„Ehe für alle“ als Merkels jüngste Volte

Vor nicht einmal zwei Wochen schien die „Ehe für alle“ noch eine abwegige Koalitionsbedingung der Grünen zu sein (siehe ‚Grüne wollen Deutschland bzw. sich selbst abschaffen‘). Dann sprangen die SPD und vor allem auch die FDP bzw. Herr Lindner auf diesen Zug auf. Wer gedacht hatte, das würde ein großes Wahlkampfthema oder sogar ein echtes Hindernis für Koalitionsverhandlungen der Union, der machte einmal mehr die Rechnung ohne Frau Merkel. Am Montag verkündete sie nicht im Bundestag, sondern bei einer Veranstaltung der Zeitschrift Brigitte ihren jüngsten abrupten Kurswechsel. Aus dem strikten Nein der Union wurde kurzerhand eine Gewissensentscheidung für jeden Abgeordneten ohne Fraktionszwang. Damit war der Weg frei, so dass heute der „Entwurf eines Gesetzes zur Einführung des Rechts auf Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts“, der vom Bundesrat bereits 2015 beschlossen worden war, vom Bundestag angenommen wurde, übrigens gegen die taktische Stimme von Frau Merkel, aber von einer geschlossenen rot-rot-grünen Mehrheit und einer Reihe von Unionsabgeordneten.

Der wichtigste Inhalt ist die Änderung von § 1353 Absatz 1 Satz 1 BGB. Noch lautet er: „Die Ehe wird auf Lebenszeit geschlossen.“ Demnächst heißt es: „Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen.“

Inhaltlich finde ich das nicht weltbewegend. Es gibt größere Probleme. So wurde heute auch das „Netzwerkdurchsetzungsgesetz“ beschlossen (siehe ‚Netzwerkdurchsetzungsgesetz soll Zensur durchsetzen‘, wobei es noch einige Änderungen gab), welches viel mehr Menschen und deren Recht auf Meinungsfreiheit tangiert. Die „Homo-Ehe“ betrifft hingegen relativ wenige Menschen und für diese materiell am ehesten noch das volle Adoptionsrecht.

„Ehe für alle“ ist hingegen ein bewusst falscher Begriff. Nur erwachsenen gleichgeschlechtlichen Paaren wird jetzt neben Paaren aus je einem Mann und einer Frau die Eheschließung erlaubt. Alle anderen Beziehungsformen werden weiterhin diskriminiert, wenn man das so nennen möchte. Warum sollen nicht z. B. Vielehen auch für Deutsche erlaubt werden, wenn alle Beteiligten zustimmen? Vom Begriff her handelt es sich dabei eindeutig um Ehen, während das für gleichgeschlechtliche Partnerschaften dem Bundesverfassungsgericht demnächst zur Prüfung vorlegt werden dürfte. Umgekehrt könnte man überlegen, den besonderen Schutz der Ehe aus dem Grundgesetz zu streichen. Familien mit Kindern haben ein echtes Schutzbedürfnis, werden aber häufig schlechter behandelt als kinderlose Ehen.

32 Gedanken zu „„Ehe für alle“ als Merkels jüngste Volte

  1. Der eigentliche Skandal an dieser „großartigen Errungenschaft“ ist die steuerliche Diskriminierung von Familien ohne Trauschein, aber mit Kindern gegenüber kinderlosen Ehepaaren (gleich welcher sexuellen Neigung). Familie ist nun mal dort, wo Kinder sind und nicht dort, wo es einen Trauschein gibt.

  2. Die „Ehe für alle“ ist eine Medienblase und hat, da stimme ich zu, kaum relevante Konsequenzen. Knapp 1 Promille der Bevölkerung ist direkt betroffen und auch dann halten sich die Auswirkungen normalerweise stark in Grenzen. Dieses Thema zu einer Koalitionsbedingung gemacht zu haben, spricht nicht gerade für die beteiligten Parteien.
    Was Vielehen angeht, sehe ich das genauso, warum eigentlich nicht? Das ist doch eine jahrhundertelange bewährte Tradition in bestimmten Kulturkreisen. Nur wer, dass vorschlägt, kann sich sicher sein, dass er von Feministinnen, der Mehrzahl der Medien und sonstigen „Meinungsterroristen“ als kranker Irrer dargestellt wird. Paradoxerweise sind diejenigen, die „Toleranz“ in Weltanschauungsfragen fordern, häufig selbst die Intolerantesten.

    • Sind Sie sicher, dass man dann als krank hingestellt wird. Gerade in orientalischen Kulturkreisen ist die Vielehe doch erlaubt. Wenn Sie sagen, dass die Vielehe der Integration von unseren Migranten hilft, dann springen ihnen sofort 5 Möchtegernexperten zur Seite. Alles, was unseren Zuwanderern hilft, steht über allem. Da fügen sich auch Feministen. Oder hören Sie etwas aus dieser Ecke gegen die Benachteiligung der Frauen, die aus diesen Kulturkreisen kommen. Ja, der Schleier ist ein feministisches Zeichen. Natürlich dürfen ja auch Frauen dann mehrere Männer heiraten, einer für die Kohle, einer für den Spass und einer für den Haushalt.
      Genauso könnte die Ehe für Minderjährigen erlaubt werden, die auch schon unsere Integrationsbeauftragte Frau Özuguz und unser famoser Justizminister Herr Maas legalisieren wollten.
      Die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare war auch vor wenigen Jahren undenkbar. Bei diesen grundgesetzverachtenden Politikern ist alles möglich.

    • Die Möglichkeit gibt es jetzt schon. Ich kann nicht erkennen dass in Zukunft jemand vorgibt, homosexuell zu sein um dann ein Bleiberecht zu erwirken. Er könnte es jetzt schon tun, indem er vorgibt heterosexuell zu sein um dann eine Person XY mit deutschem Pass zu heiraten. Ihr Argument ist keins.

      • Der Nachweis der Scheinehe wird dadurch schwieriger .Mann/Mann Frau/Frau

      • Muss man denn homosexuell sein, um eine gleichgeschlechtliche Ehe einzugehen (oder heterosexuell, um jemanden vom anderen Geschlecht zu heiraten)?

  3. Ich denke die Auslegung des BVerfG wird sich auf Paarbeziehung beschränken. Letztlich ausschließen kann man die Vielehe meines Erachtens durch den beschlossen Passus im BGB. Die Forderung nach einer freien Gewissensentscheidung bei der Abstimmung stammt übrigens nicht von Frau Merkel, sondern von den Grünen. Auch die SPD hat dies der CDU bereits vor Monaten nahegelegt. Frau Merkel hat erst dann reagiert, als ihr jegliche machtstrategischen Optionen nach der Wahl genommen wurden. Nicht bedacht hatte Merkel wohl die Terminierung der Veröffentlichung ihres Interviews. Der dadurch ausgelöste „Schabowski-Effekt“ war dabei unfreiwillig komisch. Weniger komisch war dann das Abstimmungsverhalten der Kanzlerin selbst. Hatte sie in dem besagten Interview noch vor wenigen Tagen eingeräumt, dass sich ihr früheres ungutes „Bauchgefühl“ zum vollen Adoptionsrecht – welches ja als Folge der Ehe-Öffnung kommen wird, inzwischen geändert hat, stimmte sie dennoch dagegen. Das wirkt sehr unglaubwürdig und nicht redlich. Zumindest hätte man eine Enthaltung der Kanzlerin erwartet. Dennoch die Kuh ist vom Eis und man sollte jetzt nicht nachtreten. Familienförderung ist ein wichtiges Thema und ich bin froh, dass wir dies jetzt nicht mehr andauernd mit der ideologischen Brille betrachten müssen. Die ständigen Debatten über bessere und schlechtere Familien wurden auf dem Rücken der betroffenen Eltern und Kinder ausgetragen, das war unwürdig. Ebenso die Unterscheidung in „Ehe erster Klasse“ (heterosexuell) und „Ehe zweiter Klasse“ (homosexuell). Auch oder gerade weil es sich „nur“ um eine kleine Minderheit handelt. Der Staat hat hier nicht zu unterscheiden.

    • Man will jetzt gar keine „Ehe für alle“, sondern die Ehe auf Paare unabhängig vom Geschlecht beschränken. Aber warum eigentlich? Was ist die Rechtfertigung dafür, Paare zu privilegieren gegenüber anderen Formen des Zusammenlebens oder auch gegenüber Alleinstehenden? Die frühere Rechtfertigung war, dass Mann und Frau eine Familie mit (eigenen) Kindern gründen können, doch diese Rechtfertigung ist spätestens jetzt entfallen. Wenn man nur Paare betrachtet, wurden vielleicht tatsächlich gleichgeschlechtliche Paare bislang diskriminiert, doch jetzt entfällt zumindest für mich jeder Grund für eine Privilegierung der reinen Ehe im Gegensatz zu Familien (in zahlreichen Formen) mit Kindern.

      Frau Merkel hat beides nicht dem Zufall überlassen, weder den Zeitpunkt ihrer jüngsten Volte, noch schnell einen Bundestagsbeschluss zuzulassen, noch ihre eigene Nein-Stimme. In beiden Fällen ging es ihr erkennbar nicht um die Sache, sondern reine machtpolitische Taktik.

      • Frau Merkel widert mich nur an. Dann noch so feige zu sein und mit Nein zu stimmen, ist der Gipfel der Unverschämtheit. Wäre sie aufrecht, dann wäre sie gestern beim Christopher Street Day mitgelaufen.

      • Wieso? Frau Merkel hat keine inhaltliche Position. Sie tut einfach, was ihr machtpolitisch gerade am meisten nutzt. Sie würde auch die Scharia einführen (die Homosexualität gar nicht direkt verbietet), wenn es ihr einen Vorteil brächte.

      • Was haben wir nur für eine Bundeskanzlerin? Und was verbindet Angela Merkel überhaupt mit ihrem Amt? Normalerweise begleitet man Ämter, um etwas zu erreichen. Erdogan möchte nebst persönlicher Bereicherung eine Islamisierung und braucht dafür Macht. Angela Merkel sind Inhalte hingegen völlig egal. Sie hat nur ein einziges Ziel, sie möchte eine hohe und angesehene Stellung in der Gesellschaft haben. Macht wird zum Selbstzweck. Für mich als Laienpsychologe deutet das auf eine schwerwiegende psychische Kränkung hin. Angela Merkel scheint sich selbst keinen inneren Wert zuzuschreiben und auch sonst keinen Halt im Leben (keine Kinder) zu haben, dass sie für ihren Selbstwert so auf die Anerkennung ihres Amtes angewiesen ist. Nur sollten Menschen, die ein Amt zur Selbsttherapie missbrauchen, nie die Geschicke eines ganzen Volkes leiten.

  4. Ihre Bemerkung zur Diskriminierung anderer Arten des Zusammenlebens wie z.B. der Vielehe (die Phantasie reicht kaum aus, sich „Kombinationen“ vorzustellen): Abwarten! Im Rahmen der Islam-Appeasement-Politik aller Parteien ist das das nächste Zuckerli, das gereicht wird. Es ist immer gut, wenn man bewußt Lücken läßt, die dann später mit großem Tamtam geschlossen werden – zu passender Gelegenheit, mit ggf. auch atemberaubenden Volten und natürlich mit einer großen Portion Verachtung denen gegenüber, die schon länger hier leben.

    Da kommt noch einiges auf uns zu.

  5. Gegen eingetragene Lebensgemeinschaften habe ich nichts.
    Ehe für alle beinhaltet aber das Adoptionsrecht und das ist ein Problem.
    Jedenfalls für die Kinder und damit kann ich das nur ablehnen.

      • Vor einer Adoption sollte immer der konkrete Einzelfall geprüft werden. Ich würde ein Adoptionsrecht für homosexuelle Paare nicht pauschal ausschließen, aber auch nicht für Alleinerziehende. Selbst wenn die Adoption nicht ideal ist, ist ein Heim z. B. fast immer eine schlechtere Alternative.

      • Ich mache Ihnen eine Studie, die etwas anderes besagt.

        Woran will man das denn messen? Etwa am Bildungsgrad? Das ist doch lächerlich. Da ist es kein Wunder, dass Vorzeigehomoehepaare (das sind nämlich jene, die momentan vorwiegend Adoptivkinder haben) mit hoher Bildung und viel Kohle ihren Adoptivzöglingen eine höhere Bildung verschaffen als ein einfaches heterosexuelles Ehepaar.

        Erstens haben Sie hier einen massiven Selektionsbias und zweitens kann man das Gedeihen von Menschen nicht an solchen Parametern bemessen. Das Gedeihen von Menschen hängt von den inneren Werten ab, von der Stabilität der Psyche, der Fähigkeit zur Liebe und vielem mehr. Und das lässt sich empirisch eben nicht so einfach untersuchen.

        Ich finde es eine Schande, wie wenig das Wohl der Kinder in dieser Debatte vorkommt. Wir leben in einer kranken Welt. Kinder ab in staatliche Obhut, Kinder hin zu homosexuellen Paaren und die Kreation des Puffs für welche sexuelle Orientierung auch immer in den Lehrplan unserer Schüler. Nur keine Politik für das Wohl der Kinder, keine Politik für eine normale und liebevolle Familie, dort wo diese Kinder eigentlich hingehören und worauf sie auch einen Anspruch haben. Ich schäme mich für solche Gedankenverirrungen unserer modernen westlichen Zivilisation.

      • Das ist eine un- bis antiwissenschaftliche Einstellung. Wissenschaftliche Studien können keine unwiderlegbaren Beweise erbringen, sie lassen sich aber gerade deshalb auch nicht damit abtun, dass andere Studien das Gegenteil zeigen könnten. Es ist die vorliegende empirische Evidenz zu prüfen. Ohne eine Studie zu kennen, kann man auch nicht mögliche innere Mängel aufzeigen. Gerade wenn es Ihnen um das Wohl von Kindern geht, müssten Sie doch schauen, wie sich dieses operationalisieren und dann am besten fördern lässt.

        Der von Ihnen vermutete Selektionsbias wäre im konkreten Fall gar keiner. Um einen Bias handelt es sich, wenn die Beobachtungen in der Studie systematisch von der Grundgesamtheit abweichen. Wenn in der Grundgesamtheit selbst bestimmte Zusammenhänge bestehen, sollte eine gute Studie diese aufzeigen. Konkret ist es nicht unwahrscheinlich, dass eingetragene Partnerschaften und demnächst Ehen von Homosexuellen mit durchschnittlich höheren Einkommen und besserer Bildung verknüpft sind. Wenn letztere den Kindern nützen, warum dann nicht auch erstere, selbst wenn die Homosexualität bzw. Gleichgeschlechtlichkeit an sich gar keine Vorteile oder sogar kleine Nachteile hat? Warum soll ein Paar, welches gut für ein Kind wäre oder zumindest besser als die Alternativen, dieses nicht adoptieren dürfen, nur weil ein anderes Paar, welches in irgendeiner Eigenschaft übereinstimmt, schlecht wäre?

      • Ich habe weder eine unwissenschaftliche noch eine antiwissenschaftliche Einstellung. Ich wehre mich nur gegen den Missbrauch von Wissenschaft durch vermeintliche Wissenschaft. Besonders im Bereich der Soziologie gibt es so viele schlechte „wissenschaftliche“ Studien, dass es einem schlecht wird. Leider geht es da nicht nur um handwerkliche Fehler, sondern es fehlt jegliches empirisches Verständnis und Ergebnisse und Daten werden so zurechtgebogen, dass das ideologisch erwünschte Ergebnis erscheint. Ich arbeite selbst oft genug empirisch und weiß nur zu gut, wie man selbst ohne große Betrugsabsichten den Datensatz „schönen“ kann und weiß, dass das leider auch bis nach ganz oben gemacht wird, auch in der VWL.

        Ich weiß jetzt nicht, von welcher australischen Studie Torsten Rüdiger spricht. Ich weiß aber von Studien, die in diversen Talkshows zitiert wurden. Und diese Studien zielten auf das Bildungslevel ab. Das Bildungslevel ist als abhängige Variable aber grober Unsinn. Eine Erziehung ist primär nicht dann erfolgreich, wenn ein hohes Bildungslevel herausspringt. Eine Erziehung ist dann erfolgreich, wenn das Kind psychisch stabil ist und soziale Fähigkeiten wie die Fähigkeit zur Liebe und Mitgefühl erlernt, aber auch zu einer gesunden Geschlechtsidentität findet. Hiefür, wie auch für den Seelenzustand, sind sowohl männliche als auch weibliche Rollenbilder von großer Bedeutung. Um das zu wissen und zu begreifen, muss man gar kein Wissenschaftler sein. Dafür reicht der gesunde Menschenverstand. Aber das sind eben alles Variablen, die man nur sehr schwierig bis gar nicht operationalisieren kann. Natürlich kann man da allerlei ausgeklügelte bis mathematisch hochkomplexe Verfahren entwickeln, ein realistisches und korrektes Abbild ermöglicht das aber nicht.

        Der Selektionsbias besteht aber sehr wohl. Die generelle Öffnung der Adoption für homosexuelle Paare wird die Adoption vereinfachen und vermehrt „einfache“ Homosexuelle mit Adoptivkindern versorgen. Bisher ist die Möglichkeit nur theoretisch da, aber relativ aufwendig und wenig praktikabel. Das bevorzugt gebildete und vermögende Paare. Die zukünftigen homosexuellen Adoptiveltern werden nicht die gleichen Adoptiveltern von heute sein.

        Ich sage nicht, dass ein homosexuelles Elternpaar zwangsweise Kindern schaden muss, insbesondere nicht in diesen höheren sozialen Schichten. Ich sehe aber eine im Mittel erhöhte Gefahr, dass die Psyche des Kindes Schaden nimmt. Das Argument, dass dies z.B. auch auf Alleinerziehende zutrifft, ist kein Argument für die Homo-Adoption. Jedes Kind hat mMn. den Anspruch auf die erstbeste Lösung und der Staat muss alles dafür tun, dass diese erstbeste Lösung auch verwirklicht werden kann. Stattdessen haben wir eine starke gesellschaftliche Strömung, die die Familie zerstören möchte und Kinder als ideologisch formbare Zukunftsmasse missbraucht. Wer eine Politik für Kinder machen möchte, der muss die traditionelle Familie stärken, denn gerade dort finden Kinder die idealen Möglichkeiten für eine gesunde Entwicklung vor. Wir sollten unseren Kindern nicht vorenthalten, was wir zumindest in vielen Fällen noch selbst genießen durften.

      • Es gibt schlechte Studien, doch es ist unwissenschaftlich, deswegen über eine Studie zu urteilen, über die man gar nichts weiß. Es geht wohl um „The Australian Study of Child Health in Same-Sex Families (ACHESS)“. Das habe ich jetzt natürlich auch nicht alles durchgearbeitet, doch zumindest auf den ersten Blick macht das einen seriösen Eindruck. Vor allem wird nicht auf das Bildungsniveau der Kinder abgestellt, wie Sie vermutet haben, sondern auf deren physische und mentale Gesundheit. Erstere ist signifikant besser als bei durchschnittlichen Kindern (wie auch das allgemeine Verhalten und der familiäre Zusammenhalt), letztere nicht schlechter, wobei eine erlebte hohe Stigmatisierung homosexueller Beziehungen hier zu Verschlechterungen führen kann.

      • Physische Gesundheit, schön und gut. Dass eher gebildete homosexuelle Adoptiveltern ihr Kind gesünder ernähren und es vielleicht auch zum Sport schicken, das glaube ich gerne.

        Mentale Gesundheit ist schon eher relevant. Da muss ich mir mal die Studie anschauen, aber wie will man das operationalisieren? Klar kann man da allerlei Schätztechniken oder Proxies verwenden. Davon halte ich aber eher wenig und das auch in anderen Zusammenhängen. Bei Zeit schaue ich mir das mal genauer an, dann kann ich besser darüber urteilen.

        Ich habe einfach stets eine gewisse Skepsis, vor allem bei solchen Aussagen:


        Qualitative data was captured through family interviews between January and August 2013

        Hier hat der verantwortliche Forscher einen sehr großen Spielraum. Letztendlich besitzt er bei der folgenden Codierung Narrenfreiheit. Wer schaut sich schon ernsthaft all seine Interviews an (falls die überhaupt ausreichend dokumentiert sind) und führt mal eine eigene Alternativcodierung durch? Hier gibt es einen riesigen Spielraum für Manipulation der Ergebnisse, man hat es eben anders „interpretiert“. Ich sage nicht, dass die Forscher das gemacht haben. Aber es sehr wohl sehr leicht möglich ist. Ich habe das erlebt und bin deshalb sehr skeptisch.

        Wie man „allgemeines Verhalten“ misst, ist mir auch ein Rätsel. Das ist mir sogar ein noch größeres Rätsel als die Messung von mentaler Gesundheit, da hier doch eine höchst subjektive Komponente im Spiel ist. Was ist denn „gutes“ Verhalten? Doch nicht etwa tatsächlich Schulnoten zum Verhalten, die vor allem Duckmäusertum widerspiegeln (immer schön still und bloß kein selbständiges Denken oder gar Kritik an den Lehrkräften), falls es die in Australien überhaupt gibt?

        Und auch wenn folgendes Zitat, wie von Ihnen richtig beschrieben, auf den ersten Blick gut klingt, sind dennoch Zweifel angebracht:


        Quantitative data was gathered between May and December 2012 using gold standard, validated child health and wellbeing survey instruments.

        Auch wenn diese Instrumente standardisiert und gebräuchlich sein mögen. Über die Qualität sagt das noch lange nichts aus. Um darüber zu urteilen, müssten wir erst diesen Standard verstehen und selbst mit den Daten in Kontakt kommen.

        Ich möchte primär auch gar nicht diese Studie angreifen. Ich möchte jedoch davor warnen, mit wissenschaftliche Studien um sich zu schmeißen, um die eigene Meinung bestärkt zu sehen. Man kann alles und nichts wissenschaftlich beweisen (jetzt etwas übertrieben gesagt). Auch wissenschaftliche Studien müssen hinterfragt werden und auf gar keinen Fall darf nur das Ergebnis angesehen werden. Der ganze Aufbau der Untersuchung ist mindestens ebenso wichtig. Und wer schaut sich das schon an? Das sage ich nicht als Feind der Wissenschaft, sondern als klitzekleiner Teil davon.

      • Bei der Studie ging es um homosexuelle Eltern(teile). Nur ein kleiner Teil der Kinder war adoptiert. Wohl auch deshalb haben vor allem lesbische Mütter geantwortet. Ich vermute stark, ohne das jetzt mit dieser oder einer anderen Studie direkt belegen zu können (aber es gibt andere Evidenz dafür, insbesondere zum Verhalten von Stiefeltern), dass die leibliche Mutter für Kinder am wichtigsten ist und eine zweite Frau an deren Seite nicht unbedingt schädlich. Männer sind im Schnitt gefährlicher für Kinder, insbesondere wenn sie nicht die leiblichen Väter sind. Dagegen sind die männlichen Funktionen als Ernährer und Beschützer der Familie heutzutage in westlichen Ländern weniger wichtig.

    • Ja. Für eine Adoption mag es gute und wichtige Gründe geben. Für Kinder ist es meist belastend, wenn sie eines Tages feststellen, dass sie ihre leiblichen Eltern (-Teile) oder Geschwister nicht kennen. Der Konfettiregen im Bundestag war deshalb wenig einfühlsam. Ganz überholt ist die traditionelle Familie aus Vater, Mutter und Kind(ern) noch nicht.
      Welches Thema den Ausschlag für die Wahl in 3 Monaten geben wird, ist noch unklar. Man wird sehen, ob es unsere relativ gute Beschäftigungslage, die anhaltende Flüchtlingsproblematik, die schlechter gewordene innere Sicherheit, die schlechteren Prognosen für künftige Rentner oder vielleicht das unnötig über Bord geworfene Modell der (ausschließlichen) Ehe zwischen Mann und Frau sein wird. Vermutlich wird die bestehende links-grüne Mehrheit im Bundestag bald der Vergangenheit angehören.

      • Frau Merkel gewinnt die Wahl sowieso. Sie hat eigentlich bei allen Themen die Nase vorn, weil sie weit nach links gerückt ist, die meisten anderen Parteien aber noch weiter links stehen, während sich die AfD viel zu weit rechts aufgestellt hat. Es ist auch gut vorstellbar, dass es gar kein richtiges Wahlkampfthema geben wird. Im nächsten Bundestag wird es keine rot-rot-grüne Mehrheit mehr geben. Auch 2013 gab es sie bei den Wählern nicht und nur deshalb im Bundestag, weil AfD und FDP knapp an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterten.

  6. Mit der „Ehe für alle“ hat Merkel eine weitere klassische CDU-Position geschliffen. Scheinheilig hat sie selbst dann noch dagegen gestimmt, obwohl sie diesen Irrweg vorbereitet hat. Das ist so, als wenn der Dieb selbst ruft „haltet den Dieb“!

    Die „Ehe für alle“ ist nichts anderes als ein ideologischer Kampfbegriff, um die klassische Familie (Vater, Mutter, Kinder) weiter zu destabilisieren. Bei der sozialistischen Erschaffung des „Neuen Menschen“ ist die klassische Familie im Weg.

    Ehe für alle“? Auch zu dritt, zu viert, zu fünft??? Ein Mann verheiratet mit mehreren Frauen, als Kniefall vor dem Islam? Und was, wenn einer seine Oma oder seinen Dackel heiraten will……???

      • Eine richtige Ehe kann nur vor Gott, also in einer christlichen Kirche geschlossen werden. Die staatliche Ehe hat für mich nicht mehr Bedeutung als die Mitgliedschaft im Kegelclub. Gegen alles was vom Staat kommt, habe ich ein gesundes Misstrauen!

      • Es gibt doch bereits evangelische Kirchen, die auch gleichgeschlechtliche Paare trauen. Ich messe dem allerdings nicht mehr bei als einer Regeländerung im Kegelclub, womit ich eher die heutigen Kirchen als den Staat vergleichen würde. In der Bibel gibt es Stellen gegen Homosexualität, aber wohl nicht in den Evangelien, in denen doch Jesus ständig dazu aufruft, seinen Nächsten (unabhängig vom Geschlecht) zu lieben.

      • Caritas (Nächstenliebe) ist etwas anderes als Armor (Triebbefriedigung). (Nur im Deutschen verfällt dieser Unterschied.)

      • Wer sagt denn, dass man nur zur Triebbefriedigung heiraten darf? Erlaubt werden jetzt gleichgeschlechtliche Ehen, die aber auch Heterosexuellen offenstehen, so wie vorher schon Homosexuelle jemanden vom anderen Geschlecht heiraten durften.

  7. Pingback: Wahlrecht für alle? | Alexander Dilger

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