Griechen wie Deutsche leiden weiter nach Ende des Euro-Rettungsschirms

Heute endeten offiziell die Hilfsprogramme für Griechenland. ‚Griechenland bekommt angeblich letztmalig 15 Milliarden Euro‘ und die Eurokraten loben sich selbst für ihre schlechte Politik. Dabei gilt: „Griechenland ist und bleibt pleite. Das Schuldenproblem ist nur auf die lange Bank geschoben.“ Die meisten Griechen hatten nicht wirklich etwas von der teuren Euro- und Bankenretterei:

Gleichzeitig ist die Wirtschaftskraft seit Ausbruch der Krise aber um einen Viertel eingebrochen. Noch stärker, und zwar um rund einen Drittel, sank das verfügbare Einkommen. In den vergangenen zehn Jahren ist zudem fast jeder fünfte Arbeitsplatz verloren gegangen. Viele gut ausgebildete Griechen ha­ben das Land verlassen, und Investitionen zur Modernisierung der Wirtschaft blieben grössten­teils aus. Auf entsprechend tiefem Niveau verharren die Produktivität und die Wettbewerbskraft.

Wenig deutet darauf hin, dass es Griechenland gelingen wird, aus diesem Malaise herauszuwachsen. Weil die wirtschaftlichen Probleme primär struktureller Natur sind, gehört das Land trotz guter Weltkonjunktur weiterhin zu den wachstumsschwachen Staaten der EU. Keineswegs kleiner geworden ist zudem die Staatsverschuldung. Sie liegt mit 178 Prozent der Wirtschaftskraft auf dem zweithöchsten Niveau im OECD-Raum, hinter Japan. Der Staat ist und bleibt pleite. Dass sich diese Tatsache derzeit bequem unter den Teppich kehren lässt, ver­dankt sich der Grosszügigkeit der europäischen Geldgeber. Diese verzichten bis 2032 auf die Tilgung ihrer Forderungen.

Yanis Varoufakis ist leider zuzustimmen: „Griechenland versinkt jeden Tag tiefer in einem schwarzen Loch“. Doch auch die Gläubigernationen haben nicht wirklich etwas davon. Die Hilfskredite sollten besser gleich abgeschrieben werden. Das „Geldvermögen der Deutschen verliert an Wert“ ohnehin, weil die Zinsen so niedrig sind, die Inflation wieder anzieht, aber auch Aktien nicht mehr richtig gut laufen. Für eine bessere Zukunft müsste mehr investiert werden, und zwar sowohl privat als auch öffentlich, in Deutschland, Griechenland und dem Rest Europas. Doch Frau Merkel hat ganz andere Prioritäten und zwingt sie anderen auf.

10 Gedanken zu „Griechen wie Deutsche leiden weiter nach Ende des Euro-Rettungsschirms

  1. CDU/CSU muss jetzt endlich anfangen, Kanzlerkandidaten mit Führungsqualitäten, aufbauend auf ökonomischem Sachverstand, aufzubauen. Beklemmend ist derzeit, dass Deutschland im Ausland auf Grund seiner wirtschaftlichen Erfolge noch als Leitbild in verschiedenen Politik-Bereichen wahrgenommen wird, obwohl die Regierung Merkel sich von Wahl zu Wahl konzeptionslos durchmogelt (z.B. „kein Schuldenerlass Griechenlands“, Energiewende, Sozialpolitik, Haushaltspolitik). Flankiert wird dies dadurch, dass die Kammersänger im Ausland ebenfalls schwach positioniert sind. Nicht unproblematisch ist, dass sich geeignete Kandidaten zwangsläufig gegen Merkel positionieren müssten. Das muss man riskieren. Es erweist sich aber im Nachhinein, dass die früher gehandelten Kandidaten – von Merkel angeblich „weggebissen“ – ebenfalls mit Vorsicht zu genießen wären.

  2. Es dauert ab jetzt 2 Jahre, bis das letzte Hilfspaket aufgebraucht ist. Griechenland ist nach Bulgarien das zweit ärmste Land in der EU. 21 Prozent der Bevölkerung mangelt es an grundlegenden Dingen wie Essen und Heizstoff , trotz der Wohlfahrtsgedanken der EU. 4% Wachstum sind nicht durch Wirtschaftsleistung entstanden, sondern durch regierungsführende Abschmelzung der Eigenleistung der eigenen Bevölkerung.
    Die Rückzahlung der Schulden sind auf 30 Jahre gerechnet, das sind jährlich 10 Milliarden Euro pro Jahr.
    Für mich persönlich kommt nur eine einzige Lösung in Betracht. Diese Endloslösung beinhaltet, dass sich eine neue griechische Regierung nicht mehr an die festgelegten Haushaltslösungen verpflichtet fühlt.
    Deshalb sage ich heute schon mal:“ Gute Nacht,Griechenland“

    • “ Griechenland ist nach Bulgarien das zweit ärmste Land in der EU.“

      Welche Statistik ist das wieder , ich dachte Rumänien.

      Wie geht die Steigerungsform :
      Lüge, große Lüge, Statistik

      • 1981 trat Griechenland der Europäischen Gemeinschaft bei. Seine Aufnahme war heftig diskutiert worden, da erst kurz vor der Aufnahme die Militärdiktatur abgeschafft worden war. Generell befürchtete man, dass die EG mit Griechenland eine Art „Störenfried“ aufnehmen würde. Hier waren besonders das gespannte und konfliktbehaftete Verhältnis zur Türkei, die zusammen mit Griechenland 1952 in die NATO aufgenommen wurde, ein Diskussionspunkt.
        Ferner war Griechenland sehr arm und wirtschaftlich eher agrarisch ausgerichtet. Zum Beitritt in die Union wurden von Seiten Griechenlands falsche Zahlen verwendet,um den Eintritt zu erleichtern.
        Griechenland war schon vor 40 Jahren pleite,daran hat sich bis heute nichts geändert. Griechenland muss die Eurozone verlassen, nicht als Strafe, sondern zur Erleichterung ihrer eigenen Wirtschaftskraft. Mit einem Schuldenerlass wären alle gut bedient. Bleibt Griechenland in der EU bzw. Euro und werden die Schulden erlassen, fängt das Spiel wieder von vorne an.

      • Hier gibt es eine Statistik zum BIP pro Kopf in der EU. Bulgarien liegt auf dem letzten Platz, Rumänien auf dem vorletzten. Griechenland rutscht zwar immer weiter ab, ist aber immer noch auf dem 20. von 28 Plätzen.

    • Griechenland ist nicht das zweitärmste Land der EU, sondern lässt sich von ärmeren Ländern unterstützen. Die Schulden werden nie zurückgezahlt werden. Selbst die Zinszahlungen gelingen nur mit neuen Schulden, weshalb 2020 das nächste Rettungspaket nötig werden wird. Sollten andere Länder ernsthaft auf Zins und Tilgung bestehen, wird Griechenland den nächsten Staatsbankrott hinlegen und von sich aus den Euro verlassen. Bislang ist es auch im Euro schlecht gefahren, aber hat immerhin netto noch Geld bekommen.

  3. Ich habe mich schon auf Ihre Meinung zur „Beendigung“ des Hilfsprogramms gefreut. Ich teile Ihre Auffassung vollinhaltlich! Neuerdings wird ja behauptet, dass Deutschland „Profiteur“ der Hilfe für Griechenland gewesen sei, weil Zinszahlungen der Griechen dem Bundeshaushalt zugeflossen wären. Das kann wohl nur deshalb behauptet werden, weil keinerlei Ausgaben für Europa, die Rettungsschirme und Haftungsrisiken im Bundeshaushalt auftauchen! Warum eigentlich nicht? Beitragszahlungen oder Haftungsübernahmen gehören doch eigentlich zwingend in den Haushalt! Ein Beitrag zu diesem Thema wäre sicher interessant.

    • Für den Bundes- und die Länderhaushalte gilt nach wie vor die Kameralistik, nach der nur die aktuellen Zahlungen gebucht werden. Risiken, zukünftige Zahlungsverpflichtungen und verdeckte Ausgaben werden dadurch nicht transparent. Entsprechend haben die Politiker ein Interesse daran, sichere Zahlungsausfälle trotzdem aufzuschieben. Im Privatbereich wäre das strafbare Insolvenzverschleppung.

  4. Unser hart erarbeitetes Geld wurde in Griechenland versenkt und in der Tat keine Verbesserung erreicht. In wenigen Jahren werden neue Rettungspakete oder Schuldenerleichterungen für Griechenland fällig, bzw. Forderungen müssen abgeschrieben werden. Wetten?!?

    Nach dem Willen von SPD-Nahles soll jetzt auch die Türkei mit deutschem Geld gerettet werden. Wer will auch noch was? Wir haben’s doch…!?! Dafür können wir bis kurz vor dem Tod schuften und im Club Med geht die Party weiter….

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