Diskussionspapier zur Finanz- und Eurokrise

Mein aktuelles Diskussionspapier „Wirtschaftsethische Überlegungen zur Finanz- und Eurokrise“ ist die schriftliche Fassung meines ‚Vortrag[s] zur Finanz- und Eurokrise in Graz‘. Die Zusammenfassung lautet:

Die Finanz- und Eurokrise sind das gegenwärtig wichtigste wirtschaftliche und wirtschaftspolitische Thema, welches auch wirtschaftswissenschaftlich noch stärker untersucht und diskutiert werden sollte. Etliche Akteure haben zu diesen Krisen beigetragen, darunter auch Wirtschaftswissenschaftler. Es werden Möglichkeiten vorgestellt, wie sich die immer noch anhaltenden Eurokrise beenden und eine Wiederholung verhindern lässt.

Der Beitrag lässt sich vermutlich in keiner Zeitschrift veröffentlichen. Außerdem gibt es eigentlich noch viel mehr zu dem Thema auszuführen. Das bringt mich zu einer bereits drei Jahre alten Überlegung zurück: Soll ich es doch noch schreiben, ein eigenes ‚Anti-Euro-Buch?‘

26 Gedanken zu „Diskussionspapier zur Finanz- und Eurokrise

  1. Die Wissenschaft muss sich vor allem im Hinblick auf die labilen politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in den nächstgrößten Industriestaaten der Währungsunion mit Ausstiegsszenarien befassen. Macron macht zwar derzeit eine gute Figur, aber ans Eingemachte, die Arbeitspolitik z.B., ist er noch nicht herangegangen. Es ist schon bemerkenswert, welch hohe Mobilisierungsfähigkeit die französischen Gewerkschaften bei sehr geringem Organisationsgrad bewirken.

  2. Ja, jedes Buch, das sachgerecht das Problem Euro thematisiert, ist wichtig. Natürlich gibt es schon viele ähnliche Publikationen, nur kann das m.E. kein Grund sein, nicht Ihren Standpunkt zu erlälutern und dabei auch neue Aspekte einzubringen. Wichtig ist es, die Diskussionen zu befeuern – auf allen Ebenen. Und dazu gehören verläßliche Fakten – wie in einem seriösen Buch!

    Ich erinnere an Cicero:
    „Die Arroganz der Behörden muss gemäßigt und kontrolliert werden. Die Zahlungen an ausländische Regierungen müssen reduziert werden, wenn der Staat nicht bankrott gehen will.“

  3. Der Wahlerfolg der großen Koalition beruhte darauf, dass die gegenwärtige Euro-Politik als alternativlos dargestellt wurde und den Wählern nicht klar war, dass sie unmittelbar selbst betroffen sind durch eine erodierende Alterversorgung, entgangene Zinsen und Zahlungsverpflichtungen in Höhe von Hunderten von Millarden Euro. Für die nächste Wahl gilt dies ebenso.
    Die Bedeutung von Target-II-Salden sind nur wenigen Leuten bekannt. Selbst unserem Finanzminister mußte Herr Sinn dies erst einmal erklären.

    Der Behauptung, es gäbe keinen Weg zurück aus dem Euro, muß ein klar definiertes Ausstiegszenario entgegengesetzt werden, dass alle Konsequenzen aufzeigt. Eine Volksabstimmung über einen Ausstieg müßte herbeigeführt werden – ist aber leider nicht zulässig.
    Ohne uns zu fragen, werden als Anwort auf den Brexit hastig Pläne zur weiteren und tieferen Integration der Euro-Zone gemacht: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/eurokrise/zukunft-europas-moegliche-aenderung-der-eu-vertraege-15041438.html

    Deshalb ist Ihr und jeder andere Beitrag wichtig, um den Wählern die Nachteile des Euros bewußt zu machen und Alternativen aufzuzeigen – sei es Anti-Euro-Buch oder -Verein.
    Vielleicht wäre auch ein neuer Protestaufruf Ihrer Zunft hilfreich, wie 2012: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/protestaufruf-der-offene-brief-der-oekonomen-im-wortlaut-11810652.html

    • Man könnte natürlich eine Volksabstimmung über den Euro machen. Was veranlasst Sie dazu zu glauben, dass eine Mehrheit für einen Ausstieg aus dem euro abstimmen könnte, gegeben, dass die pro- Euro Parteien aller Voraussicht nach 90%+ der Stimmen bei der anstehenden BTW holen werden?

      • In Deutschland gibt es keine Volksabstimmungen oder gar -entscheide auf Bundesebene. Wenn es sie gäbe, wüsste man nicht, wie sie im konkreten Fall ausgingen. Gerade deshalb lassen doch die Parteien im Bundestag das Volk nicht abstimmen, weil das ihre Macht erheblich schmälern würde. In unverbindlichen Umfragen gibt es zwar klare Mehrheiten für den Euro, doch nach einer breiten öffentlichen Diskussion könnte das bei einem verbindlichen Volksentscheid durchaus anders aussehen.

  4. Da Sie auch diese komplexe Problematik sehr anschaulich und allgemeinverständlich behandel können, wie ich mich gern und gut erinnere, sollten Sie nicht länger zögern; zumal die gestrige Moscovici-Erklärung die Notwendigkeit dringlich macht.
    Ich hoffe auf gutes Gelingen, anschließend viele Rescensionen und letztlich auch einen wirtschaftlichen Erfolg!

    • Ein wirtschaftlicher Erfolg lässt sich durch das Schreiben von Bücher eigentlich nie erzielen. Der Mindestlohn gilt nicht für Autoren. Bestenfalls hat das Buch eine kleine politische und populärwissenschaftliche Wirkung. Zumindest dient es zum Ordnen der Gedanken und ich werde über den Fortgang hier berichten.

      • Warum nicht mit Prof. Walter Krämer Kontakt aufnehmen, um etwas zusammen zu machen oder Tipps einzuholen und Kontakte herzustellen, z.B. zum Campus-Verlag …

      • Es ist schwierig genug, ein Buch allein zu schreiben. Zu zweit oder mehreren ist es schwieriger, wenn es sich nicht um einen Sammelband handelt, bei dem jeder für seinen eigenen Beitrag verantwortlich ist. Für solch einen Band wäre Herr Kollege Krämer allerdings ein guter Ansprechpartner. Über den Verlag mache ich mir erst Gedanken, wenn das Buch (fast) fertig ist. Ich verstehe die Kollegen nicht, die einen Vertrag vorher abschließen und dann auf Termin liefern müssen, ob sie wollen, können oder nicht.

  5. Ein Buch schreiben ist sicher eine gute Idee, v. a. wenn es eine Breitenwirkung entfaltet wie die des Herrn Sarrazin beispielsweise. Die Politik der „Eurorettung“ „funktioniert“ aber doch nur deswegen, weil sie ausschließlich für Spezialisten wie Sie durchschaubar ist – damit also praktisch im verborgenen abläuft und bei Nichtökonomen bestenfalls wohl nur zu einem diffusen Unbehagen führt. Was aus meiner Sicht wichtiger wäre, ist eine komplexitätsreduzierte Darstellung der Problematik, die plakat-, flyer-, facebook- und twittertauglich ist – auch weil Wahlkampf ist. Gern würde ich daran mitwirken.

    PS: Schön, daß es in diesen Zeiten Ihren Blog gibt. Der tut gut.

    • Mir fehlt die Berühmtheit von Herrn Sarrazin. Solch ein Buch könnte jedoch ein Bezugspunkt für plakative Forderungen sein wie die Wiedereinführung der DM. Diese Forderung kann man twittern oder auf ein Plakat drucken, die Begründung und Erklärung kaum.

      • Ein Buch müsste leicht zu lesen sein. Er bräuchte einen interessanten Titel und müsste sehr lebensnahe sein. Nur so würde es einen Mehrwert bieten. Fachdiskussionen gibt es genügend. Jeder Mensch mit Fachkenntnis hat sich auch längst eine Meinung gebildet. Es ist Ilse Müller und Max Schumacher, die es zu überzeugen gilt. Sehr gut finde ich häufig die Einleitungen von amerikanischen Bachelor-Lehrbüchern. Hier werden ökonomische Themen häufig sehr intuitiv und einfach behandelt. Das müsste auch Ihr Ziel sein.

      • Ich bezweifle, dass es genügend Fachdiskussionen dazu gibt, von breiten öffentlichen Diskussionen ganz zu schweigen. Vor fünf Jahren schien es zumindest in Deutschland auch mehr Konsens unter den Ökonomen zum Euro und vor allem gegen die Eurorettungspolitik geben. Vielleicht hat die AfD zu dessen Abbau beigetragen oder einfach ein Gewöhnungseffekt an Zustände, an denen man doch nichts ändern kann. Jedenfalls würde ich ein populärwissenschaftliches Niveau anstreben, welches idealerweise für Laien lesbar und trotzdem auch für Ökonomen und Wirtschaftsstudenten interessant ist.

      • Wahrscheinlich ist die AfD nicht gerade förderlich für Euro-Kritiker, da diese fürchten ihren Ruf zu verlieren, da sie sich keiner Verbindung mit der AfD aussetzen wollen.

        Das Thema ist schlichtweg momentan nicht an forderster Stelle. Migration ist spürbar, die Euro-Krise nur für Fachwissende. Niedrige Zinsen und geringe Kaufkraft (durch ungeeignete Wechselkurse) etwa bringen nur wenige Menschen mit dem Euro in Verbindung, auch wenn sie von den unmittelbaren Folgen wie unbezahlbare Immobilienpreise direkr betroffen sind. Hier ist Aufklärung in der Tat hilfreich. Ein Euro-Buch das aber auch zu solchen Themen ausholt, muss vor allem den breiten unwissenden Leser ansprechen, auch wenn im Idealfall auch noch Fachwissende davon profitieren sollten. Auf keinen Fall sollte es so daherkommen wie etwa das durch die Medien geisternde „Das Kapital“ von Piketty. Das habe ich ohne vorherige Leseprobe verschenkt. Allerdings blieb das Buch dann liegen, es war schlicht zu anspruchvoll. Dirk Müllers vorherige Auslassungen zum Euro wurden dagegen begeistert gelesen, grundsätzliche Affinität zum Themenkomplex VWL war also stets vorhanden.

      • Lieber Herr Dilger,
        Ich bin davon überzeugt, dass Sie die Hunderten Stunden Mühe und Arbeit sinnstiftender investieren könnten. Zweifellos haben Sie die Kenntnisse um ein solches Buch zu schreiben. Ihnen fehlt meines Erachtens aber der Name um die nötige Aufmerksamkeit erzielen können. Auf dem markt tummeln sich bereits viele bekanntere Leute (sarrazin, Dirk Müller, Sinn, starbatty, …), so dass es sehr schwierig sein dürfte daneben als vergleichsweise unbekannter Autor zu landen.
        Die Frage wie man mit gegebenem zeitbudget maximal viel gegen den Euro und unsere verhängnisvolle Politik ausrichten kann, treibt mich allerdings auch um und für jeden Tip bin ich dankbar.

      • Ich habe doch die letzten vier Jahre schon jeweils eine vierstellige Zahl von Stunden für Parteipolitik und diesen Blog geopfert, ohne dass es greifbare Erfolge gäbe. Trotzdem habe ich dabei viel gelernt, was bei solch einem Buch ebenfalls zu erwarten ist. Bei einem Buch geht es auch nicht allein um die Auflagenhöhe. Es gibt einflussreiche Werke, die (fast) niemand gelesen hat.

        Was können Sie gegen den Euro tun? Die Unterstützung der Euro-Kritiker und Werbung dafür könnte momentan den größten Unterschied machen. Wenn Sie in der AfD (oder einer anderen Partei) sind, lohnt darin auch ein Engagement gegen den Euro, damit dieses Thema nicht von anderen verdrängt wird oder in einen reinen Wettbewerb um die angeblich bessere Eurorettungspolitik mutiert.

  6. Ich kann Sie zu einem solchen Schritt nur ermuntern. Nach meinen Eindruck aus diesem Blog verfügen Sie über die seltene Fähigkeit, komplexe Sachverhalte durch klare Gedankengänge für den interessierten Laien verständlich darzustellen und trotzdem ein gewisses Niveau zu erreichen. Ich habe schon viele Bücher über den Euro gelesen und kann dennoch schon jetzt zusichern, dass ich es kaufen würde, weil ich mir Erkenntnisgewinn verspreche.

    Man muss bei einem solchen Projekt aber auch immer das Glück haben, dass die politische Situation passt. In einer akuten Flüchtlingskrise zum Beispiel (keine Ahnung, wie ich gerade darauf komme 😉), könnte selbst eine rein deutsche Milliardenzahlung an Griechenland keine Aufgeschlossenheit für das Thema erzeugen.

  7. Ich hoffe, dass die AfD trotz „Flüchtlingen“, die Themen Euro, Euro-Bonds, Bankenunion, Rettungsschirme, Target-2-Salden, u. ä. nicht aus den Augen verliert! Hier geht es um unseren Wohlstand UND um das Gründungsthema der AfD!!!

    • Genau diesen Eindruck habe ich aber leider. Es wird sporadisch etwas zu diesen Themen gesagt, aber setzen wird die AfD weiter auf ihr „Gewinnerthema“. Dabei merkt sie offenbar nicht, dass das trotz der aktuellen Anschläge immer weniger zieht. Die Frage ist auch, ob sie selbst bei erneuter Aktualität der Eurokrise ausreichend Kompetenz und Seriosität ausstrahlen kann, um hier etwas zu bewegen. Die wissenschaftliche Kompetenz der Anfangszeit hat sie jedenfalls verspielt. Frau Weidel mag kompetent sein, aber sie wird damit m. E. leider nicht nachhaltig durchdringen.

      • Die AfD muss zu wirtschaftspolitischen Themen wieder mehr Kompetenz aufbauen. Ich sehe ein paar gute Ansätze, auch von Leuten aus der 2. und 3. Reihe der AfD, die in den Bundestag kommen. Ob Sachverstand und sonstige Kompetenzen ausreichend sein werden, um sowohl für breitere Wählerschichten als auch die akademische Elite wieder attraktiver zu werden, steht derzeit natürlich in den Sternen.

      • Welche konkreten Ansätze und Personen sehen Sie denn? Mir scheint es eher, dass wie zuvor Herr Meuthen jetzt Frau Weidel ihre Rolle als liberale Hoffnungsträgerin bewusst aufgibt, weil damit innerparteilich kein Blumentopf zu gewinnen ist, auch wenn es der Partei insgesamt und nach außen nutzen würde.

      • Der Terroranschlag in London zeigt leider, dass unsere Sicherheit momentan noch vor dem Euro steht. Und das sage ich als entschiedener Gegner des Euros und als Volkswirt. Der Euro darf nicht vergessen werden. Aber wichtigster und dringendster Punkt momentan ist und bleibt die Bedrohung durch den Islam und die Bedrohung durch unkontrollierte Völkerwanderungen.

      • Die Probleme hängen doch zusammen, insbesondere über unser Spitzenpolitiker, die für diese Probleme oder zumindest deren Verschärfung unmittelbar verantwortlich sind.

      • @ Peter Burger
        In der Tat ist der korangetreue, radikale Islam derzeit unsere größte Bedrohung! Wenn echte Links-Grüne ihre Ideologie ernst nehmen würden, müssten die eigentlich die größeren Islam-Gegner sein. Aber Konservative werden dafür in die „rechte Ecke“ gestellt.

      • Wenn viele (nicht alle) Linke und Grüne Deutschland abschaffen wollen, sind sie doch auf dem richtigen Weg dazu. Im Übrigen ist der Islamismus eine aktuelle Bedrohung, aber keineswegs die einzige und meines Erachtens auch nicht die größte.

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