Gelbwesten randalieren in Frankreich

„Macrons Reifeprüfung“ sind die zunehmend gewaltsamen Proteste und Demonstrationen der „Gelbwesten“. Das dritte Wochenende in Folge gingen Hunderttausende mit gelben Warnwesten als Symbol auf die Straßen und blockierten etliche davon, während einige Tausend Gewalttäter u. a. Autos anzündeten und z. B. den Arc de Triomphe verwüsteten. Es gab Hunderte Verletzte und Verhaftete. Anfangs richteten sich die Proteste vor allem gegen die Erhöhung von Steuern auf Diesel und Benzin, inzwischen gehen sie gegen viele als alternativlos bezeichnete Reformen und die gesamte Präsidentschaft von Emmanuel Macron. In seiner Reaktion ist er nicht konsequent, will mal hart durchgreifen und dann doch wieder verhandeln oder wie seine Vorgänger ungeliebte Reformen zurücknehmen.

Einerseits finde ich die Politik dieses Präsidenten inhaltlich und von der Art her nicht gut, andererseits ist er genau dafür gewählt worden. Frankreich hat schon lange ein Problem damit, dass demokratisch gewählte Regierungen und Präsidenten von Gewalt auf der Straße unter Druck gesetzt werden. Das ist undemokratisch und begünstigt militante Minderheiten gegenüber der friedlichen Mehrheit. Friedliche Demonstrationen sind hingegen in Ordnung und selbst ein demokratisches Mittel, welches in Deutschland viel zu wenig genutzt wird. In Frankreich errichtet man Barrikaden wegen etwas höheren Spritpreisen, in Deutschland nimmt man nicht nur diese, sondern auch viel weitergehende und völlig willkürliche Fahrverbote. Herr Macron ist seit anderthalb Jahren ein kritikwürdiger Präsident und trifft auf erbitterten Widerstand, während in Deutschland Frau Merkel nach 13 Jahren katastrophaler Kanzlerschaft noch immer viele Fans hat. Selbst die Antifa kämpft inzwischen für statt gegen ihre Regierung. Dabei wären weniger Gewalt und mehr friedlicher Protest sowie klügere Wahlentscheidungen in beiden Ländern gut.

37 Gedanken zu „Gelbwesten randalieren in Frankreich

  1. Deutsche sind keine Revolutionäre.
    Sie glauben an das preußische Märchen vom „Vater Staat„.
    Leider!

    • Revolutionäre bringen meistens viel mehr Leid als Verbesserungen, die sich auch friedlich hätten erreichen lassen. Was in Deutschland vor allem fehlt, sind aufrechte Demokraten, die selbst denken und handeln.

      • Der bekannte Leninspruch ist eigentlich nicht ganz berechtigt: “ Revolution in Deutschland? Das wird nie etwas, wenn diese Deutschen einen Bahnhof stürmen wollen, kaufen die sich noch eine Bahnsteigkarte!“
        Weil bei der Novemberrevolution 1918 werden sich die Matrosen keine Bahnsteigkarte gekauft haben, wenn die den Bahnhof in Kiel besetzt haben.
        Und bei der „Roten Ruhrarmee“ 1920 war das ja auch alles sehr spontan.
        Damals gab es im Ruhrgebiet noch starke Gruppen die für den Syndikalismus waren.

        Über Revolution kennt sich der AfDler nicht aus:
        „Erneut trug Wild eine blaue Kornblume am Revers seines Jacketts. Diese diente zwischen 1933 und 1938 in Österreich als Erkennungszeichen der damals dort verbotenen Nationalsozialisten……..Wild kam der Aufforderung zunächst nicht nach, griff zum Mikrofon, setzte zu einer Verteidigung an, sprach von einem „Symbol der Romantik“. …..“
        https://www.morgenpost.de/berlin/article215900703/AfD-Politiker-Wild-provoziert-erneut-mit-blauer-Kornblume.html

        Wenn die FPÖ die Kornblume immer zur Eröffnung der neuen Parlamentsperiode trägt, sagen sie, das ist ein Zeichen der 1848-Bewegung ( was ja richtig ist).

      • Nicht parlamentarische Debatten und Petitionen können den Diesel-Wahnsinn oder den selbstzerstörerischen Migrationspakt verhindern, sondern nur Massenproteste und Massenungehorsam.

      • Das mag in Frankreich so sein. In Deutschland müssen wir es über Parteien und Gerichte versuchen, wo leider momentan die Grünen erfolgreicher sind (die es anfangs auch mit Gewalt versuchten).

      • Herr Dilger hat Recht. So etwas wird in Deutschland nicht passieren. Jedenfalls nicht so lange es noch überwiegend von Deutschen bewohnt wird. Mit zunehmender Afrikanisierung könnte sich das allerdings ändern. Think positive!

    • Das ist doch leider üblich, dass Extremisten Demonstrationen oder auch neue Parteien kapern, z. T. sogar mit staatlicher Unterstützung (wie inzwischen die Antifa oder vermutlich V-Leute in der AfD).

  2. Monsieur le President wünscht also Verhandlungen mit den Gelbwesten. Irgendwie schon zum Kringeln. Wer sind die Gelbwesten und wer kann für sie „verhandeln“? Haben die Gelbwesten überhaupt einen Sprecher oder Anführer? Und wenn ja: Ist dieser von allen Gelbwesten legitimiert, Verhandlungen mit der Regierung zu führen? Na wenn das mal nicht gründlich in die Hose geht …

  3. Auf friedliche, bürgerliche Großdemonstration müssen wir in Deutschland wohl noch etwas warten. Daher zunächst die Frage nach parteipolitischen Alternativen: Gibt es Neues von den Freien Wählern? Es gab doch kürzlich einen Vortrag von Herrn Mattern in Dortmund?

      • Politisch wird Deutschland doch eher grün als schwarz, bis irgendwann die Lichter ausgehen und es tatsächlich wieder Dunkeldeutschland wird.

      • Parteipolitisch habe ich damit auch gar nicht gemeint. Es bezog sich eher auf die Bewohner.

        Ihr Vergleich mit Dunkeldeutschland passt aber auch gut. Dafür, dass jederzeit die Lichter ausgehen können, sorgt ja schon die „Energiewende“. Aber wahrscheinlich erscheint dann ein grünes Licht am Firmament. Ausgelöst nicht etwa durch angeregte Stickstoff- und Sauerstoffatome beim Auftreffen beschleunigter geladener Teilchen aus der Erdmagnetosphäre auf die Atmosphäre (wie das Polarlicht), sondern durch Politiker, die überschüssige Energie einfach im Netz speichern wollen … (kein Witz! siehe z.B. https://www.eike-klima-energie.eu/2018/01/24/gruene-energieexpertin-das-netz-fungiert-als-speicher/ oder http://www.rainer-kraft-mdb.de/2018/01/29/gruene-wissenschaft-stom-im-netz-speichern/ )

      • Es ist schon traurig, wie man links (Grüne einschließlich Merkel-Regierung) und rechts (AfD und Donald Trump leugnen einfach die Tatsache, dass durch Kohlendioxid die Erde wärmer werden könnte) mit den Naturwissenschaften auf Kriegsfuss stehen (das gilt z. B. auch für die Evolutionstheorie, die erst christliche Fundamentalisten ablehnten und jetzt die Gender-Ideologen von links).

      • Hier wurde wohl einfach etwas ungünstig formuliert. Sie scheint sich hier auf das Konzept zu beziehen, das man in der Fachwelt auch gerne Grid Energy Storage nennt. Sie beruft sich ja auch auf die entsprechenden Experten und behauptet gerade nicht es persönlich besser zu wissen. Das hat mit der ausgesprochenen Antiwissenschaftlichkeit bei den Rechten wie Trump und Teilen der AfD überhaupt nichts zu tun.

      • Sorry, das Netz selbst kann keine Energie speichern, das ist physikalisch nicht möglich (jedenfalls nicht in einem relevanten Umfang über kürzeste Zeiträume hinaus). Es ist möglich, Speicher an das Netz anzuschließen wie Pumpspeicherwerke, elektrische Nachtspeicheröfen (die interessanterweise als besonders unökologisch erst verboten und dann wieder erlaubt wurden) oder auch Elektroautos mit ihren Batterien. Auch sonst beruht die Energiewende auf vielen Fehleinschätzungen und Etikettenschwindel (wie dem deutschen Atomausstieg unter Nutzung von Strom aus unsichereren Atomkraftwerken in unseren Nachbarländern) mitsamt einer erhöhten Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen, womit wir auch noch unseren europäischen Nachbarn schaden.

    • Wie ich schon kurz schrieb, war der Vortrag sehr interessant. Herr Mattern trägt sicher auch gerne bei Ihnen vor.

      Bei den Freien Wählern sehe ich vor allem drei miteinander verbundene Risiken. Erstens fehlt es an einem ideologischen Markenkern (anfangs kann das sogar ein Vorteil sein wie bei der AfD, aber es ist eben mit dem großen Risiko verbunden, dass Extremisten die Lücke füllen und/oder sich alle heillos zerstreiten). Zweitens sind die meisten lokalen Gruppen der Freien Wähler nicht in der Partei oder sogar gegen diese (ansonsten wäre es eine echte Volkspartei). Drittens hängt jetzt viel daran, wie sich Herr Aiwanger in Bayern schlägt (sein Erfolg kann bundesweit ausstrahlen, jeder Fehler von ihm tut das allerdings auch).

      • Hubert Aiwanger wird keine großen Akzente setzen. Er hat sich Markus Söder erfolgreich angedient und ist jetzt Minister sowie stellvertretender Ministerpräsident. Karriereziel erreicht. Der Mohr (Freie Wähler) hat seine Schuldigkeit getan. Erwarten Sie von Herrn Aiwanger also keine Wunder. Er ist ein ganz normaler Karrierist und die Freien Wähler sind die CSU 2.0 für abtrünnige Protestwähler aus dem konservativen Lager, die nicht AfD wählen möchten.

      • Eine CSU 2.0 ist aus meiner Sicht nicht die schlechteste Lösung, insbesondere wenn sie bundesweit angeboten wird. Auch in Bayern kann sie die ursprüngliche CSU disziplinieren.

      • Ich kenne keine Umfrage, in der das Interesse an einer CSU 2.0 abgefragt wird. Vielleicht meinen Sie eine bundesweite CSU ?

    • Aber genau das nennt man doch Grid Energy Storage. Sie hat halt schlecht formuliert (kann bei einem Radiointerview ja durchaus mal passieren), meint aber ganz offensichtlich das Richtige.

      Auf ihrer Homepage steht es so erklärt: „Die vielen, dezentralen Anlagen werden über ein leistungsfähiges Stromnetz miteinander verbunden, das den Strom schnell und effizient vom Erzeugungs- zum Verbrauchsort transportiert. Strombedarf und Stromerzeugung werden so über eine intelligente Steuerung jederzeit und an jedem Ort zielsicher aufeinander abgestimmt. So wird die Stromversorgung der Zukunft aussehen. Speicher und Netze wirken darin funktional sehr ähnlich, auch wenn sie physikalisch völlig verschieden sind. „

      • Zumindest der letzte Satz ist doch auch Unsinn. Speicher und Netze wirken idealerweise zusammen, aber mit sehr unterschiedlichen Funktionen. Ich fürchte, dass die Grünen nicht wissen, was sie da veranstalten, oder dass es ihnen sogar völlig egal ist. Gleichzeitig aus Atomstrom und Kohle oder sogar allen fossilen Energieträgern aussteigen zu wollen, ist einfach eine dumme Idee und ein deutscher Sonderweg, den kein anderes Land geht und der auch nicht als Vorbild, sondern höchstens als abschreckendes Beispiel taugt.

      • Natürlich ist ein Netz nicht haargenau das gleiche wie ein Speicher. Behauptet ja auch niemand. Intelligente Netze und Speicher tragen beide dazu bei schwankende Produktion und Erzeugung aufeinander abzustimmen. Wenn ich z.B. selbst Strom produziere kann ich Überschuss ans Netz abgeben und Mehrbedarf aus dem Netz holen oder Überschuss lokal Speichern und bei Bedarf wieder entnehmen. Netz und Speicher erfüllen aus dieser Perspektive für mich die gleiche Funktion.

        Natürlich hätte sie viel besser und genauer formulieren können aber grundlegend falsch oder gar gelogen ist das nicht.

      • Stimmt. Und auf dem Weg dahin kann er, fossil, atomar oder erneuerbar produziert, über das Netz oder direkt vom Dach oder aus einem Speicher kommen.

        Über die jeweiligen Vor- und Nachteile könnte man natürlich vernünftig reden. Oder man macht es sich in seiner politischen Blase gemütlich und lästert über die angebliche Dummheit der anderen.

      • Die Dummheit der Grünen (einschließlich Merkel-CDU) kann man doch persönlich an der Stromrechnung und gesellschaftlich an der deutschen Ökobilanz ablesen. Die sogenannte Energiewende kostet über eine Billionen Euro, schadet zugleich der Umwelt und reduziert die Versorgungssicherheit.

  4. Hart ist es in Frankreich, was ja schön öfters vorkam, wenn LKW-Fahrer oder auch LKW-Unternehmer, die wichtigen Straßen mit LKWs blockieren. Da gibt dann die Regierung deren Forderungen schnell nach.

  5. Der Kern der Gelbe-Weste-Bewegung besteht darin, dass der Durchschnittsfranzose bemerkt hat, dass sein gewohnter und angestrebter Lebensstandard nicht zu halten ist und kontinuierlich absinkt – eine Erfahrung, die uns in Deutschland noch bevorsteht.
    Die Wahl AKKs zur Parteichefin und nächster Bundeskanzlerin erscheint ausgemacht. Eine Frau, die über kein berufsbefähigendes Examen verfügt und ihr Bundesland zum absoluten Schlusslicht (neben Bremen) herabgewirtschaftet hat mit einem höheren Subventionsbedarf als sämtliche neuen Bundesländer.

    Sobald wir eben nicht mehr als ‚payer of last resort‘ für die gesamte EU, insbsondere Frankreich, bereitstehen werden, muss sich etwas ändern, vorher passiert nichts als Steuer- und Abgabenerhöhungen.

    • Es passiert schon noch mehr, z. B. Dieselfahrverbote mit Totalüberwachung (die man bislang nicht einmal Schwerverbrechern zumuten wollte) und andere schwachsinnige Ge- und Verbote. Trotzdem besteht die Lösung nicht in gewaltsamen Protesten, die ohnehin nur einen Vorwand für noch mehr staatliche Gängelung liefern, sondern in den richtigen demokratischen Entscheidungen. Die nächste Chance haben die CDU-Parteitagsdelegierten, die durchaus noch Herrn Merz wählen könnten, wenn sie ihrem Land und ihrer eigenen Partei nicht weiter schaden wollen. Ansonsten muss eine demokratische Alternative zu Frau Merkel bzw. ihrem Klon geschaffen werden.

  6. nicht jeder Kommentar erhält meine Zustimmung. Ich als Freier Wähler war nie Mitglied in einer Partei, habe mich aber entschieden der Partei FW-Freie Wähler beizutreten. Da hier Politik für den Bürger und nicht gegen ihn gemacht wird. Die Aussagen über Aiwanger finde ich despektierlich und zeigt mir nur, dass der Kommentator nur ein Ziel hat jemand madig zu machen, den er kaum kennt! Warten wir mal die 100 Tage ab und dann sehen wir weiter!

    • In Bayern ist Herr Aiwanger schon lange genug bekannt, um ihn als politisch interessierter Bürger einschätzen zu können.

      • Man sollte abwarten, wie er und die Freien Wähler sich jetzt in Regierungsverantwortung verhalten. Die Koalition in Bayern ist eine große Chance und besser als die Alternativen.

      • Viel wird sich nicht ändern. Die Freien Wähler sind ein willfähriger Koalitionspartner ohne Ecken und Kanten. Wenn Markus Söder klug genug ist (wovon ich ausgehe), wird er die FW in der einen oder anderen Sachfrage zum Vorwand nutzen, von bisherigen CSU-Positionen abzurücken. Unterm Strich wird diese Koalition aber eher die CSU stärken als ihren anpassungsfähigen Juniorpartner FW.

  7. Pingback: EU-Gipfel mit faulen Kompromissen und harter Linie gegen UK | Alexander Dilger

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