate Tabellen und ein aufwendiges Einreichverfahren zu fordern unter Fingierung eines nicht vorhandenen Betriebes. Das dürfte Hunderttausende oder sogar Millionen ehrliche Steuerzahler betreffen. Bürgerfreundlich geht anders.

      • Alexander Dilger sagte am 09/12/2018 um 18:00 :“Es ist einfach unangemessen, für ein oder zwei Positionen mehrere zusätzliche Formulare, separate Tabellen und ein aufwendiges Einreichverfahren zu fordern“
        Neben dem Hauptformular ESt werden in der Regel die Anlagen Vorsorgeaufwendungen,KAP, AUS, R u.a. mit einer Vielzahl von Eingabemöglichkeiten bedient, von denen immer nur einige angesprochen werden. Da ist es doch nun völlig gleichgültig, ob in einem weiteren elektronisch vorliegenden Formular EÜR in Ihrem Fall nur eine weitere Angabe gemacht werden muss, wobei dann im nächsten Jahr noch eine Kostenangabe für Aufwendungen hinzukommt, die Sie sonst nicht unterbringen könnten (es sein denn, Sie saldieren unzulässig). In vielen Fällen erspart die signierte elektronische Einreichung die Rennerei zum Briefkasten, weil das Finanzamt eher fallweise Belege nachfordert. Jedenfalls scheint mir die Angelegenheit für eine Fundamental-Kritik nicht tauglich zu sein.

      • Sie sind eben kein Liberaler, sondern Etatist, der nichts dabei findet, rechtschaffene Bürger willkürlich zu quälen. Natürlich gibt es Schlimmeres als diesen bürokratischen Zusatzaufwand von mehreren Stunden ohne inhaltlichen Grund, aber er ist symptomatisch für die aktuellen Verhältnisse in diesem Staat. Finden Sie auch Fahrverbote für gerade zugelassene Fahrzeuge wegen willkürlicher Grenzwerte und falschen Messungen nicht kritikwürdig? Euroretterei und offene Grenzen sind doch eigentlich auch ganz toll, zumindest solange die Obrigkeit sie will…

      • Alexander Dilger sagte am 09/12/2018 um 19:57 : „Sie sind eben kein Liberaler, sondern Etatist, der nichts dabei findet, rechtschaffene Bürger willkürlich zu quälen.“
        Erheiterung am späten Abend ! Ein Teil meines Jobs betraf die kaufmännische Organisation: Vielen meiner Mandanten und auch mir selbst hat es sehr genützt, unser Werk auch mit den Augen der Gegenseite (also hier der Finanzverwaltung) zu betrachten und uns vor unliebsamen Überraschungen – etwa in der BP- zu bewahren und unverhältnismäßigem Verwaltungshandeln vorzubeugen. An anderer Stelle hatte ich schon die Meinung vertreten, dass Deutschland einer zunehmenden Selbstfesselung auf vielen Gebieten unterliegt, für die es im Einzelfall zwar immer Gründe gibt, die aber um unserer Zukunft Willen bekämpft werden muss. Die permanente Konkretisierung des Begriffes der Liberalität in der Politik ist notwendig. Man kann aber das Bekenntnis zur Liberalität nicht vorschieben, wenn man z. B. Abneigung hat, sich mit konkretem Verwaltungshandeln zu befassen.

      • Können Sie denn hier das konkrete Verwaltungshandeln (bzw. die politischen Vorgaben dazu) rechtfertigen oder auch nur erklären? Dabei ist zu bedenken, dass es sich um eine Änderung handelt und auf diese Schikane bisher verzichtet wurde. Wenn man es beim An- und Absetzen von Ausgaben verlangen würde, könnte ich es noch verstehen. Hier geht es aber darum, dass nur zu versteuernde Einnahmen viel komplizierter zu melden sind, was ohnehin schon erfolgt und sogar strafrechtlich erzwungen wird. Als Beamter werde ich keine Steuern hinterziehen, aber vielleicht zukünftig auf solche Nebeneinkünfte vollständig verzichten. Vielleicht ist es auch eine gute Gelegenheit, diesen Blog einzustellen…

  3. Pingback: Steuererklärung 2018 mit Einnahmenüberschussrechnung | Alexander Dilger

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.