AfD ignoriert Mitgliederbefragung zum Bundestagswahlprogramm

Seit gestern ist der Entwurf zum Bundestagswahlprogramm der AfD öffentlich. Mit 67 Seiten ist er mir aber deutlich zu lang, zumal es sich eben doch noch nicht um das beschlossene Wahlprogramm handelt. Lieber habe ich mir die „Ergebnisse der Mitgliederbefragung zum Bundestagswahlprogramm 2017“ angesehen. Größtenteils finde ich diese nachvollziehbar, so dass die Mehrheit der aktiven Mitglieder (immerhin gab es 6.385 Befragungsteilnehmer, was einer Beteiligung von 27,2 % entspricht) wohl immer noch vernünftig ist.

Doch beim Punkt der Minuszuwanderung fiel auch mir auf: „AfD-Spitze übergeht Parteibasis bei zentralen Fragen“. Die Frage „Soll die Forderung nach einer Minuszuwanderung um eine Zahlenangabe ergänzt werden?“ wurde von der absoluten Mehrheit (57,36 %) negativ beantwortet und nur von einem guten Dritten (34,96 %) mit mindestens 200.000, die trotzdem im Programmentwurf stehen. Andere krasse Abweichungen stehen im verlinkten Artikel.

Basisdemokratie sieht anders aus. Da finde ich etablierte Parteien, die ihre Mitglieder gar nicht erst befragen, ehrlicher. Nun muss noch ein Delegiertenparteitag das Programm beschließen, doch auch den meisten Delegierten ist die Meinung der einfachen Mitglieder erfahrungsgemäß ziemlich egal.

28 Gedanken zu „AfD ignoriert Mitgliederbefragung zum Bundestagswahlprogramm

  1. Ihre Kritik in allen Ehren, nur finde ich, dass Sie im eigenen Interesse in diesem kritischen Wahljahr eher gegen die Bundesregierung schießen sollten, statt diese Störpropganda von der Fake News/Europresse weiterzuverbreiten. Frau Merkel hat auf dem EU-Gipfel zusammen mit dne sozialistischen Regierungen von Frankreich und Italien zumindest implizit von einem europäischen Steuerrecht und einem europäischen Sozialstaat geschwärmt. Dagegen finde ich z.B. die Frage nach einer Zahlenangabe bei der Minuszuwanderung ziemlich irrelevant, wobei ich hier wenigstens 1,5 Millionen anvisieren würde. Jedenfalls sollte man diese Fragen alle im größeren Zusammenhang sehen.

    Mich persönlich stört es nicht, wenn die AfD sich so verhält, weil ich persönlich denke, dass man der CDU und der SPD nur mit einer straff geführten Partei beikommt, in der Quertreiber schnell marginalisiert bzw. entfernt werden können (siehe Höcke) und tumultöse Mitgliederparteitage vermieden werden. Die Deutschen wünschen sich bei Parteien Ruhe und Stabilität, weil sie dies mit Qualität und Kompetenz gleichsetzen. Tatsächlich waren Parteien immer dann besonders erfolgreich, wenn diese besonders autoritär geführt wurden. Allerdings ist es peinlich und ein Schuss ins eigene Fleisch, wenn man die Mitglieder befragt und dann übergeht. Hier würde ich mir eine Erklärung zu den Motiven und der Logik wünschen; wahrscheinlich ist es nur Schlendrian. Trotzdem muss ich an AfD-Mitglieder appelieren, jetzt auf Geschlossenheit zu setzen. Fehlentwicklungen können nach der Wahl immer noch angesprochen werden. Leider sehe ich keine überzeugenden personellen Alternativen; Petry zu untermenieren, würde nur Höcke stärken. Wahrscheinlich hat das Fake-News-Outlet mit dem selbtherrlichen Namen „Die Welt“ genau das vor.

    Das Programm finde ich nach dem Vorwurf, das letzte sei zu kurz gewesen, nicht zu lang. Es sollte aber eine verkürzte Form mit einigen Kernpunkten geben, die man z.B. via Flugblatt verbreiten und übersichtlich im Internet darstellen kann. Ich denke nicht, dass jemand all diese Seiten tatsächlich liest.

    • Es handelt sich doch nicht um Fake News, sondern um leicht überprüfbare Tatsachen. Sie können diese höchstens anders bewerten. Allerdings finde ich es befremdlich, wenn die AfD erst Herrn Lucke wegen autoritärer Tendenzen abwählt, um nun genau diese bei Frau Petry gutzuheißen, obwohl ihre fachliche wie auch moralische Autorität um Größenordnungen unter seiner liegt. Wenn Sie eine Frau an der Spitze wollen, die sich nicht um die Meinung der Mitglieder ihrer Partei und auch der Wähler insgesamt schert, dann können Sie gleich Frau Merkel wählen.

      • Ich habe nicht behauptet, dass es sich um eine Falschmeldung handelt. Die Welt ist als Zeitung selbstvertsändlich ein Fake-News-Blatt und das würde ich selbst dann schreiben, wenn dort nur die reine Wahrheit stehen würde. Wenn Sie gegen den Status Quo sind, dann ist die Presse Ihr Gegner. Donald Trump weiß dies und ist US-Präsident geworden; bei Ihnen reichte es nicht für ein Bundestagsmandat, weil Sie Leute, die Ihnen politisch näher stehen, mit größerer Härte bekämpfen als Ihre wirklichen Gegner und emotional gesteuert falsche Prioritäten setzen. Hier forden Sie mich blindwütig und grobschlächtig sogar zur Wahl von Frau Merkel auf.

        Gerade die Causa Lucke beweist, dass ich Recht habe. Herr Lucke hat versucht, negativen Tendenzen in der Partei mit autoritären Zügen zu begegegnen; alle, die ihn deswegen torpedierten (darunter auch Sie auf diesem Blog, eine leicht überprüfbare Tatsache), sind mit Frau Petry aufgewacht. Jetzt finden Sie ihn kompetenter als Frau Petry, nachdem Sie (mit aus dem Kontext gerissenen Aussagen) ständig wiederholten, Herr Lucke wolle im Euro blieben. (So viel zum Thema Fake News.) In Bezug auf Ökonomie mag dies stimmen, in Bezug auf Politik halte ich Frau Petry trotz Schwächen für kompetenter, und nur das zählt. Wenn Sie mindestens so kompetent sind wie Herr Lucke, dann hat Ihnen das bislang in der Politik wenig genutzt. Sehen Sie: Die AfD-Spitze ignoriert die Mitglieder, Sie die Realität und Ihre eigenen Erfahrungen.

        Über den letzten Satz generieren Sie sich hoffentlich schon, jedenfalls sollten Sie es. Es ist für Sie unwürdig, die Zukunft des Landes darauf zu reduzieren, wie jemand die eigene Partei handhabt – zumal Frau Merkel politisch überaus erfolgreich ist -, und was der explizite Verweis auf das weibliche Geschlecht von Merkel und Petry sollte, mögen die Götter wissen. Immerhin gab es keinen Verweis auf Ostdeutschland und Kurzhaarfrisuren. Ihre vereinfachende Schubladen-Logik ist bizarr – kann ich gleich die NPD unterstützen, wenn ich die D-Mark zurückhaben will? Ist das Ihre Message? Also: Mich schert die Zukunft dieses Landes mehr als das Geschlecht von jemandem und wie Parteitage organisiert werden. Es schert mich sogar mehr als mein Ego und meine persönlichen Frustrationen. Welche offensichtlich stark simplifizierten, aber wahrscheinlich nicht sexistischen Motive Ihrer Wahlentscheidung zugrunde liegen, schert mich dagegen nicht.

      • Ich bin Wissenschaftler und die Wahrheit ist mir wichtiger als der politische Machtkampf. Auf Mandate etc. bin ich zum Glück nicht angewiesen. Eine „Lügenpresse“ müsste vor allem Lügen verbreiten, sonst ist die Verwendung des Begriffs selbst eine Lüge.

        Es ist völlig normal, dass zwischen Parteifreunden stärker gerungen wird als mit dem politischen Gegner, dessen Ablehnung ohnehin klar ist. Wenn sich Merkel-Fans in die Diskussion hier verirren, werden sie von mir nicht geschont, wenngleich auch nicht plump beleidigt. Hohe Parteifunktionäre sollten sich mit öffentlicher Kritik an Parteifreunden zurückhalten, was ich als Landessprecher auch getan habe. Für einfache Mitglieder gilt das weniger und für Nichtmitglieder überhaupt nicht. Wenn Herr Lucke auf meinen Rat gehört hätte, wäre er immer noch ganz vorne in der AfD dabei und diese weit besser aufgestellt. Ich fand ihn natürlich schon immer viel kompetenter als Frau Petry oder gar deren jetzigen Ehemann. Er hatte nur weniger Willen zur Macht und mehr Skrupel (wie ich auch). Erfolg ist eben nicht der einzige oder gar wichtigste Maßstab.

        Frau Merkel hat anfangs als Oppositionsführerin doch auch ganz andere, viel vernünftigere Sachen gefordert. Die Parallelen zwischen ihr und Frau Petry sind unübersehbar. Das hängt nicht nur, aber auch damit zusammen, dass es sich um Frauen mit DDR-Vergangenheit handelt. Gerade wenn Sie sich ernsthaft um die Zukunft dieses Landes sorgen, sollten Sie schon darauf achten, wer vertrauenswürdig ist und wer rein opportunistisch handelt, so dass er bzw. sie morgen vielleicht das Gegenteil von dem tun wird, was heute versprochen wird, zumal gestern schon etwas anderes erzählt wurde.

    • Was erwarten Sie eigentlich ?! Einen Sonderbonus für die AfD ?! Einen Freibrief ?!

      Weil sie gegen das Establishment wettert, darf sie lügen, betrügen, hetzen und hassen ?!

      Weil das Establishment jede Menge Fehler macht, bzw. machte, darf die AfD als neue vermeintliche heilige Martyrer-Kuh tun und lassen, was sie will ?!

      Die AfD hat krasse personelle Fehlentscheidungen getroffen. Die fallen ihr jetzt auf die Füße. Mit Leuten wie Petry, Pretzell, Gauland, Höcke & Gefolge als Repräsentanten ist die Partei unwählbar.

      Die AfD hatte die Chance, eine Alternative zu sein. Die Chance hat sie verbockt. Und keiner der AfD-Mitglieder kann sich darauf berufen, er habe damit nichts zu tun. Diese Leute sind mehrheitlich gewählt worden und damit sind auch die angeblich so vernünftigen Mitglieder voll und ganz mit in der Verantwortung.

      Als AfD-Mitglied können Sie positiv verbuchen, dass die Partei immerhin einen Politikwechsel einleitete, was durchaus auch gut ist.

      Aber mehr wird die AfD mit diesen Personalien nicht mehr erreichen. Da hilft es auch nichts, wenn auf AfD-Parteitagen Ringelnatz-mit-Anfassen fabriziert wird, die Maulhelden den großen Richter gegen das Establishment und Medien geben oder sich als das große Opfer derselben zelebrieren.

      Soziale Mindestnormen sind nun einmal einzuhalten. Wenn man sich als moralische, konservative Alternative zum Establishment verkaufen will, dann müssen Repräsentanten diesen Kriterien entsprechen.

  2. Ruhig bleiben! Der AfD-Bundesvorstand hat einen ENTWURF der Bundesprogrammkommision für ein Wahlprogramm zur Bundestagswahl vorgstellt. Nicht mehr und nicht weniger! Das letzte Wort hat der Bundesparteitag. Man kann da über Kleinigkeiten reden, ABER die Richtung stimmt, darauf kommt es an!

    Es ist mir ganz wichtig, dass die Euro-Kritik im Zentrum der Themen der AfD bleibt, zumal das ihr Gründungsmerkmal war und ist! Im Moment ist es zwar ruhig an dieser Front, aber wir sollten uns nicht täuschen lassen! Für die südeuropäischen Staaten ist der Euro zu stark, mit ihm kommen sie wirtschaftlich nicht wieder auf die Füße. Sehr viel deutsches Steuergeld ist im Feuer! Die Geldpolitik der EZB enteignet Menschen, die für ihr Alter vorsorgen. Die Lage ist so fragil, dass ein Funke genügt, um einen Flächenbrand zu entfachen. Das Problem für die AfD ist nur, dass viele Menschen keine schlechte Nachrichten hören wollen. Die Lüge ist so süß und die Wahrheit so bitter…..

    • „Es ist mir ganz wichtig, dass die Euro-Kritik im Zentrum der Themen der AfD bleibt“. Dem stimme ich zu. „Die Lüge ist so süß und die Wahrheit so bitter…“ Dem auch, wobei es leider auch für viele AfD-Anhänger gilt.

      • Es ist schon erstaunlich, was manche intelligenten Menschen so schreiben, wenn sie bzw. ihr Institut nur etwas Geld dafür bekommen. Natürlich begehen die Eurokritiker hier keine Denkfehler, sondern Herr Fratzscher betreibt billigen Europopulismus. Die Übernahme der DM in der DDR insbesondere mit dem Umtauschkurs 1:1 war wirtschaftlich gesehen eine Katastrophe, die viele Unternehmen und Millionen Arbeitsplätze vernichtet hat. Ohne Wiedervereinigung und riesige Transfers wäre dieses rein politische Projekt gar nicht durchführbar gewesen. Dass Deutschland dann als der kranke Mann Europas galt, lag doch genau daran. Insbesondere der Euro und die Agenda 2010 haben das geändert, indem andere europäische Länder wirtschaftlich ruiniert wurden. Die mangelnde Nachfrage dort, übrigens auch für deutsche Produkte, hängt natürlich direkt mit den zu hohen Löhnen durch seinerzeit die DM und jetzt den Euro zusammen. Die falschen Investitions- und Konsumentscheidungen wurden auch nur wegen des Euro getroffen, der zu falschen Preisen einschließlich Zinsen führte. Außerdem wäre eine politische Union nötig, um die massiven Transfers und Eingriffe in die Entscheidungen von jetzt souveränen und demokratischen Ländern zu legitimieren. Herr Fratzscher möchte, dass das weiter intransparent und undemokratisch ausgekungelt wird. Schließlich zeigen die Krisen und gelegentlich nötigen Anpassungen bei festen Wechselkursen doch gerade, dass eine gemeinsame Währung, die diese Anpassungen nicht mehr erlaubt, noch viel schlimmer ist und irgendwann mit einem riesigen Knall enden wird, wenn nicht bald vernünftig gegengesteuert wird. Die größte Gefahr ist tatsächlich der Populismus, nämlich der von Frau Merkel und auch Herrn Fratzscher.

      • Ich hoffe, die Ironie in meinen ersten Post ist angekommen. Der Vergleich mit der DDR ist selbst für einen ökonomischen Laien (zumindest wenn er einigermaßen interessiert ist) erkennbar unsinnig.

        Allerdings nutzen solche Stellungnahmen der Euro-Lobby enorm. Umso schlimmer, wenn sie – wie hier zu vermuten – wider besseres Wissen erfolgen.

      • Die Ironie habe ich schon verstanden. Trotzdem fand ich, dass die Behauptungen von Herrn Fratzscher einer inhaltlichen Zurückweisung bedürfen. Es gibt durchaus Gemeinsamkeiten zwischen der Übernahme der DM durch die DDR und dem Euro, aber diese sprechen vor allem gegen und nicht für den Euro.

      • Vielen Dank auch dafür, Sie bringen es für mich auch immer präzise auf den Punkt. Schade nur, dass es niemand in einem öffentlichen Medium zurückweist. Habe ich bisher jedenfalls nicht gesehen. Noch nicht mal von der AfD ☹ .

  3. Grundsätzlich ist Ihre Kritik natürlich berechtigt, Herr Dilger.
    Wer eine Mitgliederbefragung durchführt und dann Ergebnisse nicht so umsetzt, macht sich unglaubwürdig.

    Allerdings dürfte auch jedem erfahrenem Wahlkämpfer klar sein, daß er nach „Minuszuwanderung“ sofort gefragt wird.

    Der Bürger will schlicht mal eine (ungefähre) Vorstellung von der Größenordnung darüber haben. Ohne eine Zahl ist das nichts sagend und nur wischi waschi.

    (Für unsere Regierung sind übrigens 38 Personen in einem Flugzeug schon eine Massenabschiebung)

    • Genau darum geht es. Die Wahlkampfhelfer am Stand
      auf dem Marktplatz können nachfragenden Bürgern das
      eigene Programm schlecht verkaufen, wenn man im
      Ungefähren verharrt. Das gilt auch für ALG.Regelung.
      Sollte es tatsächlich eine AfD-geführte Regierung einmal
      geben, so ist zuerst ein Kassensturz vonnöten, und danach
      erst kann man klar sehen, was überhaupt machbar ist.
      Trotzdem gibt es ja ALG-Bezieher, welche AfD wählen
      würden, aber unsicher sind, ob die AfD ihnen nicht die
      finanzielle Existenz rauben wird.
      Ob nun an der einen Schraube gedreht wird, oder auch
      nicht, ist unerheblich.
      Sollten die illegal Eingereisten abgeschoben werden, so
      sind im Anschluß 20 Mrd. € mehr im Sozialbudget, was
      dann Personen zugute kommen kann, welche in prekären
      Verhältnissen ihr Dasein fristen müssen. Aus welchem
      Fond dann die Zahlung gespeist wird, ist dem Bezieher
      egal. Deswegen sollte man völlig unnötige Verunsicherungen
      der Wähler vermeiden.

      • Falsche Wahlversprechen werden der AfD auf die Füße fallen, sollte sie jemals in die Verlegenheit kommen, diese umsetzen bzw. brechen zu müssen. Abschiebungen kosten erst einmal viel Geld und sind bestenfalls eine langfristige Investition.

      • @ Dilger

        „…Abschiebungen kosten erst einmal viel Geld…“
        Dieses Ausgaben sind aber nicht Aufgabe der Versicherten-
        gemeinschaft, sondern gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

        Wenn Sie diese Kosten ausschließlich den kleinen Arbeitern
        und Angestellten aufbrummen wollen, obwohl es in erster
        Linie die Wirtschaftsführer und (politischen) Beamten waren,
        welche nicht laut genug „Refugees welcome!“ schreien konnten,
        dann brauchen Sie sich nicht zu wundern, daß Ihre liberalen
        Ansichten in der AfD und der Gesamtbevölkerung einen
        zunehmend schlechteren Stand haben.

        Wenn Liberalismus nicht endlich wieder nicht endlich wieder
        auch zum Liberalismus des „kleinen“ Mannes wird, dann ist
        er lediglich ein Instrument einer Establishment-Klasse, um
        Standesunterschiede und Standesdünkel zu zementieren.
        Das ist genau der Grund, weswegen ich mich in der Gegen-
        wart niemals als „liberal“ bezeichnen würde.

      • Liberalismus nutzt vor allem den sogenannten „kleinen Leuten“, die ehrlich arbeiten und sparen wollen. Wer fürs Nichtstun Geld erwartet, setzt besser auf Linke, die eben nicht mehr die Arbeiter vertreten. Reiche können Lobbyismus betreiben und so durch den Staat verdienen. Andernfalls können sie viel leichter auswandern.

        Zumindest bislang belasten die Flüchtlinge doch weder die Arbeitslosenversicherung noch die Rentenkasse, sondern die verschiedenen Staatskassen und, was tatsächlich ein Skandal ist, die gesetzlichen Krankenkassen.

      • Hallo Herr Dilger,
        ich weis nicht, ob Ihre Frage an mich oder den Kollegen gerichtet war…

        Mir gefällt der Entwurf soweit gut.

        Ich bleibe aber bei meiner Meinung, daß unbedingt eine Zahl dort rein muss!

        Das wird jeder Straßenwahlkämpfer auch nach 1 Stunde gemerkt haben.

        Wähler wollen zu recht eine Vorstellung der Größenordnung haben.

  4. Minuszuwanderung, Zahlenangabe und konkrete Umsetzung

    Die Zahlenangabe ist schon aus dem Leitantrag verschwunden, habe eben im öffentlichen Downloadbereich nachgesehen.

    Die sehr große Herausforderung besteht in Definition und Umsetzung dieser Forderung vor dem Hintergrund, dass in Summe nur wenige Zehntausende pro Jahr abgeschoben werden und selbst zusammen mit den freiwilligen Ausreisen Asylsuchender kommt man auf gerundet kaum mehr als 100.000.

    Unterstellt man außerdem mindestens 200.000 Asyleinwanderer p.a. brutto und versteht man die Minuszuwanderung als Nettogröße, wären also noch sehr viel mehr Abschiebungen und freiwillige Ausreisen Asylsuchender nötig, in jedem Fall eine Vervielfachung der bisherigen Zahlen. Das zeigt die enorme Herausforderung vor der wir stehen, während die derzeitige Regierung vor allem darauf aus ist, unschöne Bilder von Massenabschiebungen zu vermeiden.

  5. Ich habe den Entwurf des Wahlprogramms eben „quergelesen“. Der Vorwurf, den ich 2013 erhob: die AfD sein (unter Lucke) in Sachen „der Euro muss weg“ eine Mogelpackung, hat sich nun erledigt. Die Forderung, den Euroraum und die Transferunion zu verlassen sind nun klar formuliert. Auch die Aussagen zum EEG, welches weg muss, oder zur Windkraft und zum Klima gefallen mir. Was die Bekämpfung des Parteienstaates oder positiv fomuliert, die „Wiederherstellung der Demokratie“ betrifft, so fehlt der AfD unter Führungskräften wie Petry und Pretell jegliche Glaubwürdigkeit. Glaubwürdigkeit ist aber das höchste Gut eines Politikers und wer diese, so wie Frauke Petry verspielt hat, gehört abgewählt. Bleibt noch das Thema: Rechtslastigkeit. Wenn der erzkonservative Martin E.Renner in seiner Bewerbungsrede erklärt, Björn Höcke hätte die richtigen Themen besetzt, nur die Tonart wäre schlecht, und er dafür eine – wenn auch sehr knappe Mehrheit – als Spitzenkandidat gewinnt, dann kann ich meinen Vorwurf aus 2013 , die AfD sei eine Partei mit starken rechtspopulistischen Tendenzen nicht zurücknehmen. Im Osten gibt es erhebliche Schnittmengen zur NPD und in AfD LV NRW ( z.B. in Ostwestfalen-Lippe) soll es angeblich sogar „Reichsbürgerstrukturen“ geben (Monitor recherchiert bereits). Festszustellen bleibt: die AfD ist gespalten und zerstritten, das wird viele Stimmen kosten. Persönlich möchte ich weder von einem Herrn Pretell im NRW Landtag noch von einer Frauke Petry im Bundestag vertreten werden, denn bei beiden habe ich die Vermutung, dass sie nicht besser sind als diejenigen, die sie zu bekämpfen vorgeben.

    • Im Prinzip stimme ich Ihnen zu. Der Programmentwurf ist insgesamt gar nicht so schlecht, die meisten Führungsfiguren leider schon. Bei innerparteilichen Wahlen darf man aber auch keine Wunder erwarten. Wenn z. B. nur Herr Renner und ein Pretzell-Mann zur Wahl stehen, hätte ich mich auch für ersteren entschieden, insbesondere da die Listen ohnehin von Pretzell-Leuten dominiert werden. Gerade wenn alle verbliebenen Flügel problematisch sind, kann das Ganze mehr sein als die Summe seiner Teile, sollte sich also keine Seite vollständig durchsetzen, sondern innerparteilicher Wettbewerb bestehen bleiben. Wenn die AfD die Basisdemokratie ganz aufgibt und nur noch einer Führungsfigur folgt, gebe ich sie definitiv auf, egal ob diese Führungsfigur Frauke Petry oder Björn Höcke heißt.

  6. Zum letzten Absatz, dass den meisten Delegierten die Meinung der einfachen Mitglieder egal ist, möchte ich widersprechen.

    Es wird meiner Ansicht nach ihnen nicht deutlich genug mit auf den Weg gegeben, wie sie sich verhalten sollen. Eine Kontrolle, wie abgestimmt wurde, lässt sich auch schlecht bewerkstelligen.

    Das sind eben die Vor- und Nachteile von Delegierten- und Mitglieder-Parteitagen.
    Zudem haben Teilnehmer manchmal das Problem, nicht zu wissen wie gerade ein bestimmter Sachstand ist. Sie stimmen dann so ab, wie es andere mit gleicher Meinung tun, oder schließen sich einfach der Mehrheit an.

    MfG

    • Es gibt kein imperatives Mandat. Die Delegierten dürfen also abstimmen, wie sie wollen. Entscheidend ist, was sie grundsätzlich wollen, also z. B. dem besten Sachargument folgen oder die Wünsche der einfachen Mitglieder umsetzen, sei es des jeweils entsendenden Verbandes oder von allen, wie sie sich u. a. in so einer Befragung zeigen. Die meisten stimmen inzwischen aber wohl nach politischen bzw. persönlichen Lagern ab, was die Konflikte verschärft statt abbaut.

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