Erklärung der relativ geringen Inflation

Die FAZ fragt: „Wo bleibt die Inflation?“ Die Konjunktur zieht an und die Notenbanken pumpen weiter Geld in die Märkte (wenngleich die Fed inzwischen weniger stark als die EZB). Eigentlich sollte beides, insbesondere in Kombination, zu mehr Inflation führen, die aber zumindest bei den Verbraucherpreisen immer noch unter dem offiziellen Inflationsziel von knapp unter zwei Prozent liegt, welches die EZB für Preisstabilität hält, was wiederum die lockere Geldpolitik bis hin zur monetären Staatsfinanzierung rechtfertigen soll. Angeblich können die Wirtschaftswissenschaftler das nicht erklären, was ich bezweifle.

Ich bin zwar kein Makroökonom, aber die Erklärung, warum die Inflation bislang nicht stärker anzieht, ist doch relativ einfach, wenn man keine ganz simplen deterministischen Zusammenhänge unterstellt, wonach Inflation und Wirtschaftswachstum immer zusammen aufträten oder jede Erhöhung der Zentralbankgeldmenge sofort preiswirksam würde. Letzteres ist schon deshalb nicht (mehr) der Fall, weil die relevante Geldmenge nicht nur aus Zentralbankgeld (M0) besteht, sondern auch von Geschäftsbanken geschöpftem Geld (M1 bis M3). Was die EZB als Zentralbank an zusätzlichem Geld schafft, sammelt sie als Bankenregulierer wieder ein. Günstigstenfalls wird das Bankensystem dadurch sicherer, wahrscheinlicher ist eine Verschlechterung der EZB-Bilanz, doch ein inflationärer Impuls ergibt sich dadurch nicht.

Auch Inflation und Wirtschaftswachstum sind keineswegs notwendig miteinander verknüpft. Am ehesten ist Inflation bei einem konjunkturellen Aufschwung zu erwarten, bei dem bestehende Kapazitäten überausgelastet werden. Insbesondere wenn die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt das Angebot an Arbeitskräften übersteigt, sollten erst die Löhne und dann die Preise steigen, weil höhere Löhne sowohl die Arbeitskosten als auch die Konsumgüternachfrage steigern. Aber die Wirtschaft kann auch anders wachsen, z. B. durch Produkt- und Prozessinnovationen. Bei steigender Produktivität können die Lohnstückkosten und Preise sogar fallen, selbst wenn die Löhne steigen. Hinzu kommt die Globalisierung mit der immer noch nicht abgeschlossenen Integration von Milliarden Arbeitskräften in den Weltmarkt, deren Qualifikation zunimmt. Dabei lassen sich auf dem Weltmarkt Größenvorteile nutzen, ohne dass der Wettbewerbsdruck gleich abnimmt.

Im Grunde sind die realwirtschaftlichen Umstände günstig. Die größten Sorgen bereiten neben der allgemeinen Politik die Zentralbanken, die vielleicht wirklich nicht mehr wissen, was sie da eigentlich weshalb tun. Die Inflationsrate für Verbraucherpreise erscheint jedenfalls nicht zu niedrig, Deflationsgefahren bestehen kaum noch, für Vermögensgüter ist hingegen die Inflation gerade wegen der Notenbankpolitik gefährlich hoch. Die Rettung des Euro ist schließlich kein sinnvolles Ziel und auch nicht vom Mandat der EZB gedeckt.

113 Gedanken zu „Erklärung der relativ geringen Inflation

  1. Der Erklärungsansatz der FAZ, dass die Inflation falsch gemessen wird (und etwa Immobilienpreise zu wenig eingehen), klingt durchaus sinnvoll. Wenn der Ansatz sinnvoll wäre (aber auch sonst), ist die Zinspolitik der EZB aus meiner Sicht jedenfalls ein Skandal. Wieso kann eine kleine Gruppe von EZBlern, vielleicht ist es auch nur Mario Draghi, darüber entscheiden, dass das Vermögen von zahlreichen Kleinanlegern in Deutschland derart entwertet wird?

    • Die Trennung von Konsum- und Vermögensgüterpreisen macht durchaus Sinn. Mieten gehen in die offizielle Inflationsrate ein. Niedrige Zinsen sollen diese Rate erhöhen. Rücksicht auf (zahlreiche) Vermögenseffekte gehört nicht zum Mandat der EZB. Die formale Unabhängigkeit der EZB und ihre Verpflichtung allein Geldwertstabilität hat insbesondere Deutschland durchgesetzt. Allerdings interpretiert die EZB aus meiner Sicht ihr Mandat recht eigenwillig und verletzt das Verbot monetärer Staatsfinanzierung.

      • Die Mieten machen 20 Prozent des Warenkorbs aus, das ist ein Witz. Lebensmittel ebenfalls lediglich nur 10 Prozent. Ich möchte mal den repräsentativen Menschen sehen, der tatsächlich auf diese Werte kommt. Wer als Single mal 600 Euro Miete (in vielen Großstädten ist das schon illusorisch), bezahlt, der bräuchte einen Warenkorb von 3000 Euro im Monat. Jeder kann sich überlegen, wie realistisch das ist. Ohne die Berechnungsgrundlage des angeblich repräsentativen Warenkorbs zu kennen, kann ich schon jetzt sagen, dass der HVPI alles ist, aber sicher nicht repräsentativ. Von der Unterschicht oder Studenten, wo locker mal 50 Prozent für die Miete verwendet werden und deren Inflationsrate müssen wir erst gar nicht reden. Denen bringt es reichlich wenig, wenn der Hauseigentümer jetzt für seine Fernreisen weniger zahlt.

        Dann ist die Berechnung für High-Tech-Güter völliger Schwachsinn und führt zu einem weiteren Unterschätzen der tatsächlichen Inflationsrate.

        Sie haben das makroökonomisch gut erklärt. Allerdings steigt auch M3 stärker als Inflationsrate, nicht nur H. Aber man kann die Vermögenspreisinflation nicht einfach abtun. Das ist reale Inflation. Das ist vor allem auch eine reale Inflation mit gigantischen Umverteilungswirkungen und zwar nicht im Sinne einer chancengleichen Gesellschaft. Einkommen, das durch Leistung unabhängig der Herkunft erzielt werden kann, wird zunehmend irrelevant. Ein hoher Lebensstandard kann fast nur noch durch Erbe erzielt werden.

        Natürlich haben auch Immobilienpreise einen direkten Einfluss auf die Lebensqualität der Menschen. Nicht zuletzt ist Eigentum das Lebensziel vieler Menschen. Das ist jetzt für viele Menschen unerreichbar geworden. Seriös rechnenden Menschen helfen da auch die temporär niedrigen Zinsen nicht viel. Die große Mehrheit der Menschen könnte das nur noch unter der Annahme weiter steigender Preise und dauerhaft niedriger Zinsen stemmen. Wir wissen allerdings, wie das in den USA geendet ist.

        Die Vermögenspreisinflation schafft momentan ideale Voraussetzungen für den nächsten Knall, sollten die Preise nach der Phase einer Überhitzung wieder sinken. Das Eigenkapital der Immobilienkäufer wird aufgezehrt, das der Banken aufgrund Mark-to-Market-Bilanzierung auch. Die jetzigen gemäß Fundamentaldaten ungerechtfertigten Preise führen zu einer massiven Überschätzung der vermeintlichen Eigenkapitalausstattung der Wirtschaftssubjekte. Das aktuelle systemische Risiko ist extrem hoch und wir bemerken es nicht einmal.

        Die Alternative wäre, dass die Preise gerechtfertigt sind und lediglich gestiegene Inflationserwartungen (wogegen allerdings andere Zahlen sprechen) widerspiegeln. Aktienpreise reflektieren ja die Markteinschätzung zukünftiger Gewinne. Ich wüsste aber nicht, was ich jetzt besser finden soll. Eine Finanzkrise 2.0, wenn die Blase platzt. Oder aber die Interpretation, dass die steigenden Vermögenspreise lediglich Vorbote einer alles umfassenden allgemeinen Inflation sind. Vermögenspreise und Konsumentenpreise müssen natürlich nicht zwangsläufig im Gleichschritt steigen, es dürfte eher das Gegenteil der Fall sein. Die aktuelle Differenz hat jedoch ein vernünftiges und vor allem nachhaltiges Maß längst überschritten.

      • Der Warenkorb ist einigermaßen repräsentativ. Sie übersehen, dass nicht alle Menschen in Großstädten mit neuen Mietverträgen leben. Wenn Neuvermietungen viel teurer werden, ändert das durchschnittlich wenig wegen des großen Bestandes. Man kann natürlich fragen, ob nicht die aktuellen Preise stärker gewichtet werden sollten.

        Was haben die steigenden Vermögenspreise mit hohen Inflationserwartungen zu tun? Sie sind durch die niedrigen Zinsen bedingt, aber nur gerechtfertigt, wenn die Zinsen lange niedrig bleiben, wozu wiederum auch die Inflation niedrig bleiben muss. Wenn das so ist, lohnt sich gerade jetzt der Immobilienkauf auf Kredit mehr als Mieten.

      • @Peter Burger

        Die von Ihnen beschriebenen Effekte der unterschiedlichen Geschwindigkeiten der Preisanstiege für Konsumgüter und Vermögenswerte bewirkt vor allem, dass die Schere zwischen gefühlt arm und de facto wohlhabend immer weiter auseinander driftet. Darin liegt natürlich gerade für einen Wohlfahrtsstaat wie Deutschland eine Menge sozialer Sprengstoff. Da der überbordende Sozialstaat aber schon auf Grund der demographischen Entwicklung der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts über sein derzeitiges Umlagesystem ohnehin nicht mehr länger als maximal zehn, vielleicht fünfzehn Jahre finanzierbar ist, werden wir uns in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren wohl schneller als den meisten Tagträumern lieb ist davon verabschieden müssen. Was danach auf die Mehrheit der Bevölkerung zukommt, wissen nicht einmal die Götter.

      • Wenn die Konsumgüterpreise stärker steigen würden, wären doch die ärmeren Menschen am stärksten betroffen und real ärmer. Die Umlagesysteme werden nicht so zusammenbrechen, wie Sie sich das vorstellen, sondern eher noch ausgebaut werden, siehe Bürgerversicherung, die dann als nächstes auf die Rente ausgedehnt würde.

      • @Alexander Dilger

        Die Umlagesysteme brechen zwangsläufig zusammen, wenn ihre Beitragszahler zusammenbrechen. Dass dies spätestens um 2030 herum der Fall sein wird, können Sie sich doch leicht selbst ausrechnen. Woher nehmen Sie Ihren diesbezüglichen Optimismus?

      • Das Thema hatten wir schon. Die demographische Entwicklung spielt eine Rolle, doch es gibt drei Stellschrauben (Rentenhöhe, Renteneintrittsalter und Beitragssatz) und noch eine vierte Möglichkeit (Verbreiterung der Beitragsbasis um Personengruppen und Einkunftsarten), um das System fortzusetzen, woran ein ganz starkes politisches und auch soziales Interesse besteht. Vor allem wäre ein Umbau des Systems viel teurer und politisch schwieriger als dessen Fortsetzung. Ich rechne damit, dass das Umlagesystem mindestens so lange Bestand haben wird wie die Bundesrepublik Deutschland, vielleicht sogar länger. Die einzige ernsthafte Alternative ist nicht die ersatzlose Abschaffung, sondern eine rein steuerfinanzierte soziale Absicherung.

      • 20 % sind selbst auf dem hintersten Land Schwachsinn. Wir reden hier ja nicht von 20 % des Einkommens, was auch hier schon extrem wenig wäre, sondern von 20 % des Warenkorbs! Das trifft vielleicht auf einen Millionär zu (wobei auch das zweifelhaft ist, wenn man sich die Mietkosten für Boris Beckers Haus mal anschaut. Mit Einkommen und Vermögen steigen ja auch die Ansprüche), der möglicherweise mit 100-facher Gewichtung eingeht (wobei die Verwendung des arithmetischen Mittel dann völliger Schwachsinn wäre), aber sicherlich nicht auf den Normalbürger. Diesen Warenkorb kann man auch nicht mit den geschicktesten gedanklichen Verrenkungen als repräsentativ bezeichnen.

        Natürlich ist nicht jeder von hohen Neuvermietungen betroffen, doch auch Bestandsmieten werden zukünftig nachziehen. Wenn nicht, dann werden auch die Neuvermietungspreise wieder sinken und manchen Immobilieninvestor in ganz dicke Schwierigkeiten bringen.

        Ich habe ja geschrieben, dass viele Indikatoren nicht auf hohe Inflationserwartungen hindeuten. Sie haben aber selbst erwähnt, dass die Kreditvergabe bisher keinen Sprung nach oben zeigt. Nun könnte es natürlich intern Umschichtungen gegeben haben. Ist das aber nicht der Fall und wendeten wohlhabende Käufer tatsächlich Eigenkapital für die Suche nach Sicherheit auf, dann können sie es sehr wohl in der Erwartung zukünftiger Inflation getan haben.

        Entscheidend sind ohnehin nicht Nominalzinsen, sondern Realzinsen. Diese sind deutlich negativ, natürlich macht das die Kreditaufnahme attraktiv. Nur ist das Wohnen zur Miete deutlich flexibler. Nicht nur kann ich jederzeit meinen Job wechseln, ich kann auch Kinder kriegen oder mich scheiden lassen, so oft ich möchte. Ich kann auch meinen Job verlieren, ohne gleich vor dem Ruin zu stehen. Ich bin nicht dem Risiko schwankender Preise ausgesetzt, sollte ich verkaufen müssen. Ich bin auch nicht dem Risiko und Stress ausgesetzt, einen solventen und anständigen Mieter zu finden. Rechtsstreit muss dabei einkalkuliert werden. Kurzum: Ein risikoneutraler Vergleich von Kauf und Miete ist unseriös und falsch. Stattdessen verlangt der Immobilienkauf eine deutliche! Risikoprämie. Natürlich führt das dazu, dass man in der Vergangenheit im Schnitt mit dem Kauf von Immobilien günstiger fuhr. Das wird auch in Zukunft im Schnitt so sein. Aber eben nur im Schnitt.

      • Wie kommen Sie darauf, dass der Warenkorb systematisch falsch berechnet würde? Die Nettokaltmiete liegt demnach im Bundesschnitt bei 21 Prozent der Ausgaben, die Warmmiete bei 32 Prozent. Das wird empirisch auf Grundlage einer großen Anzahl von Haushalten bundesweit ermittelt. Neuvermietungen in München sind natürlich regelmäßig teurer. Wenn die Bestandsmieten zukünftig nachziehen sollten, treibt das die Inflation, ist aber natürlich nicht in den aktuellen Werten enthalten.

      • @Alexander Dilger

        noch ein paar Worte zum Thema Alterssicherung:

        „… es gibt drei Stellschrauben (Rentenhöhe, Renteneintrittsalter und Beitragssatz)“
        Richtig. Aber wenn Sie an diesen so stark drehen, wie es nötig wäre, um das System zu erhalten, vergraulen sich die geschäftsführend regierenden umverteilungssozialistischen Parteien ihre Stammwähler. Also lockern sie diese Stellschrauben eher noch weiter, als endlich das Richtige zu tun.

        „… vierte Möglichkeit (Verbreiterung der Beitragsbasis um Personengruppen und Einkunftsarten), um das System fortzusetzen, woran ein ganz starkes politisches und auch soziales Interesse besteht.“
        Genau das ist die Art von Politik, die Deutschland auf die Füße fallen wird. Mit der von vielen Sozialromantikern in der Politik herbeigesehnten Verbreiterung der Beitragsbasis würde das Problem nicht ansatzweise gelöst, sondern nur aufgeschoben, da sich dadurch ja auch die Zahl der Anspruchsberechtigten entsprehend erhöht.

        „Ich rechne damit, dass das Umlagesystem mindestens so lange Bestand haben wird wie die Bundesrepublik Deutschland, vielleicht sogar länger.“
        Ja, vielleicht zerschellt die Bundesrepublik Deutschland an ihrem Umlagesystem. Mich würde es nicht überraschen.

        „Die einzige ernsthafte Alternative ist nicht die ersatzlose Abschaffung, sondern eine rein steuerfinanzierte soziale Absicherung.“
        Das stimmt. Ruft aber sofort den Protest aller heute Privilegierten auf den Plan und gilt daher (es fehlt praktisch allen relevanten Parteien der Mut zur Wahrheit) als politisch nicht durchsetzbar. Somit wird der Blick auf den unumgänglichen Crash eben weiterhin so lange verstellt, bis der Crash leibhaftig da ist.

      • Es wird keinen Crash des Umlagesystems geben. Ein Crash an den Kapitalmärkten ist doch viel wahrscheinlicher und näher. Durch mehr Beitragszahler entstehen zwar mehr Anspruchsberechtigte, aber erst eine Generation später, was also den von Ihnen erwarteten Zusammenbruch von 2030 schon einmal bis 2060 verschieben würde. Bei der Krankenversicherung wären die Ansprüche sogar kleiner als jetzt, während ein milliardenschwerer Schatz von Rückstellungen geplündert werden könnte.

      • Eben. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, sondern in diesem besonders prekären Fall nur der nächsten Generation als weitere Last aufgebürdet. Verantwortungsloser unseren eigenen Kindern gegenüber geht es doch gar nicht.

        Die Plünderung des milliardenschweren Schatzes der gesetzlichen Krankenversicherung hat im Übrigen auch längst begonnen. Merkels Goldstücke und die Gesundheitsabkommen mit Ländern wie der Türkei (nicht das einzige) werden von diesem Schatz nichts übrig lassen.

      • Welche Last wird der nächsten Generation aufgebürdet, wenn dann das Umlagesystem kippen sollte statt schon jetzt? Kann es sein, dass Sie das Umlagesystem überhaupt nicht verstehen? Flüchtlinge kommen auch nicht so leicht in die privaten Krankenversicherungen.

      • Das kranke gesetzliche Rentensystem wird doch heute schon mit etwa 100 Mrd. Euro p.a. vom Steuerzahler alimentiert (das ist immerhin ein Drittel des Rentenaufkommens). Tendenz stark steigend. Es handelt sich also längst schon nicht mehr um ein reines Umlagensystem seiner eigenen Beitragszahler, sondern zapft seit Jahrzehnten Unbeteiligte, die nicht von ihm mitversichert sind, an.

        Eine Versicherung (und nichts anderes ist die „Deutsche Rentenversicherung“ DRV, wie schon ihr Name sagt), die keine Rücklagen hat und aus ihren Beiträgen ihre Ausgaben nicht mehr bestreiten kann, ist insolvent. So einfach ist das und genau das ist im Falle der DRV längst eingetreten.

        Wie Reisende sich krankenversichern, wenn sie andere Länder besuchen, ist deren Problem. Und da es eine kostenlose staatliche Grundversorgung im deutschen Gesundheitswesen nicht gibt, müsste das logischerweise auch für illegal eingereiste Migranten gelten. Oder etwa nicht?

      • Es werden viele versicherungsfremde Leistungen aus der Rentenkasse bezahlt. Es ist keineswegs klar, ob diese nicht den Staatszuschuss überwiegen. Bei der gesetzlichen Krankenversicherung ist das definitiv so.

      • Bei der Berechnung des Warenkorbs stelle ich mir folgende Fragen:

        Es ist nicht jede Person Mieter. Eigentümer kann man nicht einfach 0€ Miete anrechnen. Man kann sie aber auch nicht einfach ignorieren, weil die starke Vermutung besteht, dass sich die Grundgesamtheiten Mieter und Eigentümer voneinander unterscheiden. Welches Rechenverfahren wird daher verwendet und was sind die Konsequenzen?

        Welche Ausgaben zählen zum Warenkorb? In meinen Gedanken spielten Beiträge zu den Sozialversicherungen keine Rolle. Ihre Hinzunahme würde die Werte natürlich drastisch verändern. Während ich die Hinzunahme der Rentenversicherung inakzeptabel fände, wäre die Hinzunahme der Krankenversicherung durchaus zu rechtfertigen. Und da gibt es bestimmt noch viele Posten, die ich noch gar nicht erwähnt habe und ebenfalls Interpretationsspielraum ermöglichen.

        Zuletzt bleibt die Verwendung des arithmetischen Mittels, das ich für fragwürdig halte. Nicht zuletzt, da die unteren Werte durch Sozialtransfers begrenzt sind, ist es durch Ausreißer systematisch nach oben verzerrt. Die Verwendung des Medians hielte ich für deutlich repräsentativer.

        Wir haben momentan große Bevölkerungsschichten, die einer Inflation ausgesetzt sind, die ihre Einkommenszuwächse deutlich übersteigen. Das betrifft insbesondere Rentner ohne Immobilie, Studenten und Berufsanfänger, die in die Städte drängen. Selbst wenn allgemein die Inflation nur begrenzt anstiege, hat dies eine große Veränderung der relativen Kaufkraft zur Folge, die politisch brisant ist und deutlich stärker in den politischen Fokus müsste.

      • Hier finden Sie den aktuell verwendeten Warenkorb. Für eigene Wohnungen und Häuser wird ein Mietwert berechnet. Für Immobilienpreise etc. gibt es eigene Indizes, die jedoch nicht in die Berechnung der Verbraucherpreise eingehen. Man darf auch nicht zu viel von einer Inflationskennziffer erwarten. Die Entwicklung der Einkommensverteilung ist z. B. ein separates Problem.

      • Zufällig befasse ich mich als Sprecher der AG Alterversorgung im zuständigen Bundesfachausschuss meiner Partei schon seit geraumer Zeit mit der Frage, wie man die Alterssicherung in Deutschland zukunftssicher machen könnte und habe im Übrigen schon wähend meiner Studienzeit in den 1980er Jahren einen profunden Einblick in demographische Zusammenhänge erhalten. Für einen nachhaltigen Umbau des derzeitigen Rentensystems war es eigentlich damals schon zu spät. Und das, obwohl die bevorstehenden zusätzlichen Lasten durch die spätere Einbeziehung der Neubürger aus der ehemaligen DDR seinerzeit noch gar nicht erahnbar waren.

        Die sachfremden Leistungen der DRV belaufen sich in etwa auf ein Drittel der Höhe staatlicher Zuschüsse. Wenn Sie diese in voller Höhe herausrechnen (worüber man auch leidlich streiten kann), bezahlt also immer noch etwa ein Viertel des Rentenaufkommens der Steuerzahler.

      • Da hat man offensichtlich den Bock zum Gärtner gemacht. Welches Konzept zur Altersvorsorge soll denn die AfD Ihrer Ansicht nach vertreten? Wie viele AfD-Wähler werden darunter leiden?

        Welche Quelle haben Sie für Ihre steile These zu den versicherungsfremden Leistungen? Hier wird genau das Gegenteil vorgerechnet, also dass diese Leistungen den Bundeszuschuss weit übersteigen.

      • MMn. ist alleine ein steuerfinanziertes Konzept zur Grundsicherung sinnvoll. Das zahlt dann primär auch die arbeitende Generation, wäre also keine so große Veränderung. Aber es würde jede Einkommensart und alle Steuern zahlenden Bürger und Unternehmen hinzugezogen. Wer mehr haben möchte, sollte privat vorsorgen können. Problematisch werden Zeiten der Arbeitslosigkeit und der Abbau von Vermögen, bevor überhaupt Sozialleistungen empfangen werden dürfen. Hier müsste eine Lösung her, welche die Altersvorsorge schützt. Die praktische Umsetzung dürfte dabei nicht einfach sein. Den Übergang hingegen sehe ich unproblematisch. Das lässt sich leicht fließend organisieren, so dass eine komplette Umgestaltung eben ein paar Jahrzehnte dauern würde. Bisher erworbene Ansprüche wären damit nicht verloren.

        Ich glaube, ein solches Konzept wäre im Sinne des Normalbürgers.

      • Natürlich ist der Übergang ein riesiges Problem, ob man ihn nun schlagartig durchführt oder über Jahrzehnte streckt. Eine Generation muss dafür aufkommen, indem ihr entweder bereits erworbene Ansprüche gestrichen werden oder sie für Altansprüche aufkommen muss, ohne selbst neue Ansprüche zu erwerben. Faktisch wird es eher so laufen, dass das Rentenniveau immer weiter sinkt, bis es für die meisten von einer Grundsicherung ohnehin nicht mehr zu unterscheiden ist. Dann ist es auch egal, ob man dasselbe Geld als Beitrag oder Steuer zahlt bzw. als komplett angerechnete Rente oder staatliche Grundsicherung bekommt. Aber ist das wirklich besser als das heutige System?

      • Vielen Dank für den Link. Alkohol und Tabak knapp die Hälfte der Lebensmittel und alkoholfreien Getränke? Wobei auswärts getrunkener Alkohol wohl unter „Gaststättendienstleistungen“ fallen dürfte und hinzukäme. Wenn das der Wahrheit entspricht, dann kann man über die Menschen in diesem Land nur schockiert den Kopf schütteln.

      • Ja, darauf wird es hinauslaufen. Das Problem ist, dass das die heutigen Menschen noch gar nicht realisiert haben, weil es den heutigen Rentnern größtenteils noch verhältnismäßig gut geht und gar nicht privat vorsorgen. Für manche Menschen lohnt es sich nicht (es würde ohnehin angerechnet), andere Menschen können nicht und manche Menschen wollen nicht.

        Ich halte eine steuerfinanzierte Grundsicherung deshalb für wichtig, dass die Anreizsysteme intakt bleiben. Also dasselbe Argument, warum ich für ein geringes Grundeinkommen plädiere. Wer arbeitet und spart, der muss mehr haben. Momentan haben wir eine riesige Mittelschicht, die finanziell spätestens im Alter auf Unterschichtniveau (alleine auf das Einkommen bezogen, um ihre Definition zu wahren) fallen. Das kann nicht richtig sein.

      • @Alexander Dilger

        Ich kenne die Teufel-Tabelle. Aber selbst diese Tabelle (beachte: „wes Brot ich ess, des Lied ich sing“) gibt nicht das her, was Sie behaupten, nämlich „Hier wird genau das Gegenteil vorgerechnet, also dass diese Leistungen den Bundeszuschuss weit übersteigen“. Schauen Sie doch einmal genau hin, offenbar haben Sie die Spalten verwechselt.

        Eine Diskussion auf albernem Beleidigungs-Niveau („Da hat man offensichtlich den Bock zum Gärtner gemacht.“) halte ich im Übrigen nicht für zielführend. So ist kein sachlicher Dialog möglich. Schönen Tag noch.

      • Wo bleibt Ihr Mut zur Wahrheit? Sie wollen die Rentenversicherung ersatzlos abschaffen. Wenn das die offizielle AfD-Position wird, wird die AfD mit LKR um den letzten Platz konkurrieren.

      • Es geht nicht darum, wie ich im Alleingang das Thema Altersversorgung anpacken würde (da liege ich nicht sehr weit von der Linie, die Herr Burger oben vorschlägt), sondern vor allem um einen realisierbaren Übergang. Und es reden wie in jeder Partei (außer vielleicht bei LKR und in Ihrer Mini- sowie anderen Splitterparteien) viele sehr unterschiedliche Interessenvertreter mit. Leider sind eben auch Parteien ohne aktuelle Regierungsverantwortung nicht vor Lobbyisten und ewiggestrigen Systembewahrern in ihren Fachausschüssen gefeit. Aber ich bin sehr zuversichtlich, dass wir schon bald ein innerparteilich konsensfähiges Konzept präsentieren werden.

        Welche Vorschläge haben Sie bzw. Ihre Familienpartei denn zur Altersversorgung so anzubieten?

      • Warum jammern Sie über den aktuellen Staatszuschuss zur Rentenversicherung, wenn Sie viel höhere Zahlungen für eine staatliche Grundrente (oder gleich ein Bürgergeld) gutheißen? Ist das im Übrigen Ihr ganzes Rentenkonzept? Ich bin in keiner vergleichbaren Lage wie Sie in der AfD, um für die Familien-Partei sprechen zu können.

      • Beim Thema Altersversorgung finde ich es nach wie vor sehr schade, dass keine Partei das sicherlich unpopuläre Thema „Rente mit 70“ anfasst. Insbesondere die AfD als vermeintlich unkonventionelle Partei enttäuscht mich hier sehr,

      • Ich wette, dass die AfD demnächst jede Erhöhung des Renteneintrittsalters bekämpfen wird. Die liberale Lösung besteht übrigens darin, gar kein solches Alter mehr vorzugeben. Warum darf nicht jeder selbst entscheiden, wann er in Rente gehen möchte mit entsprechenden Zu- oder Abschlägen?

      • @Femke Müller

        Die Rente mit 70 ist gar nicht so schwer vermittelbar wie viele Menschen meinen. Viel entscheidender ist die Diskussion über die Lebensarbeitszeit. Hier gibt es Vertreter, die der Meinung sind, dass 45 Jahre – unabhängig vom dann erreichten Alter – genug sind und andere, die der Meinung sind, dass 40 oder 45 Jahre in einem sozialversicherungspflichtigen abhängigen Beschäftigungsverhältnis gearbeitetet worden sein muss, um überhaupt Rentenansprüche haben zu können. In die Köpfe der Systembewahrer ist auch schwer hinein zu bekommen, dass lückenlose Erwerbsbiographien in abhängigen, ausschließlich inländischen Beschäftigungsverhältnissen schon heute eher der Ausnahme- als der Regelfall sind und in Zukunft immer seltener werden.

      • Wer fordert denn, dass man 45 Jahre Rentenbeiträge gezahlt haben muss, um überhaupt einen Rentenanspruch zu haben? Steht das demnächst im AfD-Programm? Aktuell reichen 5 Jahre, worauf auch noch bestimmte Zeiten ohne Beitragszahlung angerechnet werden können.

      • @Dilger

        Wer sagt denn, dass solche Positionen (40 bis 45 Jahre Beitragspflicht), die nur von vereinzelten weltfremden Wirrköpfen vertreteten werden, mehrheitsfähig sind?

        Das Renteneintrittsalter gehört in der Tat flexibel gestaltet. Auch ich bin der Ansicht, dass dies jeder selbst entscheiden können soll, genau wie jeder Bürger selbst entscheiden dürfen muss, wie viel er über eine Grundsicherung hinaus in eine wie auch immer gestaltete Rentenversicherung einbezahlt oder ob er lieber privat vorsorgt.

        Dass Sie als Etatist das befürworten, überrascht mich allerdings.

      • Sie outen sich hier doch als Etatist oder gar Sozialist, während ich so liberal bin wie bei anderen Themen auch unter Anerkennung der Realität.

      • @Dilger 12:47

        Ich werde hier ganz sicher keinen Status bekannt geben, der noch nicht beschlossen ist.

        Den signifikanten Unterschied zwischen einer bereits heute zu einem Drittel von allen Steuerzahlern bezuschussten Rentenversicherung für eine privilegierte Gruppe von Beitragszahlern, deren eigene Beiträge nicht ausreichen, um ihre marode Versicherungsgesellschaft vor der bereits seit Jahrzehnten verschleppten Insolvenz zu bewahren, und einer steuerfinanzierten Grundversorgung, an der diejenigen, die sie bezahlen dann auch wenigstens mitpartizipieren dürfen, muss ich Ihnen als habilitiertem Wirtschaftsgelehrtem doch wohl hoffentlich nicht wirklich erklären … (?)

      • Es fehlt jeder Beleg für Ihre Behauptung. In jedem Fall fordern Sie hier höhere Steuern und mehr Umverteilung bei Schwächung des Leistungsprinzips.

      • Das Leistungsprinzip wird doch durch etwas ganz anderes geschwächt, nämlich durch unzählige Fehlanreize. Wer selbst vorsorgt, ist der Dumme. Denn wer aus Eigeninitiative vorgesorgt hat, muss erst seine Mittel verbrauchen, während derjenige, der nicht selbst vorsorgt, sofort auf die Mittel von Hartz IV usw. zugreifen kann. Das ist Enteignungspolitik in Reinform.

      • Dass jeder zuerst für sich selbst und die Seinen sorgen soll, ist liberal und bürgerlich. Allen das Gleiche staatlich zuzuteilen, wie Sie es nun fordern, ist hingegen sozialistisch.

      • Sie haben leider nicht begriffen, dass es primär nicht darum geht, allen das Gleiche zuzuteilen, sondern einen gigantischen Verwaltungsmoloch abzubauen und damit alle Steuer- und Beitragszahler so zu entlasten, dass wir einen schlanken Staat bekommen. Da dann niemand mehr Beiträge zu einer ineffizienten Pflichtversicherung bezahlen muss (die in erster Linie ihrem steuerlich subventionierten Selbsterhalt frönt), sondern oberhalb der Grundsicherung völlig frei in seiner Entscheidung ist wann und wie er vorsorgt, ist mein Ansatz tatsächlich liberal, wohingegen Ihre Systembewahrer-Denke völllig verstaubt und etatistisch ist.

      • Auch hier fehlt Ihnen die Kenntnis der Fakten und Größenordnungen. Die Deutsche Rentenversicherung Bund gibt z. B. 1,6 Prozent ihrer Einnahmen für die Verwaltung aus. Selbst wenn Sie das im Gegensatz zu mir für zu viel halten sollten, lässt sich unmöglich alles davon oder noch mehr einsparen, während Ihr Vorschlag je nach Ausgestaltung die Steuerzahler mehr als alle Rentenbeiträge zusammen kosten würde. Richtig ist allein, dass Hinzuverdienst und eigene Renten nicht mehr zu 100 Prozent auf die Grundsicherung angerechnet werden sollten, aber eben auch nicht zu 0 Prozent.

      • „… während Ihr Vorschlag je nach Ausgestaltung die Steuerzahler mehr als alle Rentenbeiträge zusammen kosten würde.“
        Sie spekulieren einmal mehr im luftleeren Raum. Oder können Sie für diese unsubstantiierte These Fakten liefern?

        „Richtig ist allein, dass Hinzuverdienst und eigene Renten nicht mehr zu 100 Prozent auf die Grundsicherung angerechnet werden sollten, aber eben auch nicht zu 0 Prozent.“
        Wer befindet darüber, was ‚richtig‘ und was ‚falsch‘ ist?

      • Wenn Sie so radikale Vorschläge machen, sollten Sie doch einmal selbst vorrechnen, was diese ungefähr kosten. Bei einer staatlichen Grundrente ist das übrigens leichter als beim bedingungslosen Grundeinkommen, weil die Veränderung von Arbeitsanreizen kaum eine Rolle spielt. Dagegen könnte ein weiterer starker Anreiz zur Einwanderung geschaffen werden.

        Ich beurteile hier in meinem Blog, was ich aus Gründen für richtig und falsch halte. Sie scheinen hingegen Liberalismus mit Meinungsrelativismus zu verwechseln. Jeder soll seine Meinung äußern dürfen, aber es sind nicht alle Meinungen gleich gut.

      • Da wir noch nicht einmal die Höhe der Grundsicherung besprochen haben, ist es natürlich auch Ihnen nicht möglich, diese Berechnung auf Basis unserer bisher hier geführten Diskussion anzustellen. Grundlage könnte (das ist jetzt aber nur ein möglicher Ansatz von vielen) sein, dass man die derzeitigen Aufwendungen für Renten, Pensionen, Sozialleistungen an Inländer und hierzulande erwerbstätige (steuerpflichtige) Ausländer hernimmt und in eine alternative Grundversorgung (ggf. auch ein altersgstaffeltes BGE) umrechnet, über die hinaus jeder selbst auf freiwilliger Basis zusätzlich privat vorsorgen kann (aber nicht muss). Auch das Beamtentum mit seinen vielen Privilegien würde ich weitestgehend abschaffen, da es von wenigen Ausnahmen abgesehen, heutzutage mit nichts mehr zu rechtfertigen ist.

        Einwanderung in das Sozialsystem ist grundsätzlich zu unterbinden. Solche Anreize wie sie die derzeitige Sozialgesetzgebung dafür bietet, dürfte es überhaupt nicht geben. Die Sozialgesetzbücher und ggf. auch das Grundgesetz gehören dringend entsprechend entrümpelt, was mit ewiggestrigen Systembewahrern und links-grünen Die-ganze-Welt-Umarmern natürlich nicht zu machen ist.

        Selbstverständlich können Sie in Ihrem Blog Meinungen bewerten, wie Sie es für richtig halten und Sie müssen auch nicht jede Meinung gleich gut finden (andere dürfen von Ihrer Meinung abweichende Meinungen trotzdem besser oder schlechter finden als Sie). Aber deshalb müssen Sie doch nicht ständig mit unsubstantiierten Beleidigungen um sich werfen!

        Ich wünsche Ihnen, Ihrer Familie und allen Mitlesern hier schon einmal einen guten Rutsch ins Neue Jahr, da ich mich für heute langsam ausklinken werde … 🙂

      • Auch wenn es Ihnen nicht passt, gibt es Renten- und Pensionsansprüche, die auch nach einer grundlegenden Reform noch jahrzehntelang bedient werden müssten. Es gibt auch wirklich bedürfte, z. B. behinderte Menschen, die weiter Leistungen über eine Grundsicherung hinaus benötigen werden. Als Liberaler kann man sogar argumentieren, dass sie und unfreiwillig Arbeitslose die Einzigen sind, die wirklich staatliche Unterstützung benötigen, während Sie eine Umverteilungsorgie fordern. Die Kosten dafür treten zumindest anfangs zusätzlich auf und wären doch mindestens auf dem Niveau von Hartz IV für alle. Es ist nicht zu sehen, wie EU-Bürger oder gar alle Ausländer in Deutschland davon ausgeschlossen werden könnten.

      • Wenn eine Partei ernsthaft fordern würde, dass man 40 oder 45 Jahre gearbeitet haben muss, um Rente zu erhalten, wäre die Stimmenanzahl wohl maximal vierstellig.

        Genau wie Herr Dilger vermute ich auch, dass sich die AfD beim Thema Rente in Zukunft links positionieren wird, also ähnlich der SPD oder sogar Linkspartei. Ihr Wählerklientel besteht schlicht zum Großteil aus den Personen, die nicht länger als 63, 65 oder 67 arbeiten wollen bzw. können. Warum sollte man diese Wähler mit wirtschaftsliberalen Forderungen verprellen?

      • @Femke Müller
        „Warum sollte man diese Wähler mit wirtschaftsliberalen Forderungen verprellen?“

        Ich denke nicht, dass die AfD in erster Linie eine Prekariatspartei ist, so sehr dass manche ihrer Gegner auch herbeizureden versuchen. Auch die Wähleranalysen in den alten Bundesländern (wo die AfD zwar nicht so hohe prozentuale Werte wie in den neuen Bundesländern erzielt, aber insgesamt dennoch mehr als drei Viertel ihrer Wähler hat) sprechen eindeutig gegen diese Annahme.

        Im Unterschied zu den utopischen sozialromantischen Leerversprechen der Linksparteien (inklusive CDU und CSU) hat sich die AfD dem Motto „Mut zur Wahrheit“ verschrieben und es ergäbe schon von daher nicht den geringsten Sinn, mit den hohlen Phrasen der Altparteien um die Gunst genau der Wähler zu buhlen, die diesen immer noch Glauben schenken.

        Der signifikante Unterschied zwischen einer bereits heute zu einem Drittel von allen Steuerzahlern bezuschussten Rentenversicherung für eine privilegierte Gruppe von Beitragszahlern, deren eigene Beiträge nicht ausreichen, um ihre marode Versicherungsgesellschaft (DRV) vor der bereits seit Jahrzehnten verschleppten Insolvenz zu bewahren, und einer steuerfinanzierten Grundversorgung, an der diejenigen, die sie bezahlen dann auch wenigstens selbst mitpartizipieren dürfen, liegt vor allem darin, dass Erstere dem Begriff „Sozialstaat“ nicht ansatzweise gerecht wird, wohingegen Letztere dies durchaus leistet, und zwar ohne dem einzelnen Bürger die Luft und mithin die realistische Wahlfreiheit zu nehmen, selbst zusätzlich für das Alter vorzusorgen.

      • Mut zur Wahrheit sollte nicht auf Fake News beruhen, wie Sie diese z. B. über den Staatszuschuss zur Rentenversicherung verbreiten. Haben Sie die von mir verlinkte Tabelle wirklich nicht verstanden? Eine steuerfinanzierte Rente für alle wäre jedenfalls noch viel teurer, vor allem für uns Steuerzahler außerhalb der gesetzlichen Rentenversicherung.

      • Die AfD ist keine Prekariatspartei, aber eine Partei, deren Stimmenanteil vor allem bei Arbeitern hoch ist, also bei der Mittelschicht. Das sind die Personen, die nach 45 Jahren das Gefühl haben, genug gearbeitet zu haben, insbesondere auch in körperlicher Hinsicht. Beamte, die tendenziell eher als Arbeiter mit 70 noch ihren Beruf gut ausüben könnten, wählen im Vergleich dazu weniger AfD.

        Mit „links“ meinte ich in dem vorherigen Beitrag nicht, dass eine starke Umverteilung angestrebt wird. Die AfD will Leistung belohnen, also eben auch Anreize setzen, dass tatsächlich 45 Jahre lang gearbeitet wird. Aber es soll eben keine Politik für die reiche Oberschicht sein. Hier sehe ich durchaus Unterschiede zu CDU oder FDP. Die CSU ist vielleicht noch etwas näher dran, was die Arbeits- und Sozialpolitik betrifft.

      • @Femke Müller
        „Die AfD will Leistung belohnen, also eben auch Anreize setzen, dass tatsächlich 45 Jahre lang gearbeitet wird. Aber es soll eben keine Politik für die reiche Oberschicht sein.“

        Genau das ist doch der Punkt:
        Zwar gibt es in Deutschland nicht mehr all zu viele Menschen, die wirklich „hart“ im Sinne von körperlicher Schwerstarbeit arbeiten, aber den Verdienst von Arbeitnehmern der Mittelschicht mit derart hohen Zwangsabgaben („Sozialversicherungs“-Beiträge, Rundfunkabgabe, Konsumsteuern von der Umsatzsteuer über die ebenfalls 19% betragende Versicherungssteuer über allerlei sonstige unausweichliche Verbrauchssteuern bis hin zu den so genannten „Ökosteuern“) zu belegen, dass kaum noch frei verfügbares Einkommen übrig bleibt, ist doch genau das Gegenteil von Anreiz zu Arbeit und alles nur keine Politik, die die Bezeichnung „sozial“ verdient!

      • Der größte Posten sind die Beiträge für Sozialleistungen welcher Art auch immer, das stimmt. Es ist sehr gut nachvollziehbar, dass hart arbeitende Menschen es ungerecht finden, wenn vieles von ihrem Einkommen dafür verwendet wird, insbesondere wenn es Transferleistungen für Faule oder Kriminelle sind. Andererseits bietet das System natürlich auch Absicherungen für einen selber, das darf man nicht vergessen.

      • Ein bedingungsloses Grundeinkommen oder eine leistungslose Rente für alle sind in dieser Hinsicht doch nicht besser, sondern schlechter.

      • Das gesamte angebliche „Sozialsystem“ ist doch längst völlig aus den Fugen geraten. Es bietet weder seinen eigenen Versicherten eine angemessene Gegenleistung für seine völlig überzogenen Beiträge, noch bietet es Dritten, die es ungefragt von Jahr zu Jahr mehr abkassiert, um irgendwie über Wasser gehalten zu werden ohne sie mit zu versichern, irgendetwas. Es dient in erster Linie der Beschäftigung eines gigantischen und völlig überflüssigen, feudalistischen Verwaltungsapparats (Selbstzweck) und in zweiter Linie dem Kleinhalten einer ohnehin schon nicht gerade besonders risikofreudigen Bevölkerung durch latente Verunsicherung. Dieses so genannte „Sozialsystem“ mit seinen alles und jeden erdrückenden Kosten ist mittelbar auch der Hauptgrund dafür, dass immer weniger junge Menschen den Mut finden, ein eigenes Unternehmen zu gründen oder auch nur ein noch gewinnträchtiges mittelständisches Unternehmen zu übernehmen, dessen alternder Inhaber händeringend einen Nachfolger sucht. De facto wird durch diesen Moloch nach und nach der gesamte Mittelstand vernichtet, so dass am Ende nur noch Großkonzerne und der Staat als Arbeitgeber übrig bleiben werden. An der Entwicklung der Selbständigenquote seit den 1950er Jahren (seinerzeit etwa 35%, heute gerade noch knapp 10% mit weiter fallender Tendenz) können Sie das sehr gut ablesen.

      • @Dilger 8:56 Uhr

        Sie selbst bezahlen zwar auch Steuern, bekommen aber Ihr Gehalt vom Steuerzahler bezahlt und werden obendrein – und zwar ohne dafür Beiträge in die gesetzliche Rentenversichrung einbezahlt zu haben – ein Mehrfaches an Pension kassieren, als es der Beitrag zahlende Normalrenter Rente erhält. Sie sind also ein Netto-Nehmer in unserem ach so nachhaltigen Wohlfahrtssystem.

        Der sogenannte „Sozialstaat“ kennt genau drei Kategorien von Menschen:

        1.) Feudalistisch Vollversorgte, die selbst keinerlei Beiträge entrichten, also reine Nehmer sind. Hierzu gehören Politiker, Beamte wie Sie, der Klerus und alle Daueralimentierten. Das ist quasi der moderne Adel mit seinen Hofnarren und seinem unmittelbar abhängigen Stimmvieh.

        2.) Beitragszahler mit (immer geringer werdenden) eigenen Leistungsansprüchen.
        Das sind im Laufe ihres Lebens die meisten als Arbeiter oder Angestellte Erwerbstätigen. De facto sind diese Menschen nur Abgabensklaven, die zur Ruhigstellung einschränkte Gegenleistungen und die Illusion sozialer Sicherheit erhalten.

        3.) Indirekte Beitragszahler ohne jeglichen Leistungsanspruch, also reine Geber.
        Die Betreffenden sind selbständige Unternehmer, Mitglieder von Familienunternehmen und Freiberufler. Alles reine Abgabensklaven.

        Die systembedingte Kaputtbesteuerung kennt aber kein „Happy End“, sondern nur den finalen volkswirtschaftlichen Crash. Jedenfalls, wenn die soziale Pseudo-Sicherung nicht schleunigst radikal und ohne Rücksichtnahme auf die Befindlichkeiten heute privilegierter Interessengruppen dem tatsächlich nachhaltig Finanzierbaren angepasst wird. Das wissen Sie, lieber Herr Dilger, doch im Grunde mindestens genauso gut wie ich.

      • Ich weiß inzwischen, dass Sie von Wirtschaft keine Ahnung haben. Es gibt viele Staatsdiener, die viel mehr leisten als kosten. Umgekehrt gibt es Pseudounternehmer wie Sie, die von staatlichen Zwangsmaßnahmen profitieren wollen.

      • @Dilger 9:03 Uhr

        Ihre sozialromantische Beamten-„Realität“ fährt gerade mit Höchstgeschwindigkeit und bislang völlig ungebremst auf die Wand zu. Sie wollen mir und Ihren anderen Lesern hier in Ihrem Blog doch nicht ernsthaft weiß machen, dass Ihnen das nicht selbst bewusst ist?

      • @Dilger 9:03 Uhr

        Wenn Sie angeblich liberal und kein Etatist sind, warum befürworten Sie dann staatliche Zwangsversicherungen mit einem absurd schlechten Preis-Leistungs-Verhältnis, von denen obendrein zumindest die DRV seit Jahrzehnten das betreibt, was man bei jedem anderen Unternehmen (auch bei jeder Versicherung auf dem freien Markt) als Insolvenzverschleppung bezeichnen würde?

      • Die Umlageversicherung ist mit ihren Ansprüchen nun einmal da. Ich bevorzuge echte Verbesserungen gegenüber Ihrer radikalen Verschlechterung.

      • Das mit den leichtfertig eingegangenen und nie korrigierten Ansprüchen der Umverteilungsversicherung macht den Umbau natürlich sehr schwierig. Das hatten Sie selbst ja weiter oben mittelbar auch schon gegenüber Herrn Burger betont.

        Trotzdem muss dieses heiße Eisen schleunigst angepackt werden, sonst fährt der ganze Karren (und nicht nur die DRV) ungebremst im rechten Winkel gegen die Wand.

        Wollen Sie das Ihren Kindern zumuten? Ich den meinen nicht.

      • @Dilger 8:50 Uhr

        Was soll an einem maßvollen BGE oder einer bedingungslosen Rente (beides ließe sich sogar zusammenfassen in dem man es zum Beispiel mit zunehmendem Lebensalter erhöht) für alle denn „schlechter“ sein als an dem höchst ineffizienten und absolut zukunftsunsicheren heutigen System?

      • @Dilger 10:13

        Was ist das denn für ein unsubstantiierter Unfug?
        Haben Sie sich eigentlich schon einmal die Altersverteilung in der Bevölkerung angesehen?
        Oder glauben Sie etwa auch wie SPD, LINKE und GRÜNE an eine „Robotersteuer“?
        Was meinen Sie, wie schnell sich all die Roboter und Maschinen die Morgensonne begrüßend (Himmelsrichtung) verflüchtigen, wenn diese Illusionistensteuer eingeführt wird!

      • Im Gegensatz zu Ihnen plädiere ich für einen wirklich schlanken Staat, der aber dennoch echten Grundsicherungsaufgaben nachkäme, was unser real exisatierender Feudalsozialismus für Beamte und Co. genau nicht leistet. Aber das verstehen Sie nicht, da Sie da ja selbst mittendrin stecken. Amen.

      • Nein. Grundsicherung für ALLE. Das schließt zwar dann auch Millionäre mit ein, spart aber ein Vielfaches der durch die wenigen Millionäre (die dem Fiskus das Geld ohnehin an anderer Stelle mehrfach zurückgeben) entstehenden Ausgaben. Von Effizienz verstehen Sie als reiner Theoretiker offenbar nichts.

      • Sie verstehen weder die gesetzliche Rentenversicherung noch eine Grundrente für alle und deren Kosten, wollen aber alles kenntnisfrei umstoßen. Da darf man sich nicht wundern, dass viele doch lieber die Union als solch eine AfD wählen.

      • Wenn ich mir anschaue, unter welchem Druck heutzutage viele Polizisten stehen, wäre ich dafür, denen viel mehr Gehalt zu zahlen. De facto löffeln doch in erster Linie die Polizisten die Suppe aus, die die politischen und gesellschaftlichen Eliten versalzen haben.

      • Das sehe ich ein wenig anders. Nicht jeder Polizist wird zu derartigen Einsätzen herangezogen. Angemessener wäre daher m.E. eine einsatzabhängige Gefahrenzulage.

      • Na, indem man beim Festsetzen der Leitzinssätze auch die Vermögensinflation berücksichtigt. Mit Kontrollieren ist allerdings nicht Reduzieren gemeint. Vielleicht würde es auch schon ausreichen, mehr Anreize zu schaffen, Neubauten zu errichten. Erwarten Sie eigentlich, dass der Anstieg der Immobilienpreise im Verlauf von 2018 bzw. 2019 signifikanz abflacht?

      • Was sind denn die richtigen Vermögenspreise? Diese hängen direkt vom Zins ab. Entsprechend gehen die Immobilienpreise erst zurück, wenn die Zinsen signifikant steigen.

      • @Femke Müller

        Tenor des von Ihnen verlinkten ntv-Artikels ist im Wesentlichen, dass die Immobilienpreise in guten und sehr guten Lagen weiter steigen werden, so lange die Nachfrage danach nicht abreisst (was derzeit noch nicht in Sicht ist).

        In wenig gefragten Lagen (v.a. ländlicher Raum im Norden und Osten der Republik) sieht die Lage hingegen schon heute ganz anders aus. Selbst im vergleichsweise noch immer sehr wohlhabenden Bayern gibt es verwaiste Landstriche, in denen leer stehende Immobilien kaum noch verkäuflich sind (insbesondere in den ehemals als „Zonenrandgebiet“ bezeichneten Grenzgebieten zu Sachsen und Thüringen).

      • @Alexander Dilger

        „Richtig“ und „falsch“ kann man bei der Preisbildung am Immobilienmarkt doch gar nicht diagnostizieren. Auf Angebot und Nachfrage durch private Investoren und Eigennutzer ohne nennenswertes Eigenkapital hat die Höhe des Zinses zwar erheblichen Einfluss, aber auch auf die Gesamtnachfrage, insbesondere in begehrten Lagen? Ich denke, dass der Hype in den guten und sehr guten Lagen der Metropolregionen nicht mehr signifikant mit der Zinshöhe zusammenhängt.

      • Natürlich hängen die Immobilienpreise mit der Zinshöhe zusammen, allerdings weltweit, nicht nur in Deutschland. Der Zins betrifft nicht nur private Käufer, die den Kauf finanzieren müssen, sondern alle professionellen Anleger und auch solche mit 100 Prozent Eigenkapital, die mit alternativen Anlageformen vergleichen.

      • Ich glaube auch, dass die Immobilien- und Aktienpreise nur noch zum Teil vom niedrigen Zins abhängen. Natürlich macht dieser Anleihen unattraktiv. Aber eigentlich wäre jetzt auch ein Zeitpunkt Gewinne mitnehmen, um nach einem Absturz wieder günstig einzusteigen. Das passiert aber bisher aus 2 Gründen nicht: Die Käufer wollen sich vor einer Inflation schützen und wüssten auch nicht, wo und wie sie ihr Geld parken sollten. Das Vertrauen in die Banken ist trotz oder gerade wegen der staatlichen Neigung zur Bankenrettung weg. Da sieht man sein Geld eben gerne in Betongold, das bleibt. Um eine Rendite oder darum die Blase bis kurz vor vor dem Platzen mitzugehen, geht es den meisten Käufern doch längst nicht mehr. Die suchen einfach nur noch Sicherheit und meinen sie in deutschen Großstädten zu finden. Die Flucht in den Franken ist ein ähnliches Phänomen.

      • Global wird doch auch ganz viel Geld gehalten. Risikodiversifikation impliziert jedoch, nicht alles auf eine Karte zu setzen. Hinzu kommt, dass an den international bekannten Standorten insbesondere ausländisches Kapital ein Plätzchen sucht. Als Deutscher mögen Sie Ihrem Bankkonto noch vertrauen, als Grieche oder Russe überlegt man sich das mehrfach. Ein Haus in München mag an Wert verlieren, wird aber nicht völlig wertlos werden.

      • Ich vertraue bereits als Deutscher dem Geld und den Banken nicht (niemals würde ich größere Mengen Geld auf dem Konto lassen) und ich kann mir vorstellen, dass in Griechenland die Panik noch eine ganz andere Dimension hat.

        Nur kann eben auch so eine Blase entstehen und Preise sich so sehr von Fundamentalwerten entfernen und in der Folge abstürzen, dass die vermeintliche Investition in Sicherheit am Ende doch keine war. Die Frage ist nicht, ob die Blase platzt, sondern nur wann und wie.

      • Das mag für Bitcoins zutreffen, aber nicht zwingend für Immobilien oder gar alle Anlageklassen zugleich. Das Platzen einer Blase muss relativ zu etwas anderem erfolgen, z. B. zum Geld. Folglich müssen auch Sie sich überlegen, ob Sie stärker dem Geld, Immobilien oder Aktien (miss)trauen.

      • Natürlich ist bei einer mit Eigenkapital finanzierten Immobilie der Totalverlust nahezu ausgeschlossen. Jedenfalls in einigermaßen attraktiven Lagen.

        Wenn Sie Immobilien oder Grundstücke mit 100% Eigenkapital kaufen können, dann kommt es Ihnen aber i.d.R. auf den Mietzins überhaupt nicht an. Die Rendite durch den Wertzuwachs ist erheblich interessanter, als ein karger Mietertrag, für den man sich dann auch noch mit einem Mietrecht herum plagen muss, dass einer Enteignungsverfügung gleichkommt. Wer gar das Abenteuer eingeht, eine Immobilien-Finanzierung mit Mieteinnahmen decken zu wollen, erlebt spätestens wenn die Zinsen wieder steigen sein blaues Wunder.

        Immobilien sind als Kapitalanlage zur Zeit m.E. nur noch unter dem Gesichtspunkt des Wertzuwachses interessant. Jedenfalls für Normalsterbliche. Wer eine nicht selbst genutzte Immobilie finanzieren muss, sollte die Finger besser ganz davon lassen.

      • Wenn etwas nur noch wegen erwarteter Wertsteigerungen gekauft wird, dann ist man mitten in der Blasenbildung. Dagegen macht es durchaus Sinn, Immobilien langfristig mit niedrigen Zinsen zu finanzieren, um Mieteinnahmen zu generieren oder eigene Mietzahlungen zu sparen. Man muss sich allerdings einarbeiten, um nicht zu teuer zu kaufen. Außerdem war es schwer, an die nötigen Handwerker zu kommen. Schließlich muss man seine Mieter sehr gut aussuchen oder sich nachher mit diesen herumärgern.

      • Das Problem ist, dass ein Kursrutsch bei Aktien und Immobilien automatisch auch die Solvenz der Banken und damit auch die Sicherheit des Geldes in Gefahr gerät. Die Immobilien- und Aktienpreise dürften sich dann erhöhen, das Geld kann hingegen komplett futsch sein.

        Ich persönlich kann mit Immobilien nichts anfangen, da sie mein Budget überschreiten und ich gerne diversifiziere. Also blieben Aktien und Rohstoffe. Da aktiv geführte Fonds praktisch nie langfristig den Markt schlagen konnten (survivorship bias nicht vergessen, Zufall einkalkulieren), sie hohe Gebühren verlangen und ich mir selbst nicht anmaße besser zu sein, bevorzuge ich ETFs.

      • Eine selbstgenutzte Immobilie langfristig zu finanzieren geht schon noch in Ordnung. Hier müssen Sie vor allem darauf achten, dass Sie im Falle eines Verkaufs (die eigene Lebensplanung lässt sich oft nicht so weit vorhersehen wie eine Finanzierung dauern kann) ohne all zu große Vorfälligkeitsentschädigung aus der Finanzierung aussteigen können.

        Aus Ihrer etwas naiven Einstellung zur sorfältigen Auswahl von Mietern hingegen schließe ich, dass Sie auf diesem Gebiet wohl noch nicht über all zu profunde Erfahrungen verfügen.

        Ein zusätzliches Manko bei der Kapitalanlage in Immobilien ist natürlich, dass man diese nicht kurzfristig abziehen kann. Zum Beispiel, wenn der Staat zur Aufhübschung seiner frisierten Bilanzen Immobilien mit Zwangshypotheken belegt, was ja alle paar Jahrzehnte tatsächlich vorkommt.

      • Ich vertraue solide wirtschaftenden Banken, warum auch nicht? Gab es jemals Fälle, in denen große und als halbwegs sicher bewertete Banken aus dem EU-Raum insolvent gingen und Einlagen an die Kunden nicht mehr auszahlen konnten? Tages- oder Festgeld ist immer noch die sicherste Möglichkeit, in einem gewissen Rahmen die Inflation auszugleichen.

      • Am Anfang der Finanzkrise sind etliche Banken pleite gegangen, auch größere und vorher als sicher geltende. Viele andere Banken wurden staatlich gerettet. Für deutsche Kleinsparer wurden alle hiesigen Einlagen abgesichert.

      • Bei den Zinsen kommt es auf die Länge der Zinsbindung an. Es ist nicht unbedingt der Käufer, der das Zinsrisiko trägt. Es kann auch die Bank sein oder gar eine dritte Partie. Nur irgendwer im System muss es zweifelsohne tragen und hier lauern bei der Transmission für gewöhnlich die größten Gefahren.

        Ich glaube auch, dass es einigen Akteuren nur noch um Wertsteigerungen geht und genau das nennt man eine Blase. Deshalb stehen in der Mitte von London auch Büros leer. Eine Blase kann sich lange selbst tragen (selbst bei einem Carry-Trade mitunter jahrelang gegen jegliche Fundamentallogik), aber irgendwann platzt sie immer. Da aber jeder meint, dass er den rechtzeitigen Absprung schafft, wird dieses Risiko meistens vernachlässigt und auf der Welle mitgesurft.

      • @Peter Burger

        Bei langfristiger Zinsbindung gewinnt immer die Bank. Einerseits erkaufen Sie sich diese (IMO nur vermeintliche) Risikominimierung von vornherein mit einem deutlichen Aufschlag gegenüber kurzer Zinsbindung oder variablem Finanzierungszins (nach meiner langjährigen Erfahrung die weitaus günstigste Finanzierungsform für den finanzierenden Käufer), andererseits profitieren Sie während der Laufzeit nicht von fallenden Zinsen und müssen obendrein beim vorzeitigen Ausstieg aus dem Darlehen eine hohe Vorfälligkeitsentschädigung leisten.

      • So hoch sind die Aufschläge nicht. Es geht darum, wie lange die Niedrigstzinsphase noch anhalten wird. Ihre Strategie war nur lohnend, solange die Zinsen fielen, was nicht mehr zu erwarten ist. Unabhängig von den Erwartungen kauft man sich durch Zinsbindung Sicherheit und Planbarkeit.

      • Gerade die langfristige Zinsbindung kann sehr schnell zum teuren Fallstrick werden, wenn man verkaufen möchte (oder muss), da sich nicht jede Biographie lückenlos vorausplanen lässt. Dies gilt heute mehr denn je und ich habe nicht den Eindruck, dass sich das in näherer Zukunft umkehren wird.

        Ein wenig Mut gehört natürlich schon dazu, mit variablem Zinssatz zu operieren. Wenn die Zinsen tatsächlich steigen, kann man sich aber trotzdem immer noch binden.

      • @Femke Müller

        Großbanken in Europa operieren mit 3-5 % Eigenkapital. Darüber hinaus lauern zahlreiche Risiken außerhalb der Bankbilanzen, deren Umfang man gar nicht überschätzen kann. „Risikogewichtet“ pusht man diesen Wert auf vermeintliche 10-20 %, doch auch da sind sie noch weit unter den Vergleichswerten anderer Industrien. Sie können sich vorstellen, dass bei einem drastischen Kursrutsch diese 3-5 % schnell aufgebraucht sind. Zwar sind Bankeinlagen teilweise geschützt und sie sind auch nicht die erste Person, die Verluste einfahren muss. Das sind erst mal andere Gläubiger. Dennoch haben sie für eine lange Zeit erst einmal keinen Zugriff mehr auf ihre Einlagen. Übrigens muss auch das Eigenkapital nicht gänzlich aufgebraucht sein. Es reicht, wenn die Bank keine liquiden Mittel mehr zur Verfügung hat, weil viele Gläubiger gleichzeitig ihr Geld abziehen. Schon haben sie zumindest vorübergehend keinen Zugriff mehr auf ihre Sichteinlagen.

        Warum wird eine so niedrige Eigenkapitaldecke von den Kunden, Gläubigern und sogar Eigentümern überhaupt akzeptiert? Weil es ein explizite (Einlagensicherung) und implizite (Too-Big-To-Fail-Problem) Staatsgarantie gibt. In der Finanzkrise wären ohne diese impliziten Erwartungen alle! (ja, auch die vermeintlich so gesunde Deutsche Bank) Großbanken insolvent gewesen. Diese implizite Erwartungen sind nichts anderes als indirekte Subventionen des Steuerzahlers. Das bringt Vorteile im konkreten Krisenfall mit sich, aber eben auch große Nachteile bei der Entstehung von Risiken (Moral Hazard). Von den angeblichen „Liquiditätshilfen“ der EZB, die in Wahrheit ebenfalls eine direkte Rettung insolvenzer Banken war, müssen wir erst gar nicht reden. In Zeiten großer Staatsschulden und einer EZB, die in wirtschaftlich guten Zeiten ihre Bilanzsumme aufbläht, ist eine gesunde Skepsis angebracht. Natürlich können EZB und die Staaten dieses Spiel noch einmal spielen und noch einmal Feuer mit Feuer bekämpfen. Nur irgendwann funktioniert das nicht mehr und der noch viel größere Knall ist unausweichlich.

      • Es ist richtig, dass man eventuell nicht direkt Zugriff auf die Einlagen hat. Aber das ist bei anderen Anlagen ähnlich, insbesondere bei Immobilien. Man sollte das Geld natürlich wenn dann auf mehrere Banken verteilen.

    • Die Überwachung der Vermögenspreise gehören sehr wohl zum Aufgabengebiet der EZB, wenn auch an anderer Stelle. Das System der Bankenaufsicht ist kompliziert, aber die EZB ist ein Teil davon. Vermögenspreise feuern aber auch die Kreditvergabe (was bisher zumindest im Aggregat, das allerdings nicht immer entscheidend ist, noch nicht festzustellen ist) an und gehören deshalb unter besondere Beobachtung. Es gilt den Aufbau systemischer Risiken zu limitierten. Die Überwachung der Vermögenspreise (nach oben wie unten) ist ein wichtiger Teil davon. Das wird allerdings teilweise nur unzureichend gemacht und offizielle Regulierungsvorschriften wirken häufig eher pro- als antizyklisch. Auch wenn Fortschritte in den letzten Jahren erzielt wurden, ist die Dosis doch eher homöopathisch und jeder weiß, dass das System weiterhin höchst fragil ist.

      Die Umverteilungswirkungen momentan sind fatal und schaden vor allem dem kleinen Mann, der auf traditionelle Produkte wie Lebensversicherungen setzt und heute noch in Miete wohnt. Mit zusätzlichen Steuern, wie schnell die Forderungen aus dem linken Spektrum kommen wird, ist aber überhaupt nichts gewonnen. Entscheidend ist, dass Wohlhabende und große Unternehmen überhaupt Steuern zahlen und legale Schlupflöcher endlich geschlossen und eine Abwanderung gleichzeitig verhindert wird. Ich habe mir die US-Reform und Eignung der Maßnahmen noch nicht genau angesehen, aber sie scheint zumindest die richtige Zielrichtung zu haben.

      Ein großes Problem für den Normal- bis Gutverdiener ist, dass sie anders als Superreiche sich nicht der Abgabenlast entziehen können und damit deutlich langsamer Vermögen aufbauen.

      • Es war ein Fehler, der Zentralbank die Bankenaufsicht zu übertragen. Letztere muss die Vermögenspreise im Blick haben, aber nicht per se begrenzen.

      • Natürlich war das ein Fehler. Die EZB beaufsichtigt nicht nur, sondern entscheidet unmittelbar über das Wohl der Banken in Form ihrer Geldpolitik.

      • Dass die Geldpolitik die Geschäftsbanken betrifft, ist unvermeidbar. Aber als Bankenaufseher kommt die EZB in einen direkten Interessenskonflikt. Um ihre eigene Bilanz zu schützen, kann sie z. B. Risiken zu den Geschäftsbanken verlagern, diese im entscheidenden Moment dann aber doch retten.

  2. Dass die EZB „Preisstabilität“ bei einem offiziellen Inflationsziel von knapp unter zwei Prozent gegeben sieht, ist für mich unbegreiflich!

    Diese Geldpolitik nutzt nur den Regierungen der südeuropäischen Pleitestaaten, nicht aber unserer Mittelklasse und den Klein- und Normalverdienern.

    Wenn man einen Italiener und ehemaligen Goldman Sachs Manager zum EZB-Präsident macht, darf man sich nicht wundern, dass Deutschland und Nordeuropa ausgeplündert werden!

  3. Zur Inflation gehört doch ein kräftiger Anstieg der Löhne sowie ein Anstieg der Geldumlaufgeschwindigkeit. Beides ist nicht in Sicht, so dass man spekulieren kann, wo das Geld der Zentralbanken bleibt.
    Für Jedermann sichtbar ist die exorbitante Bewertung von Akten und begehrten Immobilienlagen. Das ist durchaus im Sinne einer Vermögensinflation zu werten. Das Geld bleibt – offensichtlich durchaus im Sinne von Piketty – bei Vermögenden, deren Verwaltern und den Banken hängen.
    Besonders bei Aktien muss man vorsichtig sein, da man früher eine Dividende von 3% als Risikoprämie gegen Kurzrücksetzer wertete und erst die über 3% hinausgehende Ausschüttung die eigentliche Dividende darstellte. Dividendenaktien sind eben k e i n e Rentenpapiere.
    Hinsichtlich der Inflation kann es nun so kommen wie 1923. Damals blieb nämlich das zuvor gedruckte Geld zunächst in den Taschen der Kriegsgewinnler. Erst später regnete es hinab und löste die Konsumgüterinflation aus. Ähnliches wäre denkbar, wenn die heutigen Aktien-und Immobiliengewinnler anfangen, ihr Gewinne in Konsum umzusetzen. Dann wird die Inflation schon aus der Wolke regnen.
    Die großen volkswirtschaftliche Probleme, nämlich die neolithische Revolution und Ort und Zeitpunkt der industriellen Revolution sind noch unerklärt. Warum in aller Welt wurden die Jäger und Sammler mit zwei Stunden täglicher Arbeitszeit sesshaft, um 14 Stunden täglich Ackerbau zu treiben un 10 Jahre kürzer zu leben?
    Ihr Fach ist offenbar in der Lage der Physik vor Newton. Zuvor waren die Grundgrößen und mathematischen Instrumente einfach nicht vorhanden. Selbst ein Kepler konnte z.B. nicht zwischen Impuls und Energie unterscheiden.
    Konkret für heute ist es wohl sinnvoll, einen Teil der Aktiengewinne in langlebige Konsumgüter, z.B. Haushaltsgeräte, Autos umzusetzen.

    • Die Löhne bleiben niedrig, dafür sorgen Digitalisierung und Globalisierung. Allerdings ist auch dieser Schock irgendwann nicht mehr stark genug, gegenläufige Entwicklungen aufzuhalten.

      Dass die Aktiengewinner ihre Gewinne irgendwann in Konsum umsetzen, ist in Deutschland eher nicht zu erwarten, aber natürlich sehr wohl im Ausland. Aktien und Immobilien in den begehrten Lagen fokussieren sich in Deutschland auf eine kleine, mehrheitlich wohlhabende Schicht. Die marginale Konsumneigung nimmt mit steigendem Einkommen und Vermögen aber ab. Anders ausgedrückt, die vermögende Schicht weiß gar nicht wohin damit, während die untere Schicht wohl jeden zusätzlichen Euro in Konsum stecken würde. Der Normalbürger hat in Deutschland, anders als im Ausland, eher keine Aktien.

      Dennoch ist natürlich zu erwarten, dass die heutigen Differentiale entweder in einem nächsten großen Crash oder tatsächlich in einer großen, diesmal auch die Konsumgüter betreffenden, Inflation enden.

      • Was spricht für hohe Inflation? Viel wahrscheinlicher ist eine große Krise, in der die Zinsen nicht mehr weiter gesenkt werden können.

      • Für Inflation spricht mMn. der Zusammenhang von deltaM3 und deltaBIP. Natürlich kann man jetzt argumentieren, dass dieser durch den Anstieg der Vermögenspreise bereits absorbiert wurde. Insbesonders steigende Mieten, die durch die offizielle Inflationsstatistik nur unzureichend abgebildet werden, machen jedoch Millionen Menschen real deutlich ärmer. Darunter auch durchaus Gutverdiener und Hochqualifizierte, deren Ersetzung durch neue ausländische Fachkräfte sich zumindest in Deutschland schwierig gestalten dürfte. Ich würde nicht ausschließen, dass zumindest die obere Mittelschicht irgendwann die Verhandlungsmacht besitzt, auch entsprechende Lohnsteigerungen durchzusetzen. Die dadurch entstehende Spirale kennen wir. Das gilt durchaus auch für einfachere Tätigkeiten, denn unsere nicht-europäischen Mitmenschen sind ja größtenteils nicht einmal dafür zu gebrauchen und auch aus Osteuropa ist irgendwann Schluss, weil nicht mehr jeder Elendsjob hier eine Verbesserung darstellt. Die Digitalisierung zerstört nicht nur Jobs, sie schafft auch neue.

        Aber ein Einbruch der Vermögenspreise wäre zweifellos eine schnellere Option. Nur glaube ich hier anders als Sie, dass die EZB (und allgemein die Notenbanken der Welt) trotz Nullzinsen noch Instrumente dagegen hat. Sie muss nur ihre Bilanz ausweiten und kaufen, kaufen, kaufen. Das mag nicht ihr Mandat sein, aber sie kann es machen. Sie kann Vermögenspreise nach Gutdünken stabilisieren und wird das tun, Regeln und Sinnhaftigkeit interessieren nicht mehr. Die Inflation hingegen kann sie dann nicht mehr kontrollieren, weshalb ich glaube, dass die Ungleichgewichte eher darüber gelöst werden.

        Wie auch immer, ich sehe den Crash, in welchem Kleid er auch kommen mag, nicht mehr weit. Genaue Zeitpunkte lassen sich nie prognostizieren, mich würde es aber nicht wundern, wenn die politische und wirtschaftliche Situation in Deutschland in 5 Jahren eine ganz andere ist.

      • Die Geldmenge M3 ist doch seit der Finanzkrise gar nicht mehr so stark gestiegen (siehe hier). Vor allem absorbiert sie Liquidität, während nur (ein Teil von) M1 konsumwirksam wird. Die Gehälter von Spiteznverdienern steigen doch bereits überdurchschnittlich. Im unteren Segment hat der Mindestlohn zu Steigerungen geführt. Es sind vor allem die Tariflöhne, die kaum steigen, u. a. weil die Gewerkschaften schwächer geworden sind. Damit die Verbraucherpreise stark steigen, müsste die Nachfrage das Angebot deutlich übersteigen, was zumindest in Deutschland nicht zu erwarten ist. Die Lage in Deutschland verschlechtert sich aus politischen, nicht wirtschaftlichen Gründen.

      • Spitzenverdiener ja, Gutverdiener nicht unbedingt. Spitzenverdiener gibt es nur in geringer Anzahl, auch wenn ihr Anteil am Gesamteinkommen größer ist. Viel entscheidender ist heutzutage ohnehin das Vermögen und hier erleben wir, dass sich eine kleine Schicht exorbitant absetzt und eine weitere, etwas größere Schicht (ein wenig geerbte Immobilien + ein wenig Aktien, aber keine Möglichkeit zur Steuerflucht) noch mitschwimmen kann, aber größere Bevölkerungsschichten in die Unterschicht abstürzen. CDU-freundliche Ökonomen versuchen das immer zu bestreiten, indem sie ihre Statistiken so hinbiegen, dass nur irrelevante Indikatoren auftauchen, die vermeintlich andere Schlussfolgerungen beinhalten. Alleine wahr ist das nicht und die CDU über Jahrzehnte hinweg für das Schlamassel mitverantwortlich.

      • Es gibt doch kaum noch eine deutsche Unterschicht. Die meisten Arbeiter sind in die (untere) Mittelschicht aufgestiegen. Es gibt ein Subproletariat von dauerhaften Transferempfängern, welches durch Zuwanderung Un- und Geringqualifizierter deutlich verstärkt wird. Eine echte Oberschicht gibt es auch kaum noch. Die meisten Spitzenverdiener arbeiten für ihr Geld. Selbst große Erblasser erwarten, dass ihre Erben was tun.

      • Diese untere Mittelschicht stürzt gerade in die Unterschicht ab, da:

        a) trotz Arbeit aufgrund hoher Abgaben kaum mehr bleibt als einem Arbeitslosen
        b) kinderreiche Familien mit 3 Kindern selbst in der Mittelschicht auf Hartz-4-Niveau abstürzen, da die Unterstützung hierfür einfach nur schäbig ist
        c) extreme Mieten in den Metropolen selbst von der Mittelschicht, insbesondere insofern Kinder vorhanden sind, nicht mehr getragen werden können, während Sozialempfänger diese selbstverständlich übernommen bekommen.
        d) eine Rente oberhalb der Grundsicherung zwar heute noch die Regel ist, aber es zukünftig keinen Unterschied mehr machen wird, ob man gearbeitet hat oder nicht, zumindest für die untere Mittelschicht
        e) die Anlageformen der unteren Mittelschichten, d.h. Sparbuch, Lebensversicherungen oder neuerdings auch die Riester-Rente durch Niedrigzinsen systematisch zerstört wurden
        f) eine enorme Landflucht stattfindet, die das Immobilienvermögen, das dort anders als in den Metropolen größtenteils in der Hand des kleinen Mannes ist, immer stärker entwertet.

        Wer die momentane Entwicklung nicht sieht, ist mMn. entweder blind oder selbst nicht davon betroffen und deshalb in einer eigenen Sphäre unterwegs.

        Passt nur zum Teil hier, aber sehr erwähnenswert mMn. ist dieses Interview.

        https://www.nzz.ch/wirtschaft/es-muss-einen-wert-haben-das-tabu-der-finanzierung-durch-das-gelddrucken-nicht-zu-brechen-ld.1327223

      • Die Schichten unterscheiden sich nicht nur nach dem Einkommen. Wer gut ausgebildet ist und ordentlich arbeitet, gehört auch bei niedrigem Einkommen (bzw. Unterstützungsbedarf wegen Kindern, um die man sich auch noch selbst kümmert) zur Mittelschicht. Tatsächlich setzt sich jedoch die sozialistische Ideologie immer mehr durch, möglichst viele auf das gleiche Einkommensniveau zu drücken oder zu heben. Langfristig vernichtet das Arbeits- und Spar-, aber auch Bildungsanreize.

    • Wirtschaft funktioniert anders als der Weltraum. Wirtschaftliche Gesetzmäßigkeiten sind auch keine Naturgesetze. Vielleicht passt der Vergleich mit Ihrem Fach, der Medizin, besser. Es ist kompliziert, doch man will trotzdem den Menschen helfen, selbst wenn man nicht alles versteht und Fehler macht.

  4. Pingback: Verschlechterten Ackerbau und Viehzucht das Leben? | Alexander Dilger

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