Weitere Griechenlandkredite für neue Reformversprechen

„Griechenland einigt sich mit Geldgebern“. Einmal mehr (siehe zuletzt ‚EU-Finanzminister für neue Griechenlandkredite und Finanztransaktionssteuer‘ und ‚Neue Milliarden für Griechenland und antizipierte Verluste‘) werden Kredite gegen Reformversprechen getauscht. Das ist gleich mehrfach negativ. Man sollte schlechtem Geld kein gutes hinterherwerfen. Griechenland ist faktisch überschuldet und es handelt sich hier um eine Form von Insolvenzverschleppung, wobei ein Insolvenzverfahren für Staaten fehlt. Zugleich sollte einem demokratischen Staat nicht solche Reformversprechen durch höchstens sehr indirekt demokratisch legitimierte Organisationen abgenötigt werden. Die Griechen müssten unter sich diskutieren und demokratisch entscheiden, welche Reformen sie (nicht) wollen. Schließlich lehrt die Erfahrung, dass viele dieser Versprechen ohnehin nicht umgesetzt werden, sondern für ihre Erneuerung dann nochmals Kredite verlangt werden, die jedoch größtenteils ohnehin nicht mehr Griechenland zugutekommen, sondern zur Ablöse alter Kredite und Zinsen gebraucht werden.

39 Gedanken zu „Weitere Griechenlandkredite für neue Reformversprechen

  1. Ich bin ein überzeugter Marktwirtschaftler und garantiert kein Linker! Aber genau so, wie ich Misstrauen gegenüber Regierungen hege, traue ich übermächtigen Global Playern auch nicht. Einer der schlimmsten „Heuschecken“ dabei ist die Investmentbank Goldman Sachs, die Griechenland mit Bilanztricks geholfen hat, die Kriterien zum Euro-Beitritt zu erschleichen. Am Zusammenbruch der IKB, die dann mit deutschem Steuergeld gerettet werden musste, waren sie durch unsichtige Immobilienpapiere, bei denen sie gegen ihre eigenen Kunden wetteten, auch beteiligt, ohne dass je ein Goldman Sachs Manager hinter Gitter gekommen wäre. Leider linkslastige Comedy, aber nicht zu bestreiten:

    • Man muss solche Investmentbanker nicht gleich einsperren, wofür wohl die Rechtsgrundlagen oder zumindest die Beweise fehlen. Es wäre schon viel gewonnen, wenn sie nicht zu Regierungschefs, EZB-Präsidenten und Kanzlerinberatern gemacht würden.

      • Ich habe 20 Jahre für ein großes Unternehmen gearbeitet, das die Produkte für seinen europäischen Markt in Italien hergestellt und sie auf dem Papier seiner schweizer Muttergesellschaft verkauft hat. Die hat die Produkte dann zu deutlich höheren Preisen in die anderen Ländergesellschaften, auch nach Deutschland, weiterverkauft, so dass dort keine Gewinne mehr entstehen konnten und das Geld in der Schweiz in einem Kanton verdient wurde, wo der Steuerstatz mit dem Bürgermeister auszuhandeln war. Alles ganz legal! Fast alle Global Player machen das so, der Fall Starbucks war ja groß in der Presse.

        Jean-Claude Juncker hat als luxemburgischer Regierungschef und Finanzminister solche Steuersparmodell für Multis noch perfektioniert. Als das EU-Parlament dazu einen Untersuchungsausschuss einsetzen wollte, hat der damalige Parlamentspräsident Martin Schulz diesen verhindert, um seinen Amigo Juncker zu schützen.

        Ich gehöre ausdrücklich nicht zu den Leuten, die aus Propagandagründen rufen „nehmt es von den Reichen„. Neidkomplexe sind mir fremd! Aber es kann nicht sein, dass kleine und mittlere Firmen mehr Steuern bezahlen, als trickreiche Global Player. Da haben wir in der Tat eine Gerechtigkeitslücke!

      • Insbesondere Herr Juncker lebt nicht für Europa, sondern von Europa. Weltkonzerne sollte nicht anders besteuert werden als andere Unternehmen auch, weder höher noch niedriger. Gegen steuervermeidende Transferpreise und Sitzverlagerungen ließe sich durchaus etwas tun, doch es fehlt einmal mehr der politische Wille. Herr Schulz ist auch kein Vertreter der einfachen Leute, sondern „der reichste Kanzlerkandidat der Geschichte“ allein durch die Politik.

    • Ähm sorry, aber Deutschland hatte genau so wir Italien, Spanien und Portugal über Goldman&Sachs umgeschuldet, was an sich ja auch nichts schlimmes ist. Bei Griechenland aber bestand das Problem, das selbst der Schuldenstand zum Umschulden schön gerechnet wurde, was mit sicherheit nicht im interesse von G&S war. Was denkst du denn, für welchen Vertragspartner die Abschreibung der griechischen Investments, schlussendlich als Belastung aufgekommen ist?

      Für die Finanzwirtschaftkrise dürfen wir uns bei Bush Senior und Bill Clinton bedanken. Unter Bush Senior hatte das NAFTA-Abkommen zu verantworten, welches dann von Bill Clinton 1998 durchgesetzt wurde und womit defacto die Staatlichen Handelsrechte privatisiert und die Import/Export Zölle zwischen USA – Kanada – Mexico aufgehoben wurden. Deswegen konnten aus den USA ganze Industriezweige z.b. Automobil- und Zuliefererindustrie (Rust Belt) in das im vergleich Billiglohnland Mexiko abwandern, die Arbeiter in den USA haben ihre Jobs verloren und konnten ihre Hypotheken nicht mehr bedienen, haben als möglichkeit das Umschulden angeboten bekommen natürlich ohne die Neuverschuldung überhaupt bedienen zu können, woraus eine Immobilienblase entstanden ist die dann 2008 – also 20 Jahre nach der Grundlegenden Ursache dafür – schlussendlich geplatzt ist inkl. den mittlerweile im Finanzmarkt zugehörigen und völlig legitim entstandenen Finanz- und Investmentprodukten. Das private Unternehmertum in den Marktwirtschaften egal ob Automobil- oder Finanzindustrie dafür anzuklagen, dass diese wirtschaftliche Unternehmung betrieben haben um Gewinne zu erzielen ist kleingeistiger Schwachsinn. Das ist der eigentliche Sinn und Zweck einer freien Marktwirtschaft.

      Die gesamte Schuld daran hat alleine die inkompetent betriebene Politik zu verantworten! Nur aufgrund dessen wirtschaftsrechtlich Deregulierenden übergreifen der Freie Marktwirtschaft konnte über einen Prozesszeitraum von 20 Jahren, überhaupt erst zu solch einer Ausgangssituation kommen. Welche von Politischer Inkompetenz geführte Volkswirtschaft als nächste, mit völlig aus dem Gleichgewicht getretenen Wirtschaftsmärkten offensichtlich vor die Wand gefahren wird ……… sollte eigentlich klar sein. Ich tippe mal auf das Jahr 2020.

      mfg

      • Ihren Ausführungen kann ich nicht folgen. Welche Schulden soll Goldman Sachs umgeschuldet haben? Freihandel hat die Welt viel reicher gemacht. Milliarden Menschen sind in den letzten Jahrzehnten der absoluten Armut entkommen. Die Finanzkrise in den USA hatte mehrere Ursachen, NAFTA gehörte nicht dazu. Das Hauptproblem in Europa ist auch nicht der gemeinsame Binnenmarkt, sondern der Euro. Welche Volkswirtschaft wird denn jetzt Ihrer Ansicht nach vor die Wand gefahren?

      • Hier bin ich Ihrer Ansicht. Griechenland wird aber momentan sehr wohl an die Wand gefahren, weil Griechenland
        a) die passende Währung verwehrt bleibt
        b) der längst notwendige Schuldenschnitt ausbleibt.

        Nur mit einer neuen abgewerteten Währung wird wieder ernsthaftes Wachstum möglich sein und nur mit einem formalen Abbau der Schuldenlast wird auch wieder ernsthaft (hoffentlich diesmal sinnvoll) investiert werden, weil vorher die mit dem Schuldenstand verbundene Unsicherheit Wachstumschancen hemmt. Diese Kredite in die Ewigkeit mögen ökonomisch zwar ein Schuldenschnitt darstellen, die Wirkung ist aber eine ganz andere als ein sofortiger auch formaljuristisch erklärter.

        Die EU und die Staaten Europas betreiben eine Insolvenzverschleppung feiern sich auch noch dafür. Schlimm ist, dass das nicht nur bei den Staaten passiert, sondern auch bei den Banken. Die EZB leistet keine Liquiditätshilfen, sondern hält lauter insolvente Banken am Leben. Dass auf der Basis lauter Zombiebanken kein realwirtschaftliches Wachstum entstehen kann, sollte dem Dümmsten klar sein.

      • Aus meiner Sicht wurde Griechenland längst gegen die Wand gefahren. Jetzt geht es darum, ob man sich endlich um die Verletzten kümmern und den Schaden beseitigen will oder das weiter aktiv verhindert. Eine eigene Währung mit Abwertungsmöglichkeit ist nötig. Auch ein Schuldenschnitt wird irgendwann kommen müssen, doch in der jetzigen Lage ohne sonstige Änderungen bin ich dagegen. Denn dann würden gar keine Reformen stattfinden und auch keine Investitionen getätigt, sondern einfach von neuen Krediten gelebt. Insolvente Banken sollten hingegen sofort abgewickelt werden.

      • Die neuen Kredite müssen aber von irgendwoher kommen.

        Tritt Griechenland aus dem Euro aus, gibt es keine Kredite mehr über das EZB-System der Target-Salden. Außerdem müssen natürlich auch die EU und andere Institutionen ihre Zahlungen an Griechenland stoppen. Eventuell wären Kapitalverkehrskontrollen sinnvoll, nicht dass der private Sektor wieder einen nicht-nachhaltigen Kreditboom finanziert, der letztendlich beim Steuerzahler landet. Vorher bräuchte es auf jeden Fall ein Basel 4 mit drastisch erhöhten Kapitalanforderungen (nichts mehr mit Risikogewichtungen, wo Staatsanleihen auch heute noch fast risikolos bewertet werden).

        Muss Griechenland dann mit dem auskommen, was es tatsächlich hat, kann auch wieder etwas entstehen. Die jetzigen Zinszahlungen (wenn auch teilweise ausgesetzt) sind viel zu hoch, es fehlt auch jeder Anreiz sparsamer zu haushalten, Überschüsse würden eh nur beim Gläubiger landen.

        Die jungen Menschen in Südeuropa werden verraten und verkauft. Sie sind ohne Perspektive und fühlen das auch. Gewinner gibt es praktisch keine, außer Rentner, deren Rente eine hohe Kaufkraft behält. Diese müssen sie aber für ihre Familie aufwenden, denn die Enkel bleiben nicht selten arbeitslos.

      • Griechenland hatte wie viele andere EU Erststaaten und spätere Beitrittsländer auch, über G&S (standard Geschäft bei allen Investmentbanken) in sogenannte Devisenswaps investiert, um die Vorgabe beim Staatsdefizit zu erfüllen. Bei einem Devisenswapgeschäft handelt es sich um die Kombination eines Kassageschäftes mit einem Termingeschäft, und zwar werden Devisenkassakauf mit Devisenterminverkauf oder umgekehrt getauscht. Dabei wird gleichzeitig der Tausch zweier Währungen zum Tag des Geschäftsabschlusses und der Rücktausch zu einem späteren Zeitpunkt vereinbart. Wegen der Kombination mit einem Termingeschäft ist das Swapgeschäft ein Kurssicherungsgeschäft. Investoren nutzen solche Transaktionen üblicherweise, um Wechselkurs- und Zinsrisiken abzusichern. Bei dem Swap ging es darum, Schulden im Wert von rund zehn Mrd. Dollar, die in US-Dollar und in Yen denominiert waren, in Euro umzuwandeln. Angeblich legte Goldman dabei Wechselkurse zugrunde, die unter dem tatsächlichen Marktpreis lagen. Was aber eigentlich Unsinn ist, da im Internationalen Devisenmarkt die Nettoauslandsinvestitionen unabhängig vom realen Wechselkurs Angebot darstellen. Auf diese Weise kam die griechische Regierung in den Genuss einer Einmalzahlung, die quasi einem Kredit von Goldman Sachs entsprach. Natürlich muss das Geschäft auch später wieder mit Zinsen zurück gekauft werden, was A. einer temporären Umschuldung entspricht und B. kein Problem ist wenn die Einmalzahlung korrekt in den eigenen Wirtschaftskreislauf investiert, die Konjunkturquote erhöht und so mehr Steueraufkommen generiert.

        Wie gesagt ist daran überhaupt nichts auszusetzen und die Überzeugung das wirtschaftliche Marktteilnehmer mittels unlauteren Wettbewerb, auf dauer erfolgreich bestehen können sowieso Ökonomisch-dysfunktional verdrehter Nonsens. In dieser Hinsicht habe auch überhaupt kein Problem mit dem freien Warenhandel, egal ob National, Regional, Supranational oder Global, für den wirtschaftshandel gibt es eh nur eine legitime Marschroute: Mehr!

        Da Marktteilnehmer immer die politischen wirtschaftsvorgaben voll ausnutzen müssen um keinen unternehmensunfähigen Wettbewerbsnachteil zu erleiden, habe ich auch damit bestimmt kein Problem. Womit ich definitiv ein Problem mit habe, sind inkompetente Politiker die davon Überzeugt sind oder werden, das Deregulierungen der Rechtsstaatlichen Wirtschaftsvorgaben irgendetwas mit einem Fairen Freihandel haben, in dem naiv-romantischen Irrglauben daran das Moral und Ethik relevante Faktoren in der Privaten Marktwirtschaft wären. Das ist Bullshit, wenn die Politik mir erlaubt meine Mitarbeiter durch Lohnwucher auszubeuten und dadurch meine Bilanzen aufgewertet werden, dann beute ich meine Mitarbeiter aus PUNKT. Jede andere Option wäre eine unternehmerische Fehlentscheidungen. Wenn mir der Staat erlaubt ohne Einschränkungen Marktteilnehmer zu bleiben, auch wenn ich mit meinem Kapitalstock in eine andere Volkswirtschaft abwander weil Ich dort deutlich niedrigere Lohnkostenaufwendungen aufbringen muss, dann bin ich ganz einfach bereits vorgestern aus dieser Volkswirtschaft verschwunden, weil für mich als Marktteilnehmer so ein massiver Wettbewerbsvorteil in diesen Absatzmarkt entsteht. Gerade weil mir dabei von vorne herein klar ist, das eine Wirtschaftspolitik die solchen ökonomisch inkompetenten Schwachsinn verzapft, sich alleine schon des Machterhaltes wegen bei jeder ausschließlich politisch geschuldeten Wirtschaftskrise wieder neuen inkompetenten Schwachsinn einfallen lässt und Ich daran auch niemals etwas werde ändern können.

        NAFTA: Mit Inkrafttreten des Freihandelsabkommens wurden zahlreiche Zölle abgeschafft, viele weitere wurden zeitlich ausgesetzt. Im Gegensatz zur Europäischen Union nimmt NAFTA keine supranationalen Regierungsfunktionen wahr und seine Bestimmungen nehmen auch keine Vorrangposition gegenüber nationalem Recht ein. Nafta gewährte ausländischen Investoren neue Privilegien [nach 499 Wörtern 892 weitere abgeschnitten, AD].

      • Natürlich können Unternehmen mit unlauteren Praktiken langfristig bestehen, wenn sie dafür politische Rückendeckung bekommen bzw. sich ebenfalls unlauter erkaufen. Dagegen sind Sie gegen Freihandel oder verstehen nicht einmal das Konzept. Es geht gerade darum, Preisunterschiede einschließlich solchen für Produktionsfaktoren (Löhne und Zinsen) auszunutzen. Einzelne Produzenten können dadurch verlieren, weil sie dann nicht mehr konkurrenzfähig sind, doch in der Summe gewinnen andere Produzenten und vor allem die Konsumenten mehr, und zwar in beiden bzw. allen beteiligten Ländern.

  2. „Die Griechen müssten unter sich diskutieren und demokratisch entscheiden, welche Reformen sie (nicht) wollen. “

    You made my day.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Griechisches_Referendum_2015#cite_note-63

    Die Griechen haben am 5.Juli 2015 agestimmt, sie haben demokratisch entscheiden, welche Reformen sie nicht wollen. Kurz danach bekamen sie ein neues „Rettungspaket“ über 53 Millarden gegen die Reformen, die sie zuvor abgelehnt hatten.

    Zitat wikipedia:

    „Am 9. Juli 2015 übersandte die griechische Regierung einen von Ministerpräsident Tsipras unterzeichneten Vorschlag an die Euro-Gruppe, dessen Inhalt weitgehend mit dem im Referendum abgelehnten Vorschlag übereinstimmte.“

    9. Juli 2015 – vier Tage nach dem Referendum!

    Die Zentralbanken werden immer weiter Geld drucken. Die Inflationsrate wird immer weiter mit allen möglichen Tricks geschönt. Die Wähler werden aus Angst vor Rechts immer weiter die alten Eliten wählen.

    Wie lange kann das weiter gehen?

    Vor Jahren las ich mal, dass sich in einer Demokratie wirtschaftliche Fakten jahrelang ignorieren lassen, in einer Diktatur jahrzehntelang.
    Was geschieht aber wenn die Zeit abgelaufen ist?
    Die Diktatur bricht zusammen – Krieg oder Bürgerkrieg, oder im besten Fall friedlcih wie die Sowjetunion. Und die Demokratie?

    Wandelt sich vielleicht zur Diktatur um noch ein paar Jahre weiter machen zu können.

    • Es ist doch leider noch schlimmer. Syriza war gerade keine etablierte Partei und wurde deswegen gewählt. Ihr Ministerpräsident Tsipras setzte selbst das Referendum an und warb für eine Ablehnung der Reformen, weil er einen besseren Deal aushandeln wollte. Insbesondere Herr Schäuble blieb jedoch einmal hart und hätte eher einen Grexit akzeptiert als weitere Zugeständnisse. Daraufhin ist die griechische Regierung eingeknickt und ist seither nur noch ein Papiertiger, der alle Forderungen der Gläubiger umsetzt. Bei einer anderen Regierung wäre es jedoch auch nicht anders, weshalb Griechenland jetzt ein völlig hoffnungsloser Fall ist, sowohl politisch als auch wirtschaftlich und sozial. Eine Diktatur ist es jedoch nicht, sondern eine dysfunktionale Demokratie.

  3. Andere Frage wäre,wie kann man aus Griechenland ein Land formen,das wirtschaftlich soviel erwirtschaftet,wie es ja gerne ausgeben möchte.

    Wenn sich in Griechenland nichts ändert an seiner Produktivität,sie aber einen gewissen EU Standart haben wollen – bleiben sie chronisch krank im Finanztransfer der EU hängen.

    Andere Länder haben hingegen viel geschaft,im Vergleich zu Griechenland sehr viel.
    Aber es ist ein allgemeines EU Problem,das immer noch zuviel Geld transferiert werden muß,weil immer noch zuviele Länder zwar ihre Infrastruktur verbessert haben,aber zu wenig Wirtschaftszweige entstanden sind,die neue Arbeitsplätze schaffen.

    Polen ist hier ein schönes Beispiel.
    Tolle neue Straßen,wenig neue Fabriken.

    • Polen hat sich wirtschaftlich ziemlich gut entwickelt. Es ist die Frage, ob die jetzige Regierung das wieder einreißt, wie auch Herr Erdogan seine eigenen früheren Erfolge nun vernichtet.

  4. Das Problem sind die, als Gegenleistung für das „Deficit Spending“, illusionistisch erwarteten Reformforderungen und nicht die indessen folge unrealistisch gemachten Reformversprechen.

    John Maynard Keynes: Das Einkommen bestimmt die Produktionsfaktoren.

    Während die orthodoxe Ökonomie lehrte, dass das Einkommen der Ökonomie nach ihrer Produktionsfunktion vom Einsatz der Produktionsfaktoren Kapital und Arbeit abhinge, ist es nach Keynes gerade umgekehrt: Weil das Einkommen monetär beschränkt ist, müssen der Bestand an Kapital (Kapitalvernichtung durch Insolvenz und Bankrotte, unterlassene Investitionen, Forschungen und Entwicklungen) und das Niveau der Arbeit (Verhungern, Verelendung, Deklassierung des Humankapitals, Demotivation, Verlust der Qualifikation in den Krisen) nach Keynes entsprechend schrumpfen, so dass keine höhere Produktion mehr möglich ist, als es die vom Umfang der möglichen Ersparnis erzwungene Verarmung des Gemeinwesens erlaubt.

    Mit der monetär bewirkten Verarmung – anm. durch Reformen – und Verelendung des Gemeinwesens wäre dann durchaus eine Art Vollbeschäftigung auf einem niedrigeren Niveau von Arbeit möglich. Entsprechende gesellschaftliche und ökonomische Prozesse der Kapitalvernichtung und Dequalifikation von Arbeit sind in jeder Krise offensichtlich, werden aber von der orthodoxen Ökonomie als nach den Regeln des Marktes notwendiger Anpassungsprozess an die optimale Nutzung der Ressourcen betrachtet. Die orthodoxen Ökonomen fordern in jeder Krise Maßnahmen, wie etwa ein verstärktes Sparen, durch das die Verarmung der Ökonomie und die Vernichtung von Kapital noch verschärft werden muss. Auch der in Krisen nachdrücklich geforderte Sozialabbau und die Deregulierung der Arbeitsmärkte verstärken den Entwertungsprozess von Humankapital in der Ökonomie.

    Kurzum, eine Agenda2010 Politik zugunsten steigender Wettbewerbsfähigkeit kann in Griechenland deswegen nicht funktionieren, weil sich nicht die Wirtschaftslage in einer konjunkturzyklischen Rezessionsphase, sondern die gesamte Volkswirtschaft in einer tiefen Depression befindet.

    Ein Konjunkturtief ist der Tiefstand, in den eine Volkswirtschaft durch einen Abschwung gerät. Verharrt die Wirtschaft hartnäckig über einen ungewöhnlich langen Zeitraum in diesem Tiefstand und sind noch weitere Abwärtsbewegungen nicht auszuschließen, wird von Depression gesprochen. Joseph A. Schumpeter „Depression“ von „Rezession“ dadurch, dass Rezession im Ablauf der kapitalistischen Wirtschaft gleichsam ein normaler Vorgang sei, der das Gleichgewicht wieder herstellt. In der Depression hingegen komme es durch „abnorme Liquidation“ zur Vernichtung vieler Dinge, die ohne diese einfach weiter bestehen würden. Demnach sei die Depression eine besondere wirtschaftliche Notlage, die das Eingreifen des Staates so gut wie unvermeidlich mache. Sprich eine konjunkturelle Anschubfinanzierung des Staates mittels einer Expansiven Fiskałpolitik, wozu das „Deficit Spending“ defacto gedacht ist. Da Griechenlands wirtschaft im produzierenden Gewerbe ohnehin schlecht aufgestellt ist, wären Infrastrukturinvestitionen um das ansiedeln von neuen Wirtschaftszweigen – z.b. Automobilbau – zu fördern, ein klarer beitrag zum ausbau der Wettbewerbsfähigkeit.

    Tja aber Deutsche Finanzministerführer finanzieren halt genau so gerne wirtschaftliche Missstände wie strukturelle Arbeitslosigkeit oder Fremdschuldendefizite, wie sich Deutsche Automobilbauer zwecks Gewinnmaximierung lieber in südamerikanischen Lohndumpingoasen ansiedeln und somit zumindest darin Einigkeit besteht, auf garkeinen Fall mit Investitionen nachhaltig die Binnenwirtschaft zu stärken.

    mfg

    • Sie scheinen zu glauben, dass keynesianische Nachfragepolitik und Konjunkturankurbelung durch staatliche Defizite immer und überall empfehlenswert wären. Das ist jedoch definitiv nicht so. Ich verwerfe seine Vorstellungen nicht grundsätzlich, sehe jedoch die Anwendung auf ganz spezifische Krisen beschränkt.

      Griechenland hat völlig andere Probleme. Das erkennt man bereits daran, dass auch heute zwar viel von Sparpolitik geredet wird, aber Griechenland immer noch netto Geld aus dem Ausland erhält. Was hat außerdem Griechenland mit den enormen Kreditsummen gemacht, die vor der Eurokrise ins Land kamen? Von sich aus hat es kaum investiert bzw. nur in langlebige Konsumgüter wie Häuser.

      Warum glauben Sie, dass Sie besser wissen als private Investoren, die ihr eigenes Geld riskieren, welche Art von Investitionen Griechenland jetzt gebrauchen könnte? Welche komparativen Vorteile hat Griechenland z. B. im Autobau? Inwiefern tragen die Öffnung des Arbeitsmarktes für junge Menschen und ein späterer Verrentungszeitpunkt zum wirtschaftlichen und sozialen Niedergang bei?

      • Die ökonomischen probleme Griechenlands ist ja nicht von heute auf morgen entstanden, sondern es hat noch nie ein Griechenland mit anhaltender stabiler Wirtschaftslage bestanden.

        Ioannis Kapodistrias war 1828 das erste Staatsoberhaupt des durch den griechischen Unabhängigkeitskrieg vom Osmanischen Reich befreiten Griechenlands. Um zu verhindern, dass sich der Funke des Republikanismus in Europa verbreitet, etablierten die europäischen Großmächte in Griechenland von außen eine Monarchie. England, Frankreich und Russland hatten dies zur Zahlungskondition für Kredite von 472.000 britischen Pfund und 60 Millionen Drachmen an das seit 1826 völlig überschuldete Land gemacht. Die Pseudo-Souveräne Unabhängigkeit zu lasten von Auslandschulden, dürfte eine im Grundsatz falsch aufgestellte Nationalökonomie gewesen sein.

        Also einen Schuldenschnitt hätte Griechenland schon ein wenig früher nötig gehabt. Allerdings war es bisher so, das sobald Griechenland durch stabile wirtschaftsstrukturen so etwas wie Wirtschaftsaufschwung zu verzeichnen wusste, unter Garantie zum Spielball von Äusseren unlauteren Geo-politischen Interessen wurde oder aber sich selber dazu angebiedert hatte, was immer nur zu mehr Belastungen für Griechenland führte.

        Allerdings gab es in Griechenlands Nationalökonomie bisher keinen Break-even-Point und die Ursache dafür war der 2. Weltkrieg. Italien, Deutschland und Bulgarien errichteten ein hartes Besatzungsregime. So wurde durch die erzwungene Ausfuhr fast der gesamten griechischen Produktion noch eine positive Handelsbilanz zum Deutschen Reich in Höhe von 71 Mio. Reichsmark festgestellt, die dann mit extremen Besatzungskosten (auf Wunsch von Hitler in „Aufbaukosten“ umbenannt) verrechnet wurden. Griechenland hatte von allen besetzten Ländern pro Kopf die höchsten Besatzungskosten zu zahlen. Um von der Bevölkerung mehr Sachwerte abzuziehen, wurde der Banknotenumlauf gesteigert. Der wirtschaftliche Zusammenbruch war abzusehen und wurde in Kauf genommen. Besonders der Mangel an Lebensmitteln führte zu einer Hungerkatastrophe und einer Säuglingssterblichkeit von 80 %. Zählt man den Zweiten Weltkrieg und den direkt anschließenden Bürgerkrieg als dessen Folge zusammen, so verlor Griechenland nahezu 10% seiner Bevölkerung.

        Von dieser, egal in welcher ökonomischen Hinsicht, massiven Kapitalvernichtung welche vom Hauptschuldner bis heute nicht akkumuliert wurde, hat sich Griechenland nie wirklich erholt. Das liegt Ökonomisch einfach nicht im Bereich des möglichen. 1981 wurde Griechenland als 10. Mitglied in die EWG aufgenommen wurde. Das Land profitierte von Wirtschafts- und Strukturhilfen, musste im Gegenzug auch hohe Importzölle fallen lassen, die bisher heimische Produzenten vor ausländischem Wettbewerb schützten. Seit dem konnte Griechenland ökonomisch immer nur, wegen Handelsbilanzdefizit ohne wirkliches Aufschwungspotential, über seine wirtschaftlichen Verhältnissen leben. Wirtschaftlich hatte man Griechenland immer dann besonders lieb, wenn wieder mal eine Währung abwertet werden musste. Wegen der ursprünglich Katastrophalen Ausgangslage konnte Griechenlands innenwirtschaft eine Währungsaufwertung immer gut gebrauchen.

        Mit der Einführung des Euro viel dies natürlich weg und Zack die Bohne kannte keiner dieses Verschuldete Griechenland mehr. Bereits ein Jahr vor dem 2001 erfolgten Beitritt zur Eurozone betrug die Staatsverschuldung Griechenlands 104,4 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Während der weltweiten Finanzkrise ab 2007 und des Bankenrettungsprogramms der Regierung Karamanlis stieg die griechische Staatsschuldenquote weiter von 107,2 % (2007) auf 129,7 % (2009), der relative Schuldenstand stieg von 2007 bis 2014 ca.177,2 %. Also das ist nun wirklich ökonomisch makaber, weil sich Griechenland ja ab 2008 in einer Rezession befand [325 nach 496 Wörtern gestrichen, AD].

      • Man kann natürlich darüber jammern, was vor über 70 oder fast 200 Jahren passierte. Anderen Ländern ging es seinerzeit aber noch schlechter, doch sie haben sich berappelt. Entscheidend ist, was heute die beste Politik ist. Der Verbleib im Euro ist es jedenfalls nicht, weder für Griechenland noch den Rest der Eurozone.

      • Ich habe ebene erst gesehen, das die Wörterzahl beschränkt ist. Demnach fehlt die hälfte des Kommentar.
        Aber gut, was ist denn Ihrer wissenschaftliche Auffassung darüber, wie weit der historische Zeitrahmen gefasste werden muss, um Erkenntnisstheoretisch alle relevanten Ereignisse wenn nicht sogar die Ursache, als die bestimmenden Faktoren zu erkennen welche für eine korrekte Analyse der heutigen Situation von Bedeutung sind, um eine adäquate und konkrete Lösung zu entwickeln?
        Ich zitiere […] Johann Gustav Droysen.
        [Überlanges Zitat entfernt, um von 736 auf das hier zulässige Maximum von 500 Wörtern zu kommen, AD.]
        Es ist der Mühe wert, sich klar zu machen, daß sich in diesem Zusammenhang ergibt, was Bildung ist und was sie uns bedeutet. Wenn Ghörte sagt: „was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen“, so finden wir hier die Bewährung dieses dunklen Spruchs. Wie hoch immerhin die Stelle des Zeitalters, des Volkes sein mag, in das wir Einzelne geboren sind, wie groß die Fülle des Ererbten, das uns ohne weiteres zugute kommt, wir haben sie, als hätten wir sie nicht, solange wir sie nicht durch eigene Arbeit erworben, sie als das, was sie ist, als das Ergebnis unablässiger Arbeit derer, die vor uns waren, erkannt haben. Das in der Geschichte der Zeiten und Völker, der Menschheit Erarbeitete im Geist, dem Gedanken nach, als Kontinuität durcharbeitet und durchlebt haben, heißt Bildung. Die Zivilisation begnügt sich mit den Resultaten der Bildung, sie ist in der Fülle des Reichtums arm, in der Opulenz des Genießens blasiert.
        Natürlich gehörte die Antwort auf ihre Frage, zu dem Abschluss meiner Sachargumentation. Deswegen jetzt in Form, ohne dargestellten logisch nachvollziehbaren Sachverhalt.
        Wirtschaftlich bedeutend ist für das Land der Dienstleistungssektor, insbesondere hierbei die Branchen Tourismus und Handel. Das verarbeitende Gewerbe ist ebenfalls im Land bedeutend, nimmt aber aktuell (2015) im Vergleich zu einigen anderen hochentwickelten Staaten eine relativ geringe Rolle ein. Einen wesentlichen Anteil im Industriesektor haben vor allem das Ernährungsgewerbe und die Metallverarbeitung. Seit 2008 befindet sich das Land in einer Rezession (preisbereinigt -26% BIP), verbunden unter anderem mit einer hohen Arbeitslosigkeit.
        Ein Konjunkturtief ist der Tiefstand, in den eine Volkswirtschaft durch einen Abschwung gerät. Verharrt die Wirtschaft hartnäckig über einen ungewöhnlich langen Zeitraum in diesem Tiefstand und sind noch weitere Abwärtsbewegungen nicht auszuschließen, wird von einer Wirtschaftlichen Depression gesprochen.
        1939 unterschied Joseph A. Schumpeter „Depression“ von „Rezession“ dadurch, dass Rezession im Ablauf der kapitalistischen Wirtschaft gleichsam ein normaler Vorgang sei, der das Gleichgewicht wieder herstellt. In der Depression hingegen komme es durch „abnorme Liquidation“ zur Vernichtung vieler Dinge, die ohne diese einfach weiter bestehen würden. Während die Abschaffung der Rezession einer Abschaffung des kapitalistischen Prozesses insgesamt gleichkäme, sei die Depression indes eine besondere wirtschaftliche Notlage, die das Eingreifen des Staates so gut wie unvermeidlich mache.
        Was würden Sie darauf basierend, als die richtige politische Lösung erachten?
        Weil ein Herr Schäuble interessiert lediglich, weiterhin Griechenlands Handelsbilanzdefizit zu akkumulieren oder unseren Bilanzüberschuss zu subventionieren, je nachdem wie man es sehen möchte. Wie eine Volkswirtschaft während einer Rezession mit starken abfallen des BIP, sprich offensichtlich keiner staatlich kreditfinanzierten Antizyklischen Fiskalpolitik, überhaupt ein Schuldendefizit weiter ausbauen konnte, ist aber schon klar oder?
        […]

      • Nur mal als Anmerkung, bevor sie sich Gedanken zu einer Meinung machen, darüber bescheid zu wissen was ich zu Glauben scheine, fragen Sie mich doch einfach. Weil einen Glauben habe ich nur an Gott, viel mehr hat die menschliche Kognitive Fähigkeit „das Glauben“, wahrhaftig nicht mit der Realität gemein. Um direkt mal mit dem Philosophischen Grundsatztrugschluss aufzuräumen, Niemand und schon garnicht Gott hat jemals Behauptet, das Gott wahrhaftig sein müsse um daran an ihn Glauben zu können. Das ist nur der Sicherste weg seinen eigenen Geist zu entfremden, denn würde Gott denn wahrhaftig werden, dann könnte man nicht mehr wie vorher an Gott glauben.

        Bei einer Wirtschaftlichen Depression, wäre die kreditfinanzierte Expansive Fiskałpolitik nach Keynes eine Option, welcher ich unter allen Konjunkturmodellen bzw. Theorien die größte Funktionalität zuschreiben würde.

        Hier die Analyse nach 20 Jahren NAFTA in den USA.
        http://monde-diplomatique.de/artikel/!5202410

        mfg

      • Ihr religiöser Glaube ist Ihre Privatangelegenheit und interessiert mich nicht weiter. Es ging mir allein um Ihre ökonomischen und politischen Ausführungen, die zwar sehr ausführlich, aber leider nicht sonderlich klar sind, zumal Sie wohl zahlreiche Zitate ohne hinreichende Kennzeichnung verwenden.

        Griechenland hat keinen Spielraum mehr für eine eigene kreditfinanzierte expansive Fiskal- oder gar Geldpolitik.

        Eine linke politische Meinungsäußerung zu NAFTA ist nicht dasselbe wie eine ökonomische Analyse. „NAFTA’s Economic Impact“ ist ein ausgewogenes Beispiel dafür.

      • Ja richtig Griechenland hatte von anfang an keinen eigenen Spielraum, weswegen die EU Länder mit dem „Deficit Spending“ (Direktfinanzierung) die finanzielle Hilfeleistung stellen, aber als Gegenleistung erwarten das Griechenland die Finanzhilfen nicht für eine Konjunkturelle Anschubfinanzierung nutzt, sondern durch Reformen das gesamtwirtschaftliche Nationaleinkommen noch weiter absenkt, um wieder Wettbewerbsfähig zu werden.

        Fragt sich blos womit man Wettbewerbsfähiger werden möchte, wenn das Verarbeitende Gewerbe bereits am Boden liegt und aufgrund der Sozialausgaben-Reformen, die Konsumnachfrage und somit auch das Steueraufkommen noch weiter absinken?

      • Griechenland ist eine relativ kleine und offene Volkswirtschaft mit einem riesigen Handelsbilanzdefizit. Da es nicht mehr abwerten kann, muss es irgendwie anders seine Löhne und Preise anpassen, während die Ankurbelung der Inlandsnachfrage relativ wenig bringt und die Defizite (in der Handelsbilanz und dem Staatshaushalt) noch vergrößert.

      • Also Griechenland hat mehr Warenimportgeschäft als Warenexportgeschäft. Das Griechenland noch nie eine Exportwirtschaft mit Industriellen Hauptgruppen im Produzierenden Gewerbe (z.b. Automobilbau) hatte und aufgrund welcher historischen Ursachen der Aufbau solcher Industriezweige Ökonomisch nicht umsetzbar war, habe ich ja schon ausgeführt.

        In Griechenlands Industrielle Hauptgruppen liegen alleinig im Verarbeitenden Gewerbe, welches bis vor der Rezession die Wirtschaftsimporte im Handelsbilanzdefizit durch „verarbeiten“ (z.b. Veredelung im Metallbereich) umgesetzt und die aufgrund des Beschäftigungsstandes entstandene Konsumnachfrage hat die Konsumgüterimporte umgesetzt.
        https://de.m.wikipedia.org/wiki/Verarbeitendes_Gewerbe

        Die Wirtschaftsstrukturen in Griechenland geben es also kein Produzierendes Gewerbe her, welches wie in Deutschland damals mit dem Indifferent Fiskałpolitischen Instrument (Senkung der Lohnstückkosten „Leih-/Zeitarbeit“ erhöht evtl. Auslandsnachfrage gegenüber gleichzeitigem Sinken des gesamtwirtschaftlichen Lohnniveaus, also sinkende Kaufkraft bzw. sinkende Inlandsnachfrage) einen Handelsbilanzüberschuss zum ausgleichen des Handelsbilanzdefizit generieren kann. Das kann sowieso kaum eine Volkswirtschaft innerhalb des Binnenmarktes, weil das EU Land mit dem größten Handelsbilanzüberschuss um Lichtjahre von einem Handelsbilanzausgleich im BIP entfernt ist.

        Wie gesagt eine Agenda2010 wird in Griechenland nicht funktionieren.

        mfg

      • Natürlich nicht, weswegen die Forderungen der EU Finanzminister in meinen Augen auch keinen Sinn ergeben. Das der Staatsapparat völlig aufgeblasen war und schlanker umstrukturiert werden muss, steht ja nicht zur Debatte und die vorigen Regierungen haben aufgrund ihrer inkompetenz wirtschaftlich ganz bestimmt mehr als genug Unsinn verzapft. Aber deswegen die aktuelle Regierung mit den Finanzhilfen quasi dabei Schach Matt zu setzen, überhaupt irgendwelche wirtschaftlichen Transformationsprozesse in gang zu bringen, wird zu garnichts führen.

        Die SY.RIZ.A ist ja ein zusammenschluss Linker Kleinparteien, in folge des Eurokommunismus der damaligen KKE-Inland, welche sich als Euroflügel von den Kommunisten abgespalten hatte. Ökonomisches know-how ist dort auf jedenfall vorhanden. Aber unser Herr Schäuble hält das Agenda2010-Konzept anscheinend für das Ökonomische Super-Universaltool der Wirtschaftswissenschaften, was sich auf jede Volkswirtschaft problemlos adaptieren lässt.

        Das die Zielsetzung der Agenda aus guten Grund bis einschließlich 2010 geplant war, scheint Ihn hingegen nicht weiter zu Interessieren. Hauptsache ist ja ohnehin die deutsche Aussenhandelquote im aufschwung zu halten, mal schauen was passiert wenn wir bei 100% vom Bruttoinlandsprodukt angekommen sind.

        mfg

      • Eigentlich sollte jedes Land für sich wirtschaften und demokratisch entscheiden, welche Reformen es macht und welche es lässt, um dann die Konsequenzen zu tragen. Der Euro führt jedoch zu einem riesigen Kuddelmuddel, weshalb etliche Länder Unterstützung brauchen, die die anderen jedoch nicht bedingungslos gewähren wollen (warum sollen auch deutsche Geringverdiener für griechische Milliardäre zahlen?). Im Grunde werden alle Völker entmündigt, was vielleicht sogar das eigentliche Ziel ist, welches unter pompöser Europarhetorik verdeckt wird. Ich bin gegen eine undemokratische Transferunion, sondern für ein demokratisches und prosperierendes Europa der Vaterländer.

      • Nicht nur eigentlich, sondern faktisch.

        Interventionsverbot: Grundsätzlich ist das Eingreifen in die inneren Angelegenheiten eines Staates nach Art. 2 Ziff. 7 der UN-Charta unzulässig, da jeder Staat das Recht hat, sein politisches, wirtschaftliches, soziales und kulturelles System frei zu wählen. (Die Androhung und Anwendung von Gewalt in den internationalen Beziehungen ist nach Art. 2 Ziff. 4 UN-Charta verboten.) Dieses Recht ist prinzipiell unantastbar. Neben direkten Interventionen, die so legitimiert sind, kann es zu indirekten Interventionen kommen, wenn ein Staat versucht, das politische System oder die Akteure eines anderen Staates zu stürzen, indem er die Gegner dieses Regimes unterstützt. Diese Interventionen sind nicht mit dem Völkerrecht vereinbar.
        https://de.wikipedia.org/wiki/Intervention_(Politik)

        Deswegen wird ja bzgl. der Finanzhilfen verhandelt und die EU Finanzminister stellen dabei ökonomisch höchst inkompetente Forderungen. Ich bin mir nicht einmal sicher ob diese überhaupt verstanden haben, welche Vorteile sich für die Volkswirtschaften aufgrund der entkoppelten Nationalwährungsanbindung ergeben haben. Nämlich ein Wegfall der Nationalökonimisch-systematischen Nachteile wie z.b. die Nationalwährungsinflation. Das ist nun sache der EZB und ihrer Währungspolitik

        Ich verstehe sowieso nicht, warum kaum einer realisiert das die Monetaristische These, aufgrund der Neuausrichtung in der Geld- bzw. aus perspektive der Notenbanken auch Währungspolitik, empirisch diskreditiert wurde und das wiederrum den Rückschluss zulässt, das Milton Friedmans Wirtschaftstheoretische Konzeption des Monetarismus wohl selbst auf einem perspektivischen Fehlschluss bzgl. der Inflationsentwicklung der „Great Depression“ basierte. Daran das Geld an sich ohnehin keinen Materiellen Wert besitzt, hat sich seit dem von Karl Marx in „Das Kapital“ beschriebenen Geldfetisch auch nichts geändert.

        Vielleicht sollte man sich fernab jeglicher verfestigten Lehrmeinungsdoktrinen, auf der Wirtschaftspolitischen Ebene doch wieder Ökonimisch mehr Keynes und dazu Sozialphilosophisch mehr Hayek zuwenden.

        mfg

      • Es geht hier doch nicht um gewaltsame Eingriffe. Geld- und Kreditgeber stellen einfach Bedingungen für die Geld- und Kreditvergabe. Der potentielle Geld- und Kreditnehmer muss sich nicht daran halten, doch dann bekommt er einfach nichts mehr. Das ist nicht anders als bei privaten Transfers und Krediten, nur das dabei einmal akzeptierte Bedingungen später auch durchgesetzt werden können, während Staaten sie stets aufkündigen können.

        Welche Vorteile bietet denn der Euro? Auf jeden Fall überwiegen die Nachteile, und zwar für alle beteiligten Volkswirtschaften (und indirekt auch für den Rest der Welt). Einzele Wirtschaftssubjekte können hingegen gewinnen, z. B. exportstarke Unternehmen in Deutschland.

      • Welche ökonomischen Vorteile ein Supranationaler Währungsraum für die beteiligten Volkswirtschaften bietet? Natürlich der Wegfall aller Probleme welche sich aufgrund einer Nationalwährungsanbindung für die Volkswirtschaften in einem Globalisierten Wirtschaftsraum ergeben haben.

        Das die deutsche Exportwirtschaft als einzigste innerhalb der EU Währungsunion, eine dermaßen massive disproportion im BIP zur Bruttoinlandwirtschaft aufweist, zeigt das dies nur bedingt etwas mit dem Euro zu tun haben kann. Diese Fehlentwicklung hat erst mit der Agenda2010 fahrt aufgenommen. Mit einer Absenkung der Lohnstückkosten generiert man halt den selben künstlichen Matktverzerrenden Wettbewerbsvorteil, wie es zuvor mit der Währungsabwertung erreicht wurde, blos mit dem ökonomisch völlig Sinnbefreiten Nebeneffekt das dafür Gesamtwirtschaftlich, eine abfallenden Lohnquote (Konsumnachfrage) innerhalb der Bruttoinlandwirtschaft im gegensatz zu einer ansteigenden Gewinnquote der Bruttoexportwirtschaft in Kauf genommen wird. Siehe Entwicklung des Aussenhandel im vergleich zur Entwicklung der Arbeitsmärkte.
        http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/globalisierung/52842/aussenhandel

        So produziert man Wirtschaftspolitisch eine nationalökonimische Liquiditätsfalle welche sich, sofern in dessen folge die Kaufkraft des Geldes gezwungendermaßen dann absinkt, zu einer gesamtwirtschaftlichen Deflationsspirale entwickelt. Schließlich bedeutet ein anstieg im Konsumklimaindex nicht das die Konsumnachfrage steigt, sondern lediglich das die Aufwendungen für das Konsumverhalten steigen.

        Ich möchte nur mal betonen, das dies lediglich meine Erkenntnisstheoretische Auffassung bzgl. der Sachverhalte ist. Wenn ich mich dahingehend irre, wäre das ja nur umso besser für alle Beteiligten.

        mfg

      • Nationale Währungen machen doch offenkundig weniger Probleme als der Euro. Die deutschen (und z. B. auch niederländischen) Exportüberschüsse sind nicht durch den Euro entstanden, aber durch ihn massiv gewachsen, so wie umgekehrt die Defizite z. B. in Griechenland ebenfalls durch den Euro verschärft wurden, weil ganz einfach in beiden Fällen eine Anpassung durch Auf- bzw. Abwertungen zwischen den Ländern der Eurozone nicht mehr möglich ist. Der Euro insgesamt kann noch auf- und vor allem abwerten, wozu die Krise in der Eurozone beträgt, was wiederum die deutschen Überschüsse vergrößert. Ohne Euro wären die Deutschen reicher, sie könnten mehr konsumieren und importieren. In Griechenland wäre ohne Euro die Arbeitslosigkeit und Hoffnungslosigkeit geringer.

      • Die kompetitive Währungsabwertung war vor der Europäischen Währungsunion ein relativ häufig genutztes Wirtschaftspolitisches Instrument, um die Inflationsrate nach unten zu korrigieren. Für ein einzelnes Land kann diese Strategie außerordentlich erfolgreich sein, solange sich die Handelspartner nicht wehren. Wenn auch die Handelspartnerländer zu dem Mittel der kompetitiven Währungsabwertung greifen, dann heben sich die Abwertungen gegenseitig auf und im Prinzip hat dann kein Land mehr einen positiven Effekt. Allerdings haben solche Währungskriege immer für Unsicherheiten bei Unternehmen und Investoren gesorgt und dadurch den internationalen Handel geschadet. Die indirekte Wirkung im Binnenhandel war für alle EU Länder negativ, weil dieser durch die verteuerten Importepreise insgesamt massiv eingeschränkt wurde.

        Gesetz dem Fall müsste Griechenland seine Währung also nicht abwerten sondern aufwerten, was vor EWG und Euro dadurch von statten ging, dass die meisten EU Länder die Währungsabwertung im Devisenmarkt über Griechenland vollzogen haben. Seit der EU Währungsunion 2001 war das so nicht mehr möglich, mit dem Resultat das Griechenland prompt mit 104,9%/BIP Staatsausgabenschuld und Deutschland aufgrund seiner Wirtschaftslage als „Der kranke Mann Europas“ darstand. Die SPD Regierung unter Gerhard Schröder hat dann als Reformpaket die Agenda2010 (Restriktive Fiskałpolitik bei Staatsausgaben+Arbeitsmarkt Flexibilisierung mittels Zeit-/Leiharbeit nach EU Richtlinie) durchgesetzt und nachdem er dann dafür als Bundeskanzler abgesägt wurde, hat die CDU Regierung unter Merkel sowohl die Zeit- und Leiharbeit Arbeitgebergewerkschaften als auch die Lohndumping 5€/35Std. Wochenbruttolohn Tarifverträge – sprich Indifferente Fiskałpolitik im Arbeitsmarkt;Aussenhandelseffekt siehe oben – ins leben gerufen. Die Arbeitgebergewerkschaften z.b. IGZ verhandeln den Tarifvertrag dabei direkt mit der Bundesargentur für Arbeit und das ganz sicher nicht zugunsten der Arbeitnehmer. Die vermeintlichen Mindestbruttostundenlohn (Tarif E1) anpassungen/erhöhungen sind nämlich nicht mehr wie ein schlechter Witz, weil Nettoauszahlungslohn ohnehin doppelt Gedeckelt ist. Erstens weil wie gesagt nur 35Std./Wochenbrutto voll ausbezahlt werden (restlichen Arbeitsstunden gehen bis max. 150Std. AZ-Konto, danach werden Ü-stunden anteilig zu 25%/Bruttostd. ausbezahlt) und zweitens wegen dem Progressiven Lohnsteuersatzanstieg bei 8500-15.000€/Jahresgehalt. Die relative Nettolohnhöhe entspricht irrelevant vom Brutto/Std. je Arbeitstage/Monat (laut meinen Lohnabrechn. 03.2011-03.2014).
        https://de.wikipedia.org/wiki/Fiskalpolitik

        Darauf basiert Deutschlands Exportmeister Erfolgsstory since 2005 im Binnen- und Aussenhandelgewerbe, ein mittels Lohndumping (im vergl. zu Betriebsinterner Entlohnung) künstlich generierter Marktverzerrender Wettbewerbsvorteil ergo der selbe Effekt wie bei der Währungsabwertung. Schau dir mal die Jobangebote bei Arbeitsargentur/Jobcenter in NRW an und berücksichtige dabei das „Angebot und Nachfrage“ Prinzip. Ökonomisch interessant ist auch das Phänomen, eines exponentiell ansteigenden Aussenhandel-überschussanteil bei relativ gleichsam linearen anstieg der Import-/Exportumsätze und Aussenhandelsquote in relation zur abfallenden Arbeitslosenstatistik.

        mfg

      • Wo haben Sie denn das wieder aufgeschnappt? Abwertungen führen nicht zu weniger, sondern mehr Inflation, insbesondere weil die Importpreise steigen. Doch auch umgekehrt kann mehr Inflation zu Abwertungen führen, insbesondere wenn die Zinsen nicht entsprechend erhöht werden, was wiederum die Inflation verringern würde. Richtig ist, dass nicht alle Länder zugleich abwerten können, doch das hat Deutschland traditionell auch nicht getan, sondern sukzessive aufgewertet, was die schon früher bestehenden Handelsbilanzüberschüsse begrenzte, die Inflation hier reduzierte und einen Anreiz zu ständigen Produktivitätsfortschritten setzte, während die Wirtschaft in den abwertenden Ländern nicht völlig abgewürgt wurde. Bereits die Euroeinführung war ungünstig für Deutschland und die Agenda 2010 eine Antwort darauf. Das eigentliche Übel war, ist und bleibt jedoch der Euro. Lohnzurückhaltung wäre sonst viel weniger wirksam, vor allem gegen die übrigen europäischen Länder, weil sie durch eine Aufwertung der DM ausgeglichen würde.

      • Es ist ja nicht so, dass ich ein Wechselkurssystem generell als ökonomischen Unsinn etikettieren würde. Allerding kann ein solches nur gut funktionieren, wenn es den Ländern gelingt gemeinsame makroökonomische Probleme in koordinierter Weise anzugehen. Das bekommt man aktuell ja nichtmal mit einer gemeinsamen Supranationalen Währung auf die Kette, folglich würden Nationalwährungen mit flexiblen Wechselkurse wieder zu den selben Problemen führen, z.b. der einfluss von spekulativen Kapital in die Bundesrepublik als folge der Währungsaufwertung, was stetig die bundesdeutsche Inflationsrate zu erhöhen drohte. Damals wie Heute sind die Probleme nicht auf das Währungssystem, sondern schlichtweg auf eine inkompetente Politik zurück zu führen.

        Ich meine Deutschland hat Griechenland zu 5% verzinste Kredite gestellt, aus Liquiden die man sich zur Finanzwirtschaftskrise selber Zinsfrei geliehen hatte, aber nicht ohne den Griechen gleichzeitig noch 2 neue U-Boote in den Rüstungsetat zu drücken. Alleine durch diese „Finanzhilfen“ noch bevor Griechenland endgültig insolvent dastand, hat sich Deutschland über 1mrd. Euro an Zinsgewinnen eingekreidet und die Rüstungswirtschaft hat auch gut dran verdient. Vor allem läuft in der Deutschen Wirtschaftspolitik ja nicht erst seit dem Euro so einiges schief, die Entwicklungen in Deutschland ab Mitte der 1960er-Jahre hielt Hayek für zu interventionistisch und warnte schon 1971 anlässlich der deutschen Ausgabe des „Wegs zur Knechtschaft“ vor sozialistischen Tendenzen in der deutschen Wirtschaftspolitik. Bis dato ist eigentlich alles eingetreten, wovor Hayek im zuge seiner Sozialphilosophischen arbeit gewarnt hatte, was sich anhand von Keynes ökonomischen Theorien dann auch definiert beschreiben lässt.
        https://de.m.wikipedia.org/wiki/Liquidit%C3%A4tsfalle

        Bezogen auf die internationale Ordnung plädierte Hayek z.b. für einen Zusammenschluss der Nationalstaaten in einem Bundesstaat, dessen Kompetenzen darauf beschränkt sein sollen, die Schädigung eines Staates durch einen anderen (z.b. Währungsmanipulation) zu verhindern. Der Bundesstaat solle also Befugnisse analog zum „ultraliberalen Laissez-faire Staat“ haben. Eine reine Demokratie ohne Beschränkungen staatlichen Handelns lehnt er ab, weil diese ebenfalls zu Unterdrückung tendiere („totalitäre Demokratie“), weil das Problem nicht ist wer über wen herrsche, sondern wie viel Herrschaft die Herrschenden überhaupt ausüben dürfen. Nach Hayeks „Verfassung der Freiheit“ schließt ein solches System nicht aus, dass die Wirtschaftstätigkeit reguliert wird, wenn die Regulierung nach allgemeinen Regeln erfolgen, womit er defacto „Laissez-faire“ abgelehnt hat.

        Eigentlich sollte die EZB als befugtes Währungsorgan schon aus reinen Stabilitätsinteressen die Angelegenheit mit Griechenland klären und nicht 28 EU Finanzminister unter Deutscher Führung, die sich im Grunde so verhalten als würde es sich dabei um Nationalwährungs-finanzhilfen handeln.

        mfg

      • Heutzutage ist es doch der Normalfall, dass es verschiedene nationale Währungen mit flexiblen Wechselkursen gibt. Einige kleinere Länder schließen sich größeren Währungen an, doch die Eurozone ist die totale Ausnahme. Sie funktioniert auch so schlecht, dass das hoffentlich niemand nachmacht (einige afrikanische Länder haben wohl noch solche Pläne). Die gemeinsame Koordination in makroökonomischen Fragen gelingt doch selbst in der Eurozone nicht, während sie bei verschiedenen Währungen viel weniger nötig ist.

        Wie ich schon erklärt habe, ist es einfach nicht richtig, dass durch Aufwertungen Inflation importiert würde. Das geschieht auch nicht durch Kapitalimporte, wobei diese ebenfalls eine Folge der Einheitswährung sind (normaler ist die Situation der USA, wo den Kapitalimporten ein Exportdefizit gegenübersteht). Zu beachten ist, dass mit Inflation der Anstieg des Preisniveaus von Konsumgütern (einschließlich Dienstleistungen für Endkonsumenten) gemeint ist. Im Übrigen ist der Euro Folge höchst inkompetenter Politik.

        Deutschland verdient nichts an den Griechenlandkrediten, im Gegenteil. Die Zinsen sind angesichts der Risiken viel zu niedrig und werden größtenteils zurückgereicht zusammen mit neuen Krediten, die nie zurückgezahlt werden. Die EZB hat schließlich überhaupt kein Mandat zur Rettung von Staaten vor der Insolvenz oder dem Euroaustritt.

        Sie ignorieren, dass Friedrich August von Hayek und Maynard Keynes intellektuelle Gegenspieler waren. Ersterer wollte mehr individuelle Freiheit, auch bei Währungsfragen, letzterer mehr staatliche Interventionen.

      • Ich denke Sie verwechseln Hayek mit Friedmann. Keynes und Hayek waren auf persönlicher Ebene sehr eng befreundet und auf der Wirtschaftstheoretischer Ebene respektvolle Opponenten. Und Friedmanns ökonomische Perspektive war schon immer auf der politischen Ebene einer Supranationalen Währungspolitik angesiedelt, oder denken Sie ernsthaft die Bundesstaaten der USA innerhalb ihrer Nationalökonimischen Wirtschaftspolitik etwa nicht Keynes theoretische Funktionsmechaniken angewendet haben?

        Das Gesamtwirtschaftliche Paradoxon im Europäischen Fiskalpackt und der vollkommen Schwachsinnige ESM Rettungsschirm, haben überhaupt nichts mit der EZB zu tun.
        https://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ischer_Fiskalpakt
        https://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ischer_Stabilit%C3%A4tsmechanismus

        By the way, die Geschichte der Europäschen Währungsunion 1951-1979:

        1951 begann mit der Gründung der Montanunion nach dem Zweiten Weltkrieg ein neues Zeitalter. Die Römischen Verträge waren 1957 ein weiterer Schritt zur Europäischen Einigung. Das damalige Ziel war eine Handelsunion und ein gemeinsamer Agrarmarkt; dafür hielt man eine Währungsunion für nicht nötig. Darüber hinaus existierte mit dem Bretton-Woods-System ein damals noch gut funktionierendes internationales Währungssystem. Eine Vereinigung im Währungsbereich wurde erstmals 1962 nach dem sogenannten Marjolin Memorandum der Europäischen Kommission diskutiert.

        Die erste Institution für die Zusammenarbeit der nationalen Zentralbanken der Mitgliedstaaten der damaligen Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) war der 1964 eingesetzte Ausschuss der Zentralbankpräsidenten. Die Geschichte der europäischen Währungsunion begann 1970 mit dem Werner-Plan, der erstmals die Errichtung einer europäischen Währungsunion vorsah, aber scheiterte. 1972 begann der Europäische Wechselkursverbund mit festen Wechselkursen zwischen den Währungen einiger europäischer Staaten, wobei maximale Schwankungen von ± 2,25 % erlaubt waren. 1979 wurde der Verbund vom Europäischen Währungssystem abgelöst, zu dessen Zielen die Wegbereitung für eine Währungsunion gehörte. Hier waren ebenfalls die Wechselkurse und eine Bandbreite für die Schwankungen festgelegt, die nationalen Zentralbanken mussten die Wechselkurse durch Interventionen am Devisenmarkt sichern. Die Zugehörigkeit zum europäischen Währungssystem war eine Voraussetzung für die Aufnahme in die Währungsunion, mit deren Beginn das Währungssystem endete.

        mfg

      • John Maynard Keynes und Friedrich August von Hayek waren die großen intellektuellen bzw. wirtschaftswissenschaftlichen Gegenspieler ihrer Zeit, Milton Friedman kam eine Generation später.

        Natürlich haben EZB und ESM unmittelbar miteinander zu tun. Bitte geben Sie auch nicht mehr ungekennzeichnete Langzitate wieder, die ohnehin wenig zur Debatte beitragen.

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