Facebook darf Erben nicht ausschließen

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat heute geurteilt: „Facebook muss Eltern Zugriff auf Nachrichten verstorbener Tochter gewähren“. Das ist doch eigentlich völlig selbstverständlich, insbesondere bei einer Minderjährigen, für deren Facebook-Konto die Eltern ohnehin schon das Passwort hatten, wobei der Bundesgerichtshof auf das allgemeine Erbrecht abstellt, wonach auch Tagebücher und Verträge vererbt werden. Aber Facebook ist ein übler Konzern, der lieber über fünf Jahre und drei Instanzen Prozesse darum führte, statt von sich aus menschlich und anständig zu handeln.

Ich habe gerade meine Frau als Nachlasskontakt bei Facebook angegeben. Allerdings überlege ich ernsthaft, dort ganz aussteigen, wobei eine vollständige Löschung des eigenen Facebook-Accounts gar nicht möglich ist. Die ‚Datenschutz-Grundverordnung gängelt kleine Vereine und Betriebe‘, aber die großen Internetkonzerne nutzen sie noch zu ihrem Vorteil aus. Das ‚Niveau bei Facebook sinkt‘ derweil weiter. Würde jemand meine Seiten dort vermissen?

21 Gedanken zu „Facebook darf Erben nicht ausschließen

  1. Was hat das mit dem Charakter von Facebook zu tun? Das Argument ist durchaus einleuchtend:

    „Facebook rechtfertigte seine Haltung damit, dass der „Gedenkzustand“ nicht nur die Rechte toter Nutzer schütze, sondern auch die von ihren Facebook-Kontakten. Diese würden davon ausgehen, dass private Nachrichten privat bleiben.“

    Abgesehen davon bedeutet das Urteil potentiellen Aufwand für Facebook. Es gibt sicherlich Nutzer, die sich unter Fantasienamen anmelden und Facebook muss in Zukunft aufwändig klären, ob die sich selber als Erben bezeichnenden Personen wirklich die Erben sind.

    • Richtig ist, dass Facebook aus rein eigennützigen Motiven so handelt. Im konkreten Fall war das Mädchen minderjährig, die Eltern hatten das Passwort und vielleicht trifft Facebook sogar eine Mitverantwortung, die verschleiert werden sollte. Umgekehrt könnte den Eltern eine große Sorge genommen werden, wenn der Tod tatsächlich ein Unfall war und nichts auf das Gegenteil hindeutet. Finden Sie es nicht grausam, den Eltern diese Information vorzuenthalten?

      • Bei ungeklärten Todesfällen ist es aber doch Aufgabe der Polizei, die Todesursache zu ermitteln. Außerdem frage ich mich, was es über das Verhältnis von Eltern und Tochter aussagt, wenn die Möglichkeit eines Suizids nichts ausgeschlossen werden kann.

      • Die Polizei muss bei Straftaten ermitteln. Suizid gehört nicht dazu, ein Unfall meist auch nicht.

        Haben Sie Kinder? Wissen Sie über alles Bescheid, was diese tun und warum?

        Erst rechtfertigen Sie das Fehlverhalten von Herrn Höcke, nun von Facebook. Was kommt als nächstes?

      • In meinem Blog darf ich natürlich meine Meinung äußern. Ihre Kommentare finde ich meistens nicht nur falsch, sondern würde gerne darauf verzichten. Bei Herrn Höcke steht ein Urteil noch aus, doch gegen Facebook hat es jetzt eines gegeben, so dass dessen Verhalten auch höchstrichterlich als falsch eingeordnet wurde.

      • Dann sperren Sie mich doch und dokumentieren so, was Sie von anderen Meinungen halten.
        Übrigens zeigt die lange Verfahrensdauer, dass der Fall hier so eindeutig nicht war, wie Sie es darstellen.

      • Es ist doch völlig transparent, was ich von vielen Ihrer Kommentare halte und wann ich Kommentare oder sogar Kommentatoren sperre, was beides sehr selten geschieht. Herr Meister ist als 300sel auch wieder da.

    • Wenn man sich einmal damit beschäftigt, wie leicht man z.B. als Vertriebler an interessante und spezifisch gefilterte Kundengruppen und deren Daten bei facebook herankommen kann (was intensiv genutzt wird), ist die Argumentation von Facebook zum Schutz der Privatsphäre ziemlich verlogen.

    • Wollen Sie, Frau Müller, ohne Kenntnis der Hintergründe einen eventuellen Suizid den Eltern in die Schuhe schieben („außerdem frage ich mich, was es über das Verhältnis …..aussagt“)? Dann haben Sie nicht den blassesten Schimmer von Suiziden, die selbst bei vorbildlichster familiärer Einbettung und Liebe vorkommen können. Gerade im Jugendlichenalter wird z.B. Liebeskummer besonders heftig erlebt und traurige Gedanken können zu schwersten Depressionen führen. Seien Sie froh, dass Ihnen jede Empathie für so etwas abzugehen scheint. Das macht das Leben für Sie leichter. Einfühlsame Menschen Ihrer Umgebung hingegen dürfte unter dieser Gefühlsarmut leiden. Es ist und bleibt ein Kardinalproblem, dass die Gefühlskalten immer die Oberhand behalten und der Gesellschaft ihren Stempel aufdrücken.

      • Wenn Eltern und Kinder ein gutes Verhältnis zueinander haben, dann merken die Eltern in der Regel, wenn sich das Kind in eine suizidale Richtung bewegt.
        Natürlich mag es davon Ausnahmen geben.

  2. Bei Facebook würde ich Sie nicht vermissen. Ich hab mich auch abgemeldet.
    Ein schönes Wochenende wünsche ich.
    Freundliche Grüße von Kerstin Hahn

  3. Bei Facebook gibt es die Einstellung für die Nutzer, ob die Daten „vererbt“werden dürfen,oder nicht. Ist natürlich nicht einfach zu finden. Das Urteil der Richter ist geprägt von der „analogen“ Vererbung, da ist die „digitale Vererbung 1 zu 1 übertragen worden, wobei man die Unterschiede nicht beachten wollte. Alleine die Vorstellung, man ist alt,und seit 10 Jahren nicht mehr in FB gewesen. Mann stirbt und Frau stellt dann über FB fest, dass ihr Gatte, vor 20 Jahren eine kurze Affaire mit einer anderen hatte. Die daraue resultierende Auswirkungen auf die Frau nach dem Tode ihres Mannes sind immens, da sie keine Fragen mehr stellen kann. Man kann hunderte andere von Beispielen konstruieren nur aus dem Grund, dass jemand irgendwo bei FB ein Häkchen nicht gemacht hat.

    • Man sollte grundsätzlich keine kompromittierenden Daten bei Facebook & Co. hinterlassen. Falls das doch einmal geschehen ist, sollte man sie sofort löschen. Dass Facebook das nicht wirklich zulässt, ist selbst wieder rechtswidrig und ein Skandal.

  4. Man kann seinen FB Account deaktivieren oder löschen. Wie das genau geht kann man gut über Google nachvollziehen. Die Sache hat aber einen Haken, den viele nicht wissen und der von FB bei der Löschung nicht angezeigt ist. Die Daten werden in Wirklichkeit nicht gelöscht, sondern gehen in den „Gedenkmodus“. Hier ist nun der Unterschied der Vererbung ersichtlich. Habe ich ein analoges Tagebuch oder geheime Briefe. kann ich die zu meinen Lebzeiten verbrennen oder schreddern. Damit ist das Erbe ausgeschlossen. Habe ich die gleichen Daten in digitaler Form bei FB,dann sind sie nicht wirklich weg. Man müsste das jetzige Urteil vor den Bundesverfassungsschutz bringen.

    • Sie meinen das Bundesverfassungsgericht. Das jetzige Urteil ist jedoch richtig. Wenn Sie Ihren Facebook-Account löschen, wird er nicht in den Gedenkmodus versetzt, sondern ist für Außenstehende nicht mehr zu sehen, aber immer noch da. Das ist ein Skandal. Deswegen sollte man aber nicht die armen Eltern verklagen, sondern Facebook.

      • Natürlich nicht die Eltern verklagen. Es muss aber jedem Lebenden möglich sein, seinen eigenen Text zu löschen,für immer und ewig, bei FB geht das aber nicht. Ich meinte,das Bundesverfassungsgericht sollte urteilen, ob das analoge Erbe gleichzusetzen ist mit dem digitalen Erbe. So hat der Bundesgerichtshof ja jetzt entschieden als letzte Instanz. Es gibt aber etliche Unterschiede zwischen den beiden Formen der Vererbung mit unterschiedlichen Auswirkungen.
        Analog und digital gehören aber nicht zum Bundesgerichtshof sondern müssen Bestandteil des Grundgesetzes werden,und somit muss meiner Ansicht nach das Bundesverfassungsgericht entscheiden.

      • Die Gerichte machen nicht die Gesetze. Vielleicht wäre eine gesetzliche Regelung tatsächlich am besten, die dann aber vom Bundestag zu beschließen und vorher öffentlich und in den Parteien zu diskutieren wäre. Außerdem müsste man dafür sorgen, dass sich endlich sowohl Facebook als auch die Bundesregierung an die hiesigen Gesetze halten.

  5. Ich bin selbst nicht bei facebook aktiv, weil mir das zu viel Arbeit ist, aber man kann dort alle Einstellungen so vornehmen, dass für den Nachlass und auch für vollkommene Datensicherheit gesorgt ist. Leider gehen manche Nutzer im Internet, nicht nur bei facebook recht sorglos mit persönlichen Daten um.

    Das Niveau bei <facebook ist so gut oder schlecht wie das seiner Nutzer! Für unnötige Löschungen oder Sperrungen dürfen wir uns Stasi.2.0-Maas für das von ihm initiierte Netzwerk-Gesetz bedanken. Dieser „derxkerl“ muss noch viel mehr bekämpft werden..

    • Nein, bei Facebook ist „vollkommene Datensicherheit“ nicht möglich. Sie können ein einmal eingerichtetes Profil auch nicht mehr wirklich löschen, sondern nur inaktiv stellen. Das Diskussionsniveau auf Facebook ist meistens niedriger als anderswo, z. B. hier im Blog.

      • Wie überall im Leben hat facebook Chancen und Risiken zugleich! Es ist schön und bequem, mit Freunden, Familienmitgliedern und Gleichgesinnten Erlebnisse in Worten und Bildern zu teilen, ohne dass man jeden Einzelnen anrufen, anmailen oder persönlich treffen muss. Man kann auf diese Weise auch mit Leuten im Kontakt bleiben, bei denen man sonst in Vergessenheit geraten würde. Bei facebook gibt es vielfältige Möglichkeiten, ganz genau vorzugeben, welche Personen „manches“ und welche Personen „alles“ einsehen dürfen, bzw. allen anderen jeglichen Zugang zu verwehren. Auch früher hatte man es doch schon selbst in der Hand, wer das Poesie-Album, die Foto-Galerie oder gar das Tagebuch in die Hände bekam. Das ist auch bei facebook nicht anders.

        Es ist allerdings richtig, dass viele Menschen, insbesondere junge Leute, allzu oft unvorsichtig mit den Informationen über ihr Privatleben umgehen. Und auch das gilt für facebook, ganz gleich ob aus Unwissenheit oder einem leider weit verbreiteten voyeuristischen Lebensstil der „Big Brother“ – Generation. Diesen Leuten ist scheinbar nicht bewusst, dass die Verbreitung persönlicher, ja intimer, auch ggf. strafrechtlich relevanter Details sehr gefährlich sein kann. Es ist heutzutage üblich, dass Personalabteilungen vor Einstellungen den Bewerber über facebook oder Google „abchecken“. Das gilt längst nicht mehr nur für gehobene Positionen, sondern inzwischen für ganz normale Sachbearbeiter. Auch die Polizei und das Finanzamt nutzen facebook gerne für ihre Ermittlungen und umgekehrt haben Verbrecherbanden die gleichen Chancen. Wenn Diebe über facebook erfahren, dass ich mich im Urlaub befinde, haben sie für ihren Einbruch freie Bahn. Sachliche Aufklärung ist also gefragt!

        Ist eine Pistole „gut“ oder ist sie „böse“? Weder noch! Sie ist nur ein „Werkzeug“. Es kommt darauf an, in welchen Händen sie sich befindet und welchem Zweck sie dient. Und nicht anders ist das mit facebook.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.