Denkbarer Maximalverlust aus den EZB-Anleihenkäufen

Das ‚Bundesverfassungsgericht dankt[e] ab‘, als es um Outright Monetary Transactions (OMT) der Europäischen Zentralbank (EZB) ging, die zum Glück bislang nicht zum Einsatz kamen. Aktuell läuft ein weiteres Verfahren um das tatsächliche Anleihenkaufprogramm der EZB, das bis Ende des Jahres ein Volumen von 2,3 Billionen Euro erreichen soll. Dazu informierte jetzt die EZB offiziell das Bundesverfassungsgericht: Diese Form der „Euro-Rettung könnte Deutschland bis zu 95 Milliarden kosten“. Diese angebliche Obergrenze wurde folgendermaßen berechnet:

Aus den Antworten der EZB geht nun hervor, dass die Mitgliedstaaten zum einen für die Staatsanleihen haften, die die EZB selbst kauft. Zum anderen müssen sie auch gemeinsam für Verluste aus Anleihen von internationalen Organisationen oder Entwicklungsbanken einstehen, die die EZB oder Mitgliedstaaten erwerben. Beide Gruppen von Papieren stehen für 20 Prozent aller Anleihekäufe aus dem öffentlichen Sektor – und damit für Papiere im Wert von 380 Milliarden Euro. Weil Deutschland über die Bundesbank mit 25 Prozent der größte Anteilseigner der EZB ist, trägt die Bundesrepublik dabei das größte Risiko.

Einerseits ist es extrem unwahrscheinlich, dass tatsächlich alle Anleihen (einschließlich Bundesanleihen) ausfallen. Andererseits ist mit 95 Milliarden Euro dann noch längst nicht die Obergrenze für Deutschland erreicht. Erstens muss die EZB selbst einräumen, dass auch für die restlichen fast zwei Billionen Euro an Anleihen, die die einzelnen Notenbanken aufkaufen, eine Vergemeinschaftung möglich ist:

Bleibt die Frage, was mit den 80 Prozent der Anleihen ist, die die nationalen Zentralbanken kaufen. Der einfache Teil der Antwort: Verluste, die daraus entstehen, bleiben an dem Mitgliedsstaat hängen, dessen Zentralbank sie kauft. Die EZB schreibt, bei diesen Käufen finde „keine Risikoteilung statt“. Der kompliziertere Teil: Über einen Paragrafen in der Satzung der EZB könnten die anderen Mitgliedsstaaten doch zur Haftung herangezogen werden.
Demnach kann nämlich der EZB-Rat entscheiden, dass Länder „für spezifische Verluste“ aus „währungspolitischen Operationen“ entschädigt werden. Soll heißen: Fällt etwa eine Anleihe aus, die die italienische Notenbank gekauft hat, kann der EZB-Rat entscheiden, dass die anderen Länder Italien einen Teil des Verlusts abnehmen.

Zweitens ist gerade dann, wenn etliche Staatsanleihen ausfallen, damit zu rechnen, dass sich die Beteiligungsquote Deutschlands erhöht, weil andere Staaten insolvent sind oder sich einfach aus der Eurozone verabschieden, ohne noch eine Schlussrechnung bezahlen zu wollen. Im schlimmsten Fall bleibt Deutschland auf allen Verlusten sitzen, so dass der theoretisch mögliche Maximalschaden allein aus dem Anleihenkaufprogramm nicht bei 95 Milliarden Euro liegt, die vielleicht noch verkraftbar wären, sondern bei 2,3 Billionen Euro.

5 Gedanken zu „Denkbarer Maximalverlust aus den EZB-Anleihenkäufen

  1. Maximalverlust, haben wir – Kollegen eingeschlossen im Unternehmen, Bereich Industrie – ebenfalls gesehen.

    Nationen die nicht mal eigenen Haushalt finanzieren können fungieren als Schuldner der EZB , Deutschland haftet zu 100 % da , wie v.g. , Schuldner in der Insolvenz eh nichts haben.

    Sei denn, man schickt Bundeswehr mit Frau Uschi in die europ. Hauptstädte. Das wird lustig.

    Kommende Desaster x – fach detailliert benannt , durchgerechnet, gleichwohl sitzt der coole Bundesbankdirektor Jens Weidmann am großen Tisch der EZB , nickt Draghis irreale Politik des Null – Zinsen – Geldes ohne Einspruch ab. FM Schäuble bestätigt.

    Wahnsinn, wann endlich erhält Professor Alexander Dilger in ARD / ZDF Möglichkeit zur Information mit Aufklärung analog der o.g. schonungslosen Analyse.

    • Ist schon ein paar Jahre her, dass ich mir diese Talkshows angeschaut habe. Aber leider gibt es dort zu wenig Zeit, um verständlich die Risiken aufzuzählen und vor allem auch verständlich zu erklären. Talkshows sind ideal für Politiker, die nichts von dem Zeug verstehen, was sie erzählen, aber gleichzeitig ihre wohlklingenden und vorher einstudierten Plattitüden abgeben können.

      Prof. Sinn, der ja einst durchaus Dauergast in Talkshows war, hat deshalb auch angekündigt nicht mehr in Talkshows zu gehen, da ihm das Niveau dort zu niedrig und die Sprechzeit zu gering ist. Prof. Sinn hat sich ja durchaus immer kritisch über den Euro geäußert, auch wenn ihm in der letzten Konsequenz und Schlussfolgerung der Mut verlässt.

      Max Otte war ja auch so ein Dauergast. Leider ist er zu zurückhaltend und zu höflich, um auf dem Parkett der Talkshows zu bestehen und zu brillieren.

      Andere, die das können wie z.B. ein Dirk Müller, hat man irgendwann einfach nicht mehr eingeladen. Er war eloquent und konnte anders als die Ökonomen den kleinen Mann erreichen. Da war es nicht so leicht, ihn als abgehobenen Theoretiker zu diffamieren.

      Prof. Lucke war ja auch oft zu Gast. Leider hat er zwar stets klug gesprochen, aber nie für den kleinen Mann verständlich erklären können, warum der Euro jetzt genau schlecht ist. Eine Vorlesung ist eben etwas anderes als eine TV-Talkshow, da muss man anders auftreten. Das können nur wenige, Prof. Raffelhüschen ist einer von ihnen. Der ist aber auch nicht der typische Professor, der nur druckreife Sätze spricht, sondern hat auch im Hörsaal einen lockeren Stil. Leider lädt man ihn zu selten ein, er ist nicht nur ein Rentenexperte und kritisch bezüglich der Flüchtlingszahlungen, sondern hinterfragt auch die Euro“rettungspolitik“.

  2. Und das dürfte noch nicht alles sein. Die kommende enge(re) Zusammenarbeit mit den Mittelmeerländern wird Deutschland regelrecht finanziell aussaugen, zumal vor dem HIntergrund Brexit. Auch hier kann man nur sagen: Danke, Frau Merkel!

    • Die „Forderungen der Bundesbank aus TARGET2“ beliefen sich am 30. April 2017 auf 843.439.155.523,58 Euro (hier gibt es immer den aktuellsten veröffentlichten Wert). Der Wert steht zusätzlich im Feuer, wobei die EZB argumentieren würde, dass Deutschland davon im schlimmsten Fall auch „nur“ 25 Prozent tragen müsste, was aber eben nicht der wirklich schlimmste Fall ist.

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