Ist Le Pen plötzlich für den Euro?

Marine „Le Pen weicht ihre Anti-Euro-Haltung auf“. „Au revoir, ‚Frexit‘!“ „Verübte Marine Le Pen politischen Selbstmord?“ Ich sehe das nicht so dramatisch. Natürlich ist es blanker Opportunismus von ihr, jetzt bei der Stichwahl um das Präsidentenamt auch bei Eurobefürwortern oder zumindest besorgten Sparern, die bei der Abwertung nach einer Euroabschaffung große Verluste fürchten, Stimmen gewinnen zu wollen. Doch ich hatte sie schon vorher so verstanden (siehe ‚Gauland mit Weidel, Macron gegen Le Pen‘), dass auf ihren Wahlsieg nicht unbedingt der sofortige Austritt aus der Eurozone oder sogar der EU insgesamt folgen würde, sondern dass sie das französische Volk dazu befragen will. Das ist eine demokratische Vorgehensweise, zu der sich ihr EU- und euroverliebter Gegenkandidat Emmanuel Macron kaum wird durchringen können. Auch die Idee einer Parallelwährung, also Euro und Franc nebeneinander, hat viel für sich, selbst wenn ihre Ausführungen dazu noch recht konfus wirken.

Inzwischen hoffe ich, dass Frau Le Pen, die nationalistisch, doch entgegen den ständigen Wiederholungen in deutschen Medien keineswegs rechtsextrem ist, die französischen Präsidentschaftswahlen gewinnt, weil das endlich europaweit zu einer ernsthaften Debatte darüber führen würde, wie es mit der EU und Eurozone weitergehen soll. Der Brexit hat dazu leider nicht gereicht, sondern in vier Minuten einigten sich „27 gegen London“. Es ist völlig unklar, wie vor allem Frau Merkel sich echte Verhandlungen vorstellt oder ob sie diese überhaupt wünscht. Vielleicht erwartet sie mit anderen europäischen Regierungschefs, dass das Vereinigte Königreich die EU-Leitlinien komplett schluckt oder ansonsten ohne jedes Abkommen aus der EU herausfällt. Die Bundestagswahl wird daran nichts ändern, die französische Präsidentschaftswahl böte immerhin eine Chance dazu. Herr Macron will hingegen die EU und Eurozone noch weiter vertiefen, bzw. einfach mehr Geld von Deutschland, um in Frankreich nichts ändern zu müssen.

9 Gedanken zu „Ist Le Pen plötzlich für den Euro?

  1. Es ist gut und richtig, dass Marine Le Pen nicht einfach aus dem Euro ausscheiden, sondern die Franzosen darüber abstimmen lassen will. Genau DAS sollte auch die AfD fordern.

    Ich lese immer wieder, dass der Front National nicht nur nationalistische, sondern sogar sozialistische Elemente in seinen Statuten vertrete. Die habe ich nicht gelesen und das ist mir auch nicht so wichtig, denn ich bin kein Franzose und lebe dort nicht. Wichtig aber ist mir eine große EU-Reform mit Rückbau der Zuständigkeiten und Fokussierung auf grenzübergreifende Aufgaben (Binnenmarkt, Verbrechensbekämpfung, Abwehr illegaler Migration, Umweltschutz, Reaktorsicherheit, Verteidigungskooperation). Mit Herrn Macron ist das leider nicht zu erwarten!Wenn diese EU-Reform nicht möglich ist, wäre ein Austritt besser, für Frankreich UND für Deutschland. ABER auch darüber sollten die Bürger abstimmen dürfen.

  2. Frau Le Pen wird keine Chance haben; 35% oder vielleicht auch ein Achtungserfolg mit 40%+ sind drin, aber im Gegensatz zu Hofer oder Trump oder Brexit ist es äußerst unwahrscheinlich, dass sie sich durchsetzen kann – oder wettet hier jemand auf sie?

    Spannender sind nun die Parlamentswahlen in Frankreich und UK im Juni sowie der weitere Verlauf des Brexit-Prozesses.

  3. Lieber Alexander, ich weiß, dass unsere politische Vorstellungen weit voneinander entfernt sind, aber Marine Le Pen den Wahlsieg zu wünschen, darf auch seitens eines liberalen Eurogegners (so verstehe ich Deine politische Position) nur als Provokation oder maximal als Ausdruck von Zynismus durchgehen. Ja, es würde wohl so sein, dass ein Le Pen-Sieg zu innereuropäischen Debatten führen würde. Wegen dieser Debatten einen Le Pen-Sieg zu wünschen, wäre aber ähnlich wie die Bombardierung von bewohnten Städten zu befürworten, um damit eine Debatte um urbane Architektur in Gang zu setzen. Eine Präsidentin Le Pen (wäre ja die logische Folge ihres Wahlsiegs) ist den Franzosen – die ich zufälligerweise sehr mag – wirklich nicht zu wünschen.
    Frau Le Pen steht für einen illiberalen Staat, für ein gegenaufklärerisches Geschichtsbild (es lohnt sich hier, mal ihre Wahlkampfauftritte per Video zu verfolgen, und zwar genau an den Stellen, an denen sie vom dediabolisierten Redemanuskript abweicht), sie bedient systematisch die durchaus rassistische Basis ihrer Partei, sie vergleicht in der Öffentlichkeit betende Muslime mit der (deutschen) Besatzung, sie will systematisch die Religionsfreiheit einschränken und durch ihr Memorandum zur Immigration selbst studentische Mobilität massiv einschränken. Marine Le Pen hat über Jahre die antisemitischen Ausfälle ihres Vaters verteidigt (Auschwitz als ‚Detail der Geschichte‘), sie hat bislang an keiner Stelle positiv auf die deutsch-französische Aussöhnung Bezug genommen. Marine Le Pen steht für ein äußerst autoritäres Staatsverständnis, ihr Händedruck mit Putin (einer der Financiers des Front National) passt da ins Bild. Die Frage, ob die in Frankreich übliche Bezeichnung als ‚extrême droite‘ angemessen mit ‚rechtsextrem‘ übersetzt werden kann, mag dahingestellt sein. Gut möglich, dass ein Höcke rechts von ihr steht. Der Front National und mit ihm seine Protagonistik sind aber allemal für jeden, der die Werte, wie wir sie auch im Grundrechtskatalog des Grundgesetzes finden, hoch schätzt, vollkommen unwählbar, Gegner des Euro eingeschlossen.
    Ich verstehe Dein Plädoyer für Le Pen einfach nicht. Abgesehen von der Haltung zu Europa müsste Macron als erster liberaler Präsidentschaftsanwärter der fünften Republik überhaupt (eventuell mit Abstrichen neben Giscard) doch Deine Sympathien finden. Aber alle politischen Differenzen beiseite: Le Pen solltest Du genau so wie ich nun wirklich ablehnen und daher für den zweiten Wahlgang Macron den Sieg wünschen.

    • Ich behaupte nicht, dass Frau Le Pen eine gute französische Präsidentin wäre. Aber unter den gegebenen Umständen wird Herr Macron noch schlechter sein. Er ist eben kein liberaler Kandidat, sondern bestenfalls ein sozialdemokratischer, eher ein eurosozialistischer. Wahrscheinlich wird er gewinnen, doch sein Sieg sollte dann nicht zu deutlich ausfallen. Sollte wider Erwarten Frau Le Pen gewinnen, wird sie keine Parlamentsmehrheit bekommen und Kompromisse machen müssen. Auch Herr Trump merkt doch langsam, dass er nicht so durchregieren kann wie Herr Erdogan.

      • Wie aus dem Nichts wurde Emmanuel Macron zum neuen Präsidentschaftskandidaten in Frankreich aufgebaut. Massiv beteiligt daran war die gesamte Medienlandschaft Europas.

        Die Geschichte von Macrons Auftauchen in der Präsidentschaftsrunde zeigt jedoch nicht nur die Leichtigkeit, mit der PR-Agenturen und die Massenmedien in der Lage sind, einen Unbekannten an die Spitze eines Landes zu bringen. Macrons Erfolgsgeschichte zeigt vor allem, welche Macht die Strippenzieher hinter den Politikmarionetten tatsächlich haben und wie leicht die Menschen zu manipulieren sind.
        Wirklich ausschlaggebend dürfte seine Tätigkeit bei der Pariser Rothschild-Bank gewesen sein, die an den Finanzexzessen der letzten Jahre entscheidend beteiligt war. Mit 31 Jahren erhielt er eine Position als Investmentbanker bei der Pariser Investmentbank Rothschild & Cie. Zwei Jahre später schon wurde er Partner (associé-gérant) bei Rothschilds selbst. Im Jahr 2012 begleitete Macron eine der größten Übernahmen des Jahres, den Kauf der Säuglingsnahrungssparte des US-Pharmakonzerns Pfizer durch den Nahrungsmittelkonzern Nestlé für 11,9 Milliarden US-Dollar.

        Bei diesem Lebenslauf sollte man sich eigentlich die Frage stellen, wie kann ein Investment-Banker, der in diesem Ausmaße Geschäfte für die Hochfinanz und Großkonzerne abwickelt, ernsthaft als Kandidat für die kleinen Leute verkauft werden?
        Wie so häufig in der Politik wird es auch bei Macron laufen. Denn Politiker agieren nach dem Motto: Nicht das Erreichte zählt, sondern das Erzählte reicht. Sollte er tatsächlich gewählt werden, wird es für Europa exakt so weitergehen wie bisher. Also Euro auf Biegen und Brechen, mehr Migration und, viel wichtiger, noch mehr Bankenrettung bis zur totalen Enteignung. Das betrügerische Giralgeldsystem (Schuldgeldsystem) soll bis zum letzten Atemzug erhalten werden und deswegen werden ihre besten Männer ins Rennen geschickt. Macron ist die französische Ausgabe eines Tsipras, seine Politik wird ebenso auf höhere Steuern und Abgaben mit Suppenküchen hinauslaufen. Aber er sieht gut aus, hat Stil und kann sich gut artikulieren.

  4. Es wird immer für einen Euro Austritt geworben,aber den Leuten nicht erklärt warum der Euro so schädlich ist.

    Euro Austritt = Nationalistisch ist alles,was sich die Leute merken.

    Darum geht es aber gar nicht.

    Der Euro schadet fast allen,außer der Deutschen Industrie und der Deutschen Regierung.
    Er schadet den Bürgern in Deutschland,im Rest Europas und den anderen europäischen Staaten.

    Wenn wir das ändern wollten und den Euro behalten wollen,dann müßten wir die Industrie über einen Schlüssel gleichmäßiger in Europa verteilen.

    Ich weiß aber nicht,ob die Griechen außer Ziegenkäse,den sie mittlerweile schon importieren überhaupt etwas produzieren können und auch wollen.

    • Es wäre planwirtschaftlicher Wahnsinn, die Industrie gleichmäßig über Europa verteilen zu wollen, zumal sie nie gleichmäßig verteilt war und Dienstleistungen heutzutage viel mehr Arbeitsplätze bringen. Richtiges Geld führt zu richtigen Preisen und damit den richtigen marktwirtschaftlichen Anreizen, während der Euro als für alle Länder unpassende Währung zu enormen Verzerrungen und damit Ineffizienzen führt.

  5. Eben ZDF gesehen zur „rechtsextremen“ Le Pen und dem „sozial-liberalen“ Macron. Was um alles in der Welt ist an Herrn Macron liberal? Mit ihm wird es weitere fünf Jahre Stillstand ohne jede substantielle marktwirtschaftliche Änderung geben.
    Mit Le Pen wird die Lage in Frankreich so turbulent werden, dass tatsächliche Reformen unumgänglich sind; gut für Frankreich, Deutschland und die Rest-EU.
    Eine Parallelwährung habe ich in der Praxis in Costa Rica erlebt, endemisch die Colones und dazu der US-Dollar, der auch von Behörden problemlos akzeptiert wird. Die übrig gebliebenen Colones, die man z.B. als Wechselgeld erhält, schenkt man bei der Ausreise den amtlich ausgewiesenen Bettlern am Flughafen, die sich natürlich über den einen oder anderen Dollarschein freuen.
    Es schiene zweckmäßig, für eine Übergangszeit einen heimischen Franc nouveau einzuführen und gegebenenfalls sich nach Volksabstimmung für eine endgültige Regelung zu entscheiden,

    • Fast in ganz Lateinamerika ist der US-Dollar Zweiwährung. Viele Latinos leben und arbeiten in den USA und schicken monatlich Geld (remesas), zur Unterstützung von Familienangehörigen in die Heimat. Bei Banken kann man in den meisten Staaten US-Dollar-Konten eröffnen und je nach Kurs zwischen dem Dollar und der einheimischen Währung hin und her Switchen. Wer Dollars besitzt, merkt die oft hohe Inflationsrate in Mittel- und Südamerika gar nicht oder profitiert sogar davon.

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