Steuerliche Anreize für Aktionäre vs. Aktiensteuer

„Friedrich Merz fordert Steuerfreiheit für Aktiensparer“. Konkret meinte er:

Mit Blick auf die Absicherung der Rente forderte Merz, Arbeitnehmer gezielt an den Kapitalmärkten zu beteiligen. „Wir sollten die Aktienmärkte nutzen, um langfristig eine bessere Vermögens- und Kapitalbildung in den privaten Haushalten zu schaffen. Dann wird für viele Menschen in Deutschland der Erwerb eines Eigenheims leichter werden.“
Die Politik solle Aktienprodukte fördern, indem sie steuerliche Anreize gebe. „Denkbar wäre ein jährlicher Freibetrag, unter dem man einen auf Aktien basierenden Spar- oder Vorsorgeplan aufbaut. Dieser dürfte im Alter nicht mehr nachversteuert werden.“ Zentral sei, so Merz, dass dieses Aktienpaket ausschließlich der Alterssicherung diene und erst dann abschlagsfrei aufgemacht werden dürfte, wenn die gesetzliche Altersgrenze erreicht sei.

Die übliche linke Kritik daran, dass nur Reiche sich Aktien leisten könnten, ist falsch. Es ginge gerade darum, auch Normalverdiener an Aktien heranzuführen, während ein nicht zu hoher Freibetrag den Nutzen für Spitzenverdiener beschränken würde. Wer kaum etwas verdient, ist hingegen immer auf Transfers angewiesen (eine staatliche Einheitsrente oder ein bedingungsloses Grundeinkommen sind nichts anderes) und erwirbt auch bei der gesetzlichen Rentenversicherung keine großen Ansprüche.

Ich sehe eher Probleme in einer Überbürokratisierung und zu starken Gängelung wie bei der Riester-Rente, wenn z. B. spezielle Depots geschaffen werden müssen und eine vorzeitige Entnahme (oder sogar reine Umschichtung) verboten oder prohibitiv verteuert wird. Wenn Herr Merz selbst den Erwerb eines Eigenheims als Begründung anführt, sollte zumindest eine entsprechende Kapitalumschichtung erlaubt werden. Am einfachsten wäre es, wie beim Eigenheim nach einer gewissen Haltedauer die (z. T. nur nominellen) Gewinne beim Verkauf steuerfrei zu stellen. Bis 2008 war das übrigens bei Aktien schon nach einem halben Jahr der Fall (und auch jetzt sind die Kursgewinne aus meinen bis dahin gekauften Aktien steuerfrei, weshalb ich diese nicht umschichte). Idealerweise werden alle Anlageklassen gleich behandelt, doch die Bevorzugung von Aktien kann auch eine steuernde Wirkung haben, weil diese langfristig besonders renditestark und bei hinreichender Diversifikation auch sicher sind.

Dagegen ist es eine dumme Idee, dass der Staat selbst einen riesigen Staatsfonds mit Aktien auflegt, um die Erträge an die Rentner auszuschütten. Solch ein Fonds wäre schon für sich genommen ineffizient und würde zusätzlich übergroße Begehrlichkeiten wecken, so dass er bald zu politischen Zwecken geplündert würde. Schließlich ist es gut, dass die Pläne für eine Finanztransaktionssteuer vom Tisch sind (siehe „Finanztransaktionssteuer kommt nicht, Aktiensteuer im Gespräch“). Doch eine reine Aktien(transaktions)steuer ist kaum besser, trifft sie doch gerade die normalen Anleger, statt sie bei der Vermögensbildung und Altersvorsorge zu unterstützen.

13 Gedanken zu „Steuerliche Anreize für Aktionäre vs. Aktiensteuer

  1. Wie ich hier bereits mehrmals mit meinem Dreisäulenmodell betont habe, ist ein individuelles Wertpapierdepot – vorwiegend Aktien – integraler Bestandteil einer vernünftigen Altersvorsorge.
    Analog dem 401-k-Modell der USA wären 4% des Bruttoeinkommens in einem Individualdepot steuerbegünstigt anzulegen. Die Wertsteigerungen und Dividenden blieben bis zur Pensionierung steuerfrei. Die Höhe der Freibeträge könnte auch begrenzt werden damit Frau Klatten et al. sich nicht mästen.
    Unsäglich heute Handelsblatt, das vorschlug, die verbrannt Riesterrente solle aufgemotzt werden. In manchen Fällen hat sie doch sogar Negativrendite.

    Keine Fondsmodelle! Keine Mast der Deutschen Bank und der Allianz! Otto Normalverbraucher soll Otto Normalaktionär werden!

  2. Die Finanztransaktionssteuer, erwähnt im Einleitungstext, ist zwar vom Tisch,der Aktienhandel wird aber besteuert werden. Der Kleinanleger wird betroffen, der Großanleger wird durch den Wegfall der Finanztransaktionssteuer begünstigt. Wenn Merz hier Kleinsparer anregen möchte, müssen auch Anreize auf den Tisch, zumal der Kleinanleger auch das Risiko schlucken muss.

  3. Die vergleichsweise geringe Zahl von Aktionären in D. ist nicht auf Steuerbelastungen, sondern vielmehr auf die Wirtschaftsfeindlichkeit von Teilen der SPD und der Grünen und der Partei Die Linke zurückzuführen. Da muss eine sich hoffentlich erneuernde CDU/CSU mal energisch ansetzen. Wo in den börsennotierten Unternehmen Belegschaftsaktien angeboten werden, werden diese häufig auch als Grundstock für ein Aktien-Depot genutzt.

    • @Motte: Was im Gegensatz zur heutigen Zwangsrentenversicherung am 3-Säulenmodell illiberal sein soll, ist mir schleierhaft:
      Beim 3-Säulenmodell hat der Geringverdiener doch gerade Mittel frei, da die Grundrente im Wesentlichen aus Steuermitteln bezahlt wird. Die frei werdenden Mittel kann er damit erstmalig sinnvoll in Aktien anlegen, was bisher gerade nur der Besserverdiener konnte!
      Er würde insgesamt weniger belastet und hätte auf Dauer eine bessere Rendite.

      • Konorza: Wer hat denn das jetzige – illiberale – Rentensystem zum Maßstab erhoben? Gegen die DDR ist auch die BRD liberal… Im übrigen ist nur eine (auskömmliche) Grundrente überhaupt mit dem Liberalismus vereinbar. Alterssicherung darüber hinaus ist Privatsache. Desweiteren können Kleinverdiener kaum Aktien erwerben, die nach Verwaltungskosten Erhebliches sicher abwerfen. Und was sollte liberal daran sein, bestimmte Modelle staatlich zu bevorzugen? Aktienbefürworter machen sich zudem Illusionen über zukünftige Aktienentwicklung…

      • Na ja, zumindest die Grundidee unseres Rentensystems ist doch liberaler als eine staatliche Grund- und Einheitsrente (oder gar ein bedingungsloses Grundeinkommen) für alle. Liberal ist es, dass jeder für sich selbst sorgt und vorsorgt, so weit er kann. Der Staat sollte nur einspringen, wenn jemand dazu definitiv nicht in der Lage ist. Ein schwieriger Grenzfall ist Unwilligkeit, insbesondere wenn diese Jahrzehnte zurückliegt, was für eine Rentenversicherungspflicht spricht, wenn auch nicht unbedingt das Umlagesystem. Verbessert werden sollten die Anrechnungsregeln. Wer ein wenig vorsorgt, sollte besser stehen als jemand, der das gar nicht getan hat.

      • Eine Sondersteuer auf Aktien fordere ich nicht. Ich lehne eine besondere Steuerbegünstigung für Aktien ab wie auch eine staatliche Verpflichtung, unbedingt auch auf diese Weise für sein Alter zu sorgen. Wenn jeder für sich selbst sorgen soll, soweit er kann, was wir beide fordern, bedeutet das, daß er nur verpflichtet ist (zur Not mit staatlicher Hilfe) für eine einheitliche Grundrente zu sorgen. Es ist illiberal, daß mich der Staat beim bisherigen System zwingt, weitgehend meinen bisherigen Lebensstandard zu sichern statt nur dafür, daß ich im Alter nicht für ein menschenwürdiges Einkommen der Sozialhilfe (anderen Steuerzahlern) zur Last falle.

      • Wahrscheinlich sind wir auch da einig. Ich wäre für eine Art Grundrentenversicherungspflicht, vergleichbar der Pflicht zur Haftpflichtversicherung, aber nicht Vollkaskoversicherung beim Auto. Wie man sich absichert, sollte hingegen wiederum den mündigen Bürgern überlassen bleiben. Aktien sind sicher eine bessere Geldanlage als eine steuerbegünstigte Riester-Rente. Dass jetzt ganz konkret ausgerechnet Aktienkäufe zusätzlich besteuert werden sollen, Derivate aber nicht, halte ich für völlig verfehlt.

  4. Pingback: Schuldenfinanzierter Staatsfonds wäre schlecht | Alexander Dilger

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