Petrys Rückzugsgedanken mangels Anerkennung

Frau Petry hat etwas für sich genommen Triviales geäußert. Dadurch, dass sie es als Berufspolitikerin öffentlich äußerte, bekommt es jedoch eine besondere Bedeutung, da sie damit das mögliche Ende ihrer Politikerkarriere andeutete, wodurch dieses sehr wahrscheinlich wird. Sie sagte dem Tagesspiegel (siehe „Frauke Petry erwägt Rückzug aus der Politik“): „Weder die Politik noch die AfD sind für mich alternativlos“. Das ist ihr sehr zu wünschen, zumal sie nach dieser Äußerung kaum noch lange an der Parteispitze durchhalten wird. Wenn es reine Taktik war, um andere dazu zu bewegen, sie zum Bleiben aufzufordern, so ging diese jedenfalls nicht auf: „Das Schweigen der AfD-Männer“ ist deutlich zu vernehmen. Ihr Verhalten und die Reaktionen darauf erinnern tatsächlich an das Ende von Herrn Lucke in der AfD.

Selbst wenn sie ihr Geschwätz von gestern nicht interessieren mag, lässt so eine Äußerung tief blicken. Der Tagesspiegel enthüllt auch noch mehr über ihre Motivlage (in „Frauke Petry und ihr Kampf um Anerkennung“, leider größtenteils hinter einer Bezahlschranke):

Einer dieser Weggefährten, der sie gut kennt, sagt: „Sie will ankommen als ein angesehenes Mitglied dieses Systems.“ […] Anerkennung durch Leistung ist ein Prinzip, das Frauke Petry durch Kampf erlernt hat. Sie ist abgehärtet durch eine Biografie, in der Ausgrenzung die Regel war. Die Familie Marquardt lebt in Schwarzheide, Niederlausitz, auf Distanz zum DDR-Regime. […] Sie und ihre Schwester müssen sehr gut in der Schule sein, eine Zwei ist eine Niederlage. Allerdings hat dieser Leistungsdruck nicht nur etwas mit dem Ehrgeiz der Mutter zu tun. Viele bürgerliche Familien in der DDR, die nicht mit dem Regime einverstanden sind, wissen: Mit Leistung kann man sich erkaufen, in Ruhe gelassen zu werden. Als der Vater im Frühjahr 1989 nach einem Besuch im Westen bleibt und die Familie ihm nach Dortmund nachzieht, erlebt die 14-Jährige, wie unterschiedlich Leistung bewertet wird. Der Schulleiter des Gymnasiums bezweifelt, dass Petrys viele Einser auf dem DDR-Zeugnis ihrem Können entsprechen; sie solle lieber auf die Hauptschule gehen. Sie ist das „Ossi“-Mädchen. Wieder bleibt nichts anderes übrig, als mit Leistung um Anerkennung zu kämpfen. In Bergkamen, wohin die Familie zieht, wird sie als Jahrgangsbeste das Abitur machen und an der Uni ihre Doktorarbeit in Chemie mit der Bestnote abschließen. […]

Zur Politisierung von Frauke Petry sagt der evangelische Pfarrer [ihr Ex-Mann Sven Petry]: „Wir haben damals privat sehr viel über die Euro- und Griechenlandkrise diskutiert. Sie fand es empörend, dass Kritiker dieser Politik quasi diskreditiert werden sollten, das kannte sie aus der DDR.“ Zur Frage, ob Ablehnung zu ihrer Radikalisierung beigetragen habe, schweigt er. Was er sagt, ist, dass eher er der politisch und historisch Interessierte gewesen sei.

Ende 2012, als die „Wahlalternative 2013“ auftaucht, steht es um Petrys Firma Purinvent schon schlecht. Ihre Mutter hatte einen umweltfreundlichen Füllstoff erfunden, der Reifen von Baumaschinen länger haltbar machen sollte. Die Tochter macht sogar einen Gabelstaplerführerschein, um die Rohstofflieferungen abzuladen. Sie gewinnt den Sächsischen Gründerinnenpreis, bekommt mit 37 Jahren den Bundesverdienstorden von Joachim Gauck: „Ihren Berufsweg prägen ganz besonders Courage und Tatkraft im Bereich Forschung und Entwicklung.“ Sie ist endlich angekommen im vereinten Deutschland. Aus ihrem Umfeld ist zu hören: Hätte die Firma funktioniert, wäre sie nicht in die Politik gegangen. Petry leiht sich bei Banken Geld, bekommt einen Business Angel an die Seite, einen Experten, der ihr bei der Firmenentwicklung helfen soll. Sie habe, erinnert sich ein Weggefährte, bei der Firma alles getan, was andere von ihr erwartet hätten. Es sei die Bank gewesen, die ihr Investment möglichst schnell zurückhaben wollte, diese habe Petry gedrängt, viel zu schnell auf den Markt zu gehen. Am Ende, 2013, dann die Insolvenz. Wer auch schuld war, die erkämpfte Anerkennung war dahin. So empfand sie es.

Freunde beschreiben eine Entwicklung, in der Petry immer weniger wahrhaben wollte, dass die anderen sie nicht mehr verstehen. Im Gespräch in Dresden betont sie oft, wie entspannt sie sei. Und findet, dass es überhaupt nicht sinnvoll sei, groß über sich zu reflektieren. Ist doch „völlig normal“, dass man sich nur so sehe, wie man sich sehen will.

Frau Petry ist also eine Streberin, die sehr ehrgeizig ist, um die Anerkennung anderer zu erhalten. Zugleich ist sie nicht willens zur Selbstreflexion, weshalb sie sich in die und in der Politik verrannt hat. Gerade weil sie im Grund unpolitisch ist und keine politischen Überzeugungen hat, konnte sie es in der AfD sehr weit bringen, hat aber übersehen, dass in der Politik allgemein und insbesondere in der AfD keine echte Anerkennung zu gewinnen sind. Man wird dort von Parteifreunden und -feinden gleichermaßen beschimpft und gehasst, während die geäußerte Anerkennung häufig nur Heuchelei und Schleimerei ist. Da ihr eigentliches Ziel dort nicht zu erreichen sind, wird sie früher oder später die Spitze der AfD verlassen (müssen). Schließlich erweist sich ihr Triumph über Herrn Lucke damit tatsächlich als Pyrrhussieg (siehe ‚Petrys Pyrrhussieg und mein AfD-Austritt‘), denn hätte sie sich noch eine Weile mit dem zweiten Platz hinter ihm begnügt, dann wäre sie bald Vorsitzende einer seriöseren Partei mit mehr Anerkennung geworden.

41 Gedanken zu „Petrys Rückzugsgedanken mangels Anerkennung

    • Jede Person hat viele Seiten, doch nicht unbedingt viele Ziele und Problembewältigungsstrategien. Ich bin inzwischen überzeugt, dass Frau Petry hinschmeißt oder nicht mehr gegen ihre Abwahl ankämpft, weil die AfD ihr nicht geben kann, was sie eigentlich will.

  1. Am 15.5.2015 schriebe Sie, die „Die AfD zerfällt“. Heute steht die AfD laut INSA bei 11% im Bund. Zwischenzeitlich war sie sogar bei 15,5%. (Sie ist übrigens schon mal von 15% auf 11% gefallen.) Vielleicht hat Frauke Petry es so gemeint, wie Sie es schreiben, vielleicht aber auch nicht. Niemand weiß es. Wäre es besser gelaufen, wenn Lucke damals gewonnen hätte? Niemand weiß es. Wäre es bessser wenn Höcke geht, schießen sich aber die Medien dann nicht auf jemand neues an? Niemand weiß es. Seien wir ehrlich, dieses spekulieren bringt doch alles nichts. Also hören wie damit auf.

    Ich bin kein Teil der AfD, aber als konservativer Familienvater ruht meine Hoffnung auf ihr. Geben wir dieser Partei, bei all ihren Fehlern (!), eine oder auch zwei oder drei faire Chancen. Diese Partei hat in kurzer Zeit schon viel geleistet, dass muss man doch mal anerkennen. Die Mitglieder stehen unter enormen Druck. Mitglied sein bedeutet hier doch wirklich Mut zu haben.

    Und, Herr Prof. Dilger, von Volkswirt zu Volkswirt, wie wird wohl die AfD darstehen, wenn die Konjunktur in D anfängt zu stottern und die Zinsen auf ein annäherndes Normalmaß steigen? Ich habe fünf Jahre beim Rechnungshof Haushaltsanayse betrieben, jeder, der Haushaltspläne lesen kann, wird sehen, dass dann der Sozialstaat und der Haushalt vor dem Kollaps steht. Dann aber wird es richtig interessant, weil dann den Menschen vom Staat spürbar etwas genommen wird.

    Die AfD steht vor schwierigen innerparteilichen Kämpfen, Menschen wie Sie und ich, die einer konservativen Partei gewogen sind, sollten die AfD bei all ihren Fehler nicht kaputt reden. Bzgl. der Themen der kommenden Jahre (Islam, öffentliche Finanzen, Energiewende, Bildung) sieht es für die AfD hervorragend aus, dies darf man doch nicht vergessen.

    • Die anfängliche AfD mit Herrn Lucke an der Spitze ist 2015 zerfallen. Sie lag dann zwischenzeitlich unter 5 Prozent in den Umfragen, bis Frau Merkel sie durch ihre völlig verantwortungslose Flüchtlingspolitik wiederbelebt hat. Wenn demnächst Frau Petry und vor allem ihr Mann gehen, wird sich die AfD wieder wandeln. Ich hoffe dann übrigens auf Besserung, wobei auch ein weiterer Rechtsruck nicht ausgeschlossen ist.

      Beim Islam ist die AfD schön längst nicht mehr hervorragend aufgestellt, sondern leider verfassungsfeindlich. Können Sie sicher sagen, was ihre Positionen hinsichtlich öffentlicher Finanzen und Bildung sind? Sollte die bestehende Krise für die Menschen spürbarer werden, ist schließlich nicht klar, ob sie die Regierung zur Verantwortung ziehen oder sich um diese scharen werden.

  2. Die Dame ist hochschwanger. Daß man dabei emotional werden kann, ist völlig normal. Hätte Teflon-Merkel Kinder, hätte sie dieses Erlebnis auch gehabt und wir 1,5 Mio. Wirtschaftsflüchtlinge weniger. Ich halte nichts davon, aus dieser einen Episode zuviel abzuleiten.

    • Die Schwangerschaft kann ihr öffentliches Weinen erklären, nicht aber ein Interview, welches sie später autorisiert. Ihre Aussagen wurden also nicht rein emotional getroffen. Die anderen Schilderungen reichen weit in ihre Vergangenheit zurück und ergeben ein stimmiges Gesamtbild. Abgesehen davon ist es demnächst für das Baby wohl auch besser, wenn die Mutter etwas Zeit für es hat.

      • Die ganze Schwangerschaft ist doch eine emotionale Phase und rüttelt das Innenleben gehörig durcheinander. Klar, daß frau die alte Prioritäten infrage stellt, wenn sie ein Kind erwartet. Das Interview ist doch so zu verstehen, daß Petry sich gegen den Vorwurf der Karrieristin zur Wehr setzt. Was Sie sagt, ist, ’schaut, ich tue das nicht nur für mich, ich muß das alles nicht tun‘.

        Die weiteren Lebensschilderungen genieße ich mit Vorsicht, denn ich glaube der Presse nichts mehr unbesehen, dem Tagesspiegel sowieso nicht.

        An anderer Stelle habe ich bereits kundgetan, daß Petry für mich als Bundessprecherin erledigt ist, nachdem sie Höcke so hart angegangen hat. Ihre Überreaktion hat die AfD in den Umfragen zurückgeworfen. Trotzdem sehe ich vorerst keinen natürlichen Thronfolger, der sich aufdrängen würde. Schon gar nicht vor der BTW.

        Höcke hat auch hier Recht, wenn er sagt, daß in der AfD weiterhin das Programm glänzen sollte. Auch die anderen Parteien haben fast keine Charismatiker mehr in ihren Reihen. Die AfD kann also mit ihrem Spitzenpersonal gut leben, sofern sie es schafft, alle Flügel zu integrieren.

      • Der Eindruck ist auf mich genau gegenteilig, nämlich dass Frau Petry alles nur für sich selbst tut, die Partei, das Land und die sachlichen Probleme sind ihr völlig egal. So hat sie sich an der Spitze der AfD verhalten und so wird sie es auch bei ihrem bevorstehenden Abgang tun.

    • Sicher, aber über ihre persönliche Beziehung wissen wir zu wenig. Vielleicht gibt er ihr einen Teil der ersehnten Anerkennung, vielleicht verweigert er ihn ihr auch inzwischen. Parteipolitisch ist klar, dass sie ihm nutzt, während er ihr schadet.

  3. Frauke Petry hat leider eine Reihe von taktischen Fehlern begangen. Ihr größter Fehler ist wahrscheinlich, dass sie die AfD recht schnell koalitionstauglich für die CDU/CSU machen will. Dieses Ansinnen ist zumindest für die nächste Legislaturperiode unrealistisch und daher unsinnig! Die AfD-Parteibasis, deren Liebling Petry lange war, ist gerade dabei sich von ihr abzuwenden. Da sie in Kürze ein Baby bekommt, sollte sie sich Zeit dafür nehmen und vorübergehend ins zweite Glied der AfD zurück gehen. Mit einem Bundestagsmandat bliebe sie wirtschaftlich versorgt und könnte nach einer Babypause vielleicht sogar in neue Aufgaben zurückkehren.

    • Der Vorwurf, die AfD an die CDU notfalls auch als Juniorpartnerin andocken zu wollen, wurde schon damals Lucke gemacht. Anders als bei Lucke sehe ich von Petry aber kaum derartige Signale kommen. Oder habe ich etwas verpaßt?

      • Pretzell spricht von der CDU als Juniorpartnerin. Auch Gauland hat solch ein Szenario schon für prinzipiell möglich gehalten. Das wäre ja auch ok. Mit dem Auszug des Weckrufs fehlt meiner Ansicht die notwendige innerparteiliche Unterstützung für eine CDU-AfD-Koalition. Ohnehin ist da ja alles graue Theorie, da die CDU auf absehbare Zeit nicht mit der AfD zusammengehen will. Die echten und angeblichen Karrieristen in der AfD müssen sich mit den harten Oppositionsbänken zufrieden geben.

      • Es ist doch völlig unrealistisch, dass die AfD in absehbarer Zeit mit der CDU als Juniorpartner eine Koalition bilden könnte oder gar allein die absolute Mehrheit bekommt. Dagegen wäre es schon möglich, wenn auch noch nicht 2017 und nicht vor Koalitionen in einigen Ländern, dass eine inhaltslose AfD für ein paar Pöstchen eine Unionsregierung im Bund stützt, vielleicht sogar mit Frau Merkel an der Spitze. Ihr ist es doch erkennbar egal, wer ihre Macht sichert und dabei verliert.

      • „Es ist doch völlig unrealistisch, dass die AfD in absehbarer Zeit mit der CDU als Juniorpartner eine Koalition bilden könnte oder gar allein die absolute Mehrheit bekommt.“

        Deshalb sage ich ja, daß Pretzell und Gauland nur laute Gedankenspiele haben. Bis es soweit ist, daß CDU und AfD selbst auch nur auf Länderebene Koalitionen eingehen, wird es noch Jahre dauern und eine mittlere Revolution der politischen Tektonik erfordern. Und weil für Karrieristen, die geil auf Dienstwagen sind, die AfD so offensichtlich das denkbar schlechteste Sprungbrett darstellt, halte ich auch die Vorwürfe von Gauland und Höcke gegen Petry in diesem Fall für übertrieben und nicht ganz fair. Und Merkel und Pretzell („Das sind Merkels Tote“)….da sehe ich wirklich keine Gefahr….

      • Es ist völlig klar, dass es dem Ehepaar Petry-Pretzell nicht um politische Inhalte geht, die sie öfter wechseln als ihre Bettgenossen, sondern um Geld und Anerkennung. Dass sich die AfD dafür nicht wirklich günstig entwickelt hat, hat auch mit ihnen selbst zu tun. Trotzdem haben sie jetzt von beidem viel mehr als vorher.

      • Zum Glück ist die AfD eine basisdemokratische Partei! Der Vorstand alleine kann im Gegensatz zu dem Altparteien gar nichts alleine machen! Das führt zwar immer mal wieder zu Überraschungen, aber es ist die ehrlichere Art Entscheidungen herbeizuführen.

        Keine der Altparteien will aktuell mit der AfD zusammenarbeiten. Daher sind Koalitionsgedanken unnütz wie ein Kropf. Natürlich muss eine demokratische Partei Gestaltungswille haben und daher auch Regierungsverantwortung anstreben. ABER das braucht Zeit und Geduld. Auch mit den Grünen wollte viele Jahre niemand zusammenarbeiten. Der hessische SPD-Ministerpräsident Holger Börner drohte den Grünen sogar, sie „mit Dachlatten zu schlagen„, um wenig später mit ihnen die erste rot-grüne Koalition auf Landesebene einzugehen. Auch für die AfD wird es nur über die Kommunen und die Länder irgendwann in einer Nach-Merkel-Ära einen Anfang geben. Dazu ist die Zeit aber noch nicht reif! Daher sind derzeit alle Diskussionen dazu nichts weiter als politisches Schattenboxen.

      • Das ist viel zu passiv gedacht. Um auf das Ende der Ära Merkel nur zu warten, braucht man die AfD nicht. Diese müsste die Union vor sich hertreiben, z. B. eine Duldung einer Minderheitsregierung in Aussicht stellen, wenn sie nur Frau Merkel in die Wüste schickt. Ein Programm mit 100 Punkten kann niemand umsetzen, aber zwei, drei populäre Kernforderungen könnte man gut mit einem Koalitionsangebot platzieren, für dessen Ablehnung dann die anderen unter Rechtfertigungsdruck gerieten.

      • Geert Wilders hat in den Niederlanden vor Jahren seine Erfahrungen mit der Duldung einer liberal-konservativen Regierung gemacht. In Deutschland gibt es bisher dafür überhaupt keine Blaupausen. Daher ist Vorsicht geboten. Versuche damit kann man auf kommunaler Ebene starten.

    • @ Alexander Dilger

      Da haben Sie Recht gehabt. Ich hätte nicht gedacht, daß Petry sich jetzt schon so nach einer Koalition mit der CDU sehnen würde (denn nur die kann ja gemeint sein):

      „…zeigt Petry zwei Wege für ihre Partei auf. Einerseits eine von ihr favorisierte „realpolitische Strategie“ mit dem Ziel, die AfD mittelfristig koalitionsfähig zu machen.“ (Quelle)

      Solange Merkel das Sagen in der CDU hat, ist das völlig ausgeschlossen, und selbst wenn sie bei der BTW verlieren sollte, braucht die CDU mehrere Jahre im Abklingbecken, bevor sie wieder an der AfD programmatisch nahe genug ist.

  4. Angenommen, sie zieht sich zurück. Mit welchen personellen Alternativen hätte die AfD wieder gute oder bessere Entwicklungschancen? Und könnte das etwa Frau Weidel oder Herr Holm leisten?
    Würde stattdessen jedoch jemand wie der Landesvorsitzende von Thüringen oder wie der von NRW nach ganz vorne im Bund rücken, dann dürfte dies die Perspektive für die AfD sehr deutlich verschlechtern.

    • Wenn Frau Petry geht oder gar gegangen wird, ist Herr Pretzell sofort Geschichte. Das allein wäre eine große Verbesserung für die AfD. Herr Höcke würde relativ stärker, aber vermutlich (noch?) nicht nach der Bundesspitze greifen. Herr Holm wäre ein idealer Bundessprecher. Frau Weidel ist angeschlagen, sollte aber trotzdem versuchen, bundespolitisch an Einfluss zu gewinnen, wozu sich aber Herr Meuthen zurücknehmen müsste. Es ist also nicht sicher, ob die AfD besser würde, aber es bestünde zumindest wieder Hoffnung.

      • An dem Automatismus Petry-Pretzell glaube ich nicht. Pretzell hat seine Machtbasis in NRW. NRW hat eine eigene Dynamik.

        Die Kreisverbände sind klein. Wenn Pretzell scheitert, dann an einem Misserfolg. Bekommen die wenigen Mitglieder die angestrebten Posten nicht, dann wird Pretzell fallen.

        Die AfD-NRW stufe ich als Prekariats-Verein ein. (Der Landesverband Niedersachen oder Saarland kommt dem vielleicht auch noch nahe. ) Solange die Chance besteht, die eigene wirtschaftliche Situation zu verbessern, wird Pretzell überleben. Die Partei hat er fest im Griff.

        Die Machtkonstellation wird sich im Falle eines Wahlerfolges nicht verändern, denn mit nennenswerten Mitgliederzuwächsen ist nicht zu rechnen. Dazu ist der Ruf der AfD nunmehr zu schlecht.

        Am Mitgliederzuwachs dürften Pretzell & Kompanen wohl auch kaum Interesse haben. Für ihn, genauso wie für Petry, war es in Hinblick auf die parteiinternen Mehrheiten ein Glücksfall, dass Lucke & die Bürgerlichen gegangen sind.

        Zuwachs wäre allenfalls durch Eintritt von weiterem Prekariat oder Rechtsextremisten zu erwarten. Da es weitere lukrative Posten nicht zu verteilen geben wird, wäre der Zugang von weiterem Prekariat problematisch. Es würde mehr Unzufriedene geben. Der Zuzug von Rechtsextremen würde Pretzell innerparteilich schwächen.

        Die Zukunft von Pretzell wird also vorwiegend von den Wahlerfolgen abhängig sein, nicht von der parteilichen Existenz der Petry.

      • Große Wahlerfolge wird die AfD NRW nicht haben. Die sind auch gar nicht im Sinne von Herrn Pretzell, weil weiter vorne auf den Listen mehr Gefolgsleute von ihm sitzen als weiter hinten. Diese stellen weitere Unterstützer ein, so dass viele Hauptamtliche den Landesverband auf Jahre in seinem Sinne dominieren werden, wenn sie sich nicht untereinander zerstreiten. Doch ein Bundesvorstand ohne seine Frau könnte ihn sofort seines Amtes entheben, müsste das eigentlich wegen seiner unklaren Wohnsitzsituation sogar tun. Der größte Einzelfehler von Herrn Lucke war es wohl, das nicht bereis 2015 getan zu haben, vermutlich weil er glaubte, irgendwie noch Frau Petry auf seine Seite ziehen zu können.

  5. Heute ist u. A. Frau Petry bei Anne Will um 13 Uhr bei Phoenix!

    Um eine Partei zum Sieg zu fuehren ist sie zu blass und langweilig. Rueckhalt innerhalb der Partei und Siegeswillen, ein Paar Monate vor BTW, muss man spaetestens jetzt in Frage stellen?

    • Eigentlich ist es schon zu spät, um im Rennen die Pferde zu wechseln. Herr Gauland hat das erkannt, Frau Petry ist das offensichtlich egal, so wie sie auch zur Unzeit das Ausschlussverfahren gegen Herrn Höcke vorantreibt.

  6. Ihr fehlt der absolute Machtwille, damit wird sie fallen. Der absolute Machtwille ist stets erforderlich.

    Zu bedauern ist die Petry nicht. Sie fällt zwar gerade an ihrer ihr selbst so typischen Taktik, nämlich des sog. Netzwerkens. Allerdings ist sie kein Mobbing-Opfer, was Lucke und Henkel durchaus waren, und an dem sie ganz maßgeblich mitbeteiligt war.

    Für die AfD ist der Fall Petrys lediglich die Fortsetzung für den Marsch unter die 5 % – Hürde; zumal sich Petry öffentlich als Opfer stilisieren wird.

    • Vielleicht braucht man keinen absoluten Machtwillen, um an der Spitze einer Partei oder gar des Staates zu stehen, doch er sollte relativ größer sein als bei den relevanten Mitbewerbern. Allein mit diesem Kriterium konnte man die Gewinner der Bundestagswahlen gut vorhersagen. Frau Merkels Machtwillen ist zwar gesunken, aber immer noch größer als von Herrn Schulz, so dass sie noch einmal gewinnen wird. Frau Petry will eigentlich gar keine politische Macht, sondern etwas anderes, weshalb sie nicht mehr lange durchhalten wird.

      • Frau Merkel wird ja nicht direkt gewählt. Zur Zeit profitieren die beiden großen Parteien von der Stimmung im Volk, dass man von den Populisten und Extremen genug hat, dass die beiden großen Parteien ( zumindest verbal ) ihre Hausaufgaben machen.

        Frau Merkel wird innerparteilich an Halt verlieren. Die Basis entwickelt sich nach rechts hin, während Merkel nach wie vor für eine linke CDU steht.

        http://www.faz.net/aktuell/politik/bundestagswahl/bundestagswahl-die-cdu-rueckt-nach-rechts-ein-problem-fuer-angela-merkel-14951172.html

        Ich bleibe daher bei meinem Optimismus, dass Merkel spätestens 2018 nicht mehr Kanzlerin ist.

        Für die Merkel-Fans und die AfDler gibt es aber Trost:

        https://www.welt.de/icon/beauty/article163319667/Das-Schoenheitsgeheimnis-von-Angela-Merkel.html

      • Gerade weil in Deutschland der Bundeskanzler nicht direkt gewählt wird, kommt es mehr auf den Machtwillen der Kandidaten an. Ansonsten können die Wähler einfach anders entscheiden wie in den USA, wo Frau Clinton eindeutig mehr Machtwillen hatte und Herr Trump von seinem eigenen Wahlerfolg überrascht wurde und damit jetzt wenig anzufangen weiß. Auch in der Union ist momentan noch niemand zu sehen, der mehr Machtwillen als Frau Merkel hätte und sie damit verdrängen könnte. Wahrscheinlich muss sie erst als Kanzlerin abgewählt werden, um dann von unerwarteter Seite ganz zur Seite gedrängt zu werden wie seinerzeit Herr Kohl durch sie.

      • „Zur Zeit profitieren die beiden großen Parteien von der Stimmung im Volk, dass man von den Populisten und Extremen genug hat, dass die beiden großen Parteien ( zumindest verbal ) ihre Hausaufgaben machen.“

        Vielleicht.
        Aber bis zur BTW ist es noch ein halbes Jahr.
        Merkel und Schulz profitieren davon, daß die Wähler ein Ultrakurzgedächtnis haben. Aber die Flüchtlings- und Eurokrise sind so chronisch geworden, daß ein gewichtiger Teil der Wählerschaft sich nicht mehr von den etablierten Medien und Parteien einfangen läßt.
        Die AfD wird deshalb locker in den Bundestag einziehen.

    • Die AfD wird sich meiner Meinung nach dauerhaft halten können, da eine rechtspopulistische Partei einfach eine politische Marktlücke in Deutschland war.
      In unzähligen anderen Ländern gibst solche Parteien schon seit Jahren und Jahrzehnten. Die sind erfolgreich, haben natürlich auch Niederlagen, insbesondere wenn man an die Regierung kommt.

      Im Augenblick sind ja die „wahren Finnen“ oder Basisfinnen heißen die jetzt, im Abstieg begriffen, ja weil die in einer Regierungskoalition sind.

      Mir kommt hier immer vor, dass manche hier glauben ihre persönlichen Vorlieben, wären in der BRD politisch erfolgreich.
      Eine seriöse, ultrabrave liberal-konservative EU-kritische Professorenpartei. Na, in welchem anderen europäischen Land ist denn so eine Partei erfolgreich ???

      • In den meisten Ländern sind seriöse liberal-konservative Parteien besonders erfolgreich (mit honorigen Bürgern, darunter auch, aber natürlich nicht nur Professoren). In Deutschland war das jahrzehntelang die CDU, bis sie unter Frau Merkel zu einer linken Partei wurde. Die Lücke im deutschen Parteiensystem ist also riesig. Es ist nur schwierig, sie zu schließen. Die besten Chancen hätte vermutlich eine bundesweite CSU, ansonsten eine Post-Merkel-CDU oder Post-Lindner-FDP. Die AfD hatte anfangs auch Chancen, die inzwischen aber verspielt wurden, da die Positionierung inzwischen eine andere ist.

  7. Petrys Zitat wird als möglicher Komplettausstieg aus der Politik gewertet. Ebenso ließe es sich aber als Verbleib in der Politik, jedoch jenseits von der AfD, werten. Es lässt viel mehr Interpretationsspielraum als beim ersten Lesen erkennbar wird.

    • Sie spricht explizit die Politik an, was auf einen Komplettausstieg hindeutet. Zusätzlich erwähnt sie die AfD, so dass man beide auch trennen kann. Aber zu welcher anderen Partei sollte sie gehen, welche würde sie nehmen? Sie ist sicher nicht so naiv wie Herr Lucke, dass sie noch eine Neugründung für aussichtsreich hält. Ein Rückzug in die zweite Reihe der AfD ist auch schwierig, zumal ihr ihr Landesverband wohl schon stärker entglitten ist als die Gesamtpartei.

  8. Persönliche Anerkennung spielt in der von Stress gezeichneten politischen Tätigkeit sicherlich eine Rolle. Darüber hinaus muss man ständig prüfen,
    – ob Chancen bestehen, politische Ziele durchzusetzen,
    – ob die politische Tätigkeit mit der privaten Zukunftsplanung vereinbar ist.
    Das einzige politische Ziel ohne Gefahr, von den Traditionsparteien eingefangen zu werden, ist die Reform der EU und des Maastricht-Vertrages. Hier sitzt die AfD in der Klemme. Die eigenen Parteimitglieder kommen mangels Verständnisfähigkeit und Lebensführung (Sparverhalten ?) als Plattform größtenteils nicht – mehr – in Frage. Selbst die nicht exportorientierten kleineren Unternehmen- wie sie etwa in der MIT der CDU organisiert sind – sind für Formen der EURO-Organisation ohne weitere Aufklärung nicht zu gewinnen (über eine Vortragsveranstaltung von Prof. Sinn bei der MIT hatte ich an anderer Stelle geschrieben). Politische Änderungen müssen hier auf leisen Sohlen kommen. Auch die FDP packt das Thema aus diesem Grunde nur vorsichtig an und hängt die Problematik lediglich an der Griechenland-Problematik auf. Frauke Petry hat das sicher schon in Essen 2015 gesehen; hat sich jedenfalls bemüht, Lucke and Friends im Boot zu halten. Lucke hat aber -gestützt auf die „Weckruf“-Idee – dort erkennbar eine unversöhnliche Abschiedsrede gehalten. In den Gremien der AfD sitzen Mitglieder, die schon in den Traditionsparteien eine Außenseiterrolle gespielt haben und diesen Status – meist aus wirtschaftlicher Unabhängigkeit heraus- weiter pflegen.
    Für die private Zukunftsplanung ist für Viele nicht attraktiv, ihr Berufsleben als Abgeordnete in einer Partei ohne direkten politischen Einfluss zu verbringen. Denkbar ist, dass man die Partei als Plattform zur Werbung für fachliche Qualifikationen nutzt. Zur AfD fällt mir gegenwärtig kein Ansatzpunkt ein. Im Gegenteil- Prof. van Suntum – der bei dem Ableger ALFA/LKR einige Zeit Landesvorsitzender war – beklagte, dass er in dieser Zeit keine Gutachter-Aufträge mehr erhielt.
    Solche Überlegungen sind jederzeit legitim. Frauke Petry würde ich für eine Führungsrolle in der Wirtschaft in Erwägung ziehen (sofern sie den Chef leben lässt).

    • Frau Petry wollte Herrn Lucke 2015 nicht im Boot halten, sondern loswerden. Umgekehrt wollte er sie einbinden, aber nicht gleichrangig, sondern eindeutig hinter sich selbst. Zugleich wollte Herr Lucke nicht mit Herrn Höcke paktieren, um Frau Petry ganz zu entmachten. Entsprechend kam es zum Bündnis zwischen Frau Petry und Herrn Höcke, was ihren Rauswurfversuch jetzt noch unglaubwürdiger macht.

      Keine Partei eignet sich zur Werbung für die fachliche Qualifikation, die AfD noch viel weniger als andere. Frau Petry wird deshalb zumindest vorerst auch nicht auf eine Führungsrolle in der Wirtschaft wechseln können. Langfristig halte ich das für möglich. Sie ist ehrgeizig genug, musste sich jedoch loyaler verhalten und nicht gleich bei erstbester Gelegenheit ihren größten Förderer stürzen wie in der AfD.

  9. Die AfD hat den Vorteil, was natürlich auch wieder ein Nachteil ist, man hat keine charismatische Führungspersönlichkeit.
    Wie bei Lucke, wenn die Petry austritt oder rausgedrängt wird, gibst vielleicht eine kleine Krise aber nicht ein riesiges Problem. Und bei Höcke, der ist vielleicht der einzige der AfD der harte Brandreden auf Plätzen halten kann, nur hat der so einen irren Blick und als besonders charismatisch werden den auch die eigenen Anhänger kaum bezeichnen.

    Abspaltungen von der AfD haben keine Chance, ist eh klar, da man halt schon einen bekannten Parteinamen hat, genug Geld durch die Parteienförderung und auch Parteistrukturen ( Bezirksverbände etc) aufgebaut hat. Gerade in einem bevölkerungsreichen Land wie Deutschland ist der Aufbau einer neue Partei nicht so einfach, wie vielleicht in Island.

  10. Frau Petry ( und auch Pretzel ) hat jeden in der AFD übergangen,bloßgestellt und versucht ihn kaltzustellen,der irgendwie einen Hauch einer Konkurenz darstellen könnte.
    Erinnere an den Eingriff in den Landesverband von Meuthen bei der Sache Gedeon,oder der Versuch Renner platt zu machen u.s.w.

    Was erwartet Petry nach solchen Aktionen.

    Höcke ist ein anderes Problemkind,das der AFD extrem schadet und Petry wie ein Klotz am Hals hängt – nicht am Bein.

    Es ist deren Streit untereinander,der nicht zu kitten ist und der erst dann endet,wenn irgendeine Seite das Feld räumt und die Andere sich platziert.Nachdem Petry den eher gemäßigten Meuthen verprellt hat,dürfte ihr jetzt ein wichtiger Eckpfeiler fehlen den extrem rechten Rand der AFD rauszukehren.

    Bündnisse mit Front National,Liga Nord und Wilders waren ebenfalls extrem dumm.
    FPÖ und SVP hätten eigentlich gereicht.

    Ich denke,das gibt ersteinmal einen AFD Scherbenhaufem, bevor sich irgendwann etwas neues daraus bildet.

    Und ich hoffe nicht,das es eine Höcke AFD wird.

  11. Ihre Analyse ist verblüffend. Sie müssen eigentlich eine analytische oder tiefenpsychologische Ausbildung haben, sicher auch für einen Volkswirt nützlich.
    Wenn man auch man ohne persönliche Exploration keine exakte Analyse anfertigen kann, so liegen hier zahlreiche Fakten und auch persönlich Erfahrungen bei öffentlichen Vorträgen und Parteitagen vor. Vier erfolgreiche Laufbahnen hat sie durchgeführt:
    Sie hat als Abi-Jahrgansbeste mit dem zweitbesten des Jahrgangs eine Familie mit vier Kindern begründet. Ihr Mann ist promovierter Theologe, die beiden sollen getrennte Fächer gewählt haben, um nicht miteinander zu konkurrieren. Die Ehe ist inzwischen geschieden.
    Zweitens hat sie ihr Chemiestudium mit einer Summa-Promotion abgeschlossen. Dass sie dann keine wissenschaftliche Laufbahn einschlug, ist nicht unbedingt auffällig.
    Drittens erfolgte eine Unternehmensgründung mit einem Patent der Mutter, was zu einem Bundesverdienstkreuz führte, aber in einem Bankrott endete.
    Viertens hat Frau Petry den Bundesvorsitz einer politischen Partei erreicht.

    All dies beweist, dass Frau Petry auf vielen Feldern ganz außerordentliche Fähigkeiten hat, jedoch ihre Laufbahnen von sich aus abbricht, bzw. den Erfolg nicht halten oder ausbauen kann.
    Ich stimme mit Ihnen überein, dass Frau Petry ihr wahres Ziel noch suchen muss und hierfür die Blickrichtung nach innen gehen muss, was wohl eher einen kompletten Rückzug aus der Politik voraussetzen wird, Ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass sie die Seiten wechseln oder eine andere politische Laufbahn suchen wird. Tempel zu Delphi: „Erkenne dich selbst!“

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