Politiker verbocken Cebit und Digitalisierung

Die „Computermesse Cebit wird nach 32 Jahren eingestellt“. Es gab trotz großer Veränderungen dieses Jahr noch weniger Besucher (wobei man die Endkonsumenten früher einmal aktiv vertreiben wollte, was mit Zeitverzögerung nun tatsächlich gelang) und auch Aussteller als in den Vorjahren. Direkt danach log man sich das noch als Erfolg schön, so wie jetzt manche Politiker das Ende der Cebit als gutes Zeichen der fortgeschrittenen Digitalisierung in Deutschland schönreden wollen. So meinte „Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil: ‚Der digitale Wandel findet inzwischen überall statt, auch auf allen anderen Messen. Die Cebit ist insofern ein Opfer des eigenen Erfolges'“. Bernd Althusmann, Aufsichtsratsvorsitzender der verantwortlichen Deutschen Messe AG und Wirtschaftsminister in Niedersachsen mit CDU-Parteibuch, hält den Niedergang ebenfalls für ein positives Symbol dafür, „dass die Cebit-Idee in der gesamten Wirtschaft angekommen ist“.

Nein, das Ende der Cebit spricht gegen die verantwortlichen Politiker, für die das Internet und die Digitalisierung allgemein „Neuland“ sind. „Das Ende der Cebit ist Teil eines großen Staatsversagens“. Für sich genommen sollten die Cebit und ihr Ende nicht überbewertet werden. Ich selbst war seit vielen Jahren nicht mehr dort und werde diese Messe persönlich nicht vermissen. Trotzdem ist das Messe-Aus symptomatisch für den Zustand in Deutschland und reiht sich ein in viele andere Fälle des Versagens z. B. beim Flughafen- und Bahnhofsbau, bei der Bundeswehr und Energiewende, dem schlechten Ausbau des mobilen Internets und der mutwilligen Zerstörung der deutschen Autoindustrie, während man die Straßen, aber auch die Bahn verfallen lässt. „Die KI-Strategie der Regierung ist nur eine Wunderkerze“, die mehr kosten, aber schneller abbrennen wird als die Cebit.

14 Gedanken zu „Politiker verbocken Cebit und Digitalisierung

  1. Die Zukunft Deutschlands könnte im kleinflächigen Ackerbau und in der Forstwirtschaft liegen. Vorausgesetzt, Deutschland wüßte sein in den letzten Jahren neu gewonnenes Potential an Erntehelfern und künftigen Waldarbeitern zu nutzen, was wiederum mehr als fraglich ist.

      • Das wird sie. Die einheimische Bevölkerung braucht dazu (ohne Berücksichtigung der Abwanderung) ohnehin noch längstenfalls zwei Generationen (eher weniger) und die Kinderzahl der Migranten wird sich schnell anpassen. Wenn Deutschland dann wieder ein Agrarstaat geworden ist, wird sich das Niveau schon so einpendeln, dass nicht mehr Menschen hier leben als das Land tatsächlich ernähren kann.

  2. Wir müssen uns wohl damit abfinden, dass Deutschland in den nächsten 20 Jahren in der internationalen BIP/Kopf Tabelle dramatisch fallen wird. Das ist letztlich selbst verschuldet, unsere Politiker sind alle gewählt und man sollte daher meinen, dass Desaster wie Energiewende, überbordender Sozialstaat, Flüchtlingspolitik und vielleicht bald ein bedingungsloses Grundeinkommen so von der Bevölkerung gewollt sind. Jeder muss sich letztlich selbst überlegen, ob das Paket, dass man hier in Deutschland für ein hartes Erwerbsleben bekommt, noch international konkurrenzfähig ist, oder ob man woanders glücklicher wird. Von Zeit zu Zeit blicke ich schon neidvoll in unser kleines bergiges Nachbarland, bin allerdings hier familiär gebunden. Wenn ich mit Studenten rede, mache ich auch immer wieder darauf aufmerksam, dass man sich frühzeitig (idealerweise mit Mitte 20) mit der Thematik beschäftigen sollte.

    • Es ist wie es ist. Durch die so genannte „Wiedervereinigung“ hat die BRD soviel DDR inhaliert, dass sie sich davon nicht mehr erholen wird. Wer genügend Weitblick hat und irgendwie kann, verlässt diese schöne neue DDR 2.0 XXL so lange es noch möglich ist. Es ist zum Beispiel nur eine Frage der Zeit, bis die Wegzugsbesteuerung (die übrigens nie abgeschafft wurde, sondern nur ausgesetzt https://www.gesetze-im-internet.de/astg/__6.html ) wieder erhoben wird. *Keine Ironie*

  3. Das Internet bietet längst die Spezialinformationen, die man sich früher als Geschäftsmann mittels gezielter Besuche auf Messeständen holen musste. Für den Konsumenten ist es sinnvoller, Produktinformationen aus Fachzeitschriften und im Zusammenhang mit Anwenderbewertungen aus dem Netz – etwa bei Amazon- zu ziehen. Wir haben die Auswirkungen des Internet auf das Hotelgewerbe für den Geschäftsreiseverkehr vor 33 Jahren wesentlich negativer bewertet als das bis heute eingetroffen ist. In das Tagungsgeschäft (und Hausmessen) werden noch gewaltige Summen investiert, aber zugleich scheint der Informationsaustausch via Video-Konferenzen zugenommen zu haben. Angesichts der differenzierten Produktentwicklungen wird der Messe-Moloch immer unhandlicher. Im Sinne der CO2- und Verkehrsreduzierung muss der elektronische Informationsaustausch vorankommen. Aus dem Ende von Cebit den Untergang der deutschen Wirtschaft herzuleiten, erfordert jedenfalls eine Begründung, die ich bei Steingart u.a. nicht erkennen kann.

    • Andere Messeformate boomen doch und das Thema der Cebit ist eher noch wichtiger geworden. Natürlich geht deswegen nicht die deutsche Wirtschaft unter, aber es ist ein Symbol wie z. B. auch das Versagen der Flugbereitschaft der Bundeswehr, die Kanzlerin pünktlich zum G20-Gipfel zu bringen.

      • Dazu fehlt mir jetzt die Benennung vergleichbarer Veranstaltungen. Messeerfahrungen habe ich sowohl als Aussteller wie als Messegast (Orgatec, ITB, DKM). Sie schreiben, dass Sie in den letzten Jahren die CEBIT nicht besucht hatten. Haben Sie denn Mitarbeiter zur Messe delegiert oder war die CEBIT für das Institut für Organisationsökonomik ohne Bedeutung ?

      • Sie benennen doch selbst andere Messen, die vermutlich besser laufen. Auf der Cebit war ich in deren Anfangsjahren. Seither hatte sie für mich persönlich keine Bedeutung mehr, weder dienstlich noch privat.

      • Die Bedeutung von Messen scheint generell stark abzunehmen. Zumindest Business-to-Business. Die Ursachen dafür sind vielschichtig.

      • Das ist möglich, doch ich vermute, dass es empirisch nicht stimmt. Es gibt doch sehr erfolgreiche Messen und trotz Internet & Co. bleiben persönliche Kontakte wichtig.

      • Mein (zugegeben subjektiver) Eindruck ist, dass gerade B2B Messen sich immer schwerer tun und sich daher viele Messen, die früher reine Fachmessen waren, zunehmend dem Konsumenten öffnen, um überhaupt noch irgendwie über die Runden zu kommen. Der Konsument wiederum betrachtet die Messen aber eher als einen Unterhaltungszirkus. Ihm geht es nicht darum, geschäftliche Kontakte zu knüpfen oder zu vertiefen.

      • Die Cebit war aber doch auch eine Publikumsmesse. Das hätte man mehr pflegen können, statt zwischenzeitlich zu überlegen, wie man die „Beutelratten“ loswerden kann. (Es erinnert mich an die Deutsche Bank, die ihre normalen Kunden auch gerne verprellt und schon einmal ganz entsorgen wollte.)

      • Ja, für die CeBit mag das zutreffen. Nerds sind nicht unbedingt repräsentativ für die Besucher anderer Messen. Allerdings scheint mir diese Zielgruppe dank Internet ohnehin von selbst immer auf dem Laufenden, was die gebotenen Exponate der CeBit anging. Vielleicht hätte gerade die CeBit sich noch viel stärker zum Event für Freaks mausern müssen, statt Jahr für Jahr den nicht nur auf diesem Gebiet durch und durch inkompetenten regierenden Hosenanzug nach DDR-Manier über das Messegelände zu führen.

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