Griechenland verschuldet sich wieder mittels Anleihen

„Griechenland kehrt an den Markt zurück“ und platziert erstmals seit 2014 wieder Anleihen in einem Umfang von 3 Milliarden Euro mit fünfjähriger Laufzeit und einem effektiven Zinssatz von 4,625 Prozent. Eigentlich finanziert Griechenland sich und seine bestehenden Schulden noch aus öffentlichen Hilfsprogrammen, die jedoch in gut einem Jahr auslaufen sollen, wofür dieser Gang an den privaten Kapitalmarkt ein Probelauf war. Allerdings sind die verdächtig niedrigen Zinsen und das geringe Handelsvolumen bei den vorhandenen Anleihen Indizien dafür, dass es sich in Wirklichkeit doch um eine verdeckte öffentliche Finanzierung durch die EZB, sei es direkt oder über den Umweg von nicht zuletzt griechischen Banken, und durch andere öffentliche Stellen handelt. Ich würde diese Anleihen jedenfalls nicht kaufen, da Griechenland immer noch massiv überschuldet ist und ohne Unterstützung von außen sofort wieder zahlungsunfähig würde.

25 Gedanken zu „Griechenland verschuldet sich wieder mittels Anleihen

  1. Die Frage stellt sich, wie wichtig Sie sind und ob sie beim nächsten Schuldenschnitt mit von der Partie wären. Letzteres lässt sich befürchten. Ansonsten wäre das eine sichere Sache. Der Euro wird bleiben und die EZB mit Sicherheit aktiv bleiben. Lediglich der Umfang beinhaltet eine gewisse Unsicherheit.

    • Der Euro bleibt vielleicht noch die nächsten fünf Jahre, aber nicht dauerhaft. Irgendwann fallen die Griechenlandanleihen aus, wenn nicht diese, dann die der nächsten Runde. Es gibt kein sinnvolles Szenario, in dem Griechenland keinen neuen Schuldenschnitt braucht oder eine neue Staatspleite hinlegt.

      • Es ist egal, ob es kein sinnvolles Szenario gibt. Die EZB kann kaufen und zwar bis ins Unendliche. Und sie wird genau das tun. Heute, in einem Jahr und in 5 Jahren. Den Euro wird es auch in 10 Jahren noch unverändert (wobei, wohl eher um qualitativ „hochwertige“ Staaten wie Serbien etc. vergrößert) geben. Hier würde ich Sie als naiv bezeichnen. Selbst Varoufakis hat das nicht hinbekommen.

      • Theoretisch kann die EZB unendlich viele Euro erzeugen und griechische Staatsanleihen als Gegenposition verbuchen. Praktisch gibt es eine (nicht genau festgelegte) Grenze, ab der das nicht mehr glaubwürdig ist bzw. dann doch zu Inflation, Hyperinflation und dem Zusammenbruch des Euro führt. Da Griechenland so klein ist, ist diese Grenze wohl tatsächlich Jahrzehnte entfernt. Aber es gibt deutlich größere Staaten, die ebenfalls Probleme haben, insbesondere Italien, aber auch Frankreich, in dem der neue Präsident schon jetzt seine Fans zu enttäuschen beginnt. Es könnte schon jetzt der Punkt erreicht sein, an dem die EZB die Zinsen gar nicht mehr nennenswert erhöhen kann, ohne dass Banken und Staaten ins Schlingern geraten.

      • Genau aus diesem Grund muss die EZB ja ihre Politik fortsetzen, koste es, was es wolle oder „whatever it takes“. Im besten Falle überleben wir das mit einer irgendwann passierenden“normalen“ Inflationierung (irgendwo im Bereich 5-10 Prozent, 1-2 Prozent reichen zur Entschuldung einfach nicht mehr aus). Im schlechten Falle kommt es zum kompletten Zusammenbruch. Und selbst wenn es zum kompletten Zusammenbruch käme, der sicherlich nicht unrealistisch ist, dann kommt es eben zu einer Währungsreform, die aber nicht aus der Reinstallation der DM führen würde, sonder nur zu einem neuen Euro. Der politische Wille ist da.

        Bei den Banken geht es ja nicht nur um deren Verschuldung, sondern um die Yield-Kurve an sich. Die Märkte erwarten langfristig niedrige Zinsen. Steigen nun die kurzfristigen Zinsen, wird das den Ertrag der Banken gefährden und in die Insolvenz bringen. Selbst wenn die Banken das Zinsrisiko auf den Schuldner per variablen Zinssätze übertragen haben, sind sie durch eine Zinserhöhung immer noch gefährdet. Das Zinsrisiko würde ersetzt durch vermehrte Kreditausfälle, da die Gläubiger die überraschend hohen Zinsen nicht mehr bedienen könnten. Die EZB ist alleine deshalb dazu verdammt, die Zinsen nur sehr langsam anzuheben und weiter die Märkte mit Geld zu fluten.

        Die fallenden Beliebtheitswerte von Macron finde ich übrigens witzig. Während ich von ihm halbwegs positiv überrascht bin, weil er sich abseits seinen Sonntagsreden doch als ziemlich pragmatisch erweist, enttäuscht er seine verblendeten Fans.

      • Eine Inflation von 5-10 Prozent nutzt zur Entschuldung nichts, wenn die Zinsen noch stärker steigen. Entscheidend ist der Realzinssatz, der momentan negativ ist. Damit könnten sich die Krisenstaaten entschulden, wenn sie nicht immer neue Schulden machen würden.

        Einen neuen Euro wird es nicht geben. Es ist allerdings möglich, dass man zur Eurorettung sehr weit gehen wird bis hin zur kompletten Vergemeinschaftung.

      • Negative Realzinsen sind entscheidend. Die momentanen reichen aber noch nicht aus. Bzw. sie reichen maximal für den Status Quo, aber nicht für einen signifikanten Schuldenabbau. Höhere negative Realzinsen sind mit höheren Inflationsraten deutlich leichter zu erreichen als mit den jetzigen offiziellen Inflationsraten. Die Gefahr einer Hyperinflation ist dabei zwar immer gegeben, aber längst aus den Köpfen der meisten heutigen Ökonomen geflogen. Die EZB wird mit Inflation überraschen müssen und sie wird das tun.

        Es könnte nicht sein, es wird so sein. Die komplette Vergemeinschaftung von Schulden wird kommen, es stellt sich nur die Frage, ob das schon in 2 Jahren der Fall sein wird oder erst in 10. Nur wird das nicht viel bringen, weil es jemand geben müsste, der keine oder zumindest nur wenig Schulden in die Vergemeinschaftung einbringt und den gibt es nicht. Auch der Schuldenberg von Deutschland ist viel zu hoch, als dass er ohne die Garantien einer Notenbank haltbar wäre. Die Schulden werden trotz negativen Realzinsen auf mittlere Sicht weiter steigen, nicht zuletzt aufgrund der Demographie und der katastrophalen Armutseinwanderung. Theoretisch kann man auch mit 200 Prozent Schuldenstand leben, wie Japan zeigt. Aber die Gefahr eines Zusammenbruchs ist dann stets gegeben. Vielleicht wird er sogar gewollt sein, denn auf dessen Ruinen wird endgültig der europäische Superstaat entstehen. Der wird dann erneut als alternativlos umgesetzt.

      • Am ehesten gelingt es, dass die Zinsen vorübergehend real sehr negativ werden, indem die Inflation anzieht, während die Nominalzinsen mit längerer Laufzeit noch nahe null sind. Weil dann auch die Zinsen für neue Kredite anziehen, werden die Zinslasten für die alten Schulden vorübergehend sehr niedrig sein, während der heutige Anreiz zu immer weiteren Schulden abnimmt.

        Die Eurozone insgesamt hat doch eine eigene Notenbank. Von daher muss sich Deutschland als größtes und relativ sehr stabiles Land keine Sorgen machen. Wenn die Bundesregierung eine noch viel lockerere Geldpolitik braucht oder auch nur wünscht, wird sich niemand dagegen wehren. Wenn der Euro zusammenbricht, ist dieses Projekt jedoch auf lange Zeit tot und wird nicht wiederholt werden. Wer den Eurosuperstaat will, setzt dementsprechend auf den Euro und nicht auf dessen Ende.

  2. Gestern wurde auf den GEZ-Sendern als Triumphmeldung verkauft, daß Griechenland wieder an den Finanzmärkten zurück sei. Das doofe Publikum bekommt suggeriert, daß nun ja alles klar ist und – es ist ja Wahlkampfzeit – man sich deswegen keine Sorgen mehr machen müsse. Dank den Fähigsten der Fähigen (in der Bundesregierung)!

    Auch dem Nichtfachmann muß eigentlich klar gewesen sei, daß diese Meldung eine in diesen Zeiten typische Lüge und Falschmeldung war. Griechenland ist ein Faß ohne Boden, war es schon immer – und bleibt es mit immer schlimmeren absehbaren Folgen.

    Erschreckend ist immer wieder die Skrupellosigkeit, mit der gelogen wird.

  3. Politisch spielt das leider keine Rolle mehr. Der deutsche Waehler hat sich schon laengst dazu entschlossen, das Problem zu ignorieren, solange es sich nicht unmittelbar in seinem Portemonnaie bemerkbar macht. Merkel wird im Herbst ihr politisches Mandat erhalten, das Gaspedal weiter bis zum Bodenblech durchzudruecken, um die Staatsfinanzen mit Hoechstgeschwindigkeit an den Wand zu fahren. Dem deutschen Michel kann man derzeit nicht helfen und na ja wenn selbst ein merkelkritischer Blog wie dieser letztlich zur (indirekten) Wahl Merkels aufruft, dann weiss man, wie restlos verwirrt das Land ist.

    • Ich rufe sicher nicht zur Wahl Merkels auf, nehme diese jedoch als zumindest dieses Jahr unveränderliche Tatsache hin. Wichtiger ist deshalb wohl die Frage, wie sie sich wenigstens 2021 verhindern lässt (und warum die Zeit seit 2013 nicht besser genutzt wurde). Auch dafür ist eine schwarz-gelbe Koalition besser als eine Verlängerung der Großen Koalition. Immerhin besteht dann die Chance, dass sich die SPD in der Opposition erneuern könnte. Auch die AfD muss sich erneuern und verbreitern, wenn sie in vier Jahren eine ernsthafte Rolle spielen will.

      • Nur eine starke Opposition kann Frau Merkel bremsen und deren nicht-alternativlosigkeit aufzeigen. Was sollte eine Stimme für die FDP bewirken?
        Bei der nächst besten Gelegenheit wirft sich Lindner Merkel an den Hals, alle anderen Parteien finden Merkel sowieso grosse klasse. Wer mit Merkel koaliert ist für die politik ohnehin egal. Eine afd, bei der sich weidel, gauland und ein paar andere an die Regeln des Bundestag gewöhnt haben und eine gute Rolle spielen, ist das einzige Mittel gegen Merkel.

      • Wenn es egal ist, mit wem Frau Merkel regiert, dann macht tatsächlich nur eine Proteststimme dagegen Sinn. Doch wie geht es dann 2021 weiter? Kann die Alternative für Deutschland zu einer echten Alternative werden?

  4. Ich glaube,es funktioniert doch sehr gut – falsch.

    Es gibt keine Zinsen mehr und entsprechend kann man sich verschulden wie man will.
    Teilweise sogar negativ Zinsen und man verdient mit Schulden auch noch Geld.

    Meine Motorrad läuft über Null % Finanzierung der Bank 11,die mir eigens dafür ein Konto mit Dispo und natürlich alles kostenlos eingerichtet hat.Dazu stete Nachfrage ob ich natürlich kostenlos noch mehr Geld haben möchte.

    Die wissen offenbar nicht,wie sie ihr Geld noch parken können.
    Das macht nachdenklich.

    Es funktioniert also nicht so wirklich gut und die Entschuldung oder weiter Verschuldung der EU Staaten bezahlen die EU Bürger,sie bekommen keine Zinsen mehr.

  5. Dipl. Volkswirt Dr. Borjans, Ihr Kollege, hat 450 Millionen Euro für die Altersversorgung der NRW-Beamten in alte Griechenland-Anleihen investiert. Den Rest steckte er in belgische Kernreaktoren in Tihange, die seine Parteigenossin Hendricks abschalten will.

    Es wäre sehr wünschenswert, wie früher sichere Staatsanleihen zu haben, die eine vernünftige Nettoverzinsung nach Inflation und Steuern bieten. Wir haben aber das Wort von Bernancke, dass unsere Generation nie wieder angemessene Zinsen von (3-5%) sehen wird, weil sonst auch Deutschland restlos und vollständig pleite wäre.

    Bei aller Liebe meinerseits zur Aktie sind auch dividendenstarke Aktien kein Ersatz für festverzinsliche Wertpapiere. Früher war die Dividendenrendite wegen des Risikos höher als bei Festverzinslichen.
    Für Aktienfreunde könnte es problematisch werdne, wenn10-jährige US-Treasuries eine Rendite um 3% erreichen. Für eine größere Umschichtung des Depots schein es mir noch zu früh. Aufpassen!

    • Der ehemalige NRW-Finanzminister war und ist kein Kollege von mir. Die Dividendenrendite ist doch auch und gerade heute viel höher als die Verzinsung von Anleihen. Doch warum sollten Staaten mehr Zinsen zahlen, als sie müssen?

    • Hallo. Hier mal ein sachhaltiger Beitrag zum Thema Tihange:
      http://nuklearia.de/2017/06/26/die-wolke-von-tihange-und-was-dahinter-steckt/

      Weitere interessante Beiträge:

      „Der von GE-Hitachi angebotene PRISM Reaktor ist ein Reaktor der vierten Generation, der CO2-freie Energie liefert, indem er mit Plutonium und auf Halde liegenden verbrauchten Brennstäben betrieben wird. So kann man gleichzeitig die Atommüll- und die Klimaproblematik bewältigen.“ –Stephen Tindale, Greenpeace UK
      http://nuklearia.de/2016/04/30/mythos-atommuell/
      http://nuklearia.de/2016/10/11/die-atomkatze/

      ,,Die Geschichte der Kernenergie in Deutschland ist ein Paradebeispiel für die zwangsläufige Folgen staatlicher Lenkung der technischen Entwicklung. Innovationsprozesse verlangsamen sich oder stoppen ganz. Monokulturen mit geringer Stressresistenz verbleiben, deren Überleben nur unter idealen Rahmenbedingungen gesichert ist. Jeder Wandel der äußeren Umstände wird zu einer existentiellen Bedrohung.“ –Dr. Peter Heller
      http://nuklearia.de/2016/03/11/fukushima-5-0/

      ,,Doch was wir haben, ist eine Spielwiese für Utopisten, welche sich noch nie mit ihrem Elektriker unterhalten haben, die aber ohne Zweifel über Diskursmacht und sehr viel Geld zum Ausgeben verfügen. Dass sich eine durch Mittelvergabe dressierte Industrie und Forschung, unter ihnen unzählige Ingenieure und Wirtschaftswissenschaftler, auf künstlich geschaffene Bedarfe hin getreulich einstellt, um mitzuverdienen, ist keine Zauberei, sondern grüngewaschener Subventionskapitalismus.“ –Dr. Anna Veronika Wendland
      http://nuklearia.de/2016/10/27/neue-energie-warum-eine-echte-energiewende-widerspruch-braucht/

      mfg

  6. Griechenland ist ein Staat auf Dritt-Welt-Niveau. Er passt nicht in die EU und erst recht nicht in die Euro-Zone (wie noch einige andere….)!

    • Ich finde, dass der Euro eine Währung auf Dritt-Welt-Niveau ist (obwohl man sich solchen Schwachsinn da nicht leisten kann), also vor allem Deutschland und die anderen Nordländer die Eurozone verlassen sollten. Doch Frau Merkel arbeitet daran, auch Deutschland auf Dritt-Welt-Niveau zu bringen.

      • Die Deutschen sind ja leider kein so freiheitsliebendes Volk. Mit autoritären Obrigkeiten hatten sie meistens kein großes Problem. ABER wenn man ihnen ans Geld will, können sie rebellisch werden. Genau da müssten wir ansetzen, denn unser Wohlstand ist in Gefahr!

      • Es stimmt leider beides, die meisten Deutschen sind nicht sehr freiheitsliebend (schon gar nicht lieben sie die Freiheit anderer) und unser Wohlstand ist in Gefahr. Das merkt die Mehrheit aber auch erst, wenn es zu spät ist.

  7. @ francomacorisano

    Die Deutschen sind wie eine Herde Kühe und eben auch deshalb nur so stark,weil sie eben gehorchen und nicht wie Südländer schon auf die Straße gehen,wenn die Nudeln drei Cent teurer werden.

    Sie drehen aber auch völlig überzogen am Rad,wenn sie eine andere pol. Richtung suchen.

    Wenn es ums Geld geht können sie rebellisch werden,stimmt.
    Dafür brauchen sie aber Informationen und die haben sie in der Lügenpresse eben nicht.

    • Wer als Deutscher über sich selbst und seine Landsleute in der dritten Person schreibt, sollte diese auch nicht für seine Gedanken in Geiselhaft nehmen. Wir Deutsche hätten es in der Hand, Deutsche, die von „den Deutschen“ reden und schreiben nicht.

      • Sorry, ich hatte vergessen zu schreiben, dass ich stolz bin, Deutscher zu sein….?!?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s