Putschversuch in der Türkei vor einem Jahr

Genau vor einem Jahr gab es einen blutigen ‚Putschversuch in der Türkei‘. Er scheiterte gleich bzw. mündete in ‚Erdogans Putsch‘, der bis heute anhält und rund 50.000 Türken ins Gefängnis brachte sowie über 100.000 den Job kostete. Das waren sicher nicht alles Putschisten. Überhaupt ist auffällig, dass bis heute nicht wirklich aufgeklärt wurde, wer hinter dem Putsch steckte. Präsident Erdogan beschuldigte sofort den islamischen Prediger Gülen und seine Gefolgsleute, hat aber bis heute keine wirklichen Beweise vorgelegt. Dafür ist inzwischen erwiesen, dass der Putsch Stunden vorher verraten wurde (siehe „Wer steuerte den Putsch?“), Präsident Erdogan und die ihm ergebenen Sicherheitsleute also entweder völlig versagten oder, was ich für die wahrscheinlichste Variante halte, extra die Putschisten gewähren ließen, um danach alle Macht an sich zu reißen, wenn sie nicht sogar selbst hinter dem Putsch steckten. Vielleicht werden wir nie erfahren, wer wirklich dahinter steckte, doch die schlimmen Folgen sind offensichtlich und leider noch längst nicht vorbei.

31 Gedanken zu „Putschversuch in der Türkei vor einem Jahr

  1. Wir sollten uns aus den inneren Angelegenheiten der Türkei vollkommen heraus halten, ABER die Türkei dürfen wir NIEMALS in die EU aufnehmen und auch ALLE unsere dort stationierten Soldaten samt Gerät müssen sofort abziehen!

  2. Ich würde noch einen Schritt weitergehen: Erdogan hat m.E. den Putsch sogar mitorganisiert, um all seine Pläne mehr oder weniger nachfolgend ungestört verwirklichen zu können. Und das hat ja geklappt. Daß dabei Menschen zu Tode kam, ist für einen wie Erdogan eine Petitesse.

    • Es ist möglich, jedoch keinesfalls erwiesen, dass Herr Erdogan direkt in den Putsch involviert war. Plausibler erscheint es, dass er vorab informiert wurde und deshalb nicht verhaftet werden konnte, sondern munter über die Massenmedien kommunizierte.

  3. Drei Fraktionen waren am Putsch gegen Erdogan beteiligt (siehe mein voriges Schreiben vom 21.07.16):
    Ein Teil des kemalistisch geprägten Militärs, zusätzlich liberale bürgerliche Kräfte, zum Teil verbündet mit der Gülen-Bewegung, sowie 3. wohl verhängnisvollerweise opportunistische Kräfte, die sich von einem erfolgreichen Putsch einen Aufstieg versprachen. (Familie „Pretzelloglu“?)

    Zwei türkische Gruppen, nämlich die AKP-Kräfte um Erdogan mit islamisch-nationalistischer Ausrichtung und das liberal gesinnte Bürgertum sowie die Kurden stehen sich heute gegenüber. Damit droht eine failed-state-Situation – parallel Syrien /(Assad, „liberale“ Rebellen und IS) und Irak (sunnitische Mehrheit, schiitische Minderheit, Kurden).
    Ein failed-state innerhalb der NATO sollte auf jeden Fall vermieden werden, ebenso ein Übergreifen des türkischen Bürgerkrieges auf Deutschland und die übrige EU. Meine Sympathien gehören natürlich den kemalistischen Kräften, die rechtstaatlich aber auch autoritär und weniger demokratisch orientiert sind – beispielhaft wie Singapur, zumindest für eine Übergangszeit.

      • Gülen wird in der Türkei unter dem Bürgertum und der kemalistischen Elite jedenfalls ganz anders gesehen als in Deutschland. Er gilt dort als böse und als Verbrecher. Erdogan hat sich also nicht den Falschen ausgesucht, er ist nur selbst ein Problem. Es mutet schon merkwürdig an, wenn Gülen in den deutschen Medien als lieber und spiritueller Onkel im Hintergrund dargestellt wird, wo er doch in Wirklichkeit genau das vor hatte, was Erdogan ihm vorwirft: Die Unterwanderung des türkischen Staates. Der Kampf zwischen Gülen und Erdogan ist allerdings kein ideologischer Kampf, es ist vor allem ein Machtkampf, der vielleicht mit leicht unterschiedlichen Ansätzen geführt wird (Erdogan setzt stärker auf nationalistische und militärische Stärke und weniger auf Spiritualität), aber das Endziel ist gleich: Der Aufbau eines strikt islamistischen Staates.

        Wir sollten endlich vernünftig werden und erkennen, dass es in der Türkei keine Partei wie „uns“ gibt. Es mag ein paar Prozent grün-linke Modernisten geben, aber die sind in der krassen Minderheit. Die Gegner Erdogans sind entweder Kurden (die teilweise ebenfalls sehr islamistisch sein können oder selbst gefährlich nationalistisch sind), autoritäre Kemalisten (strikte Trennung von Staat und Kirche, aber in ihren Moralvorstellungen sicherlich weit entfernt von einer westlichen Moderne und die teils offen die Demokratie ablehnen, eben weil sie wissen, dass in einer demokratischen Türkei islamistische Vorstellungen mehrheitsfähig sind. Deshalb wird auch jemand wie Atatürk, den sie selbst sogar als guten Diktator bezeichnen, verehrt) und Menschen, denen die Überzeugungen der AKP gar nicht so fern stehen, die lediglich von Erdogans Verhalten und Machtfülle entsetzt und abgeschreckt sind. Sie lehnen Erdogan ab, aber nicht seine Inhalte. Der gemeinsame Nenner dieser Gruppen ist jedenfalls reichlich gering und sie sind sich deshalb auch allesamt spinnefeind.

      • Hierzulande wird doch durchaus berichtet, dass die Gülen-Bewegung islamistisch ist und anfangs mit Herrn Erdogan verbündet war.

        Welchen Unterschied sehen Sie denn zwischen Kemalisten und der AfD einschließlich Ihren eigenen Forderungen zum Islam? Im Zweifel will die AfD ohne Not die Religionsausübung noch viel mehr beschneiden, während Atatürk vielleicht das maximal erreichbare Niveau an Religionsfreiheit in der Türkei anstrebte (mehr Freiheit für strenggläubige Muslime bedeutet weniger für alle anderen).

      • Richtig! KEINE dieser Gruppen ist mit unserem westlichen Staatsverständnis kompatibel!!! Die Türken sollen in ihrem Land gerne machen, was sie wollen, es hat uns nichts anzugehen! ABER wir müssen auch darauf bestehen, dass wir als Deutsche in unseren Land das Sagen haben, OHNE dass wir auf Ausländer und einen linken, „kultursensiblen“ Scheißdeck Rücksicht zu nehmen hätten!

      • Es wird darüber berichtet, dass Gülen mit Erdogan verbündet war. Aber irgendwie schwingt in den meisten Berichten immer mit, dass er eigentlich ein „Guter“ ist. Nein, das ist er nicht. Zumindest nicht nach unseren Maßstäben.

        Ich achte Kemalisten und noch viel stärker achte ich das historische Erbe Atatürks. Ich möchte nur betonen, dass Kemalisten zwar teilweise westlich sein mögen (viele trinken Alkohol, einige essen auch Schwein und das Kopftuch wird als Symbol des politischen Islams kategorisch abgelehnt), aber generell grundsätzlich ganz anders ticken. Selbst für die Kemalisten, die sich als Atheisten verstehen, wäre es undenkbar, dass ihre Tochter einen Nicht-Türken heiratet (Ausnahmen gibt es selbstverständlich immer). Sex ist selbstverständlich ein Tabu und auch wenn viele junge Türken ihn haben, würde darüber in der Familie niemals gesprochen. Da darf man sich von freizügigen Disco-Outfits nicht täuschen lassen. Die Rolle der Frau wird selbstverständlich ebenso völlig anders interpretiert als in Deutschland. Das Wort des Vaters zählt viel, sehr viel. Und nationalistisch sind die Kemalisten ebenso, mit den Kurden verbindet sie nichts.

        Die AfD stellt vernünftige Forderungen an der Islam und ich denke auch dass die Kemalisten mit ihren Einschränkungen der Religionsfreiheit richtig handelten. Ich wollte nur betonen, dass dies nicht immer demokratisch passiert ist. Die Kemalisten waren stets eine Minderheit und schafften eine elitäre Zweiklassengesellschaft, die so auf Dauer vielleicht auch nicht gutgehen konnte. Das Volk hat aufbegehrt und sich Erdogan als seinen Führer auserkoren. Der nahm seine „Führerrolle“ dann eben etwas zu wörtlich. Ich frage mich deshalb nur, wen die grün-linke Medienelite in der Türkei als seinen Verbündeten ansieht. Es können weder türkische Kemalisten noch kurdische Nationalisten/Islamisten sein und dann bleibt nicht mehr viel übrig.

      • Ich sehe noch immer nicht den grundsätzlichen Unterschied zwischen AfDlern und Kemalisten (jeder ist für jeweils seine Nation, die natürlich verschieden sind, doch damit ist man sich vom Prinzip her einig).

        Was sollen denn „vernünftige Forderungen an de[n] Islam“ von einer politischen Partei sein? Man sollte von Muslimen verlangen, dass sie sich an Recht und Gesetz halten wie alle anderen auch, aber gerade eine säkulare Partei sollte nichts von einer Religion fordern.

        Wir wissen doch, für wen die hiesigen Linken und Grünen sind, nämlich immer für die vermeintlich Schwachen, die nicht regieren, also im Falle der Türkei insbesondere für die Kurden und linke Türken, die es auch gibt.

      • Noch einmal: Ich bin ein Freund Atatürks, ich bin ein Freund der Kemalisten und ich bin eigentlich auch ein Freund der Türken. Mir gingen die Bilder von der letzten Abstimmung ziemlich nahe. Bei allen Problemen, die wir mit Türken in Deutschland und mit der Türkei im Allgemeinen haben, haben Türken auch sehr angenehme kulturelle Eigenschaften, die ich nicht unterschlagen möchte. Die Bilder der weinenden jungen Frauen in der CHP-Zentrale werde ich nicht vergessen. Ich weiß, was für diese Frauen auf dem Spiel stand.

        Ich bin unter Türken im „Türken-Ghetto“ aufgewachsen, doch endgültig verstanden habe ich sie erst, als ich aufgrund Erasmus vorübergehend eine türkische Freundin hatte. Zwischen der Türkei und der AfD liegen Welten, zu ihrem oberflächlichen Schluss kann eigentlich nur jemand kommen, der sich weder mit der Türkei noch mit der AfD genau beschäftigt hat. Um den Unterschied zu verdeutlichen, eine kleine Anekdote. Ich erzählte von Köln, ich erzählte von Vergewaltigungen auf der Toilette in einer Bar in meiner Heimatstadt und davon, dass die Täter die Bar sogar noch verlassen konnten und von den Besuchern der Bar nicht festgehalten wurden. Ihre Antwort war kurz und knapp „wir hätten ihn umgebracht“. Dazu wurde ergänzt: „Eure Gesetze mögen bei Deutschen funktionieren, mit uns klappt das nicht. Wir sind anders.“ Es ist relativ einfach. Der Türke hat keine pflichtbewusste preußische Tradition. Er ist impulsiver, heißsporniger, ungeduldiger und kampfbereiter. Das sieht man eigentlich bereits bei jedem Fußballspiel. Regeln sind nicht wichtig, es entscheidet vielmehr das unmittelbare Kräftemessen. Man kann die mittlerweile fast jahrhundertlange Obrigkeitsprägung der doch eher ruhigen und bedächtigen Deutschen nicht auf andere Völker und Kulturen übertragen.

        Die Gesellschaftsvorstellungen der Kemalisten sind allenfalls in den 50er-Jahren Deutschlands angekommen. Wie bereits gesagt: Man darf sich vom Schein einer deutlich weiblicheren Kleidung, die türkische Frauen im Vergleich zu deutschen Frauen tragen, nicht täuschen lassen. Man geht in die Diskothek nicht um einen Mann abzuschleppen, man geht da tatsächlich zum Tanzen hin. Das macht man vielleicht im Ausland, wo die Eltern weit weg sind. Die AfD ist hingegen längst in der Moderne angekommen. Das sieht man auch an den Lebensentwürfen der jeweiligen Politikern. Wogegen sich die AfD lediglich wehrt, ist eine postmoderne Dekadenz, die eine ehemals funktionierende Gesellschaft abzuschaffen versucht. Wobei eine gewisse Orientierung am Wert der Familie, der in der Türkei sehr stark ausgeprägt ist, vielleicht auch für Deutschland ganz gut gewesen wäre. Ohne diese völlige Individualisierung unserer Gesellschaft hätte es wohl nie eine grün-linke Gesellschaftsübernahme gegeben.

        Auch der Nationalismus ist ein völlig anderer. Der Türke definiert sich sehr stark über sein Türkendasein. Das kann ich in weiten Teilen der AfD nicht erkennen. Hier erkenne ich mehr ein „Deutschland-zuerst-Prinzip“. Man will endlich für sich da sein und nicht mehr für andere. Die Überzeichnung vom Wert der Nation an sich, der beschränkt sich doch auf einige ostdeutsche Ideologen. Es teilt bei weitem nicht jeder Höcke-Anhänger seine ideologischen Ansichten im Kern. Sie stören nur nicht.

        Die Zukunft der Türkei ist enorm wichtig für Deutschland, sie entscheidet auch über die Zukunft Deutschlands mit. [143 von 639 Wörtern abgeschnitten, AD.]

      • Offensichtlich kenne ich die AfD immer noch viel besser als Sie bzw. haben einen unbefangeneren Blick auf sie. Hohe AfD-Funktionäre wollen doch auf friedliche Flüchtlinge und sogar Kinder schießen lassen, dagegen scheint mir Gewalt gegen Vergewaltiger an öffentlichen Orten eher gerechtfertigt. Eine „pflichtbewusste preußische Tradition“ ist bei vielen AfD-Funktionären auch nicht zu bemerken. Herr Pretzell kennt doch ebenfalls keine Regeln und Fairness, sondern „Schwächlinge ekeln“ ihn. Dafür (oder deshalb) hält er allerdings nichts vom „Wert der Familie“.

      • Sie nehmen wieder Einzelfälle, um Ihre Sicht zu rechtfertigen. Ja, natürlich ist die AfD näher an den Kemalisten dran als etwa die Grünen. Das stimmt natürlich. Aber nur weil die AfD konservative Gesellschaftsansichten hat, hat sie nicht gleich eine türkische Kultur angenommen. Das ist nur das, was ich betonen möchte.

        Ich bestreite übrigens nicht, dass Sie die Partei kennen. Ich wundere mich nur über Ihre Vergleiche. Mein Eindruck ist, dass da einfach viel Enttäuschung mitspielt, was ich auch gut nachvollziehen kann. Übrigens ist mein Eindruck völlig unbefangen. Ich bin ja nicht mal Mitglied. Aber ich sehe, wie sich Anhänger in den sozialen Netzwerken äußern und bilde mir darauf meine Meinung.

      • Beim Vergleich von AfD und Kemalisten geht es doch nicht darum, ob erstere eine türkische oder letztere eine deutsche Kultur angenommen hätten. Im Zweifel bin ich übrigens den Kemalisten näher als der heutigen AfD. Spitzenfunktionäre kann man auch nicht als Einzelfälle abtun. Sie repräsentieren wesentliche Teile der Partei, was nicht für jeden gilt, der sich bei Facebook positiv zur AfD äußert.

      • Für die jüngste Äußerung sollte Pretzell übrigens aus der Partei ausgeschlossen werden. Das ist parteischädigend und völlig inakzeptabel. So geht man nicht mit Parteikollegen um. Das war für mich die unfassbarste innerparteiliche Entgleisung, die ich in Deutschland je erlebt habe.

      • Herr Pretzell wird natürlich nicht ausgeschlossen, sondern im günstigsten Fall nach der Bundestagswahl bzw. dem nächsten Bundesparteitag von sich aus gehen.

        Die Aussage „Schwächlinge ekeln mich“ ist übrigens nicht nur selbst ekelhaft, sondern offenbart eine rechtsradikale Einstellung. Weder Liberale noch Konservative denken und reden so, auch wenn sie nicht wie Linke Schwäche und Schwache moralisch überhöhen.

      • Sie verteidigen Haltungen, wie es sie laengst nicht mehr gibt. Buergerliche Grundanstaendigkeit ist doch schon lange aus der politischen Mode gekommen. Wie „Liberale“ und „Konservative“ heute reden, sehen Sie ja an Ex-Kommunistin Merkel („der Islam gehoert zu Deutschland“) und Pleitier Lindner („Ehe fuer Alle“).

        Immerhin scheint Pretzell zu begreifen, dass die Fragen der Zeit nur noch durch Staerke und klare Freund-Feind-Kennzeichnungen zu loesen sind, auch wenn er selbst wie ein Halbstarker klingt und er sich vor allem an seinen innerparteilichen Gegner abarbeitet. Aber der Ansatz, Staerke zu zeigen und zu leben, stimmt.

      • Natürlich gibt es bürgerliche Anständigkeit noch millionenfach. Nur deshalb funktioniert dieses Land noch halbwegs, obwohl tatsächlich keine Partei mehr dafür steht, die AfD und Volksgenosse Pretzell schon gar nicht.

    • Es waere fuer Deutschland besser, wenn die Anstaendigen lernen wuerden, ihre eigenen Interessen zu vertreten anstatt weiter in einer Art Kadavergehorsam blind einen Staat zu unterstuetzen, der sie schon lange verlassen hat. Dazu gehoert Mut und Kampfgeist – beides Dinge, die der heutige Liberale nicht mehr hat, der es gewohnt ist, den inhaltlichen Vorgaben der Linken zu folgen (aktuelles Beispiel „Ehe fuer alle“).

      • Gerade für Liberale ist das ein unwichtiger Nebenkriegsschauplatz. Wem tut es weh, wenn homosexuelle Paare heiraten dürfen, zumal eingetragene Lebenspartnerschaften (fast) alle materiellen Rechte einer Ehe ohnehin schon hatten? Gegen die Lindner-FDP spricht allerdings, dass sie ausgerechnet dieses Thema zur alleinigen Koalitionsbedingung machen wollte, als wenn es in diesem Land keine größeren Probleme gäbe.

      • Homosexuelle haben keine Kinder, ergo widerspricht ihre Ehe dem Interesse des Landes, des Staates und des Volkes. Die juristischen Hilfskonstruktionen, die noetig sind, um Homosexuellen Kinder zuzuschustern, schwaechen weiter die Institution der Familie, die der Eckstein des Staatswesens schlechthin ist.

        Und rein moralisch gibt es uebrigens auch keinen Grund, denn wenn ’nur die Liebe zaehlt‘, wie Linke argumentieren, muessen wir gleichzeitig auch die (islamische) Vielehe einfuehren, denn auch dort gibt es ganz unstrittig echte Liebe (vielleicht sogar mehr als in den polyamoroesen Homosexuellenverbindungen).

        „..als wenn es in diesem Land keine größeren Probleme gäbe.“

        Mit dieser flachen Argumentation haben Sie schon verloren, bevor Sie zur Diskussion antreten. Aber durchaus typisch fuer den Liberalismus in Deutschland, der in der Gesellschafts- und Sozialpolitik fast jeden Anspruch auf Gestaltung aufgegeben hat und nur noch linke Forderungen nach Schamfrist uebernimmt.

      • Dass Homosexuelle keine (eigenen) Kinder haben, ist empirisch in vielen Fällen nicht richtig. Sie haben eine viel zu eingeschränkte Sicht auf die menschliche (oder auch tierische) Sexualität. Unabhängig davon ist die Reduktion auf vermeintliche Kollektivinteressen gerade keine liberale Argumentation. Schließlich ist es wichtig, die Bedeutung von Themen und Problemen einzuschätzen, da man sonst wie Sie über jedes Stöckchen springt, was einem hingehalten wird, statt sich auf die wichtigen Dinge zu konzentrieren.

      • „Dass Homosexuelle keine (eigenen) Kinder haben, ist empirisch in vielen Fällen nicht richtig.“

        Da reden Sie aber schwer am Thema vorbei. Zeigen Sie mir das Kind, das durch zwei Vaeter oder Muetter gezeugt wurde.

        Dass der heutige Liberalismus die Bedeutung des Individuums generell ueberbetont, ist kein Geheimnis. Gerade auch deswegen befindet sich der Westen ja in seiner existentiellen Krise und viele seiner chronischen Misstaende wie soziale Vereinsamung, Drogenabhaengigkeit, blinder Konsumerismus und die grassierende Scheidungsepidemie sind das Resultat der Atomisierung des Einzelnen.

        Um das zu erkennen, muss man aber den Blick fuer das grosse Ganze besitzen, was in einer Lobbypartei wie der FDP natuerlich unmoeglich ist.

      • Wer biologistisch argumentiert, begeht nicht nur einen naturalistischen Fehlschluss (vom Sein aufs Sollen), sondern kennt auch meist die biologischen Fakten nicht (für einen anderen Fall siehe ‚Höcke setzt sich und Rassismus in der AfD durch‘). Tatsächlich kann ein homosexuelles Paar genetisch (noch) keine gemeinsamen Kinder haben. Doch natürlich können Homosexuelle eigene Kinder haben. Homosexualität schließt gelegentliche heterosexuelle Kontakte nicht aus und eine künstliche Befruchtung schon gar nicht.

        Liberalismus hat die individuelle Freiheit zum Ziel und den Westen zeichnen gerade Liberalismus und Demokratie aus. Es weiß allerdings tatsächlich nicht jeder etwas Sinnvolles mit seiner Freiheit anzufangen und noch viel mehr wollen so wie Sie die Freiheit anderer unterdrücken.

  4. Ueber den Putsch bin ich hin- und hergerissen, aber ohne Zweifel hat Erdogans Reaktion darauf das endgueltige Ende der Aussicht auf eine EU-Mitgliedschaft eingeleitet, auch wenn die Globalisten um Juncker und Merkel noch auf Zeit spielen.

    Fuer europaeische Patrioten sind die Entwicklungen der letzten zwoelf Monate deshalb gute Nachrichten, bestaetigen sie doch, was wir schon immer ueber die Kulturdifferenz zum asiatischen Islam gesagt haben.

    Die demokratische Verfasstheit der Tuerkei ist aus europaeischer Sicht voellig zweitrangig. Wichtig ist allein, dass die Tuerkei ein stabiler Staat und zuverlaessiger Partner ist. Das kann sie als Autokratie wahrscheinlich besser als orientalische Chaosdemokratie, die die wahrscheinlichste Alternative zu Erdogan waere.

      • Jedes Land hat das Recht auf Selbstbestimmung und Nichteinmischung. Steht auch so in der UNO-Charta.

        Die Alternative waere der voellig bankrotte Menschenrechtsimperialismus a la Bush, Blair und Clinton, der Millionen Tote und verwuestete Laender produziert hat.

        Wollen Sie etwa das?

      • Niemand fordert ein militärisches Eingreifen in der Türkei. Doch deshalb muss man doch nicht die Politik von Präsident Erdogan gutheißen.

      • Ich heisse sie nicht per se gut. Ich sehe nur mich nur bestaetigt, was die Unmoeglichkeit echter Demokratie in der Tuerkei anbelangt. Lieber jetzt ein islamistisches Regime in Ankara, als wenn die Tuerkei schon EU-Mitglied ist. Denn das waere das sichere Ende der EU.

      • Ich dachte, Sie sind gegen die EU. Dann müssten Sie doch eigentlich dialektisch für die Mitgliedschaft einer undemokratischen Türkei sein. In einer reinen Freihandelszone wäre das übrigens kein Problem, in einem Superstaat hingegen schon.

  5. Ich bin fuer die EU – als Interessenvertretung der europaeischen Voelker. Und nicht als Vorstufe eines Weltstaates, zu der die Globalisten die EU in den letzten 15-20 Jahren pervertiert haben.

    Ich habe kein Problem mit einer Freihandelszone mit der Tuerkei, sofern sie unseren Interessen dient. Aber freier Warenverkehr und freier Personenverkehr sind zwei grundverschiedene Dinge.

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