Xi lässt sich auf Stufe mit Mao stellen

„Chinas Kommunisten heben Xi auf eine Stufe mit Mao“. „Xi Jinpings Gedankengut für das neue Zeitalter des Sozialismus chinesischer Prägung“ wurde in die Parteiverfassung aufgenommen, womit er auf einer Stufe mit Mao Zedong steht und noch vor Deng Xiaoping, der nach Maos Schreckensherrschaft die Öffnung und den wirtschaftlichen Aufschwung Chinas einleitete, welcher jetzt unter dem kommunistischen Generalsekretär und chinesischen Präsidenten Xi nachlässt. Dessen Macht steigt hingegen und vielleicht macht er nach seiner nun beginnenden zweiten fünfjährigen Amtszeit entgegen den jüngsten Gepflogenheiten weiter, wodurch sich China von einer Oligarchie zur Diktatur zurückentwickeln würde.

Jetzt schon bezeichnet The Economist ihn als „The world’s most powerful man: Xi Jinping has more clout than Donald Trump. The world should be wary“. Denn die USA sind zwar immer noch reicher und mächtiger als China, aber nicht ihr Präsident, weder von Amts wegen noch von der aktuellen Persönlichkeit her (sondern höchstens hinsichtlich des Privatvermögens). Der chinesische Präsident wird jetzt noch mächtiger, wovon jedoch China und die Welt wohl eher nicht profitieren.

22 Gedanken zu „Xi lässt sich auf Stufe mit Mao stellen

  1. The world should be wary! Mehr ist dazu nicht zu sagen.
    Ob Westen, ob Afrika, Pazifik und auch Genosse Putin!

  2. Die Verhältnisse werden den Verhältnissen vor dem Zweiten Weltkrieg immer ähnlicher, wenn auch ( zur Zeit ) nicht so extrem und wenn auch nicht exakt 1 zu 1. Aber es bilden sich Pole des Bösen, nicht ganz so böse wie Mao, Stalin oder Hitlern, aber immerhin: Raketen-Kim, Erdogan, Putin und nunmehr möglicherweise Xi Jinpin, der für das Säbelrasseln durchaus auch bekannt ist.

    Wären die Bevölkerungen radikalisierter und kriegsgeiler, dann wären die Verhältnisse dieser Zeit der Zeit vor dem 1. Weltkrieg sehr ähnlich. In jedem Fall sind die Entwicklungen nicht gut.

    Der senile Trump und die unberechenbare Merkel, aber auch die wirren Engländer oder die mit sich selbst beschäftigten Franzosen sind auch keine Stabilitätsanker. Das gleiche gilt auch für die EU, die ihren Selbstfindungsprozess nicht einmal begonnen hat.

    Kein gutes Gefühl habe ich, dass wir uns in der Zange zwischen Russland und Türkei befinden. Die Reihen in den NATO-Staaten sind schon lange nicht mehr geschlossen. Mit der Türkei sitzt zudem ein Feind in dieser Reihe.

    Und wir sitzen hier auf einem Militär, das seine Wehraufgaben gar nicht wahrnehmen kann, und einer von Medien flankierten Politik, die beide die Realitäten schon lange nicht mehr wahrnehmen wollen, weil ihnen diese nicht mehr gemütlich genug ist.

    Keine guten Zeiten ! Bleibt zu hoffen, dass Trump möglichst bald abgelöst wird und dass zumindest die anglikanische Achse wieder funktioniert. Von den anderen europäischen Staaten ist in den nächsten Jahren kein nennenswerter Beitrag zur weltweiten Stabilität zu erwarten, zu klein, zu unorganisiert und viel zu sehr mit sich und anderen unmittelbar drängenden Problemen beschäftigt.

    • Insbesondere Deutschland ist viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um die äußeren Gefahren überhaupt wahrzunehmen. Allerdings hatte ich kürzlich ein interessantes Gespräch zu der Frage, ob Frau Merkel insgesamt nicht doch eine relativ gute Außenpolitik (außerhalb der EU und ohne den innenpolitisch motivierten Erdogan-Deal) macht.

  3. Wen wundert´s?
    Dass China der lachende Dritte sein würde, der als Sieger aus dem Kalten Krieg hervorgeht, war doch schon lange absehbar. Man braucht sich nur einmal die Rolle Chinas im Welthandel zu Zeiten der großen Dynastien und sein heutiges Engagement im an Rohstoffen und fruchtbaren Böden reichen Afrika anzusehen. China war dem Abendland zudem über mehr als eintausend Jahre in jeder Hinsicht haushoch überlegen und vor der Vereinnahmung durch den Kommunismus alles andere als rückständig. Geschichtlich gesehen ist die erfolgreiche Aufholjagd Chinas doch wirklich keine Überraschung.

    • Nein, die Überlegenheit Chinas haben liberale Dogmatiker oder wirtschaftsliberale Egomanen verbockt.

      In den 90er Jahren wurde das Dogma ausgegeben, dass mit dem Handel die Demokratie kommen würde. Dieses Dogma war natürlich reine Spekulation und wies natürlich nicht den Wahrheitsgehalt auf, mit denen Dogmen üblicherweise gehandelt werden.

      Die Liberalisierung des Handels und Investmentmarktes und die anschließende Niedrigzinsphase führten zur Verlagerung von Produktionsstätten aus den USA nach China. Seitdem vergnügen sich die USA mit einem hohen Aushandelsdefizit und einem postindustriellen Dienstleistungssektor.

      • Dass Produktionsstätten (nicht nur aus den USA, sondern vor allem aus Europa) nach Fernost verlegt wurden, scheint mir eher ein „Verdienst“ der so genannten ‚Sozialstaaten‘ mit ihrer Vollkaskomentalität und den maßlosen Forderungen ihrer Arbeitnehmerverbände zu sein als ein Bock „liberaler Dogmatiker“ oder „wirtschaftsliberaler Egomanen“. Also genau das Gegenteil Ihrer Annahme.

      • Wenn neue große Akteure in den Weltmarkt eintreten, kommt es zwangsläufig zu Veränderungen. Einfache Arbeitskräfte in Entwicklungsländern bedrohen vor allem einfache Arbeit in entwickelten Ländern, die außerdem von der Automatisierung bedroht ist. Wir müssen uns hier auf unsere komparativen Vorteile besinnen wie Realkapital, Humankapital, Kreativität und Rechtsstaatlichkeit, statt diese zu untergaben.

      • Handelt mehrt vor allem den Wohlstand. Das ist (nicht nur) im Falle Chinas spektakulär eingetreten. Den heute über 1,3 Milliarden Chinesen geht es jetzt viel, viel besser als zu den Zeiten Maos. Das ist für sich genommen ein großer Erfolg. Mit dem Wohlstand ist auch der chinesische Staat einschließlich Militär stärker geworden, doch zumindest bislang zeigt er kein echtes Weltmachtsstreben, sondern will vor allem seinen Hinterhof selbst bestellen. Rein wirtschaftlich haben auch die USA profitiert, allerdings weniger und vor allem ungleicher.

      • Die Chinesen betrachten das „Chinesische Meer“ als ihr eigenes, wie schon der Name ausdrückt. Taiwan sehen sie auch als Teil von China an. Deshalb gibt es auch Grenzstreitigkeiten mit Nachbarländern, aber eben kein Weltmachtstreben. Die Chinesen wollen uns nicht erobern und werden sich höchstens mit Russland über dessen chinanahe Gebiete streiten, wo teilweise inzwischen mehr Chinesen als Russen leben.

      • Kriege fangen nicht erst mit Weltmachtphantasien an. Hegemoniale Bestrebungen in Richtung Europa genügen mir.

        Solche Bestrebungen sind durch Russland, Türkei und Islamisten erkennbar.

        Wenn China Russland und die Seidenstraßen-Länder wie Iran stärkt, dann hat dies natürlich mittelbare Auswirkungen auf Europa.

        Oder umgekehrt formuliert: Würde China mit Europa den Schulterschluss suchen, so würden Länder wie Russland, Türkei oder Iran deutlich ruhiger und zwangsläufig friedlicher sein als sie es derzeit sind.

        Aber der Krach im chinesischen Meer mit dem Konfliktpotential gegenüber Japan, USA, Philippinen schafft auf Seiten China ein diametral gegenläufiges Interesse. Ein schwächeres Europa schwächt mittelbar auch die USA oder Japan, weil US-Streitkräfte so eingebunden werden.

      • Zwei Weltmächte stehen in direkter Konkurrenz zueinander. Regionale Größmächte können sich aus dem Weg gehen, insbesondere wenn sie nicht derselben Region angehören. Die USA als gegenwärtig einzige Weltmacht sind nicht zufällig in die meisten Konflikte verwickelt. Wenn sie China, Russland und auch dem Iran jeweils deren Hinterhof überließen, wären diese zufrieden (während die Sowjetunion als Weltmacht mehr wollte).

      • Zwei Weltmächte stehen in direkter Konkurrenz zueinander. Regionale Größmächte können sich aus dem Weg gehen, insbesondere wenn sie nicht derselben Region angehören. Die USA als gegenwärtig einzige Weltmacht sind nicht zufällig in die meisten Konflikte verwickelt. Wenn sie China, Russland und auch dem Iran jeweils deren Hinterhof überließen, wären diese zufrieden (während die Sowjetunion als Weltmacht mehr wollte).

  4. Nur im 14. Jahrhundert mit Admiral Zhang Hes Entdeckungsflotte war China expansiv. Zum technischen Stand der Chinesen: die Dschunken Zhang Hes verdrängten 5.000 Tonnen, als die schwersten Koggen der Hanse erst 500 Tonnen erreichten. Zhang He war übrigens ein gefangener und kastrierter Muslim.
    Durch zwei Mastreihen von 8-9 Masten, die so versetzt waren dass der Windvortrieb sich gegenseitig verstärkte, erreichten diese Dschunken 15 Knoten.
    Als wir Engländer mit der Victory 5 Jh. später gleich große Schiffe bauten, erreichten diese 5 Knoten. Die Chinesen verfügten über Raketenartillerie und eine Methode der Längengradbestimmung mit 40 Sternen, die die Briten erst im 18. Jh., nach Newton und Chronometerbau erreichten.
    Sonst gab es nur einen vorübergehenden Versuch, Vietnam zu erobern und unter dem Mongolen Kublai Khan einen vergeblichen Angriff auf Japan.

    Die gegenwärtigen zwei Flugzeugträger verfügen nicht einmal über Dampfkatapulte, so dass die Jagdbomber nicht mit voller Bewaffnung starten können und auch auf die schützenden elektronischen Abwehrpods verzichten müssen; sie sind somit für die amerikanischen Gegner Tontauben.
    Wie Dr. Wu, Chef der chinesischen strategischen Flottenplanung in „The South China Sea“ erklärt, würde die chinesische Flotte jetzt keine 20 Minuten gegen einen amerikanischen Zerstörer der Burke-Leigh-Klasse bestehen. In den nächsten 30 Jahren wünsche China keinen Krieg mit den USA.
    Offenbar beherzigen die Chinesen den Rat Rathenaus von 1908 an de Deutschen Kaiser:
    „Majestät, wozu Krieg führen – kaufen wir sie doch auf!“

    • China kann auch in 30 Jahren keinen Krieg mit den USA wünschen, da es ein atomarer Weltkrieg wäre, der nur Verlierer kennt. Die größte Gefahr ist, dass man unabsichtlich in einen solchen Krieg hineinschlittert, z. B. wegen Nordkorea, Taiwan oder Trump.

      • Trump ist kein Kriegstreiber, Trump hat ganz andere Anlegen.

        http://www.spiegel.de/politik/ausland/donald-trump-koennte-machtkampf-mit-republikanern-gewinnen-aus-3-gruenden-a-1174957.html

        Ein recht interessanter Artikel. Trump wird von allen mächtigen Seiten angefeindet. Allein die Basis, der Wähler, steht hinter ihm. Trump wird immer als Undemokrat verunglimpft. Vielleicht sind die Undemokraten aber das Establishment, die alles versuchen, um den Willen der Basis zu hintergehen, während Trump lediglich versucht seine Wahlversprechen umzusetzen. Dass es meistens scheitert, liegt neben Dingen, die er besser hätte nicht versprechen sollen, vor allem daran, dass ihn das Establishment daran hindert.

      • Donald Trump will vielleicht keinen Krieg, obwohl ihm ein solcher deutlich mehr Macht verschaffen würde, aber er könnte unabsichtlich einen solchen auslösen, weil er sich und seinen Twitter-Account nicht wirklich im Griff hat.

        Die Senatoren und Abgeordneten sind eher ihren eigenen Wählern als denen Trumps verpflichtet. Wegen der großen Schnittmenge mucken die meisten Republikaner noch nicht auf, selbst wenn er sie beleidigt und faktisch noch nichts erreicht aht. Doch warum sollten z. B. die Demokraten ihm helfen? Hillary Clinton hatte schließlich mehr Wähler als er.

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