Zu einer Antrittsvorlesung in Ludwigshafen

Wir haben den ‚Vater-Sohn-Urlaub auf Mallorca‘ noch um einen Tag hierzulande verlängert, weil heute die „Antrittsvorlesung ‚What gets measured gets managed!? Messbarkeitsprobleme des Leistungscontrollings am Beispiel des Hochschulwesens‘ von Prof. Dr. Harry Müller“ an der Hochschule Ludwigshafen am Rhein stattfand. Fabian machte sich erst Sorgen, wurde dann aber sehr gut von einer Sekretärin betreut. Herr Müller wurde von mir 2013 „summa cum laude“ promoviert und ist seit Februar der erste richtige Professor von meinen Doktoranden (im Sommer folgt dann noch ein bereits berufener Universitätsprofessor). Meinen Glückwunsch auch an dieser Stelle!

In seiner Antrittsvorlesung ging Herr Müller auf allgemeine Probleme der Leistungsrechnung ein, während sonst häufig die Kostenrechnung im Vordergrund steht. Kommerzielle Unternehmen können größtenteils die Leistung über den Umsatz messen, was Non-Profit-Organisationen und öffentlichen Betrieben so nicht möglich ist. Wesentliche Probleme zeigte er am Beispiel der Hochschulen und konkret an Lehre und Forschung auf. Wenn nicht wirklich der gewünschte Outcome gemessen wird, entstehen Fehlanreize. Diese sind allerdings gegen die positiven Anreize abzuwägen, weshalb meistens nicht auf Messungen verzichtet werden sollte, deren Mängel jedoch zu sehen und möglichst zu begrenzen sind.

Im Übrigen ist es zumindest an Universitäten gute Tradition, dass während und nach Antrittsvorlesungen keine öffentliche Diskussion stattfindet. Die Hochschule Ludwigshafen am Rhein sollte sich daran vielleicht ein Vorbild nehmen, wenn sie jetzt Antrittsvorlesungen wiederbelebt. Der vortragende neue Kollege kann schlecht von sich aus seltsame Fragen (z. B. wenn eine strikt positive Korrelation mit einer Normalverteilung verwechselt wird) abwürgen, sondern nur wie Herr Müller gekonnt beantworten.

13 Gedanken zu „Zu einer Antrittsvorlesung in Ludwigshafen

  1. Ich war leider nie Absolvent einer Hochschule und kenne daher den internen Betrieb nicht aus der Praxis. Es stört mich aber, dass Hochschulen heute für seltsame Pseudowissenschaften (z. Bsp. Gender Mainstreaming) und überproportional für unproduktive Geschwätzwissenschaften (es gibt jetzt sogar Refugee Management) missbraucht werden. Der 68er Marsch durch die Institutionen galt ja insbesondere den Hochschulen und es wird Zeit, dass diese linken Altlasten schnell entsorgt werden.

      • Leider ist die Bezahlung nicht so besonders, vergleichbar mit einem Gymnasiallehrer. Viele fh Profs verdingen sich dann mit mehr oder weniger guter Beratung bzw. Trainings…

      • Die Bezahlung ist wie an den Universitäten W2 oder W3, nur in der Verteilung häufiger W2, welches Gymnasiallehrer tatsächlich ohne Promotion übertreffen können. Die Lehrverpflichtungen sind an FHs höher als an Universitäten (aber etwas niedriger als an Gymnasien), dafür gehört Forschung nicht unbedingt zu den Dienstaufgaben.

  2. Sicherlich machte es einer Sekraeterin spass sich um ein Kind zu kuemmern! Fuer Steuerzahler lohnt sich aber Industriebetriebe mit Unibetrieb zu vergleichen!

    • Meinen Sie denn, dass das in einem Industriebetrieb anders wäre? Im Zweifel könnte die Hochschulsekretärin erklären, dass sie für Kinderbetreuung (Kaffeekochen, Kopieren etc.) nicht zuständig ist, während eine Mitarbeiterin in einem Privatunternehmen das besser nicht tut.

      • Ich meine nicht nur , ich weiss es was Industrie berrifft! Es ist ein gewaltiger Unterschied zwischen serioesen und namhaften Unternehmen und Unis, wenn wir bei Deutschland bleiben. Ich rede auch nicht ueber Notfaelle.
        Natuerlich die Zeiten und Ansichten aendern sich, gewise Prinzipien bleiben trotzdem. Es geht auch nicht um Sekraeterinen sondern um Vorgesetzte und Arbeitsatmosphere 😁.

      • Natürlich unterscheiden sich Hochschulen und kommerzielle Unternehmen, aber nicht unbedingt in diesem Punkt. Bei hochkarätigen Veranstaltungen ist es inzwischen üblich, Kinderbetreuung anzubieten, sei es intern oder eingekauft.

  3. Was ist denn der gewünschte Outcome ? Ist mir etwas zu abstrakt. Ich habe lange Jahre die beispielhafte Karriere meiner damaligen Ehefrau, Prof. em. Dr.Ing. Christina Berger, Fachgebiet Werkstoffkunde an der TU Darmstadt und zugleich Leiterin des Instituts für Werkstoffkunde und der Staatlichen Materialprüfungsanstalt Darmstadt (200 Beschäftigte) begleitet. Wikipedia beschreibt den Werdegang. Wobei man einräumen muss, dass die Besetzung von Spezialgebieten im technischen Bereich der Karriere besonders förderlich
    ist. Eine gewisse „Evaluierung“ von Lehre findet bei meinprof statt, die ich manchmal mit Vergnügen zur Kenntnis genommen habe.

    • In der Forschung geht es darum, relevante wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen, die in der Lehre vermittelt werden sollen. Artikel in hochrangigen Zeitschriften und Zitationen sind ein ungenaues Maß für entsprechende Forschungserfolge, Lehrevaluationen ein zweifelhaftes Maß für Lehrerfolge. Herr Müller stellte u. a. die Hauptergebnisse von Felton et al. vor: „Web-Based Student Evaluations of Professors: The Relations between Perceived Quality, Easiness, and Sexiness“. Studenten bewerten ihre Dozenten systematisch besser, wenn sie von ihnen leichter gute Noten bekommen und wenn die Dozenten besser aussehen. Dabei wird mehr gelernt, wenn Noten nicht verschenkt werden (dazu müssen die Noten nicht schlecht, aber ernsthaft verdient sein).

      • “ . . . Studenten bewerten ihre Dozenten systematisch besser, wenn sie von ihnen leichter gute Noten bekommen . . .“
        Das entspricht eigentlich nicht meinen Erfahrungen während meines Studiums an den Universitäten Freiburg, Heidelberg und Erlangen Nürnberg (bis 1967). Professoren, die Dünnbrettbohrereien ermöglichten, waren für Seminare zwar immer gefragt, genossen aber geringes Ansehen, so dass z.B. der Vorlesungs- und Seminarbesuch mit Anwesenheits-Listen kontrolliert wurde. Andere Hochschullehrer waren trotz hoher Anforderungen an die Studenten geschätzt und respektiert. Sie waren in der Benotungsqualität auch zuverlässiger.
        Vielleicht ist da ein Wandel eingetreten.

      • Erst einmal handelt es sich um einen statistischen, keinen deterministischen Zusammenhang. Mein Eindruck ist auch, dass für gute Evaluationsergebnisse eine lockere Notenvergabe nicht zu offen kommuniziert werden sollte, sondern die Studenten den Eindruck vermittelt bekommen sollten, bei einer anspruchsvollen Prüfung gut abzuschneiden, auch wenn der Anspruch nur vorgetäuscht ist (z. B. eine für sich genommen schwere Rechenaufgabe, die aber nach einem häufig geübten Schema einfach gelöst werden kann). Schließlich ist zu berücksichtigen, dass bei Onlineseiten wie Rate My Professors oder MyProf.de eine starke Selbstselektion stattfindet. Nur wer mit einem Kurs bzw. Dozenten ganz besonders (un)zufrieden war, wird sich die Mühe machen, dort eine Beurteilung abzugeben. Doch auch bei umfassenderen hochschulinternen Evaluationen scheint die folgende Frage bejaht werden zu müssen: „Können sich Hochschuldozenten bessere studentische Lehrevaluationen ‚erkaufen‘?“

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