Arbeitende Eltern sollten mehr bekommen als Hartz IV

Was allgemein bekannt war, belegt noch einmal der „Steuerzahlerbund: Hartz IV bringt oft mehr als ein Job“. Alleinstehende stehen bei einer regulären Beschäftigung mit dem Mindestlohn besser da als mit Hartz IV, doch für Familien mit Kindern gilt das nicht:

Wer eine vierköpfige Familie ernähren will, braucht demnach heute einen Bruttolohn von mindestens 1935 Euro, um netto einschließlich Kindergeld Hartz-IV-Niveau von 1928 Euro zu erreichen. […]

Der Steuerzahlerbund rechnete vor, dass von einem Monatsbrutto einer Familie mit zwei Kindern von 1935 Euro 394 Euro Sozialversicherungen abgingen. Das Monatsnetto belaufe sich dann auf 1541 Euro, mit 388 Euro Kindergeld belaufe sich das Einkommen der Familie auf 1929 Euro. Geht man von einer Arbeitszeit von 38 Stunden in der Woche und vier Wochen im Monat aus, benötigten Alleinverdiener mit Partner und zwei Kindern einen Stundenlohn von 12,73 Euro, um Hartz-IV-Niveau zu erreichen. Der Mindestlohn liegt derzeit bei 8,84 Euro in der Stunde.

Unser Sozialstaat vernichtet insbesondere für Familien mit Kindern finanzielle Arbeitsanreize. In teuren Städten wie München können kinderreiche Familien eigentlich gleich Hartz IV beantragen. Daraus folgt nicht, dass die Regelsätze gekürzt werden müssten, worunter die Familien noch mehr zu leiden hätten, sondern dass stärker zu differenzieren ist. Wer weniger als mit Hartz IV verdient, sollte nicht noch Steuern und Sozialabgaben zahlen müssen, sondern nur einen Teil seines Lohnes auf die Sozialleistungen angerechnet bekommen. Momentan werden Millionen arbeitende Menschen und vor allem Eltern zu Aufstockern und damit gleich behandelt mit denen, die gar nicht arbeiten. Doch wer arbeitet, sollte dafür belohnt statt bestraft werden. Auch bei denen, die nicht arbeiten, ist stärker zu differenzieren, ob sie nicht arbeiten können oder wollen. Schließlich ist anzuerkennen, dass es nicht nur Erwerbsarbeit gibt, sondern auch Kinder und zu pflegende Angehörige Zeit und Kraft kosten.

12 Gedanken zu „Arbeitende Eltern sollten mehr bekommen als Hartz IV

  1. Ich kenne eine junge Frau, die wegen ihrer beiden kleinen Kinder für ein paar Jahre nicht arbeiten konnte. Mit Hartz-4 und Kindergeld hat sie so gut gelebt, dass sie sogar einmal im Jahr in Urlaub gefahren ist und es an nichts gefehlt hat. Erwähnen sollte ich allerdings, dass die Frau nicht raucht, nur selten Alkohol trinkt, noch seltener ausgeht und täglich selbst kocht, statt von sich Pizza vom Bringdienst liefern zu lassen oder Fertiggerichte warm zu machen. Es kommt einfach darauf an, wie man lebt und ob man gelernt hat, mit Geld umzugehen!

    Inzwischen arbeitet die junge Frau wieder. Sie hat einen festen Vollzeit-Job in einem Supermarkt gefunden. Jetzt hat sie im Monat fast 200 Euro mehr zur Verfügung, als damals mit Hartz-4. Im Freundeskreis wird sie dafür ausgelacht, dass sie für weniger als 200 Euro mehr den ganzen Monat arbeiten geht. DAS ist der eigentliche Skandal!

  2. Die Kehrseite dieser Medaille ist, daß dadurch neue Fluchtgründe für orientalische Großfamilien geschaffen würden.

    • Eben. Deutsche Steuerzahler und Arbeitnehmer finanzieren ihre eigene demographische Verdrängung und müssen dafür sehr häufig sogar noch auf ihren eigenen Kinderwunsch verzichten. Diese rassistische System, das die Einheimischen zugunsten von Ausländern und Passdeutschen ausbeutet, ist der eigentliche Skandal.

  3. Das Problem existiert ja nicht erst seit Hartz-IV. Schon früher konnten Geringverdiener beim Sozialamt um „Aufstockung betteln“, und jede selbstverdiente Mark wurde von der „Stütze“ abgezogen. Vom Prinzip her hat sich mit Hartz überhaupt nichts geändert.
    Wäre es denn im Sinne der Sozialindustrie, die Menschen stufenweise mit degressiver Unterstützung in die Eigenversorgung zu führen? Ist dieses schwachsinnige System so gewollt, oder basiert es auf Unfähigkeit der Entscheidungsträger?

  4. Der Michael Meister ( wurde MM eigentlich gesperrt von Alex dem Großen) hat im Dilger-Blog öfters geschrieben, die FPÖ ist sozialistisch.

    Die ÖVP/FPÖ Regierung will aber Hartz 4 in Österreich einführen. Teilweise ist das ja berechtigt, ein Typ von meinem Schachverein ( ungefähr Mitte 50) erzählt, er hat Philosophie fertig studiert, hat ein Jahr als Museumsaufseher gearbeitet und kassiert seit 30 Jahren die Versicherungsleistung Notstandshilfe ( nach dem Arbeitslosengeld)
    , die auch noch zu den Pensionsansprüchen mitzählen.
    Meine ich:“ „Wenn du geschwiegen hättest, wärest du Philosoph geblieben“ ( der Spruch ist nicht ganz neu)
    Mein älterer Cousin ruft mich an, seit Jahrzehnten Stammwähler der FPÖ , die FPÖ will mich in die Führsorge stoßen, ich hab 35 Jahre gearbeitet, bei der Mindestsicherung darf man nur ca 4 000 Vermögen haben, ich muss mein Haus verkaufen und meine Sparbücher abgeben, ich wähle nie wieder FPÖ.
    Wenn die FPÖ Hartz 4 in Ö durchziehen will, wird zwar der Philosoph nie wieder FPÖ wählen, weil der die FPÖ wahrscheinlich noch nie gewählt hat, aber mein Cousin und viele andere FPÖ -Stammwähler gehen gar nicht zur nächsten Wahl.

  5. Schöner Beitrag und eines meiner Lieblingsthemen, wobei ich selber nicht davon betroffen bin.
    Zu den Geringverdienern – erstens können wir nicht alle hohe Löhne bekommen, sonst würden viele Tätigkeiten schlicht zu teuer und zweitens laut Prof. Sinn entstehen Arbeitsplätze umso mehr, je niedriger die Löhne sind, gerade im unteren Bereich.
    Jetzt muß man oder sollte man von seiner Arbeit schon angemessen Leben können und wie Herr francomacorisano so schön erklärte ist die Lohndifferenz von Arbeit im Niedriglohnbereich zu Hartz zu Gering, dazu kommen noch Monatskarte für den Weg zur Arbeit und ähnliches.
    Deshalb immer wieder von mir angeführt ist die Besteuerung, also Lohnnebenkosten, Mehrwertsteuer und ähnliches schlicht zu hoch angesiedelt und muß hier runter.
    Interessiert den Staat aber nicht, er handelt nicht mehr nach der sozialen Marktwirtschaft die ein gewisses Fair Play beinhaltete, sondern schlicht nach Thatcherismus. Der Laden brummt dabei, das ist klar. Aber ist das das Land in dem wir so gerne leben wollen? Von gut will ich gar nicht reden.
    Hartz ist auch nicht zu hoch angesiedelt.
    Nehmen wir die Gaußsche Verteilungskurve, so haben wir immer in jeder Gesellschaft einen gewissen Teil Menschen, die am Rand angesiedelt sind. Das war schon immer so und ist ein natürlicher Vorgang. Auch Bettler gab es schon im Alten Rom.
    Es bringt doch nichts diese Menschen die es schon immer gab noch mit Sanktionen zu belegen.
    Hartz sollte also auch dringend reformiert werden und Leistung muß sich Lohnen.
    Man könnte private Altersvorsorge & Arbeitslosenversicherung mit Arbeitslosengeld & Grundsicherung vereinen.
    Jeder Arbeitnehmer spart X % seines Bruttoverdienstes in einen staatl. Kapitalfonds ein, wie in Skandinavien, ohne Riesterbetrug, Bearbeitungskosten usw.
    Bei Arbeitslosigkeit wird der eigene Fonds angezapft bis er alle ist, wobei X % nicht in den eigenen Topf gehen, sondern als Versicherung für Grundsicherung einbehalten werden.
    Beispiel: Sie zahlen 300 Euro im Monat in einen staatl. Kapitalfonds ohne Bearbeitungsgebühren.
    Das deckt die private Altersvorsorge und Arbeitslosenversicherung ab.
    Davon dürfen sie 250 Euro im Monat behalten, macht im Jahr 3000 Euro.
    Werden sie nicht Arbeitslos, so haben sie 3000 pro Jahr angespart.
    Werden sie nach fünf Jahren Arbeitslos, so haben sie 15.000 in ihrem Konto auf die sie zugreifen können – aber es ist ihr eigenes Geld fürs Alter!
    Ist das Geld verbraucht und sie haben keine Arbeit, dann greift die Versicherung, also die 50 Euro die sie einzahlen mußten um versichert zu sein.
    Wer sein eigenes Geld verbraucht, der überlegt sich schon eher, ob er Arbeitslos werden möchte oder nicht – das ist der Grundgedanke und eine Absicherung mit Arbeitslosengeld Zwei in Form einer Versicherung ist […] mit drin.
    Private Lebensleistung anzurechnen geht gar nicht.
    Jeder kann in eine Notlage kommen und da hat die vorher erwirtschaftete Lebensleistung bei Arbeitslosengeld Zwei nicht angerechnet zu werden.
    Ich habe mit 16 angefangen zu Arbeiten, jeden Samstag in der Fabrik Messer geschliffen, Altpapier sortiert und geputzt als Gebäudereiniger nach der Schule, ich habe meinen Maschinenbautechniker gemacht und lange in der Schmiede gearbeitet.
    Ich will nicht, das ich mein erarbeitetes Gespartes verbrauchen muß und ein Afghane […] Leistung für nichts bekommt. [… Leerzeichen nach vielen Kommata gesetzt und dann um 40 Wörter gekürzt, AD.]

    • Nette Idee, die aber vermutlich nicht funktioniert, da der Sozialstaat teurer ist bzw. mehr echte Transfers erfordert und nicht nur eine Glättung des jeweils individuellen Einkommens über die Zeit.

      • Das stimmt,aber der Verwaltungsaufwand um Hartz Vier zu Regeln ist riesig und kostenintensiv.Das nur mal als Beispiel für einen aufgeblasenen teuren Staat der alles regeln will.

        Bundeswehr genauso,hier wird soviel Geld bei der Verwaltung der BW verbraucht,für Waffen und Ausrüstung bleibt kein Geld mehr übrig.
        Für anständige Bezahlung auch nicht.

        Ich denke sie wissen in etwa was ich meine und was mich stört.

        MT

  6. Pingback: SPD und Grüne wollen ihre eigenen Hartz-Reformen abschaffen | Alexander Dilger

  7. Pingback: Union für höhere Regelsätze bei Hartz IV, Ampel für Bürgergeld mit weniger Bedingungen | Alexander Dilger

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