Ist der Kapitalismus zum Vorteil von Eliten manipuliert?

The Economist organisiert gerade eine Debatte zu der Frage „Is capitalism rigged in favour of elites?“ Jeder kann noch drei Tage mitdiskutieren und abstimmen. Ich habe eben mit „No“ gestimmt, befinde mich damit aber in der Minderheit von nur 19 Prozent, obwohl die Zeitschrift nicht für ihre Kapitalismusfeindschaft bekannt ist.

Entscheidend ist vielleicht, wie man die Frage und ihre zentralen Begriffe Kapitalismus, manipulieren und Eliten versteht. Kapitalismus im wörtlichen Sinne meint die Herrschaft des Kapitals oder der Kapitalisten und damit einer Elite. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass das System zum Vorteil dieser Elite manipuliert ist, zumal deren Mitglieder nicht dauerhaft feststehen. Marktwirtschaft halte ich für den passenderen Begriff. Von zentraler Bedeutung ist der Wettbewerb, nicht nur zwischen kapitalgeleiteten Unternehmen, sondern auch von ihnen mit NPOs, öffentlichen Betrieben und Selbständigen.

Wo der Wettbewerb funktioniert, bilden sich Eliten heraus, die sich jedoch jeden Tag bewähren müssen und sonst von der Konkurrenz abgelöst werden. Wenn der Wettbewerb stark beschränkt oder ganz ausgeschaltet wird, dann manipulieren sich verfestigende Eliten das System zu ihrem Vorteil, doch es handelt sich in dem Fall auch nicht mehr um Kapitalismus oder gar Marktwirtschaft. Die meisten anderen Gesellschaftssysteme wie Feudalismus oder Sozialismus schränken hingegen den Wettbewerb systematisch ein und ihre Eliten halten sich nicht durch Leistung, sondern mit Gewalt an der Macht.

Zumindest im Vergleich wird der Kapitalismus viel weniger zum Vorteil von Eliten manipuliert. Trotzdem gibt es natürlich ständig Versuche in diese Richtung und ist die Existenz von Marktwirtschaft, Demokratie und Liberalismus nie garantiert, sondern muss ständig verteidigt und mit Leben gefüllt werden.

30 Gedanken zu „Ist der Kapitalismus zum Vorteil von Eliten manipuliert?

  1. Die Frage ist ja, wer kann den Kapitalismus überhaupt manipulieren und wie sieht eine solche Manipulation aus. Eine Manipulation impliziert ja immer das Vorhandensein einer Partei, die einen Vorteil und eine, die dadurch einen Nachteil hat. Ist mit dem Gegenpol die Gemeinschaft der abhängig Beschäftigen gemeint? Dann müßte die Frage besser heißen: Wird die soziale Marktwirtschaft manipuliert? Manipulieren könnte nur eine übergeordnete Instanz. Dies könnte ja nur eine Regierung sein, die die Spielregeln in Form von Gesetzen und Verordnungen entsprechend aufstellt.

  2. Of course the game is rigged. But if you don’t play, you can’t win.
    Deswegen ist ja die erste Million die schwerste (haha). Erst dann kommt man in die Vorteile der Kapitalakkumulation. In Deutschland bleibt als letztes „Schlupfloch“ die Forstwirtschaft. Warum wohl sind unsere letzten Superreichen Forst- und Waldbesitzer (Thurn und Taxis).

    • Gerade die erste Millionen kann man doch tatsächlich durch ehrliche Arbeit, Sparen und vernünftige Geldanlage erreichen oder einfach erben in Form eines Häuschens in besserer Lage.

      Bei Adeligen ist der Wald oft noch übrig geblieben aus vorkapitalistischen Zeiten.

      • Grund und Boden ist so ziemlich das einzige Gut, das sich nicht vermehren lässt. Deshalb halten es erfolgreiche Dynastien und auch ewig währende Konzerne wie die katholische Kirche über Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende zusammen. Nachhhaltig erfolgreicher kann man nicht wirtschaften.

      • Auch Grund und Boden lassen sich grundsätzlich vermehren, leichter noch erschließen und vor allem im Wert steigern sowie umgekehrt relativ leicht besteuern und enteignen. Die Kirchen haben ihren Grundbesitz größtenteils noch aus der Feudalzeit, als er tatsächlich eine andere Bedeutung hatte.

      • Das Enteignungsrisiko ist im real existierenden Feudalsozialismus, den wir heute haben, tatsächlich das größte Problem mit immobilen Gütern wie Grund und Boden.

  3. Nur der Markt kann regeln, wer Elite ist.
    Daher ist George Soros trotz seinem vielen Geld kein klassischer Kapitalist,
    sondern ein Sozialist in neuer Verkleidung!

      • Wenn Sozialisten mich als „Kapitalisten“ beschimpfen, nehme ich das voller Stolz hin. Nur der Kapitalismus und NICHT der Sozialismus, hat dafür gesorgt, dass es allen recht gut geht.

        Spekulanten wie Soros, der frühere SPD-Chef Müntefering nannte sie einst „Heuschrecken“, führen den Kapitalismus aber ad absurdum, weil sie mit fiesen Tricks gesunde Firmen „filetieren“ und Monopole errichten, die dem Prinzip des Kapitalismus widersprechen. Echte Marktwirtschaft aber will Wettbewerb, also viele Anbieter, auch und gerade viele kleine und mittlere, die Soros & Co. im Wege sind.

        Soros hat schon so viele Existenzen zerstört. Wenn er jetzt den Flüchtlings-Paten und sozialrevolutionären Drittwelt-Befreier spielt, ist das wenig glaubwürdig. Seine „New-World-Order„, bzw. „Open Society“ gaukelt Humanismus vor, ABER will gewachsene Kulturen zerstören, damit Reiche noch reicher werden, die Mittelschicht weiter ausblutet und Arme noch ärmer werden.

      • Ihre Kritik an George Soros und anderen Großspekulanten und Oligarchen teile ich durchaus. Derartige Großkapitalisten arbeiten schon immer mit den Sozialisten Hand in Hand, denken Sie doch nur an die Stahlbarone aus dem Ruhrgebiet. Mittelstandsfreundlich geht anders.

        Allerdings irren Sie sich, wenn Sie sich als einer, der seinen vergleichsweise bescheidenen (?) Wohlstand selbst erarbeitet hat und vielleicht Unternehmer ist, als „Kapitalist“ fühlen. Ein Kapitalist ist ein Mensch, der nur (noch) sein – in den meisten Fällen gar nicht selbst erwirtschaftetes – Kapital für sich arbeiten lässt und selbst keiner wertschöpfenden Tätigkeit (mehr) nachgehen muss. Da es dafür aber eines relativ großen Kapitalstocks (und diesen bitte nicht mit Vermögen, das man z.B. zur Ausübung seiner unternehmerischen Tätigkeit benötigt, verwechseln) bedarf, schaffen das nur die Allerwenigsten aus eigener Leistung.

      • Herr Soros ist tatsächlich ein Spekulant, der aber nicht kleiner Unternehmen zerstört, sondern gegen Regierungen, Notenbanken und Großunternehmen spekuliert. Das hat durchaus seine Berechtigung in einer Marktwirtschaft. Wie er sein Geld verwendet, ist ein anderes Thema, wobei es nicht ganz so übel ist, wie u. a. die AfD behauptet.

      • Natürlich zerstört George Soros nicht gezielt einzelne kleine Unternehmen. Das hat auch weder francomacorisano behauptet, noch ich.

        Was seine Einmischung auf der Weltbühne bewirkt, hat mittelbar aber sehr wohl Auswirkungen auf die Wirtschaft ganzer Staaten. Auch auf Staaten der „Ersten Welt“.

      • Was spricht denn dagegen, gegen falsche Politik zu spekulieren? Wenn ich könnte, würde ich den Euro auch auf diese Weise bekämpfen. Vielleicht ergibt sich einmal die Gelegenheit, sich einer entsprechenden Spekulation zumindest anzuschließen.

      • Besonders demokratisch ist diese Haltung aber nicht. Womit ich natürlich nicht sagen möchte, dass es die Einführung des Euro gewesen sei.

      • Seit wann sind Sie Etatist und wollen privatwirtschaftliche Entscheidungen demokratischen Mehrheitsentscheidungen (von wem eigentlich im internationalen Kontext?) unterwerfen?

      • Sie verdrehen die Tatsachen. Ich wollte Sie nur darauf hinweisen, dass Ihre oben geschilderte Haltung nicht gerade demokratisch ist. Das bedeutet aber im Umkehrschluss nicht, dass ich Etatist oder der Meinung wäre, dass es sinnvoll sei, alles basisdemokratisch abzustimmen. Was Herr Soros so treibt, ist m.E. allerdings weit jenseits dessen, was man als Liberaler goutieren kann.

      • Es ist nicht undemokratisch, demokratische Entscheidungen nur im politischen Bereich vorzusehen und diesen klar zu begrenzen. Privatwirtschaftliche Entscheidungen im gesetzlichen Rahmen bedürfen nicht immer noch einer demokratischen Einzelfalllegitimation. Andernfalls hat man gar keine Privatwirtschaft mehr.

      • Da stimme ich Ihnen im Grunde ja durchaus zu. Was Herr Soros treibt, sprengt aber den üblichen privatwirtschaftlichen Rahmen und hat bereits in einigen Staaten zu drastischen, auch politischen, Veränderungen geführt. Dafür muss es m.E. rote Linien geben.

      • Wie sollten diese roten Linien denn aussehen? Es müsste dafür in einem Rechtsstaat allgemeine Regeln geben und keine reinen Willkürentscheidungen.

      • @Alexander Dilger 23.08.2018 16:42
        „Es müsste dafür in einem Rechtsstaat allgemeine Regeln geben und keine reinen Willkürentscheidungen.“

        D´accord.

        Im Klartext: Wo sich Multimilliardäre wie George Soros in derartiger Weise „einmischen“ dürfen, wie zum Beispiel in der Ukraine, da kann gar kein demokratisch legitimierter Rechtsstaat mehr existieren.

      • Ich weiß nicht, woher sie ihre Informationen über angebliche AfD-Idole bezeihen. Aber George Soros sorgt in der Ukraine schon seit vielen Jahren in einer Art und Weise für „politische Bildung“, dass er Ihrem Feindbild Nr. 1, Wladimir Putin, sicher in nichts nachsteht.

      • Sie können kein einziges Fehlverhalten von Herrn Soros benennen, sondern verbreiten AfD-typischen Antisemitismus und Putinismus. Herr Putin ist ein Gewaltherrscher, der noch schlimmere Schlächter direkt unterstützt.

      • Es geht dabei weder um Antisemitismus noch um Putin, sondern um die Aktionen von Herrn Soros, den man nicht von Haus auf vergöttern muss, nur weil er kein Russe oder weil er Jude ist. Das ist doch wirklich pathologisch, was Sie herbei zu konstruieren versuchen.

      • Entweder benennen Sie auch nur einen konkreten Vorwurf oder Ihre Hetze wird nicht mehr freigeschaltet. Die AfD hat einmal mit Mut zur Wahrheit angefangen und betreibt jetzt genau das Gegenteil.

      • Es ist bewiesen, dass Soros die „Femen“ finanziert, die barbusig gegen alles protestieren, was ihm missfällt. Auch beim „Arabischen Frühling“ hatte Soros die Finger im Spiel. Im syrischen Bürgerkrieg wurden „Flüchtlinge“ von Soros-finanzierten Organisationen mit nagelneuen Mobiltelefonen ausgestattet und damit über die Türkei und die Balkan-Route nach Mitteleuropa geschleust. Soros hat sich sogar kürzlich mit dem neuen sozialistischen Ministerpräsidenten von Spanien getroffen. Danach wurde der NATO-Stacheldraht, der die spanischen Enklaven Ceuta und Melillia in Marokko schütze entfernt und es begann prompt eine Invasion von Illegalen auf diese Gebiete. Soros hat bei vielen undurchsichtigen linken Aktivitäten seine Hände im Spiel. Wir sollten ihn hart bekämpfen, zumal er auch einen sehr guten Draht zu Merkel pflegt.

      • Gibt es einen seriösen (nicht putinfreundlichen oder rechtsradikalen) Beleg dafür, dass Herr Soros die Femen finanziert hat? Die Femen entstanden übrigens vor zehn Jahren in der Ukraine mit nicht so absurden Anliegen wie später bzw. anderswo. Der arabische Frühling hat doch auch vielversprechender angefangen. Die Unterstützung echter Flüchtlinge ist schließlich etwas anderes als unkontrollierte Masseneinwanderung nach Deutschland.

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