Diskussionspapier mit Szenarien zum Euroausstieg

Seit heute ist ein neues Diskussionspapier von mir online mit „Sieben Szenarien zum Euroausstieg“. Diese stammen aus diesem Blog und sind hier bereits zwischen 2013 und 2015 erschienen, aber immer noch bzw. jetzt erst recht relevant.

29 Gedanken zu „Diskussionspapier mit Szenarien zum Euroausstieg

  1. Bei der Rückkehr zu nationalen Währungen würde ich eher empfehlen, als Referenzwährung die Paritäten zum US-Dollar festzuelgen, natürlich mit entsprechender Schwankungsbreie und Korrekturmöglichkeit.
    Wozu einen evt. sehr stark schwankenden Rest,- Rumpf- oder Nordeuro behalten? Das Vertrauen in diese Währung wäre restlos zerstört!
    Bereits jetzt empfehle ich die Flucht in kurzlaufende US-Treasuries, wie schon Alan Greenspan rät: „You won’t regret it!“

    • Warum sollten wir uns an den US-Dollar und damit auch die US-Politik und -Interessen binden? Natürlich gäbe es schnell wieder Vertrauen in eine neue D-Mark. Sie würde aufwerten, was auch richtig so wäre, während zu starke Aufwertungen von der Bundesbank verhindert werden könnten.

      • Das gilt für Privatanlagen. Da kauft man ja immer international. Das hat nichts mit einer Bindung an eine Währung zu tun; die Wechselkurse schwanken laufend. Allenfalls legt man eine gewisse Bandbreite fest, wie früher beim ECU. Es geht ja darum, wie man seine Rücklagen rettet.

      • Zur Risikoreduktion ist auch hier Diversifikation nötig. Sowohl der Euro als auch der US-Dollar sind je für sich genommen viel zu riskant.

  2. Endlich mal etwas handfestes. Dazu gleich die Frage, ob wir es bewerben dürfen mit Quellenangaben.
    Es fehlt noch ein Argumentationspapier, warum wir aussteigen sollen/müssen, welches im Kern verständlicher sein muss, als die täglichen Aufschreie. Wie die Geschichte mit Trump/Eu ausgehen könnte, wird dann verständlich, wenn uns bewusst wird, welcher Schaden hier möglich wird für unsere Wirtschaft, wenn wir im Euro bleiben, zumal das Risiko immer bleiben wird.

    • Natürlich dürfen Sie mein Diskussionspapier verbreiten. Ich schreibe vielleicht noch weitere zu anderen Aspekten des Themas, etwa zur Begründung, warum der Euro so schädlich und ein Ausstieg besser ist. Auch dazu finden sich schon etliche Beiträge in diesem Blog.

  3. Wenn die schuldenorientierten Südstaaten (Griechenland, Zypern, Italien, Spanien, Portugal) den Euro verlassen würden, könnte ich mit einem verbleibenden „Nord-Euro“ gut geben!

    • Herr francomacorisano. Wer ist und wer will in den Nordeuro? England geht raus, Finnland und Niederlande wollen raus. Schweden ist nicht drin, Norwegen ist nicht drin, Polen will den Euro nicht, allein die baltischen Staaten sind noch zufrieden. Im übrigen wird es nie einen Nordeuro geben, wie soll der aussehen? Und wenn Italien irgendwann mal wieder in den Euro will, dann muss es ja in den Nordeuro, und dann wäre doch alles wieder durcheinander.

      • Großbritannien war nie im Euro und ist damit gut gefahren. Wir werden sehen, wie es den Brexit verkraftet. Bis jetzt läuft das erstaunlich gut für Großbritannien. Wenn es so bleibt, dürften EU-Austritte Schule machen. Das erwarte ich auch von einem ersten Euro-Austritt, der irgendwann kommen wird.

    • Solch ein Nord-Euro wäre besser als der jetzige Euro, doch die grundlegenden Probleme einer Gemeinschaftswährung souveräner Staaten bleiben, insbesondere wenn Frankreich noch dabei ist. Ansonsten wird ein solcher Nord-Euro völlig von Deutschland dominiert und ist eigentlich eine D-Mark mit angeschlossenen kleineren Ländern.

      • Die 50 Staaten der USA sind auch sehr unterschiedlich, wirtschaftlich, sozial und mit erheblichem Wohlstandsgefälle. Trotzdem funktioniert die gemeinsame Dollar-Währunsunion: Weil sie von den Banken und nicht von den Staaten getragen ist, weil es eben keine Target-2-Salden gibt und jeder seine Rechnungen selbst bezahlen muss. Geldpolitik ist nicht dazu da, Almosen zu verteilen, sondern Leistungsanreize zu fördern, die Wohlstand schaffen!

      • Die USA sind ein souveräner Staat, für den eine Währung sinnvoll ist. Gäbe es Vereinigte Staaten von Europa (wovon jedoch auf absehbare Zeit nicht auszugehen ist, da sie wohl nur mit Gewalt geschaffen und zusammengehalten werden könnten), wäre der Euro nicht das Problem.

      • Die USA sind ein Staatenbund! Die innenpolitische Selbstständigkeit der einzelnen Bundesstaaten von Washington ist größer, als die der EU-Mitgliedsstaaten von Brüssel! Das kann man schon daran sehen, dass es Staaten mit und Staaten ohne Todesstrafe gibt.

      • Vielleicht waren die USA ein Staatenbund bis zum Bürgerkrieg, der das jedoch blutig anders entschieden hat. Nun sind sie eindeutig ein Bundesstaat, während in der Bundesrepublik Deutschland der Föderalismus immer mehr abgebaut wird.

      • Sie liegen eindeutig falsch! Schauen Sie sich mal die US-Verfassung an. Die 50 Staaten der USA sind innenpolitisch von Washington unabhängig, nicht zu vergleichen mit der BUNDESrepublik Deutschland, wo Bundesrecht Landesrecht bricht. Kernkompetenzen hat Washington nur in der Außenpolitik, dem Militär und den Geheimdiensten, den Außengrenzen, über die Indianer-Reservate und mit dem FBI zur Bekämpfung der Schwerkriminalität. Auch so einen sozialistischen Irrsinn wie den „Länderfinanzausgleich“ gibt es nicht. Leider haben inzwischen die EU-Mitgliedsstaaten ebenfalls weniger Souveränität von Brüssel, als die 50 Bundesstaaten der USA von Washington. Von Föderalismus wird nur in Sonntagsreden geschwafelt, aber Brüssel will Zentralgewalt, die hart gekämpft werden muss!!!

      • Auch in den USA bricht Bundesrecht das Recht der Einzelstaaten. Die Bundesebene hat außerdem viel mehr als die von Ihnen genannten Kompetenzen. Richtig ist, dass sich die Einzelstaaten noch mehr Kompetenzen bewahrt haben als die Bundesländer in Deutschland, die diese sukzessive und teilweise gegen das Grundgesetz abgetreten haben oder nur noch gemeinschaftlich wahrnehmen. Die Staaten in der EU sind souverän und können friedlich austreten, wie Großbritannien gerade demonstriert, was in den USA gewaltsam verhindert wurde.

  4. Die tragende Achse des Euro heißt Berlin-Paris. So lange ein Präsident Schwadron eindeutig das Ziel verfolgt, Frankreich weiterhin gut leben zu lassen und „les boches paierant“, ist ein Nord-Euro zusammen mit ihnen unmöglich.
    Allenfalls zusammen mit BeNeLux und Finnland. Bitte bedenken, dass der Begriff Euro nach einem Kollaps massiv negativ besetzt ist. Eher zurück zur DM, die in bester Erinnerung ist.

    • Herr Konorza, Finnland bewertet den Euro als historischen Irrtum. Die gehen lieber in die Sauna, als im Euro zu bleiben. Die Luxemburger machen das, was die Belgier machen (währungspolitisch) und in den Niederlanden steht der Euro in der Diskussion.

    • Die Rückkehr zur DM ist richtig, doch leider fehlt es immer noch am nötigen politischen Willen, ja überhaupt Problembewusstsein. In anderen Ländern ist der Problemdruck hingegen viel spürbarer. Vielleicht tut die neue italienische Regierung das Richtige. Ansonsten gilt, die nächste Krise kommt bestimmt und die Eurozone ist darauf überhaupt nicht vorbereitet. Die EZB könnte vielleicht noch mehr Staatsanleihen kaufen, doch die Null- und Negativzinsen lassen sich kaum weiter senken. Außerdem kehrt doch gerade die Inflation zurück, so dass die Ausrede, diese erhöhen zu wollen, auch nicht mehr zieht.

  5. Es gibt nach meiner Überzeugung keinen Kollaps des EURO, und die ehemaligen oder Noch- Miglieder der AfD müssen sich davor hüten, im eigenen Saft zu schmoren. In Italien sind angeblich 2/3 der Bevölkerung für die Beibehaltung des EURO und bei überschüssiger Handels- und Leistungsbilanz gibt es aus italienischer Sicht keinen sachlichen Grund für den EURO-Austritt Italiens. Parallel zu entsprechenden Erklärungen gibt es andererseits Forderungen Italiens an die EU bezüglich Hilfemaßnahmen, die den EURO voraussetzen.
    Erforderlich ist allerdings eine Verlagerung der Verantwortung der Europäischen Kommission für die Überwachung der Konvergenzkriterien und ein Gegeninstrument zur verdeckten Staatsfinanzierung durch die EZB. Der Chef-Volkswirt der DZ-Bank, Stefan Bielmeier , schlug im Handelsblatt vom 28.5.18 eine entsprechende Ausgestaltung des im politischen Gespräch befindlichen Europäischen Währungsfonds (EWF) vor.

    • Es wird Euroaustritte geben, vielleicht schon durch die neue italienische Regierung, sonst eben später von Italien oder einem anderen Land. Italien und die Italiener würden übrigens davon profitieren, könnten allerdings vorher noch versuchen, möglichst viel dafür abzugreifen, noch ein Weilchen im Euro zu bleiben.

      Die Konvergenzkritieren gelten doch faktisch nicht mehr und sind spätestens in der nächsten Krise wieder nicht einhaltbar.

      • Mir persönlich ist die Prognose zu wackelig, um den Anlageempfehlungen von Herrn Konorza unter Inkaufnahme steuerlicher Nachteile zu folgen.
        Wie halten Sie es damit, Herr Prof. Dilger ?

      • Ich behalte einfach die Aktien, die ich schon habe, was auch steuerlich besser ist. Auch für alte Aktienfonds gilt jetzt übrigens die Abgeltungsteuer, für vor 2009 gekaufte Aktien noch nicht.

      • Zur Abgeltungssteuer auf Aktienfonds: Schäuble hat als Abschiedsgeschenk tatsächlich sein Wort gebrochen. Die Gewinne unterliegen nun auch der Abgeltungssteuer – und zwar so dass Gewinne bis zum 31.12. 2017 steuerfrei gestellt werden – dies bis zu einer Summe von 100.000 Euro.
        Silvester 2017 wird rückwirkend ein fiktiver Verkauf durchgeführt und ab dann unterliegen Gewinne voll der Abgeltungssteuer. Die 100.000 Euro sind eine fiktive Gutschrift beim Finanzamt, die erst bei einem evt. Verkauf verwirklicht werden. Es ist unklar, ob diese Summe für alle gehaltenen Fonds zutrifft oder für jeden einzelnen. Dies wird wohl vor dem Bundesfinanzhof geklärt werden müssen.

        Ein breit gestreutes Depot ist die Basis für alles oben Stehende. Natürlich ist eine Diversifikation außerhalb des Dollars, (z.B. Yen, GB Pfund und Norwegische Kronen) sinnvoll. Dies dürfte aber für viele Anleger technisch schwierig sein, so dass ich in erster Linie US-Treasuries mit kurzer Laufzeit (Zinsanstieg!) empfahl.
        Der Euro war auch ursprünglich als Konkurrenz zum US-Dollar hochgelobt, Saddam Hussein wollte sein Öl gegen Euro verkaufen. Vielleicht können wir den Euro jetzt in Tikrit begraben, als Grabbeigabe?

      • Die Kursgewinne bis 2017 einschließlich bleiben für vor 2009 gekaufte Aktienfonds komplett steuerfrei. Der Freibetrag von 100.000 Euro bezieht sich auf Kursgewinne ab 2018. Andernfalls wäre es doch lohnend gewesen, die Fondsanteile am 31.12.2017 nicht nur fiktiv, sondern tatsächlich zu verkaufen und gleich wieder zurückzukaufen. Ich bin gespannt, wann dasselbe für Aktien selbst gemacht wird. Es würde mich hart treffen, doch steuersystematisch macht es sogar Sinn.

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