Deutschland hat weit überdurchschnittliche Steuer- und Abgabenlast

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zeigt wieder in beispielhaften Rechnungen, dass die „Belastung durch Steuern und Abgaben in Deutschland weiterhin deutlich über [dem] OECD-Schnitt“ liegt. So wanderten 2016 erneut 49,4 Prozent der Arbeitskosten eines alleinstehenden Durchschnittsverdieners an den Staat und seine Sozialkassen. Damit wird diesmal sogar der zweite Platz nach Belgien erreicht, während es 2015 noch der dritte Platz hinter Österreich war (siehe ‚Hohe Steuer- und Abgabenbelastung‘). Wer 67 Prozent über dem Durchschnitt verdient, musste 2016 sogar 51,4 Prozent abführen, also deutlich über die Hälfte. Das liegt auch über dem Spitzensteuersatz von 45 Prozent, der 2016 für Einkommen über 254.447 Euro gezahlt werden musste, während dann entweder überhaupt keine oder keine zusätzlichen Sozialabgaben mehr anfallen.

Unser Steuer- und Abgabensystem ist also keineswegs rein progressiv ausgestaltet, sondern abhängig Beschäftigte mit mittleren und leicht überdurchschnittlichen Einkommen müssen relativ am meisten zahlen (wenn sie keine Beamten sind, die nicht in die gesetzlichen Pflichtversicherungen einzahlen müssen). Wer deutlich mehr verdient, zahlt zumindest relativ weniger, während gar nichts oder wenig verdienende Haushalte in der Regel vom Staat alimentiert werden. Relativ günstig ist es in Deutschland auch, einen gering- oder gar nicht verdienenden Ehepartner zu haben, weil das durch das Ehegattensplitting die progressive Einkommensteuer mindert (aus Sicht des Alleinverdieners, während Haushalte von Ehepaaren bei gleichem Einkommen gleich besteuert werden). Kinder bringen nur relativ geringe Freibeträge ein, die weit unter den normalen Kosten für Kinder liegen. Das Hauptproblem sind jedoch ohnehin nicht die Steuern, sondern die Sozialabgaben, denen eine immer geringere Gegenleistung für die individuellen Beitragszahler gegenübersteht.

53 Gedanken zu „Deutschland hat weit überdurchschnittliche Steuer- und Abgabenlast

  1. Danke, lieber Herr Dilger, auch für diese aktuellen Infos. Die politischen Parteien werden erneut versuchen, die Wähler mit unhaltbaren Versprechen zu ködern. Statt plumpe allgemeine Steuersenkungen in Aussicht zu stellen, sollten verantwortliche Politiker endlich mal Steuergerechtigkeit schaffen wollen, etwa: Wer keine Vermögensteuer erheben will, sollte folgerichtig auch die Grundsteuer als Teil-Vermögensteuer auf Immobilien abschaffen wollen. Oftmals werden junge Familien mit Grundsteuer auf ihr fremdfinanziertes Reihenhaus belastet, obwohl gleichzeitig Inhaber großen mobilen Eigenkapitals (etwa Aktiendepots in Millionenhöhe, Privatflugzeuge, Yachten) unbelastet bleiben. Viele weitere Beispiele für Ungerechtigkeit in Steuersachen bestehen, müssten abgeschafft werden.
    (Finanzrichter Dr. Michael Balke)

    • Es ist interessant, dass Sie die Grundsteuer aus Gründen der Steuergerechtigkeit abschaffen wollen. Zumindest historisch wurde klar zwischen Grund und Boden einerseits sowie Kapital andererseits unterschieden. Der Boden ist einfach da und wirft ökonomisch gesehen eine Rente ab, für die man nichts weiter tun muss. Das rechtfertigt eine Grundsteuer, auch wenn diese am Ende von den Bodenbesitzern auf die Konsumenten (z. B. Mieter oder Verbraucher landwirtschaftlicher Erzeugnisse) abgewälzt wird. Kapital muss hingegen angespart und erhalten werden, weshalb es keine echte Rente, sondern eine sogenannte Quasirente abwirft (wenn das Kapital da ist, wirkt die Rendite wie eine Rente, doch man musste vorher etwas dafür tun), was die Besteuerung in die Substanz hinein viel problematischer macht (im Gegensatz zu einer Kapitalertragsteuer). Es ist eine interessante Frage, ob diese Unterscheidung noch so gilt. Wenn der Boden erst durch Veredelung wertvoller wird, z. B. den Bau eines Hauses, handelt es sich eher um Kapital. Entsteht der Wert jedoch von außen, z. B. weil Gemeinden investieren und dadurch attraktiver werden, könnte das wieder für die Grundsteuer sprechen. Auf jeden Fall schädlich ist die Grunderwerbsteuer.

      • Mir geht es bei der noch existenten Grundsteuer (= Teil-Vermögensteuer auf einen Bruttobetrag) und der nicht mehr zu zahlenden Vermögensteuer (Nettobetrag; Schulden wurden berücksichtigt) um fehlende Folgerichtigkeit bei der Vermögens-Besteuerung. Insbesondere die (vollen) Fremdfinanzierer eines Hausgrundstücks sind überhaupt nicht vermögend, werden gleichwohl durch die Grundsteuer zu Unrecht belastet.

  2. Die Steuer- und Abgabenlast wird auch nach der Bundestagswahl nicht wesentlich sinken, wetten??? Mutti Merkels Flüchtlingsschätzchen müssen doch versorgt werden. Und Spesenritter Schulz will noch mehr von denen aufnehmen, denn die sind für ihn „wertvoller als Gold„. Wer einer dieser beiden Deutschland-Abschaffer wählt, kann auch gleich sein Vermögen verschenken…..!

      • Sie könnten leider Recht haben! Wird Merkel wiedergewählt, wird sie das als Bestätigung ihrer desaströsen Politik verstehen. Schafft es Schulz ins Kanzleramt, nachdem die SPD seit vielen Jahren am Boden lag, wird er vor Selbstbewusstsein nur so strotzen.

        In beiden Fällen besteht die Gefahr, dass der Sieger zur Selbstüberschätzung neigt und ähnlich wie Erdogan in der Türkei autoritäre Züge annimmt, die ja heute bei Merkel schon erkennbar sind („alternativlos„).

  3. Die Entwicklung dürfte wohl so weiter gehen wenn man bedenkt, dass die immer höheren Einnahmen der letzten Jahre durch immer neue ausgabenprogramme kompensiert wurden. Dazu kommen die Zahlungsverpflichtungen aus dem €. Wenn die Party auf dem Arbeitsmarkt mal vorbei ist wird man merken auf wie dünnem Eis die AusgabenProgramme (a la Ausweitung der Leistung der grv und pflege) gebaut sind und um Steigerung der beitragssatz nicht herum kommen.

  4. Bei der Steuerbelastung spielen auch zunehmende Regelungsdichte und restriktivere Gesetzesauslegung eine große Rolle. Steuerminderungsstrategien von Gutverdienern haben immer weniger Grundlagen. Meine der Alters-Einkünfte-Sicherung dienende Vermögensbildung wäre heute in ausreichendem Umfang kaum noch möglich.
    Diese Entwicklung betrifft auch Wirtschaftsunternehmen.
    Den hier von Dr. Balke hergestellten Zusammenhang zwischen der Wiedereinführung einer Substanzsteuer auf Kapital und der Grundsteuer als Gemeindesteuer aus Gründen der Steuergerechtigkeit gibt es nach meinem Verständnis nicht zwingend.

    • Ich plädiere nicht für eine Neuauflage der Vermögensteuer. Denn eine gerechte Vermögensbesteuerung ist – mit guten Gründen – wegen jahrzehntelanger ungleicher Bewertung von Mobilien und Immobilien gescheitert (vgl. Entscheidungen des BVerfG aus 1995 zur verfassungswidrigen Einheitsbewertung des immobilien Vermögens). Wenn der Staat – aus welchen Gründen auch immer – nicht in der Lage ist, Vermögen allgemein fair zu besteuern, dann fehlt auch die Rechtfertigung immobiles Vermögen mit einer Sondersteuer (Grundsteuer) zu belegen, zumal die Grundsteuer die Berücksichtigung der Grundschulden ausschließt (= unzulässige Bruttobesteuerung).

      • Die Grundsteuer ist eine Real- bzw. Objektsteuer. Sie knüpft im Gegensatz zu einer Vermögensteuer nicht an der Leistungsfähigkeit des Steuerpflichtigen an. Deshalb ist es auch egal, ob jemand ein Grundstück erbt, vollständig bezahlt oder auf Kredit kauft. Zumindest ökonomisch kann eine echte Grund- bzw. Bodensteuer sinnvoll sein. Der Einbezug von Gebäuden etc. ist problematischer, insbesondere wenn der Bauherr selbst in der Folge besteuert wird.

      • Herr Balke,
        die Vermögensbesteuerung ist realistisch betrachtet ein Ding der Unmöglichkeit genau wie eine Firmenbewertung nach den BASEL-Kriterien.
        Bargeld läßt sich ja leicht 1:1 bewerten. Aber wie sieht es mit Sammlerstücken (Briefmarken, Münzen, Teppiche usw.) aus? Der Kaufpreis liegt oft weit über dem Veräußerungswert, insbesondere wenn der Verkauf in einer Notsituation erforderlich ist. Aktienvermögen kann sich innerhalb kürzester Zeit halbieren. Wie soll man da einen realistischen Handelswert feststellen?

      • Wenn es echte Marktpreise gibt, ist die Bewertung nach diesen vorzunehmen, auch wenn der Wert morgen schon wieder ein anderer sein kann. Das Problem bei der Vermögensteuer waren dementsprechend auch nicht Aktien oder Briefmarken, sondern Immobilien, die sich als selten gehandelte Unikate nur schwer bewerten lassen, wobei die angesetzten Einheitswerte viel zu niedrig waren. Ein Problem kann jedoch zumindest partiell ein anderes ausgleichen, also z. B. eine zu niedrige Vermögensteuer für Immobilien die nur für Immobilien erhobene Grundsteuer.

  5. Herr Dilger erwähnt hier, dass die Grunderwerbsteuer „schädlich“ sei.

    Ich stimme zu, weil zum einen in Deutschland die Grunderwerb-Steuersätze von Bundesland zu Bundesland zwischen 3,5 bis 6,5 Prozent grob differieren. Zum zweiten weil mit dem Grunderwerb zusammenhängende Baukosten sehr oft mehrfach belastet werden, mit Grunderwerb- und Umsatzsteuer durch eine fatale uneinheitliche Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH):

    Fraglich ist jedoch, ob die nicht folgerichtige Rechtsprechung des BFH, des höchsten deutschen Steuergerichts, im Jahr 2017 zur Mehrfachbelastung der Baukosten durch Grunderwerb- und Umsatzsteuer endlich endet. In 2017 werden aus meinem Dezernat voraussichtlich einschlägige Verfahren durch den 7. Senat des Niedersächsischen Finanzgerichts (NFG) entschieden.

    Es geht um die verfassungs- (dazu Artikel 3 Absatz 1 GG) sowie gesetzwidrige Mehrfachbelastung der Baukosten mit Grunderwerb- und Umsatzsteuer (vgl. § 1 Absatz 1 Nr. 1 GrEStG sowie § 4 Nr. 9a UStG) aufgrund falscher Annahme eines einheitlichen Vertragswerks (bestehend aus Grundstücksübertragungs- und Bauvertrag) durch die jahrzehntelange Rechtsprechung des Grunderwerbsteuersenats des BFH sowie aufgrund gleichzeitiger Nichtannahme eines einheitlichen Leistungsgegenstandes bei der Umsatzsteuer durch die (insoweit) korrekte Rechtsprechung der Umsatzsteuersenate des BFH. Möglicherweise wird bei der Entscheidungsfindung des 7. Senat des NFG auch eine Rolle spielen: die problematische jahrzehntelange Nichtanrufung des Großen Senats des BFH durch die an der voneinander abweichenden BFH-Rechtsprechung beteiligten BFH-Senate (mit Blick auf den gesetzlichen Richter nach Artikel 101 GG).

    Näheres dazu in den veröffentlichten Entscheidungen des konsentierten Einzelrichters zu den Aktenzeichen 7 K 28/10, 7 K 29/10, 7 K 223/10, 7 K 224/10,

    vgl.http://www.drmichaelbalke.de/files/dokumente/presse/17.07.2013.pdf

    die der Grunderwerbsteuersenat des BFH leider aufgehoben hat. Finanzrichter Dr. Michael Balke macht weiter, immer weiter …

  6. Herr Dilger,
    man liest immer wieder, die Grundsteuer sei eine Obejrkt-, eine Realsteuer, auf die finanzielle Leistungsfähigkeit des Eigentümers komme es nicht an. Dies ist, mit Verlaub, nicht richtig und kaum nachvollziehbar. Denn die Grundsteuer hat selbstverständlich der leistungsfähige Eigemtümer (der Steuerpflichtige) zu zahlen, nicht das Grundstück, entsprechend werden der Grundsteuerbescheid und der Grundsteuermessbescheid an den Eigentümer bekanntgegeben, nicht an den Grund und Boden. Wie sollte das auch funktionieren?Zudem können auch bei der Grundsteuer Stundungs- und Erlassvorschriften, die auf die ggf. verringerte Leistungsfähigkeit des Grundsteuerpflichtigen abzielen, zur Abwendung kommen.

    • Als Finanzrichter sollte Sie eigentlich wissen, was mit Real- bzw. Objekt- im Gegensatz zu Subjektsteuern gemeint ist. Es zahlt immer eine (ggf. juristische) Person die Steuern, doch Objektsteuern knüpfen an Tatbestände unabhängig von der Person und deren Leistungsfähigkeit an. In § 3 Abs. 2 Abgabenordnung werden die Grund- und Gewerbesteuer als Realsteuern bezeichnet. Ein anderes Beispiel ist die Kraftfahrzeugsteuer. Diese bemisst sich nach Eigenschaften des Fahrzeugs, nicht des Halters. Wer sich diese Steuer nicht leisten kann, muss schlimmstenfalls sein Fahrzeug verkaufen.

      • Herr Dilger,

        Sie können beruhigt sein, “als Finanzrichter“ kenne ich selbstverständlich die unterschiedlichsten Bezeichnungen und Rechtfertigungsversuche der deutschen Steuerarten, auch die in die Irre führenden, auch die absurden. Einerlei wie der Gesetzgeber die weit mehr als zwanzig verschiedenen deutschen Steuern einordnet, ob als Real-, Objekt- oder Subjektsteuer, als direkte oder indirekte Steuer, als Umsatz-, Verbrauch-, Aufwands- oder Einkommensteuer, es geht im Kern immer um denselben Steuergegenstand, nämlich die finanzielle Leistungsfähigkeit der Steuerbürger. Bei Lichte betrachtet sind alle Steuern Einkommensteuern, weil sie vom Steuerbürger aus seinem Einkommen bzw. aus seinem Vermögen als gespeicherten Einkommen zu zahlen sind. Es bleibt dabei: Steuerbürger, nicht Grundstücke oder Kraftfahrzeuge zahlen Steuern.

        Der Gleichheitssatz des Artikels 3 des Grundgesetzes wird dadurch verletzt, dass nur ein Teil des Vermögens, das Grundvermögen, durch die Grundsteuer als Teil-Vermögensteuer (sonder-)belastet wird. Dass die mit dem Grund und Boden zusammenhängenden Verbindlichkeiten bei der Grundsteuer nicht zum Abzug zugelassen werden, ist ein zusätzlicher Verstoß gegen das Leistungsfähigkeitsprinzip. Wer dies alles mit technischen Zuweisungsvorschriften zum Steueraufkommen (etwa Artikel 106 Absatz 6 Satz 1 GG) rechtfertigen will, hält staatliche Organisationsvorschriften für wichtiger als die Grundrechte der Bürger.

        Klaus Tipke, ein großer Vordenker des Steuerrechts, schreibt dazu: „Es ist eben ein Unterschied, ob man bestrebt ist, den Haushalt mit effektiven steuertechnischen Mitteln irgendwie zu finanzieren, oder ob das auf gerechte Weise geschehen soll“.

      • Es ist einfach nicht richtig, dass alle Steuern die finanzielle Leistungsfähigkeit der Bürger zum Gegenstand haben. Das trifft nur auf die Subjektsteuern zu, nicht die Objektsteuern einschließlich Umsatzsteuer. Diese muss indirekt auch zahlen, wer überhaupt kein zu versteuerndes Einkommen und keinerlei Vermögen hat, sondern z. B. von staatlichen oder auch privaten Transferzahlungen lebt.

        Sie mögen der Ansicht sein, dass es normativ nur Subjektsteuern geben sollte und z. B. die Umsatzsteuer ebenfalls progressiv nach der Leistungsfähigkeit der Konsumenten ausgestaltet werden sollte. Dazu bedarf es dann jedoch inhaltlicher Argumente statt der bloßen Behauptung, Objektsteuern seien ungerecht oder gar nicht existent.

  7. Herr Dilger,
    zunächst antworte ich Ihnen mit einem Zitat von Klaus Tipke, Die Steuerrechtsordnung, 1993, S. 261:

    „Die gerechte Verteilung der Gesamtsteuerlast auf die einzelnen Bürger ist ein Imperativ der Ethik … Die vornehmste Aufgabe eines Rechtsstaates ist es, für gerechte Regeln zu sorgen und sie durchzusetzen, seine Bürger vor Unrecht zu schützen“.

    Dass der Gleichbehandlungsgrundsatz des Artikels 3 Absatz 1 GG für die Besteuerung allgemein die Einhaltung des Prinzips der Besteuerung nach der finanziellen Leistungsfähigkeit des Bürgers verlangt, anerkennt sogar das Bundesverfassungsgericht (das ansonsten oft verfassungswidriges Steuerverfassungsrecht produziert, etwa die sog. pro-futuro-Rechtsprechungspraxis, mit der immer wieder Grundrechte der Bürger auf Zeit außer Kraft gesetzt werden; dazu kritisch Balke, Festschrift für Lang, 2011, S. 965 ff.),

    vgl. zum Beispiel Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 22.2.1984 1 BvL 10/80 BVerfGE 66, 214, 223: „Es ist ein grundsätzliches Gebot der Steuergerechtigkeit, daß die Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit ausgerichtet wird.“

    Die Umsatzsteuer belastet nach ihrer Konzeption nicht den Unternehmer, sondern den Endverbraucher, der damit bezüglich seines (gespeicherten) Einkommens zum zweiten Mal Steuerträger wird, zunächst beim Einkommenserwerb durch die Einkommensteuer, dann bei der Einkommensverwendung durch die Umsatzsteuer. Einkommen- und Umsatzsteuer sollen sich so ergänzen, Einkommensteuer-Hinterzieher können so wenigstens einmal, bei der Umsatzsteuer, mittelbar zur Kasse gebeten werden. Aufwendungen für Existenzielles, etwa Essen, Wohnen, werden umsatzsteuerlich nur zum Teil (mit 7, statt 19 Prozent) oder fast gar nicht erfasst (§ 4 Nr. 12 UStG). Bürger mit Transfereinkommen müssen auch aus Gründen der Praktikabilität Umsatzsteuer zahlen, dafür ist die Umsatzsteuer in deren Sozial-Regelsätze eingepreist. Ein progressiver Tarif ist bei der Umsatzsteuer genauso wenig zwingend wie bei einer möglichen Einkommensteuer nach den Reform-Vorschlägen von Paul Kirchhof (durchgängig 25 Prozent).

    • Das von Ihnen angeführte Urteil bezieht sich auf die Einkommensteuer. An den zitierten Satz schließt sich direkt an: „Dies gilt insbesondere für die Einkommensteuer“. Sie können daraus schlecht herleiten, dass Objektsteuern verfassungswidrig wären. Was hat denn z. B. die Tabaksteuer mit der individuellen Leistungsfähigkeit zu tun? Müsste ich sie dann nicht auch zahlen, obwohl ich Nichtraucher bin? Tatsächlich wirkt diese Steuer stark degressiv, also genau entgegen der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit.

      • Herr Dilger, lesen Sie bitte genau, ich wende mich mit guten verfassungsrechtlichen Gründen gegen eine punktuelle Besteuerung, etwa gegen die noch existente Grundsteuer (Grundvermögensteuer). Zwar bezieht sich das Zitat des BVerfG „insbesondere“ auf die Einkommensteuer, aber eben nicht nur auf die Einkommensteuer. Ich verstehe Ihren Drang nicht, die Grundsteuer im Kern rechtfertigen zu wollen, obwohl andere Vermögensarten, etwa Aktien, Geld, Gold, Flugzeuge, Yachten nicht Vermögens besteuert werden. Bei der Tabaksteuer wird eine gesundheitspolitische Rechtfertigung vorgetragen, die Nichtraucher nicht trifft.

      • Die Grundsteuer ist eben keine Vermögensteuer und noch nicht einmal eine Subjektsteuer. Für sie gibt es eine ganz andere Rechtfertigung als die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, nämlich gerade die Leistungslosigkeit der Bodenrente. Warum erkennen Sie eine solche andere Rechtfertigung (gesundheitspolitische Ziele) bei der Tabaksteuer an, nicht aber bei der Grundsteuer? Wie stehen Sie zur Energiesteuer (mit umweltpolitischen und außenwirtschaflichen Gründen)? Was halten Sie von der Gewerbesteuer (die ich übrigens ablehne)?

  8. Selbstverständlich ist die Grundsteuer eine Teil-Vermögensteuer und eine Steuer, die ein Subjekt, der Steuerbürger, zu zahlen hat; und sie ist – wie bereits ausgeführt – m.E. verfassungswidrig. Hier spielen Lenkungsziele, die ausnahmsweise, weil übergeordnet, gerechtfertigt sein können, keine Rolle. Die frühere Gewerbesteuer (ohne Anrechnung auf die Einkommensteuer) war als Sonderbelastung der Gewerbetreibenden m.E. verfassungswidrig; bei der derzeitigen Gewerbesteuer (mit Anrechnung auf die Einkommensteuer nach Paragraph 35 EStG) gibt es in vielen Fällen eine verfassungswidrige Überkompensation beim Solidaritätszuschlag, damit im Vergleich zu gleich hohen Einkünften als Arbeitnehmer oder Freiberufler eine geringere Ertragsteuerbelastung; dazu der Vorlagebeschluss des 7. Senats des Niedersächsischen Finanzgerichts vom 21.8.2013 7 K 143/08 zum Rechtsschutz eines Arbeitnehmers; zuständiger Berichterstatter: Richter Balke; Aktenzeichen beim BVerfG: 2 BvL 6/14, noch nicht entschieden).

    • Jede Steuer muss jemand bezahlen, das ist also kein relevantes Merkmal zur Feststellung einer Subjektsteuer, bei der es um die Leistungsfähigkeit geht. Die Grundsteuer ist auch keine Teil-Vermögensteuer, da sie, wie Sie selbst richtig festgestellt haben, überhaupt nicht am Vermögen ansetzt, sondern allein am Grundstück und dessen Wert, ob einem dieser nun vollständig gehört oder er kreditfinanziert ist. Ihre Argumentation basisert also darauf, dass Sie die Grundsteuer erst fälschlich als Subjekt- und Teil-Vermögensteuer kategorisieren und ihr dann vorwerfen, dass sie die Eigenschaften dafür gar nicht aufweist, also gerade die Leistungsfähigkeit und das Vermögen nicht berücksichtigt. Der richtige Schluss wäre jedoch, die Grundsteuer anders zu kategorisieren und dann inhaltlich über ihre Vor- und Nachteile nachzudenken.

      • Herr Dilger,
        meine Argumentation basiert insbesondere auf der Beachtung der Grundrechte, hier speziell des Gleichbehandlungsgrundsatzes, nach dem eine Steuer allgemeinen Charakter haben sollte. Sie dagegen scheinen auch willkürliche punktuelle Steuerarten hinnehmen zu wollen, Hauptsache man kann sie irgendwie kategorisieren. Nach Ihrer steuerlichen Denke wäre dann wohl auch die Einführung einer Gartenteichsteuer (punktuelle Objektsteuer) rechtlich möglich?

      • Die Grundsteuer hat einen allgemeinen Charakter. Sie ist eine der ältesten Steuern und ist durch Besteuerung einer ökonomischen Rente grundsätzlich besser als Steuern auf Arbeits- und Kapitaleinkünfte. Allerdings wäre dazu eine Ausgestaltung als Bodensteuer zu empfehlen, also ohne Berücksichtigung von Gebäuden. Die Unterscheidung zwischen Subjekt- und Objektsteuern ist nicht willkürlich, sondern sinnvoll.

        In Griechenland gibt es zwar keine Gartenteichsteuer, aber inzwischen eine Steuer auf Swimmingpools (siehe „Luxussteuer auf Swimmingpools betreffen keine Ferienwohnsitze!“. Schon vorher wurden dort Swimmingpools zur Abschätzung des Einkommens verwendet (siehe „Reiche Griechen tarnen Swimmingpools mit Militärplanen“).

  9. Dass die Grundsteur alt ist, verleiht ihr noch keine Rechtfertigung. Auch die Grunderwerbsteuer hat mit der Stempelabgabe einen alten Vorläufer, gleichwohl lehnen Sie, Herr Dilger, die Grunderwerbstruer zu Recht ab. Außerdem halten Sie selbst die Grundsteuer nur für Grund und Boden, nicht für Gebäude, für gerechtfertigt, also lehnen Sie die Grundsteuer in der derzeitigen Ausgestaltung zu (geschätzt) 4/5 ab? An der von Ihnen zitierten griechischen Poolsteuer können Sie erkennen, wie tief ein Steuer“recht“ sinken kann, wenn der Steuerstaat sich nicht um Steuergerechtigkeit kümmert, sondern Steuern allein nach Willkür eintreibt.

    • Alter alleine ist keine Rechtfertigung, aber ein Grund zur gründlichen Prüfung, denn was gar nicht gut ist, bleibt meist nicht sehr lange. Dass die jetzige Ausgestaltung der Grundsteuer nicht optimal ist, bedeutet nicht, dass sie ersatzlos abgeschafft oder sogar als verfassungswidrig verboten werden müsste. Heute noch bedeutsamer als die Besteuerung des Bodens selbst könnte die von Bodenschätzen und dem Verbrauch anderer natürlicher Ressourcen sein. Es ist zumindest ungeschickt, ausgerechnet das besonders zu besteuern, wovon man eigentlich mehr möchte (Arbeitsplätze, Investitionen und Nachfrage), statt ohnehin Vorhandenes (Boden) oder besser noch Unerwünschtes (Eingriffe in die Natur oder Gesundheitsgefährdendes), was aber noch nicht so schlimm ist, dass es ganz verboten werden muss.

      Wenn die Steuererhebung schlecht funktioniert, könnte der Rückgriff auf Einkommens- und Vermögensindikatoren wie Swimmingpools oder große Jachten die Steuergerechtigkeit erhöhen statt senken.

      • Herr Dilger, wenn ich Sie richtig verstehe, zielt Ihr Besteuerungskonzept schwerpunktmäßig nicht auf die Belastung der finanziellen Leistungsfähigkeit des Bürgers ab, sondern Sie befürworten vor allem Lenkungssteuern, die im Idealfall ein Steueraufkommen von 0 Euro ergeben. So wird eine verlässliche staatliche Finanzplanung unmöglich. Lenkungssteuern können begleitend eingesetzt werden, dürfen nie den Besteuerungsschwerpunkt bilden. Wer wie Sie, die Grundsteuer auf Gebäude zu Recht ablehnt, sollte nicht an der gesamten Grundsteuer wegen eines Mini-Anteils der Grundsteuer, der auf Grund und Boden entfällt, festhalten wollen. Die alleinige Besteuerung sichtbare großer Vermögensgegenstäbde, die sich nicht wie Gold und Geld verstecken lassen, setzt voraus, dass der Staat ohne Gerechtigkeit, etwa wie eine Räuberbande, handeln will.

      • Es soll auch nach der finanziellen Leistungsfähigkeit besteuert werden, insbesondere durch die Einkommensteuer, aber nicht nur. Es ist nicht richtig, dass Lenkungssteuern im Idealfall zu gar keinem Aufkommen führen. Wenn es ideal ist, dass bestimmtes Verhalten gar nicht vorkommt, dann sollte es nicht besteuert, sondern verboten werden. Das gesamtgesellschaftliche Optimum für viele Umweltbelastungen liegt weder bei null noch beim Maximum, sondern irgendwo dazwischen. Wenn die beste Menge bekannt ist, könnte man diese festsetzen und entsprechend Zertifikate verkaufen, für die sich ein Marktpreis ergibt. Wenn man die Menge nicht kennt, kann man auch eine Zahlung pro Mengeneinheit festsetzen, was die Nutzung reduziert. Die Grenze zwischen Steuer und Abgabe wird dann übrigens fließend.

        Ich bin kein Experte auf dem Gebiet, würde aber vermuten, dass sich das Aufkommen aus der Energie- oder Tabaksteuer viel genauer voraussagen lässt als das der Einkommen- oder gar Körperschaftsteuer. Es fällt jedenfalls auf absehbare Zeit nicht auf null.

        Ich denke, dass eine reine Bodensteuer besser wäre, finde die jetzige Grundsteuer aber auch nicht so schlimm (obwohl ich sie selbst zahlen muss) oder gar verfassungswidrig.

        In Deutschland sollte der Staat nicht einfach nach sichtbaren Vermögensgegenständen besteuern, aber in Entwicklungsländern oder auch Griechenland könnte das besser sein als die Alternativen (entweder gar keine Besteuerung von reichen Personen oder eine völlig willkürliche).

      • Ich halte eine Grundsteuer in Form einer Lenkungssteuer sehr wohl für geboten.
        Boden ist die einzige völlig konstante Ressource, welche sich im Gegensatz zu Arbeit und Kapital nicht vermehren läßt.
        Angesichts einer stark wachsenden Weltbevölkerung (und des ungebremsten Zuzugs auch nach Deutschland) verringert sich der Quotient Boden (qm) pro Mensch drastisch. Boden ist der einzige wahrhaftige Besitz, denn z. B. auch Gold ließe sich wahrscheinlich (wenn auch sehr teuer und umweltschädlich) als Verfallsprodukt von Atomreaktionen künstlich erzeugen.
        Wenn ich aber z.B. die Erdoberfläche vergrößern würde (durch Abtragung z.B.
        von Mondgestein auf dem Mond und Verbringung dessen zur Erde) würden sich
        die Anziehung von Erde zu Mond sowie die Planetenlaufbahnen insgesamt verändern. Das wäre dann das Ende unseres Planeten.
        Derjenige, welcher allen Boden der Erde erwerben würde (ob durch Kapital,
        Arbeit oder gar Kredit finanziert) wäre der alleinige Herrscher der Erde.

        Historisch hatten wir regional bereits solche Strukturen.
        Als der Deutsche Orden Preußen eroberte (also die histor. Provinzen Ostpreußen und Westpreußen), wurde das Land unter den Gefolgsleuten und Rittern des Ordens aufgeteilt und die einheimische Bevölkerung der Prußen völlig des Bodens enteignet. So entstand der sogenannte „ostelbische Großgrundbesitz“. Der Großgrundbesitzer war dann oft dort, wo er herrschte,
        oberster Richter, Polizeichef und Regierungsdirektor in Personalunion.

        Mit der Einführung einer Grundsteuer verschuldeten sich jedoch diese Großdomänen zunehmend, sodaß sie es zur Kapitalisierung vorzogen, Land an zukünftige Kleinbauern abzugeben. Die Folge war dann das Entstehen von kleinlandwirtschaftlichem Besitz samt einer besseren wirtschaftlichen Nutzung der bestehenden Böden. Damit war dann auch der Allmacht der Großgrundbesitzer die Basis entzogen.

        Es kann also doch wichtig sein, eine Grundsteuer trotz bestehender Grundschuld beizubehalten, denn nur dann kann die Grundsteuer als Lenkungssteuer eine positive Wirkung entfalten.
        Würden wir allerdings Grundschulden steuermindernd berücksichtigen, hätten wir wahrscheinlich heute noch den Großgrundbesitz des 18. Jahrhunderts.

  10. Peterchens Mondfahrts Überlegungen zur Besteuerung des Grund und Bodens haben mit der heutigen Grundsteuer (auch auf Gebäude) kaum etwas zu tun. Ich denke, eine junge Familie, die auf ihr voll fremdfinanziertes Reihenhäuschen Grundsteuer zahlen muss, werden Sie mit Ihren Ausführungen zu Großgrundbesitzern nicht überzeugen, zumal die Grundsteuerbelastung des Wohnens im krassen Wertungswiderspruch des Gesetzgebers zur Umsatzsteuerfreiheit des Wohnens nach Paragraph 4 Nr. 12 UStG steht.

    • Es geht im heutigen Deutschland weniger um Großgrundbesitzer, sondern um eine möglichst gute Nutzung von knappem Boden insbesondere in Ballungsräumen. Die hohen Grundstückswerte in München hängen eben nicht von Leistungen der einzelnen Eigentümer ab. Die heutige Grundsteuer ist auch schon eingepreist, so dass ihre ersatzlose Abschaffung den aktuellen Grundstückseigentümern einen Vermögenszuwachs bescheren würde, während andere Steuerzahler stärker zur Kasse gebeten werden müssten.

    • Ich habe mich auch nur zum Grundbesitz als solchen ausgelassen.
      Mein Kernsatz war: „Boden ist der einzige wahrhaftige Besitz“, alles andere läßt sich irgendwie vermehren.
      Was Gebäude betrifft, so gebe ich Ihnen aber Recht, daß diese, wenn man es will, im Rahmen einer Vermögensteuer erfaßt werden müßten.

      Anders als Sie annehmen, ist die Diskussion um Großgrundbesitz aber überhaupt nicht unzeitgemäß.
      Die EU-Kritiker der östlichen Mitgliedsländer bemängeln hauptsächlich, daß in ihren Ländern der landwirtschaftliche Boden bereits zum Großteil an westliche Investorengruppen verschachert wurde. So sollen sich bereits in Litauen etwa 40% der landwirtschaftlichen Fläche in den Händen westlicher Investoren befinden. Und dieses nach nur 13 Jahren EU-Mitgliedschaft.

      • In Deutschland ist Großgrundbesitz momentan kein dringliches Thema, in anderen Ländern hingegen schon. Er ist auch nicht a priori schlecht, sondern kann in bestimmten Situationen effizienter sein als sehr zersplitterte Flächen. Eine Grundsteuer hilft vor allem gegen eine zu ineffiziente oder sogar gar keine Nutzung von Grund und Boden, sei es durch einen Großgrundbesitzer oder auch viele kleine Eigentümer.

        Auch Boden lässt sich übrigens vermehren, ohne dass man Mondgestein auf die Erde bringen müsste. Man kann dem Meer neues Land abgewinnen und vor allem unfruchtbare Böden fruchtbar machen. Wirklich wertvoll sind ohnehin nicht abgelegene Böden, selbst wenn sie fruchtbar sind, sondern Grundstücke in Ballungsräumen. Ihr Wert entsteht durch die Ballung und nicht die einzelnen Eigentümer.

      • „Man kann dem Meer neues Land abgewinnen und vor allem unfruchtbare Böden fruchtbar machen.“
        Natürlich. Nur hat dies auch eine feste Grenze, nämlich die Erdoberfläche.
        Mir ging es nur darum zu verdeutlichen, daß wir es bei Boden mit einer Konstante zu tun haben, sobald alle Wertsteigerungen der Erdoberfläche ausgeschöpft sind.

        Ich führte bereits aus, daß eine Grundsteuer dann positiv erscheint, wenn ihr eine Lenkungsfunktion zukommt. D.h. in Ballungsgebieten werden nicht selbst benötigte Grundflächen zur Wohnbebauung weitergereicht. In ländlichen Gebieten wird ineffizienter Großgrundbesitz verhindert.

        Es ging aber wohl um ein steuerrechtliches Thema.
        Wenn Herr Dr. Balke die normalen Reihenhausbesitzer im Auge hat, warum plädiert er dann nicht für einen genügend großen Freibetrag bei der Grundsteuer,sowohl was die qm-Zahl betrifft, als auch den Marktwert nur des Grundstücks? Eine völlige Abschaffung oder Anrechnung von Grundschulden auf das reine Grundstück begünstigte sowohl ineffizienten Großgrundbesitz auf dem Lande, als auch Immobilienmonopolisten in Städten. Gleichfalls gibt es solche in Osteuropa, denen bereits ganze Stadtteile vollständig gehören.
        Wann solche Zustände in Deutschland einkehren, ist eine Frage der Zeit.
        Eine intelligente Grundsteuer wäre eine passable Antwort.
        Sie müßte sehr viel dringender progressiv ausgestaltet sein, als z. B. die Einkommensteuer, gerade weil Grundbesitz feste Grenzen aufweist, und deshalb im Extremfall mißbrauchsanfälliger ist, als z. B. Kapitalvermögen.
        Ein Freibetrag für normale Eigenheimbesitzer, und alles, was darüber hinausgeht, progressiv.

      • Eine progressive Grundsteuer ist ein interessanter Gedanke. Ich sehe allerdings Umgehungsmöglichkeiten insbesondere für Kapitalgesellschaften, die doch auch kaum noch Grunderwerbsteuer zahlen.

        P. S.: Es werden keine Grundstücke im Meer vergeben. Relevant sind also die Landflächen, die grundsätzlich vermehrbar sind oder sich z. B. durch einen Anstieg des Meeresspiegels auch verringern können. Dafür werden vielleicht andere bislang nicht nutzbare Flächen in Sibirien etc. nutzbar. Der Grundstückswert ist ohnehin nicht fest, sondern endogen. Durch stärkere Nutzung, auch der Grundstücke drumherum, steigt er. Die Veredlung von Grundstücken durch Gebäude, aber auch das Pflanzen oder umgekehrt Roden von Bäumen usw., zählt genau genommen nicht mehr zum Faktor Boden, sondern über den Umweg menschlicher Arbeit zum Kapital.

      • Nein, ich hatte den Begriff Erdoberfläche sehr bewußt gewählt.
        Eine Veredelung von Meeresgrundstücken wäre auch denkbar, z.B. durch „schwimmende Inseln“. Die Konstante bei optimaler Ausnutzung betrüge also 510 Mill. qkm für die Erde (bzw. für Deutschland 0,36 Mill. qkm + ca. 0,14 Mill. qkm Festlandsockel in Nord- und Ostsee = 0,5 Mill qkm).
        Deswegen hatte ich als einzigen rein fiktionalen Ausweg die Verbringung von Mondgestein aufgeführt.

        Ich bin aber Herrn Dr. Balke und Ihnen sehr dankbar für diesen Diskussionsansatz, denn mir war zuvor nie bewußt, wie sehr sich Grundbesitz von anderem Besitz unterscheidet.
        Ob Microsoft ein Monopol für Betriebssysteme anstrebt, ist weniger relevant, denn die Möglichkeit zum Ausweichen existiert doch.

        Derjenige aber, welcher auch nur regional ein Bodenmonopol anstrebt, ist brandgefährlich. Denn wir Menschen können im engsten Sinne des Wortes keine „Luftschlösser“ bauen und darin leben.
        Wer ein Bodenmonopol besitzen würde, könnte die Freiheit der Übrigen nach Belieben einschränken. Auch wenn es sich dann zukünftig anders nennt, wäre es doch die Wiederkehr des „Herrschers von Gottes Gnaden“ auf der einen Seite, und auf der anderen Seite der Leibeigene.

      • Die Menschen könnten durchaus auch Luftschlösser bauen oder einfach höher, wodurch mehr Fläche entstünde (nicht nur in den Gebäuden, sondern auch auf den Dächern). Rein ökonomisch betrachtet ist Erdboden an sich noch immer kein knappes Gut, Grundstücke in entwickelten Ländern oder gar in Ballungsräumen sind es hingegen schon.

        Wer übrigens jeweils ein lokales Bodenmonopol besitzt, das sind Staaten. Im Grunde verleihen sie ihren Bürgern oder auch Ausländern jeweils nur zeitlich unbefristete Besitzrechte, die jedoch auch wieder entzogen werden können, insbesondere wenn ein Staat untergeht und sein Nachfolger den Boden neu verteilen sollte.

  11. Herr Dilger, bei der Diskussion um die Rechtfertigung der Grundsteuer führten Sie anfangs Folgendes aus:

    „Der Boden ist einfach da und wirft ökonomisch gesehen eine Rente ab, für die man nichts weiter tun muss. Das rechtfertigt eine Grundsteuer, auch wenn diese am Ende von den Bodenbesitzern auf die Konsumenten (z. B. Mieter oder Verbraucher landwirtschaftlicher Erzeugnisse) abgewälzt wird“.

    Wie soll ich mir als Nichtökonom diese Bodenrente vorstellen? Wer zahlt diese aus? In welcher Höhe schlägt sie sich auf dem Konto des Grund und Boden – Eigentümers nieder? Sind Sie, lieber Herr Dilger, als Boden-Eigentümer in der Lage, die von Ihnen zu zahlende Grundsteuer aus der Bodenrente zu zahlen?

    • Traditionell werden die folgenden drei Produktionsfaktoren unterschieden: Boden, Kapital und Arbeit. Arbeit ist mit Arbeit verbunden, Kapital mit Sparen, während der Boden einfach vorhanden ist. Alle drei Faktoren tragen zur Produktion bei und werden entsprechend entlohnt. Aus der Bodenrente kann die Grundsteuer bezahlt werden. Wer seinen Boden nicht (ordentlich) nutzt, muss trotzdem die Grundsteuer zahlen, was ihn zur Nutzung oder dem Verkauf anhält. Zum Boden gehören eigentlich auch die Bodenschätze, bei denen es ebenfalls üblich ist, dass sich der Staat an ihren Erlösen beteiligt. Es gibt sogar etliche Staaten, die z. B. nur von Öleinnahmen bzw. Förderabgaben leben.

      • Für mich, ich vermute auch für Sie, Herr Dilger, und für Ihre Familie, hatte der Erwerb des Grund und Bodens auf dem das selbstgenurzte Haus steht, sehr viel mit Sparen zu tun. Dies widerspricht Ihrer These, der Grund und Boden habe nichts mit Sparen zu tun, sei einfach so zur Nutzung vorhanden. Ich habe von niemandem bis heute eine Bodenrente erhalten, ich muss meine Grundsteuer aus Arbeitseinkommen bezahlen, Sie nicht?

      • Grundstücke sind kapitalisierbar, das macht sie aber nicht zu Kapital. Sie mussten ihr Grundstück kaufen und deshalb dafür sparen, der vorherige Eigentümer vermutlich auch etc., doch anfangs hat sich jemand den Boden einfach angeeignet. Er war schon da und musste nicht von Menschen geschaffen werden.

        Wenn Sie Ihr Haus vermieten würden, bekämen Sie Miete, die einerseits für das Haus selbst bezahlt wird und dessen Baukosten abzinst, andererseits aber auch für das Grundstück. Interessanterweise dürften Sie die Grundsteuer über die Nebenkosten auf die Mieter abwälzen, was aber für diese faktisch einfach zu einer höheren Miete führt. Da Sie Ihr Haus selbst nutzen, erzielen Sie keine monetären Einkünfte daraus, sparen aber die Miete, wofür man auch eine fiktive Zahlung von Ihnen an sich selbst ansetzen könnte, die u. a. die Bodenrente enthält.

  12. Herr Dilger, ich habe Sie so verstanden: als Selbstnutzer meines (ehemals vollfinanzierten) Grundstücks muss ich nach Ihrer Ansicht Grundsteuer für einen Teil des Grundstücks (den Boden) zahlen, weil ich nicht vermiete und deshalb eine fiktive Miete für das Grundstück an mich selbst zahle, die eine zu besteuernde Bodenrente enthält. Von religiösem „Geschwurbel“ habe ich schon desöfteren mal gehört – es scheint auch ökonomisches Geschwurbel zu geben, oder?

    • Das ist kein ökonomisches Geschwurbel, sondern eine ganz einfache Überlegung. Vielleicht verstehen Sie diese besser, wenn ich sie anders formuliere: Das Grundstück hat einen Wert, unabhängig davon, ob Sie es selbst nutzen oder ein anderer. Bei Selbstnutzung profitieren Sie vom Gebrauchswert, bei Vermietung von der Miete. Wenn Sie das Grundstück gar nicht oder zu wenig nutzen, könnten und sollten Sie es vermieten oder verkaufen, wozu Sie die Grundsteuer anhält.

      • Herr Dilger,
        diese Ihre „einfache Überlegung“ ist in der Tat einfach, trifft aber auf alle werthaltigen Gegenstände, egal ob immobil oder mobil, zu. Ein Schuh hat auch – wie Aristoteles es in seiner „Politik“ ausführte – wegen seiner verschiedenen Verwendungsmöglichkeiten (Anziehen oder Tauschen) auch einen Wert. Insofern unterscheidet sich die Mobilie Schuh nicht von der Immobilie Boden. Warum soll nun der Selbstnutzer des Bodens eine Sondersteuer (Grundsteuer) zahlen müssen, der Selbstnutzer der Schuhe aber nicht?

      • Der Schuh ist ein Konsumgut. Die Produktionsfaktoren wurden bereits bei seiner Erzeugung besteuert und sein Konsum durch die Umsatzsteuer. Da er eine Weile existiert, könnte man ihn noch zum Konsumkapital zählen und bei einer Vermögensteuer berücksichtigen, obwohl die meisten Schuhe dafür vermutlich zu geringwertig sind, der Erhebungsaufwand also in keinem Verhältnis zum Wert steht, zumal meine gebrauchten Schuhe vermutlich für keinen anderen einen entsprechenden Wert haben.

        Der Boden ist hingegen ein Produktionsfaktor. Die eigentlich Frage bei der Grundsteuer ist, warum es nicht genügen soll, die Bodenrente über die Einkünfte bei Vermietung und Verpachtung zu besteuern. Diese fallen jedoch nicht an, wenn jemand den Boden selbst oder gar nicht nutzt. Die wesentlichen Unterschiede zum Kapital sind, dass der Boden nicht von Menschen gemacht, sondern höchstens veredelt wurde, dass der Boden insgesamt begrenzt ist und dass sein Wert stark von der Bodennutzung drumherum und der bereitgestellten Infrastruktur abhängt.

  13. Würde man es mal unter einem anderen Namen betrachten gäbe es diese Diskusion gar nicht.
    Alles Land gehört dem Staat. Wer einen Teil nutzen will zahlt für das Nutzungsrecht eine Pacht (Grundsteuer). Nun gibt es ja bereits Pachtverträge (z.B. Erbbaurecht) die man problemlos als Untervermietung des Nutzungsrechts bezeichnen könnte.

    • Faktisch ist das richtig. Doch ein Rechtsstaat könnte sich selbst binden, die von ihm verliehenen Eigentumsrechte am Boden nicht weiter anzutasten. Doch diese Rechte sind nicht absolut und zumindest in Deutschland weiß jeder Käufer von Grund und Boden vorher, dass er dafür Grundsteuer zahlen und auch etliche Auflagen einhalten muss.

  14. Für den Selbstnutzer ist der Grund und Boden auch Konsumgut. Der Boden, auf dem mein Reihenhaus stand, diente mir zum Wohnen, genau, wie der Boden, auf dem meine jetzige selbstgenutzte DHH steht. Beim jeweiligen Erwerb der (gebrauchten) Konsumgüter „Hausgrundstück“ habe ich Umsatzsteuer in Form der Grunderwerbsteuer (= Sonderumsatzsteuer) gezahlt. Für das Konsumgut „Hausgrundstück“ zahle ich darüberhinaus Grundsteuer; der Besitzer einer Yacht, eines Hausboots, eines Flugzeugs, eines Kreuzfahrtschiffs zahlt für seinen Besitz keine Sondersteuer, obwohl er erkennbar genauso vermögend bzw. wesentlich vermögender ist als ich. Haben Sie, Herr Dilger, mit Blick auf die Steuergerechtigkeit kein Störgefühl?

    • Der Boden kann Konsumnutzen stiften, ist aber kein Konsumgut, weil er nicht verkonsumiert wird, sondern zumindest potentiell bzw. für menschliches Ermessen ewig existiert. Ansonsten waren wir schon bei dem Punkt, dass die Grundsteuer eben keine Vermögen- oder sonstige Subjektsteuer, sondern eine Objektsteuer unabhängig von der Leistungsfähigkeit ist. Als Vermögensteuer wäre sie ungeeignet und ungerecht, doch als Objektsteuer ist sie zumindest diskussionswürdig und aus meiner Sicht aus den genannten Gründen auch sinnvoll.

      • Na ja, Sie, Herr Dilger, halten die Grundsteuer doch höchstselbst zum größten Teil – wegen ihrer Ausgestaltung (auch auf vergängliche) Gebäude) – für wenig sinnvoll. Zudem kann auch Grund und Boden vergänglich sein; denken Sie an ins Meer abbrechende Grundstücke auf Sylt oder an plötzlich entstehende schwarze Löcher im Ruhrgebiet, in die schon komplette Garagen und Teile von Häusern hineingestürzt sind.

      • Wenn der Boden weg ist, muss dafür auch keine Steuer mehr gezahlt werden. Der entscheidende Unterschied zu Gebäuden bzw. Kapital allgemein ist nicht, dass der Boden ewig wäre, sondern dass er nicht hergestellt, sondern einfach angeeignet wurde.

  15. Pingback: Steuerzahlergedenktag 2017 | Alexander Dilger

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