EU-Kommission sucht Experten mit Geld statt ordentlichen Verfahren

Irgendwann hatte ich mich hier als Experte bei der Europäischen Kommission angemeldet, um gegebenenfalls für verschiedene Forschungsprogramme als Gutachter für dort eingehende Anträge tätig zu werden. Die Programmierung der Seite ist jedoch ziemlich schlecht und man wollte, dass ich über immer mehr Stöckchen springe. Aufgegeben habe ich, als die elektronische Kopie meines Ausweises nicht reichte, weil es nur die Vorderseite war, sondern zusätzlich auch eine Kopie der Rückseite verlangt wurde. Seitdem ist es mir nicht gelungen, meine Daten wieder selbst zu löschen oder löschen zu lassen, was die Kommission bzw. deren Angestellte auch auf mehrfache Bitte hin nicht tun, sondern mich weiter lustig mit Aufforderungen zum Abschluss meiner Anmeldung und Angeboten für weitere Begutachtungsrunden zumüllen. Von Datenschutz und dem Selbstbestimmungsrecht der Bürger hält die EU also auch an dieser Stelle nichts.

Es lässt sich noch eine andere Lehre aus dieser Erfahrung ziehen. Ich würde wahrscheinlich umsonst ein bis zwei Gutachten anfertigen, wie ich das auch für viele wissenschaftliche Zeitschriften und einige andere Organisationen tue. Dann müsste man mir bei der Arbeit allerdings auch entgegenkommen und nicht solch einen bürokratischen Aufwand verursachen. Die Europäische Kommission will jedoch nicht darauf verzichten, verschleudert aber im Gegenzug Honorare von 450 Euro pro Tag. Manche mag das motivieren, jeden Blödsinn mitzumachen, während für gestandene Wissenschaftler nach Steuern gar nicht so viel übrigbleibt. Im Ergebnis gibt die EU Geld dafür aus, dass sie eine schlechtere Leistung bekommt, als sie umsonst bei in der Wissenschaft üblichen Gepflogenheiten bekommen würde. Im konkreten Fall führt das dazu, dass dann noch viel mehr Gelder, nämlich für die eigentlichen Forschungsanträge, willkürlicher vergeben werden. Doch vielleicht ist das der eigentliche Zweck der ganzen Übung.

11 Gedanken zu „EU-Kommission sucht Experten mit Geld statt ordentlichen Verfahren

  1. Die EU ist extrem bürokratisch, sündhaft teuer, wenig transparent, hat ein großes Demokratiedefizit und dient vor allem der Versorgung ihrer Repräsentanten.

      • Warum wollen Sie auch für die EU arbeiten?

        Lassen Sie ihre wertvolle Arbeitskraft doch lieber Zeitschriften zukommen, die sie auch verdienen. Oder fördern Sie Studenten, damit unsere Zukunft vielleicht ein wenig rosiger wird.

        Die EU schafft es selbst das einzig Gute, das sie anzubieten hat, nämlich Erasmus, mit Bürokratie so vollzumüllen, dass man fast aufgibt. Und selbst das nutzt sie dann noch sofort als Erpressungsmittel (man denke an die Reaktionen auf die Volksabstimmung zur Personenfreizügigkeit in der Schweiz), um politischen Streit auf dem Rücken von machtlosen Studenten auszutragen. Das alleine zeigt doch den völlig verkommenen Charakter der EU.

        Nein, für diese EU würde ich ohnehin nicht arbeiten wollen.

      • Als Wissenschaftler hat mich das interessiert (nicht nur das Anmeldeverfahren, sondern vor allem, was danach kommt, was ich jetzt nicht mehr erfahre). Außerdem wirkte die erste Anfrage ganz harmlos. Auch bei vielen Zeitschriften muss man sich als Gutachter anmelden, aber nicht mit so einem riesigen Aufwand.

      • Glauben Sie, dass sie mit Ihrer Kritik an der EU, denn überhaupt eine Chance bekämen? Schön wäre es ja und ganz im Sinne der Wissenschaft. Leider glaube ich daran nicht mehr. Auch in der Wissenschaft zählen nicht mehr Fakten, auch die Wissenschaft ist längst korrumpiert und lebt nach dem Motto „wes Brot ich ess, des Lied ich sing“. Anders kann ich mir jedenfalls die naiven Aussagen eines Prof. Fratzschers oder Prof. Felds zu den Kosten der Flüchtlingskrise nicht erklären. Dass es zum Glück noch anders geht und es nicht nur Karrieristen gibt, zeigen Menschen mit Ecken und Kanten wie Prof. Raffelhüschen.

      • Bei der Begutachtung wäre es inhaltlich nicht um die EU gegangen, sondern um Forschungsanträge zu irgendwelchen wissenschaftlichen Themen. Die rein politische Vergabe von Forschungsgeldern insbesondere an die deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute ist jedoch ein großes Problem. Unabhängige Forschung findet am ehesten an Universitäten statt, die vom deutschen Föderalismus profitieren, den ausgerechnet die FDP weiter abbauen will.

      • Und genau diese Vorzüge der Unabhängigkeit werden im Zuge einer verstärkten „Praxisorientierung“ der Universitäten vernichtet.

        Wir hatten in Deutschland das beste Bildungssystem der Welt, heute wird alles nach unten angeglichen. Der Akademisierungswahn, angeblich der sozialen Mobilität dienend, verschärft soziale Gegensätze und erschwert den Aufstieg. Das Abitur lässt sich mit ausreichend Nachhilfestunden erkaufen, spätestens seit es keine verbindlichen Grundschulempfehlungen mehr gibt. Das Studium ist zum Massenphänomen geworden und ein guter Studienabschluss garantiert längst nicht mehr ein gutes Auskommen. Weil er und die Noten nichts mehr aussagen, werden Auslandserfahrungen oder gute Praktikas immer wichtiger, im Vorteil jeweils wer von Beruf Sohn ist und über das nötige Kleingeld und Verbindungen verfügt. Auch zählt bei der Bewerbung jedes Zehntel, ob es überhaupt für das Bewerbungsgespräch reicht. Im Vorteil wiederum derjenige, der nicht arbeiten musste und sich länger Zeit lassen konnte, weil das Bafög nicht nach der Regelstudienzeit gestoppt wurde. Weil bei Studenten geknausert wird und anders als bei Flüchtlingen das Geld nicht zum Leben ausreicht, muss der Student in Zeiten ansteigender Mieten zum Bafög auch noch Geld hinzuverdienen, obwohl das Studium als Vollzeitstudium konzipiert ist. Auch das wird sich auf die Noten nicht positiv auswirken.

        Auch familienpolitisch ist es eine Katastrophe. Waren die Kinder früher aus dem Haus, als sie volljährig wurden und haben ihr eigenes Geld verdient, so müssen sie heute bis 25 finanziert werden, bis das Studium endlich vorbei ist. Da kann sich eine normale Mittelschichtfamilie mehrere Kinder, die gleichzeitig studieren, erst gar nicht mehr leisten. Die wiederum bekommen erst gar keine Kinder mehr, weil es zum Ende der Ausbildung dafür schon fast zu spät ist.

        Wir rennen mit offenem Auge in unseren eigenen Untergang und freuen uns auch noch darüber.

      • Je mehr sich die Politik aus der Wissenschaft heraushält, desto besser!
        Machen sie aber nicht. Die Politisierung aller Lebensbereiche ist ein altes Lieblingsthema aller Linken.


      • Die Politisierung aller Lebensbereiche

        Das klingt irgendwie nach Faschismus. Oder ist da meine Definition völlig abwegig?

      • Es geht eher in Richtung Totalitarismus, wovon es gleich mehrere linksextremistische Spielarten gibt. In Deutschland und der EU sind wir allerdings weit entfernt davon. Um die eigene Macht auszuweiten, will man eher möglichst unpolitische Bürger.

  2. “ . . .Die rein politische Vergabe von Forschungsgeldern insbesondere an die deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute ist jedoch ein großes Problem. . .“
    Die Auftragsvergabe der Politik an Wirtschaftsforschungsinstitute wie auch an die namhaften Unternehmensberatungen und Klimaforscher erfolgt unter dem Gesichtspunkt der Machtsicherung, erleichtert durch die Stimmenvielfalt der Institute. Christian Wulff hat (während seiner Zeit als MP) zum Ärger von Roland Berger auf diesen Zusammenhang und auf den Fakt hingewiesen, dass die Auftragnehmer sehr häufig mit afrikanischer Münze zahlen.
    Das Problem wird nicht mit wissenschaftlichen Gutachten, sondern nur mit politischem Einfluss gelöst. Umso bedauerlicher ist, dass sich die AfD mangels qualifizierter Führungskräfte politischer Mitwirkung entzieht (und wer hier wieder mit den Geheimwaffen aus Ba-Wü kommt, der möge sich nur mal das Interwiev mit Frau Weidel vom 6.5.17 in der FAZ ansehen).

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