Widerstand im Weißen Haus

Die New York Times veröffentlicht einen anonymen Leitartikel, angeblich von einem „senior official in the Trump administration“: „I Am Part of the Resistance Inside the Trump Administration“. Inhaltlich finde ich die Ausführungen gut nachvollziehbar. Donald Trump ist eigentlich nicht als Präsident der USA geeignet und andere müssen versuchen, seine Fehler, Amoralität und Unberechenbarkeit auszugleichen.

Trotzdem darf man nicht anonym solche Artikel veröffentlichen und zugleich weiter für den Präsidenten arbeiten bzw. so tun. Das ist illoyal bis hin zu Verrat und Verschwörung. Der amtierende Präsident ist kein Diktator, auch wenn er vielleicht gerne einer wäre, sondern demokratisch gewählt. Seine Untergebenen müssen nicht jeden Unsinn umsetzen, aber sie dürfen auch nicht heimlich gegen ihn arbeiten. Wer die Arbeit für ihn nicht mit seinem Gewissen vereinbaren kann, der sollte kündigen. Danach darf man auch keine Staatsgeheimnisse ausplaudern, aber durchaus öffentlich Kritik üben. Solche hinterhältigen Artikel dienen jedoch nicht der Aufklärung, sondern der weiteren Spaltung der amerikanischen Gesellschaft.

11 Gedanken zu „Widerstand im Weißen Haus

  1. Angesichts der Beschädigungen der Weltordnung durch Trump ist die Schwerpunkt-Setzung dieses Blogs auf die moralische Bewertung dieses Whistleblowers schon etwas seltsam. Politisch gesehen hat der Beitrag in der New York Times vielleicht Auswirkungen auf die Meinungsbildung der Republikaner im Kongress; für die Wählerschaft Trumps, bei der dieser nach wie vor hohe Zustimmungswerte genießt, ist er eher ohne Bedeutung.

    • Der Beitrag ist illoyal und trägt nur zur weiteren Spaltung bei. Gerade wenn der Beitrag inhaltlich richtig ist, muss dem Autor doch die fatale Wirkung bewusst sein. Präsident Trump reagiert auch schon entsprechend.

    • Lieber Herr K. W. Berger, Sie faseln von einer „Weltordnung„, die Donald Trump angeblich beschädige?!? WER hat diese „Weltordnung“ festgelegt??? WER war/ist demokratisch dazu legitimiert, eine solche „Weltordnung“ festzulegen, ihre Einhaltung zu kontrollieren und Strafen zu verhängen, wenn ein Staat dagegen verstößt???

      Diese erfundene „Weltordnung“ ist nichts anderes, als links-grünes Moralapostel-Getue, angebliche „ethisch-moralischen Grundsätze“ für andere aufzustellen, an die sich das doofe Volk gefälligst zu halten hat, aber die von den Herren_Innen Moralapostel jederzeit gebrochen, oder zumindest „situationsgerecht“ ausgelegt werden.

      Kein Staat und erst recht keine überstaatliche Organisation hat anderen Staaten Vorschriften zu machen! Kehrt Euren Scheißdreck vor Eurer eigenen Haustür!

      • Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten eines anderes Staates ist eines der Grundprinzipien der bestehenden Weltordnung, auch wenn es seit 1990 immer häufiger missachtet wurde (und meistens nicht zum Guten). Im zwischenstaatlichen Verhältnis gibt es weitere verbindliche Normen, z. B. das Verbot von Angriffskriegen, welches auch mehrfach missachtet wurde, aber nicht nur zur Selbst-, sondern auch Fremdverteidigung berechtigt.

  2. Donald Trump macht inhaltlich eine gute Politik. Über seine Persönlichkeit lässt sich freilich streiten und darüber inwiefern die am Ende zustandegekommene Politik auf ihn direkt zurückuführen ist, lässt sich spekulieren. Am Ende werden wir weiterhin Freihandel (möglicherweise aber besseren), weniger internationale Einmischung, weniger Migration (vor allem muslimische), weiterhin eine „unahängige Zentralbank“ (denn die Zinspolitik kann er anders als Erdogan nicht steuern) und weniger Staat (weniger Steuern) haben. Hört sich doch nicht schlecht an?

    Die Frage ist doch, wer Trump nachfolgen würde? Wenn sich die Menschen von Trump abwenden, dann doch weniger wegen seiner Politik, sondern vielmehr wegen der skandalträchtigen Wahrnehmung in den Medien.

    Wer würde ihm bei den Republikaner nachfolgen? Für die Ideologie Bushs gibt es zum Glück keine Mehrheit mehr. Sollte Trump enthoben oder bei den Kongresswahlen indirekt abgewählt werden, dann wäre sein Nachfolger am Ende Steve Bannon selbst. Die ähnlichen Ideen mit weniger Chaos und guten Wahlchancen. Ich glaube nicht, dass die Presse damit glücklicher wäre. Denn Skandale würden dann der Vergangenheit angehören. Bannon wäre auch sicherlich nicht so leicht zu beeinflussen wie Trump und am Ende würde es ihm auch nicht nur um das „Business“ gehen.

    • Nein, Präsident Trump macht inhaltlich keine gute Politik, schon gar nicht aus liberaler und auch ökonomischer Sicht. Haben Sie z. B. einmal sein geplantes neues Abkommen mit Mexiko mit den bisherigen NAFTA-Regeln verglichen? Welche Verbesserungen sehen Sie da? Wirklich durchgesetzt hat er bislang nur Steuersenkungen für Superreiche zur Unzeit.

      Sollte er tatsächlich seines Amtes enthoben werden, wonach es momentan nicht aussieht, würde sein Vizepräsident Mike Pence zum neuen Präsidenten. Kürzlich habe ich gelesen, dass das zumindest die Demokraten nicht freuen dürfte, weil Herr Pence weniger chaotisch und ideologisch gefestigter ist. Mir scheint es, dass die Präsidentschaft von Donald Trump zunehmend im Chaos versinkt, was schlecht ist, aber trotzdem nicht am schlechtesten.

      • Das NAFTA-Abkommen wurde nicht sonderlich geändert. Handel wird es weiterhin geben, die Autos werden etwas teurer werden, da mehr Arbeiter einen höheren Stundenlohn bekommen müssen. Das ist ein Eingriff in den freien Handel und gegen die ökonomische Logik freier Märkte. Aber es hilft den Arbeitern in den Fabriken, die mehr Geld verdienen werden. Das war sein Wahlversprechen, denen wollte er helfen und hier hat er geliefert.

        Dass die mexikanischen und amerikanischen Autos durch europäische oder asiatische Autos ersetzt werden und die Arbeiter damit ihren Job verlieren, ist eher unwahrscheinlich, schließlich gibt es auch dort allerlei Handelsbarrieren.

        Freieren Handel wird es auf mittlere Sicht mit China geben. Hier ist ein höherer Druck zweifelsohne notwendig.

        Die Steuersenkung kam zur Unzeit. Das ist aber auch egal. Es musste die Gunst der Stunde genutzt werden. In der nächsten Krise werden die politischen Mehrheiten schon wieder andere sein und außerdem ganz andere Themen auf der Agenda stehen.

    • @Peter Burger sagte …“Aber es hilft den Arbeitern in den Fabriken, die mehr Geld verdienen werden . . .“
      Nur zum Verständnis: Den mexikanischen Arbeitern hatte Trump ja eigentlich nichts versprochen ?! Und ob die Verteuerung von Importen auf die US-Lohnpolitik in der Automobil-Produktion durchschlägt, ist nicht zwingend. Vielmehr erschwert der Eingriff Trumps in die Lohnpolitik mexikanischer Unternehmen die Verlagerung von Exporten in andere Staaten (wie etwa entsprechend der Verhältnisse von 2012). Es ist ähnlich wie bei der Neufassung der EU-Entsenderichtlinie und deren nochmalige französische Verschärfung: Die Chancen aufstrebender Industriestaaten durch Nutzung des Lohngefälles werden durch Barrieren der entwickelten Industrie-Nationen gebremst.
      Der demokratische Senator Sanders hat eine Gesetzesvorlage angekündigt, die sich an Amazon, Walmart u.a. richtet und „Working Poor“ abhelfen soll (die dort ohne Bedrohung durch Importe stattfindet).

      • Es handelt sich ganz klar um eine protektionistische Maßnahme, die gegen Mexiko gerichtet ist. Dort verdient kein normaler Fabrikarbeiter 16 Dollar pro Stunde, in den USA trifft das auf die meisten bereits zu und ist ansonsten die Lohnerhöhung nicht übermäßig.

      • Es ist natürlich eine protektionistische Maßnahme. Eine Maßnahme, die den Arbeitern in den Automobilfilrmen hilft, da sich nun Auslagerungen nach Mexiko weniger lohnen. Möglicherweise werden sogar Jobs aus Mexiko in die USA verlagert, um die Anforderungen zu erfüllen (BMW könnte da so ein Kandidat sein). Den Preis zahlt selbstverständlich der Verbraucher.

  3. Pingback: Widerstand im Weißen Haus | Lesefunk

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