Künstliche Intelligenz bedroht Millionen Arbeitsplätze

Gestern trug ‚Jobst Landgrebe zu KI beim Hayek-Club Ruhrgebiet‘ vor. Er sieht keine ‚Gefahr von superintelligenten Computern‘, jedenfalls nicht auf absehbare Zeit. Dagegen sieht er ganz konkret die Gefahr, dass durch Künstliche Intelligenz Millionen Arbeitsplätze vernichtet werden, weil ganze Klassen von Tätigkeiten inzwischen oder in den nächsten Jahren von Computern sowohl besser als auch billiger erledigt werden können als von Menschen. Er nannte konkrete Beispiele, wie sein Unternehmen Hunderte von Arbeitsplätzen überflüssig machte und noch machen wird. Dabei wurden die Beschäftigten größtenteils intern versetzt. Aber die Arbeitsplätze sind dauerhaft weg und stehen zukünftigen Arbeitssuchenden nie mehr zur Verfügung, weshalb er von Grünen schon wüst beschimpft wurde.

Der gestrige Vortrag knüpfte an den letztjährigen Vortrag von ‚Holger Schiele zur Demographie beim Hayek-Club Ruhrgebiet‘ an. Dabei ging es vor allem um ‚Demographie und steigende Produktivität‘, gestern um steigende Produktivität und Arbeitslosigkeit. Dazu zog Herr Landgrebe auch aktuelle Literatur aus dem Umfeld der Österreichischen Schule der Nationalökonomie heran. ‚Andere statt keine Arbeit durch Roboter‘ war am Ende auch sein Hauptergebnis. Höhere Produktivität ist volkswirtschaftlich von Vorteil. Es ergeben sich jedoch Verteilungsfragen und Beschäftigungsprobleme. Viele Berufe werden verschwinden und andere sich ändern. Früher ist das auch passiert, aber in der Regel nicht so schnell. Der Sozialstaat kann den Wandel abfedern, sollte ihn aber nicht zu verhindern versuchen. Wichtig sind auch gute Bildungspolitik und vorausschauende Ratschläge für die Berufswahl. „‚Kraftfahrer gesucht‘ – Merkel gibt Flüchtlingen Tipps“, die leider ebenso falsch sind wie ihre Politik, weil demnächst Lastwagen, Bussen und Taxen keine menschlichen Fahrer mehr brauchen.

33 Gedanken zu „Künstliche Intelligenz bedroht Millionen Arbeitsplätze

  1. 1. Eine höhere Produktivität ist prinzipiell begrüßenswert. Im Ergebnis sinkt der Preis und sinkende Preise vereinfachen den Bürgern das Leben.

    Es ist auch unsinnig, unabwendbare Entwicklungen aufhalten zu wollen.

    2. Das Kernproblem ist jedoch: „Es ergeben sich jedoch Verteilungsfragen“.

    Bislang partizipiert der Bürger überwiegend an der ( höheren ) Produktivität durch Einbringung von Arbeitskraft.

    Der Verteilungsmechanismus funktionierte überwiegend wie folgt:

    1. Arbeitkraft / Lebenszeit gegen Bezahlung
    2. Mit Geld Teilnahme am Konsum

    Viele Bürger können heute ihre Arbeitskraft nicht mehr gegen Bezahlung einbringen. Der Beschäftigungsanteil liegt ja ohnehin nur bei ca. 50 Prozent der Bevölkerung.

    Hinzu kommt, dass sehr viele Bürger ihre Arbeitskraft für unnütze oder destruktive Dinge einbringen.

    Eine vernünftige Steuergesetzgebung würde von heute auf morgen tausende Stellen vernichten.

    Auch die überbordende Bürokratie, die die Nachfrage nach zahlreichen neuen Stellen schafft, ist im Regelfall auf mangelhafte Gesetzgebung und schlechte Politik zurück zu führen.

    Vernünftigerweise müsste man unter Wohlstandsgesichtspunkten die Bürokratie zurück fahren, was die Verteilungsproblematik weiter erhöhen würde. ( Es ist wenig klug, gute Ärzte oder Existenzgründer ins Ausland zu vergraulen, weil die bürokratische Belastung unerträglich ist und zugleich eine wirtschaftlich unkalkulierbare Komponente darstellt. )

    3. Es wird wohl tatsächlich darauf hinauslaufen, dass der Staat die Grundversorgung unabhängig von der Einbringung von Arbeitskraft sicher stellen wird, zumindest teilweise.

    Der Bürger wird durch Arbeitskraft in erster Linie seinen Wohlstand und seinen Lebensstandard erhöhen.

    Weltweit laufen schon etliche Experimente. Man muss sich Verlauf und Ausgang genau anschauen.

    4. Das Mantra, mit jeder neuen technologischen Revolution entstünden stets neue, gute oder zumindest ausreichend bezahlte Arbeitsplätze, nur eben andere, ist letztlich nur ein Dogma.

    Heute ist eigentlich schon klar, dass aufgrund der schlechten Reallohnentwicklung, der zunehmenden Verteuerung des Lebens durch staatliche Vorgaben, und den niedrigen Zinsen den Arbeitnehmern kaum noch möglich ist, Vermögen zur Vorsorge zu bilden, obwohl die Notwendigkeit in Anbetracht der Entwicklung der Sozialkassen evident ist, ( Ich will hier nicht das Mantra der demografischen Entwicklung in den Mund nehmen. Wenn man über Jahrzehnte im großen Umfang Leistungsempfänger importiert und damit die Sozialkassen belastet, dann ist die demografische Entwicklung allenfalls ein Aspekt; zumal zur Zeit die Auswirkungen der Gentechnologien und anderen medizinischen Technologien in Bezug auf die Alterung und damit auch die Arbeitsfähigkeit noch gar nicht überschaubar sind.), obwohl die stark steigende Produktivität mehr Wohlstand bei gleichem oder sogar weniger Einkommen schaffen müsste.

    Man kann darüber streiten, ob die Reallohnentwicklung und die zunehmende und teure Bevormundung ein Indiz für zu niedrige Löhne darstellen, oder ob diese die überwiegenden Kosten für – in Bezug auf den Wohlstand – unnütze und sogar destruktive Arbeitsbeschaffungskosten sind.

    In jedem Fall gibt es an der Richtigkeit des Dogmas, dass jeder technologische Sprung für ausreichend neue Arbeitsplätze sorgen würde, handfeste Zweifel.

    • Ich will hier nicht das Mantra der demografischen Entwicklung in den Mund nehmen. Wenn man über Jahrzehnte im großen Umfang Leistungsempfänger importiert und damit die Sozialkassen belastet, dann ist die demografische Entwicklung allenfalls ein Aspekt;

      —–

      Das haben Sie perfekt erkannt. Nur wundern mich dann Ihre Schlussfolgerungen und Ihre Abneigung bestimmten Parteien gegenüber.

    • Es ist kein Dogma, dass durch den technischen Fortschritt nicht nur Arbeitsplätze vernichtet werden, sondern anderswo auch neue entstehen. Erstens ließ sich das immer wieder empirisch beobachten. Das ist zwar kein Beweis, dass es auch in der Zukunft so sein wird, aber doch ein Indiz, insbesondere wenn man in Länder wie die USA schaut, die uns auch in dieser Entwicklung voraus sind. Zweitens gibt es ökonomische Gründe dafür, dass es sich um keinen glücklichen Zufall handelt, sondern neue Beschäftigungsmöglichkeiten endogen entstehen. Die relativen Preise verändern sich und es gibt eine hinreichende Nachfrage, weil die Gesellschaft insgesamt reicher wird und die effizienter hergestellten Produkte billiger werden. Die Bürokratie nimmt zwar absolut betrachtet zu, doch gerade zu ihrer Bewältigung können Computer eingesetzt werden, während die Menschen sich interessanteren Dingen zuwenden können.

      • „Unter einem Dogma (altgr. δόγμα, dógma, „Meinung, Lehrsatz; Beschluss, Verordnung“[1]) versteht man eine feststehende Definition oder eine grundlegende, normative Lehraussage, deren Wahrheitsanspruch als unumstößlich festgestellt wird.
        […]
        Hingegen wird der Begriff vor allem als Adjektiv (dogmatisch) pejorativ gebraucht von Personen, die die entsprechenden Lehrsätze als nicht hinreichend fundiert ansehen, zum Beispiel weil sie die Lehrautorität der Kirche nicht anerkennen oder weil sie Weltanschauungen und Wertvorstellungen prinzipiell skeptisch gegenüberstehen, die den Anspruch erheben, als allein wahr, allgemeingültig oder verbindlich zu gelten oder gar für alle Zeit gültig zu sein.“ (Wikipedia)
        I. Sie berufen sich hinsichtlich Ihrer These zur Abeitsmarktentwicklung auf Indizien. Sie beziehen sich auf die Vergangenheit und auf die Verhältnisse in den USA.
        1. Auf die Verhältnisse in den USA möchte ich nicht eingehen, denn die USA hat als umfangreiche Hegemonialmacht ganz andere Rahmenbedingungen als Deutschland. Deutschland könnte es sich nicht erlauben, über Jahrzehnte hinweg jährlich riesige Außenhandelsdefizite zu bilden und Verbindlichkeiten über Jahrzehnte hinweg nicht zu bedienen. Die USA können es sich leisten, einen Arbeitsmarkt zu unterhalten, dessen Kosten das Ausland trägt.
        2. Der Rückblick auf die Arbeitsmarktentwicklung im Verhältnis zu den Technologiesprüngen erscheint mir alles andere als erkenntnisreich. Zwei Weltkriege waren Folge und teilweise auch Ursache für technologische Entwicklungen, in jedem Fall ursächlich für steigende Nachfrage an Gütern und Reduzierung von Belegschaften und Arbeitssuchenden. Alleine 60 Mio Tote im sog. Zweiten Weltkrieg und ein völlig verwüstetes Europa und Japan hatten extrem atypische Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt in Japan, Europa und Nordamerika.
        3. Die jüngere Arbeitsmarktentwicklung ist längst nicht so positiv wie es in der Politik dargestellt wird. Wie schon beschrieben beruhen erhebliche Bereiche des Arbeitsmarktes auf unsinnige Bürokratie und staatliche Schikanierei. Die Kosten sind immens. Zu keiner Zeit war das Steueraufkommen so hoch wie heute. Beträchtliche Einnahmen generiert der Staat durch Machtmissbrauch ( Bußgelder als Einnahmequelle ), Untreue ( Zweckentfremdung von Mitteln ), Täuschungen und Tricksereien ( sog. Abgaben und Steuerrecht ).
        4. Die Beschäftigungs- und Einkommenssituation ist in Deutschland schlecht.
        Sie dürfte sich heute zwar im Verhältnis zu 2013 ( weniger als 50 Prozent haben ein steuerpflichtiges Einkommen, davon haben 60 Prozent maximal 30.000 EUR Brutto-Jahreseinkommen, 40 Prozent maximal 25.000 EUR Brutto Jahreseinkommen [ 50 Prozent des Brutto-Einkommens gehen erfahrungsgemäß als Abgaben und Kosten der Berufsausübung weg ]) gebessert haben, aber die Zahlen aus dem Jahre 2013 sind doch eher erschreckend.
        Die positive Entwicklung seit dem dürfte durch die Zuwanderung von „Fachkräften“ und „zukünftigen LKW-Fahrern“ zumindest teilweise aufgehoben sein.
        https://www.welt.de/wirtschaft/article166021861/Hier-wohnen-die-deutschen-Einkommensmillionaere.html
        II. Weil selbst die Grundfesten und „gesicherte“ Grundannahmen nur noch vermeintliche Grundfesten und Dogmen sind, bleibt nur noch das Prinzip des vorsichtigen und vorausschauenden Herantasten in einer sich stark verändernden Welt.
        1. Irgendwelche Verteilungsdogmen und Gerechtigkeitsgeschwafel nützen genauso wenig wie die Dogmen über vermeintliche Selbstregulierung (Das große liberale Dogma, dass mit der z die Demokratie kommen würde, ist bis heute nicht eingelöst, siehe China oder Russland.).
        Es muss nüchtern darum gehen, dass die Grundversorgung der Bevölkerung, die Produktion und der Konsum der Produktion sicher gestellt wird.
        Realistisch betrachtet hat die Arbeitskraft für den Produzenten immer weniger Bedeutung.
        (271 von 771 Wörtern gestrichen, AD.)

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        Dogmen gibt es in der Kirche, nicht in der (seriösen) Wissenschaft. Das bedeutet aber nicht, dass alle wissenschaftlichen Aussagen völlig beliebig sind. Es kommt auf die theoretischen Argumente und die empirische Evidenz an. Was Sie dagegen anführen, hat mit dem Produktivitätsfortschritt wenig zu tun.

        Deutschland trägt durch seine Exporte zum amerikanischen Konsum bei, aber gerade nicht zu einer besseren Arbeitsmarktentwicklung dort. Bei weniger Bürokratie(kosten) und Steuern gäbe es hierzulande offensichtlich mehr Arbeitsplätze, nicht weniger. Der Markt sichert die Grundversorgung in Deutschland, nicht der Staat. Der Faktor Arbeit hat (kaum) an Bedeutung verloren. Es geht allein darum, ob bestimmte Gruppen von Menschen nicht mehr sinnvoll beschäftigt werden können, was seit 200 Jahren befürchtet wird, aber nie eingetreten ist. Es gibt fast keine deutsche Unterschicht mehr, jetzt wird allerdings eine fremdländische geschaffen.

    • Es ist kein Dogma, dass durch den technischen Fortschritt nicht nur Arbeitsplätze vernichtet werden, sondern anderswo auch neue entstehen. Erstens ließ sich das immer wieder empirisch beobachten. Das ist zwar kein Beweis, dass es auch in der Zukunft so sein wird, aber doch ein Indiz, insbesondere wenn man in Länder wie die USA schaut, die uns auch in dieser Entwicklung voraus sind. Zweitens gibt es ökonomische Gründe dafür, dass es sich um keinen glücklichen Zufall handelt, sondern neue Beschäftigungsmöglichkeiten endogen entstehen. Die relativen Preise verändern sich und es gibt eine hinreichende Nachfrage, weil die Gesellschaft insgesamt reicher wird und die effizienter hergestellten Produkte billiger werden. Die Bürokratie nimmt zwar absolut betrachtet zu, doch gerade zu ihrer Bewältigung können Computer eingesetzt werden, während die Menschen sich interessanteren Dingen zuwenden können.

      • Das anderswo neue Arbeitsplätze entstehen bezweifelt wohl kaum jemand. Die Frage ist doch ob mindestens genauso viele neu entstehen und ob diese qualitativ (also aus Sicht der Arbeitnehmer) gleichwertig sind. Und gerade bei letzterem scheint mir die USA mit dem massiven Zuwachs der „working poor“ doch eher ein abschreckendes Beispiel zu sein.

      • Die Zahl der Arbeitsplätze ist nicht gegeben, sondern ergibt sich endogen aus den Bedingungen, insbesondere den Lohnkosten und Qualifikationsniveaus. In den USA geht es vor allem um Verteilungsfragen. Der (partielle) Verzicht auf internationalen Handel und technischen Fortschritt würde das Land ärmer, nicht reicher machen.

  2. Ich sehe das etwas anders. Es gehen Arbeitsplätze verloren. Dafür entstehen neue Tätigkeiten, die durch Computer nicht erfüllt werden können und die durch steigenden Wohlstand dann auch bezahlt werden können, auch wenn sie nicht zwingend notwendig für das reine Überleben sind und eher dem Zeitvertreib dienen (vor allem im kreativ-künstlerischen Bereich, also Dinge, die ein Computer nicht erfüllen kann). Entscheidend wird vor allem der Mindestlohn bzw. die soziale Absicherung sein. Je größer die sind, desto weniger Jobs werden in diesen Segmenten entstehen.

    • Richtig, ein hoher Mindestlohn oder gar ein bedingungsloses Grundeinkommen hemmen die Beschäftigung. Es ist nötig, dass vom Arbeitsplatzverlust Betroffene sich neue Arbeitsplätze suchen. Das führt zu dem wesentlichen Wohlstandsgewinn, den der Staat nicht verhindern sollte. Auf jeden Fall müssen sich june Menschen gleich neue Jobs suchen, statt noch schnell in aussterbende Berufe oder die lebenslange Arbeitslosigkeit gelenkt zu werden.

  3. Man kann nicht so tun, als ob man jede Person von einem wegfallenden auf einen anderen Arbeitsplatz umsetzen kann. Wenn der neue Arbeitsplatz höhere Qualifikationen erfordert, funktioniert dies nicht. Nicht jede Person ist in der Lage die nötige Qualifikation zu erreichen. Abgesehen davon werden diese Arbeitsplätze nicht in ausreichender Menge vorhanden sein. Es werden also in steigendem Maße mehr Personen von Transferleistungen leben müssen.
    Da unsere Altersversorgung auf einem Umlagesystem basiert, wird diese immer schlechter funktionieren und mit immer mehr Steuermittel ergänzt werden müssen. Man wird also über eine „Maschinensteuer“ nachdenken müssen, um einen Teil des Automatisierungsvorteils abzuschöpfen und zusätzliche Steuereinnahmen zu generieren.
    Natürlich keine liberale Lösung – aber sie verringert etwas die Wettbewerbsvorteile der Automatisierung zugunsten der menschlichen Arbeitskraft.

    • Warum sollte man den technischen Fortschritt wegbesteuern sowie Kapital und Unternehmer aus dem Land treiben? KI zeigt doch gerade, dass es weniger um die Höhe der Qualifikation als die Art der Tätigkeit geht. Dienstleister nahe am Endkunden lassen sich besonders schlecht durch Computer und Maschinen ersetzen, also z. B. Handwerker, Kindergärtnerinnen oder Pflegekräfte.

  4. Mit zunehmender Automatisierung kann die gleiche Leistung mit weniger Personal erfüllt werden. Damit ist eigentlich das Thema demographische Entwicklung bedeutungslos. Das bisherige System der Staats- und Sozialfinanzierung müßte allerdings den neuen Gegebenheiten angepasst werden. Was bisher über die Abgaben aus Arbeitsleistung der Menschen finanziert wurde, müßte in Zukunft über die Arbeitsleistung von Maschinen finanziert werden.

    • Die Ausgestaltung unserer Sozialsysteme ist das Hauptproblem. Eine Maschinensteuer wird das aber nicht lösen. Herr Landgrebe gab offen zu, dass er bei deren Einführung sofort auswandert. Auch eine höhere Kapitalbesteuerung führt vor allem zur Kapitalflucht.

      • Schon allein die Androhung der Auswanderung bei einer Maschinensteuer erklärt den Protektionismus von Donald Trump. Wer seine Firma ins billige Ausland verlagert, wird mit hoher Einfuhrsteuer bestraft. Mal davon abgesehen daß die Umsätze sowieso einbrechen wenn die potentiellen Kunden kein Geld mehr haben. Das nennt man wohl eine los-los-Situation.

      • Durch die Produktivitätssteigerung nehmen die insgesamt verfügbaren Einkommen erst einmal zu, nicht ab. Entscheidend ist, was mit den Leuten passiert, die ihren Arbeitsplatz verlieren bzw. keinen solchen Arbeitsplatz mehr finden. Es wäre unökonomisch, ihre Arbeitskraft gar nicht mehr zu nutzen, sondern die Personen nur noch zu alimentieren, sei es mit einem bedingungslosen Grundeinkommen oder herkömmlichen Sozialtransfers. Der Protektionismus ist ebenfalls unökonomisch, weil dann für die (ggf. auch technologisch rückständige) Produktion im Inland mehr gezahlt wird als für Importe.

  5. Ich sehe es auch so, dass es in Zukunft auf ein Grundeinkommen herauslaufen wird. Dann ist ja Schleseig-Holstein Vorreiter.
    Mehr sorgen macht mir, dass fast vollautomatische Betriebe überall aufgebaut werden können. Wie wird man die Abwanderung von Firmen verhindern können? Unsere Abgabenquote ist nicht sehr attraktiv.
    Wie sehen die Arbeitsplätze der Zukunft aus? Vor allem, was wird im Lehr- bzw. Bildungsplan gemacht, um künftige Generationen auf die veränderten Angorderungen heranzuführen. Nur wenn man hier ein hohes Ausbildungsniveau hält, wird Deutschland einen Standortvorteil haben.

    • In der Computerbranche sehe ich für Deutschland keinen Standortvorteil. Software kann weltweit produziert und ohne Zollschranken verteilt werden. Auch Tutorials gibt es kostenlos im Netz. Von dieser Tatsache werden meines Erachtens die Schwellenländer profitieren. Auch sind Open-Source-Software und -Tools kostenlos verfügbar. Donald Trump wird daran nichts ändern können.
      Firmen und Behörden verhalten sich manchmal leichtsinnig im Netz. Grundkenntnisse über Daten- und Computerschutz sollten überall vorhanden sein. Man kann nicht für jede Schusseligkeit Putin vorschützen. Unsere Arbeitsplätze im Bereich Computersicherheit dürften krisenfest sein. Im Bereich Computerspionage („Staatstrojaner“) werden die Geheimdienste sogar aufrüsten und neue Stellen entstehen lassen.
      Im Service-, Erziehungs- und Bildungsbereich schätze ich die bestehenden Arbeitsplätze als relativ sicher ein. Bis sich Pflegeroboter durchsetzen, dürfte noch einige Zeit vergehen.
      Die Textilbranche ist hierzulande bedeutungslos geworden. Kleinteile, Smartphones und Computer werden häufig in Fernost gefertigt. Der Trend dürfte sich von Spielzeugautos zu größeren Modellen hin fortsetzen und unsere Autoindustrie an Bedeutung verlieren. In den Bereichen Pharmazie, Spezialmaschinenbau dürfte sich so schnell nichts ändern.

    • Ein bedingungsloses Grundeinkommen würde die Steuer- und Abgabenlast ungemein vergrößern. Angesichts von KI nützt höhere Bildung per se nicht, sondern kommt es auf die richtige Berufswahl an. Eine einfache Berufe werden bleiben oder sogar neu entstehen, andere sehr anspruchsvolle werden verschwinden.

      • Herr Professor Dilger, welche Prioritätenfolge würden Sie den folgenden Studienrichtungen für die (Berufsausübungs-)Jahre 2023 -2045 hinsichtlich der Arbeitsmarktnachfragen einräumen:

        Theologie
        Politik
        Psychologie
        Philosophie
        Biologie (welche Richtung wird hier besonders gefragt sein?)
        Physik (welche Richtung wird hier besonders gefragt sein?)
        Informatik (welche Richtung wird hier besonders gefragt sein?)
        Journalismus
        Jura

        Selbstverständlich unverbindlich für Sie, aber wie Sie wissen, lege ich höchsten Wert auf Ihre Meinung/Einschätzungen! Danke vorab!

      • Es geht nicht nur um die Arbeitsnachfrage, sondern auch das Verhältnis zum Arbeitsangebot. Juristen werden z. B. immer gebraucht, aber vielleicht nicht so viele. Gute Journalisten würden auch noch gebraucht, aber davon gibt es immer weniger und ein Studium ist dafür weder hinreichend noch notwendig. Politik muss man auch nicht studieren, da man es dort doch z. B. auch als gescheiterter Jurist versuchen kann. Bei den Theologen, insbesondere den katholischen Priestern, dürfte die Nachfrage das Angebot deutlich übersteigen. Für Philosophen gab es hingegen noch nie eine nennenswerte Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt, aber deswegen studiert man auch nicht Philosophie. Physiker werden stark nachgefragt, auch in anderen Berufsfeldern. In der Biologie hat die Gentechnik eine große Zukunft, wenn auch nicht unbedingt in Deutschland. Angewandte Informatik bleibt wichtig und die meisten Psychologen werden ebenfalls ihr Auskommen finden.

  6. Konrad Zuse schrieb schon 1949 ! , dass wer bei dieser neuen Technik der Informationsverarbeitung Grenzen setzt, von ihr nichts versteht.
    Das gilt auch für künstlerische und kompositorische Leistungen; Computergrafiken und z.B. Hintergrundmusik in Einkaufszentren, welche nach menschlichen Vorgaben mit Algorithmen komponiert wird.
    Selbstverständlich wird weder Beethovens 9. noch van Goghs Sonnenblumen vorläufig dabei herauskommen; desgleichen wird es so schnell keine menschenähnlichen mehrfachbefähigten Androiden geben.
    Allerdings werden bisher hochqualifizierte Berufe wie die medizinische Bilddeutung und die Anlageberatung insofern betroffen sein, als die Qualität durch hybride Leistungserbringung verbessert wird.
    Die KI-Systeme sind allerdings lernfähig, so dass der Bedarf an menschlicher Denkkraft zurückgehen wird. Es wird mit Sicherheit auch eine wachsende Anzahl von Höherqualifizierten geben, für die eine wirtschaftliche Verwendung nicht möglich ist, so dass ein bedingungsloses Grundeinkommen und sogar eine Kapital-Grundausstattung bei Geburt diskutiert werden müssen.

    • Wo soll denn das bedingungslose Grundeinkommen, was jetzt viele hier als Lösung sehen, oder gar eine fürs Leben ausreichende Kapitalgrundausstattung für jeden herkommen? Das ist enorm teuer und erhöht damit die Steuer- und Abgabenlast ungemein, obwohl gerade diese das Problem ist. Dass produktivere Techniken Arbeitskräfte freisetzen, ermöglicht hingegen überhaupt erst den eigentlichen Wohlstandsgewinn, wozu diese Personen (und vor allem die nächste Generation) nicht dauerhaft zu alimentieren, sondern in neue Beschäftigung zu bringen sind.

      • „in neue Beschäftigung zu bringen sind“. Das erinnert mich an die oft beschworene Formel in der Politik man müsse „Jobs schaffen“. Liegt dort nicht ein fundamentaler Denkfehler vor, in dem man Beschäftigung oder Arbeitsplätze als Selbstzweck betrachtet?

      • Es geht nicht um sinnlose, sondern um sinnvolle Beschäftigung. Dadurch wird nicht nur das Individualeinkommen gesichert, sondern auch das Volkseinkommen gesteigert. Dagegen ist die durch KI ersetzbare Arbeit sinnlos geworden, selbst wenn die Arbeitsplätze künstlich erhalten bleiben sollten.

  7. Ihr Kollege Prof. Götz Werner meint, dass man ein bescheidenes Grundeinkommen durch Zusammenlegung von Sozialleistungen und Abschaffung der Sozialbürokratie finanzieren kann. Natürlich wird gerade durch den Einsatz der KI die Gesamtabgabenbelastung hoffentlich deutlich gesenkt.

    Bei der ersten industriellen Revolution wurden durch den Einsatz der Bergwerkspumpe Miner‘s Friend (Patent 1698) ca. acht Arbeitsplätze eingespart. Durch die folgende Vertiefung der Bergwerke war dabei jedoch eine Vervielfältigung der Bergarbeitsplätze möglich.
    Die KI konkurriert aber im Kernbereich der menschlichen Denkkraft. Bei lernender und selbstschreibender Software entstehen zunächst gar keine neuen Arbeitsplätze. Es wrden lediglich vorhandene Abläufe schneller und wirtschaftlicher erledigt – begrüßenswert. Röntgenbilder werden z.B. schneller und exakter befundet, wobei eher seltener angefertigt werden.

    Sofern die KI neue Bedürfnisse schafft, so kann sie diese womöglich auch selbst erfüllen, so dass zusätzliche menschliche Arbeit sich erübrigt.
    Wenn dann aber Menschen keine großen Summen mehr verdienen können, so kann man doch nur durch Erbschaft oder Heirat reicher werden, so dass sich schon die Frage stellt, wem und aus welchen Gründen das neu geschaffene Kapital gehören soll.
    Überspitzt: Zuletzt hätten wir eine Erbengesellschaft mit hohem Anteil an Pauperismus, wie es die Ludditen und Maschinenstürmer befürchteten.

    • Empfängern von Hartz IV könnte man vielleicht durch Umschichtungen ein Grundeinkommen finanzieren, doch ein bedingungsloses Grundeinkommen würden alle bekommen, was viel teurer ist, während bestimmte Bedürfte trotzdem zusätzliche Mittel benötigen (siehe ‚Nein zur negativen Einkommensteuer‘).

      Durch KI wird die Abgabenlast nicht sinken. Dafür schafft sie natürlich auch Arbeitsplätze, z. B. die von Herrn Landgrebe und seinen Angestellten. Allerdings fallen viel mehr Arbeitsplätze weg, die dann an anderer Stelle zu suchen sind. Es gibt immer ganz viel zu tun, der Knackpunkt ist die Bezahlung. Deshalb sollte man nicht Unsummen für die Eurorettung, Energiewende, illegale Einwanderer und dann vielleicht auch noch ein bedingungsloses Grundeinkommen ausgeben, sondern lieber in sinnvolle Arbeit und echte Problemlösungen investieren.

  8. Lastwagentipps hin oder her, das mit der Ehe für alle hat sie wieder schlau gemacht. Den anderen Parteien ein Thema abgeräumt, windschatten für das netzdg geschaffen und dazu auch noch irgendwas von „gewissen der abgeordneten“ gefaselt, was manch einer vielleicht sogar toll findet. Der spiegel ist mal wieder so begeistert, dass er das netzdg ganz aus den augen verloren hat. Vielleicht schreibt Merkel ja mal das Buch „die kanzlerin“ in Anlehnung an machiavellis Prinz, das Zeug dazu hat sie zweifelsohne.

      • Wieso glauben Sie, dass sie intellektuell nicht dazu in der Lage wäre?
        Ist ihr Erfolg nicht Beleg für ihre grosse Intelligenz?

      • Sicherlich ist Frau Merkel intelligent bzw. schlau, aber sie ist nicht sonderlich intellektuell und reflektierend. Sie ist eben eine Macherin, was eine Politikerin auch sein sollte, keine Denkerin. Der Vorwurf bezieht sich darauf, was und wie sie es macht. Dabei wäre sie nie Kanzlerin geworden und nicht so lange geblieben, wenn sie es grundsätzlich anders machen würde. Doch diese reine Machtpolitik führt eben zu inhaltlich (und moralisch) schlechten Ergebnissen.

      • Merkel hat zumindest der AfD eine kleine Atempause verschafft. Erzkonservative Wähler wurden einmal mehr für bedeutungslos erklärt. Der CDU wird das gesamtheitlich nicht schaden, da sie in der Mitte mehr gewinnt, aber am Rand wird die AfD davon profitieren.

        Merkels Wahlkampf, der nun auch hochoffiziel von KA-Haus vermeldet, auf den Flüchtlingshelfer als Wähler abzielt, ist machttaktisch ebenfalls richtig, zumindest solange nur ein Teil der diesbezüglich kritischen Wähler bei der AfD landen und der Großteil bei der FDP bleibt.

        Solange die CDU SPD und Grüne klein hält, kommen weder RRG noch eine Ampel in Frage. Reicht es für Schwarz-Gelb, sind die Abwanderer zur FDP nicht schlimm, die hat sie ja schon einmal gewusst zu kontrollieren. Reicht es nicht, kommt entweder Jamaika (für Merkel ganz angenehm, da es das Pendel nach links verschiebt und es deshalb eine Opposition wie auch momentan schwer haben wird) oder es bleibt bei Schwarz-Rot, was dann auch okay ist, weil sie mit dieser Strategie der linken Mitte die SPD so ausgezehrt hat, dass die CDU diese Konstellation weiterhin klar dominiert.

        Deshalb bleibt für mich nur der Protest einer AfD-Wahl.

      • @ Peter Burger

        Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit.
        (Marie von Ebner-Eschenbach)

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