Lebensziele

Die Wirtschaftswissenschaften gehen in der Regel von gegebenen Präferenzen aus. Dabei geht es nicht nur um alltägliche Konsumentscheidungen, also z. B. ob jemand lieber Vanille- oder Schokoladeneis möchte, sondern auch wesentliche Lebensentscheidungen wie die Berufs- und Partnerwahl. Bei einer vollständigen Präferenzordnung müsste man nur noch Risiken abwägen und dann das Gewünschte in die Tat umsetzen. In der Realität wissen wir häufig nicht so genau, was wir eigentlich wollen und haben widerstreitende Wünsche (wollen beispielsweise sowohl Schokoladen- als auch Vanilleeis und außerdem zugleich noch abnehmen).

Zumindest für die großen Lebensentscheidungen macht es Sinn, sich über seine Ziele im Leben Gedanken zu machen. Es reicht aber nicht, sich abstrakt ein Wunschziel zu überlegen, sondern man muss es wirklich wollen, um es dann auch im Alltag leben zu können. Wer z. B. Karriere machen will, muss dafür nicht nur fleißig sein, sondern auch karrierebewusst handeln. Wer lieber faul oder völlig spontan ist, wird in der Regel keine große berufliche Karriere machen und sollte das dementsprechend auch gar nicht anstreben. Wer sich umgekehrt für faul hält, aber sein ganzes Leben gewissenhaft arbeitet, ist es in Wirklichkeit nicht. Es ist also wichtig, sich selbst zu erkennen, seine wirklichen Lebensziele, aber auch sonstigen Wünsche und Fähigkeiten.

Hierin liegt auch die größte Chance zur Veränderung. Denn man kann nicht einfach ein anderer sein oder seine tiefsten Bedürfnisse völlig verändern, nur weil einem das einmal so einfällt. Es ist aber möglich, Zielkonflikte zu erkennen und sich dann auf bestimmte Aspekte zu konzentrieren, während man andere vernachlässigt. Außerdem kann man sich zumindest teilweise seine Mitmenschen und Umwelt aussuchen, mit denen man viel Zeit verbringt und die die eigene Person beeinflussen. Vor sich selbst kann man jedoch schlecht weglaufen.

Die meisten Menschen wollen ganz viel, z. B. reich und beliebt sein, ein netter und ehrlicher Mensch, glücklich und moralisch gut mit einem interessanten und sinnvollen Beruf sowie einer großartigen Familie, für die man viel Zeit hat, was auch für die vielen Freunde gilt etc. In der Realität muss man viele Kompromisse machen, weil es äußere Zwänge gibt, zumindest die Begrenzung des Tages auf 24 Stunden, aber auch eigene Unzulänglichkeiten.

Eine Form des Kompromisses ist es, sich auf wenige oder sogar nur ein Ziel zu konzentrieren. Wer unbedingt reich werden will, kann das durchaus schaffen (je nach Definition von Reichtum, aber Millionär kann in Deutschland wirklich fast jeder werden), muss dafür aber vielleicht auf vieles andere verzichten (wie viel Freizeit und Konsum), was vielleicht der ursprüngliche Grund war, warum man überhaupt reich werden wollte. Bei Konzentration auf ein Ziel ist es also ganz besonders wichtig zu prüfen, ob man das wirklich will oder nicht vielleicht doch etwas ganz anderes.

Außerdem ist die Konzentration auf eine Sache in einer arbeitsteiligen Gesellschaft hinsichtlich der eigenen Produktivität von Vorteil, für Konsumentscheidungen hingegen meistens nicht. Denn die Grenzproduktivität ist häufig steigend, der Grenznutzen hingegen fallend. Wer mehrere Lebensziele anstrebt (so wie ich), wird davon keines perfekt erreichen, hat aber häufig ein erfüllteres Leben. Zusätzlich ist das Risiko geringer, bei all seinen Lebenszielen zugleich zu scheitern.

Schließlich ist es wichtig zu wissen, dass sich manche Ziele direkt anstreben lassen, etwa Reichtum, während andere nur indirekt erreicht werden können, z. B. glücklich zu sein. Wer direkt Glücksgefühle haben möchte, nimmt dafür am besten Drogen (einschließlich körpereigenen Endorphinen, die beispielsweise beim Sport ausgeschüttet werden).

13 Gedanken zu „Lebensziele

  1. Die wichtigsten Dinge im Leben lernen wir leider nicht in der Schule:
    – Der Umgang mit Zeit (Lebenszeit);
    – Der Umgang mit Geld;
    – Der Umgang mit anderen Menschen;
    – Der Umgang mit sich selbst.

    • Das sind sehr wichtige Themen, die Sie hier wiederholt ansprechen. Am ehesten lernt man in der Schule den Umgang mit anderen Menschen, allerdings weniger über den Lehrplan als über den Umgang mit anderen Menschen.

  2. Ich habe mal ein Diagramm erstellt von mir und auch von meiner damaligen Ehefrau wie wir je Monat unsere Zeit ( in Prozent ) verbringen ( Arbeit, gemeinsame Freizeit, Familie und Hobby). Dies habe ich dann ausgeweitet, wie es war vor der Eheschliessung, also von Kindheit an ( dies mehr aus der Erinnerung ) .

    Interessant war es, mit welchen unterschiedlichen Prozentzahlen jeder letztlich lebte nd sich doch unterschiedlich entwickelte. So nahm die Familie nach der Geburt der Kinder mehr Zeit in Anspruch bei der Frau, da die Arbeitszeit weniger wurde. Jedoch die gemeinsame ( ohne Kinder) Zeit letztlich sich verringerte und dies später trotz Verlagerung durch mehr Arbeit ( Kinder wurden größer) auf einem gleichen Niveau einpendelte.

    Dann habe ich ähnliche Diagramme von Personen erstellt, wo ich annehmen konnte ( also Vermutung ) wie es bei denen ist.

    Unzufriedenheit konnte man leicht erkennen in den sinkenden Linien , sei es im Bereich Familie , Freizeit oder Arbeit.

    Damals 1982 gab es noch keine Exel Programme..vielleicht wäre so etwas mal spannend mit heutiger Computertechnik zu machen^^.

  3. Das wichtigste Lebensziel – so lehrt es unsere Gesellschaft – ist es, tolerant zu sein.

    Nicht mehr in der Kultivierung und Bewahrung des Eigenen, sondern in der Duldung und Akzeptanz des Anderen, das das Bessere ist, besteht die Daseinsberechtigung des bundesrepublikanischen Menschens.

    Der gute Deutsche ist ein Hotelmanager, der anderen einen möglichst bequemen Aufenthalt bietet und dessen eigene Person ganz hinter dieser Rolle zurücktritt. Er ist da und verrichtet seinen Dienst, aber er soll nicht stören.

    Was wir bräuchten, wäre eine Erziehung zum heroischen Menschen, aber das wird den Kindern ja als Erstes abtrainiert. Statt dessen steht Selbstaufgabe und Verleugnung der eigenen Identität hoch auf dem Lehrplan. Ohne zu wissen, wer man ist, kann man aber auch nicht wirklich wissen, was man werden will. Also driften viele aus den bildungsfernen Schichten in ziellosen Konsumerismus ab, während sich das Bildungsbürgertum durch ein paar Kampfbegriffe kontrollieren läßt („Rassist“, „Nazi“).

      • Das sehe ich auch so, Toleranz ist kein (sinnvolles) Lebensziel, sondern eine Charaktereigenschaft oder noch darunter eine Verhaltensweise und Einstellung, um leichter mit seinen Mitmenschen auszukommen. Allerdings gibt es Grenzen der Toleranz, insbesondere im strafbaren Bereich, wobei in einem funktionierenden Rechtsstaat in erster Linie der Staat für die Durchsetzung des Rechts zuständig ist. Leider wird diese elementare Staatsaufgabe zunehmend vernachlässigt.

    • „Tolerant zu sein ist doch kein Lebensziel.“

      Sehe ich ja auch so. Aber mein Eindruck ist, daß die heutige Gesellschaft das als solches verkauft. Es geht weniger darum, was man erreichen will, sondern „wie man ist“, wobei Toleranz als der Königswert gilt. Das Ganze wird garniert mit einer sakralen Portion „jeder ist einzigartig“, unabhängig davon, was die Person tatsächlich geleistet hat. Ich bin selbst auch kein klassischer Leistungsmensch, aber das ist doch ein wenig dünn, oder?

      Man sollte den Kinder wieder beibringen, daß ein sinnvolles Leben nicht in der (bequemen) Existenz liegt, sondern darin, etwas zu schaffen oder für etwas zu kämpfen, was über die eigene Person hinausgeht. Diese Zielsetzung ist aber in unserer atomisierten Gesellschaft abhanden gekommen, wofür ich wieder den Liberalismus mit seiner teilweise grotesken Überbetonung der Bedeutung des Individuums mitverantwortlich mache. Wenn jeder sich nur noch als Unternehmer in eigener Sache und die Generationsbande marginalisiert oder gekappt werden, geht der Blick für das große Ganze verloren. Die Zivilisation wird schwach und stirbt ab. Und genau das lesen wir jeden Tag in der Zeitung und beobachten auf der Straße.

    • „Was wir bräuchten, wäre eine Erziehung zum heroischen Menschen, aber das wird den Kindern ja als Erstes abtrainiert. Statt dessen steht Selbstaufgabe und Verleugnung der eigenen Identität hoch auf dem Lehrplan. Ohne zu wissen, wer man ist, kann man aber auch nicht wirklich wissen, was man werden will…“

      Dafür wird man aber aber zum Schwein erzogen, dessen Bürgerpflicht
      es ist, seinen Nachbarn zu denunzieren, falls dieser eventuell am Euro
      zweifeln sollte.

      Einem Schweinestaat steht am allerbesten ein Schweinepriester vor.
      Und wer könnte ein solches Amt des Schweinepriesters besser aus-
      füllen, als die „Führerin der freien Welt“ oder der „Gottkanzler“?
      Orwells „Diktatur der Schweine“ hat also seinen tieferen Sinn.

      Am 24. September wird Deutschland exakt das bekommen, was es
      verdient.

  4. Was sind Lebensziele ?

    Hoch gesteckte eher nicht,sie sind kaum oder nur mit äußerster Disziplin zu erreichen,was dann einem auch wieder Kraft und Vernachlässigung in anderen Bereichen einbringt.

    Beispiel: Kann man mit Aktien spekulieren Geld machen ?
    Ja kann man – man hat dann allerdings den ganzen Tag nur noch ein Ziel im Kopf – spekulieren und Geld damit machen,mehr geht insgesamt dann nicht mehr im Kopfe zu bewerkstelligen.

    Macht zwar Geld aber nicht unbedingt glücklich.

    Ich versuche alle Bereiche irgendwie vernünftig abzudecken.
    – Keine Schulden machen
    – Etwas sparen im Bereich des Möglichen,also etwas Vermögen aufbauen
    – Ernährung und Bewegung in vernünftigen Bahnen zu halten
    – Etwas Freizeitgestaltung im Verein
    – Zwei Motorräder just for Fun
    – Soziale Kontakte Pflegen,soweit das einhergeht oder sie da sind

    Es ist also gar nicht so leicht in allen Bereichen vernünftig durchs Leben zu huschen,obwohl es ja eigentlich nur sehr kurz ist und das ist schon Aufgabe genug zu versuchen,von A – Z alles nicht unbdedingt richtig aber soweit möglich doch so gut es geht richtig zu machen.

    • Ich glaube nicht, dass man durch intensives Beschäftigen mit Aktien wirklich systematisch mehr Geld machen kann als mit passiven Aktienanlagestrategien. Allerdings kann es durchaus sinnvoll sein, Schulden zu machen, insbesondere in der jetzigen Niedrigzinsphase und bei positivem Nettovermögen.

  5. Ganz interessant aber man kann es nur am Rande betrachten! Meistens stehen dahinter keine grossen Plane und Ueberlegungen sondern es handelt sich um eine Entwicklung, Erwachsenwerden!
    Normalweise haben junge Menschen viele Wuensche und wenig Erfahrung. Deswegen sind auch Ueberlegungen ueber Zukunft, noch besser Beratungen mit Eltern/ Familie sinnvoll aber nur sehr theoretisch.
    Lebensziele sind heufig unrealistisch und beruecksichtigen nicht Talent, Character, Umstaende, Umgebung, Zufall , Zwang, ja und Schicksal auchl Je detailierter solche Ziele formuliert werden desto weniger Realisierungschancen gibt es.
    Einziger mir bekanter Mensch der es wirklich plannte war ein Freund aus Gymasium. Mindestens was seine akademische Karriere betraff. Und er hat es Jahr fuer Jahr , genau wie er als 16-jaehriger schrieb, geschafft. Mit viel Ambitionen, Disziplin, Lernfaehigkeit aber auch nicht so positiven Seiten. In anderen Lebensbereichen war er nicht so gluecklich wie weit ich spaeter erfuhr
    .

  6. Das wichtigste Gut im Leben ist das Wohlbefinden im weitesten und subjektivsten Sinne.

    Die Lebenszeit ist aufgrund der derzeitigen Begrenzung das teuerste Gut. Wer es nicht schafft, diese Zeit mit Wohlbefinden zu füllen, der ist der wahre Verlierer, umgekehrt ist derjenige, der seine Lebenszeit genießen kann, der wahre Gewinner.

    Wohlbefinden baut natürlich auch darauf auf, dass man sich selbst und die Faktoren für das eigene Wohlbefinden erkennt.

    Wer am monetären Erfolg keine Freude, aber am Siegen Freude empfindet, der wird sich anders positionieren als ein Dagobert Duck, zu dem das morgendliche Geldbad zum Auftakt des Tages gehört. Wer Wohlbefinden durch Abhängen empfindet, der wird sich noch einmal anders einrichten. Es gibt Leute, die sich in Wohlbefinden baden, wenn sie das Empfinden von Märtyrertum haben. Es gibt auch noch viele andere Fassetten des Lebens, die meisten sind auch nicht so eindimensional. Häufig fallen z.B. das Bedürfnis nach Macht und monetären Erfolg zusammen. Auch gibt es zahlreiche Menschen, die sich aus Faulheit und Macht, also aus einer Art Gegensätzlichkeit Wohlbefinden herleiten.

    Die subjektive Natur des Menschen spielt natürlich auch eine große Rolle. Ein ADSler hat ganz andere Bedürfnisse als Mensch mit preußischer Beamtenmentalität.

    Ob es eine größere Sinnhaftigkeit, die über das Wohlbefinden hinaus geht, das halte ich im übrigen für fraglich. Die derzeitige Endlichkeit von allem und jeden spricht dagegen.

    Die Begrenztheit der menschlichen Lebensdauer dürfte spätestens mit der nächsten Generation aufgehoben sein. Aber selbst das Universum scheint endlich zu sein. Selbst wenn die von einzelnen Menschen überbrückt werden kann, so dann doch nicht von der großen Masse. Diese objektive Begrenztheit spricht dagegen, dass es – u.a. politisch – um mehr gehen kann, als möglichst viel subjektiven Wohlstand / Wohlbefinden zu ermöglichen.

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