Merkel kündigt sukzessiven Rückzug an

Gestern habe ich noch keinen Champagner, aber doch eine Flasche Sekt aufgemacht. Zumindest für mich überraschend kündigte Frau Merkel ihren Rückzug in Raten an, nämlich ihre „Letzte Amtszeit als Kanzlerin: Merkel gibt CDU-Parteivorsitz ab“, und zwar bereits im Dezember. Damit ist sie eine „lahme Ente“. Sie selbst sagte: „Das ist der Anfang vom Ende des Bundeskanzlers und der Anfang vom Ende dieser Regierung.“ Das war bereits 2004, als Gerhard Schröder als Bundeskanzler den SPD-Vorsitz abgab, um 2005 bei vorgezogenen Neuwahlen tatsächlich abgewählt zu werden, während sie Kanzlerin wurde.

Die wahren Gründe für ihren angekündigten Rückzug sind bislang nicht bekannt. Die CSU hat zwar vor zwei Wochen stark verloren und die CDU jetzt in Hessen noch mehr, aber die Union kann jeweils weiterregieren (siehe ‚Vorläufiges Ergebnis von Hessen mit Optionen‘). Trotzdem war der innerparteiliche Druck vermutlich zu groß. Sie musste nachgeben, um nicht gleich gestürzt zu werden. Vielleicht hat sie auch noch die Hoffnung, doch noch länger Kanzlerin bleiben zu können, wenngleich die Chancen dafür stark gesunken sind. Dass sie tatsächlich die Verantwortung für die Stimmverluste und ihre schlechte Politik übernimmt, halte ich hingegen für nahezu ausgeschlossen. Dass sie von sich aus die Lust verloren hat, sich ständig anzustrengen und dafür kritisieren zu lassen, passt auch nicht zu ihr.

Der Rückzug erst einmal vom Parteivorsitz der CDU, für den Frau Merkel erst vor wenigen Wochen ihre erneute Kandidatur angekündigt hatte, eröffnet für die CDU und in der Folge auch Deutschland und Europa Chancen, aber auch Risiken. Bis gestern morgen gab es drei recht unbekannte und chancenlose Gegenkandidaten. Kurz nach der Erklärung von Frau Merkel berichtete „BILD Exklusiv: Merz zur Kandidatur für CDU-Vorsitz bereit“. Das verlautete zumindest aus seinem Umfeld, wobei seine Chancen nicht die größten sind, weil er sich schon 2009 aus der aktiven Parteipolitik zurückzog und jetzt wohl erst noch bitten lassen will, statt aktiv zu kämpfen. Kürzlich unterzeichnete er außerdem einen zweifelhaften (bei Gelegenheit zu besprechenden) Aufruf „Für ein solidarisches Europa – Machen wir Ernst mit dem Willen unseres Grundgesetzes, jetzt!“

Kurz darauf erklärte die CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer ebenfalls ihre Kandidatur, die Frau Merkel deutlich lieber sein dürfte. Sie würde ihren Kurs fortführen wollen. Das gilt nicht für den dritten Prominenten, der gestern seine Kandidatur erklärte, Jens Spahn. Er ist wie Herr Merz ein Kritiker von Frau Merkel, machte aber zuletzt als Gesundheitsminister keine gute Figur. Außerdem könnte noch der Merkel-Vertraute und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet seinen Hut in den Ring werfen. Damit gibt es erstmals seit 1971, als Rainer Barzel gegen Helmut Kohl gewann, eine echte und spannende Wahl um den Parteivorsitz dieser sich demokratisch nennenden Partei.

149 Gedanken zu „Merkel kündigt sukzessiven Rückzug an

  1. ……..mein Gott jetzt auch noch der Merz. Zeit verpennt , auf Gelegenheit gewartet, Ego – Trip ?

    “ Das Leben verlangt mutige Entscheidungen ( meint unverzüglich ohne Zögern ) . Wer zu spät kommt …. “

    Auch diesen Gorbatschow Gag hat er nicht verinnerlicht, seine damaligen Verdienste mit profunder Kenntnis Recht, Finanzen, Wirtschaft hat oder konnte er nicht in politische Führung für Deutschland umsetzen.

    Entnervt hat er sich von Merkel – im entscheidenden Machtkampf um Fraktionsvorsitz – wegbeissen lassen. Einer Frau aus der Uckermark mit Null, absolut Null Kenntnis von Wirtschaft , Finanzen , internationaler Verflechtung und das in einem Deutschland als Export – Nation.

    Ein Mann, gestandener Mann mit Führung ist er so wenig damals wie heute. Zweite ( 2. ) Reihe im Verband, so in der Art Steuerberater, das ist sein Ding.

    • Parteitaktik schlägt leider Fachkompetenz, doch in einer großen Krise könnte das ausnahmsweise anders sein (dementsprechend hatte Bernd Lucke 2013 eine Chance, die leider vertan wurde).

      • Über Ihren Hinweis ausgerchnet auf Bernd Lucke musste ich jetzt aber wirlklich herzlich lachen! 😂😂😂

  2. Wenn er antritt, tippe ich auf „Ausländer rein“- Laschet als neuen CDU-Parteichef.

    Der steht für die falsche Politik der CDU aber wenn ich den im Fernsehen sehe finde ich den persönlich sympathisch.

  3. Ich bin für Karrenbauer oder Spahn, damit die 20% auch endlich sicher gestellt werden können. Aber mal im Ernst, Deutschland braucht mal wieder eine Vaterfigur. Da wäre Laschet näher als die anderen.

      • Armin Lusche ist zwar schwer zu ertragen und verliert schon auch mal die Klausuren seiner Studenten, aber man muss ihm durchaus lassen, dass er nicht unsympathisch wirkt. Er ist kein Menschenfresser oder anderweitig unsympathisch wie viele andere Politiker.

      • Laschet ist eine Witzfigur. Er kommt schon rein äußerlich daher wie Oliver Hardy aus „Dick und Doof“.

  4. Laschet ist genau wie AKK, Altmeier, Bouffier, Braun etc. ein Merkelianer. Er wird die Politik Merkels weiterführen und in wichtigen Feldern wie der Energiepolitik, Sozialpolitik, Europapolitik oder Flüchtlingspolitik den gleichen Stuss machen wie Merkel. Merz hat zu all diesen Themen schon mal sinnvolle Sachen gesagt, von den erstgenannten habe ich hierzu noch nie etwas sinnvolles gehört oder gelesen und bezweifle, dass sie zu sinnvollem überhaupt in der Lage sind. Zudem können sich Merz und Merkel nicht leiden, eine Koexistenz der beiden ist daher unwahrscheinlich und ein baldiges Ende der Ära-Merkel am wahrscheinlichsten. Bei allen anderen ist eine Koexistenz möglich. Merkel wird Merz daher bekämpfen mit allen noch verfügbaren Truppen. Merz ist ein absoluter Quantensprung und jeder, dem etwas an unserem Land liegt, sollte ihn befürworten.

    • Merz hat genauso wenig Chancen wie Spahn, vor allem, wenn sich diese beiden Herren gegenseitig die Stimmen wegnehmen. AKK und Laschet dürften größere Chancen haben.

      • Objektiv gesehen müsste Friedrich Merz das Rennen machen. Aber die Wirrungen der CDU sind unergründlich.

      • Wenn es nicht doch noch zu einer Wahl durch die Mitglieder kommt, wird er bei den Delegierten, die größtenteils Funktionäre sind, keine ernsthafte Chance haben.

      • Das könnte durchaus sein. Vor allem bei solchen nicht, die ihre innerparteiliche Karriere den in der CDU weit verbreiteten Seilschaften verdanken.

      • Friedrich Merz ist vor über 15 Jahren abgehauen, weil er eine zu kleine Figur war, um es mit Angela Merkel aufzunehmen. Seither ist er zu einer Kultfigur geworden und er ist mehr Mythos als Realität. Er hat seine Partei 15 Jahre lang im Stich gelassen. Selbst während der Flüchtlingskrise hat er sich nicht wahrnehmbar geäußert, denn da waren ihm die Finanzmillionen wichtiger, die er natürlich nicht durch unliebsame Äußerungen in den Medien verlieren wollte. Die ganze Drecksarbeit haben unterdessen andere geleistet (die AfD, Seehofer, Einzelpersonen in der CDU), Merz hat sich schön herausgehalten. Die offene Konfrontation mit Merkel hat er stets gescheut. Erst jetzt, da andere den Merkel-Rückzug erzwungen haben, tritt er wieder feige aufs Parkett, um an Angela Merkel späte Rache üben zu können.

        Wenn die CDU Merz wählt. dann ist ihr wirklich nicht mehr zu helfen. Entweder Spahn, wenn eine Änderung erwünscht ist oder AKK, wenn man doch den Weg weitergehen möchte. Spahn hat sich exponiert und das auch schon vor der Bundestagswahl. Wenn jemand jetzt den Parteivorsitz verdient hat und man die Prämisse hat, dass sich Änderungen ergeben müssen, dann ist es er.

    • Stefan sagte am 30/10/2018 um 11:56 :“…Merz ist ein absoluter Quantensprung und jeder, dem etwas an unserem Land liegt, sollte ihn befürworten… .“
      Wenn Sie den oben verlinkten Aufruf richtig verstanden haben, können Sie eigentlich so nicht argumentieren: Die Verfasser opfern die nationalen Schutzfunktionen des Staates (so wie die offizielle SPD und Rürop als SPD-Mitglied) zugunsten der Utopie, dass supranationale Einrichtungen und vergemeinschaftete Risiken wirtschaftlich zu mehr Stabilität im EURO-Raum und zu einer Verbesserung des solidarischen Verantwortungsbewußtseins führen. Das genaue Gegenteil ist im Vorfeld dieser Vorbereitungen aber zu verzeichnen. Unsere Partner verhalten sich nicht rational, sondern im Hinblick auf Wahlerfolge opportunistisch- und zwar im Vertrauen auf die Solidargemeinschaft (also letztlich auf Deutschland) und auf das Sicherheitsnetz der EZB. Daß Merz sich hieran beteiligt, ist angesichts der historischen Verantwortungslosigkeit von Großindustrie und Finanzkapital für nationale Schutzfunktionen verständlich, aber nicht akzeptabel. Seit seiner unsinnigen Bierdeckel- Steuern wird Merz von einigen Personen als Ökonom falsch eingeschätzt, weil seine Vorschläge gegen das Prinzip der Besteuerung nach wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit verstoßen haben. Jedenfalls würde ein Merz der AfD nicht die Butter vom Brot nehmen. Der Landesverband der CDU in Thüringen hat sich auch schon gegen Merz erklärt.

      • Zweifellos ist dieses Pamphlet von Merz et al schwer erträglich und geht in die falsche Richtung. Alleine der titel „den willen des Grundgesetzes“. Seit wann hat ein Grundgesetz einen Willen? Wenn überhaupt sollte sich das GG nach dem Willen der Bevölkerung richten und nicht umgekehrt… Aber egal. Warum er das unterschrieben hat weiß ich nicht. Warum auch andere kluge Leute wie Rürup sich für solchen Schrott hergeben, keine Ahnung.
        Fakt ist, dass Merz zur Europapolitik und den anderen Politikfeldern mehr sinnvolles geschrieben hat als die anderen Kandidaten zusammen. Wenn Sie eine bessere Alternative kennen, schenke ich Ihnen gerne mein Gehör. Jemand der Merkel blind folgt, kann in meinen Augen aber keine Verbesserung ggü. dem status quo sein. Einen perfekten Kandidaten wird es nicht geben, nur einen, der besser ist als die anderen.

      • Matthias Herdegen leitet an der Universität Bonn die Institute für Völkerrecht sowie für Öffentliches Recht und will beim Bundesparteitag der CDU im Dezember für den Parteivorsitz kandidieren. Er hat am 26.10.2018 in der FAZ einen Beitrag „Vom Leben und Sterben des Modells *Volkspartei*“ verfasst.

  5. Merz und Spahn haben ähnliche Schnittmengen und jagen somit im gleichen Revier.
    AKK und Laschie auch!

    Spahn ist noch zu jung. Wenn er aber zu Gunsten von Merz zurück zieht, hat Merz sehr gute Chancen.

    Das Gleiche gilt für Laschie und AKK. Nur wenn der eine dem anderen das Feld überlässt, hat diese Fraktion echte Chancen auf den Parteivorsitz und im nächsten Schritt auf die Kanzlerschaft.

  6. Frau Merkel lügt wenn sie sagt, dass sie schon in der Sommerpause entschieden hätte. Auf pi-news ist ein Artikel der gegenteilige Interview-Aussagen bis Ende September 2018 auflistet.
    Ich sehe auch nicht, warum ein weiteres Spannungsfeld zwischen Parteivorsitz und Kanzlerin etwas am desaströsen Erscheinungsbild der CDU/CSU ändern sollte.

    Es ist noch noch nicht sicher, dass der neue CDU-Vorsitzende auch Kanzlerkandidat der CDU/CSU wird. Wenn die Umfragen und dann die Wahlergebnisse 2019 weiter so schlecht sind, oder sogar noch schlechter werden, wird der neue Vorsitzende wieder abgelöst.

    Ich erinnere mich an den Schachzug Merkels, als sie 2002 Stoiber die Kanzlerkandidatur antrug, der dann scheiterte und sie als Nachfolgerin gesetzt war.

    Vielleicht halten sich deshalb Laschet und Günther noch zurück.

    Merz würde, als Nationalliberaler und Transatlantiker verschrien bei den Wahlen im Osten 2019 total untergehen und AKK als wahrgenommener Merkel-Klon in der EU-Wahl 2019.

    • Frau Merkel hatte ihre Kandidatur für Dezember explizit angekündigt. Jetzt hat sie einen Rückzieher gemacht. Hinsichtlich der Kanzlerschaft halte ich eine erneute Wende für möglich, denn absehbare Wahlniederlagen nächstes Jahr können nun dem oder der neuen CDU-Vorsitzenden angelastet werden.

  7. Friedrich Merz wäre die Chance für die CDU , aus der merkelianischen „Fähnchen-in-den-Wind-Hänger-Partei“ eine Partei mit Profil zu werden. – Denn Merz steht im Ruf, ähnlich wie Bosbach, Seehofer u.a. Überzeugungen zu haben und diese auch gegen innerparteilichen Widerstand öffentlich zu vertreten.
    Wenn Merz als Parteivorsitzender der CDU gewählt würde und er der verheerenden rot-grünen Politik von Merkel erkennbar entgegentreten würde, dann wird dies dazu führen, dass die CDU sich wieder auf ihren konservativ-liberalen Markenkern besinnt.
    Die so gewandelte CDU hätte dann die Chance, der AfD bei den nächsten Wahlen einen sehr großen Stimmenanteil abzujagen (m.E.: Größenordnung 1/3).

    Ob Merz am Parteitag der CDU von den Amts- und Mandatsträgern (den Posten- und Pöstchen-Inhabern) in diese Position gewählt wird, hängt wohl zu einem Großteil davon ab, welchen persönlichen Vorteil die Pöstchenjäger sich davon versprechen. – Da Merkel offensichtlich zur „lame duck“ mutiert und ihre Gunst mit Verfallsdatum versehen ist, könnte sich die Stimmung dahingehend drehen und zugunsten von Merz ausfallen.

    Zu dieser negativen, aber leider realistischen Einschätzung unserer gewählten „Volksvertreter“ (offenbar jeglicher Couleur) wurde ich durch meine persönlichen Erfahrungen als ehemaliges AfD-Mitglied gebracht.

    Aber ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben, dass es in der Politik doch noch einige „Überzeugungstäter“ gibt: Merz könnte einer sein.

    • Merz politische Überzeugungen gingen leider so oft Hand in Hand mit seinen finanziellen Interessen, dass man sich nicht mehr sicher sein kann, was eigentlich was ist.

      Wenn die CDU nur 1/3 der AfD Wähler zurückgewinnt und gleichzeitig noch ein paar verliert (z.B. weiter an die Grünen oder vielleicht auch mal wieder an die SPD) die den konservativen Kurs nicht teilen, stünde sie allerdings nicht besser da als jetzt. Man darf nicht vergessen, dass die CDU damals unter anderem deshalb in die Mitte gegangen ist, weil sie keine Wahlen mehr gewonnen hat.

      • Ihre Einschätzung ist nicht von der Hand zu weisen.
        Besonders interessant ist auch die Frage, wie Friedrich Merz bei den verbliebenen CDU-Wählern ankommt. Er steht ja zumindest vom Image her für einen völlig anderen Kurs als Angela Merkel. Es ist also nicht auszuschließen, dass die CDU durch seine etwaige Wahl mehr Wähler an die Grünen verliert als sie von AfD und FDP zurückholt. Im worst case könnte sich die CDU mit Friedrich Merz also durchaus bei 15 bis 20% einpendeln …

      • Die CDU gewinnt Wähler zurück, wenn sie eine bessere Politik macht. Dazu muss zuerst Frau Merkel als Kanzlerin abgelöst werden. Wer sie ersetzt, ist eine sekundäre Frage, zumal es vorerst keine Dominanz durch eine Person mehr gäbe.

      • Er scheint das sogar selbst als Problem erkannt zu haben und versucht sich sofort ein breiteres Image zu geben. Als zukünftiger Anführer einer echten Volkspartei die von erzkonservativ bis zur Mitte eben (wieder?) alles abdeckt. Ich habe sein Pressekonferenz nur indirekt mitverfolgt aber er hat sich wohl ausdrücklich positiv über Merkel geäußert, seine wirtschaftliche Arbeit bei Blackrock zu relativieren versucht und die Wichtigkeit von Umweltthemen und Klimawandel betont. Ob ihm die angesprochenen Wählergruppen das abnehmen würden ist eine andere Frage.

        Das Problem beider „ehemaliger“ Volksparteien ist, dass Sie auf dem Weg zur Mitte an ihren jeweiligen Rändern Platz für andere Parteien eröffnet haben. Zum einen die Linke zum anderen die AfD. Jetzt gewinnt man in der Mitte keine Wahlen mehr so einfach, weil man einen Teil der Stimme am Rand wieder verliert. Man verliert aber immer noch Wahlen in der Mitte, da der mögliche Zugewinn an den Rändern nicht ausreicht Verluste in der Mitte auszugleichen. U.a. weil ein Teil der Wähler bis auf weiteres bei der Linken bzw der AfD bleiben wird. Ein ziemliches Dilemma. Merz Ansatz ist daher gar nicht Dumm aber ich bin unsicher, ob genug Wähler sich bei einer breit aufgestellten Volkspartei besser aufgehoben fühlen als bei Parteien die eine aus der jeweiligen Sicht „reinere“ Lehre verfolgen.

      • Die Zeit der großen „Volksparteien“ ist wohl zum Glück vorbei. Das ermöglicht ein Ende des politischen Stillstands. Vorausgesetzt, die Parteien widmen sich endlich einmal der Sacharbeit.

      • Kurzfristig konnte Frau Merkel dadurch an Macht gewinnen, dass sie der SPD Stimmen wegnahm, selbst wenn sie die gleiche Zahl an die AfD oder auch als Nichtwähler verlor. Langfristig ist das ein strategisches Versagen. Hier lag Franz Josef Strauß richtig: „Rechts von der CSU darf es keine demokratisch legitimierte Partei geben“. Auf der linken Seite ist die SPD stark geschrumpft, weil sie erst die Grünen und dann Die Linke groß gemacht hat.

      • derwaechter sagte am 01/11/2018 um 10:21 : „Ich denke ein Teil der Erklärung ist neben verschiedener politischer Inhalte schlicht die Außenwirkung.“
        Der Phänotypus des Politikers einschließlich der Äußerungsfähigkeit ist ein ganz wichtiges Kriterium für Erfolg, wie z.B. Stegner und Nahles negativ verdeutlichen. Die Grünen haben es auf Bundesebene wie in Bayern und Hessen geschafft, Führungspersönlichkeiten mit normalem bürgerlichen Habitus und betontem Optimismus nach vorn zu bringen (was auch den Umgang miteinander einschließt). Damit kann die Partei derzeit die Frage nach Inhalten verdrängen. Übrigens wirkte auch Angela Merkel in ihrer Startphase phänotypisch gesehen erfolgversprechend: Nett und verbindlich im Auftreten (inhaltlich eher mager), für Postenjäger modellierbar. Laschet hat unter diesem Gesichtspunkt eher schlechte Karten. Dass CDU/CSU unter diesem Blickwinkel Mängel aufweisen, ist mit Seekranken zu vergleichen, die an der Reling hängen.

      • Wo gingen denn die politischen Überzeugungen von Herrn Merz Hand in Hand mit seinen finanziellen Interessen? Weil er als Steuerzahler ein einfacheres Steuersystem befürwortete???

        Die Union liegt doch seit 2005 stets vor der SPD, auch wenn Frau Merkel 2005 wohl ein deutlicheres Ergebnis erwartet hatte. Seither klopft sie jeweils vor allem ihren Koalitionspartner klein. Dass die SPD das immer noch nicht gemerkt bzw. wieder verdrängt hat, ist ein eklatantes Führungsversagen.

      • Merz ist für AfD und Grüne ein dankbarer Gegner. Merz ist Establishment pur. Er hat sein ganzes Leben von der Politik gelebt (nein, Aufsichtsratsvorsitzender wurde er sicher nicht wegen seinem wirtschaftlichen „Sachverstand“). Er ist Millionär, der nur aus verletzter Eitelkeit zurück in die Politik geht. Er hetzt sofort gegen die Kritik rechts der Mitte, wobei er sich dummerweise nicht Höcke aussucht, sondern Roland Tichy, dessen Zeitung für den bürgerlichen AfD-Flügel sowie für weite Teile von FDP und CSU ein wichtiges Identifikations- und Informationsmittel ist. Dümmer kann man sich eigentlich nicht anstellen. Zwar wäre AKK für die AfD noch besser, aber mit Jens Spahn hätte man deutlich größere Schwierigkeiten. Einen Mann des Establishments kann man immer anfeinden.

        Und die Grünen werden sich über den Millionär Merz, der bestenfalls als Lobbyist agieren kann, ebenfalls freuen. Den kann man wunderbar dämonisieren als einer der „herzlosen“ und „kalten“ „Neoliberalen“.

      • Peter Burger hat das schon für mich beantwortet. Ich hatte hiet auch schon einen Artikel verlinkt der das ganze schön auflistet

      • Er hat halt auch außerhalb der Politik gearbeitet. Für Grüne mag das ehrenrührig sein, für normale Bürger ist es das nicht.

      • Es kommt auf die Reihenfolge an. Richtig erfolgreich wurde er außerhalb der Politik erst durch seine Bekanntheit als Politiker. Das ist keine große Leistung. Anders herum würde ich das anders sehen. Vor seiner Prominenz als Fraktionsvorsitzender war Friedrich Merz aber nur ein einfacher kleiner Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. Das ist zwar mehr als Claudia Roth oder Katrin Göring-Eckardt usw. vorweisen können, aber sicher nicht der Grund für seine steile Karriere nach der Politik.

      • Upps. Das hatte ich anders in Erinnerung. Macht die Sache aber unterm Strich auch nicht besser.

      • Als ob Merz ernsthaft außerhalb der Politik „gearbeitet“ hat. Dann müsste man das jetzt auch über Schröder sagen oder über Pofalla. Merz hat genauso eine auf die Politik ausgerichtete Karriere hinter sich wie viele andere. Er war nur so schlau und hat dem Bundestag irgendwann Adios gesagt, damit er auch noch die richtig fette Kohle abgreifen kann. Das in der Politik geknüpfte Netzwerk hat ihn mit den entsprechenden Pöstchen versorgt. Roland Koch und er konnten sich ungeniert die Taschen vollstopfen, während sich Christian Wulff von den Medien auch noch anfeinden lassen musste. Insofern ist Merz sicherlich ein kluger Mensch, der sein Image gut gepflegt hat. Der Wahrheit entspricht es aber nicht.

      • Herr Merz war bereits Richter (!) und erfolgreicher Anwalt, bevor er in die Politik ging. Ich denke nicht, dass er hauptsächlich durch Geld motiviert wird, schon gar nicht jetzt.

      • Richter ist zwar eine ehrenwerte Tätigkeit, aber keine in der Privatwirtschaft. Er war damit nur einer unter vielen Juristen und Beamten im Bundestag.

      • Nein, er hat das Richteramt bereits vor seiner Politikerkarriere aufgegeben, die übrigens im Europaparlament begann. Es ist immer noch selten, dass jemand den Beamtenstatus aufgibt. Das sollten gerade Sie eigentlich mehr würdigen.

      • Das ist in der Tat eine mutige Entscheidung, das war mir bislang nicht bekannt. Das ändert aber nichts daran, dass er an die großen Tätigkeiten, über die heute gesprochen wird, höchstwahrscheinlich niemals gekommen wäre, wenn er sich nicht in der Politik ein entsprechendes Netzwerk hätte aufbauen können. Das ist nicht verwerflich. Es sollte aber entsprechend eingeordnet werden. Sonst wären jetzt auch Pofalla und Koch große Wirtschaftsfachmänner, was sie bekanntlich nicht sind, auch wenn Merz sicherlich fähiger als die genannten Namen ist.

      • Interessanter ist doch, dass er nicht einfach weiter viel Geld verdienen, sondern in die Politik zurückkehren will. Die wirklich relevante Frage ist die, ob er sich seinen bisherigen Geldgebern weiter verpflichtet fühlen wird bzw. in deren Sinne denkt und handelt. Bei Ehemaligen von Goldman Sachs ist das klar zu erkennen, weshalb sie nicht in politische Ämter oder auch an die Spitze der EZB gewählt werden sollten.

      • Die jetzige Motivation von Merz dürfte die späte Rache an Merkel sein. Er hat das eben bis heute nicht verwunden. Ich glaube aber nicht, dass es ihm um die Sache geht. In den letzten Jahren ist so viel passiert und er hat sich stets vornehm zurückgehalten. Immer wurde nach ihm gerufen, immer hat er enttäuscht. Er hätte z.B. letztes Jahr in Karlsruhe antreten können. Dann hätte ich Achtung vor ihm gehabt. Aber jetzt, nachdem er 10 Jahre lang abgehauen ist, anzutreten, weil andere für ihn Merkel abgesägt haben, ist nun wahrlich keine große Tat. Das ist maximal die Gelegenheit genutzt.

      • Letztes Jahr hätte er gar keine Chance gehabt. Auch jetzt ist seine Chance klein, aber erstmals überhaupt vorhanden. Deshalb würde ich ihm nicht vorwerfen, dass er so lange gewartet hat. Das ist doch eher eine Tugend, dass er diese Geduld aufbrachte und es bei der nächsten möglichen Gelegenheit versucht, auch wenn diese 16 Jahre auf sich warten ließ. Wegen seiner Motivlage taugt er eher als Parteivorsitzender des Übergangs, der Frau Merkel auch als Kanzlerin absägt, denn selbst als Kanzler der Zukunft.

      • Schön wie sie erst wieder einen völlig unnötigen und wenig erhellenden Seitenhieb abgeben um dann später in einem Kommentar eigentlich die gleichen Sorgen zu äussern wie ich. Sie schreiben „Die wirklich relevante Frage ist die, ob er sich seinen bisherigen Geldgebern weiter verpflichtet fühlen wird bzw. in deren Sinne denkt und handelt“ und genau das ist die Frage. Auch umgekehrt, ob er in seiner politischen Arbeit nicht schon zu sehr an zukünftige Geldgeber denken wird (oder damals gedacht hat).
        Ich kann das nicht sicher beantworten aber es gibt durchaus Indizien, die in dieser Frage gegen ihn sprechen.

      • Welche Indizien sprechen denn gegen Herr Merz? Es ist nicht verwerflich, sein Geld in der freie Wirtschaft zu verdienen, und zwar nicht bei semistaatlichen Organisationen oder ausländischen Potentaten und auch nicht nur nach der politischen Karriere, sondern bereits davor.

      • Was „nicht verwerflich“ oder nicht verboten ist, ist deshalb noch lange nicht automatisch frei von Potential für massive Interessenkonflikte für eine Tätigkeit als „Volksvertreter“.

      • Sind Sie jetzt plötzlich auch dafür, dass nur Menschen Politiker werden dürfen, die noch nie etwas anderes gemacht haben als Parteipolitik? Das führt auch zu großen Interessenkonflikten bzw. einer abgehobenen politischen Klasse. Das größere Risiko sind ohnehin nicht frühere, sondern spätere Tätigkeiten für die Vertreter von Sonderinteressen. Herrn Schröder kann man vielleicht nicht strafrechtlich, aber durchaus moralisch und politisch als korrupt bezeichnen.

      • Ganz im Gegenteil. Ich bin dafür, dass berufliche Erfahrungen in der realen Welt VOR der politischen Karriere erworben und nachgewiesen werden müssen. Parteifreunde-Kofferträgerkarrieren sind in der Politik heute leider die Regel und nicht die Ausnahme. Das ist es, was sich ändern muss. Außerdem sollte nach zwei Legislaturperioden Schluss sein. Was der Politiker danach macht oder machen möchte, darf natürlich auch keinen Einfluss auf sein politisches Handeln als gewählter Volksvertreter haben. Das schließt aber meine Eingangsposition nicht aus.

      • Herr Merz hatte berufliche Erfahrungen vor seiner politischen Karriere. Seine Karriere davor war nicht übermäßig lang, aber dafür schon recht eindrucksvoll. Vor allem hatte er überhaupt eine solche Karriere, was auf viele Spitzenpolitiker leider nicht mehr zutrifft. Die wirkliche Besonderheit ist aber, dass er jetzt aus der Wirtschaft in die Politik zurückkehren will. Mir fällt dazu kein weiteres prominentes Beispiel in Deutschland ein. Natürlich ist das mit Risiken verbunden, aber auch mit Chancen und den Versuch ist es auf jeden Fall wert.

      • Ich sehe Herrn Merz durchaus auch als das kleinste Übel für die CDU. Aber eben nur als kleinstes Übel und mehr nicht. Ihn wegen seiner früheren Tätigkeit als Amtsrichter (!) und als Rechtsanwalt gleich zum Wirtschaftsexperten hoch zu stilisieren (der er vielleicht gar nicht ist – ich selbst war ja davon ausgegangen, dass er immerhin StB und WP sei, habe ihn also wohl auch überschätzt), halte ich für fatalistisch. Es fehlen der CDU eben tatsächlich die kompetenten Fachleute, jedenfalls an der Spitze.

      • Unter den Blinden ist der Einäugige König und Herr Merz hat mehr Wirtschaftskompetenz als alle anderen Bewerber zusammen mit Frau Merkel.

      • Genau so ist es. Dass Deutschland überhaupt von Blinden und Einäugigen regiert wird, ist allerdings zugleich das Grundübel an dem es schleichend zu Grunde geht.

      • Der linke SPIEGEL behauptet, dass die Kandidatur von Friedrich Merz für den CDU-Vorsitz von Wolfgang Schäuble lanciert wurde: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/wolfgang-schaeuble-trieb-kandidatur-von-friedrich-merz-als-cdu-chef-voran-a-1236426.html
        Dazu muss man wissen, dass Schäuble auch der Mentor von Jens Spahn ist. Wenn Spahn zu Gunsten von Merz verzichtet, macht Merz das Rennen gegen AKK! Politik funktioniert mit Netzwerken, Taktik und Strategie. Man muss auch um die Ecke denken können.

        Man sollte Friedrich Merz vorwerfen, dass er sich bis heute nicht eindeutig gegen die „Flüchtlingspolitik“ von Merkel ausgesprochen hat, auch dass er erst vor kurzem einen Appell für mehr EU á la Macron einschließlich einer EU-Arbeitslosenversicherung unterschrieben hat, ABER ganz bestimmt NICHT, dass er zwischenzeitlich als sehr erfolgreicher Wirtschaftsanwalt und Aufsichtsrat viel Geld verdient hat!

      • Weiß der Teufel, ob es nicht umgekehrt ist und der durchtriebene Oberintrigant und Schwarzgeldspezialist Wolfgang Schäuble Friedrich Merz nicht als Steigbügelhalter für Jens Spahn positioniert hat?

  8. Eine Einschätzung zur aktuellen Situation: Diese Pressekonferenz von Angela Merkel war der Anfang vom Ende. Die Trennung von Parteivorsitz und Kanzlerschaft bis 2021 ist eine Illusion- das wird nicht passieren. Ihr gestern vorgetragenes (im Übrigen unpersönliches und abgelesenes) Statement war keine „noble Geste“, wie hier allenthalben verbreitet wird. Es war die letzte Ausfahrt, bevor sie beim Bundesparteitag in Hamburg entmachtet worden wäre, wie es vor 3 Wochen in der Bundestagsfraktion bereits geschehen ist. Da war auch nichts Visionäres dabei- sie hat sich einfach bis zum letztmöglichen Zeitpunkt an die Macht geklammert. Bitte keine Legendenbildung, sondern der Wahrheit die Ehre! Merkel hat fürchterliche Fehler gemacht. Die völlig übereilte und planlose Energiewende. Die Euro- und Banken-Rettung, welche über die künstliche Niedrigzinsphase die größte Enteignung von Privatvermögen in der Geschichte unseres Landes darstellt. Die Isolation Deutschlands innerhalb der EU, mittelbar auch der Brexit. Die von ihr ausgelöste Flüchtlingswelle, verbunden mit dem bis heute andauernden Kontrollverlust. Die völlige inhaltliche Entkernung der Volkspartei CDU. Die komplette Destabilisierung unserer politischen Parteienlandschaft. Und vieles mehr. Ich bin nicht bereit, das alles zu vergessen- nur weil sie endlich die Ausfahrt gefunden hat. Diese Dinge zu reparieren wird Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern. Hinter Angela Merkel steht innerhalb der CDU ein ganzes System an Günstlingen und Claqueuren. Das sind diese Leute, die jetzt kommen und angeblich schon immer die größten Kritiker waren. Das sind diese Leute, die über all die Jahre das System Merkel über viel Druck aufrecht erhalten haben- aber flexibel genug sind, sich jetzt in 180 Grad zu drehen. Für diese Leute darf es an der Spitze der Partei ebenfalls keine Zukunft geben. Das ganze Parteiensystem gehört auf den Misthaufen der Geschichte. Sicherlich wieder böse Rufe, wenn ich meine mitteile, dass wahre Demokratie vom Volke ausgehen sollte.

    • Carmen von Warminski, desaströse Aufzählung der „Meriten“ Merkels unvollständig , dem Forum geschuldet.

      Spaltung Deutschlands , Europas , Auflösung durch Zerstörung der Deutschen Bürger/innen als Zugehörigkeit einer Nation gleichberechtigter Völker Europas.

      Dänen haben es inzwischen – leidvoll – begriffen und erfahren analog Österreich , reagieren entsprechend auch wenn es kurzfristig nur wenig helfen wird.

      Sie hat sogen. Neue Bundesländer moralisch und kulturell abgestoßen, die hatten gerade 40 Jahre Herrschaft mit Diktatur einer Person / Partei / Clique hinter sich einschl. devoter kastrierter Medien.

      Merz kann, will sich der von Merkel geprägten „neuen“ sozialistischen CDU – Denke a la SPD nicht lösen, seine Intentionen zu Europa kongruent die vom Präsidenten Macron, auch wenn der sich liberal nach außen hin gibt.

      Macron steht – wirtschaftlich , kulturell – mit Rücken zur Wand, Frankreich braucht frisches Kapital zu Null auf absehbare Zeit , fängt an mit gemeinsamer AV – Arbeitslosenversicherung, hört auf mit Banken – Risiko -Vergemeinschaftung etc.

      Merz als Taktgeber der CDU / CSU Fraktion und Macron als französischer Präsident ist Fortsetzung der Merkelschen Politk die Deutschland direkt auflöst, wirtschaftlich, monetär, kulturell.

      • Es bleibt ohnehin erst einmal abzuwarten, ob Friedrich Merz noch derselbe Politiker ist wie vor 16, 17 Jahren … Menschen ändern sich. Auch Politiker. Ganz besonders, wenn viel Geld im Spiel ist.

      • Friedrich Merz ist ein eitler, geldgeiler Gockel. Seine „Tätigkeiten“ in der Wirtschaft sind doch nur ein Abfallprodukt seiner politischen Karriere. Merz ist nur einer von vielen Schröders und Pofallas. Seine Äußerungen in der jüngsten Vergangenheit zeigen doch eindeutig, dass er mit dem angeblich wertkonservativen und marktliberalen Merz, der von den Medien gezeichnet wird, nichts zu tun hart. Merz ist Establishment pur, mehr geht wohl gar nicht. Inhalte sehe ich bei Merz keine, nur das Streben nach Reichtum oder jetzt eben Macht.

      • Volle Zustimmung. Nichtsdestotrotz muss man Friedrich Merz am Rest der CDU sowie an ihrem Zustand messen. Und unter den Blinden ist der Einäugige nun mal König.

    • Klare Worte, denen ich mich bis auf den letzten Satz durchaus anschließen kann. Dass das Volk nach jahrzehntelanger Wischiwaschipolitik mit der dadurch bewirkten Politikverdrossenheit tatsächlich reif für direkte Demokratie ist, bezweifle ich indes. Der unerklärliche Höhenflug der Grünen lässt vielmehr befürchten, dass die ultimative Wohlstandsverblödung gerade auf ihren Höhepunkt zusteuert.

      • Ich denke ein Teil der Erklärung ist neben verschiedener politischer Inhalte schlicht die Außenwirkung.

        CDU und SPD und auch FDP scheinen selbst nicht zu wissen, wo sie eigentlich sein wollen und wirken daher v.a. diffus.

        Die Grünen strahlen im Moment Erfolg und v.a. einen positiven Optimismus aus. Die AfD hingegen eine missmutige Untergangstimmung.

      • Positiven Optimismus als Alleinstellungsmerkmal kann ich bei den Grünen beim besten Willen nicht erkennen. Ich bin kein Grüner und möchte trotzdem die Bienen retten. Aber muss man dafür denn unbedingt „grün“ sein?

      • Den Einwand verstehe ich nicht.

        Wenn Sie das Auftreten der Parteien, besonders AfD und Grüne vergleichen sehen Sie nicht den Unterschied? Vereinfacht gesagt machen die Grünen feel-good Wahlkampf die AfD macht Angst Wahlkampf.

      • Für die Grünen sind doch Untergangsängste konstitutiv. Früher sagten sie nicht nur das komplette Sterben der deutschen Wälder vorher, sondern auch millionenfachen Tod durch zivile Atomkraftwerke, wenn nicht gleich den 3. Weltkrieg durch die NATO-Nachrüstung. Nun ist jeder Autofahrer am Weltuntergang durch den Klimawandel schuld, während alle, die Deutschland nicht abschaffen wollen, böse Nazis sind.

      • Dass die AfD viele Ängste thematisiert stimmt. Das finde ich auch nicht alles gut.
        Was an den Kampagnen der Grünen zum „feel good“ von 20% der Bevölkerung beitragen soll, kann ich hingegen nicht nachvollziehen. Gibt es wirklich schon so viele durch und durch verblödete Naivlinge?

      • „feel good“ für diejenigen, die die grüne Ideologie teilen. Andere werden dadurch provoziert.

      • Direktdemokratische Elemente wie Volksentscheide verhindern nicht nur so eine abgehobene Politik wie durch Frau Merkel, sondern führen auch dazu, dass sich mehr Menschen ernsthaft für die Sachprobleme interessieren, diese diskutieren und dann besser entscheiden. Selbst wenn es gelegentlich zu Fehlentscheiden kommt, sind diese besser legitimiert und kann daraus gelernt werden.

      • Sehe ich nicht so sicher. Gerade Wechselwähler (also sehr viele) sind gar nicht ideologisch festgelegt. Ich würde auch bezweifeln dass es eine geschlossene Ideologie überhaupt gibt bzw diese von den Wählern erkannt wird.

        Und dann macht es halt einen Unterschied ob die Spitzenleute freundlichen lächeln und eine positive Vision vermitteln oder aggressiv bzw negativ auftreten und sich hauptsächlich durchs dagegen sein definieren.

      • Die aktuellen grünen Spitzenleute sind vielleicht tatsächlich hübscher und erscheinen netter, was vielleicht von der FDP unter Herrn Lindner kopiert wurde. Aber schauen Sie eine Generation zurück. Frau Roth und Herr Trittin waren wohl kaum gutaussehende Sympathieträger.

      • Anton Hofreiter und Claudia Roth habe ich noch nie freundlich lächeln sehen … beispielsweise Alice Weidel hingegen schon.

      • Herr Dilger. Ich spreche von aktuellen Wahlkämpfen. Wer agiert dort im Moment hauptsächlich mit Ängsten und Untergangsszenarien? Es sind nicht die Grünen.

      • Doch, die Grünen beschwören den Weltuntergang durch den Klimawandel und den Untergang unserer Demokratie durch Nazis, womit alle rechts von Frau Merkel gemeint sind. Die AfD beschwört ihrerseits den Untergang des Abendlandes durch den Islam, Migranten allgemein und links-grün Versiffte, womit alle links von ihr selbst gemeint sind. Ich denke, dass sich beide Parteien sehr ähnlich sind, was auch kein Zufall ist, weil etliche AfDler die Grünen als Vorbild sehen, deren Methoden es mit umgekehrtem Vorzeichen zu kopieren gilt. Das gilt selbst für die unzureichende Abgrenzung von Gewalttätern auf der eigenen Seite.

      • Die AfD bräuchte einen Jörg Haider, einen Roger Köppel, einen Donald Trump oder einen Matteo Salvini für bessere Wahlergebnisse. Eine charmante, führungsstarke und selbstbewusste Persönlichkeit, die Menschen für sich gewinnen kann und für die Anfeindungen der Medien nur ein müdes Lächeln übrig hat. Diese Charaktereigenschaften verbunden mit in Deutschland sag-
        und denkbaren Positionen und die Wahlergebnisse wären andere. Diese Person wird früher oder später kommen, das ist wohl eher eine Frage der Zeit.

        Ich sehe bei den Grünen keinen wirklichen Höhenflug. Sie haben im Westen knapp 20%. Auf dem Land existieren sie kaum, in der Großstadt sind die mehrheitsfähig. Das weiß jeder, der nicht eingeschlossen in seiner Wohnung lebt. Da wird man auch nicht viel dagegen machen können. Einigen Menschen geht es einfach so gut, dass sie sich naive Gedankengänge erlauben können, vor allem wenn man während der Schulzeit damit rundum indoktriniert wurde. Die nächste Wirtschaftskrise und es wird anders aussehen.

      • Die AfD hat mit Alice Weidel eine solche Persönlichkeit. Sie hat aber leider auch Leute wie Alexander Gauland und Björn Höcke, die die AfD beständig nach unten ziehen.

      • Ich schreibe von der Aussenwirkung der aktuell erfolgreichen Grünen und sie kommen erst mit alten Themen und dann mit alten Spitzenleuten. Das führt natürlich zu nichts.

      • Due AfD ist erst knapp 6 Jahre alt. Wie waren die Grünen da? Ich schrieb von der jüngsten Vergangenheit, die Sie offensichtlich schon verdrängt haben. Frau Roth und selbst Herr Trittin sind doch sogar noch aktiv.

      • Die „Spitzenleute“ Claudia Roth und der freundliche Hofreiter Toni sind doch immer noch topaktuell bei den Grünen … 😂

      • Mit Alice Weidel, Jörg Meuthen und Peter Böhringer hat die AfD auf jeden Fall die wirtschaftspolitisch fähigsten Leute. Wer wirtschaftsliberale Positionen sucht, wird in der AfD am ehesten fündig. Leider gibt es einen starken sozialistisch geprägten Flügel, der hier den Spielraum im Parteiprogramm massiv einschränkt. Positiv ist, dass die Parteistiftung mit Max Otte im Kuratorium den liberalen Kurs, der den kleinen Mann schützt, aber die großen Gesellschaft zur Verantwortung zwingt (Einheit von Gewinn und Haftung), ebenfalls einschlägt und eine echte Koryphäe für sich gewinnen konnte.

      • Was hat denn das Alter der AfD mit dem Erfolg der aktuellen Grünen mit ihren aktuellen Spitzenleuten zu tun? Die ursprüngliche Frage war, wie sich der aktuelle Erfolg erklären liesse. 300sel hat ihn als unerklärlich bezeichnet und ich habe mich an einer Erklärung versucht. Nämlich: zu nicht unerheblichen Teilen dadurch dass die Grünen deutlich positiver wahrgenommen werden als früher und als die anderen Parteien. Das liegt auch daran, dass ihre aktuellen Spitzenkandidaten frisch und sympathisch auf viele Wähler wirken. Das war früher anders.

        Ich denke weiterhin, dass dies ein valider Erkläungsansatz ist.

        Dass die Grünen auf Sie anders wirken und dass die Grünen Ihrer Meinung nach auch anders sind, ändert daran nichts. Sie hätten ja auch nicht für sie gestimmt.

      • Ihre Erklärung ist allein schon deshalb unplausibel, weil die Grünen schon einmal vor ein paar Jahren auf 20 Prozent bundesweit in den Umfragen kamen. In Baden-Württemberg holten sie 2016 sogar über 30 Prozent, was wohl kaum am guten und jugendlichen Aussehen von Herrn Kretschmann lag. Außerdem gibt es umfangreiche Literatur dazu, dass in den meisten westlichen Ländern gutes Aussehen mehr auf der rechten als linken Seite des politischen Spektrums eine Rolle spielt. Mir persönlich ist es ohnehin egal, Ihnen offensichtlich nicht.

      • Die Grünen kann schon rein optisch man bestenfalls als Kasperltheater wahrnehmen.

      • Claudia Roth oder Anton Hofreiter habe ich in der Tat auch noch nie lächeln gesehen. Jürgen Trittin kann nur frech grinsen. Und die neue grüne Doppelspitze sind drittklassige Schauspieler, die gepushed werden…!

      • Es ist eine interessante Frage, ob man die Spitzenpositionen in der Politik mit Schauspielern besetzen könnte (damit meine ich nicht ehemalige Schauspieler wie Ronald Reagan oder Arnold Schwarzenegger, die zu Politikern wurden), während andere im Hintergrund den Kurs bestimmen. Im Wahlkampf oder für eine reine Oppositionspartei könnte das funktionieren, beim Ausfüllen staatlicher Spitzenpositionen vermutlich weniger. Damit sind doch bereits die spezialisierten Politiker überfordert.

      • „Spezialisierte Politiker“?
        Wen haben wir da?
        Und ’spezialisert‘ worauf?
        IM Erika? Spezialstin für Lügen und Intrigen?
        Wolfgang Schäuble?
        Claudia Roth?
        Anton Hofreiter?
        Heiko Maas?
        Christian Lindner?
        Andrea Nahles?
        Martin Schulz?

        Alles extrem beeindruckende Spezialisten …

      • Politiker in höheren Parteiämtern sind spezialisiert auf Parteipolitik und vor allem innerparteiliche Winkelzüge, sonst wären sie nicht in diese Ämter gekommen (es gibt Ausnahmen wie die AfD 2013, die die Regel bestätigen). Schon das Gewinnen von Wählerstimmen ist eine andere Disziplin, auf die sich viele nicht verstehen, die verantwortliche Staatsführung ist noch etwas ganz anderes.

      • Eben „spezialisiert“ auf Intrigen und Winkelzüge. Merkel ist dafür das beste Beispiel. Fachkompetenz fehlt diesen Politikern hingegen von hinten bis vorne.

      • „Mir persönlich ist es ohnehin egal, Ihnen offensichtlich nicht.“

        Sie können einfach nicht argumentieren ohne solche Angriffe einzubauen, das ist schade. Es ging weder um die Frage warum und was ich wähle noch was ihnen gefällt sondern wie sich der aktuelle Höhenflug erklären könnte. Und der hat mit uns nichts zu tun, da ich auch vorher schon grün gewählt habe und sie niemals grün wählen würden.

        Ihre Argumente weiter oben im selben Beitrag sind durchaus vernünftig aber mit einigen Schwächen. ich werde nicht weiter darauf eingehen weil sie dann wieder das Thema wechseln und/oder Angriffe wie den obigen abgeben werden. Das führt zu nichts.

      • Sie haben doch behauptet, dass Grünen-Wähler nach dem Äußeren entscheiden. Ich kenne keinen einzigen, bei dem das so ist. Die viel simplere Erklärung für den momentan (und auch letzten) Höhenflug der Grünen ist, dass sie das links-individualistische Weltbild viel klarer vertreten als die SPD oder auch die Merkel-CDU, in der es jetzt wahrnehmbaren Widerspruch dagegen gibt.

      • Sehen Sie, so geht dass immer weiter. Ich habe das nicht behauptet sondern sie legen mir das in den Mund. Warum auch immer.

        „Die Grünen strahlen im Moment Erfolg und v.a. einen positiven Optimismus aus.“ Habe ich gesagt und das als eine Erklärung für ihren momentanen Erfolg genommen. Sie machen daraus dass „die“ Grünen-Wähler nach dem Äusseren entscheiden.

      • Sie haben behauptet (alle Schreibfehler im Original): „Und dann macht es halt einen Unterschied ob die Spitzenleute freundlichen lächeln und eine positive Vision vermitteln oder aggressiv bzw negativ auftreten und sich hauptsächlich durchs dagegen sein definieren.“ „Das liegt auch daran, dass ihre aktuellen Spitzenkandidaten frisch und sympathisch auf viele Wähler wirken.“ Jetzt wollen Sie nicht dazu stehen. Die Grünen sind weiterhin die Verbotspartei, die sogar Gewalt gegen ihre eigenen Entscheidungen wie im Hambacher Forst befürwortet, und ansonsten führten Sie nur Äußerlichkeiten an.

      • Wo zum Teufel machen die Grünen „feelgood“-Wahlkampf? Nur weil ihr Sprecher-Duo versucht, sich das Image von Rockstars zuzulegen, was vom linken Zwangsgebühren-TV von ARD und ZDF unterstützt wird?!?

        Wo verbreiten die Grünen „Positiven Optimismus„??? Diese Partei ist bekannt für Bevormundung und Umerziehung! Die Grünen sind die Lobbyisten für Schlepperbanden, die Buschmänner illegal nach Europa schleusen??? Außerdem Lobbyisten perverser Kinderfi**ern und ihrem Credo, dass es doch eigentlich jeder mit jedem treiben könnte (sex sells). Und mit der grünen Forderung, Rauschgift zu legalisieren, bekommt der „feelgood„-Begriff eine ganz neue Bedeutung…!

      • Grüne geben eben gerne vor, wodurch sich andere gut zu fühlen haben und wodurch nicht …

      • Eben. Und das haben sie so verkürzt und verfälscht wiedergegeben, dass es absurd klingt. Nämlich nach einer reinen Reduzierung auf das Aussehen der Kandidaten und als einzige Erklärung für die Wahl aller Grünen-Wähler. Billige Rethorik halt.

        Hier ein paar Zitate professioneller Beobachter die es ähnlich sehen wie ich. Vielleicht hilft das.

        Aus der SZ
        „Auch wenn die Grünen bundesweit inzwischen durchaus als etablierte Partei bezeichnet werden dürfen, haben die beiden in Bayern einen schlichten Vorteil: Sie sind frisch und unverbraucht, haben nichts von dem jahrzehntealten Filz, den man mit der CSU in Verbindung bringt, und sie kommen bei den Menschen mit ihrer direkten Art gut an.“

        FAZ

        „In der öffentlichen Kommunikation jedoch konzentrieren sie sich auf die Aspekte, die griffig sind, lebensnah und unabhängig von der Parteipräferenz positiv besetzt.“

        Die HAZ fragte schon vor der Wahl:

        Vielleicht haben die Grünen ihre gute Ausgangslage dem fröhlichen Gemüt der 33-Jährigen zu verdanken und dem locker-heiteren Stil, mit dem sie Wahlkampf macht? Und spricht von der
        „betont munteren Kampagne“ der Grünen.

        Die Fachleute von WuV loben die Grüne Kampagne „mit klarem Branding, optimistischer Botschaft und kreativen Standards über alle Kanäle hinweg“

        Und Götz Aly schrieb in der BZ über die Bundesspitze der Partei.

        „Ihr Auftreten unterscheidet sich stark vom öffentlichen Bild, das Claudia Roth, Anton Hofreiter oder die Berliner Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann bevorzugen, aber sie würden sich niemals als deren Gegenentwurf präsentieren. Sie stehen für sich, frei davon, sich von irgendjemandem abzugrenzen zu müssen. Sie können reden, sehen sympathisch aus, denken nach und meiden ideologische Verbiesterung. Ihnen gebührt Vertrauensvorschuss.“

        Zu den Bayern sagt er: „Dort stehen zwei bodenständige, gut gelaunte und schlagfertige, politisch durchaus erfahrene Landtagsabgeordnete an der Spitze: „

      • Es kann hier doch jeder nachlesen, was Sie und ich geschrieben haben. Ich denke nicht, dass ich Ihre abstruse These verfälscht habe. Dass deutsche Journalisten größtenteils für die Grünen sind und für diese Propaganda machen, ist auch hinreichend bekannt.

      • Katharina Schulze denkt nach, bevor sie den Mund auf macht? (Götz Aly)
        Der war gut …

        Und was das „Branding“ angeht (W&V):
        „Ich will Bienen retten“ oder „Ich will grüne Wiesen“ sind natürlich Slogans, mit deren klarer Botschaft man Vorschulkinder prima beeindrucken kann!

        Alles super.

      • An andere Stelle fragte Sie mal, wo sie die Grenzen ziehen sollen? Sie ziehen sie offenbar bei „Pretzell-Heuchelei“ (was auch immer das genau war, aber so schlimm klingt das nicht) und Wettangeboten, geben aber Buschmänner und Kinderficker frei? Ich würde bei solchen Begriffen die Grenze ziehen. Ohne Wenn und Aber.

      • Bei der Diskussion um Herrn Pretzell ging es nicht um Begriffe, sondern darum, dass Herr Meister sie erst anzettelte, um sie mir dann vorzuwerfen. Das halte ich für heuchlerisch. Ich habe auch nichts gegen Wettangebote, aber erst müssen alte Wettschulden beglichen werden, bevor es zu neuen kommt. Was ist am Begriff „Buschmänner“ schlimm (wobei diese nicht nach Europa kommen)? Pädophilie und deren Befürwortung durch viele, auch heute noch sehr prominente Grüne finde ich viel schlimmer als ein böses Wort dafür (auch noch mit **).

      • Das mit den nicht bezahlten Wettschulden bezog sich auf Herrn Krebs und nicht auf Herrn Dilger, wie jeder aufmerksame Teilnehmer dieses Blogs weiß.

      • Der Begriff „Buschmänner“ war sarkastisch gemeint. In der Tat sind es die Buschmänner, ein vom aussterben bedrohter Volksstamm im südlichen Afrika, nicht, die nach Europa kommen, sondern es ist das Heckenproletariat aus den Slums Afrikas und des nahen und mittleren Ostens, das an die Fleischtöpfe Europas will und unserer Sozialsysteme zerstört.

        Kindesmissbrauch hast viele Formen. Es ist richtig, sehr hart gegen pädophile Priester vorzugehen! Schade, dass Papst Franziskus, die „Hoffnung“ der Linken, das vernachlässigt hat. Aber es sind gerade die Grünen, die so gerne auf die Katholische Kirche draufhauen, statt den meterdicken perversen Dreck vor ihrer eigenen Haustür zu kehren…!

      • Die armen Buschmänner können nichts dafür. Sie sind selbst Opfer eines Genozids. Begangen von Zulu (den heutigen Herrenmenschen Südafrikas) und anderen zentralafrikanischen Stämmen, die in ihr Land eingedrungen sind. Aber darüber spricht niemand. Schon gar nicht in Europa. Denn das wäre ja politisch nicht korrekt.

        Eine Parteifreundin schrieb mir heute: „Der letzte Kampf der Menschheit wird nicht der Kampf um Ressourcen, um Territorien, um Religionen sein, sondern ein Kampf Intelligenz gegen Dummheit.“
        Ich denke, sie hat Recht. Und die Dummen sind eindeutig in der Mehrheit …

      • Die Intelligenten haben den großen Vorteil, dass sie intelligent sind. Zur Not kann man sich auch dumm stellen, während sich ein Dummer viel schwerer tut, intelligent zu erscheinen (außer gegenüber noch Dümmeren) oder gar zu handeln. Die Intelligenten haben jedoch wenig gemeinsame Ziele (was auch für die Dummen als Gruppe gilt), sondern die Hauptkonfliktlinien verlaufen anders. Auf jeder Seite gibt es Intelligente und Dumme, wobei intelligente Gegner viel gefährlicher sind als dumme.

      • Dumme haben oft den Vorteil, eine niedrigere Hemmschwelle zu besitzen und intuitiver zu handeln, wohin sich Intelligente gerne verkopfen und nicht selten in ihren Skrupeln verheddern.

      • Es ist doch nicht so einfach, sich dümmer zu stellen. Vor allem sind die Opportunitätskosten höher. In unserem Parteiensystem kommt man mit reinem Sitzfleisch weiter als mit besonderen Begabungen.

  9. Meine Ansicht ist, dass es Absprachen gegeben hat. Bei der Wahl durch die Delegierten kommen über 30% aus NRW. Dadurch das Laschet jetzt verzichtet hat, wird Merz Vorsitzender. Im Gegenzug bekommt Laschet die Kanzlerschaft.

  10. Für die CDU wäre Merz wohl die zukunftsträchtige Wahl. Die Beharrungskräfte werden aber wohl für AKK stimmen. Im Falle eines Patts steht Luschet sicher als Überraschungskandidat in Wartestellung.

    Ich halte Merz für einen deutschen Macron, weit überschätzt. Es ist sehr traurig, dass die letzte deutsche Volkspartei nur solche Kandidaten vorweisen kann.

    • Herr Spahn ist der aussichtsreichere Kandidat als Herr Merz. Ob er wirklich gut und glaubwürdig ist, ist eine andere Frage. Es spricht auch nichts dagegen, dass beide antreten und die Stimmen dann in der Stichwahl gebündelt werden.

      • Merz ist ein guter Redner, aber sonst ein reiner Mythos. Spahn ist schmieriger, aber hat jahrelang sein Ding gemacht und durchaus dem offenen Kampf gesucht. Auch jetzt in der Pflege. Ich bin da nicht immer damit einverstanden, aber er geht die Sache an und steht mit seinem Namen dafür ein. Merz hat sich hingegen jahrelang versteckt und greift jetzt plötzlich ein, um einem Boxer, der bereits in den Seilen hängt, den letzten Schlag zu verpassen.

        Das erinnert mich an die christlichen Feiertage meiner Kindheit, an denen auf Phoenix den ganzen Tag „100 Jahre“ von Guido Knopp lief. Falls Merz sich jetzt tatsächlich den Vorsitz holt, dann würde mich das an die Szene erinnern, die darstellt, wie es Lenin sich im Exil in der Schweiz gemütlich macht und erst eingreift, als alle Grundlagen längst gelegt wurden, um sich seine Finger nicht schmutzig machen zu müssen. Lenin wurde schließlich vom Kriegsgegner durch das Feindesland mit dem Zug transportiert. Merz wird nun von dem ihm eigentlich feindlich gesonnenen Medien hochgeschrieben, um der AfD zu schaden und möglicherweise indirekt sogar der SPD neues Leben einzuhauchen.

      • Sie denken da zu kompliziert. Herr Merz würde doch der AfD mehr nutzen als schaden. Er ist deshalb für die Medien sowie das Publikum interessant, weil er ein bekannter Gegner von Frau Merkel ist. Das ist sein Motiv, reicht aber natürlich nicht für die Zukunft. Entsprechend sollte vielleicht auch ich mein politisches Engagement ganz einstellen oder noch weiter zurückfahren, wenn Frau Merkel endlich Geschichte ist. Auch und gerade dann wird es viel zu tun geben, aber es ist nicht mehr erste Bürgerpflicht.

  11. Ich denke, es wird auf Merz vs. AKK hinauslaufen. Dass Jens Spahn selbst in „konservativen“ Kreisen der CDU unbeliebt ist, lässt tief blicken. Die CDU ist verloren. Merz wird es wohl werden, weil das Merkel-Lager momentan zusammenfällt und die Opportunisten wie Laschet zu Merz bereits übergelaufen sind oder das künftig noch werden.

    Die Glaubwürdigkeit von Merz gilt es aber zu hinterfragen. Noch vor 2 Jahren hat er dem Euro keine große Zukunft mehr eingeräumt, wollte Griechenland draußen haben und konnte sich nicht vorstellen, wie man dem deutschen Wähler dauerhafte Transferleistungen erklären könne Er tat das öffentlich in TV-Talkshows, überall nachzuvollziehen in den weiten Welten des Internets. Sein seither vorgenommener 180-Grad-Schwenk zeigt doch, dass ihm Inhalte sonstwo vorbeigehen und ihn alleine die Macht lockt, wo solche Ansichten nun plötzlich nicht mehr opportun wären.

    • Herr Merz ist eben doch ein Politiker. Er geht davon aus, dass die Anhänger seiner bisherigen Ansichten ihn innerhalb der CDU ohnehin wählen werden und er jetzt durch einen Schwenk weitere Anhänger gewinnen kann. Wer für Fundamentalopposition ist, ist ohnehin nicht in der CDU. Was er dann zukünftig tun wird, wissen wir nicht. Aber schlimmer als Frau Merkel kann er nicht werden.

    • @Peter Burger

      Die Medien sind seit gestern Abend voll von Meldungen, dass Armin Laschet vor einem „Rechtsruck der CDU“ warne (z.B. https://www.welt.de/politik/deutschland/article183141684/Parteivorsitz-Laschet-warnt-vor-Rechtsruck-unter-neuer-CDU-Fuehrung.html oder http://www.faz.net/aktuell/politik/merkels-erbe/merkel-nachfolge-laschet-warnt-cdu-vor-rechtsruck-15869973.html). Wie das damit zusammengehen soll, dass er als Opportunist in das Lager von Friedrich Merz überliefe, erschließt sich mir nicht.

      • Das glaube ich auch nicht. Er hat doch indirekt schon gesagt, dass er selbst der nächste Kanzler werden will. Allerdings wäre es dafür wohl doch klüger gewesen, als Parteivorsitzender zu kandidieren.

      • Was nicht ist, kann ja noch werden. Wir werden die CDU in den nächsten Wochen sicher als Schlangengrube erleben, in der die Stuhlsägen heiß laufen.

      • Die Bild meldet, dass sich Merz die Rückendeckung von Laschet abgeholt hat. Ziel ist es, Spahn als Vorsitzenden zu verhindern.

      • Spahn steht also für den von Laschi befürchteten „Rechtsruck“. Wie amüsant.

    • Lieber Herr Burger,
      ich lese Ihre Kommentare hier immer gerne. Sie können natürlich jeden beliebigen Kandidaten gleich vernichten weil er irgendeine populäre oder populistische Position vertritt. Sie werden aber derzeit keinen Politiker finden, der a) nur sinnvolle Positionen vertritt und b) realistische Chancen auf Wahlerfolg hat. Dafür wäre erforderlich, dass die Präferenzen der Wähler andere sind. In Deutschland mögen wir halt Umverteilung, „Umweltschutz“, „Solidarität“ und den ganzen Quark. Insofern bleibt uns realistischerweise oft die Wahl des kleinsten Übels statt der Wahl des perfekten Kandidaten. Merz ist derzeit m.E. das mit Abstand kleinste Übel in der Union. Oder wer bietet uns Ihrer Ansicht nach eine bessere Chance auf eine bessere Politik?

      • Vielen Dank für Ihr Kompliment. Sie haben natürlich Recht, dass Merz zu Merkel definitiv eine Verbesserung darstellt. Ich kann nur nicht begreifen, weshalb sich Merz wenige Wochen vor seinem entscheidenden Schritt sich mit dem bürgerlichen! Anti-Merkel-Protest medial wirksam anlegt und sich gleichzeitig noch zusammen mit Sozialdemokraten für eine europäische Arbeitslosenversicherung ausspricht. Hier hätte es auch eine deutlich schwammigere Vorgehensweise à la „mehr Europa“ und „weniger Populismus“ getan. Kurz hat doch vorgemacht, wie man es machen kann. Die von mir zitierten Positionen sind schlichtweg ein offener Angriff auf all jene, die sich jahrelang den Arsch aufgerissen haben und Merz die Kandidatur damit erst ermöglicht haben. Auf den linken Flügel und die Medien zuzugehen ist sicherlich Teil des Spiels. Die eigene Basis zu diskreditieren und ihre Kernanliegen zu verraten, ist hingegen eine ganz andere Nummer.

      • Verrat und Intrigen sind eben die Spezialgebiete, auf denen Politiker fit sein müssen. Wie von Herrn Dilger an anderer Stelle (siehe weiter oben) treffend ausgeführt. Echte Kompetenz ist in der „Parlamentarischen Demokratie“ heute wohl leider absolut nachrangig.

      • Mich wundert es auch, wie stark sich Herr Merz in dieser Hinsicht exponiert hat. Bestenfalls ist es Taktik, damit er als der „wirtschaftsliberale“ Kandidat erscheint und nicht als der „rechte“ wie Jens Spahn. Schlimmstenfalls hat er aus falscher Überzeugung gehandelt.

  12. Es ist doch in Ordnung, dass Merz sein Pulver trocken gehalten hat, als der Wind in der Union noch pro-Merkel wehte. Der Mann hat eben Opportunitätskosten (seinen Verdienst in der Wirtschaft und ein ruhiges Leben), das kann man ihm nun wahrlich nicht zum Vorwurf machen. Wir sollten uns fragen, was das beste fürs Land ist und je weniger ein Politiker wie Merkel ist, desto besser. Dass auch ein Merz sich dem Zeitgeist anpassen muss, um überhaupt Chancen zu haben, kann man ihm nicht vorwerfen. Er ist unsere beste Chance auf Besserung in diesem Land.

    • Friedrich Merz wird sich bei der Wahl zwischen den Grünen und der AfD für die Grünen entscheiden. So wie das alle Leute tun würden, denen die soziale Stellung und der damit verbundene Reichtum am wichtigsten ist, denn diese würde andernfalls aufgrund der links-grünen Meinungshoheit in der Öffentlichkeit und Presse Schaden nehmen. Deshalb hat sich die Wirtschaft auch noch nie gegen grün-ideologische Spinnereien gestellt, weil man im Zweifel nur in Ruhe Geschäfte machen möchte und da stören ein paar Flüchtlingsprojekte und Frauen-Career-Events nicht wirklich.

      Friedrich Merz ist deshalb keine Alternative. Er wird lediglich ein paar Lobbymaßnahmen für irgendwelche international tätigen Gesellschaften durchsetzen können und wollen. Ich würde das ja gerne anders sehen, es ist nur nicht wahrscheinlich. Mit den Grünen zusammen ist keine Erneuerung möglich. Dass es anders geht, zeigen Österreich, die USA und mal abwarten, vielleicht bald auch Brasilien, falls Bolsonaro auf demokratischem Weg den Sumpf der Korruption endlich austrocknet.

      • Die Grünen sind doch z.B. längst die größten (und dümmsten) Kärrner der Automobilindustrie. Sie tun nur so, als hätten sie das selbst noch gar nicht bemerkt.

      • Österreich ist ein model und Kurz ein absoluter Lichtblick. Allerdings ist die FPÖ auch viel weiter als die AfD, ich würde schätzen, dass die AfD noch 5-10 Jahre braucht um da anzukommen.

      • Als sehr frühes Mitglied der AfD will ich nicht hoffen, dass die AfD jemals dort ankommt, wo die FPÖ steht. Für mich steht die FPÖ nämlich in erster Linie für einen zutiefst (national)sozialistischen Kurs in der Sozialpolitik und das macht sie für mich unwählbar. Sollten sich in der AfD entsprechenbde Kräfte durchsetzen und das Ruder an sich reissen, wäre das für mich ein sofortiger Austrittsgrund.

      • Ob das tatsächlich so ist, wird sich auf dem nächstjährigen Bundesparteitag zur Sozialpolitik zeigen. Ich denke aber nicht. Sie unterschätzen den nach wie vor wie in keiner anderen Partei vorhandenen gesunden Menschenverstand in der AfD. Aber von außen lässt sich das ja auch nicht beurteilen.

      • Manches lässt sich von außen besser beurteilen. Für anderes benötigt man Insiderinformationen, die ich tatsächlich nicht mehr habe.

      • “ Für mich steht die FPÖ nämlich in erster Linie für einen zutiefst (national)sozialistischen Kurs in der Sozialpolitik “
        @ Michi Meister
        Übertreiben sie doch nicht immer so, bei ihrer Einschätzung der FPÖ.
        ÖVP/FPÖ Koalition hat den 12 Stunden Tag und die 60 Stunden Woche eingeführt ( was in manchen Bereichen teilweise durchaus sinnvoll ist) was nicht sonderlich sozialistisch ist.

      • Wer sagt denn, dass Sozialisten halten, was sie dem Prekariat vor der Wahl so alles versprechen? Die Geschichte ist voller Gegenbeispiele!

  13. Anscheinend wurde der Rückzug Merkels schon lange vorbereitet und sie weiß schon seit März dass der Merz kommt.
    Und Schäuble soll die treibende Kraft hinter der Merz-Kandidatur sein:

    https://www.focus.de/politik/deutschland/bundestagswahl_2017/groko-im-ticker-umfrage-mehrheit-der-deutschen-wuenscht-sich-auch-von-nahles-und-seehofer-ruecktritt_id_9827708.html

    Wahrscheinlich stimmt es sogar, dass sie sich im Sommer entschloss sich skuzessiv zurück zu ziehen.
    Das macht es aber nicht besser. Im Gegenteil. Der Wähler fühlt sich zurecht angelogen und betrogen, wenn Merkel bis kurz vor der Hessenwahl sagte, dass die Parteivorsitzende bleiben will und Schäuble sagte, dass er hinter ihr steht.

    Die lange Vorbereitung der Merz’schen Kandidatur erfolgte, ohne dass die Medien darüber berichteten, obwohl sich Merz mit allen möglichen Leuten traf, um seine Chancen auszuloten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies den Hauptstadt Journalisten entgangen ist. Das wirft ein bezeichnendes Licht auf unsere Medien.

    • Ich vermute, dass hier mehrgleisig gefahren wurde. Bei einem anderen Ergebnis bei den beiden letzten Landtagswahlen wäre Frau Merkel tatsächlich Parteivorsitzende geblieben. Doch da sie inzwischen mehr Wähler kostet als gewinnt, wurde der Druck zu stark.

      • Indirekte „Demokratie“ eben. Indirekt und intransparent. Die Wähler fischen im Trüben.

  14. Klar spielt frisches, sympathisches, hübsches Aussehen bei Spitzenpolitikern eine wichtige Rolle.
    Wenn Kurz so alt wäre und so aussehen würde und so unsympathisch rüberkommen würde, wie Martin Schulz, wäre die ÖVP nur drittstärkste Partei bei den Parlamentswahlen geworden.
    Das ist ja das Problem bei Spahn, der ist zwar jung ist aber ein Ungustl. ( Ö- Ausdruck für unsympathisch).
    Mit wem würden sie lieber Abendessen gehen: Spahn oder Kurz? ( gut bei Frauen wäre es 1% zu 99% aber auch bei Männern wohl eindeutig).

    • Wenn es tatsächlich so wäre, wie war es dann möglich, dass dieser hässliche SPÖ-Mensch aus Ybbs (wie war sein Name gleich wieder?) Bundeskanzler wurde?

      • Ich denke, Frauen gehen lieber mit Spahn zum Abendessen. Das liegt in der Sache der Natur und befriedigt die Neugierde ohne Konzessionen.

  15. Pingback: Merz distanziert sich vom eigenen Europa-Aufruf | Alexander Dilger

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