Hund beißt Mann

„Mann beißt Hund“ hätte zwar den höheren Nachrichtenwert, doch zum Glück kommt es auch gar nicht so häufig vor, dass ein Hund einen Mann beißt, insbesondere einen fremden Mann ohne eigenen Hund. Doch Mittwoch letzter Woche ist mir das in Schweden passiert. Ich joggte auf einem öffentlichen Weg, als aus einem Grundstück mit recht vielen Menschen ein ziemlich großer schwarzer Königspudel auf mich zulief. Ich blieb stehen und sprach ihn an, doch er sprang mich trotzdem einmal an und biss beim zweiten Mal in meinen rechten Unterarm, den ich extra schützend vor mich hielt, damit er mich weder umwerfen noch in den Leib oder in die Hand beißen konnte. Danach schrie ich den Hund an und er lief zu den Leuten zurück, die die ganze Zeit gar nichts machten. Ich lief dann auch weiter und wich später noch zwei kleineren Hunden und einer Schlange aus.

Später erzählte mir die Vermieterin unserer Ferienwohnung, dass sie von demselben Hund auch schon blutig gebissen worden war und er mindestens zwei weitere Menschen angriff, weshalb ihm eigentlich Leinenzwang verordnet worden sei. Der Biss bei mir ging zum Glück nicht durch die Haut, war aber trotzdem mehrere Tage deutlich auf der Haut zu erkennen. Ich habe den Vorfall der schwedischen Polizei gemeldet. Gestern kam das Protokoll der Anzeige auf Schwedisch per Post, allerdings schon vorgestern die Mitteilung, dass das Verfahren eingestellt worden sei.

Kann ein Land zu liberal sein? Das hängt vom Begriffsverständnis ab. Falls man es stets für liberaler hält (was ich nicht tue), wenn die Gesetze und deren Auslegung noch großzügiger sind, dann kann tatsächlich das Optimum überschritten werden. Wenn einem Staat selbst gewaltsame Angriffe gegen friedliche Menschen egal sind, dann vergrößert das nicht die individuelle Freiheit, sondern verkleinert sie. Wenn bissige Hunde frei herumlaufen und sanktionslos zubeißen dürfen wie offensichtlich in Schweden, können Menschen sich nicht mehr frei bewegen oder müssen selbst aufrüsten. Ich bin übrigens nur froh, dass ich keines unserer Kinder dabei hatte. Die nächsten Urlaube machen wir dann wohl doch lieber woanders.

24 Gedanken zu „Hund beißt Mann

  1. Vollständige Liberalität wäre dann also Anarchie und Faustrecht bei Vollbeschäftigung im Öffentlichen Dienst, der dann nur noch Notarfunktion hat.

  2. Schweden verzeichnet angeblich die relativ höchste Beamten-Dichte in Europa. Dort werden die Tiere bei schnellen Bewegungen ihrer Menschen sehr misstrauisch. Die demotivierte schwedische Polizei, bei der angeblich immer ca. 25 % der Beamten über Kündigungsschreiben brüten, und die sich sogar ihre Dienstwagen klauen lässt, ist kein Gegenstand philosophischer Überlegungen, sondern schlicht Beispiel von Staatsversagen. In Deutschland wären bei einem solchen Vorfall, bei dem ja eigentlich nichts passiert ist, die kommunalen Ordnungsämter zuständig.

    • Es ist etwas passiert. Ein Hund beißt immer wieder Menschen und sowohl die Hundehalter als auch die Behörden tun nichts dagegen. Es gibt Schlimmeres, aber es sind Zeichen vom Niedergang einer friedlichen Gesellschaft wie auch die vielen angezündeten Autos.

      • Ob so ein Fall Folgen hat, ist auch davon abhängig, ob die Polizei bzw. der Staatsanwalt diesen Fall, bei dem es zu einer Körperverletzung wohl nicht gekommen ist, an die Ordnungsbehörde weitergeben (unterstellt deutsche Strukturen). In Deutschland ist dies auch meist nicht der Fall; hier ist die Privatinitiative gefordert. Da der Hundehalter ja angeblich unter ordnungsrechtliche Auflagen gestellt ist, würde ein Ordnungsgeld verhängt werden. Kein Beschäftigter im Öffentlichen Dienst würde sich hier heute mehr vorwerfen lassen, durch vorsätzliche Untätigkeit körperlichen Schäden Vorschub geleistet zu haben. Ich kann es mir eigentlich auch in Schweden nicht vorstellen.

      • Ich bin kein Jurist, aber eine Körperverletzung liegt doch nicht erst dann vor, wenn Blut fließt oder gar Fleisch herausgebissen wurde. Der Hund hat zugebissen, das war schmerzhaft und mehrere Tage zu sehen. Wahrscheinlich kam es nicht zu Mikroverletzungen, die dann zu einer Entzündung bis hin zum Tode führen könnten, aber ganz ausgeschlossen war das nicht. Wenn statt der Polizei das Ordnungsamt zuständig ist, würde ich eigentlich erwarten, dass die eine Behörde den Fall an die andere weiterreicht. Aber mir ist bewusst, dass das auch in Deutschland häufig nicht der Fall ist, sondern viele sich aus der Verantwortung zu stehlen versuchen.

  3. Das Jedermannsrecht in Schweden sagt unter Punkt 10:
    „10. Hunde
    In der Natur müssen Hunde zwischen dem 1. März und dem 20. August angeleint sein, damit das Wild in Ruhe seine Jungen aufziehen kann.

    Im Prinzip gilt der Leinenzwang das ganze Jahr über, denn auch außerhalb der Periode März bis August muss ein Hund so beaufsichtigt werden, dass er Wildtiere in der Natur nicht verfolgen kann.

    Die Schweden lassen deshalb (und aus Rücksicht vor anderen Wanderern) selbst gut erzogene Hunde selten frei in der Natur laufen.“
    Meinem Charakter würde es jetzt entsprechen, den schwedischen Behörden mitzuteilen, wie enttäuschend es wirkt, dass man die Angelegenheit so behandelt hat. So ein Protest hilft allein wenig, aber in der Summe mag es Auswirkungen haben.
    Schweden hat sich drastisch verändert, vor allem in den Städten. In Göteborg bin ich mal minimal etwas zu schnell gefahren. Zu Hause angekommen lag das Strafmandat schon auf dem Tisch, 20 Euro mit einem Formular, dass sie ermächtigt werden möchten, zukünftig selber automatisch abbuchen zu dürfen. Da soll man also Adresse und Bankdaten einer ausländischen Behörde geben für den Fall der Fälle, dass ich irgendwo mal in Schweden im Halteverbot stehe.
    Nun,sie hatten ja hier versprochen zu berichten, wie es Ihnen dort ergangen ist, ohne Bargeld. Ich hatte immer irgendwelche monetären Probleme dort,man kann sich aber daran gewöhnen.

    • Auf die Verfahrenseinstellung werde ich gar nicht reagieren. Es reicht mir, im eigenen Land gleich an mehreren Stellen gegen Unrecht ankämpfen zu müssen. Allerdings wurde mein ansonster positiver Eindruck von Schweden dadurch doch erheblich getrübt.

      Wir hatten keine Zahlungsprobleme in Schweden. Nur an zwei Stellen haben wir Bargeld benötigt: Für kleine Extrazahlungen bei unserer Vermieterin, weil sich für sie bei so wenig Transaktionen ein Kreditkartengerät nicht lohnt (während Schweden untereinander wohl schon per Mobiltelefon bezahlen können), und in einer Schmalspurbahn. Viele andere wollten hingegen lieber Karten- als Barzahlung, selbst bei Kleinstbeträgen. Eine Kinderbahn konnte gar nicht bar bezahlt werden.

  4. Zuerst hoffe ich und drücke die Daumen, daß nicht doch irgendeine Infektion folgt! Bei Tierbissen ist größte Vorsicht geboten.
    Ich habe seit einiger Zeit beim Spazierengehen Pfefferspray dabei und würde es auch sofort gegen Hunde einsetzen, wenn mich diese erkennbar angriffen. Das sollten Sie auch mal erwägen. Das Verhalten der Hundehalter zum einen ist oft unglaublich: Kürzlich kamen mir im ortsnahen Wald vier oder 5 Leute mit insgesamt 10 Hunden entgegen, natürlich alle nicht angeleint. Da wurde mir schon mulmig. Zum anderen sind die lokalen Ordnungsämter wohl nicht willens und auch nicht fähig, etwas gegen dieses Verwahrlosung zu tun (denn das ist es: Verwahrlosung, wie überall sonst auch): Laut Gemeindesatzung müssen alle Hunde angeleint sein. Die wenigsten richten sich danach. Fängt man einen Disput mit den Haltern an, wird es ganz schnell laut.
    Schweden ist da ersichtlich schon weiter fortgeschritten, wie in anderen Bereichen auch. Dort wird die Polizei selbst angegriffen, und dort gibt es – offiziell zugegeben – auch jede Menge No-Go-Areas (wie bei uns, nur wird das hier nicht zugegeben).
    Unter den vielen Artikeln zu Schweden (mit Bezügen zu uns) möchte ich einen aktuellen empfehlen: https://www.achgut.com/artikel/schweden_augen_zu_und_weiter_so

    • Ich habe einen Dog-Dazer, der mit Ultraschall Hunde abwehren kann. Das funktioniert tatsächlich, aber in Schweden hatte ich das Teil nicht dabei und hier in Deutschland meistens auch nicht. Gut sichtbar in der Hand veranlasst es vor allem viele Hundebesitzer dazu, von sich aus ihren Hund zurückzurufen. Das dürfte auch auf Pfefferspray zutreffen. Aber müssen wir uns jetzt alle bewaffnen, weil der Staat uns nicht mehr schützen will und kann?

      Bei mehreren Hunden ist mein Eindruck übrigens der, dass sie dann besonders gefährlich sind, wenn sie zusammengehören. Hunde jagen am liebsten wie Wölfe im Rudel. Treffen hingegen fremde Hunde aufeinander, dann sind sie miteinander beschäftigt und nicht an Joggern etc. interessiert.

  5. Das ist ärgerlich. Ich würde allerdings aus dieses einen Erfahrung nicht gleich Schweden als Urlaubsland abhaken. Ich war schon öfter dort Joggen ohne je Probleme gehabt zu haben. In Deutschland oder Frankreich jedoch schon öfter. Aber auch dort Gott sei Dank ohne Biss.

    • Ein Hundebiss ist wohl leider überall möglich. Das eigentlich Problem ist die (fehlende) Reaktion der Halter und vor allem Behörden. Allerdings bin ich nicht sicher, ob es inzwischen nicht in Deutschland schon ebenso wäre. Eine der am stärksten unterstützten Petitionen dieses Jahr setzte sich doch tatsächlich für einen Hund ein, der zwei Menschen getötet hatte.

      • Ja da fasst man sich wirklich an den Kopf. Schön dass sie ansonsten einen guten Eindruck vom Land hatten. Wenn man hier und andernorts einige Kommentare liest, glaubt man ja manchmal Schweden sei die von marodierenden Südländern heimgesuchte kommunistische Vorhölle 🙂

      • Ich kann nicht beurteilen, ob es in großen schwedischen Städten vielleicht tatsächlich schon No-Go-Areas gibt (selbst für Dortmund und Berlin würde ich das übrigens verneinen, obwohl es in US-amerikanischen Reiseführern bereits anders steht). Ich war auf dem Land, wo es anscheinend eine No-Jogging-Area gibt, von der ich nichts wusste.

      • Mensch, die schwedischen No-Jogging areas sollte man aber kennen 🙂

      • Ich glaube es gibt zwei verschiedene Arten No-Go Areas. Was es in Schweden angeblich (ich kenne die Gegenden nicht, kann mir das aber durchaus vorstellen) gibt sind Gegenden wo sich Einheimische oder sogar die Polizei nicht ohne weiteres hin trauen. Die No-Go Areas aus den Reiseführern meinen jedoch Gegenden in die man als erkennbar nicht-Deutscher nicht ohne weiteres gehen sollte. Diese Gegenden gibt es in Teilen Ostdeutschlands und vereinzelt auch in Westen m.W. durchaus.

        Für andere Minderheiten (z.B. Juden oder Schwule) oder einfach anders aussehende sind beide Arten wohl gleichermassen gefährlich. Leider.

      • Vielleicht muss man tatsächlich differenzieren, wer wann wo besser nicht hingeht. Ich traue mich in Deutschland noch auf jede öffentliche Straße, doch mit meinen Kindern wäre ich vorsichtiger. Auch für Frauen ist es bereits gefährlicher geworden, so gab es auf unseren Joggingstrecken in Dortmund kürzlich sexuelle Übergriffe mitten am Tag. Für Menschen mit anderer Hautfarbe gibt es wohl leider schon seit 1990 Orte, die sie besser meiden. Ganz schlimm wird es, wenn sich selbst die Polizei nicht mehr in gewisse Gegenden traut, zumindest nicht allein oder zu zweit, wie es gerüchteweise selbst in Teilen von Dortmund der Fall sein soll. Schließlich ist zu bedenken, dass es immer eine Abwägung von Risiken ist. Auch am sichersten Ort kann man überfallen werden und selbst an den gefährlichsten Orten werden nicht rund um die Uhr alle Leute angegriffen.

      • Sehe und erlebe ich auch so. Bin allerdings unsicher, ob die Gefahr von Überfällen oder Vergewaltigungen im öffentlichen Raum objektiv wirklich gestiegen ist. Subjektiv natürlich schon wenn etwas in der eigenen Nähe passiert ist.

      • Die allgemeine Kriminalität ist in Deutschland gesunken. Die Zahl der angezeigten Sexualdelikte hat hingegen stark zugenommen, allerdings wurde das Sexualstrafrecht auch verschärft. Ausländer und Flüchtlinge sind überproportional kriminell, was aber vor allem an ihren sonstigen Eigenschaften liegt (junge Männer oft ohne Arbeit mit niedrigem Bildungsniveau etc.).

  6. Schweden hat in den 70er Jahren begonnen sich abzuschaffen, als die dortige Politik meinte, den eigenen Wohlstand mit der ganzen Welt teilen zu müssen. Dänemark oder Norwegen sind konservativer geblieben; hier wäre so etwas wie bei Ihnen vielleicht nicht passiert.

    • Der Hundebesitzer schien keinen aktuellen Migrationshintergrund zu haben. Nicht alle Probleme haben mit unkontrollierter Zuwanderung zu tun (bzw. die gemeinsame Ursache könnte ein zu lockeres Verhältnis zum Rechtsstaat sein, denn wenn man alles durchgehen lässt, werden dadurch auch Rechte verletzt und Freiheiten beschnitten).

  7. Frei laufende Hunde sind auch in Deutschland ein Problem. Vielen Hundebesitzern fehlt das Verständnis, dass andere Menschen begründete Angst vor einem gefährlichen Tier haben. Seit meine Frau vor Jahren bei einem Waldspaziergang von einem freilaufenden Hund angefallen wurde, geht sie nicht mehr mit mir in den Wald

    Wenn es nach den grünen Idioten geht, soll es auch wieder Bären und Wölfe in deutschen Wäldern geben. Dann werde auch ich ohne Schusswaffe nicht mehr in den Wald gehen… 😦 😦 😦

    • Es gibt recht vernünftige Regeln dazu in Deutschland, wo und wie Hunde auslaufen dürfen. Das Problem ist nur auch in diesem Fall, dass sich viele nicht an die Regeln halten, der Staat diese nicht durchsetzt und selbst im Schadensfall kaum Sanktionen drohen. Selbst Mörder werden doch kaum noch bestraft…

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