Von Amann mir zugeschriebene Zitate über Lucke

Heute habe ich meinen Wettgewinn zur NRW-Wahl (siehe hier), einen Büchergutschein im Wert von 30 Euro, für den ich mich noch einmal bei Andreas Walter bedanken möchte, in zwei Kinderbücher und „Angst für Deutschland“ von Melanie Amann investiert. Alle drei Bücher lesen sich recht leicht, doch ich muss erst noch eine Dissertation durcharbeiten, die sich recht schwer liest, bis ich eine Rezension zu dem politischen Buch schreiben kann.

Allerdings habe ich gleich geschaut, was Frau Amann aus den Zitaten gemacht hat, die sie mir unterschieben wollte (wenn auch nicht so krass wie ‚Falsche Zitate im stern‘ oder gar ‚Unwahrheiten in der taz‘). Letzten Dezember sollte ich die folgenden Zitate freigeben, die angeblich aus einem Gespräch von Dezember 2014 stammten, welches jedoch nicht aufgezeichnet worden war, so dass sie die mir in den Mund gelegten Zitate aus ihren Notizen erstellte:

1) Über Ihre gemeinsame Zeit im Doktorandenseminar: „Bernd war ein Nerd, bevor das Wort erfunden wurde.“ …  „Schon damals konnte ich feststellen: Lucke ist sehr gut darin, sich die Wahrheit winkeladvokatorisch zurechtzubiegen. Wahrscheinlich wäre aus ihm auch ein guter Jesuit geworden.“

2) Zur Anfangsphase der AfD: „Die Leute haben Lucke angebetet in der Anfangszeit, das hat ihm nicht gut getan“, sagt Alexander Dilger.

Darauf habe ich ihr geantwortet:

bitte die Zitate unter 1) nicht verwenden. Das zweite davon habe ich ziemlich sicher nicht geäußert (vielleicht eine andere Person?), auf jeden Fall ist es sachlich nicht richtig. Herr Lucke hat sich früher nicht „winkeladvokatorisch“ aufgeführt, doch auch heute liegt ihm juristisches Denken ziemlich fern. Aus ihm wäre auch nie ein guter Jesuit geworden, weil er Calvinist ist.

Das erste habe ich vielleicht so gesagt, würde es aber nicht mehr unterschreiben, weil es sachlich ebenfalls nicht richtig ist. Das Wort „Nerd“ stammt bereits aus den 1950er Jahren, auch wenn es erst später nach Deutschland kam. Außerdem hat es einen starken Computerbezug, der auf Herrn Lucke nicht zutrifft.

Sie argumentierte für ihre Formulierungen (wobei ich nicht weiß, ob ich das hier zitieren dürfte) und führt vor allem an, dass die folgende Formulierung bereits von mir freigegeben worden und im SPIEGEL erschienen war:

„Lucke war damals eher ein Nerd, der ganz in seinem Fachgebiet aufging und sich kaum an unseren politischen Debatten beteiligte“, sagt Alexander Dilger…“

Meine Antwort darauf war:

das ist doch eine ganz andere Nerd-Aussage, die Sie zitiert hatten und jetzt gerne wieder zitieren dürfen. Denn so dürfte ich das gesagt haben, aber doch nicht „bevor das Wort erfunden wurde“, da das gar nicht stimmt. Vermutlich verhält es sich bei den anderen Ausdrücken ähnlich, also dass sie gefallen sind, aber in anderen Formulierungen und Zusammenhängen (in den 1990er Jahren hatte Herr Lucke sich zumindest mir gegenüber nie irgendwie juristisch geäußert). Gerade wenn Sie mich wörtlich zitieren, sollte auch jedes Wort stimmen oder zumindest jetzt von mir zu eigen gemacht werden.

Sie ließ nicht locker, weil sie die Zitate bringen wollte und keinen Unterschied in den Formulierungen sah. Meine abschließende Äußerung dazu lautete:

„eher ein Nerd“ ist gerade kein vollgültiger Nerd, „der ganz in seinem Fachgebiet aufging“ stellte den Zusammenhang klar. Warum sollte er sich dann „winkeladvokatorisch“ geäußert haben? Dabei ging es sicher nicht um die 1990er, sondern um seine Satzungsauslegungen in der AfD.

Ich weiß nur, dass ich die angeblichen wörtlichen Zitate so nicht geäußert habe, da ich so nicht spreche, selbst wenn Sie keinen Unterschied sehen. Also könnten Sie ehrlicherweise höchstens schreiben, dass die Worte „winkeladvokatorisch“ und „Jesuit“ in unserem Gespräch gefallen sind. Ich werde mir dazu jetzt keine neuen Zitate ausdenken.

In ihrem Buch steht jetzt Folgendes (S. 118 f.), was formal meine Einwände teilweise aufgreift, doch inhaltlich nur sehr bedingt berücksichtigt:

Der BWL-Professor Alexander Dilger, zeitweise Landessprecher der AfD Nordrhein-Westfalen, kennt Bernd Lucke seit 1992. Die beiden saßen zusammen im Graduiertenkolleg für Angewandte Mikroökonomik an der Freien Universität Berlin [Herr Lucke war damals allerdings schon Habilitand, AD]. Dilger sagt [wohl kaum; um die Freigabe dieser Aussage hatte sie auch nicht gebeten, AD], er hätte damals wohl jedem einen Vogel gezeigt, der Lucke eine Karriere als Politiker prophezeit hätte. »Bernd war eher ein Nerd, der sich kaum an politischen Debatten beteiligte.« Aber in dem späteren Politiker Lucke erkannte Dilger viele Seiten des jungen Wissenschaftlers wieder, zum Beispiel die Unerbittlichkeit, mit der er seine Positionen verteidigte. Lucke sei sehr gut darin, sich die Wahrheit »winkeladvokatorisch« zurechtzubiegen. Dilger vergleicht ihn in dieser Hinsicht mit einem Jesuiten.

[…] »Die Leute haben Lucke angebetet in der Anfangszeit, das hat ihm nicht gutgetan«, sagt Dilger.

23 Gedanken zu „Von Amann mir zugeschriebene Zitate über Lucke

  1. Das Buch hatte ich auch schon einmal in der Hand. Ihr Artikel bestärkt mich darin, dass es richtig war, es nicht zu kaufen. Mein Eindruck war gleich, dass das Buch darauf ausgelegt ist billige tiefschläge zu landen statt eine fundierte analyse zu liefern. Das buch von justus bender dürfte in der Hinsicht etwas besser sein. Über eine ausführlichere Rezension hier würde ich mich freuen.

  2. Melanie Amann wird immer wieder vom Spiegel, und SPON als AfD Expertin bezeichnet. – Es war ihre erste Aufgabe in diesem politischen Bereich, sie übt immer noch rel. erfolglos, und sie stützt sich im Wesentlichen auf die durchgestochenen Infos von leider informationsinkontinenten Bundesvortandsmitgliedern. – Ergo: Bitte nicht überbewerten.

  3. Bernd Lucke vertrat ja inhaltlich gerade keine Positionen „unerbitterlich“. Selbst in zentralen Fragen, wie z.B. über die Zukunft der Währungsunion, Abgrenzung nach rechts hin, war er ja recht „dynamisch“.

    Er war lediglich unerbitterlich seiner politischen Karriere und seiner Selbstverliebtheit zugewandt. Letztere brach ihm politisch das Genick, weil auf der Grundlage von zahlreichen Fehleinschätzungen zahlreiche grobe Fehlentscheidungen folgten. Er schien sich zeitweise für eine Art Messias oder Prophet zu halten.

    „Winkeladvokat“ passt auf Lucke nicht, weil er ja ausschließlich seine eigenen Interessen wahrnahm. Es stellt sich lediglich die Frage, ob er für sein rechtliches Agieren, das ganz durch seine Selbstverliebtheit geprägt war, einen Winkeladvokaten unterstützend hinzuzog oder ob er sich die Sachen in „seinem Kämmerlein“ als eine Art von Nerd selber ausdachte.

    Ich sehe im politischen Lucke auch keinen Jesuiten-Typos. Dem politischen Lucke ging es allenfalls nachrangig um eine Weltanschauung. Er versuchte nicht, intellektuell die Realität in (s)eine abstrakte Ideologie / Religion hinein zu pressen, sondern sah die Realität – frei von intellektuellen Anstrengungen und eher geistig abgeflacht – aus der Perspektive eines Selbstverliebten, der einfach davon ausgeht, dass ihn alle so wie er sich wahrnimmt, als etwas Großartiges wahrnehmen müsse.

  4. Es nervt sich rechtfertigen zu müssen ohne Bezug von schriftlichen – oder Tonaufzeichnungen.

    Ihre sachlichen Bezug zu diese kompkexen Unterstellungen von Freau Amann habe ich -leider – nicht. Mit mir würden die Pferde durchgehen. Total Verriss meine Antwort !

    Bin Gott sei Dank nicht im öffentlichen Dienst, in der Industrie / Produktion kann man gerne mal Frust rauslassen ohne Angst vor Konsequenzen.

    Kollegen/innen a la Amann würden sich nur lächerlich machen. Niete bleibt Versager, gleich aus welchen Gründen.

    • Wenn ich noch einmal richtig politisch aktiv werden sollte, werde ich darauf bestehen, selbst immer Tonaufzeichnungen machen zu dürfen. Es bleibt das Problem, dass insbesondere aus längeren Gesprächen stets auch sinnentstellend zitiert werden kann. Das führt dann dazu, dass echte Politprofis wie Frau Merkel nur noch floskelhaft reden. Sie kann stundenlang reden, ohne inhaltlich etwas zu sagen, womit sie auch nichts Falsches sagt. Ihre falschen Taten werden hingegen vom Publikum viel zu schnell vergessen, wozu auch die Massenmedien beitragen.

      • Der erste Halbsatz hiervon gefällt mir besonders gut, weil es in mir die Hoffnung keimen lässt, dass Sie tatsächlich in die Politik zurückkehren. Übrigens verlagert die NRW-AfD ihren wirtschaftspolitischen Schwerpunkt derzeit massiv. Vom Ursprungsthema € hört man nichts mehr – stattdessen Forderungen, die so auch von der Linken stammen könnten (höchstmöglicher Mindestlohn, Grundeinkommen für alle, Maximalabsicherung bei Arbeitslosigkeit, Komplettverstaatlichung des Rentensystems). Ein Parteikollege hat sich mal die Mühe gemacht, das Wählerverhalten zur BTW 2013 und zur LTW 2017 anhand der Stadt Ennepetal zu vergleichen: Während die AfD in 2013 besonders in guten Stadtteilen mit ansonsten hoher CDU/FDP Affinität abschnitt, sind die signifikant besseren Wahlergebnisse der Afd 2017 in den Arbeitervierteln eingefahren worden. Die Partei hat sich seit Ihrem Weggang massiv verändert und unter den Neuzugängen sind heute besonders viele, die in den 70ern mit Kommunisten sympathisierten.

      • Es hat sich eben nicht nur die AfD verändert, sondern mit ihr auch ihre Wählerschaft. Liberal oder konservativ ist die AfD schon lange nicht mehr, aber zumindest in NRW wohl auch nicht mehr rechts, sondern in wesentlichen Fragen links oder einfach ganz offen opportunistisch und nur am eigenen Geldbeutel interessiert.

  5. Solche Statuten hätte der Lucke gerne gehabt:

    „Ebenfalls auf den Weg in Richtung Parteitag gebracht werden laut ÖVP die von Kurz gewünschten Änderungen der Parteistatuten. So wird Kurz ermöglicht, die Bundesliste der ÖVP ohne Zustimmung des Parteivorstands zu besetzen. Außerdem erhält der Parteichef ein Vetorecht gegen die Kandidatenlisten der Landesparteien für die Nationalratswahl. Generalsekretäre und Geschäftsführer der Partei kann Kurz im Alleingang bestellen und er soll „freie Hand“ für Regierungsverhandlungen und -team erhalten“
    http://www.orf.at/#/stories/2395038/
    Aber ein Vetorecht wäre ja nach deutschem Parteiengesetz, wohl kaum rechtlich möglich. ( gut und Bundesliste gibst in der BRD nicht).
    Das deutsche Parteiengesetz hat halt schon demokratische Vorteile, vielleicht ist es auch etwas überbürokratisch, aber in anderen EU-Ländern gibst es so Regelungen gar nicht. Siehe auch Holland mit der 1-Mann Wilders-Partei. Muss ja toll sein, den Parteitag mit sich selber, in der Badewanne abhalten zu können.

    • In Deutschland wäre das definitiv nicht möglich. Ich frage mich allerdings, ob es in Österreich wirklich legal ist oder ob es sich um Absichtserklärungen handelt, an die sich die Delegierten aber nicht halten müssen.

      • Ist natürlich legal, weil es keine gesetzliche Bestimmung gibt, wie Parlamentskandidaten aufgestellt werden müssen. ( das meinte ich ja mit demokratischen deutschen Parteiengesetz). Es gibt keine Delegierten, ( außer bei Grünen und Neos ) normalerweise stellt der Bundesvorstand die Bundesliste auf und der Landesvorstand die Landesliste.
        Manchmal bestimmt der Parteivorsitzende auch alleine die Listen auf, wie der austro-kanadischen Milliardär Frank Stronach. Für den Stronach kamen lauter Glücksritter ins Parlament, lauter Austro-Pretzells. Erst sich bei Frank reinschleimen und wenn man ins Parlament kommt und 5 Jahre gesichertes Einkommen hat, zeigt man ihm den Mittelfinger und verlässt die Partei, ( traten einige Parlamentsabgeordnete dann zur ÖVP und FPÖ über) da die Partei sowieso keine Chance mehr hat nochmals ins Parlament zu kommen.

        Ich glaub so ein Parteiengesetz, wo soviel geregelt ist, gibt es möglicherweise in keinem anderen EU-Land, nur in Deutschland.

      • Okay. Man kann darüber streiten, ob Parteien intern demokratisch verfasst sein sollten. In Deutschland geht das Parteiengesetz auf jeden Fall viel zu weit und schreibt eine bestimmte Funktionärsstruktur vor, die nicht nur weniger, sondern vor allem auch mehr Demokratie verhindert. Ich werde demnächst einen Lösungsvorschlag präsentieren, wie sich in Deutschland trotzdem mehr Demokratie, auch innerparteilich, wagen ließe.

    • Das Perfide ist hier doch, dass die mir zugeschriebenen Aussagen gar nicht gegen mich, sondern gegen Herrn Lucke verwendet werden sollen. Frau Amann hätte das auch einfach als ihre Meinung schreiben können, doch so wirkt sie eher wie eine neutrale Journalistin, die nur berichtet.

      • Der SPIEGEL war schon IMMER links. Was erwarten Sie da???

      • Bei Sozialisten und korantreuen Moslems ist Lügen und Betrügen ausdrücklich erlaubt!

  6. Von Dichter und Denker zu Experten und Expertinnen.

    Meist sind es ExpertInnen gegen Rechts oder Rechtsextremismus Forscher mit rotem Parteibuch.

  7. Arroganz und ein mangelndes Fingerspritzengefühl für Menschen, haben Bernd Lucke tief fallen lassen. Schade, dass er so schlecht beraten wurde!

  8. Außer Fleischhauer lohnt beim Spiegel nur wenig zum reinklicken, vom Kaufen ganz zu schweigen. Auch Bender von der faz hat ja ein AfD-Buch geschrieben, hierzu gibt es immerhin einen äußerst lesenswerten Artikel von Sarrazin, siehe achgut.com.

    Löst sich LKR jetzt auf oder gehen sie wirklich mit Lucke als Spitzenkandidat in den Wahlkampf um das zweite oder dritte Promille?

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