Macron gewinnt auch die französischen Parlamentswahlen

Die heutige erste Runde der Parlamentswahl in Frankreich führte zu einem „Triumph für Macron – Debakel für etablierte Parteien“. Emmanuel Macron wurde erst letzten Monat zum französischen Präsidenten gewählt (siehe ‚Wahlen in Frankreich und Schleswig-Holstein‘) und kann nächste Woche bei den Stichwahlen zum Parlament von einer absoluten Mehrheit für seine erst letztes Jahr gegründete Partei ausgehen. In der heutigen ersten Runde erzielte „La République en Marche !“ fast ein Drittel der Stimmen. Für ein Mandat wurde heute die absolute Mehrheit der Stimmen im Wahlkreis benötigt, weshalb es fast überall zu Stichwahlen kommt, die jedoch nächste Woche vor allem die Kandidaten der Partei des Präsidenten gewinnen dürften. Die Republikaner erhielten heute gut 21 Prozent der Stimmen und dürften damit nächste Woche die größte Oppositionspartei bleiben. Die bislang regierenden Sozialisten stürzten auf knapp 8 Prozent ab (von 29 Prozent vor fünf Jahren). Der Front National kommt auf knapp 14 Prozent und damit wohl nur sehr wenige Mandate. Die Wahlbeteiligung sank auf unter 50 Prozent.

Dieses Ergebnis zeigt, dass eine ganz neue Partei unter den richtigen Bedingungen auch ganz schnell erfolgreich sein kann. Die etablierten Parteien leiden europaweit unter erheblichen Glaubwürdigkeitsproblemen (vielleicht mit der erstaunlichen Ausnahme der Union in Deutschland). Davon können nicht nur Parteien an den Rändern profitieren, sondern insbesondere auch neue Personen und Parteien in der Mitte. Allerdings wird Präsident Macron mit einer absoluten Parlamentsmehrheit jetzt auch liefern müssen. Er kann sich hinter niemandem verstecken, sondern sollte sich ganz auf die sachlichen Probleme konzentrieren. Es steht allerdings zu befürchten, dass er das nicht tut, sondern die politischen Spielchen einfach auf die europäische Ebene hebt, also viel Geld von den Deutschen erwartet oder uns die Schuld für rein französische Probleme zuschieben will.

10 Gedanken zu „Macron gewinnt auch die französischen Parlamentswahlen

  1. Während Pretzell und die beiden Demolskys gerade damit beschäftigt sind, die bisher noch unversorgten Getreuen in einem dann bezahlten Landesvorstand unterzubringen, wird in Frankreich tatsächlich der Versuch unternommen, die Parteienherrschaft zu durchbrechen. Beutesicherung der Insolventen und Berufsunfähigkeitsrentner hier in NRW stehen dem Großen Ganzen in Frankreich gegenüber. Vive la vraie Revolution!

    • Herr Macron führt vielleicht gerade vor, was aus einer bürgerlichen AfD hätte werden können. Frau Merkel ist ganz schrecklich, was den anderen Parteien eigentlich einen enormen Zulauf bescheren müsste, wenn nicht Herr Schulz, aber auch Herr Pretzell & Co. noch schrecklicher wären.

      • Macrons Bedeutung wird wohl später so bewertet werden, dass er das etablierte Parteiensystem mit links-rechts aufgebrochen hat. Es ist richtig, dass dies in Deutschland erst noch bevorsteht. Wenn die Menschen hier erst einmal verstanden haben, dass die AfD jetzt schon etablierter als die Etablierten ist, wird der Frust groß sein. In Wirtschaft und Wissenschaft habe ich viel klügere Köpfe kennengelernt als in der parteienbeherrschten Politik. Dort versammeln sich wohl wirklich überwiegend Leute, die einen gut bezahlten Job anstreben und nur davon faseln, dass sie sich der res publica in den Dienst stellen wollen.

        Die Frage ist, wie man Fachwissen, Kompetenz und Verantwortungsbewusstsein in die demokratischen Abläufe bringt. Das Parteiensystem scheint mir hier deutlich am Ende zu sein.

      • Ich sehe noch nicht, dass Emmanuel Macron das französische Parteiensystem wirklich aufgebrochen hat. Erstens kann seine neue Partei demnächst auch wieder verschwinden, zweitens dürfte sie ansonsten langfristig die Sozialisten ablösen, während die Republikaner (und der Front National) vermutlich bestehen bleiben.

        Dementsprechend hätte in Deutschland vielleicht auch ein Frontalangriff auf die SPD größere Chancen als auf die Union. In gewisser Weise versucht das doch sogar die AfD zumindest in NRW. Allerdings ist sie tatsächlich nach nur vier Jahren bereits verfilzter als die etablierten Parteien (wie die Grünen nach knapp vierzig Jahren auch). Chancen könnte eine Partei neuen Typs haben, die nicht nur alternativ redet, sondern tatsächlich anders organisiert ist.

  2. Wenn der (sozialliberale) Macron mit der (schwarz-grüne) Merkel das Sagen in Europa hat, werden wir unser blaues Wunder erleben…..

  3. „…also viel Geld von den Deutschen erwartet… “
    Er wird sehr schnell das Grundprinzip der EU verinnerlichen: Frankreich entscheidet und Deutschland zahlt. Auf dieser Basis läßt sich für ihn einiges erreichen.

  4. Es wird viel alter Wein in neuen Schläuchen sein. Auch die stark gesunkene Wahlbeteiligung deutet eher auf ein Strohfeuer hin.

  5. Macron hat im Gegensatz zu uns Deutschen einen Finanzier „of last resort“, nämlich eben uns Deutsche. So kann er den Franzosen versprechen, dass sich alle ändert, aber eben alles bleibt, we es ist. Ein Napoleon aus Gips. Man könnte fast zum Verschwörungstheoretiker werden.

    • Es gibt eine viel einfachere Erklärung als eine Verschwörung, warum Emmanuel Macron französischer Präsident wurde und jetzt die Parlamentswahlen gewinnt. François Hollande war ein unglaublich schlechter Präsident, weshalb die Sozialisten abgewählt wurden. Eigentlich wären deshalb wieder die Republikaner an der Reihe gewesen. François Fillon präsentierte sich als Saubermann und wäre jetzt Präsident, wenn er denn wirklich ein solcher gewesen wäre, statt sich zahlreiche Skandale zu leisten. Das Pleitepärchen kann die AfD doch auch nicht als bürgerlich, ehrlich, kompetent und seriös verkaufen.

  6. Macron war früher Mitglied und Minister bei den Sozialisten und mit Ex-Präsident Hollande eng befreundet. Wo hatte er das Geld her, mit seiner neuen Splitterpartei einen schlagkräftigen Apparat aufzubauen, um diesen Wahlkampf zu bestreiten??? Der Typ kam wie Phönix aus der Asche. Das ist mir nicht geheuer….

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